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Full text of "geigen und lautenmacher"

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DRUCK DER SPAMERSCHEN BUCHDRUCKEREI IN LEIPZIG 
COPYRIGHT 1921 BY FRANKFURTER VERLAGS- ANSTALT A.-G. IN FRANKFURT A.M. 



ALPHABETISCHES VERZEICHNIS 
DER GEIGEN- UND LAUTENMACHER 




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Aabenmundjens Iversen. — Tversted(?). 1762 
Seinem Zettel nach ein Drechsler. der einige sonderbar 
aussehende Geigen gebaut hat. Der Name des Wohn- 
orts ist nicht sicher lesbar gewesen. 
Geigenzettel : Forfoerdiget af Jens Iv. Aaben- / mund, 
Dreier i Tverstedt / Ao 1762 (geschrieben). 

Aachner s. Achner 

Aagaard, Larsen. — Kopenhagen 

Geb. 9. Juli 1847 in einem danischen Dorfe, kam er 
1862 in die Maschinenbaulehre und wurde in der 
Modellwerkstatt verwendet. Sein Meister Heinrich 
Hertz war gelernter Musikinstrumentenmacher, unter 
dessen Leitung Aagaard 1866 zum Geigenbau iiberging. 
Im Jahre 1876 siedelte er nach Amerika uber, arbeitete 
in vielen bedeutenden Geigengeschaften, so bei Lyon 
und Healy, dann bei F. Cristofori in Chicago, und 
kehrte 1883 nach Kopenhagen zuriick, wo er seine 
eigene Werkstatt eroffnete und Anerkennung fand. 

Abbate, Alessandro. — Neapel. 1890. 1899 

Ein Mandolinenmacher, der jetzt mit seinem Sohne 
gemeinsam arbeitet. 

Abbate, Alfonso. — Neapel. 1845 

Ein Lautenmacher, der gute Instrumente nach den her- 
gebrachten Modellen verfertigt hat. Seine Mandolinen 
hatten seinerzeit guten Ruf. 

Abbate, Luigi. — Neapel. 1860 

Wahrscheinlich Sohn, Schiiler und Nachfolger von 
Alfonso Abbate, dem er in seiner Arbeit nahesteht. 

Abbati, Giambattista. — Modena. 1775. 1795 
Seine Arbeit erinnert an Cassini, aus dessen Schule er 
hervorgegangen sein mag. Wenn er auch nur zu den 
mittelmaBigen Nachahmern der Amati und Stradivari 
gehort, so hat er doch einzelne gute Geigen, namentlich 
Basse, gebaut, die stark im Holz sind und braunen Lack 
zeigen. Eine gutklingende Viola von ihm befindet sich 
in der Sammlung Valdrighi. 

Abeille. — Avignon. 1870. 1876 

Ein Musikinstrumentenhandler, der eine Reparatur- 
werkstatt fur Blech-, Holz- und Streichinstrumente be- 
safi. 1876 ward Gaetano Autiero sein Nachfolger. 

Abel, Pater Rudolph. — Konstanz a. B. 1796 

Ein Augustinermonch, der Violinen repariert hat. Das 
Konstanzer Augustinerkloster ist am Ende des 18. Jahr- 
hunderts in den Besitz der Stadt iibergegangen, die die 
Bestreitung des Unterhalts fur die damaligen wenigen 
Ordensangehorigen biszuderen Leberisende ubernahm. 



Pater Rudolph, iiber den die diirftigen, noch erhaltenen 
Klosterakten keine Auskunft geben, hat also wohl 
seinen stillen Lebensabend damit beschlossen, seiner 
Geigenliebhaberei zu leben. Grillet teilt nur den unvoll- 
standigen Zettel mit, auf dem der Wohnort fehlt, und 
rechnet Abel ohne ersichtlichen Grund zur italienischen 
Schule. 

Geigenzettel : Raccommode par le Pere Rodolphe / Abel 
de l'ordre de St. Augustin / a Constance sur le lac. 1796 
(gedruckt). 

Aberg. — Malmo. 1850 

Er soil nicht ungeschickt gewesen sein, ist hauptsachlich 
aber als Reparateur bekannt. 

Absam, Thomas. — Wakefield (Yorkshire). 
1810. 1849 

Er soil einer Tiroler Familie entstammen und stand in 
Diensten des Handlers Pickard in Leeds, versah aber 
auch einige bessere Geigen mit seinem eigenen Zettel. 
In seiner Arbeit erinnert er an Forster, kommt ihm 
aber nicht gleich. 

Geigenzettel : Made by / Thomas Absam / Wakefield, 
Feb. 14/ 1833 (gedruckt). 

Acevo (richtig acero, d. h. »Ahorn«, vgl. auch 
Sapino, d. h. Tannenholz) 
Auf dem Boden einer Viola aus Saluzzo las man das — 
wie de Piccolellis nachweist — die Holzart bezeichnende 
Wort acero. Fetis las »Acevo« und hielt dieses Wort 
fur den Namen eines Geigenmachers. So kam dieser 
»Acevo« in die Literatur, und noch Vidal 1 ) und Grillet 
fiihren ihn an, lassen ihn sogar einen Schiiler Cappas 
sein und setzen, je nachBelieben, sein Zeitalter zwischen 
1620 und 1690 und seine Heimat in Cremona oder 
Saluzzo an. 

Achille e Vinaccia. — Neapel. 1880. 1900 

Mandolinenmacher, die gute und oft hiibsch ausge- 
stattete Instrumente bauen. 

Achner, Joseph. — Mittenwald. 1760 

Er schrieb seinen Namen, der von der Achen, einem 
NebenfluB der Isar, abgeleitet scheint, zeitweilig auch 
Aachner, und ist ein weniger hervorragender Geigen- 
bauer als viele seiner Mittenwalder Zeitgenossen. Er 
gehort jedoch zu denen, die den Ubergang vom Stainer- 
modell zu den Cremoneser Modellen anbahnen halfen. 



x ) Vidal beruft sich freilich nur auf Fetis und erklart 
ausdrikklich, kein anderes, ernst zu nehmendes Zeugnis 
von der Existenz dieses »Acevo« zu kennen. 



Achner — Adams 



Achner, Michael. — Wallgau. 1764 

Zur Mittenwalder Schule gehorig, vielleicht ein Bruder 
von Joseph und Philipp Achner. Wallgau liegt nur 
wenige Stunden von Mittenwald entfernt. Er hatte ein 
langes, hochgewolbtes Modell mit schmalem (2 1 •> mm) 
Rand und sehr diinner Ader. Die Mittelbiigel nahm er 
sehr lang, die Schnecke ist recht gewohnlich, der Lack 
braungelb. Fiir die Decke scheint er hartjahriges Ho!z, 
fur den Boden kleingeflammten Gebirgsahorn bevor- 
zugt zu haben. 
Geigenzettel: Abb. 1. 

Achner, Philipp. — Mittenwald. 1772. 1798 

Er gehcrt zu den besten Vertretern der Klotz-Schule, 
verwendet gutes Holz und braunen Lack. Der Ton 
seiner Geigen ist oft von besonderer Schonheit, wenn 
auch zumeist nicht sehr grofi. Eine Violine von ihm be- 
findet sich im Musikhist. Museum von W. Heyer in 
Koln. 

Geigenzettel : Philipp Achner in Mitten- / wald an der 
Iser 1798 (geschrieben). 

Achner, Thomas. — Mittenwald. 1789 

Ahnlich wie Philipp und Joseph A. Eine Geige von ihm 
besitzt Valdrighi t der ihn auch in seiner Nomochehurgo- 
grafia unter Nr. 3991 auffiihrt. 

Accoulon, Alfred. — Paris 

Teilhaber der bekannten Firma J. Thibouville-Lamy, 
Ritter der Ehrenlegion und des belgischen Leopold- 
ordens. Wenn auch hauptsachlich Fabrikant, so hat er 
doch den Geigenbau regelrecht erlernt und war als 
Geigenmacher auch auf der Pariser Ausstellung im 
Jahre 1900 vertreten. 

Ackermann, Anton. — Basel? 1838 

In einer in Basel befindhchen kleinen Geige best man: 
»Anton Ackermann, 30. Hornung 1838 in Ordnung ge- 
richtet«. 

Acton, A. W. — Woolwich. 1846. 1870 

Englischer Geigenmacher, dessen Zettel sich in einigen 
guten Violinen findet. 

Acton, William J. — Woolwich, London (Gipsey 
Lane). Geb. 12. Dez. 1848 in Woolwich 

Sohn und Schiiler von A. W. A. Er begann seine Lauf- 
bahn mit einer Kopie nach Stainer und hat seither iiber 
140 Violinen, 12 Violen, 30 Violoncelli und 10 Kontra- 
basse gebaut. Er verarbeitet vorziigliches Tonholz und 
bereitet sich seinen Bernsteinollack selbst. Im Jahre 
1898 verlegte er seine Werkstatt nach London. Sein 
Modell ist dem des Stradivari ahnlich, der Ton seiner 
Geigen ist edel und voll. Er gilt auch als geschickter 
Bogenmacher und ist auBerst sorgfaltig als Wiederher- 
steller. Er beschaftigt keine Gehilfen und macht daher 
alles selbst, auch ist er ein tuchtiger Geiger. Meredith 
Morris veroffentlichte in »TheStrad« Jan. 1900 seine 
Biographie mit Bildnis usw. 

Geigenzettel: William J.Acton, / Maker / St Mary 
Street, Woolwich ' 188 . . (gedruckt). — William John 
Acton / Maker / Forest Gate London 1 898 (geschrieben). 



Adam, G. Christian. — Halle, Berlin. Geb. urn 
1835, f 1886 oder 1888 

Ein gewissenhafter Geigenmacher, der es zwar nicht zu 
besonderer Meisterschaft gebracht hat, aber als Repa- 
rateur nicht ohne Bedeutung war. Er war zuerst in 
Halle a. S. ansassig und siedelte um 1860 nach Berlin 
iiber. Seine Geigen sind sauber gearbeitet, meist aber 
zu schwer im Holz, sein Lack ist undurchsichtig und 
hart. Er war ein guter Lehrer; sein bester Schiiler ist 
Oswald Mockel. In seinen letzten Jahren muBte er mit 
Schwierigkeiten kampfen, weshalb er nur mehr schlech- 
tes Holz verarbeitete, das ihm seine Berliner Fach- 
genossen fiir billiges Geld uberlieBen. . 

Geigenzettel: Zu Ton verholfen / G. Chr. Adam G|Ch 
Berlin 1 883 (gedruckt). — Reparirt von C. Adam / A 
Halle a. S. 1858 (gedruckt). 

Adam, ... — Caen, f vor 1783 

Ein wahrscheinlich aus Mirecourt stammender Luthier. 
dessen Geigen ohne Eigenart sind. 

Adam, Jean. — Mirecourt. 1790. 1820 

Er soil urspriinglich Geigenbauer und als solcher vor- 
iibergehend in Valence gewesen sein, ist aber nur als 
Bogenmacher bekannt geworden, ohne es auch dann 
zu besonderer Geschicklichkeit gebracht zu haben. 
Seine Bogen sind inderRegel nurgewohnlicheHandels- 
ware. 

Adam, Jean-Dominique. — Mirecourt. Geb. 
30. Dez. 1795 in Mirecourt, f das. 1864 

Schiiler und Nachfolger seines Vaters Jean A. und wie 
dieser nur Bogenfabrikant. Nur die besseren Bogen ver- 
sah er mit dem Brandstempel: Adam. Er war nicht un- 
geschickt und konnte auf Bestellung recht gut arbeiten. 
Namentlich seine Bogen mit achteckiger Stange sind 
gut gelungen. 

Adam (eigentlich Grandadam). — Mirecourt. 
Geb. in Mirecourt 26. Febr. 1823, f das. 
19. Jan. 1869 

Schiiler seines Vaters Jean-Dominique, den er aber, 
vornehmlich als Bogenmacher, weit iiberfliigelte. 
Brandmarke: Adam. 

Adam, Johann. — (Mark-)Neukirchen. 1677 

Er wird unter den Geigenmachern genannt, die 1677 
von Graslitz nach Neukirchen iibersiedelten und hier 
die Geigenmacherzunft begriindeten. Arbeiten von ihm 
nachzuweisen, ist bis jetzt nicht gelungen. Ich bin sogar 
geneigt, anzunehmen, dafi es sich hier nur um die Vor- 
namen eines Sch6nfelder(?) handelt, und daB in der 
Zunftliste der Familienname nur versehentlich weg- 
gelassen ist. 

Adams, Cathune. — Garmouth (Schottland). 
1775. 1805 

Er hat viele Kits, Violinen und Vroloncelli gebaut und 
diese oft reich mit Perlmutter und Elfenbein eingelegt. 
Sein Modell erinnert in mancher Hinsicht an N. Amati, 



Adams — Airth 



er verwandte einen diinnen, gelben Spirituslack. Es soil 
in Garmouth noch ein zweiter gleichnamiger Geigen- 
macher gelebt haben. 
Geigenzettel : Adams, Ma. / Garmouth , 1 782 (geschr.). 

Adams, Oliver. — Boston. 1897 

In einer guten Geige frei nach Stradivari fand sich sein 
Zettel. . 
Geigenzettel: Abb. 23. 

Adamsen, P. P. — ^Copenhagen 

Begriindete 1866 in Fyrkilde bei Hobro (Jutland) seine 
Fabrik von Streichinstrumenten. Seine Arbeiten werden 
gelobt; in Musikerkreisen sind seine Basse am meisten 
geschatzt. 

Adani, Pancrazio. — Modena. 1775. 1827 
Hauptsachlich als Gitarren- und Mandolinenbauer be- 
kannt. Er scheint einen Sohn gehabt zu haben, der noch 
urn 1868 arbeitete. 

Addison, William. — London. 1665. 1670 
Ein englischer Violenbauer, der von Sandys und 
Forster, die seinen in einer Viola gefundenen Zettel 
mitteilen, erwahnt wird. Eine Liraviole von ihm be- 
findet sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). 
Geigenzettel: William Addison in Long Alley / over 
against Moorfields 1670 (gedruckt). 

Adler, Carl August. — Markneukirchen. Geb. 
7. Nov. 1828, f4.Juni 1869 

Sohn und Schuler von Joh. Gg. A., arbeitete wie sein 
Vater meist fur Handler. 

Adler, Eduard. — Griinberg in Schlesien 

Geb. 1865 in Bodzanowitz, war ursprtinglich Cellist 
und als solcher Mitglied verschiedener Theater- und 
Konzertorchester. Er besuchte die Werkstatten von 
Edler in Frankfurt, von Riechers und Mockel In Berlin 
und Hammig in Leipzig, bildete sich allmahlich auto- 
didaktisch zum Geigenmacher aus und gnindete im 
Jahre 1888 sein Geschaft, in dem er seit Jahren tiichtige 
Gehilfen beschaftigt. Seine Speziahtat ist die Repa- 
ratur; beim Neubau arbeitet er nach Stradivari und ver- 
wendet Ottoschen Ollack sowie Spirituslack. Er istVerf. 
eines bei Merseburger in Leipzig 1895 erschienenen 
Biichleins uber die Behandlung und Erhaltung der 
Streichinstrumente. 

Geigenzettel: Gefertigt von ; Eduard Adler/ Griinberg 
in Schles. 18 . . (geschrieben). 

Adler, Johann Georg. — Markneukirchen. 
Geb. 1800 in Wernitzgriin, f 15. Dez. 1866 
in Markneukirchen (66 Jahre 10 Monate 
1 8 Tage alt) 

Da er hauptsachlich billige Geigen fiir Handler gebaut 
hat, diirften nur wenige Werke seiner Hand mit seinem 
Zettel vorkommen. Er verwendete jedoch in seinen 
besseren Arbeiten einen Brandstempel mit seinem Na- 
men J. G. Adler. Eine so gezeichnete Viola von ihrn 
besaB Arnold Voigt. 



Aelbrechts, Jakob. — Antwerpen 1558, \ vor 
1584 

Lauten mit seinem Namen kommen noch heute vor; 
eine solche besaB vor einigen Jahren ein belgischer 
Musiker. 

Aelbrechts, Lukas. — Antwerpen. 1588 

Sohn von Jakob Ae. 1m Jahre 1588 wurde er als Meister 
aufgenommen. Wenn er auch hauptsachlich Clavecin- 
macher war, so diirfte er doch, wie sein Vater und die 
meisten seiner Zunftgenossen, auch Lauten gebaut 
haben. 

Aerninck, Heindrick. — Leyden. 1681. 1736 
Die Arbeiten mit diesem Namen sind so verschieden, 
daft man an zwei gleichnamige Meister denken muB. 
Die alteren gleichen denen von Willems in Gent, die 
jiingeren denen von Cuypers. 

Aglio s. Dall'Aglio 

Agostini, Sante. — Palermo?. 1822 

Sein Name wurde auf einem Reparaturzettel (in einer 
Geige von Achner) gefunden. S. D'Agostino. 

Aicher, Hans. — Fiifien. 1690 

Er war Lautenmacher und wohnte in der Vorstadt. 
Arbeiten von ihm sind mir bisher nicht zu Gesicht ge- 
kommen. 

Aicher, Mathias. — Fiifien. 1666 

Vielleicht ein Enkel des im Jahre 1535 aus Miinchen 
in FiiBen eingewanderten Peter Aicher. In den Akteri 
des Hochstifts Augsburg (im Kreisarchiv in Neuburg) 
heiBt es von ihm: »Derzeit Schulmeister, sonsten ein 
Lautenmacher. « — Er wohnte im zweiten Stadt- 
viertel. 

L/Air s. Claudot 

Airaghi, Cesare. — Mailand. 1883 

Als selbstandiger Geigenmacher ist er wenig hervor- 
getreten; einige bessere lnstrumente, die er gebaut hat, 
lieBen jedoch erkennen, daB er sorgfaltig zu arbeiten 
verstand. 

Aireton, Edmund. — London. Geb. urn 1727, 
t 1807 

Angeblich der Sohn eines gleichnamigen, schon 1735 
vorkommenden Geigenmachers und ein Verwandter 
des Kirchenkomponisten Edmund Ayreton (1734 bis 
1808), der unter Handel Hilfsorganist der Westminster- 
abtei war. Edm. A. gilt als ein Schuler Peter Wamsleys 
und ahmte Stainer und Amati nach. Die Arbeit ist gut, 
sein gelbbrauner Lack dagegen stumpf und der Ton 
unbedeutend. Da er viel fiir Norris & Barnes arbeitete, 
kommen verhaltnismaBig selten Geigen mit seinem 
Zettel vor; eine solche aus dem Jahre 1755 war 1872 in 
South Kensington ausgestellt. 

Airth,William.-Edinburgh.Ceb.uml840.l889 

Schiiler und Schwiegersohn von James I. Hardie. Er 
arbeitete von 1860 bis 1881 in Edinburgh und wanderte 
dann nach Austrahen aus. 



10 



Aisele — Alban 



Aisele (Aisile) s. Eisele 

Alba. — Lyon. 1822 

Geschaftsteilhaber von Micollier (s. d.); als Geigen- 
macher ist er jedoch ohne Ruf. 

Alban, Franz. — Graz. 1724 

Ob er in irgendeiner Beziehung zu der Bozener Familie 
Alban oder zu den italienischen Albams steht, ist nicht 
festzustellen gewesen. Arbeiten von ihm sind sehr 
selten. Ich habe eine einzige Violine mit seinem Namen 
und der Jahreszahl 1724 kennengelernt, die sich in der 
Fiirstl.LobkowitzschenSammlung aufSchloBRaudnitz 
befindet. 

Geigenzettel: Franciscus Albanus fecit / Grecia in 
Styria anno 1724 (gedruckt). 

Alban, Johann Michael. ■ — Graz. Geb. um 
1677 in Bozen, f 27. Marz 1730 in Graz 

Sohn erster Ehe und jedenfalls auch Schuler von 
Mathias A. Er scheint bei Wolfgang Sagmayr gearbeitet 
zu haben, dessen Tochter Eva Rosina er am 1 4. Februar 
1702 heiratete, wodurch er das Geschaft seines damals 
bereits verstorbenen Schwiegervaters erwarb. Was sich 
an tatsachlichen Angaben iiber sein Leben ermitteln 
liefi, hat Dr. Fr. Waldner in der Innsbrucker Ferdi- 
nandeums-Zeitschrift (III. Folge, 55. Heft) veroffent- 
licht. Joh. Mich. A. war nach Sagmayrs Tod zweifellos 
der beste in Steiermark tatige Geigenmacher. Es haben 
sich noch viele Arbeiten von ihm erhalten. Haufiger als 
Violinen kommen jedoch Violoncelli von ihm vor, die 
iibngens nur in den F-Lochern an Arbeiten seines 
Vaters erinnern. Die Einlagen sind bei ihm weiter vom 
Rande entfernt, wodurch dieser breiter erscheint, die 
Ecken sind stumpfer, und auch die Schnecke ist mas- 
siger, sehr hiibsch sind dagegen immer die statt der 
Schnecke oft vorkommenden Engels- oder Frauen- 
kopfchen. Die Wolbung ist ziemlich hoch. Der Lack ist 
rotbraun, von guter, fetter Beschaffenheit und fein- 
nssig, wodurch seine Arbeiten fast ein italienisches 
Aussehen erhalten. Auch das Holz ist gewohnlich gut, 
nur sind die Boden auffalhg diinn, so daB sie jetzt fast 
regelmaBiggefiittert werden miissen. Bei seinen Geigen 
soil er einen gelblichen Lack vorgezogen haben. Auf 
seinen in Kupferstich ausgefiihrten Zetteln, die in der 
Mitte das Grazer Wappentier zeigen, ist die Zahl 17 
vorgedruckt, die mit Tinte hinzugefugte Jahreszahl fast 
regelmaBig so verblichen, daB sich genaue Jahreszahlen 
nur selten feststellen lassen. — Von seinen Sohnen 
scheint keiner Geigenmacher geworden zu sein. Drei 
Violinen von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein 
(Steiermark), eine prachtig erhaltene groBe Viola Prof. 
Ant. Mayer in Admont. 
Geigenzettel: Abb. 2. 
Alban, Joseph. —Bozen. Geb. 28. Marz 1680 
in Bozen, f das. 10. Jan. 1722 

Jiingster Sohn von Matthias A. und dessen erster Frau 
Elise Luggin und wahrscheinlich Schuler seines Vaters. 
Nach Dr. Fr. Waldners Feststellungen war er um 1709 
in der Fremde, heiratete im Jahre 1712 Anna Maria 
Magdalena Rorer und starb kinderlos. Man kennt nur 
wenig von ihm, auch werden seine meisten Arbeiten 



jetzt wohl unter dem Namen seines Vaters gehen. In 
seinen jiingeren Jahren wird er als Gehilfe seines Vaters 
nur selten seinen Zettel in Geigen geklebt haben, sicher 
aber in seme Gesellen- urd Meisterstiicke, daher ist 
es nicht auffallig, wenn Geigen mit der Jahreszahl 1703 
schon seinen Namen tragen. 
Geigenzettel: Abb. 9. 

Alban, Joseph Anton. — Bozen. Geb. in 
Kaltern vor 1730(?), f 6. Juli 1771 in Bozen 

Er war ein Sohn des jiingsten Stiefbruders von Math. A. 
Wessen Schuler er war, laBt sich nicht feststellen. Es 
scheint aber, daB er den von der Familie wahrscheinlich 
aufbewahrten NachlaB von Joseph A. ubernommen und 
sich dann als dessen Geschaftsnachfolger betrachtet hat. 
Dadurch erklart es sich bis zu einem gewissen Grad, 
daB er die Zettel mit dem auf ihn eigentlich nicht zu- 
treffenden Wortlaute »Josephus filius Math. Albani 
usw.«beibehalten hat. Mit seiner Arbeit hat er seinem 
Namen Ehre gemacht. Nach Dr. Fr. Waldners Fest- 
stellungen heiratete er am 13. Februar 1759 Maria Bar- 
bara Ortner. Geigen von ihm befinden sich auf dem 
Musikchor der Bozener Pfarrkirche. 

Alban, Matthias. — Bozen. Geb. zu St. Niko- 
laus in Kaltern am 28. Marz 1 621 , f in Bozen 
7.Febr. 1712 

Obwohl er neben J. Stainer der beriihmteste Tiroler 
Geigen- und Lautenmacher war, sind seine auBeren 
Lebensumstande so schnell vergessen worden, daB 
selbst sein Name unrichtig in der italienisch klingenden 
Form Albani auf die Nachwelt gekommen ist. Selbst 
Beda Weber berichtete von ihm nur, daB er eine Geige 
von ihm ausdem Jahre 1645 kennen gelernt habe. Meine 
fortgesetzten Versuche, ausKirchenbuchern und Magi- 
stratsakten einige Angaben iiber ihn zu erhalten, 
blieben jahrelang erfolglos. Wohl nahm ich auf Grund 
der mir bekannten Arbeiten an, daB er im Jahre 1621 
geboren sei, wohl trat ich dafiir ein, daB er, da es noch, 
wie mir glaubwiirdig versichert wird, Geigen von ihm 
mit der Jahreszahl 1712 gibt, bis iiber das neunzigste 
Lebensjahr arbeitsfahig geblieben sei ; ein urkundlicher 
Beweis fur diese Annahmen fehlte aber. Da gelang es 
endlich Dr. Franz Waldner in Innsbruck, dem sorg- 
faltigen Erforscher der Geschichte der Tiroler Geigen- 
und Lautenmacher, Licht in das Dunkel zu bringen. 
Nach seinen Feststellungen, die er im 55. Heft (II I. Folge) 
der Ferdinandeums-Zeitschrift veroffentlicht, ist Mat- 
thias Alban als altester Sohn des Bauern Johann A. und 
dessen erster Ehefrau Agnes Selva in Kaltern (Uber- 
etsch) geboren und hat am 24. Mai 1671, also erst im 
Alter von 50 Jahren, zum erstenmal geheiratet. Seine 
Frau war Elisabeth, eine Tochter des Schlossermeisters 
J. Luggin (Lugg oder Luchini), f 1680. Am 4. Nov. 
1682 ging er eine zweite Ehe ein mit Rosina Perlat, 
Maurermeisterstochter aus Brixen. Als er hochbetagt 
starb, hinterlieB er ein ansehnliches Vermogen, und 
Dr. F. Waldner macht mit Recht darauf aufmerksam, 
wie glatt sein Leben verlief im Vergleich zu dem Jakob 
Stainers. — Wo M. Alban gelernt hat, laBt sich noch 
nicht feststellen. Ich bin geneigt, ihn fur einen Mit- 
schiiler seines Altersgenossen Jak. Stainer zu halten ; 



Albanesi — Albert 



neide haben viel Gemeinschaftliches in ihrer Arbeit, 
wenn auch Stainer der wesentlich genialere Meister 
war. In seinen jiingeren Jahren war M. Alban sicher 
von seinem Landsmann beeinfluBt. Seine Geigen sehen 
in seiner ersten Zeit gut tirolisch aus, und es ist auf- 
fallig, daft sich etwa von 1680 an eine deutliche Stil- 
wandlung bemerkbar macht: eine Anlebnung an lta- 
lienische Vorbilder. Hat er damals Gelegenheit gehabt, 
Italien zu besuchen? Dafi er schon in seiner Jugend bis 
nach Rom gekommen, ist unwabrscheinlich, obwobl 
behauptet wird, dafi von dort datierte Arbeiten von ihm 
vorhanden sein sollen. Mir ist trotz eifrigen Nach- 
forschens eine solche von zweifelloser Echtheit bisher 
aber nicht vorgekommen, nur solche ohne Ortsbezeich- 
nung oder mit der ausdriicklichen Angabe Bozens als 
Ursprungsort. Echte Geigen mit echten Zetteln, die 
uber 1706 hinausgehen, kenne ich zwar nicht, doch soil 
es noch solche von 1712 geben. M. Alban wird in der 
letzten Zeit wahrscheinlich an seinem Sohne Joseph 
einen fur ihn arbeitenden Gehilfen gehabt haben. Seine 
Geigen galten im 18. Jahrhundert, neben denen von 
Amati und Stainer, als die besten, die man kannte; da- 
her wurde sein Name auch vielfach miBbraucht und m 
Geigen angebracht, die nicht einmal von feme an seine 
Arbeit erinnern. Sein bestes Modell nahert sich der 
Amati-Schule, ist aber meist sehr hoch gewolbt, mit 
hohen Zargen. Die Arbeit ist sehr sorgfaltig. Das 
Deckenholz besonders schon, der Boden meist schlich- 
tes Ahornholz, der rotlich-braune, wenig elastische 
Lack von italienischem Charakter. Die F-Locher sind 
zu weit offen ; statt der Schnecken liebt er Kopfchen, 
Drachen und Fratzen anzubringen. Bei den Violen 
bleibt er den hergebrachten Formen treu, schneidet 
Schallocher in Schlangenlinien und bringt unter dem 
Griffbrett noch ein durchbrochenes rundes Schalloch 
an. Wie auch Stradivari, erreichte er erst in seiner 
zweiten Lebenshalfte die Hohe seiner Kunst. Er ist 
minder originell als Stainer, kommt ihm im Tone aber 
sehr nahe. Hoffentlich wird sich die archivalische For- 
schung noch weiterhin mit ihm beschaftigen und we- 
nigstens die Frage losen, wo er geiernt hat und wann er 
in Italien war. Er gebrauchte verschiedene, fast immer 
gedruckte Zettel, auf denen er sich stets Alban us oder 
Alban, nie aber Albani oder Albanius nannte. Er hat 
auch gute Bogen gemacht, ja es wird sogar behauptet, dafi 
sie besser waren als die zu seiner Zeit in Cremona her- 
gestellten. Ausfiihrlicheres uber seine Familienverhalt- 
nisse findet sich in Dr. Waldners mehrfach genannter 
Arbeit. Eine Liste seiner noch erhaltenen Geigen usw. 
mufite erst zusammengestellt werden. Eine prachtige 
Violine von ihm aus dem Jahre 1673 besitzt Dipl.-Ing. 
Rich. Renner in Tutzing (flache Wolbung, 160 und 
204 mm breit, Korpus 353 mm lang, Zargen iiberall 
28 mm hoch). Eine Taschengeige von ihm aus dem 
Jahre 1680 war 1872 in South Kensington ausgestellt. 
Eine Chitarrone von 1696 besitzt Fritz Wildhagen in 
Halensee, der ein gleiches Instrument von Magnus 
Stegher mit einem Reparaturzettel Albans von 1698 in 
seiner Sammlung hat. 

Geigenzettel: Abb.3, 10, 25, 26. 

Albanesi, Sebastiano. — Cremona. 1 720. 1 744 
Nach De Piccolellis und VidaLwar er ein Schiiler von 
Carlo Bergonzi. Er ist nicht originell und bevorzugt ein 



an die Mailander Schule erinnerndes Modell von f lacher 
Wolbung. Lack und Ton sind unbedeutend. 

Albani, Filippo. — 1773 

Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie A., dessen 
Zettel De Wit verdffentlicht. Der Stammsitz der Fa- 
milie war vielleicht Bologna, wo der Name lange hei- 
misch gewesen ist. 
Geigenzettel: Filippo Albani fecit / Anno 1773 (gedr.). 

Albani, Leopoldo. — Ancona. 1883 
Wenig bekannter Reparateur. 

Albani, Michele. — Palermo. 18. Jahrhundert 

Ein wenig bekannter Meister, vielleicht ein Sohn von 
Paolo A. Der Vorname hat dazu veranlafit, ihn mit dem 
in Graz nachweisbaren Michael Alban zu identifizieren. 
Es handelt sich jedoch um zwei verschiedene Meister 
aus zwei in keiner Beziehung zueinander stehenden 
Familien. 

Albani, Nicola. — Mantua, Mailand. 1763 
1770 

Er konnte mit Paolo A. verwandt gewesen sein. Geigen 
von ihm zeigen gewohnhch ein grofies flaches Patron 
und haben einen sehr schonen rotlichen Lack, aber 
nicht immer gut gewahltes Holz. Ihres starken, oft 
edlen Tons wegen diirfen sie als vorziigliche Orchester- 
instrumente gelten. Ingenieur O. Riiders in Wien besafi 
eine gute Violine von ihm. Eine dunkel lackierte, aus 
Mailand datierte Violine von ihm befindet sich in 
Regensburg in Privatbesitz. 

Geigenzettel: Nicolaus Albani / fecit Mantua 1763 (ge- 
druckt). — Nicolaus Albani fatte / Milano 1770 (ge- 
schneben). 

Albani, Paolo. — Palermo, Rom, Cremona. 
Gen. »Signor Albani « 

Seine Zeit wird in die Jahre 1630 — 1666 gesetzt, Vidal 
meint noch 1670 und erwahnt, dafl dieser Geigen- 
macher auch einen Sohn, der um 1720 gewirkt habe, 
dessen Vorname aber noch nicht feststeht, gehabt haben 
soil. (Vielleicht Paolo Alvani?; s. d.) Ich sah eine ihm 
zugeschriebene Geige mit der Jahreszahl 1673, Grillet 
setzt ihn von 1650 — 1680, lobt seine Arbeit und sagt, 
daB man ihn fiir einen Schiiler Nicolo Amatis halte. 
Dafi ein Gio Paolo Albani 1723 in Bozen gelebt habe, 
wie mehrfach behauptet wurde, ist mehr als unglaub- 
wiirdig. 

Alber. — Pfronten-Weifibach. 1920 

Em Geigenmacher, der in der Fiifiener Gegend und in 
Tirol einen guten Kundenkreis hat. 

Albert, Charles Francis. — Philadelphia. Geb. 
in Freiburg i. B. 25. Dez. 1842, f 1 . Juli 1901 
in Philadelphia 

Altester Sohn von John A., mit dem er als Kind nach 
Amerika und in seinem zwolften Jahre nach Phila- 
delphia kam. Er war nacheinander bei einem Sattler, in 
einer Sagefabnk, bei einem Messerschmied und einem 
Juwelier in der Lehre, bis er sich entschlofi, dem Bei- 



12 



Albert — Albrecht 



spiele seines Vaters folgend, Geigenmacher zu werden. 
Natiirliches Talent und Handgeschicklichkeit kamen 
ihm dabei sehr zustatten, und nachdem er sich 1865 
selbstandig gemacht hatte, kam er bald zu Ansehen und 
gait schliefilich als einer der besten amerikaniscben 
Geigenmacher seiner Zeit; er wurde als solcher auch 
von den besten europaischen Geigern, die nach Ame- 
rika kamen, anerkannt und hat auch zahlreiche Aus- 
stellungsmedaillen erhalten. Er arbeitete hauptsachlich 
nach einem grofien Modell und verwendete altes, ameri- 
kanisches Holz. Er kopierte auch Stradivari, Guam en 
und andere altere Meister, machte allerlei Erfin- 
dungen (Kinnhalter, Maschinen zum Saiteniiber- 
spinnen, Saitenmesser usw.) und hatte viele Medaillen. 
Aufier seinem Zettel 1 ) gebrauchte er auch eine Brand- 
marke. (C. F. Albert Philada [in einem Oval].) 
Geigenzettel: Abb. 4. 

Albert, Charles F. jun. — Philadelphia. Geb. 
1869 

Sohn, Schiiler und Nachfolger von Charles F. Albert, 
dem er in der Arbeit gleichkommt. Er gebraucht den 
Zettel, den sein Vater seit 1881 verwendete. 

Albert, John. — New York, Philadelphia. 
1848. 1887 

Ursprunglich Advokat in Baden. 1848 fliichtete er sich 
nach Amerika, wo er Geigenmacher wurde. Seine Ar- 
beit ist gut. 

Albert, Eugen J. — Philadelphia. 1885-1902 

Jiingerer Sohn von John A. Auf der Ausstellung in 
New Orleans 1885 erhielt er den ersten Preis; in Chi- 
cago war er mit einer guten Baflgeige vertreten. 

Albert, Leon. — ? 

Geschatzter franzosischer Geigenbauer des 19. Jahr- 
hunderts, der ein amatisiertes Stradivari-Modell nach- 
ahmt. 

Alberti, Ferdinando. — Mailand. 1737. 1760 

Er wohnte erst in der Contrada Larga und dann in der 
Contrada del Pesce und hatte die Krone (»Segno delta 
Corona «) zum Ladenschild, die vorher Giovanni 11. 
Grancino gefiihrt hat, dessen Geschaftsnachfolger er 
also vermutlich war. Seine Arbeit erinnert an die der 
Grancini, er ist aber nur ein Meister dntten Ranges. 
Geigen von ihm kommen selten vor, smd mittelmaGig 
in der Arbeit, manchmal gut im Holz und haben gelben 
Lack. Er verwendete verschiedene, nur wenig vonein- 
ander abweichende Zettel. Eine Violine von ihm (von 
1741) besafi J. Miiller in Schonbach. 
Geigenzettel: Ferdinando Alberti fece in Milano/ nella 
Contrada del Pesce al Segno ' della Corona. A^ 1745 
(gedruckt). 

Alberti, Guglielmo. — Arezzo 1877 
Italienischer Geigenmacher ohne Eigenart. 



*) Bis 187! 
Albert. 



nur geschriebene Zettel: Made by C. F. 



Albertini, Carlo. — Mailand. 19. Jahrhundert 
(Vater und Sohn.) Eine Gitarren- und Mandolinen- 
fabrik, in der ausschlie61ich sog. lombardische Man- 
dolinen gemacht werden. Sie nimmt den Ruhm fur sich 
in Anspruch, die alteste in Italien zu sein, die lom- 
bardische Mandolinen herstellt. 

Albertis, Peter de (»Pietro Alberto«). — Rom. 
1578, lebte 1598 noch 

Ein geborener Flamlander, der sich zu Rom »in Pa- 
rione« als Lautenmacher niederlieB und dort sehr ge- 
schatzt wurde. G. Masetti, der Agent des Hauses Este in 
Rom, riihmt ihn in einem Briefe ganz besonders. Von 
seinem Leben ist wenig bekannt, nur so viel, dafi er 
1582 von dem deutschen Lautenmacher Peter Pfanshel 
zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde und von 
ihm dafiir eine Ebenholz-Laute vermacht erhielt. Er 
war auch der Schwiegervater von Matteo Buckenberg. 
Eine seiner Archilauten italienischen Stiles aus dem 
Jahre 1598 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- 
seum in Koln, eine Mandore Antoine Gautier in Nizza. 
Der Zettel in letzterem Instrument ist nicht vollstandig, 
die Ortsangabe zeigt nur noch den ersten Buchstaben ; 
Vidal las statt R . . . ein B und machte kurz ent- 
schlossen »Bologna « daraus. 

Geigenzettel: Petrus Albertus 1598 (gedruckt). — 
Petrus Albertus / faciebat R(omae) (gedruckt). 

Alberto, Andrea di. — Rom. 1608 

Ein vlamischer Lautenmacher, der in der Via dei Liu- 
tari wohnte; er war vermutlich ein Sohn des 1598 noch 
erwahnten Peter de Albertis. Vielleicht war Giorgio 
Alberto, der Verfertiger einer Taschengeige, die sich 
in Heyers Musikhistorischem Museum in Koln be- 
findet, sein Sohn. Eine Ortsangabe fehlt zwar ebenso 
wie eine Jahreszahl, die Arbeit gehort jedoch wohl noch 
dem 17. Jahrhundert an. 

Albinus. — ?. 14. Jahrhundert 

Einer der altesten Lautenmacher, dessen Heimat man 
iedoch nicht kennt, wenn auch anzunehmen ist, dafi er 
in Italien ansassig war. Die ihm zugeschriebenen Violen 
haben zumeist einen gitarrenformigen Korper. (Vgl. 
Valdrighi.) 

Albrecht, Johannes. — Krems. Geb. 1766 in 
Oberneustift, f 7. Dez. 1828 in Krems 
Er war der Nachfolger von Magnus Anton Fichtl, des- 
sen Witwe Marianne er am 16. Juni 1793 heiratete. 
Nach deren Tode ging er 1806 eine zweite und 1813 
eine dritte Ehe ein. Seine Arbeit ist im ganzen etwas 
handwerksmaOig, aber doch noch gut zu nennen. 
Geigenzettel: Johannes Albrecht / me fecit Cremsn 
1826 (gedruckt). — Johannes Albrecht / fecit Krems 
1808 (gedruckt). 

Albrecht, Melgior. — Hamburg. 1797 

Da sich bisher keine Arbeiten von ihm nachweisen 
liefien, steht nicht fest, ob er Klaviere oder Lauten und 
Geigen gebaut hat. Man weifi von ihm nur, dafi er am 
5. Mai 1797 als »Instrumentenmacher« Burger von 
Hamburg wurde. 



Aldred — Alletsee 



13 



Aldred. — London. 1600 

Einer der guten englischen Geigenbauer des 17. Jahr- 
hunderts, der schon um 1560 gearbeitet haben^ soil. 
Mace erwahnt ihn in »Musicks Monument «(erschienen 
1676) bei Besprechung der Violen: »Of such there are 
no better in the world than those of Aldred . . . . .« usw. 
Um so mehr ist es zu beklagen, daft bisher keine Ar- 
beiten von ihm zum Vorschein kamen. Vgl. Hosborn. 

Mirecourt. Geb. 



Aldric, Francois Antoine. 
20.Marz 1727, f nach 1775 
Sohn des Jean A. Arbeiten von ihm sind mir noc 
vorgekommen. 

Aldric, Jean. — Mirecourt. 1726. 1730 

Ein geschickter Geigenmacher, von dem man an- 
nehmen kann, daft er auf seiner Wanderschaft nach 
Italien gekommen war. 

Aldric, Jean Francois. — Paris. Geb. 28. April 
1765 in Mirecourt, + 1843 

Sohn des Jean Francois A. und der Charlotte Mougenot. 
Er lieft sich um 1788 in Paris nieder. Ein geschickter 
Vertreter der franzosischen Schule, der nach dem 
Strad.-Modell arbeitete und manchmal selbst N. Lupot 
nahekam. Er verwendete meist roten, nur manchmal zu 
dicken Lack und war besonders dafur bekannt, daB er 



Allessandroni, Paolo. — Rom. 1850. 1860 
Ein unbedeutender Musikinstrumentenmacher, dessen 
wenige Violinen, die er selbstandig gemacht hat, weder 
Eigenart noch Kiinstlerschaft verraten. 

Aletzie s. Alletsee 

Allard, Claude. —Paris? 1671 

In der Sammlung des Barons Lery befindet sich eine 
sehr schone Laute mit diesem Namen, doch ohne An- 
gabe des Wohnorts. 

, Allard, Francis. - Paris. 1776. 1789 

Unbedeutender Geigenmacher, von dem nur wenig 
vorkommt. Er wohnte zuerst Place Maubert und von 
1788—89 in der Rue du Petit-Pont No. 9. Er ist wahr- 
scheinlich der Sohn der Witwe Allard, die von 1775 bis 
1783 im Adreftbuche aufgefuhrt wird. 

Allegretti, Massimiliano, genannt Monfer- 
rino. — Soliera (Modena). 1873. 1883 
Besserer Geigenmacher, der bei dem modenesischen 
Ebenisten Alessandro Lusvardi gearbeitet hat und 
dieser Tatigkeit eine grofte Handgeschicklichkeit ver- 
dankt, die ihm namentlich bei Wiederherstellungen 
sehr zustatten kam. 



Allen, Noah 

Wenig bekannter amerikanischer Geigenbauer aus dem 
Anfang des 19. Jahrhunderts. 



alte Violen in moderne Geigen trefflich umzubauen 

verstand, die er dann wohl auch als Originale alter 

Meister verkauft haben wird. Als Handler hatte er be- 

sondere Bedeutung, und er war auch der erste Pariser Alletsee (Alletsche, Aletzie, Alleci), Paul. — * 

Geigenbauer, der mit dem SammelgenieTarisio in Ver- _ . i /no j. i 700 y"\\ 

bindung trat. Er wohnte zuerst in der Rue des Arcis Munchen. 1698, t US6 (?) 

Nr. 1 6, dann Rue de Bussy Nr. 30 und seit dem Anfang Zweifellos einer der besten Lauten- und Geigenmacher 

des 19. Jahrhunderts Rue de Seine Faubourg St. Ger- Bayerns. Er durfte aus der Gegend von Fuften oder Vils 



main No. 71 (»pres celle de Bussy *)■ Sein Geschaft: 
nachfolger war um 1840 sein Neffe Aubry. Er ver- 
wendete sowohl geschriebene als gedruckte Zettel. Fur 
seine Geigen erhielt er in der Regel 150 — 200 Francs. 
Eine Violine von ihm befindet sich im Museum des 
Pariser Konservatoriums (Nr. 27). 
Geigenzettel. Abb. 5, 6, 7. 
Aldovrandi, Emilio. — Bologna. 1850. 1882 
Ein Geigenmacher dritten Ranges, der sich hauptsach- 
lich mit der Wiederherstellung alter Streichinstru- 
mente beschaftigte. 

Alessandro, genannt il Veneziano. Um 1540 
Eine Laute von ihm war 1880 in Turin ausgestellt. 
Vidal u. a. erwahnen ihn mehrfach, doch war Genaueres 
nicht festzustellen, da aus seinem Beinamen wohl seine 
Heimat hervorgeht, nicht aber, wo er gelebt hat, wah- 
rend sein wirklicher Familienname uberhaupt nicht be- 
kannt ist. 

Alfred (?). — Orebro. 1831 

In einer Geige wurde der beistehende geschriebene 

Zettel gefunden. Der Name ist so verschnorkelt ge- 

schrieben, daft man statt Alfred auch A. Gred lesen 

konnte. 

Geigenzettel: Forfardigad af / Alfred in Orebro 1831 

(geschrieben). 



stammen. In Pfronten im bayrischen Allgau ist noch 
heute eine Familie Alletsee ansassig. Auf einer nach 
hinten zu abfallenden Terrasse des Gebirgskammes, 
der sich vom Lech bei Fiiften bis gegen Pfronten der 
Grenze entlang hinzieht, liegt 865 m hoch und genau 
1 km Luftlinie nordlich von Vils (auf der bayrischen 
Seite) der Al at see (oder Aletsee, wie er auf den alteren 
Karten eingetragen ist). Von diesem See durfte der 
Name Alletse wahrscheinlicher abzuleiten sein als von 
den Aletschgletschern. Paul A. wurde ofter der ita- 
lienischen Schule zugezahlt, doch hat er nur sehr wenig 
Italienisches an sich; in seiner Arbeit uberwiegt der 
deutsche Stil. Seine altesten, mir bekannt gewordenen 
Geigen tragen die Jahreszahl 1698, die jiingsten gehen 
nicht iiber 1735 hinaus. Als Ursprungsort gibt er stets 
Munchen an, nur in einer Viola d'amore, die L. van 
Waefelghen in Paris besaB, liest man »Venetia 1720«. 
Die Jahreszahl durfte mindestens falsch gelesen sein, 
denn in der Sammlung Snoeck befand sich eine Tenor- 
Viola d'amore aus dem gleichen Jahre, die wieder 
Munchen angibt. Es konnte aber immerhin einvoriiber- 
gehender Aufenthalt in Venedig angenommen werden. 
Sein Todesjahr ist nicht zu ermitteln, doch kommt in 
den Miinchener Hofzahlamtsakten usw. von 1747 an 
und noch 1761 seine Witwe Maria Anna Alletseein, die 
als »Hoflautenmacherin« bezeichnet wird, vor. Er durfte 
1 738 gestorben sein, da in diesem Jahre sein Schwieger- 
sohn Johann Andreas Kambl sein Nachfolger wird. 



Allii 



Alletsee besafi eine grofie Handgeschicklichkeit, guten 
Geschmackund Formensinn, und so zeichnen sich seine 
Arbeiten durch Sorgfalt und Zierlichkeit in den Einzel- 
heiten aus. Am haufigsten kommen groftere Geigen 
(Violen, Liebesgeigen, Violoncelli usw. und besonders 
Bafiinstrumente, die sich zu seiner Zeit einer weit iiber 
Miinchen hinaus gehenden Beliebtheit erfreuten) von 
ihm vor, doch kennt man auch eine Reihe schoner 
Violinen von seiner Hand. In der Wahl des Holzes 
erweist er sich als Kenner, und sein hellgelber oder 
dunkelroter Lack hat vorzugliche Eigenschaften. Seinen 
Namen schrieb er selbst verschiedenartig, auf seinen 
Zetteln bediente er sich der deutschen, lateinischen und 
italienischen Sprache, wobei er Miinchen in »Monaco« 
iibersetzte, was einige Schriftsteller zu dem Irrtum ver- 
leitete,' ihn nach dem Furstentum »Monaco« zu ver- 
setzen. Violen von ihm befinden sich im Germamschen 
Museum in Nurnberg (von 1713), im Museum Franc- 
Carolinum in Linz (von 1724), im Nationalmuseum in 
Miinchen (von 1730), in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln, im Hohenzollernschen Museum in 
Sigmaringen usw. usw. Die meisten Geigen haben 
Lowenkopfchen u. dgl. am Wirbelkasten. Solche 
brachte er auch bei seinen Violoncelli an, wie ein Bei- 
spiel im Cisterzienserinnenkloster Oberschonenfeld bei 
Augsburg zeigt. Eine Nonnengeige vom Jahre 1732 be- 
findet sich in der Sammlung des Historischen Kreis- 
vereins in Landshut in Bayern und eine ebensolche von 
1737 besaft C. C. Snoeck. Ein Baryton mit 6 Darm- 
und 1 1 Metallsaiten von ihm (Korpus 65 cm, ganze 
Lange 132 cm) besitzt C, Claudius in Kopenhagen. 
Eine Viola mit hiibsch geschnitztem Kopfchen besafi 
A. J. Kochendorfer in Stuttgart. 

Geigenzettel : Paulus Alletsee f. / Lauten und Geigen- / 
macher i. Miinchen / 1724 (gedruckt). — Paolo Aletzie 
Monaco / 1730 (gedruckt) und Abb. 18, 27, 28. 

Allin, Jos. — Lebt als Geigenmacher in 

London 
Altenoder s. Neuner & Hornsteiner 
Althenn, Georg Philipp. — Frankfurt a. M. 
Geb. 1719 in Frankfurt a. M. 1750 
Sohn von Peter Althenn und wie dieser Instrumenten- 
macher und Musiker. Er war Mitglied der stadtischen 
Kapelle, erwarb 1793 das Biirgerrecht und wurde da- 
mit selbstandiger Meister. Eine sechschorige Zither 
von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown in New 
York (Nr. 1297). 

Althenn, Peter. — Frankfurt a. M. 1 706. 1719 
Ein Musiker und Instrumentenmacher, der 1706 aus 
Kelsterbach a. M. nach Frankfurt eingewandert und 
Mitglied der stadtischen Kapelle geworden war. Fur 
seine Stellung spricht es vielleicht, dafi sein Sohn 1719 
vom Kapelldirektor Telemann aus der Taufe gehoben 
wurde. 

Altimira. — Barcelona. 1850. 1880 

Musikinstrumentenfabrikant. Seiner Geigenbauwerk- 
statt stand Etienne Maire-Breton vor, als dessen Arbeit 
daher die Violinen Altimiras betrachtet werden miissen. 



Altrichter, J. — Frankfurt a. O. 

Eine Fabriksfirma, die hauptsachlich Blechinstrumente 
herstellt, aber auch Geigenmacher beschaftigt und Re- 
paraturen ausfiihrt. 

Alvani, Paolo. — Cremona. 1750. 1755 

Wahrscheinlich Sohn oder Enkel von Paolo Albani. 
Einige wenige aber gute Violinen, deren Modell an 
Guarneri erinnert, tragen diesen Namen. Holz und 
Lack sind von lobenswerter Beschaffenheit. 

Amaglioni. 1839 

Wenig bekannter italienischer Geigenmacher, der rechi 
sauber nach Stradivari arbeitete. 

Aman, Georg. — Augsburg. Geb. 28. Marz 
1671 in Vils, fnach 1717 

Er stammte aus Vils und heiratete nach dem Hochzeits- 
amtsprotokoll vom 13. Februar 1695 die Witwe des 
Lautenmachers M. Wohrlein (Worle), wo es heifit: 
»Georg Aman von Fulsz Lautenmacher ledigstandts u. 
Ursula Schnitzlerin, weyl. Matthias Wohrlin's ge- 
westen Lautenmachers seel. Wittib« usw. usw. Im 
Augsburger Steuerbuche von 1717 wird er noch ge- 
nannt. Da man jedoch Geigen von ihm kennt, die die 
Jahreszahlen 1688—1729 tragen, lafit sich die Zeit 
seines Wirkens noch urn einige Jahre verlangern. Seine 
Arbeit ist gut, er wechselt jedoch die Modelle mehrfach 
und bringt am Wirbelkasten gern geschnitzte Kopfchen 
an. Das Holz ist oft mit Sorgfalt ausgewahlt, der Boden 
meist aus einem Stuck und Hals und Schnecke aus 
Birnbaumholz. Sein Lack» der sich nicht gerade aus- 
zeichnet, ist von hellroter bis dunkelbrauner Farbe. 
Seine Violinen haben keinen groflen Ton, am besten 
sind seine grofien Geigen (Violen, Violoncelli und 
Basse). Eine aus dem Jahre 1699 stammende Taschen- 
geige besitzt das Germanische Museum in Nurnberg, 
eine hiibsche, kleine Laute von 1707 das Hohenzol- 
lernsche Museum in Sigmaringen, eine Violine von 
1716 die Staatssammlung vaterlandischer Altertumer in 
Stuttgart und ein Altquinton von 1729 die staathche 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 875), 
eine Laute und eine hiibsche dunkelbraune Violine 
Konzertmeister Fr. Eibl in Innsbruck usw. In der 
Wiener Musik- und Theaterausstellung war er mit 
einer Pochette vertreten. Er schreibt seinen Namen 
stets Aman (nicht Amann, aber auch nicht Amma). 
Geigenzettel : Abb. 19. 

Aman, Matbias. — Augsburg. 1720. 1765 
Vielleicht ein Sohn von Georg Aman oder jener Matth. 
Aman aus Memmingen, der sich als Kammacher und 
Burger in Augsburg niederliefi und am 9. Juni 1720 den 
Konsens zur Verehelichung erhielt. In letzterem Falle 
konnte er immerhin ein Verwandter und Schiiler 
Georg A.s gewesen sein. Seine Geigen sind denen 
von Georg A. ahnlich. Auch er zog grofle Modelle vor 
und baute hauptsachlich Violen und Basse, seltener 
Geigen. 

Geigenzettel : Mathias Aman / Lauten- / und Geigen- 
macher in / Augspurg 1764 (gedruckt). 



Amati, Andrea — Amati, Hieronvmus I 



15 



Amati, Andrea. — Cremona. Geb. um 1535, Amati, Antonio. — Cremona. Geb. zwischen 



f nach 1611 

Der Stammvater der beriihmten Geigenmacherfamilie, 
deren Ahnen sich bis ins friihe Mittelalter (1097) zu- 
riickverfolgen lassen, und die, wie Lancetti, de Picco- 
lellis u. a. annehmen, deutschen Ursprungs war. 
Andreas Geburtstag zu ermitteln, gelang noch nicht, da 
die Kirchenbiicher aus so friiher Zeit nicht mehr vor- 
handen sind. Auch sein Todestag lieB sich nicht fest- 
stellen; er scheint also nicht in Cremona selbst ge- 
storben zu sein. Nach dem Wortlaut des Totenscheines 
seiner zweiten Frau mu6 er im Jahre 1611 noch gelebt 
haben. Von seinem Leben ist nicht allzuviel bekannt. 
Schon 1554 ging er seine erste Ehe ein, doch ist der 
Name der Frau nicht angegeben. Er hatte von lhr drei 
Kinder, darunter Antonio und Girolamo. Gegen 1609 
verheiratete er sich zum zweiten Male mit der erst 
18jahrigen Angiola de Migh, die schon zwei Jahre 
spater starb. Alles, was iiber seine Lehrer gesagt wird, 
ist nur Vermutung. Es ist nicht unwahrscheinlich, dafi 
er in Cremona selbst gelernt hat, es ist auch moglich, 
daB er in seiner Lehrzeit zu den Brescianern Bezie- 
hungen hatte; aber es geht zu weit, wenn man geradezu 
Giammarcello del Busetto als seinen Lehrer angibt. 
DaC er ein Schiiler Gaspar da Salos gewesen sei, laBt 
sein Alter schon als unglaubhch erscheinen. An die 
Brescianer erinnern hochstens seine weiten F-Locher 
und die abfallenden Ecken; in der Hauptsache hielt er 
sich an die uberlieferten Modelle. Es sind iibrigens nur 
wenige Instrumente erhalten, die ihm mit einiger 
Sicherheit zugeschrieben werden konnen, aber auch 
diese sind meist vielfach ausgebessert. Anfangs baute 
er, wie erwahnt, noch nach den alten Gambenmodellen, 
und erst allmahhch nahm er die jetzt gebrauchliche 
Geigenform an. Er bevorzugte ein kleines Patron, 
wahlte gutes Holz, das er in entsprechender Starke ver- 
wendete. Der Boden ist fast immer nach der Schwarte 
geschnitten. Auch sein Lack ist in der altesten Zeit noch 
der bei Lauten- und Violinenbauern des 16. Jahr- 
hunderts haufig verwendete schwarz-rotliche; spater 
kommt er davon ab und gebraucht einen dunkelgelben 
oder hellbraunen Lack, den er nur etwas zu dick auf- 
tragt. Die Wolbung ist ziemlich hoch, weshalb auch der 
Ton nicht allzu voll klingen kann, doch ist er silberhell 
und weich. Bei den F-Lochern sind die oberen Punkte 
fast ebensogroB wie die unteren. Den heutigen Anfor- 
derungen entsprechen seineViolinen freilich nicht mehr, 
sie werden aber immer einen hohen Sammelwert be- 
halten. Er war schon bei Lebzeiten sehr beruhmt und 
soil auch von Konig Karl IX. von Frankreich vie! be- 
schaftigt word en sein. Belege hierfiir liefien sich freilich 
nicht finden, doch diirfte der alten Uberlieferung im- 
merhin etwas Wahres zugrunde liegen. Ein schones, 
echtes Violoncello von ihm besitzt Simoutre in Paris, 
ein anderes Mr. J. H. Bridges. Eine Liste seiner erhal- 
tenen Werke miiBte noch aufgestellt werden. Andrea 
war der Begriinder des Ruhms seiner Familie, deren 
Name vielleicht am meisten mifibraucht wurde. Jede 
altere Geige, die nur einigermaflen italienisch aussieht, 
wurde mit dem Namen eines der Amati getauft. 

Geigenzettel: Andrea Amati in / Cremona M.D.LXXII 
(gedruckt). 



1555 und 1560, f nach 1640 
Altester Sohn von Andrea A. Er arbeitete viele Jahre 
gemeinsam mit seinem Bruder Hieronymus. Ihre stets 
trefflichen Instrumente erinnern anfangs noch an die 
Arbeiten des Vaters. Ihre spateren und besseren Geigen 
haben eine weniger hohe Wolbung. Die verschiedenen, 
mit einem gemeinsamen Zettel (s. Abb. 20) bezeich- 
neten Instrumente stimmen nur selten miteinander 
uberein, so da6 man die Arbeit der Bruder unter- 
scheiden zu konnen vermeint; die besseren werden dem 
talentvolleren Hieronymus zugeschrieben. Der Lack ist 
anfangs dicker und dunkel (kirschbraun), spater wird 
er diinner und hat schone Orangefarbe. Nach dem 
Tode seines Binders zeichnete er seine Arbeiten nur 
mit seinem Namen. Die Bruder haben nicht allzuviel 
Werke hinterlassen ; ihre Geigen sind aber meist vor- 
ziiglich erhalten, was man vielleicht der immerhin noch 
hohen Wolbung zuschreiben kann. Eine Decke mit 
hoher Wolbung besitzt groflere Elastizitat und vor allem 
grofleren Widerstand gegen den Saitendruck, obwohl 
sie diinner ausgearbeitet werden kann. (In der Brust 
lieBen die Bruder Amati das Holz in der Regel 2 bis 
2,8 mm dick.) Freilich hat eine Violine mit flacher 
Decke einen grofieren und wohl auch edleren Ton. Die 
Bruder waren, wie ihr Vater, weit iiber ihr Vaterland 
hinaus beruhmt und wurden namentlich in Frankreich 
hochgeschatzt. Auch sie bauten prachtig ausgestattete 
Geigen fur den franzosischen Konigshof 1 ). Zwei vor- 
ziigliche Violen von ihnen besitzt die Hofkirche in 
Dresden. Es sind vielleicht die grofiten bisher bekannten 
Violen ihrer Zeit und befinden sich noch im Original- 
zustande mit den alten Halsen. Boden, Zargen und 
Schnecke sind nach der Schwarte geschnitten. Der 
braungoldgelbe Lack ist von aufierordentlicher Durch- 
sichtigkeit und Weichheit; die beiden Violen sind nur 
wegen ihrer Grofie schwer spielbar. Eine sehr schone 
Violine der Bruder befindet sich auch in der Sammlung 
des Apoth. E. Meisner in Miinchen-Nymphenburg. 
Geigenzettel : Abb. 20. 

Amati, Hieronymus (Girolamo) I. — Cremona. 
Geb. um 1556, f 2. November 1630 an der 
Pest, der wenige Tage vor ihm auch seine 
Frau und zwei Tochter erlegen waren 
Jiingerer Sohn von Andrea A. In der ersten Ehe (um 
1576) vermahlt mit Ippolita Zucchielli, von w r elcher er 
f iinf Tochter hatte. Am 24. Mai 1 584 ging er mit Laura 
Lazzarini eine zweite Ehe ein, von der er neun Kinder 
bekam; das fiinfte davon war Nicola. Hieronymus wai 
ungleich talentvoller und origineller als sein Bruder und 
wie dieser bedeutender als der Vater. Er arbeitete mit 
seinem Bruder gemeinsam. DaB sich in den letzten 
Lebensjahren die Bruder getrennt haben sollen, ist 
nicht wahrscheinlich, da es noch Violinen mit gemein- 
samem Zettel und der Jahreszahl 1630, also dem Todes- 
jahr Girolamos, gibt. Der von Grillet veroffentlichte 
Zettel mit dem Namen »Hieronimus (sic) Amati « tragt 
die Jahreszahl 1640 und erweist sich dadurch als Fal- 

2 ) Vgl. Heron-Aliens Aufsatz iiber die bemalten Amati- 
Geigen. 



16 



Amati, Hieronymus II — Amati, D. Nicolaus 



schung 1 ). Wenn man auch mehrfach versucht hat, die 
Arbeiten der beJden Briider auseinanderzuhalten. so 
konnen sie doch nur gemeinsam beurteilt werden. Alles 
an lhren Geigen verdient Lob, und ihre Arbeit weist in 
alien Einzelheiten einen sichtbaren Fortschritt gegen 
ihre Vorganger auf. Sie fiihrten auch die Aushohlung 
der Decke zu beiden Seiten des Steges ein, wodurch der 
Ton siifier und lieblicher wurde. Violinen von ihnen 
kommen nicht zu seiten vor, Violen besitzen der Konig 
von England, W. E. Hill & Sons usw. usw. 
Geigenzettel : Antonius & Hieronymus Fr. Amati / 
Cremonen. Andrea? fil. F. 1630(gedruckt) und Abb. 21. 

Amati, Hieronymus (Girolamo) II. — Cre- 
mona. Geb.26. Febr. 1649, f 21 . Febr. 1740 
Dritter Sohn von Nicola A., bei dem ei bis zum Jahre 
1684 arbeitete. Er war seit 1678 mit Angiola Carettoni 
(f 1685) verheiratet und hatte drei Kinder, die fruh 
starben. Man hat sich daran gewohnt, ihn als den un- 
bedeutendsten Meister der Familie zu betrachten; man 
tut lhm aber damit sicher unrecht, und erfreulich 1st es, 
daB auch Hill in seinem Buche iiber Stradivari eine 
Lanze fur ihn bricht. Es gibt Geigen von ihm, die den 
Namen Amati in alien Ehren tragen. Er scheint unter 
dem Einflusse seines Mitschulers Stradivari gestanden 
zu haben und bevorzugte bei seinen ersten Arbeiten ein 
grofies Patron, auch die Ecken machte er ofter Stradi- 
vari nach. Die Schnecke bildet er wuchtiger aus als sein 
Vater, jedoch im Lack steht er ihm nach und erinnert 
in dieser Beziehung eher an Bergonzi durch die Bevor- 
zugung einer rotbraunen Farbe. So weicht er in man- 
chen Einzelheiten von den Traditionen seiner Familie 
ab; er scheint dies aber in der Erkenntnis getan zu 
haben, dafl Stradivari seinen Vater iiberfliigelt habe, 
weshalb er versuchte, es seinem genialeren Mitschiiler 
gleichzutun. Die F-Locher verraten noch den alten 
Schwung der Amatischule, wenn sie auch manchmal 
sorglosergeschnittenerscheinen. Gerade seine F-Locher 
aber sind schuld, daft man jede Geige der Amatischule 
mit abweichenden F-Lochern auf seinen Namen taufte 
und dabei sehr oft ganz geringwertigen Arbeiten zu 
einem bedeutenden Namen verhalf. Zettel, auf denen 
der Taufname Hieronimus statt Hieronymus ge- 
schrieben erscheint, sind von vornherein als falsch zu 
betrachten; ich glaube auch, daft alle Zettel, auf denen 
der Name seines Vaters nicht angegeben ist, verdachtig 
sind. Er war lange genug Gehilfe in der vaterlichen 
Werkstatt und hat an Nicolas letzten Arbeiten gewifi 
einen nicht unbedeutenden Anteil; er wird sich daher 
sowohl zur Unterscheidung von Girolamo I als auch 
zu seiner eigenen Empfehlung stets auf seinen be- 
riihmten Vater berufen haben. 

Geigenzettel : Hieronymus Amati, figho / di Niccolo 
Amati Cremona 17 . . (gedruckt). — Revisto e corretto 
da me / Girolamo Amati figlio di Niccolo / Amati Cre- 
mona 1710 (gedruckt). 

Amati, Nicola. — Cremona. Geb. 3. Dez. 1 596, 
f 12. April 1684 

Sohn und Schiiler des talentvollen Girolamo 1 und 
Enkel An dreas. Er war seit 1645 mit Lukrezia Pagliari A 

) lm besten Falle hat man es mit einem falsch da- 
tierten Zettel von Hier. II. (Nicolas Sohn) zu tun. 



(geb. 1619, f 1703) vermahlt. Einer seiner Trauzeuger 
war sein Schuler Guarneri. Von seinen neun Kindern 
wurde nur Girolamo II ein Geigenbauer. Nicola Amati 
war der groflte Kiinstler aus seiner Familie. Bis etwa 
1625 arbeitete er ziemlich genau nach dem Modelle 
seines Vaters; haufiger als Violinen scheint er damah 
Gamben und Violen gemacht zu haben. Auf der Hohe 
seiner Kunst stehend, findet er allmahlich sein eigenes 
Modell, das er schlieBIich zu dem sog. »Gro6en Amati- 
modell« ausgestaltete. Es war dies die schonste Frucht 
semes rastlosen Strebens und sichert seinem Namen in 
der Geschichte des Geigenbaues einen unverganglichen 
Ruhm, auch wenn die Werke seiner grofien Schuler 
jetzt vorgezogen werden, weil sie den heutigen Anfor- 
derungen besser entsprechen. Er war im Vollbesitz 
dessen, was man jetzt so gerne das »Geheimnis der 
Lremoneser« bezeichnet. Seine Arbeit verrat den 
denkenden Kiinstler, und es ist sicher, dafi er seine 
wissenschaftlichen Kenntnisse, die er zweifellos be- 
sessen hat, nicht nur auf empirischem Wege erwarb. 
Wolbung und Holzstarke sind besser erdacht und feiner 
berechnet als bei alien seinen Vorgangern. Der Rand 
ist schrag abgerundet, die F-Locher kuhn im Schwung, 
die Schnecke meist klein, aber elegant, das Holz pracht- 
voll gewahlt und der Lack elastisch und feurig, von 
gelbbrauner bis rotgoldiger Farbe. Er war von be- 
stimmendem EinfluB auf die ganze Cremoneser Schule, 
und fast alle Meister ersten Ranges vom Beginn des 
18. Jahrhunderts waren direkt oder indirekt seine 
Schuler. Er nahm das Gute der Brescianer sowie aller 
seiner Vorganger auf. Die Formen werden bei ihm 
edler, das Format zierlicher, die iiberreiche auBerliche 
Verzierung fallt weg, und dafiir wird der Wahl des 
Holzes und des Lackes besondere Aufmerksamkeit zu- 
gewendet. So sind seine Geigen vollendete Kunstwerke; 
der Ton ist zwar mehr lieblich als grofi, entsprach aber 
vollkommen der Forderung seiner Zeit, und deshalb 
behaupteten seine Geigen den allerersten Platz bis zum 
Anfange des 19. Jahrhunderts unbestritten. Er baute 
Violinen, Violen und Violoncelli; es gibt aber auch 
einige Basse von ihm, darunter solche, die seinen Namen 
und Jahreszahlen von 1580 bis 1586 tragen. Man hat 
daher angenommen, dafi er einen gleichnamigen Oheim 
gehabt haben miisse. Wahrscheinlich sind es Arbeiten 
von ihm mit gefalschter Jahreszahl. Von den vielen mir 
bekannt gewordenen Geigen von ihm nenne ich die in 
der Sammlung Th. Hammerle in Wien sowie die des 
Direktors Wilh. Kux in Wien von 1673, des Col. T. B 
Shaw-Hellier (1646) und des Rev. E. H. Fellowes(1679). 
Ein Violoncello von 1656 besitzt C. Claudius in Kopen- 
hagen, eines yon 1676 die Sammlung Savoye. Ein vor- 
treffliches Violoncello von mittlerer Gro6e aus dem 
Jahre 1762 besitzt der Sachs. Kammermusiker Richard 
Wohlrab in Dresden. — Dafl Nic. A. seine eigenen 
Arbeiten von denen seiner Schuler strenge ausemander- 
hielt, beweisen die Abb. 12 und 22. 

Geigenzettel: Nicolaus Amatus Cremonee/ Hieronymi 
filii fecit. An. 1651 (gedruckt). — Nicolaus Amatus 
Cremonen. Hieronymi / Fil. ac Antonij Nepos fecit 
1677 (gedruckt) und Abb. 12 und 22. 

mati, D. Nicolaus. ^ Bologna. 1723. 1737 
Das D. vor seinem Namen auf seinem (bei de Wit ver- 
offentlichten) Zettel laflt eigentlich nur die Deutung 






Amali — Anda 



17 



Don (von lat. Dominus) zu. Diesen friiher nur der 
hoheren Geistlichkeit zustehenden Titel fiihrten im 
18. Jahrhundert die Monche, und man geht daher wohl 
nicht fehl, wenn man diesen Trager des Namens Amati 
fur einen Geistlichen bei S. Cosmas und Damian halt, 
der den Geigenbau nur aus Liebhaberei betrieb. Auf 
einigen Zetteln stent allerdings ein C. statt des D. Seine 
Leistungen werden als mittelmaBig bezeichnet, und 
seine Zugehbrigkeit zur Cremoneser Farmlie ist nicht 
klar. 

Geigenzettel : D. Nicolaus Amati , Fecit Bononiae Apud / 
SS: Cosma, et Damiani, 1723 (gedruckt). — D. Nico- 
laus Amati / fecit Bononiae 1 737 (gedruckt) und Abb. 1 3. 

Amati (fingierte Mitglieder der Familie) 

Im Stift Kremsmiinster befindet sich eine Violine mit 
der Jahreszahl 1640 und dem Namen Francesco 
Amati in Cremona. — Eine lange und schmale*Violine 
von haftlicher Form, ungleich auf beiden Seiten, mit 
alien Zeichen des Dilettantismus, tragt die Inschrift: 
Jo Giovanni Amati fece questo violino del 1610 da... 
(unleserlich, vielleicht Vicenza); eine andere Violine 
nennt einen Giuseppe Amati in Bologna. Professor 
Kahle in Bochum besitzt eine unbestreitbar alte, hoch- 
ge wolbte Violine von »LuigiAmatil 662 «, die zweifel- 
los von deutscher Herkunft ist; in Dresden befindet 
sich eine solche mit dem Zettel: »Pietro Amati, 
Napoli«. Noch schlimmer erscheint ein Taronimus 
(sic) A mat i in Absom (sic) 1 627. — Unwissenheit oder 
Berechnung lieB diese fingierten Mitglieder der be- 
nihmten Familie entstehen ; in jedem Falle aber war es 
dabei auf Tauschung abgesehen. 

Amatis, Giambattista. — Venedig. 1677 

Von Valdrighi erwahnter Geigenmacher, der sonst nicht 
bekannt ist. 

Amberger, Max I. — Miinchen. Geb. 1838, 
t 11. Nov. 1889 

Sohn, Erbe und Nachfolger von Heinrich A. Wenn er 
auch Geigen reparierte, so war er doch vorzugsweise 
Zithermacher. Er erfand allerlei Verbesserungen fur die 
Zither und baute auch nach Fr. Xaver Steiners An- 
gaben die erste Konzertzither (Primzither mit grofierer 
Mensur). Er iibergab 1887 sein im Jahre 1863 be- 
grundetes Geschaft seinem gleichnamigen Sonne. 
C. Claudius in Kopenhagen besitzt eine Philomele von 
ihm. 

Geigenzettel: Reparirt / Max Amberger / Reichen- 
bachstrafie Nr. 39 in Munchen (gedruckt). 

Amberger, Max II. — Munchen. Geb. 28.0kt. 

1863 

Schiiler seines Vaters Max A. I, dessen Geschaft er 
1887 iibernahm. Er war Bayrischer Hofinstrumenten- 
fabrikant und baut Konzertzithern, fur die er bereits 
viele Medaillen erhalten hat. 

Amberger, Heinrich. — Munchen. 1 860, f 1 91 

Wie die iibrigen Mitglieder seiner Familie hauptsach- 
lich Zithermacher, oder, wie er sich nannte: Saiten- 
instrumentenfabrikant. 

Ambrogi s. Ambrosi 

v. Liitgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Ambroise. — Paris. 18. Jahrhundert 

Ein Pariser »Luthier« dritten Ranges, dessen Werke 
wenig geschatzt sind. Am besten gelangen ihm noch 
seine Gitarren. 
Geigenzettel: Abb. 17. 

Ambrosch, Karl. — Schonbach b. Eger. 1826 
Ein Geigenmacher, dessen Nachkommen noch heute 
im Geigenbau tatig sind. Ein Johann Ambrosch hat seit 
1892 in Schonbach eine Streichinstrumentenfabnk. 

Ambrosi (Ambrogi), Pietro. — Brescia, Rom. 
1712. 1748 

Die durch den DialektveranlafiteschwankendeSchreib- 
weise des Namens hat dazu verfuhrt, zwei Meister aus 
ihm zu machen. Er diirfte erst urn 1 745 nach Rom iiber- 
gesiedelt sein. Nach seinem von De Piccolellis mitge- 
teilten Zettel stammte er aus Cremona, was man seiner 
Arbeit aber wenig ansieht. Er baute oberflachlich nach 
Stradivari und verwandte wenig Sorgfalt auf die Wahl 
des Holzes und des Lackes. 

Geigenzettel: Petrus Ambrogi Crem. / fecit Romae an. 
17 . . (gedruckt) und Abb. 11. 

Ambrosio s. D'Ambrosio 

Amelot. — Lorient (Frankreich). 1821. 1842 

Gewohnliche, franzosische Arbeit, kleiner Ton, manch- 
mal gelber, meist aber rotlicher Lack. Am besten sollen 
seine Kontrabasse sein. Er verwendete einen mit dem 
Stadtwappen verzierten Zettel. 
Geigenzettel: Amelot, luthier / A Lorient, 1829 (gedr.). 

Amici, Luigi. — Rom. Ende des 18., Anfang 
des 19. Jahrhunderts 

Wahrscheinlich nur Gitarren- und Mandolinenmacher. 
Er wohnte in der Via del Pellegrino Nr. 44 und ist un- 
bedeutend. Sein Zettel aus einer Doppelmandoline 
findet sich in De Wits »Geigenzettel alter Meister« ab- 
gebildet. Eine hubsch gearbeitete Doppelmandoline 
von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln (Nr. 660). 

Amman, Erhard. — Haag. 1751. 1770 

Er gilt als guter Geigenmacher; doch gelang es mir 
nicht, Arbeiten von ihm kennen zu lernen. 

Amourdedieu. — Amiens (Dep. Somme). 1900 
Geigenbauer und Musikinstrumentenhandler der 
Gegenwart. 

Anciaume, Bernard. — Mirecourt (Liittich?). 
1783. 1789 

Wenig bekannter Geigen- und Lautenmacher des 
18. Jahrhunderts. Er verwendete eine Brandmarke mit 
seinem Namen. Eine Arbeit von ihm befindet sich — 
aus der Sammlung Snoeck (Nr. 531) — in Berlin. 

Anda. — Hyeres. 1801 

Nur als Reparateur bekannt. 

Geigenzettel: Repare par Anda / a Hyeres Tan 1801 

(geschrieben). 

2 



18 



Anderlini — Andrescu 



Anderlini, Giuseppe. — Spilamberto (Modena) 
1860 

Er baute zwar in seiner Jugend einige Violinen, ist aber 
kein Geigenmacher, sondern Fabrikant landwirtschaft- 
licher Gerate und Maschinen. Dilettantisch in der Ar- 
beit, sorglos in der Wahl des Holzes und des Modells. 

Andersen, Charles, — Denver (Colorado). 
1880. 1900 

Ein trefflicher Musiker, Organist, der sich griindliche 
Kenntnisse im Geigenbau angeeignet hat und uber 
eine grofie Handgeschicklichkeit verfiigt. 

Anderson, John I. — Aberdeen. Geb. 1829 in 
Alford, f 1883 in Aberdeen 
Schiiler von Matthew Hardie. Er begann schon als acht- 
jahriger Knabe Geigen zu machen. Er baute nach eineni 
kleinen Stradivari-Modell und verwendete einen selbst- 
bereiteten Ollack in verschiedenen Farben. Er machte 
durchschnittlich zwei Geigen im Monat fertig und war 
ein vorziiglicher Geiger. 

Geigenzettel : Made by / John Anderson / Aberdeen 
(gedruckt). 

Anderson, John II. — Glasgow. Geb. 25. Dez. 
1856 in Aberdeen 

Sohn und Schiiler von John I, A. Er hat sehr viele 

Geigen nach Stradivari gebaut, ist ein vorziiglicher 

Geiger und Violinlehrer und auch sonst sehr musi- 

kahsch. 

Geigenzettel: Made by / John Anderson / Bon-AcCord 

Violin Maker/ Glasgow 18 . . (gedruckt). 

Anderson, Henry. — Edinburgh. Geb. in 
Auchtermuchty 1839 

Er war urspriinglich Tischler, hat es aber als Geigen- 
macher zu groBer Geschicklichkeit gebracht und uber 
hundert Geigen nach Guarneri gebaut. Sein Lack ist 
nieist gelb oder mahagonifarben. Er gebraucht keine 
Zettel, sondern schreibt seinen Namen mit Feder oder 
Bleistift in seine Geigen und bringt aufien einen Brand- 
stempel an. 

Andorff, M. C. R. — Nordhausen a. H. 1884. 
1885 

Nur durch einen Reparaturzettel bekannt. Er wohnte 
1884 in Nordhausen, verlieB diese Stadt aber am 
30. Oktober 1885, urn nach Adorf in Sachsen iiberzu- 
siedeln. 

Andrade. — Lissabon 

Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher. 

Andre & Co., eine 1885 gegriindete Geigen- 

macherfirma in London 
Andrea, Giovanni. — Rom. 1606 

Ein Flamander, von dem nur die italienisierten Namen 

bekannt sind und der 1606 bei Visco da Piperno ge- 

arbeitet hat. 



Andrea, Pietro. — Venedig. 1650. 1700 

Vermutlich der Meister, von dem der Modeneser 
Castaldi Bellerof onte singt : 
»Con Andrea, liutar poi siate pratico 
perche non voglio piii la sua amicizia 
ne, la mattina, her seco il liatico.« 

(Manusknpt im Besitze Valdnghis) 

Andreas, Heinrich. — Schonbach b. Eger. Ge- 
griindet 1881 

Ein Streichinstrumentenmacher, der hauptsachlich 
Handelsware herstellt. 

Andreae, Johannes. — Verona, Venedig (?). 1511 
In einer wundervollen Lira da Braccio der Kunst- 
sammlung des Hauses Este in Wien hndet sich der 
geschTiebene Zettel: Joannes Andree. Veronen./adi 12 
Agosto 1511. Giovanni d'Andrea gibt hier nur seinen 
und seines Vaters Taufnamen an. Trotz eifriger Nach- 
forschung gelang es mir noch nicht, Naheres uber 
diesen hervorragenden Meister festzustellen. Die Lira 
tragt auBerdem noch die gnechische Inschrift: 

wines iatpos. Em\ 
\\0i»qfiois. nwi 

Andrejeff,V.V. — St. Petersburg. 1889. 1911 

Ein ausgezeichneter Musiker, der durch grofie Konzert- 
reisen mit seinem groBrussischen Orchester beriihmt 
geworden ist. Er hat das Verdienst, ein altrussisches 
Volksinstrument, das bereits anfing, in Vergessenheit 
zu geraten, die Balalaika, so verbessert zu haben, daB 
es den gesteigerten Anforderungen unserer Zeit ent- 
spricht, so daB es jetzt wieder auBerordentlich in Auf- 
nahme gekommen ist. Hierbei standen ihm Meister 
Nalinow und Passierbski zur Seite. Auch die altrus- 
sischen Volksinstrumente Domra und GuBli sind von 
A. verbessert und in sein Orchester aufgenommen 
worden. 

Andreolo. — Venedig. 1359 

Einer der altesten venezianischen Lautenmacher, den 
Valdrighi (3986) anfiihrt. 

Andres, Domenico. — Bologna. 1740 

Ein Liebhaber, von dem ein Violoncello von gewohn- 
licher Arbeit bekannt wurde, und der ehrlich genug 
war, sich selbst als Dilettant zu bezeichnen. 
Geigenzettel: Dominicus Andres / Bolognensis Dile- 
tante / Fecit a. Domini 1740 (geschrieben). 

Andrescu, Johann. — Broos (Szaszvaros, 



Ungarn) 

Geboren 1868 in Broos. Er erlernte den Geigenbau 
durch Privatunterricht, vervollkommnete sich in Wien 
und begriindete dann 1888 in seinem Elternhause sein 
eigenes Geschaft. Er beniitzt im allgeme.inen das Stradi- 
vari-Modell, nur wahlt er eine starkere Wolbung, die 
Decke laBt er in der Mitte starker im Holz als den 
Boden, die Zargen sind 27 bis 30 mm hoch. Der Hals 
unterhalb der Schnecke ist 2 cm, am Geigenkorper 
3% — 4 1 4 cm breit. Er verwendet Spirituslack nach 
einem Wiener Rezept und klebt seinen Geigen seinen 



Angard — Antoniazzi 



Firmastempel mit Datum und der eigenhandigen Unter- 
schriftein. ErbautnurGeigen in 4 4 -Grofle und hat auf 
alien von ihm seit 1890 beschickten Ausstellungen, so 
in Budapest, Hermann stadt usw. Preise erhalten. 
Geigenzettel: JohannAndrescu/ Geigenmacher /Broos, 
Szaszvaros (Ungarn) (gedruckt). 

Angard, Maxime. — Paris. Geb. I . Dez. 1849 
in Arronville (Seine-et-Oise) 
Urspriinglich nur Liebhaber, verlegte er sich erst 
spater ganz auf den Geigenbau. Seme Arbeit ist lin 
ganzen gut; eigenartig sind aber nur seine Wirbel, an 
denen er Verbesserungen angebracht hat. Er diirfte urn 
1900 gestorben sein oder hat urn diese Zeit Paris ver- 
lassen. AuBer seinem Zettel tragen seine Geigen auch 
noch seinen Namen handschriftlich. 
Geigenzettel: Abb. 14 und 15. 

Angelis, Vitus de. — Bologna. 1609 

Dem Namen nach bekannter, wahrscheinlich aus den 
Niederlanden eingewanderter Meister vom Anfang des 
17. Jahrhunderts. 

Angelucci, Dominicus. — ? 1816 

Er nennt sich nach seiner Heimat einen v >Septem- 
pedanus«und ist mir nur durch einen Reparaturzettel 
bekannt geworden. 

Angerbauer (Angerhauer), Georg. — Fiissen. 

1606 

Er wird 1606 als Mitglied der damals neubegriindeten 
Fiissener Lautenmacherzunft genannt. 

Angerer, Franz. — Wien. 1885. 1910 

Ein Wiener Streichinstrumentenmacher. der 1885 in 
Wien XV, Mariahilferstrafle 170, eine Werkstatt er- 
offnete. Er ist ebenso tiichtig im Neubau wie als Repa- 
rateur und zugleich ein sehr guter Geiger. Er verwendet 
einen schonen, goldgelben Ollack. Schon 1893 erhielt 
er in Chicago eine Medaille. Er arbeitet mit zwei Ge- 
hilfen; das Wichtigste macht er aber stets selbst. Sehr 
geschatzt sind seme Gitarren. 

Anselmo (Anselmi), Pietro. — Florenz, Ve- 
nedig. 1700. 1750 

Er soil zuerst in Cremona gearbeitet haben, was nach 
dem Stil seiner Arbeit nicht allzu glaubwurdigerscheint. 
Er verwendet ein kleines, an Ruggeri erinnerndes Mo- 
dell von mafliger Wolbung, einen schonen, goldigen 
Lack, wenn auch nicht immer schones Holz. Arbeiten, 
die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden konnen, 
sind selten und gewohnlich aus Venedig datiert. Der 
Text auf seinen Zetteln ist italienisch oder lateinisch. 

Ansoldo, Rocco. — Genua. 1 760 

Selten, vorkommender Meister, der nicht ungeschickt 
nach J. B. Guadagnini arbeitete. 

Antegnati, Giov. Francesco. — Brescia. 1535 
De Piccolellis nennt ihn Antognati und fiihrt ihn als 
Lautenmacher an. Die Quelle, aus der er geschopft hat, 
kann zwar nur das Buch von Giovan Maria Lanfranco 



sein, in diesem wird er aber ausdrucklich als »fabri- 
catore di monochordi e clavicembali« bezeichnet. Die 
Familie Antegnati war eigentlich eine Orgelbauer- 
familie; Giov. Francescos Vater Bartolomeo, ebenso 
seine Briider Giovan Giacobo und Giovan Battista und 
Graziadio, der Sohn des Letztgenannten, waren Orgel- 
bauer; am bedeutendsten war aber Costanzo Antegnati, 
der aufierdem noch Organist und Musikschriftsteller 
war und 1608 seine »l'Arte Organica« herausgab. Aus- 
fiihrlicheres iiber die Familie gibt Damiano Muoni im 
»Archivio storico Lombardo« (1883) S. 178 — 221. 

Antenelli, A. — London 1900 

Englischer Geigenmacher der Gegenwart; wahrschein- 
lich italienischer Herkunft. 

Antoine, Jean Claude. — Mirecourt. 1733, 

t 1786 

Er ist mir nur dem Namen nach bekannt geworden und 
gehorte zu den handwerksmaBig arbeitenden Geigen- 
machern seines Ortes. Sein Sohn Jean I A. und seine 
Verwandten Jean II und sein Enkel S. E. Antoine 
waren wie er nur mittelmafiige Geigenmacher. 

Antolini, Francesco. — Mailand 

Ein Musikinstrumentenmacher des 19. Jahrhunderts, 
der nichts Hervorragendes geleistet hat. 

Anton, Rudolf. — Aussig i. B. Geb. 1854 in 

Graslitz 

Enkel des Orgelbauers Anton in Schonbach, Schuler 
von Wurm in Aussig, zu dem er kam, nachdem er das 
Tischlerhandwerk erlernt hatte Er ist seit 1869 in 
Aussig ansassig und beschaftigt sich sowohl als Geigen- 
wie als Gitarrenmacher. 

Geigenzettel: Rudolf Anton / Holz-Instrumenten- 
macher / Aussig, Herrengasse 38 (gedruckt). 

Antoniazzi, Gaetano. — Cremona. Geb. 7. Aug. 
1823, f I.Aug. 1897 in Mailand 
Vielleicht der Sohn eines gleichnamigen Vaters, von 
dem es Geigen mit der Jahreszahl 1810 geben soil. Da 
er in einem wahrscheinlich ehrlich gemeinten Streben 
oft von den guten Vorbildern im Modell abwich, ohne 
jedoch etwas Besseres finden zu konnen, haben seine 
Versuchsgeigen trotz sorgfaltigster Arbeit keinen 
hoheren Wert. Er verruckte auch die Lage der F-Locher 
wiederholt sehr zu ihrem Nachteil. Seine Kopien da- 
gegen sind, bis auf den Lack, recht gut, und er erhielt 
dafiir auch mehrere Medaillen. 

Antoniazzi, Gregorio. — Colle 1 738 

Vidal teilt nur seinen Zettel mit, de Piccolellis nur seinen 
Namen, Werke seiner Hand konnte ich nicht erfragen. 
Geigenzettel: Gregorio / Antoniazzi , In Colle 1738 
(gedruckt). 

Antoniazzi, Riccardo. — Mailand 1886. 1910 
Bruder von Romeo. Er war ursprunglich Musiker und 
hat sich schliefllich auch dem Bau von Geigen und 
Mandolinen zugewendet. Er arbeitete langere Zeit bei 
Leandro Bisiach und jetzt ist er Werkfiihrer in der 

T 



20 



Antoniazzi — Arlow 



Musikalien- und Instrumentenhandlung von Monzino 
in Mailand. Durch angeborenes Talent geleitet und 
eifriges Studium erwarb er sich wertvolle Kenntnisse, 
die ihn zu einem recht geschickten Meister machten. 

Antoniazzi, Romeo. — Cremona, Mailand. 
Geb. 4. Mai 1862 in Cremona 
Sohn von Gaetano A., Schiiler seines Vaters. Nach 
einer Studienzeit von 15 Jahren eroffnete er im Jahre 
1887 in Mailand seine eigene Werkstatt und verlegte sie 
bald nach Cremona, wo er das Geschaft seines Vaters 
iibernahm. Er baut Streichinstrumente aller Art nach 
Stradivari, Amati, Guarneri, Guadagnini und Pressenda 
und hat auch ein eigenes Modell, bei welchem eine von 
ihm aufgestellte Theorie der Dicke des Bodens und der 
Decke Verwendung findet. Seine Geigen sind von 
schoner Arbeit und gut im Ton. Er besitzt goldene und 
silberne Medaillen von Turin 1898, Paris 1900 usw. 
Geigenzettel: Antoniazzi Romeo di Cremona / fece in 
Cremona l'anno .... (gedruckt) und Abb. 24. 

Antonio, Cypriano. — Lissabon. 18. Jahrh. 
Ein Lautenmacher, von dem Mandolinen wiederholt 
vorkommen, deren Ausfuhrung im ganzen recht ge- 
fallig ist. 

Geigenzettel: Cypriano Antonio a fez en / Lisboa rua 
Largo da Esperanza (gedruckt). 

Antonio s. Siciliano 

Antonius Bononiensis s. Brensio 

Antonio dai Liuti. — Ferrara 1475 

Er wird in Urkunden als »Maest ro AntoniodaiLiuti« 
bezeichnet. Wenn man bisher auch nicht mehr als 
seinen Namen kennt, wird man doch nicht fehlgehen, 
ihn als Lautenmacher anzusehen. 

Antony, H. - 1750. 1780 

Vidal bespricht ein aus Cremona 1751 datiertes Instru- 
ment zweiten Ranges aus der Sammlung des Marquis 
de St. Hilaire in Paris und gibt die Namen Hieronymus 
Antony an. Es wird wohl nur H. geschrieben gewesen 
sein. Mir wurde ein Cello mit dem Zettel »Johann 
Antony, violinmacher, Mittenwald 1 780 « bekannt. Das 
Holz der Decke ist schon und klarjahrig, beim Boden 
und den Zargen unschon, die Ecken sehr spitz; die 
schmale, elliptisch geschnitzte Schnecke ist tief aus- 
gestochen, der Lack nuftbraun. Die Arbeit hat eher 
einen vogtlandischen als einen Mittenwalder Charakter; 
auch war es mir nicht moglich, eine Familie Antony in 
Mittenwald nachzuweisen. Wahrscheinlich ist H(ans) 
und Johann Antony ein und derselbe Geigenmacher. 
Bekannt ist es, daft die Vogtlander sehr haufig »Cre- 
mona« oder »Mittenwald« als Ursprungsort angaben, 
auch wenn sie den eigenen Namen gebrauchten. 

Antonio, Mastr'. — Venedig. 16. Jahrhundert 

Ein venezianischer Lyrenmacher des 16. Jahrhunderts, 
den Valdrighi (3933) anfuhrt. 

Anyon, Thomas. — Manchester. Geb. 1854 
An seinen Geigen wird der Lack besonders gelobt. 



Appel, Ignaz. —Budapest. Geb. 1854. 1910 

Schiiler von Monnig, arbeitete bei Zach undbei Voigt in 
Wien, dann bei J. W. Schunda in Budapest und baute 
einige ziemlich gute Geigen, hat sich jedoch in letzter 
Zeit mehr dem Bau des Cimbals zugewendet. 
Geigenzettel: Appel Ignacz ;' 18 Musikinstrumenten- 
Fabrik 88 / Budapest, Graf Karolygasse Nr. 5 (gedr.). 

Appold, Carl Friedr. 

Vermutlich ein schwabischer Geigenmacher, der im 
ersten Dnttel des 19. Jahrhunderts tatig war. 

Arcangioli, Lorenzo. — Florenz. 1825. 1849 

Ein Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, 
von dem sich ein gutes »Violoncello da Spalla« in W. 
Heyers Musikhistorischem Museum in Kciln (Nr. 938) 
befindet. Auch seine Violinen sind nicht schlecht, wenn 
auch nicht hervorragend. 

Ardenois, Jean. — Gent. 1731 

Wenig bekannt. Man weift von ihm nur, daft er die 
Instrumente der Kathedrale in Gent ausgebessert hat. 
Geigenzettel: Johannes Ardenois tot Ghent / 1731 (ge- 
druckt). 

Ardern, Job. — London 1893 

In einer mittelmaftigen Violine stand sein Name. 



lebt als Geigenmacher in 



Arezzo, Nicolo, 

Neapel 
Arias, Vicente. 1889 

Guter Gitarrenmacher. 

Arienti, Carlo Giuseppe. Mailand. 1810 (?). 
1863 (?) 

Das Mailander Konservatorium besitzt von ihm einen 
kleinen, graugelb lackierten Kontrabaft mit dem Zettel: 
Carlo Giuseppe Arienti / Fece in Milano, nella / Con- 
trada Ponte Vetro/ num. 1863. Anno 1810 (gedruckt). 

Arkhusen, Gebriider. — St. Petersburg. 1880 
Im Jahre 1818 begrundete Fabrik von Saiteninstru- 
menten, die gute, aber verhaltnismaftig teure Instru- 
mente (Violinen, Gitarren usw.) herstellt und auch in 
Moskau eine Werkstatt unterhalt. 

Arling, Olaus (Olof). — Stockholm, f 25. Jan. 
1735 

Von ihm ist nur bekannt, daft er sieben Jahre lang Ge- 
hilfe von Jonas Elg gewesen ist, nach dessen Tod die 
Witwe heiratete und damit die Werkstatt seines ver- 
storbenen Meisters bekam, aber schon nach zweiein- 
halbjahriger Tatigkeit als selbstandiger Geigen- und 
Lautenmacher starb. 

Arlow, Heinrich. — Brilnn, Wien. Urn 
1850-1865. 

War um 1849 Schiiler von N. Savicki, den er in seinen 
Modellen anfangs genau nachzuahmen suchte, wenn 
seiner Arbeit auch etwas Schulerhaftes anhaften blieb 



Arnitz — Arthmann 



21 



(flache Wolbung, heller Lack). Er hat nur wenige Gei- 
gen gemacht, doch war er als Geigenmacher nicht un- 
geschickt, was schon daraus hervorgeht, daB er einen so 
tuchtigen Schuler wie Jac. Kliment heranbildete. In 
seiner Arbeit erinnert er ofters an die PreBburger 
Meister; er verwendete gelben Lack. Nach 1860 scheint 
er kurze Zeit in Wien ansassig gewesen zu sein. 
Geigenzettel : Heinrich Arlow/ Wien 863 (geschrieben). 
Arnitz, Meinrad. — Obernufibaumen (Schweiz). 
19. Jahrhundert 

Ein Dilettant, der seinerzeit in der Schweiz herumreiste 
und sich da und dort aufhielt, urn Geigen, so gut er es 
verstand, auszubessern. 

Arnold!, Carlo. — Anagni, Rom. 1790 

Ein Meister dritten Ranges, der statt seines eigenen 
haufiger fremde Zettel in seine Geigen geklebt haben 
soil. 

Arnoldt, Joh. — Prichsenstadt. 1891 

Ein Schreinermeister, der mit Geschick und leidlichem 
Verstandnis zahlreiche Geigen repariert hat. Auch sein 
Sohn und Nachfolger soil sich als Reparateur bewahrt 
haben. 

Arnot, David. — Glasgow. Geb. 1831 in 
Turred Bant Cottage, f in Glasgow 1897 
Ein geschickter Geigenmacher, der urspriinglich einen 
anderen Beruf hatte, als er 1859 nach Glasgow kam. 
Seine ersten Geigen waren nach Amati, die spateren 
nach Stradivari und Guarneri gebaut. Erst 1888 eroff- 
nete er seine Geigenmacherwerkstatt. Er war auch ein 
vorziiglicher Geiger. 
Geigenzettel: David Arnot / Glasgow 1889 (geschn). 

Arnould, Eduard. — Moskau. Geb. in Mire- 
court, f 1895 

Ein Mirecourter Meister, der die letzten Jahre seines 
Lebens in Moskau tatig war und, nachdem er langere 
Zeit bei Salzard gearbeitet hatte, seine eigene Werk- 
statt eroffnete. Er wurde als Reparateur gelobt; seine 
wenigen neuen Instrumente hat er jedoch zu schwach 
gebaut. Sein Nachfolger war der ehemalige Tischler 
Petroff, der das Geschaft nur kurze Zeit weiterfuhrte. 

Arphenmacher, Konrad. — Freiburg i. Schw. 
1454, f vor 1464 

lm Freiburger Biirgeraufnahmsbuche findet sich der 
Eintrag: »Cunradus dictus Arphenmacher f actus est 
burgensis supra domum suam sitam Freiburg! in angulo 
vici dicti Fischolan usw. Datum vicesima die januani 
anno 1 454. « — 1st es auch nicht durchaus sicher, daB 
dieser Konrad ein Harfenmacher war, so zwingt der 
Vergleich mit den ubrigen Eintragungen doch dazu, an- 
zunehmen, daB »Harfenmacher« den Beruf und nicht 
etwa nur den Familiennamen bedeutete. 

Arphenmacher, Peter. — Freiburg i. Schw. 

1464 

Sohn von Konrad. Von ihm heiBt es im Burgerbuche 
S. 81b: »Petrus Arphenmacher filius Conradi recepit 



burgensiam ejusdem patris sui et factus est burgensis 
supra domum suam qu. fuit dicti patris sui sitam Fri- 
burgi in inferiori angulo vici dicti Fischolant juxta car- 
reriam. Datum 12 a die mensis marcii anno Domini 
1464. « 

Artaldus, Joannes Aloysius. — 1584 

Eine Cithara mit sieben Saiten in der Sammlung Alfr. 
Keil in Lissabon tragt diesen Namen nebst dem Datum 
25. Oktober 1584. Die Arbeit sieht italienisch aus. 

Artalli, Giuseppe Antonio. Mailand 1765 

Selten vorkommender Meister. Seine Violinen sind dem 
WurmfraB stark ausgesetzt, erinnern an Testores Ar- 
beiten und sind nicht schlecht im Ton. 

Arthmann 1 ), Georg Valentin. — Wechmar bei 
Gotha. Geb. 19. Dez. 1750 in Wechmar, 
f das. 11. Jan. 1799 

Er war Sohn eines Schreiners und selbst Schreiner und, 
wie es im Sterberegister zu Wechmar heiBt : »besonders 
instrument macher«. Wahrscheinlich war auch schon 
sein Vater Johann Philipp A. nebenbei Instrumenten- 
macher. Von beiden ist nichts Naheres bekannt. Georg 
Valentin A. war zweimal verheiratet, in erster Ehc(l 773) 
mit Maria Elisabeth geb. Fischer, von welcher er sechs 
Kinder hatte; aber nur sein altester Sohn widmete sich 
der Geigenmacherkunst und brachte es darin zu ziem- 
licher Kunstfertigkeit. In seinem Trau- und Toten- 
schein wird er auch als Mitnachbar und Vormund- 
schaftsverwandter aufgefiihrt und als Todesursache epir 
demisches Faulfieber angegeben. 

Arthmann, Johann Nikolaus. — Wechmar bei 
Gotha. Geb. ll.Marz 1774 in Wechmar, 
f das. 20. Dez. 1846 

Altester Sohn des Schreiners und Instrumenten- 
machers Georg Valentin A. Er erlemte zunachst bei 
seinem Vater das Schreinerhandwerk und nebenbei den 
Instrumentenbau. Als Gehilfe kam er zu Ernst nach 
Gotha, dessen Schuler er nun als Geigenbauer wurde. 
Natiirliches Talent und eine beim Vater schon er- 
worbene, nicht gewohnliche Handfertigkeit brachten es 
bald dahin, daB er Tuchtiges im Geigenbau leistete. 
Nach dem Tode seines Vaters kehrte er nach Wechmar 
zuruck und verheiratete sich 1812 mit Barbara Judithe 
Schiiller und verlegte sich ausschlieBlich auf den Gei- 
genbau. Nach Ottos Aussage waren seine Geigen denen 
von Ernst in der Form sehr ahnlich und hatten einen 
starken, runden und dicken Ton, sprachen leicht an 
und wurden als gute Nachahmungcn italienischer 
Meister betrachtet. Arthmann verkaufte seine Violinen 
zu zwei Louisdor' 2 ), doch wurden sie, wenn sie gut ein- 
gespielt waren, schon zu seinen Lebzeiten wesenthch 
teuerer bezahlt. Trotzdem er sehr geschatzt war und 
von seinem Herzog offentlich belobt wurde, lebte er 
doch in den bescheidensten Verhaltnissen. Noch heute 



x ) Wenn in der Literatur ein Geigenmacher »Altmann 
in Gotha« vorkommt, so ist das eine Verwechslung mit 
Arthmann. 

*) Vgl. Journal fur Fabrik, 1797, Jan., S. 66. 



22 



Artmann — Aubry 



wird erzahlt, daft es geradezu Staunen erregte, Arth- 
mann die feinsten Arbeiten ausfiihren zu sehen mit 
seinen ungeschlachten Handen, deren Finger von einer 
geradezu abnormen Breite waren. Nachdem er 1842 am 
18. Dezember seine Ehefrau, die an der Auszehrung 
starb, verloren hatte, siechte auch er dahin, bis er vier 
Jahre spater an Altersschwache starb. Kammermusikus 
E. G. Lind in Koburg besitzt ein Quintett (zwei Vio- 
linen, eine Viola, ein Violoncello und einen Bafi) und 
einige einzelne vorziigliche Instrumente von lhm. 
Geigenzettel : J.N. Artmann in Wechmar / prope 
Gotham 1835 (gedruckt). 

Artmann, H. — Capri. 19. Jahrhundert 

Ein Mandolinenmacher, der wahrscheinlich ursprung- 
lich Hartmann hiefi. Er war nicht ungeschickt, Gustav 
Hering in Munchen besafi eine hiibsche Mandoline 
von ihm. 
Geigenzettel: Capri / H. Artmann (geschrieben). 

Arvesen, C. Ferd. — Kopenhagen 

Danischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der 
Nordischen Kunst- und Industrieausstellung 1888 mit 
einer Violine vertreten war. 

Ascensio, DomVicenzo. — Madrid. 1775. 1790 
Ein Priester, der sich mit dem Anfertigen und be- 
sonders mit dem Ausbessern von Geigen befaOte. Sein 
Geschaftstagebuch soil noch vorhanden sein, aus dem 
hervorgeht, dafi er vom spanischen Hofe beschaftigt 
wurde und sich sowohl an Werken von Stradivari wie 
von Stainer vergriffen hat. Vgl. die »Greffuhle Stra- 
divarius« (Stuttgart, Hamma & Co.). 

Askew, John. — Stanhope, Darlington. 1879. 
1885 

EinSchuhmachermeister, der auf der Londoner „Inven- 
tionsexhibition" fur zwei gut gebaute Violinen eine 
bronzene Medaille bekam. 

Askey, Samuel. — London. 1785, f urn 1840 
Urspriinglich zum Klempner bestimmt, wurde er an- 
geblich Schiiler von John Morrison und arbeitete um 
1825 fur G. Corsby. Wenig ansprechende Arbeit. 
Manche glauben, den Namen Astley lesen zu miissen. 
Geigenzettel: Askey / No. 9 Fleet Lane / 1785 (gedr.). 

Aspinall, James. — Bolsterstone. Geb. 1855 
Er baut nach Riechers Stradivari-Patron und ver- 
wendet Whitelaws Lack. 

Asplund, C. E. — Skultuna. Wahrscheinlich 
18. Jahrhundert 

Verfertiger einer %-Geige i m Museum zu Gothenburg, 
deren eckenloser, gitarrenahnlicher Korper aus Messing 
besteht. Hals, Schnecke und Saitenhalter usw. sind aus 
Holz. 

Assalone, Gasparo (Gaspero) d\ — Pesaro und 
Romp) 

Ein zweifellos erfundener Geigenmacher, von dem be- 
hauptet wird, dafi er um 1690 und noch um 1740 gelebt 



haben soil. Man sagt, daB er im Umrifi das Amatimodell 
nachahmte, jedoch die Wolbung zu hoch nahm und 
unsauber arbeitete. Wahrscheinlich ist dieser Gasparo 
d' Assalone aus dem Namen Gasparo da Salos ent- 
standen. Die Zettel mit seinem Namen sehe ich als Fal- 
schungen an. 

Atelbotinger (Adelbodinger), Johann Georg. — 
Hermannstadt (Nagy-Szeben). 1783 

Advokat Zins in Agota besitzt eine Geige von ihm mit 
dem Zettel: Johann Georg Atelbotinger / Geigen unt 
Lauten macher / zu Herrmann Stadt Anno 1 783 (gedr.). 
Leider kommt sein Name in den Hermannstadter Ar- 
chivalien nicht vor. 

Atkinson, William Thomas Reed. — London, 
Tottenhamm. Geb. in Stepney 23. Oktober 
1851 

Urspriinglich Seemann, kam er dann zu einem Tischler 
in die Lehre und begann 1869 seine erste Geige zu 
bauen, die ihm so viel Freude machte, dafi er eifrig 
arbeitete, um sich zu vervollkommnen. SchlieBhch ver- 
legte er sich ganz auf den Geigenbau und eroffnete 1881 
in Tottenhamm seine Werkstatt. Er baut nach eigenen 
Modellen Geigen, die er mit Bernsteinlack iiberzieht. 
Seine Arbeit ist sorgfaltig, der Ton gut. Er erhielt in 
Paris 1889 und in Edinburgh 1890 Medaillen. Meredith- 
Morris brachte seine Biographie in »The Strad« 1900 
Nr. 127. 

Geigenzettel : William Attkinson / in Tottenham 1892 
(gedruckt). 

Attore, Michele. 

• 1620 

Ein Lautenmacher, von dem sich hauptsachlich Archi- 
lauten erhalten haben. Eine Chitarrone von 1620 aus 
Venedig besitzt W.HeyersMusikhistorisches Museum 
inKoln(Nr.513). 

Atze. — Breslau 

Guter Geigenreparateur. Vgl. Schles. Tonkunstler- 
lexikon. Breslau 1846. 

Aubert. — Troyes. 1767. 1789 

Als Geigenmacher nicht bemerkenswert ; dagegen 
kommen gute Gitarren und Lauten von ihm vor; eine 
solche mit zwei Halsen befindet sich aus der Sammlung 
Snoeck (Nr. 355) in Berlin. Eine zehnsaitige Gitarre 
aus abwechselnden Streifen von Rosenholz und Ahorn 
mit dazwischenliegenden Ebenholzadern und ahnlich 
behandeltem Halse und Wirbelbrett besitzt Fritz Wild- 
hagen in Halensee. Sie tragt den Brandstempel : Aubert 
a Troyes. 

Aubry. — Mirecourt. 18. Jahrhundert 

Eine Geigenmacherfamilie, von der eigentlich kein Mit- 
glied zu grofierer Bedeutung gelangt ist. Auf Pierre, der 
schon 1738 vorkomint, folgen Francois (1758. 1765), 
Charles (1753. 1765), Nicolas (1762) und Dominique 
(1772). Sie scheinen auch weder Zettel noch Brand- 
marken gebraucht zu haben. 



Padua, Venedig. 1583. 



Aubry — Avorie 



23 



Aubry, Francois. — Mirecourt. 1757. 1767 

[ Er gait als guter Bogenmacher. 

Aubry, Jacques (?). — Paris. 1840 

Aldrics Neffe und Geschaftsnachfolger, der vermutlich 
vorher in Remiremont tatig war. In Paris war er nur 
Handler, der andere fur sich arbeiten liefi. 

Audinot, Charles I. — Mirecourt. 1763 

Einer der besseren Mirecourter Geigenmacher seiner 
Zeit. 

Audinot, Charles II. — Mirecourt. Geb. 1788, 
f gegen 1850 

Ein guter Handwerker, dessen Arbeiten ohne kiinst- 
lerischen Wert sind. 

Audinot, Leopold. — Mirecourt. Geb. 1811, 
f 1891 

Sohn von Charles A. und wahrscheinlich auch sein 
Schuler. Seine Arbeit ist von gewohnlicher Mirecourter 
Art. Er war der Schwiegersohn und Nachfolger von 
Laurent Bourlier. 

Audinot, Nestor Dominique. — Paris. Geb. 
in Mirecourt 12. Dez. 1842 

Nachdem er bei seinem Vater Leopold A. ausgelernt 
hatte, kam er 1863 nach Paris zu Seb. Vuillaume und 
machte sich 1868 in der Rue Faubourg St. Denis 17 
selbstandig. Nach 1 875 wurde er S. Vuillaumes Nach- 
folger und wohnt jetzt Boulevard Bonne Nouvelle 17. 
Er ist ein ebenso geschickter Geigenmacher wie ge- 
suchter Reparateur und wendet dem Studium des 
Lackes seine besondere Sorgfalt zu. Er hat etwa 600 In- 
strumente gebaut und gilt auch als ein tiichtiger Bogen- 
macher. 

Geigenzettel : Abb. 8 und 16. 

Audinot, Nicolas I. — Mirecourt. 1742 

Vielleicht der Stammvater und der erste Geigenmacher 
seiner Familie. 

Audinot, Nicolas II. — Mirecourt. 1845. 1891 

Nachdem er den Militardienst verlassen, verlegte er 
sich auf den Geigenbau und machte billige Geigen. 
Einige derselben tragen seinen Namen eingestempelt 
und sind aus Paris datiert. Er soil bei einem Mirecourter 
Vuillaume gelernt haben und ist mit den iibrigen Gei- 
genmachern seines Namens nicht verwandt. 

Audinot, Victor. — Mirecourt. 1912 

Er ist nicht mehr der jiingste Geigenmacher aus seiner 
Familie, da er auch seinen Sohn, der sein Schuler ist, 
Geigenmacher werden liefi. 

Ausaire. — Paris. Um 1830 

Als Geigenmacher nur ein Handwerker. 

Arnold (UnseldXChristoph— Ulm. 1586. 1591 

Ein Lautenmacher, von dem die Stuttgarter Hofkapelle 
wiederholt Saiten bezog. 



Ausold (Unseld), Georg. — Ulm. 1609 

Vielleicht ein Sohn Christophs. Auch er verkaufte der 
Stuttgarter Hofkapelle Saiten. 

Augiere. — Paris. 1830 

Er war lange Zeit Gehilfe von Clement. Um 1830 
machte er sich selbstandig und verband sich mit Calot. 
Sie hatten ihr Geschaft in der Rue St. Eustache Nr. 12 
und bauten viele Instrumente, die weder besonders zu 
loben noch zu tadeln sind. Franzosischer Stil, roter und 
rotbrauner Lack. 

Austine, Arthur. — London. 1900 

Ob die Violmen mit seinem Zettel von lhm gemacht 
sind, konnte ich nicht feststellen. 

Auteur, Baptiste. — Paris. Um 1850 

In tadellos gearbeiteten Gitarren von schonem Ton 
findet man den Zettel: (Vignette) / Guitarre la Pre- 
votte / Dediee aux Dames. / Luthier B^f Auteur / 
Rue Richelieu N° 10 / Paris (gedruckt). 

Autiero, Gaetan. — Avignon (Vaucluse). Geb. 

14. Okt. 1853inTeano (Italien) 

Schuler seines Vaters Paride A. 1m Jahre 1 876 wurde er 
Abeilles Nachfolger in Avignon. Seine Werkstatt be- 
fand sich erst Rue Saunerie No. 3 und wurde spater 
nach der Rue des Marchands 28 verlegt. Seit er sich in 
Frankreich ansassig machte, beschrankte er sich auf den 
Handel und unterhalt eine Reparaturwerkstatt fiir alle 
Arten von Musikinstrumenten. 

Autiero, Joseph. — Avignon. Geb. 31. Dez. 
1858 in Teano (Italien) 

Er liefi sich in den 80 er Jahren des 19. Jahrhunderts als 
Geigenmacher und Reparateur in Avignon nieder, wo 
er Rue des Marchands No. 30 wohnt. Er handelt mit 
allenMusikinstrumenten und besitzt mehrereMedaillen. 

Geigenzettel : Repare par J h Autiero / luthier / Avignon 
anno 1886 (gedruckt). 

Autiero, Paride. — Teano. 1860. 1870 

Ein fleifiiger Geigenmacher, der mit seinen Sohnen alle 
Arten von Geigen und Mandolinen usw. gebaut hat, 
ohne dabei gerade bemerkenswerte Kiinstlerschaft an 
den Tag zu legen. 

Geigenzettel : Paride Autiero;' fecit Teano 1865 (gedr.). 



Lunde (Telemarken). 



Auversen, Sveinung. 

1897. 1902 

Norwegischer Geigenmacher der Gegenwart, der sog. 
Hardangerfiedeln herstellt. 

Avenia s. D'Avenia 

Avorie, Henry. — Edinburgh. 1 765 

Wenig bekannter Geigenmacher, der englischen Schule 
nahestehend. 



24 



Baade 



Bachn 



Baader, J. A., & Co. — Mittenwald 

Neben Neuner & Hornsteiner die bedeutendste Firma 
in Mittenwald, die ihre Griindung in das Jahr 1790 
setzen kann. Ein groBer Teil der Geigenmacher des 
Ortes stent in Diensten dieser Firma oder arbeitet fiir 
dieselbe. Der langjahrige Inhaber Johann Paul Baader 
starb am 24. Juni 1899 im 89. Lebensjahre. Der in- 
zwischen gleichfalls verstorbene Max B., geboren 
18. Januar 1843, war sein Nachfolger. Er lernte im 
vaterlichen Geschafte, unternahm zu seiner weiteren 
Ausbildung Reisen durch Deutschland, England und 
Amerika. Er war, wie sein Vater, Hoflieferant und ar- 
beitete mit trefflich geschulten Leuten. Der jetzige 
Firmeninhaber ist sein Sohn Adolf Baader, geb. 1876. 
Er ist Burgermeister von Mittenwald. Die Firma besitzt 
ein eigenes Sagewerk und beschaftigt etwa 160 Heim- 
arbeiter mit Teilarbeit und eine Anzahl im Betrieb 
dauernd angestellte Leute. Die Geigen sind trotz ihrer 
ungewohnlichen Billigkeit recht gut, das Holz ist schon, 
ebenso der 01- oder Spintuslack. Auch die Zithern, die 
bei ihm hergestellt werden, entsprechen strengen An- 
forderungen. Er verwendet Zettel mit seiner Firma. 

Baader s. auch Bader 

Baarsen, Johannes. — (Norwegen.) 1812 

In Alfr. Keils Sammlung in Lissabon befindet sich eine 
Hardangerfiedel mit diesem Namen. 

Baas, Peter Nielsen. — Kopenhagen. 1708 
Seine Arbeiten erinnern an die deutsche Schule. Eine 
sechssaitige Tenorviola di Gamba befindet sich bei 
Claudius in Kopenhagen. 

Geigenzettel : Peter Nielsen Baas / in Copenhagen 1708 
(gedruckt). 

Babos, Bela (Adalbert). — Hermannstadt (Nagy 
Szeben). 1915 
Siebenbiirgischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Babos, Sandor (Alexander). — Szegedin. 
1915 

Bruder von Bela und wie dieser Geigenmacher. 
Babutzky, Leo. — Mahnsch - Neustadt. 
1914 

Urspriinglich Bildnismaler, Schiiler der Miinchener 
und Wiener Kunstakademie, wurde er durch den Tod 
seines Vaters veranlafit, in die Heimat zuruckzukehren. 
Ein Zufall fiihrte ihn mit einem ehemaligen Gcsellen 
des alten Paflik in Troppau zusammen, der ihm die 
wichtigsten Handwerksgriffe beibrachte. Durch eifriges 
Studium vervollkommnete er seine Kenntnisse und 
baut jetzt recht gute Geigen. Seine Erfahrungen als 
Maler kommen ihm bei der Herstellung seines Lackes 
sehr zustatten. 

Bacchetta (Barchetta), Giuseppe. — Cremona 

und Mantua. 1784 

Ein selten vorkommender Geigenmacher, von dem ich 
eine Viola gesehen habe, bei der aufier dem Lack wenig 
zu loben war. 



Bacco (Backo), Heinrich. — Mannheim. Geb. 
8. Aug. 1818 in Mannheim, f urn 1885 
Er war der Sohn eines MannheimerSchiffsknechts; wo 
und bei wem er gelernt hat, ist nicht bekannt, aber be- 
reits im Jahre 1837 fiihrte er Reparaturen fiir das Hof- 
theater-Orchester aus. In den Mannheimer Adrefi- 
biichern kommt er von 1852 bis 1885 als Instrumenten- 
macher vor, und als solcher hat er am 20. Juni 1865 das 
angeboreneBiirgerrecht angetreten. Er scheint sich aus- 
schheBhch mit Ausbesserungsarbeiten beschaftigt zu 
haben, vorzugsweise wird sein Reparaturzettel in Bas- 
sen und Violoncellis gefunden. 

Geigenzettel : H. Bacco / in / Mannheim / Repare 1840 
(geschrieben). 

Bach, H. E. — Melbourne. 1888. 1906 

Geigenmacher, der als Reparateur gelobt wird. 

Bach, Johann Sebastian. Geb. 21. Marz 1685 
in Eisenach, f 28. Juli 1750 in Leipzig 

Einer der groBten Tonschopfer aller Zeiten, der hier als 
der Erfinder der »Viola pomposa« aufgefiihrt werden 
darf. Das Instrument war eine iibergroBe Viola mit 
fiinf Saiten und nahm im Orchester etwa die Stelle 
ein, die jetzt dem Violoncello zugewiesen ist, das die 
Viola pomposa auch vollstandig verdrangt hat. 

Bachelier, Jean Gaspard. — Paris. 1 777. 1 789 
Unbedeutender Geigenmacher, der nur handwerks- 
mafiig arbeitete und seine Geigen selten bezeichnete. 
Er wohnte zuerst in der Rue de la Tissanderie und von 
1783 an Place Baudoyer. 

Bachman, A. — Amsterdam 

In der Mitte des 19. Jahrhunderts soil ein Geigen- 
macher dieses Namens in Amsterdam gelebt haben, 
etwas Naheres iiber ihn war jedoch nicht zu erfahren. 
Er diirfte mit dem Geigenmacher Johannes Bachmann 
identisch sein. 

Bachmann, Anton. — Berlin. Geb. 1716 in 
Berlin, f 8. Marz 1800 daselbst 

Er war schon mit 30Jahren KoniglichPreufiischerHof- 
instrumentenmacher und stand in einem Ansehen, das 
seine Arbeiten nicht rechtfertigen. Seine Violen und 
Violoncelh werden allerdings lhres starken Tons wegen 
noch heute von Orchcstermusikern sehr geschatzt, 
klingen aber roh. Er hat nie gute Modelle gehabt und 
nie gutes Holz — das er sich zu seiner Zeit in Berlin frei- 
lich nur schwer hatte verschaffen konnen — verarbeitet. 
Einige seiner Geigen gab er fiir Kopien nach Stradivari 
aus, er hat, nach diesen zu urteilen, aber nie ein echtes 
Instrument gesehen. Seine Wolbung ist steif, nach den 
Backen zu plotzlich abfallend und in der Brust zu dick, 
der Lack stumpf, von hafiheher brauner Farbe. Eine 
Viola da Gamba von 1 746 von besserer Ausfuhrung be- 
wahrt die ehem. Konigliche Sammlung alter Musik- 
lnstrumente in Berlin (Nr. 831), ein Violoncello von 
1757 die Schweriner Hofkapelle, eine mandohnenartige 
Laute von 1 784 mit hiibschem Dachstern Fritz Wild- 
hagen in Halensee bei Berlin. Mehrere Erfindungen, die 



Bachmann — Bader 



25 



gewohnlich seinem Sohne zugeschrieben werden, diirf- 
ten von ihm herriihren, z. B. Gitarren mit Hammer- 
klaviatur, aber nur seine 1778 bekannt gewordene Er- 
findung des Schraubenmechanismus am Kopf der 
Basse hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Sein 
zweiter Sohn, Friedrich Wilhelm B., soil zwar auch das 
Geigenmachen erlernt haben, er war aber Berufs- 
musiker (Geiger) und Kapellmeister und soil sich von 
1797 an nebenbei auch auf den Handel mit Musik- 
instrumenten verlegt haben. Vgl. Allg. D. Biographie, 
Ledeburs Tonkunstlerlexikon Berlin usw. 
Geigenzettel : Abb. 36. 

Bachmann, Johannes. — Amsterdam. 1840 
Er stammte aus Deutschland und hatte in der 
Agnietenstraat seine Werkstatt. Seine Geigen waren 
sauber gearbeitet, besonders wurde er als Baflmacher 
geschatzt. 

Bachmann, Johannes Ernst. — Sneeck. Gro- 
ningen. Geb. 13.Juni 1851 in Amsterdam. 
f in Groningen 

Sohn und Schiiler von Johannes B. Nachdem er eine 
Zeitlang Geigenmacher der stadtischen Musikschule 
in Sneeck (Friesland) gewesen war, lieB er sich in 
Groningen nieder. Er arbeitete zumeist nach Stradi- 
vari, aber auch nach Brescianer Vorbildern. 



Backman, Carl. — Nykoping. 1828 

Ein schwedischer Geigenmacher ohne hervorragende 
Eigenschaften. 

Backmann, David. — St. Petersburg. 1834. 
1840 

Nach einer gut gearbeiteten Violine zu urteilen, die 
seinen geschriebenen Zettel trug, war er einer der ge- 
schicktesten Geigenmacher, die zu seiner Zeit in RuB- 
land tiitig waren. 
Geigenzettel: David Backmann / in Petersburg 1840. 

Bacso, Istvan (Stephan). — Szegedin. 1905 
1st mir nur als Reparateur bekannt geworden. 

Baczynski, Ladislaus. — Krakau. 1902 
Polnischer Geigenmacher der Gegenwart. 
Geigenzettel: Ladislaus Baczynski — fecit Cracoviae 
19 . . (gedrurkt). 

Bader, Daniel. — Antwerpen. 1600. 1607 
Eine Theorbe mit diesem Namen wurde 1869 in Lon- 
don versteigert. Sie riihrte jedenfalls von jenem Daniel 
Bader her, der, ein Deutscher, im Jahre 1600 als Orgel- 
und Clavecinmacher in die Antwerpener Gilde aufge- 
nommen wurde und 1607 noch gelebt hat. 



Bachmann, Karl Ludwig 
1748, f 26. Mai 1809 

Sohn von Anton B. und urspriinglich zum Musiker 
ausgebildet. Er war ein Virtuose auf der Viola, trat 
1765 in die Konigliche Kapelle in Berlin als Kammer- 
musikus ein und errichtete 1770 mit Benda zusammen 
ein sehr geschatztes Liebhaberkonzert, wobei er bis zu 
Bendas Tod freilich nur als Geschaftsfuhrer hervor- 
trat 1 ). Mehr und mehr wandte er sich mit der Zeit dem 
Geigen bau zu. lm Jahre 1785 verheiratete er sich mit 
der als Klavierspielerin und Sangerin geschatzten Char- 
lotte Caroline Stowe (f 19. August 1817). Er war sorg- 
faltiger in der Wahl des Holzes als sein Vater, auch sind 
seine Geigen regelmaBiger gebaut, nur etwas zu dick im 
Holz. Am besten sind jedenfalls seine Bratschen. Eine 
solche besitzt Rechnungsrat Friedrich in Posen. 
Geigenzettel : Carl Bachmann , in Berlin 1796 (geschr.). 

Bachmann, Otto. — Halberstadt. 1830. 1835 

Tiichtiger Meister, der sich sowohl im Neubau als auch 
im Wiederherstellen alter Geigen bewahrte. Er gab eir.e 
Schrift unter dem Titel : Theoretisch-praktisches Hand- 
buch des Geigenbaues usw. f Leipzig 1835 bei G. Basse, 
heraus. Er scheint vor 1848 bereits gestorben zu sein, 
[ da er in den Meldelisten von Halberstadt im Jahre 1848 
nicht mehr vorkommt. 

Bachmann, Wilhelm.— Briinn. 1810. f 1856 

In einer Gitarre fand ich seinen Namen. Er wurde 1810 
Burger und am 5. Mai desselben Jahres als »Instru- 
mentenmacher« Mitglied der Tischlerzunft. 



— Berlin. Geb. Bader, Johann. — Mittenwald. 1760. 1763 

Gute Arbeit nach den Traditionen der Klotzschen 
Schule. 



Baders Erben. — Munchen 

Eine Geigenmacherfirma, die um 1844 in Munchen 
eine Niederlage von Mittenwalder Instrumenten hatte. 



Mittenwald. 1889. f nach 



*) Als Kapellmeister wurde er spater sehr abfallig be- 
urteilt. 



Bader, Franz. 
1912 

Ein tiichtiger Meister, der seit 1889 als Geigenbau- 
lehrer an der Mittenwalder Fachschule wirkte und sich 
als solcher groBe Verdienste um die bliihende Industrie 
seiner Heimat erworben hat. Seine letzten Lebensjahre 
verbrachte er in wohlverdientem Ruhestand. 

Bader, Johann. — Mittenwald. Geb. 5. April 
1876 in Mittenwald 

Er besuchte durch drei Jahre die Mittenwalder Geigen- 
bauschule und arbeitete dann fiinf Jahre lang als Ge- 
hilfe bei Joh. Padewet in Karlsruhe, K. A. Horlein in 
Wiirzburg, O. Migge in Koblenz und Gius. Fiorini in 
Munchen. Im Jahre 1901 machte er sich in Mittenwald 
selbstandig, und es gelang ihm bald, sich durch tadel- 
lose Arbeit einen bedeutenden Ruf zu erwerben. Eine 
Zeitlang war er auch als zweiter Lehrer an der Mitten- 
walder Geigenbauschule tatig. Hauptsachlich beschaf- 
tigt er sich mit dem Neubau von Soloviolincn, die er 
nach Stradivari, Guarneri, N. Amati und Maggini aus- 
fuhrt. Seinen Lack (01- und Spirituslack) bereitet er 
sich selbst. Er baut auch Lauten und Gitarren und ist 
ein geschickter Reparateur. 
Geigenzettel : Johann Bader, Mittenwald. 1 909. (gedr.)- 



26 



Bade 



Bailly 



Bader, Josef. — Mitten wald. 1748 

Klotz-Schule; seine Geigen sind nach der Form gebaut 
und dem kleinen Amati-Model] nachgeahmt. Das Holz 
ist gut gewahlt, der Lack braun. 

Bader, Martin. — Mittenwald. 1730. 1736 
Er darf als ein echter Schiiler von M. Klctz angesehen 
werden. Seine Geigen sind gut und kommen denen 
seines Lehrers nahe; nur soil er auch den Zettel 
Stainers haufig miGbraucht haben. 

Bar (Bahr, Beer), Andreas. — Wien. 1679. 
t!6.Marz1722 

Wahrscheinhch aus Fiissen eingewandert, oder zu der 
Familie Perr (aus der Ramsau stammend) gehorig und 
vielleicht ein Sohn von Hans Perr, der seinen Namen 
auch gelegentlich Beer schrieb. Er nennt sich auf seinen 
Zetteln ausdriicklich »burgerlicher Lautten- und Gei- 
genmacher«, doch war es mir nicht moghch, seine 
Biirgeraufnahme zu ermitteln. Seine Violen waren in 
ihrer Ausfuhrung nicht hervorargend ; Violinen diirfte 
er nur wenige gemacht haben, wodurch sich ihr seltenes 
Vorkommen erklart. Sie sind unansehnlich, braun 
lackiert, besser dagegen sind seine Lauten, und Baron 
sagt von lhm in seiner Untersuchung des Instrumentes 
der Lauten, nachdem er erwahnt, dafi er als Lauten- 
macher beriihmt ssi: »Was [Andreas Bahr] anlanget, so 
arbeitete er breitspanicht, und sind seine Instrumente 
von dem hochberiihmten Graffen Logi 1 ) ungemein 
aestimirt worden« (S. 96). 

Baer. — Meiningen. 1917 

Ein Kammermusiker, der auch als geschickter Geigen- 
macher gilt. 

Baffo, Antonio (Joannes Antonius). — Venedig. 

1523. 1581 

Er wird mehrfach als Lautenmacher erwahnt, doch es 
gelang mir nur, ihn als den Erbauer von schonen Harfen 
und Klavizimbeln nachzuweisen. 
Geigenzettel: Antonius Baffo Venetus fecit (gedruckt). 

Bagany. — Pottendorf. 1822 

Auch einer von den ungliicklichen Reformatoren des 
Geigenbaues. Er erfand Geigen, deren Decke aus Eisen- 
blech hergestellt wurde, die aber trotz ihrer Billigkeit — 
das Stuck kostete 4 fl. 48 kr. C. M. — die Welt nicht 
eroberten. 

Bagatella, Antonio. — Padua. Geb. 21. Febr. 
1755, f 25. Mai 1829 

Sohn des Gaetano B. und der Catarina Coppo-Scan- 
ferla. Er wollte urspriinglich Geiger werden und war 
vermutlich ein Schiiler seines Verwandten Pietro B. 
Ein literarisch und musikalisch gebildeter Mann. Seine 
Bedeutung liegt allerdings weniger in seiner Kunst als 
Geigenmacher, als vielmehr darin, dafi er eine Ab- 
handlung iiber die Theorie des Geigenbaues schrieb, 
fur welche er 1 782 einen von der Akademie der Wissen- 



*) Beriihmter Lautenspieler, f 1721 
von etwa 80 Jahren. 



Prag im Alter 



schaften in Padua ausgesetzten Preis erhielt. Diese Ab- 
handlung wurde 1786 auf Kosten der Akademie ge- 
druckt und ist seitdem wiederholt erschienen und so- 
wohl mehrfach ins Deutsche als auch ins Franzosische, 
Englische usw. iibersetzt worden. Seine Arbeit ist sehr 
iiberschatzt worden, denn etwas Sicheres wufite er doch 
nicht. Vieles von dem, was er vorschlagt, hat sich nicht 
bewahrt. Wenn man auch annehmen will, dafl er das 
Geigenmachen erlernt hat, so scheint er doch die 
Liicken seines Wissens durch selbsterfundene Theorien 
ausgefiillt zu haben. Trotzdem verdankt man ihm bis zu 
einem gewissen Grade die wenigen auf uns gekommenen 
Grundsatze, nach denen die alten italienischen Meister 
gearbeitet haben. Uber sein Leben ist nicht viel mehr 
bekannt, als was er in seiner Schrift selbst erzahlt, und 
dafi er mit Antonia Pelizzari verheiratet war, ver- 
schiedene Kinder hatte und ganzlich verarmt und er- 
bhndet starb. Eine Zeitlang arbeitete er mit Danieli 
zusammen. Eine Geige mit seinem Namen, von guter 
Arbeit und rotem Lack, wurde kiirzlich in England um 
ca. 1000 Mk. gekauft. Eine andere zum Verkauf aus- 
gebotene Geige von »Antomo Bagoletto in Padua, 1 782 « 
diirfte, wenn sie echt war, gleichfalls von Bagatella ge- 
wesen gein. — Er ahmte Jos. Guarneri nach und steht 
Joseph Rocca nahe. 

Geigenzettel: Antonius Bagatella delectens / fecit 
Patavij Anno 1794 (gedruckt). 

Bagatella, Pietro, gen. Picino. — Padua. 1712, 
soil 1 760 noch gelebt haben 
Vermutlich der Grofivater oder Oheim Antonios. Er 
verwendete ein sehr hochgewolbtesModell und dunkeln 
Lack. Um 1726 soil auch ein Carlo Picino als Geigen- 
macher gelebt haben. 

Bagnini, Orazio. — Florenz. 1661. 1667 

Sohn von Antonio B. Ein von Vidal und Valdrighi er- 
wahnter, sonst aber nicht bekannter Lautenmacher des 
17. Jahrhunderts. 

Bailly, Antoine. — Mirecourt. 1770 

Ein Geigenmacher, der um 1772 seinen Heimatsort ver- 
lassen hat. Ein anderer Antoine Bailly kommt 1 763 bis 
1 785 als Bogenmacher vor. 

Bailly, Joseph. — Mirecourt. 1770. 1790 

Seinen Namen fand ich in einer sauber gearbeiteten 
Violine, die ein Wiener Musiker besafi. 

Bailly, Paul. — Mirecourt, London, Paris. 
Geb. in Mattaincourt 13. April 1844 
Er erhielt seine erste Ausbildung in Mirecourt bei Jules 
Gaillard, Prosper Gabasse und P. G. Grandjon. Hierauf 
arbeitete er bei Francois Vuillaume, der ihn zu seinem 
Bruder J. B. V. nach Paris schickte, hier blieb er meh- 
rere Jahre und wurde 1869 zum Geigenmacher der 
Musikakademie in Douai ernannt. 1892 ging er nach 
Mirecourt zuriick und arbeitete hauptsachlich fiir die 
ersten Pariser und Londoner Firmen. Wahrend dieser 
Zeit bildete er auch viele Lehrlinge aus, 1884 zog er 
nach Paris und blieb wieder mehrere Jahre da ; dann 
verlegte er seine Werkstatt nach London und 1898 end- 
giiltig nach Paris zuriick, wo er jetzt Rue de Grenelle 



Baines — Baldantoni 



27 



Nr. 197 wohnt. Er baut nach alien Modellen, auch nach 
englischen, seine Violinen hauptsachlich nach der 
»Messias« von Stradivari. Fiir seine Violoncelli zieht er 
ein grofies Patron yor und verwendet einen schonen, 
kastanienbraunen Ollack. Der Ton seiner Geigen ist 
edel und gleichmaBig in alien Lagen und seine Arbeit 
vorziiglich, er besaB 1900 bereits mehr als 10 Medaillen 
usw. Bekannt sind seine von Prof. Wagner in Lissabon 
veranlaBten Versuche, Geigen ganz aus dem brasilia- 
nischen Murtaholz zu bauen. Jetzt arbeiten auch seine 
Sonne bei ihm. 

Geigenzettel: Paul Bailly luthier a Mirecourt, Vosges / 

Eleve de J. B. Vuillaume de Paris / Luthier de l'aca- 

f demie de musique de Douai (gedruckt) und Abb. 52. 

Baines. — London. 1780 

Man weiB von ihm nur wenig mehr, als daB er ein 
Schiiler von Matthew Furber war. 

Bairhoff, Giorgio. — Neapel. 1757. 1786 

Da der seltene Name Bairhoff in Fiissen vorkommt, 
darf man annehmen, daB auch er aus Fiissen stammte 
und einer der vielen Deutschen war, die als Gehilfen 
bei den Gaglianos und anderen gearbeitet haben und 
schlieBlich in Italien seBhaft geworden sind. Seine Ar- 
beit erinnert an G. u. N. Gagliano, er benutzte ein 
schones, breites, flaches, manchmal mittelgroBes Mo- 
dell. Seine Geigen sind dick im Holz, haben eine wenig 
elegante Schnecke, aber meist groBen Ton und sind 
zumindest sehr gute Orchesterinstrumente. (Barthoff 
statt Bairhoff zu lesen ist falsch.) 
Geigenzettel: Giorgio Bairhoff Fecit ' Naooli 1757 
(Initialed im Kr Js) (gedruckt) und Brandmarke Nr. 24. 

Baisch, Samuel. — Stuttgart. 1572. f 1593 

Ein Geistlicher, der friiher Pfarrer in Gundringen und 
Altburg war und wahrscheinlich in Fiissen in die Ge- 
heimnisse der Lautenmacherei eingeweiht wurde. Er 
kam 1572 nach Stuttgart und wurde bald darauf in der 
Hofkapelle als Musiker und Instrumentenmacher ange- 
stellt, wo er nach Thanners Tod auch eine Zeitlang die 
Musikinstrumentenwerkstatt leitete. Noch im Jahre 
1 585 kaufte er von dem Fiissener Lautenmacher Ma- 
thias Stehelin, der damals in Hausen a. d. Fils lebte, 
allerlei Werkzeuge, obwohl er schon 1582 zu semem 
geistlichen Berufe zuriickgekehrt und Pfarrer in Both- 
nang geworden war. Im Jahre 1592 wurde er als mark- 
graflich badischer Pfarrer nach Bohlingen berufen, wo 
er schon ein Jahr darauf starb. 

Bajoni, Luigi. — Mailand. 1838. f nach 
1878 

Obwohl er sich bestrebte, an die Traditionen seiner 
heimischen Schule anzukniipfen, fehlte ihm doch die 
rechte Begabung, um sich aus seinem Handwerk zur 
Kunst zu erheben. 

Baker, E. L. — New London (Conn.) 1849 
Amerikanischer Geigenmacher und Handler. 

Baker, Francis. — London. 1696 

Vielleicht ein Bruder des Oxforder Meisters und 
diesem in seiner Arbeit ebenbiirtig. Eine vorzugliche 



BaBviola, die aus dem Besitze des Cellisten Tolbecque 
stammt, bewahrt das Konservatorium in Brussel. 
Geigenzettel: Francis Baker in Pauls church / Yard 
1696 London (gedruckt). 

Baker, John. — Oxford. 1688. 1720 

Die Violenbauer des 17. Jahrhunderts in England 
standen im hochsten Ansehen bei alien Musikern und 
wurden damals von vielen den Italienern vorgezogen. 
Zu den englischen Meistern, die diese hohe Wert- 
schatzung durch ihre Arbeit rechtfertigen, gehort auch 
John Baker, von dem nur vortreffliche Violen und 
Gamben bekannt sind. Sem Lack ist von hellgelber 
Farbe. Eine schone Viola da Gamba von ihm war 1 872 
im South Kens. Mus. ausgestellt. 
Geigenzettel: John Baker/ Oxon / 1688 (gedruckt). 

Baker (Bakker), William. — Oxford. 1 673. 1 683 

Das Selhofsche Auktionsverzeichnis (Hag 1759) nennt 
eine Gamba von ihm. Es liegt nahe, diesen William fiir 
den Vater von John und vielleicht auch von Francis zu 
halten. Eine Violine und eine Viola besitzt T. W. Tap- 
house. 

Baker. — Brighton. 1820. 1830 

Von ihm wei6 ich nur, dafi er u. a. einige sehr gute 
Basse gebaut hat. 

Balcaini 

Eine Geige mit diesem sonst unbekannten Namen, 
kleines Amati-Modell, boten G. Withers & Sons vor 
dem Kriega um 15 £ an. 

Baldantoni, Giuseppe. — Ancona. Get. 
19.Marz1784.f5.Jan. 1873 
Einer Familie von Mechanikern entstammend, erlernte 
er in seiner Jugend bei dem als Lehrer geschatzten 
Geiger Nappi das Viohnspiel. Nappi fiihrte kleinere 
Reparaturen an Geigen selbst aus und leitete auch seine 
Schiiler darin an, was Baldantoni veranlafite, selbst zu 
versuchen, eine Geige zu bauen. Wenn diese im Aufiern 
auch wohlgelungen aussah, so war sie doch in alien 
Mafienusw. verfehlt, und erst, als lhmBagatellasSchrift 
in die Hand fiel, kam er dazu ; den Geigenbau ernsthafter 
zu studieren. Er tat dies von nun an mit Eifer und war 
nach jahrelangen Bemiihungen wirklich imstande, Gei- 
gen von schoner Form und gutem, weichem Klang her- 
zustellen, wobei er ein groBes Stradivarimodell bevor- 
zugte, nur die F-Locher lassen oft den rechten Schwung 
vermissen. Er hat an 200 neue Violinen, Violen, Violon- 
celli und Basse gebaut, obwohl er auch als Mechaniker 
vielbeschaftigt war. 1869 erhielt er eine goldene Me- 
daille fiir seine Erfindung einer sehr zweckmafiigen 
Mechanik fiir Trommeln, auch die von ihm verfertigten 
Stimmgabeln waren geschatzt. Seine Geigen sind 
sauber durchgearbeitet, haben flache Wolbung und 
braungelben Lack. Merkwiirdigerweise werden seine 
Geigen oder solche, die man ihm nur zuschreibt, von 
Handlern u. dgl. gern bis in die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts zuriickdatiert. Sein Sohn Benjamin ist em be- 
kannter Geigenvirtuose. 

Geigenzettel : Joseph Baldantonj Anconae / fecit Anno 
1 734 (gedruckt). — Josephus Baidan'conus / Anconiae 
fecit Anno 1839 (gedruckt). 



28 



Balestrieri — Banks 



Balestrieri, Pietro. — Cremona. 1735 

Er nennt sich einen Schiiler Stradivaris und war ein 
Bruder von Tommaso B., dem er jedoch in keiner Be- 
ziehung gleichsteht, trotzdem kommt gerade sein Name 
in freilich oft sehr verstiimmelter Schreibweise in un- 
echten Instrumenten vor. 

Geigenzettel : Petrus Balestrieri alumnus Antonii / Stra- 
divarii fecit Cremonae anno 17 . . (gedruckt). — Pietro 
Balestrieri / fece in Cremona 17 . . (gedruckt). 

Balestrieri, Tommaso. — Mantua. 1 720. 1 788 
Seiner Angabe nach stammt er aus Cremona und ist ein 
Meister, iiber den die Meinungen merkwiirdig ausein- 
andergehen. Wahrend ibn die einen nur als geschickten 
Dilettanten anseben, macben andere auf Grund einiger 
seiner Geigen ibn zu dem einzigen Schiiler des Pietro 
Guarnen, und wieder andere, wie De Piccolellis und 
Vidal, weisen ibn der Schule Stradivaris zu. Das letztere 
hat insofern Berechtigung, als Balestrieri tatsacblicb an 
die letzten Arbeiten des groBen Cremonesers anzu- 
kniipfen scbeint. Sein Modell ist grofi und schon, die 
Wolbung schwungvoll, die Arbeit nicbt sebr gleich- 
mafiig, sein L^ck ist von gelbbchroter oder orangegelber 
Farbe; man kann iibrigens zwei bestimmte Lackarten 
bei ihm unterscheiden, von denen die eine an Gua- 
dagnini erinnert. Seine Geigen haben zweifellos durch 
das Alter sebr an Tonschonheit zugenommen, so daB 
es sicb erklart, daB sie jetzt wesentlicb hober gescbatzt 
werden als friiher. Besonders sind seine Violoncelb ge- 
sucbt. Es wurde bisher behauptet, daB er erst von 1757 
an in Mantua nachweisbar sein und vorher in Cremona 
gelebt baben soil, mir sind jedoch nur Zettel aus Man- 
tua bekannt geworden und darunter verschiedene mit 
fruheren Jahreszahlen. So besitzt auch Dr. Bornemann 
in Eisenach eine schone, gelblichrote Violine (35,5 cm 
Korpuslange) mit dem gescbriebenen Zettel: Tomaso 
Balestrieri / fece in Mantova 1735. Eine trefflicb klin- 
gende Violine von ihm befindet sicb auch in der Samm- 
lung Tb. Hammerle in Wien. Er verwendete verschie- 
dene Zettel, darunter auch einen mit verziertem Rand, 
auf welcbem der Text dreizeilig erscheint. 

Geigenzettel: Abb. 53. 

Ball s. Firth & Ball 

Ballantine, Robert. — Edinburgh, dann Glas- 
gow. 1850. 1856 

Man weifi nur, daB er 1856 nach Glasgow iibersiedelte, 
wo er in den sechziger Jahren gestorben sein soil. Er 
schemt hauptsachlich Handler gewesen zu sein (bei 
Honeyman wird er nicht erwahnt). 

Ballarim, Santo. — Rimini, Terni, Rom. 1 740. 

1781 

Da seine Arbeiten denen Gisalbertis sehr ahnlicb seben, 
macht Horace Petberik es sehr wahrscbeinlich, daB 
dieser selbst die Viobnen mit diesem Namen ange- 
fertigt babe. Dagegen spricht nur der Umstand, daB 
auch aus Rom datierte Arbeiten mit dem gleicben 
Namen vorkommen, die Jahreszahlen bis 1781 auf- 
weisen, und daB der Familienname Ballarini (auch Bal- 



larino) heute nocb in Italien vorkommt. 1m Jabre 1740 
hielt er sich auf einer Reise in Terni auf, wie der bei De 
Wit verbffentlichte Zettel erzahlt. 

Geigenzettel : Fatto da me Santo Ballarini / per passagio 
in Terni / Nel Anno 1 740 (gescbrieben). — Sanct Balla- 
rini / fece in Roma 1780 (geschrieben). 

Ballerini, Pietro. — Florenz. 1900 

Nachfolger von Castellani & Figlio, Streichinstru- 
menten- und Saitenfabrik der Gegenwart. 

Ballini, Paolo. — Brescia. 1857 

Seine Geigen sind handwerksmaBig ausgefiihrt und 
ahmen in oberflachbcher Weise Stradivari und Guar- 
neri nach. 

Baltensperger, Emil. — Chur. Geb. 1859 in 
Zurich (Schwamendingen) 

Sohn eines Malermeisters, bei dem er nach dem Besuch 
der Stadtscbule in Chur in die Lehre trat. Zu seiner 
weiteren Ausbildung ging er 1880 nach Miinchen und 
ubernahm 1881 das vaterliche Geschaft. Um 1900 be- 
gann er autodidaktisch den Geigenbau zu erlernen und 
bracbte es dann zu bemerkenswerter Fertigkeit. Von 
1901—1908 hatte er 86 Violinen, 6 Violoncelb und 
3 Violen gemacht, hat aber seit Kriegsbeginn den Gei- 
genbau wieder aufgegeben. Er arbeitete nach eigenen 
Grundsatzen und bestimmte die Dicke von Decke und 
Boden je nach dem Holz und dem Modell, so daB er ab- 
wecbselnd die Brust oder die Rander dicker macbte, 
wobei er manchmal bis zur Starke von 8 mm ging. Bei 
der Lackierung kam ihm seine Erfahrung als Maler sehr 
zustatten; sein Lack ist schon, von bellrotlicher Gold- 
farbe. Kreisler in London, Steffy Geier in Budapest u. a. 
besitzen Geigen von ihm. 

Baluff, Erhard, arbeitete im 19. Jahrhundert in 

Chicago 
Banks, Benjamin (I). — Salisbury. Geb. 

14. Juli 1727, f 18. Febr. 1795 

Sohn von George und Barbary B., Schiiler von Wamsley. 
Einer der besten englischen Meister und wohl der erste, 
der das bis dahin in England bevorzugte Stainermodell 
aufgab und Amati und die Cremoneser zum Vorbild 
nahm. In der Arbeit ist er tadellos; sein Lack, von 
scboner Durchsicbtigkeit, zeigt bei semen besten Wer- 
ken braungelbe, ins Rotliche spielende Farbe, bei ge- 
wohnlicben Arbeiten ist er scbwarzlich-dunkelrot. Er 
baute sowobl Violinen als Violen und Violoncelb, na- 
mentlich die letzteren sind wertvoll, wobei die mil 
breitem Modell vorzuzieben sind. Basse hat er nur sehr 
selten gebaut, diese sind wie alle seine Arbeiten sehr gut. 
Zu verschiedenen Zeiten baute er auch nacbweishch 
Geigen fur die Verlegerfirma Longman & Broderip. 
AuBer seinem Zettel verwendete er auch einen Brand- 
stempel mit B. B. Eine englische Zister (1750) besitzt 
Mrs. Dean, eine andere A. F. Hill. Andere Arbeiten be- 
finden sich in englischem Privatbesitz. 

Geigenzettel: Benjamin Banks / fecit / Salisbury (ge- 
druckt) und Abb. 75, Brandmarke Nr. 9. 



Banks — Barbe 



29 



Banks, Benjamin (II). — Salisbury, spater Lon- 
don, dann Liverpool. Geb. 13. Sept. 1754, 
f 22. Jan. 1820 in Liverpool 
Zweiter Sohn und Schiiler von Ben]. B. (1), bei dem er 
bis etvva 1 780 gearbeitet hat. Er ging dann nach London 
und wohnte Sherrard Street, Golden Square N. 30, 
spater zog er nach Liverpool, wo er in der Bank Street 
seine Werkstatt aufschlug. Es sind nur wenige Arbeiten 
seiner Hand bekannt, er hat wohl meist fur Handler 
gearbeitet. 

Geigenzettel: Made by Benjn. Banks j N° 30 Sherrard 
Street, Golden , Square, from Salisbury (gedruckt). 

Banks, Henry. — Salisbury, Liverpool. Geb* 
in Salisbury 1770, f 16. Okt. 1830 in Liver- 
pool 

Sechster Sohn von Bern". B. (1), bei dem er auch gelernt 
hat. Er verlegte sich in der Folge mehr auf das Repa- 
rieren von Pianofortes und war ein gesuchter Klavier- 
stimmer. Er blieb aber dabei Teilhaber seines Bruders 
und hat wohl auch an verschiedenen Inslrumenten, die 
aus der gemeinsamen Werkstatt hervorgingen, mitge- 
arbeitet. 

Banks, James. — Salisbury, spater Liverpool. 
Geb. in Salisbury 1756, f in Liverpool 
15.Juni 1831 

Vierter Sohn von Benj. B. (1), Schiiler seines Vaters, 
den er gleichwertig nachahmte. Er gebrauchte die 
gleichen Modelle und verwendete den gleichen Lack, 
nur von etwas schwarzlicherer Farbung. Er arbeitete 
mit seinem Bruder Henry zusammen, mit dem er das 
vaterliche Geschaft in der Catherine Street fortsetzte. 
Im Jahre 1811 verkauften sie dasselbe und siedelten 
nach Liverpool uber, wo sie erst in der Church Street 
und dann in der Bold Street wohnten. Ein Cello, von 
den beiden Brudern 1797 gebaut, war 1871 im South 
Kens. Mus. ausgestellt. 

Geigenzettel : James and Henry Banks / Musical Instru- 
ment Makers / and Musik Sellers / Salisbury 1802 (ge- 
druckt). 

Bantis (?), Jean. — Mirecourt. Urn 1740 

Er soil nur handwerksmafiig gearbeitet haben, doch ge- 
lang es mir nicht, Arbeiten von ihm kennen zu lernen. 
Auch Jacquot erwahnt lhn nicht. 

Barabas. — Cremona. 1 793 

Eine Viola d'amore von ihm besaB der Maler Kraus in 
Miinchen. Auch Valdrighi fiihrt diesen Namen 
(Nr. 3664) auf. Naheres war jedoch nicht zu er- 
fahren. 

Baracchi, Venerio. — S. Martino d'Este. (Mo- 
dena.) 1829 

MittelmaBiger modenesischer Geigenmacher, der im 
Sommer Landwirtschaft betrieb. Seine Geigen klingen 
manchmal recht gut. 



Baraldi, Alfonso. 
1891 



- Modena, Bomporto. 1879. 



In seiner Arbeit nicht ungeschickt, doch lassen Holz 
und Ton zu wunschen iibng. 

Baraldi, Giovanni. — San Felice (Modena). 
1766 

In ValdrighisNomocheliurgografiawird er unterNr.204 
mit der Jahreszahl 1766 angefiihrt. In der Berliner 
staatlichen Sammlung alter Musikinstrumente befin- 
det sich ein zur Lira in gamba hergerichtetes, altes 
Streichinstrument (Nr. 820) mit der Jahreszahl 1566, 
die offenbar unrichtig ist. Nach dem Zettel ist anzu- 
nehmen, dafi Baraldi ein Dominikanermonch war. Seine 
Arbeit ist roh, ob die haBlichen F-Locher ihm zuzu- 
schreiben oder schon vorher gewesen sind, will ich nicht 
entscheiden. 

Geigenzettel: Fece questo violunetto io ' Giovanni 
Baraldi di S. D. / L'anno del Signore 1 (5)66 (gedruckt). 

Barany, Desiderius (Dezso). — Budapest. Geb. 
1871 

Schiiler von Pilat und von Hamberger in Wien. Im 
Jahre 1897 machte er sich selbstandig. Der Ton seiner 
kraftig gebauten Geigen wird gelobt. Er verwendet 
einen rotbraunen Lack. 

Geigenzettel: Keszitette , Barany Deszo Bpest 1897 
Op. . . . (geschneben). 

Barat, arbeitete im 19. Jahrhundert in Paris 
Baravalli, Francesco 

Unbekannter italienischer Geigenmacher des 18. Jahr- 

hunderts. 

Barbanti, Silva Francesco. — Correggio. 1 847. 
1850 

Da er nur selten einen Zettel in seine Geigen einklebte, 
laflt sich nicht feststellen, ob er uberhaupt viele Geigen 
neu gebaut hat. Er gait jedoch seinerzeit als tuchtiger 
Metster und namentlich seine Violoncelli sind sehr be- 
liebt. 

Barbara, Charles. — Orleans. 1810. 1850 
Er soil sich nur mit Wiederherstellungsarbeiten be- 
schaftigt haben. 

Barbaro s. Branzo 

Barbe, Amable Telesphore. — Paris, Nancy. 
Geb. in Dijon 1822 

Sohn von J. Barbe und Schiiler von Derazey. Als er 
nach Paris kam, wurde er Gehilfe bei J. B. Vuillaume, 
den er als seinen eigentlichen Lehrmeister betrachtet. 
Er gilt als geschickter Kiinstler, hat aber seit 1 865 fast 
ausschliefilich fur grofle Firmen (Vuillaume, Miremont 
und Gand in Paris, Jacquot in Nancy usw.) gearbeitet. 
Geigenzettel : Telesphore Barbe / Expremier ouvrier de 
J. B. Vuillaume ' medaille a 1'Exposition de 1867 / 
Paris (gedruckt). 



30 



Barbe — Baroncini 



Barbe, Francois. — Dijon 

Eine franzosische »Guitare droite« von ihm besitzt W. 
Heyers Musikhistorisches Museum in Koln, eine andere 
Baron de Lery. 

Geigenzettel: Faits par francois barbe ;' luthier brevete 
de la societe / melophile d'avallon / a Dijcn (geschr.). 

Barbe, J. — Avallon. Paris usw. Geb. in Mire- 
court vor 1800,11868 

Auch Barbe pere genannt. Geigenmacher und Kan- 
tinenwirt eines Regiments, mit dem er jeden Gamison- 
wechsel mitmachte. Seine Geigen sind handwerksmaBig 
ausgefiihrt, doch hat er mehrere gute Violincelli gebaut. 
Geigenzettel : Barbe d'Avallon (gedruckt). 

Barbella s. Naldi 

Barbey (Barbay). — Paris. 1 746 

Besserer Geigenmacher, dessen Arbeiten nach Jacquots 

Meinung an die Klotz-Schule erinnern. 

Barbey, Guillaume. — Paris. 1717. 1719 

Geschickter Violenbauer, von dem sich eine sehr schone 
Gamba von sechs Saiten im Museum des Konserva- 
toriums in Briissel (No. 226) mit geschnitztem Frauen- 
kopfchen am Wirbelkasten befindet. 

Geigenzettel: Abb. 84. 

Barbezant (Barbazanton), Joseph. — Mire- 
court. 1747 
Ein bisher nur von Jacquot erwahnter Geigenmacher. 

Barbier. — Bordeaux. 1 774 

Er war der Hoflautenmacher des Prinzen Ferdinand. 
In der Sammlung des Barons de Lery befindet sich eine 
sehr schone Gitarre von ihm. 

Barbieri, Francesco. — Mantua. 1695. 1750 
Seine Geigen erinnern an das Modell Andr. Guarneris, 
sind jedoch nicht sehr gut. Nach Vidal und Grillet soil 
er 1695 in Verona gearbeitet haben. In Instrumenten 
aus den Jahren 1698, 1740, 1750, die ich zu sehen Ge- 
legenheit hatte, war stets Mantua als Wohnort ange- 
geben. Valdrighi lafit ihn noch 1780 leben (Nr. 3665). 
Eine groBe funfsaitige Bafigamba von ihm aus dem 
Jahre 1697 besitzt Alfr. Keil in Lissabon. Ein Pietro B. 
soil um 1750 gelebt haben. 

Barbieri, Giuseppe. — Poggio (Mantua). 1880 
Er stammt aus Medolla und war ein guter Geigen- 
macher und Reparateur. 

Barbieri (de Barberis), R. — Genua 
Mandohnenmacher. 

Barchaneck (Barchanek), Joseph Friedrich. — 
Odenburg. Geb. 1 1 . Febr. 1817 in Mezoun 
bei Tachlovic, f nach 1 850 
Sohn des Schmiedemeisters Wenzel B. und der Fran- 
ziska geb. Dobe§. Schiiler von Joh. Kulik in Prag. Er 



war nicht ungeschickt, besonders gut waren seine Vio- 
loncelli, die jetzt gerne gut bezahlt werden. 
Geigenzettel : Joseph Friedr. Barchaneck / burgerlicher/ 
Guitarre- u. Geigenmacher / in Odenburg / A 1845 
(gedruckt). 

Bardella s. Naldi 

Bargue, Isaac de. — Paris. 1 579 

Wird als Luthier und Musikinstrumentenmacher er- 

wahnt. 

Bargues. — Bordeaux. 1900 

Ein Instrumentenhandler mit Geigenmacherwerkstatt. 

Barnes, Robert. — London. 1765. 1794 

Schiiler von Thomas Smith und Mitschiiler von John 
Norris, mit dem er sich um 1765 verband. Es ist bisher 
nur ein einziges Cello bekannt, das die Namen beider 
tragt, aber dieses wird mit vieler Wahrscheinlichkeit als 
eine Arbeit von Aireton angesehen. Er wohnte zuerst in 
der Windmill Street und zog spater mit seinem Ge- 
nossen nach der Coventry Street. Einige nicht hervor- 
ragende Geigen tragen seinen Namen, doch scheint es 
wahr zu sein, daB er sich friihzeitig vom Geschafte 
zuriickgezogen hat. Er soil sich eine Farm in Hayes ge- 
kauft haben; gestorben ist er dort jedenfalls nicht, da 
Sandys und Forster die dortigen Kirchenbiicher ver- 
gebens nach ihm durchforscht haben. 
Geigenzettel : Robert Barnes, violin maker / Windmill 
Street, Haymarket (gedruckt). 

Barnia, Fedele. — Venedig. 1760. 1780 

Er stammt aus Mailand und erinnert in seiner Arbeit 
auch ein wenig an die Mailander Schule. Er war ein ge- 
schickter Meister, der nur zu oft handwerksmaBig ge- 
arbeitet hat. Seine Geigen sind daher von ungleichem 
Wert ; am besten ist er dann, wenn er sich an gute Vor- 
bilder halt; wo er originell ist, ist er auch unschon, um 
so mehr, als er kein Kiinstler im Schnitzen der Schnek- 
ken war und auf die Wahl des Holzes und die Einlagen 
keine Sorgfalt verwendete; nur bei seinen Mandolinen 
gab er sich bei der Einlegearbeit mehr Miihe, wie eine 
hiibsche Theorbe in der Sammlung Gautier in Nizza 
beweist. Wenn Vidal die Jahreszahl 1715 liest, so 
scheint dies ein Fehler zu sein, es mufi wohl 1775 
heiBen. De Piccolellis muB eine nach P. Guarneri ge- 
baute Geige von ihm gekannt haben, da er es fiir mog- 
lich halt, daB er ein Schiiler dieses Meisters gewesen 
sei, was ich nicht zugeben kann. Auch sein Lack, trotz- 
dem er durchsichtig gelb ist, spricht dagegen. 
Geigenzettel : Fedele Barnia Milanese / fece in Venezia 
l'anno 1761 (gedruckt). 

Baroncini (Barontini ?), Giuseppe. — Pistoja. 
Anfang 19. Jahrhundert 

Dr. J. Geyer in Budapest besitzt eine Violine von ihm 
mit langlichem Korpus und unschonen F-Lochern, mit 
dickem, breitem Rand, breiter Einlage und gelbem, 
etwas sprodem Lack. Sehr eigenartig ist die tiefge- 
stcchene Schnecke. Der Ton ist nur mittelmaBig. 
Geigenzettel : Baroncini Giuseppe / Pistoja 1 . . . (ge- 
schrieben). 



Baronclni — Bartl 



31 



Baroncini, Micehle, lebte in Lodi 

Baroux. — Paris. 1830 

Enkel des Mirecourter Bogenmachers Charles B. Er 
wohnte in der Rue du Petit-Carreau Nr. 57 und ist wie 
sein GroBvater nur als tuchtiger Bogenmacher bekannt. 

Baroux, Charles. — Mirecourt. 1770. f 1773 
Ein Geigenmacher, der wahrscheinlich schon sehr jung 
gestorben ist. 

Barrata-Ementoli (?). — Padua. 17. Jahrh. (?) 
Er soil gute Archilauten gemacht haben und wird auch 
von Valdrighi (3934) aufgezahlt. 

Barrett, John. — London (Piccadilly). 1714. 

1740 

Wahrscheinlich ein Schiller des gleichen Meisters wie 
N. Cross. Er verwendete ein langliches, hochgewolbtes 
Modell, das mehr an Stainer wie an Amati erinnert. 
Statt der Einlage zeichnete er am Rande Linien ein. 
Der Lack, den er verwendete, diirfte gelb gewesen sein > 
ist aber stark ins Braunliche nachgedunkelt. Der Ton 
ist edel, wenn auch nicht grofi, die Arbeit gut, aber ge- 
wohnlich. Von ihm sind zweierlei Zettel bekannt; der 
altere einfach gedruckt, der spatere zeigt noch eine ge- 
kronte Lyra. Eine Violine von 1740 besitzt J. T. Chap- 
man. Urn 1731 kommt auch ein Thomas Barrett vor. 
Geigenzettel : John Barrett, at the Harp and Crown / in 
Pickadilly, 1722 (gedruckt). — Made by John Barrett, 
at y c Harp / & Crown in Pickadilly, London 1731 (ge- 
druckt). 

Barriere. — Cherbourg. 1 886 

Ein Musikinstrumentenmacher, der sowohl Klaviere 
als Geigen verfertigte. 

Barry. — London (?) 

Die Inschrift einer englischen Gitarre der Sammlung 
Snoeck (Nr. 326) lautet: Light Invent. Barry maker. 
Danach scheint Edv. Light die von ihm erfundenen 
lnstrumente nicht selbst gemacht zu haben; der Ver- 
fertiger Barry kann jedoch nicht mit Sicherheit fest- 
gestellt werden. 

Bartak, Franz. — Znaim. 1895. 1898 

Ein Instrumentenmacher, der sich voriibergehend in 
Znaim aufhielt. 

Geigenzettel: Franz Bartak / Instrumentenmacher / 
Oberer Platz N° 10 in Znaim (gedruckt). 

Bartek, Eduard. — Budapest. Geb. 1852, 

f 1883 

Erst Schiiler von Al. Engleder, arbeitete er spater bei 
G. Nemessanyi, Thomas Zach und Gabriel Lembock 
und erkngte bei grofier Begabung hier eine allseitige 
kunstleiische Ausbildung. Kaum zwanzig Jahre alt, er- 
offnete er in Budapest 'seine eigene Werkstatt und 
erhielt 1878 auf der Pariser Ausstellung fur nach Stra- 
divari und Guarneri gebaute Geigen einen ersten Preis. 



Da er sehr arm war, mufite er sein Leben hauptsachlich 
mit Flickarbeiten fristen, weshalb es nur wenige Geigen 
von ihm gibt, die wenigen aber sind durchweg Meister- 
werke. 1m Jahre 1883 verfiel er in Geistesnacht und 
starb bald darauf. Sein friiher Tod war ein Verlust fiir 
die Geiger in Ungarn. 

Geigenzettel: Eduard Bartek fecit / Pestini Anno 1878 
(geschrieben). 

Bartelmo s. Schuster 

Barth, Ludwig. — Miinchen. Geb. 26. Marz 

1875 

Schiiler von Gius. Fiorini, bei dem er von 1889 — 1892 
lernte. Nachdem er dann noch zwei Jahre lang in Koln 
und Frankfurt a. M. gearbeitet hat, machte er sich i. J. 
1894 in Miinchen selbstandig. Er ist ein gesuchter und 
geschickter Reparateur und hat sich auch im Neubau 
schon trefflich bewahrt. In Verbindung mit seinem 
Sohne begriindete er unter der Firma »I. Miinchener 
Geigenindustrie« eine grofie Werkstatt mit elektrischem 
Betrieb. 

Barthell, Eriiil. — Basel. 1888 

Arbeitete bei Gebr. Hug. 



Barthoff s. Bairhoff 

Bartl (Parti, Parti), Andre Nikolaus. — Wien 
Geb. um 1682, f 5. Aug. 1762 

Er soil der Sohn eines Christoph P. gewesen sein und 
wohnte im »Wiibmer Viertel«. Am 4. Juni 1703 legte er 
den Biirgereid ab und kommt in den Steuerbiichern bis 
1763 vor. Seine Werkstatt ubernahm sein Schwieger- 
sohn Maximilian RoiB. Andre N. B. war ein geschickter 
Lautenmacher, von dem auf der Wiener Musikaus- 
stellung recht gute Arbeiten zu sehen waren. Seine 
Geigen haben schone Form, wenn sie auch oft zu hoch 
gewolbt sind. Die F-Locher sind ohne Schwung, da- 
gegen ist die Schnecke (Ahornholz) recht hubsch. Er 
verwendete einen fetten gelben oder roten Lack, den er, 
im Gegensatz zu den iibrigen Mitgliedern seiner Familie, 
unmittelbar auf das reine Holz auftrug, so dafi er auch 
heute noch ein schones Feuer hat. Er schrieb seinen 
Namen abwechselnd mit B oder P, in alien Urkunden 
herrscht jedoch die richtigere Schreibweise Bartl vor. 
Fiir seine Geigen werden jetzt gute Preise bezahlt. 

Geigenzettel : Andreas Nicolaus Parti ' me fecit Vienna? 
1757 (gedruckt) und Abb. 45. 

Bartl (Parti), Christian Franz. — Wien. Geb. 
um 1739, f 9. Jan. 1807 

Er wohnte im Schottenviertel, Seizerhofgassel, und 
legte am 23. Januar 1768 den Biirgereid ab. In den 
Steuerbiichern von 1769—1787 erscheint er als »Neu- 
besteuerter«, d. h. als Begriinder seines Geschaftes. Er 
gehort zu den unbedeutendsten Geigenmachern der 
Wiener Schule, arbeitete so sorglos und hatte einen so 
undurchsichtigen, umbrabraunen Lack, dafi er bei den 
alteren Wiener Geigenmachern den Spitznamen »Sau- 
partl« bekam. Seine Violinen und Violen sind oft ohne 
Einlagen, im Innern fehlt meistens die Bereifung, und 



32 



Bartl — Barzoni 



die Violoncelli haben gewohnlich flache Boden. Er 
schreibt seinen Namen meistens mit P. Nur seine 
besten Arbeiten erreichen hohere Preise. 
Geigenzettel: Christianus Franciscus Parti / fecit 
Vienna? ] 780 (gedruckt) und Abb. 42. 

Bartl (Parti), Michael Andreas (Andre). — 
Wien. Geb. 1704, f 1 1 . Aug. 1788 

Sohn und Schiiler von Andre Nikolaus P. Er wohnte, 
wie sein Vater, im Wiibmer Viertel und legte am 29. Mai 
1728 den Biirgereid ab. Er war sehr fleiBig und gehorte 
zu den besseren Wiener Lautenmachern, hat es aber zu 
keinem Wohlstand gebracht. In den Steuerbiichern 
kommt er von 1749—1775 vor; von 1776—1779 aber 
heifit es von ihm: »Bettlarm und wird von seinem Weib 
unterhalten.« Im Jahre 1779 iibernahm sein Sohn Josef 
die Werkstatt. Werke von Mich. Andre P. sind in 
groBerer Zahl erhalten, so eine undatierte Viola im 
Schottenstift in Wien, eine Viola mit geschnitztem 
Frauenkopfchen am Wirbelkasten von 1746 in W. 
Heyers Musikhistorischem Museum in Koln, eine ahn- 
liche von 1764 im Museum des Konservatoriums in 
Brtissel (Nr. 224) und eine schone Viola d'amore von 
1732 in der staatlichen Sammlung alter Musikinstru- 
mente in Berlin (Nr. 866) ; der Wirbelkasten zeigt durch- 
brochene Schnitzerei und das Kopfchen des Liebes- 
gottes mit verbundenen Augen. Im Musikhistorischen 
Museum in Stockholm ist eine Laute von 1745. Wenn 
seine spateren Arbeiten auch oft recht gewohnlich sind, 
so erkennt man doch immer seine geschickte Hand 
dann. Das Deckenholz ist meist sehr schon und auch 
der Ton recht gut ; der Lack scheint stark nachgedunkelt 
zu haben und ist jetzt haufig schwarzbraun. Auf man- 
chen Zetteln fehlt das Wort »fecit«. 

Geigenzettel: Michael Andreas Parti / Fecit Vienna? 
1763 (gedruckt). 

Bartl (Parti, Parti), Christoph. — Wien. 1682. 
1691 

Er gilt als Stammvater der Familie und hat am 28. Mai 
1683 den Biirgereid geleistet. Er scheint sich Bartl ge- 
nannt zu haben. Seine Nachkommen schreiben den 
Namen bald mit B und bald mit P. 

Bartl (Parti), Ignaz Christian. — Wien. Geb. 
1732, f 27. Dez. 1819 

Er legte am 31. Marz 1764 den Biirgereid als Lauten- 
und Geigenmacher ab und erscheint in den Steuer- 
biichern von 1765 — 1787. Violinen von ihm kommen 
noch ziemlich haufig vor und sind recht gut. Er halt sich 
in den Umnssen an die Itahener, nur die Wolbung 
nimmt er manchmal hoher. 

Geigenzettel : Abb. 32. 

Bartl (Parti), Joseph Jakob. — Wien. Geb. 
1743, f l.Juni 1801 

Sohn von Michael Andre P., dessen Werkstatt er 1779 
iibernahm. In den Steuerbiichern kommt er bis 1787 
vor; daB er jedoch noch langer gelebt hat, beweisen so- 
wchl Arbeiten von ihm mit Jahreszahlen bis 1801, als 



seinTotenschein. Seine Arbeit ist gut, hiibsch im Mo- 
dell und in der mittelhohen Wolbung, nur der Lack ist 
etwas zu dunkel. 
Geigenzettel : Abb. 38. 

Bartohni, M., Teilhaber einer am Ende des 
19. Jahrhunderts in Rom bestehenden Gei- 
genmacherfirma 

Bartolotti, Giovanni. — 1894 

Neuerer italienischer Geigenmacher ohne Eigenart. 

Barton, Georg. — London. 1772. f um 1810 

Das Gewerbemuseum in Markneukirchen besitzt von 
ihm eine Geige ohne Mittelecken — es ist dies der 
alteste bisher bekannte Versuch, in dieserArt den Bau 
der Geige zu verandern. Unschon in der Form und un- 
richtig in der Mensur, besitzt das Instrument doch 
einen schonen, wenn auch kleinen Ton. Auch ein John 
Barton war 1786 noch tatig. 

Geigenzettel : George Barton / Elliot Court / Old Bailey 
1780 (gedruckt). 

Bartsch, Alfred. — Miinsterberg i. Schl., 
Dessau, Essen (Ruhr). Geb. am 6. Okt. 1868 
in Miinsterberg 

Er erlernte in Markneukirchen bei Christian Tr. 
Schaller den Geigenbau von 1883 — 1887 und besuchte 
gleichzeitig die dortige Fachschule, wo er fur sein Ge- 
sellenstiick ausgezeichnet wurde. Nachdem er kurze 
Zeit in seiner Vaterstadt gearbeitet hatte, verlegte 
er am 1. Mai 1890 seinen Wohnsitz nach Dessau, 
arbeitete bis 1903 in verschiedenen ersten Werkstatten 
und machte sich dann selbstandig. Seine Arbeit ist 
sorgfaltig, und er erlangte sowohl im Neubau wie in der 
Wiederherstellung von Streichinstrumenten einen 
guten Ruf. 

Barttner, Michael. — Salzburg. 1524 

Eine Arbeit von ihm befindet sich im stadtischen Mu- 
seum Carolino Augusteum im Salzburg. 

Barzellini, Aegidius. — Cremona (?). 1670. 
1700 

Er nennt sich einen Schiller Amatis und ahmt auch die 
Art der Amati nach. Schones Holz, edler Ton, der 
Boden ist flacher gewolbt als die Decke. 
Geigenzettel: /Egidius Barzellini fecit / Ecolle Amatius 
Cremonen. 1680 (gedruckt). 

Barzoni (Francois). — (Chateau Thierry.) 
Letztes Drittel des 19. Jahrhunderts 

Geigen mit diesem Namen kamen mir nur in enghschen 
Verzeichnissen vor. Sie sollen nach Guarneri gebaut 
sein, gelben Lack haben und durch niedrige Zargen 
auffallen. Die Firma Beares Son in London verkauft 
»Barzom-Geigen<< zu bilhgen-Preisen. 

Geigenzettel : Francois Barzoni fecit anno 1 890 / Manu- 
facture special de la Maison / Beare & f lis a Londres 
(gedruckt). 



Basi — Battaglla 



33 



Basi s. Bosi 

Bassi, A. — Scandiano (Modena) 

Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 

Bassiano. — Rom. 1666 

E!n Lautenmacher, von dem sich in der Sammlung der 
Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eine Theorbe 
befindet (Nr. 26). 
Geigenzettel : Bassiano liuttaro in Roma 1666 (gedr.). 

Bassot, Joseph. — Mirecourt, Paris. Geb. in 
Mirecourt vor 1740, f nach 1805 



Bastogi, Gaetano. — Livorno. 1 8. Jahrhundert 
Bei Vidal findet sich nur der Name. Lauten und Gi- 
tarren von ihm sollen noch ofters vorkommen. 

Batho.W.J. — 1886 

Englischer Geigenmacher, der in der zweiten Halfte 
des 19. Jahrhunderts lebte und u. a. einige gute Basse 
gebaut hat. 

Bati, Antonio. — Arezzo. 1691 

In einer Theorbe fand sich dieser Name eingeschrieben. 
Die Arbeit war nur von maBigem Verdienst. Dagegen 
ist mir ein Spinett und ein Klavizimbel von ihm bekannt 
geworden, die beide nicht schlecht ausgesehen haben. 



Er arbeitete bis 1774 in Mirecourt und ging dann nach 

Paris. Vidal rechnet ihn zwar zu den guten Pariser g a tiazza, Antonio Maria. — Mailand. 1707 

Selten vorkom mender Geigenmacher der Mailander 



Geigenmachern aus der zweiten Halfte des 18. Jahrh., 
doch sehen seine Geigen so verschieden aus, sowohl 
was die Arbeit, die Wahl des Holzes und des Lackes als 
das Modell anbelangt, daPj man zu der Annahrr.e, er 
habe Mirecourter Schachteln mit seinen Zetteln ver- 
sehen, gezwungen wird. In seiner ersten Zeit, solange 
er noch Quinze Vingts wohnte, zeigen seine Geigen 
schlechtes Holz und einen schlechten gelben Lack, nur 
die Einlagen, die oft aus Fischbein bestehen, sind 
sauber. Spater machte er zusehends Fortschritte oder 
beschaftigte bessere Arbeiter, er wird sorgfaltiger in 
der Wahl des Holzes, arbeitet genauer und verwendet 
einen besseren, meist roten Lack. Seine Werkstatt hatte 
er 1788 nach der Rue Chabanais Nr. 1 verlegt. Seine 
besten Geigen nahern sich der Art Lupots und konnen 



als recht brauchbare Orchesterinstrumente gelten. 

Nach Brunis Inventar besafi Berthier de Sanvigny ein Baton II., Charles. — Pans 



Schule. 

Geigenzettel: Antonio Maria Batiazza / fece in Milano 

in Contrada / Larga 1707 (gedruckt). 

Baton I . — Versailles (nicht Vincennes). 1716. 
1732 

In den Urkunden wird er stets »Luthier« genannt, 
eigentlich war er aher ein Drehleiermacher, der auch 
andere Instrumente, vielleicht sogar Geigen anfertigte. 
Er wurde hauptsachlich dadurch bekannt, daB er seit 
1716 alte Gitarren und seit 1719 auch Theorben in 
Drehleiern (Viellen) umbaute, die er urn zwei Tone 
bereichert hatte. 

1730—1750 



Violoncello von ihm mit der fruhen Jahreszahl 1761. 
Geigenzettel: Abb. 55 und 64. 

Basta, Johann. — Schonbach. 1885 
Hauptsachlich Handler. 

Bastia s. Mucchi 

Bastiano (»Bastiano da Verona«). — Verona. 
15. bis 16. Jahrhundert 

Von ihm wird berichtet, daB er auBer Lauten, Violen 
und Lyren auch Floten, Horner, Monochorde, Psal- 
terions, Harfen und Klavizimbeln usw. gebaut habe 
und alles in vortrefflicher Weise. Erhalten ist jedoch 
keine Arbeit seiner Hand. 

Bastien, E. — Nancy. 1897. f 17. Dez. 
1910 

Ein Geigenmacher, der als Wiederhersteller alter Ar- 
beiten geschatzt ward. 

Bastien, Francois. — Mirecourt. 1785. 1786 
Von Jacquot erwahnter Geigenmacher. 

Bastien, Nicolas. — Mirecourt. 1775. 1790 
Er war Mitglied der Mirecourter Zunft. 

Bastien, fils. — ■ Briisael. 1816 

Die Jahreszahl ist nicht sicher lesbar. Snoeck besaB eine 



Gitarre von ihm. 
v. Liitg-endorff, Geig-en- 



und Lautenmaeher. Bd. II 



Sohn von Baton I. Er siedelte von Versailles nach Paris 
iiber und wohnte Quai desOrfevres. Auch er verbesserte 
die Bauernleier (Vielle) und bereicherte sie um drei 
Tone. 

Batow, Ivan Andrewitsch. — Um 1780 

Einer der altesten russischen Geigenbauer. Er war 
Leibeigener des Grafen Scheremetjew und soil an 
mehreren Orten in Ruftland gearbeitet haben. Bei wem 
er gelernt hat, ist nicht bekannt. Seine Geigen gehen 
auf ein Guarnerimodell zuriick, weichen aber doch so 
sehr von dem Original ab, daB sich die in russischen 
Biichern vorkommenden Erzahlungen, seine Geigen 
sahen denen Guarneris zum Verwechseln ahnlich und 
wiirden auch wirklich oft mit ihnen verwechselt, von 
vornherein als hinfallig erweisen. Seine Arbeit war sehr 
sauber, nur die Rander lassen zu wlinschen iibrig. Sein 
Spirituslack war nicht schlecht. Er baute Violinen, 
Violoncelli, Gitarren und Balalaiken. Sein Zettel findet 
sich haufig in Instrumenten, die unzweifelhaft vogt- 
landischen Ursprungs sind. Spatere Handler scheinen 
da MiBbrauch mit seinem Namen getrieben zu haben. 

Battaglia, Antonio. — Mailand. 1757. 1766 
Ein Lautenmacher, der hauptsachlich cimbalartige In- 
strumente gebaut hat. Von seiner Hand befindet sich 
ein Hackbrett in Berlin in der staatlichen Sammlung 
und ein Tympanon in der Sammlung Snoeck, ferner 
ein Psalterium im Mailander Konservatorium mit dem 
Zettel: Antonio Battaglia / Fabbricatore de Salterj / 
nella Stretta del Mangano / vicino a S. Maria Segreta / 

3 



34 



Battani — Baumler 



in Milano 1 757 / * F * S *. 1 n einern zweiten Psalterium 

mit unausgefiillter Jahreszahl erscheint der Name 

»Batalia« geschrieben. 

Geigenzettel : Antonio Battaglia / Fece nell'anno 1 766. / 

Nella stretta del Mangano / Dirimpetto a Santa 

Maria. Secreta / Vicino al Cordusio j in Milano / f 

(gedruckt). 

Battani, Antonio. — Frassinoro. 19. Jahrh. 
Ein Geigenmacher und Reparateur, der sich spater 
mehr dem Orgelbau zuwandte. (Valdrighi 240.) 

Battioni, Alberto. — Foligno. 1884. Spater 
Ferrara 

Sohn und Schiiler von Marc Antonio B. Seine Geigen 
und Gitarren erinnern an franzosische Vorbilder. 

Battista s. Bressano 

Baud (Baude). — Versailles. 1796. 1810 

(Valdrighi 246.) Wenig bekannt. Der Name 1st vielleicht 
verstiimmelt iiberhefert. 

Baudis, Wenceslaus. 1780 

In W. Heyers Musikhistorischem Museum in Koln be- 
findet sich unter Nr. 842 eine Viola d'amore mit der 
Inschrift »Sidvab Svalsecnew Fecit Anno 1780«. Nach 
riickwarts gelesen gibt diese lnschnft den Namen Wen- 
ceslaus Baudis. Am besten an dieser Liebesgeige sind 
die Schnitzereien am Wirbelkasten. 

Bauer, Albin Paul. — Dresden. Geb. 1866 in 
Oschatz (Sachsen) 

Sohn von Carl Ant. B., Schiiler von Gust. Roth in 
Markneukirchen. Durch den Tod des Vaters war er 
friihzeitig gezwungen, dessen Geschaft zu iibernehmen, 
das er wesentlich zu vergrofiern suchte. In seiner Werk- 
statt werden gute Basse hergestellt, deren Modelle ziem- 
lich verschieden sind, da Bauer nach Verbesserungen 
sucht. Am Wirbelkasten bringt er gerne die Portrat- 
kopfe von beriihmten Tonkiinstlern an. 
Geigenzettel: Gef. von P. A. Bauer / Inh. der Firma 
C. A. Bauer / Dresden 1892 (gedruckt). 

Bauer, Anton. — Linz a. D. — Eroffnete 1884 
seine Werkstatt 

Ein Saiteninstrumentenmacher, der auf der Linzer 
Kunst- und Gewerbeausstellung 1887 eine kleine sil- 
berne Medaille fiir Zithern und Geigen erhielt. 

Bauer, Carl Anton. — Dresden. Geb. 1835 zu 
Untermarxgriin bei Olsnitz, f 1884 

Er soil bei einem Meister in Karlsfeld von 1849 — 1852 
gelernt haben und begriindete spater in Dresden sem 
Geschaft. Seine Basse zeigen eine auffalhge abschiissige 
Form, die ein leichteres Greifen in den oberen Lagen 
ermoglichen soil. Seine Violoncelli sind schwer, haben 
einen zu kurzen Hals und meist einen naselnden 
Ton. 

Geigenzettel : Carl Anton Bauer / Dresden-N. 1 89 (ge- 
druckt). 



Bauer, Christian Fnedrich. — Klingenthal . 1 782 

Wahrscheinlich ein Eingewanderter, der 1 782 im Kassa- 
buch der Geigenmacherinnung als Meister genannt 
wird. Aufier Viohnen kommen auch Liebesgeigen von 
ihm vor. 

Geigenzettel : Christian Friednch Bauer / Cremonahs 
baviebat (gedruckt). — Christian Friedrich Bauer / Er- 
funden von Jacob Stainer in Absam (geschrieben). 

Bauer & Diirrschmidt. — Markneukirchen 
Geigenfirma der Gegenwart. 

Bauer, Joseph. — Ergoldsbach b. Landshut 
(Bayern) 
Guter Geigenbauer der Gegenwart. 

Baulain. — Laval. 1900 

Streichinstrumentenmacher und -handler der Gegen- 
wart. 

Baumann, Heinnch. — Stein-Zehrowitz bei 
Kladno (Bohmen). Geb. 12. Marz 1853 in 
Rokycan 

Sohn eines aus Graslitz stammenden Med.-Doktors, 
studierte am Polytechnischen Institut in Prag Ma- 
schinen- und StraOenbau und wurde 1875 zum Lehrer 
an der Fachschule in Stein-Zehrowitz ernannt; er be- 
schaftigte sich mit Geigenforschungen und gab in 
bohmischer Sprache bei J. Scholz in Kladno ein Buch 
»Cremona« (mit Atlas) 1 ) heraus. Er hat als Liebhaber 
Geigen nach Stradivari und Guarneri del Gesii kopiert, 
zuletzt auch Basse gebaut. 

Geigenzettel: Genau nach Ant. Stradivarius gemacht / 
von Heinrich Baumann, / anno 189 .. . (gedruckt). 

Baumeester s. Boumeester 
Baumeister. — Liebenwalde. 1816 

Wahrscheinlich ein Dilettant, der Geigen geflickt hat. 

Ein Orgelbauer F. Baumeister, dessen Wohnsitz ich 

noch nicht ermitteln konnte, hat sich schon um 1780 

als Geigenreparateur betatigt. 

Geigenzettel: Baumeister / Liebenwalde d. 12. July / 

1816 (geschrieben). 

Baumgartner, Fritz. — Basel. 1920. Geb. 1891 
in Liestal (Baselland) 

Ein junger, talentvoller Geigenmacher, der gutklingende 

Instrumente baut. Er hat auch eine sinnreich erdachte, 

dabei sehr einfache Zargenbiegmaschine erfunden, die 

sich gut bewahrt. 

Geigenzettel: F. Baumgartner, Basel / fecit anno 19 . . 

(gedruckt). 

Baumler, Christoph. — Crawinkel. Geb. 

19.0kt. 1820, f 1879 

Er baute Geigen und war ein nicht ungeschickter In- 
strumentenmacher. 



l ) Hier sind die Kurven der Hartegrade von Decke und 
Boden, die nach seiner Theorie nicht gleich sein diirfen, 
genau angegeben (22 Tafeln). 



Baur — Bazin 



35 



Baur, Adolf. — Stuttgart. Geb. um 1840, 

f 1873 

Sohn una Schuler von Martin B., dessen Geschaft er 
1870 ubernahm, aber nur drei Jahre weiterfiihren 
konnte, da er friihzeitig starb. Er hat eine Zeitlang bei 
J. B. Vuillaume gearbeitet und dort besonders das 
Imitieren alter Instrumente erlernt. Er war ein sehr ge- 
schickter Geigenmacher, seine Arbeiten unterscheiden 
sich oft nur im Lack von denen Vuillaumes. Lcider aber 
hat er das Holz gebacken (kunstlich gedorrt), weshalb 
seine Geigen in kurzer Zeit im Ton aufierordenthch 
zuruckgingen. Auch senkte sich haufig der Hals wegen 
der Kraftlosigkeit des Holzes. Eine ganz yorziiglich 
nach Jos. Guameri imitierte Violine von ihm (eine 
Kopie der Prof. Singerschen Vuillaume-Geige) besitzt 
die Stuttgarter Hofkapelle. Leider hat auch diese ge- 
backenes Holz. Seine Witwe verkaufte das Geschaft an 
A. Sprenger. 
Geigenzettel : Abb. 93. 

Baur, Charles Al. — Tour, Dep. Savoie. 1789 

1810 

Auch er gehorte zu den ungliicklichen Erfindern, die 
im Abweichen von den Formen der klassischen Meister 
zu Mifierfolgen kommen miissen. 

Baur, Martin. — Stuttgart. Geb. 10. Okt. 1793 
zu Windratzhofen (O.-A.Leutkirch in Wurt- 
temberg), f um 1 875 

In seinem 18. Jahre kam er nach Stuttgart zum Militar 
und wurde dort der Musik als Trompeter zugeteilt. Er 
zeigte schon damals so viel Interesse und Talent fur die 
Wiederinstandsetzung gebrauchter Instrumente, dafi 
Konig Wilhelm I. auf ihn aufmerksam wurde und ihn 
1823 auf ein Jahr zu Thumhardt nach Miinchen in die 
Lehre schickte. Im Jahre 1824 zuriickgekehrt, grundete 
er das erste Instrumentengeschaft in Stuttgart, wo seit 
langen Jahren kein Geigenmacher mehr ansassig war. 
Er fand sofort als Reparateur, namentlich fiir das Hof- 
theater, ausreichende Beschaftigung und verlegte sich 
spater auch auf den Neubau von Geigen, die er mit 
Sorgfalt ausfiihrte und die u. a. Molique fiir die besten 
neuen Geigen seiner Zeit erklarte. Auch gute Bogen 
gingen aus seiner Hand hervor. Im Jahre 1870 iiber- 
nahm sein talentvoller Sohn Adolf das Geschaft, von 
dem es 1873 auf A. Sprenger uberging. Martin Baur 
arbeitete von 1870 an erst noch fiir seinen Sohn und 
dann bis zu seinem Tode mit Sprenger zusammen. 
Geigenzettel: Martin Baur, kgl. Hofinstrumen- / ten- 
macher in Stuttgart, (gedruckt) und Abb. 91. 

Bausch, Ludwig Christ. Aug. — Dresden, 
Dessau, Leipzig und Wiesbaden. Geb. 
15. Jan. 1805 zu Naumburg a. S., f 26. Mai 
1871 zu Leipzig 

Schiiler von J. B. Fritzsche in Dresden, bei dem er von 
1818—1822 iernte. Hauptsachlich als Bogenmacher be- 
riihmt, liefi er sich zuersf in Dresden, spater in Dessau 
nieder, ging 1839 nach Leipzig und am 1. November 
1861 nach Wiesbaden, wo er Herzoglich Nassauischer 



Hofinstrumentenmacher wurde, und kehrte 1863 nach 
Leipzig zuriick. Seine Bogen sowohl als seine Stege 
werden noch heute als mustergiiltig nachgeahmt; er 
wurde gerne der deutsche »Tourte« genannt. Seine 
Bogen tragen auf der Stange unter dem Frosch den 
Blindstempel »Bausch Leipzig*. Von grofiem Vorteil 
war es fiir ihn, daf3 L.Spohr ihm mit gutem Rat an die 
Hand ging. Da er in Leipzig nicht geniigenden Absatz 
fand, ging er in seinen jiingeren Jahren oft auf Reisen, 
die ihn bis nach St. Petersburg fiihrten. Er hatte zwei 
Sonne. Geigen von ihm kommen noch haufig vor, auch 
hat er sehr gute Gitarren gemacht. Eine mit grofier 
Sorgfalt ausgefuhrte sog. Terzgitarre vom Jahre 1825 
mit zierlichen schwarzen Auflagen auf der Decke, 
Rand und Schalloch mit Perlmutter und Ebenholz ver- 
ziert, besitzt Fritz Wildhagen in Halensee. Der Hals ist 
mit Ebenholz und Elfenbein schachbrettartig ausge'egt. 
Geigenzettel : Ludewig Bausch / in Neustadt Dresden / 
Ao 1820 / N°. 6 (geschrieben). 

Bausch, Ludwig d. J. — Leipzig. Geb. 10. Nov. 
1829 zu Dessau, f 7. April 1871 zu Pabstdorf 
(bei Konigstein) 

Sohn und Schuler von Ludwig Chr. A. B. Hauptsach- 
lich Geigenmacher. Nach beendigter Lehrzeit ging er 
nach New York; nach seiner Ruckkehr machteersich in 
Leipzig selbstandig, trat aber I860 in das vaterliche 
Geschaft, das nun die Firma »Ludw. Bausch & Sohn « 
fiihrte, ein. Nach seinem Tode trat sein Bruder Otto an 
seine Stelle. 

Geigenzettel: Ludovicus Bausch filius / fecit Lipsiae 
anno 1860 [Monogramm im Doppelkreis] (gedruckt), 

Bausch, Otto B. — Leipzig. Geb. 6. Aug. 1841 
zu Leipzig, f 30. Dez. 1875 
Jungerer Sohn und Nachfolger von Ludw. Bausch & 
Sohn, Schuler von Vauchel. Er ubernahm 1871 nach 
dem Tode von Vater und Bruder das Geschaft, das nach 
seinem Tode auf Adolf Paulus, der seit 1860 Mit- 
arbeiter der Familie Bausch war, uberging. Seine Arbeit 
steht hinter der seines Vaters und Bruders zuriick. Der 
gleichnamige Sohn von Adolf Paulus setzte das Ge- 
schaft unter der alten Firma »Ludw. Bausch & Sohn« 
bis 1908 fort und loste es auf, als er nach Berlin iiber- 
siedelte. 

Geigenzettel: Otto Bausch, filius Ludovici sen: , et 
frater Ludovici jun: / fecit Lipsiae Ao. 1873 [Kreuz 
mit Initialen im Doppelkreis] (gedruckt). 

Bazelaire, Joseph. — Mirecourt. Geb. um 
1728, lebte noch 1789 

Wenig bekannter Geigenmacher. Ein anderer Bazelaire 
lebte um 1785 in Versailles. 

Bazin, Gustave. — Mirecourt. Geb. 24. Mai 
1871 

Sein Vater Charles B. hatte eine seit 1836 bestehende 
Bogenfabrik; Gustave, der Schuler von Darte-Vuil- 
laume, Laurent und Collin-Mezin war, fugte ihr eine 
Geigenwerkstatt hinzu. Sein 1881 geborener Bruder 
Louis ist, wie der Vater, ausschliefilich Bogenmacher. 

3* 



36 



Beare — Beer 



Beare, Goodwin & Co. — London. 1898. 1900 
Mit einer Geigenbauwerkstatt verbundene bekannte 
Handlung mit alten Instrumental. 

Beaulieu, Nicolas. — Mirecourt. 1780 
Nur von Jacquot erwahnt. 

Bachardini s. Rechardini 

Bechonnet, Joseph. — Effiat. Geb. 3. Febr. 
1820, f 10. Marz 1900 

Er soil auch einige Geigen gebaut haben, beruhmt 
wurde er aber als trefflicher Bauernleiermacher. 

Bechstein, Friedrich. — (Kassel?) 1834 

Ein Instrumentenmacher, der auch Streichinstrumente 
repariert hat. 

Bechstein, Heinrich. — (Kassel?) 1865 

Er arbeitete mit Hermann Vogt zusammen und repa- 
rierte auch Streichinstrumente. 

Beck (Otto), genannt Adolf. — Diisseldorf. 
Geb. 15. Febr. 1891 zu Burg in Dith- 
marschen 

Schuler und Schwiegersohn von J. H. Schult in Ltibeck. 
Er besuchte das Johanneum in Liibeck, das er im Jahre 
1906 mit der Berechtigung zum Einj.-Freiwilligen- 
dienst verlieG, wollte sich zunachst dem Justizdienste 
vvidmen und legte dann auch sein Gerichtssekretar- 
Examen ab. Seine Neigung gehorte jedoch langst dem 
Geigenbau, und so trat er bei J. H. Schult in die Lehre, 
wo er sich bald durch Begabung und Geschickhchkeit 
auszeichnete. Im Jahre 1916 legte er in Hamburg seine 
Meisterpriifung ab und machte sich darauf in Diissel- 
dorf selbstandig. Er 1st ein sehr tiichtiger, sorgfaltig 
arbeitender Geigenbauer, der sich durch vorziighche 
Arbeiten schnell einen ausgezeichneten Ruf verdiente. 

Beck, Max. — Bern. 1896, f 1898 

Ein hoff nungsvoller Schweizer Geigenmacher, der 1896 
Methfessels Nachfolger wurde, aber schon zwei Jahre 
spater starb. 

Beck, Vincenz. — Glatz. Geb. um 1804 in 
Wolfelsdorf, f nach 1860 

Er soil bei einem Hoffmann gelernt haben, wurde im 
Jahre 1853 Burger zu Glatz und besaB dort das Haus 
Nr. 422/9. Er betrieb die Geigenmacherei beinahe 
fabrikmaBig, wobei seine neun Tochter und drei Sonne 
seine Gehilfen waren. 

Becker. — London. Um 1800 

Ein aus Hessen eingewanderter Instrumentenmacher, 
dessen Gitarren (Lyragitarren) seinerzeit geschatzt 
waren, der sich aber namentlich als Verbesserer der 
Harfe einen Namen machte. 

Becker, Wilhelm. — Adorf i. V. 1900. 1902 

Ein Neffe Professor Reinhold Beckers in Dresden. Die 
Geigenmacherei erlernte er in seiner Heimat und wurde 



gleichzeitig als Cellist ausgebildet. Er »erfand« eine so- 
genannte »elegante Viohne«, d. h. eine in alien Teilen 
reich verzierte und eingelegte Geige, die recht gut aus- 
sehen soil. 

Beckett, John. — Faversham 

Seine Violinen sind gut gearbeitet, ohne durch Eigen- 
art aufzufallen. 

Beckman, Svend. — Stockholm, f um 1761 

Er erhielt am 20. Oktober 1741 das Privilegium als 
Musikinstrumentenmacher und wurde im Jahre 1756 
sogar Hofinstrumentenmacher, obwohl er kein Kiinstler 
in seinem Fache war. Seine Geigen sind von roher 
Arbeit; besser sind seine Lauten, die haufiger vor- 
kommen. Eine solche mit einem Rokokoornament be- 
fand sich in der Sammlung Hammer in Stockholm. Ein 
Violoncello von ihm besitzt das Musikhistorische Mu- 
seum in Stockholm. Auf seinen Zetteln erscheint sein 
Vorname in verschiedener Schreibweise, den er iib- 
rigens auf seiner Brandmarke fehlen IieB. 

Geigenzettel: Sveno Beckman / i Stockholm, Anno 
1757 (gedruckt). 

Bsdler s. Gedler 
Beer, Andreas, s. Bar 

Beer, Anton. — Barnau (Oberpfalz). Geb. 
1764, f 1836 in Barnau 

Sohn und Schuler von Ignatius B. und diesem in der 
Arbeit ahnlich, aber weniger sorgfaltig. Sein im Jahre 
1895 gestorbener Sohn Adam Jakob B. soil auch ge- 
lernter Geigenmacher gewesen sein. 

Beer, Gabriel. — Iglau. 1875 

Musikinstrumentenmacher, um 1885 hieB die Firma 
Gabr. Beer Sbhne. 

B?er, Jan de. — Amsterdam. 17./ 18. Jahrh. 
Im Briisseler Museum befindet sich eine Taschengeige 
mit diesem Namen, der mir sonst noch nicht begegnet 
1st. 

Beer (Ber), Ignatius. — Barnau (Oberpfalz). 
Geb. 1719, f am 20. Juli 1807 in Barnau 
Sohn und wohl auch Schuler des Joh. Mich. Beer. Er 
scheint mit seinem Vater in Barnau eingewandert zu 
sein. Sein Geburtsort geht auch nicht aus seiner Trau- 
ungsurkunde vom 19. November 1754 (mit Maria 
Johanna Schwendner) hervor. Im Kirchenbuch wird er 
stets als civis et chelium artifex (oder confector) be- 
zeichnet. In seiner Arbeit ist er den Halleiner Meistern 
nahe verwandt. Gutes Deckenholz, Birnbaumschnecke, 
weite F-Locher und unscheinbarer Lack, aber ziemlich 
guter Ton kennzeichnen seine Geigen. Die Einlagen 
fehlen gewohnlich. 

Geigenzettel: IgnatijBer/ Instrumeh-/ talischerViolin- 
Macher / in Bernau 1782 (gedruckt). 

Beer, Ignaz. — Briinn. 1897 

Ein Saitenspinner, der 1897 Jakob Klements Geschaft 
iibernahm. 



IV 



37 



Beer, Johann Georg. — Barnau (Oberpfalz), 
Breslau. Geb. 1758, f 1829 in Barnau 
Ahester Sohn und Schiiler von Ign. B., dem er sehr 
nahe kommt. Er scheint nur kurze Zeit in Breslau an- 
sassig gewesen zu sein und kommt in den Akten des 
Breslauer Stadtarchivs nicht vor. 
Geigenzettel : Abb. 88. 

Beer (Ber), Johann Michael. — Barnau (Ober- 
pfalz). 1754 

Der Stammvater der Barnauer Geigenmacherfamilie. 
Er war Burger und Geigenmacher (»chelyfex«) in 
Barnau, wo er jedoch nicht geboren zu sein scheint. 
Wahrscheinlich kehrte er in seinen alten Tagen in 
seinen Heimatsort zuriick, da auch sein Tod in den 
Barnauer Kirchenbiichern nicht verzeichnet ist. 

Beerselmann, Friedrich,— ?. 1 624 oder 1 674(?) 
Diesen Namen fand ich bisher nur in einer Poche im 
Germanischen Nationalmuseum zu Niimberg. 

Geigenzettel: Friedericus Beerselmann / 1624 

(od. 1674)(gedruckt). 

Behrmann, Fried. Aug. — Gotha. 1810 

In einer Violine von guter Arbeit, gutem Holz, flachem 
Modell und breitem Ton fand sich dieser Name. Behr- 
mann scheint nur vorubergehend in Gotha ansassig ge- 
wesen zu sein. 

Beichtner (richtiger: Veichtner), Johann. — 
Regensburg. 1603 

Eine Laute von ihm war 1883 im Leipziger Krystall- 
palast ausgestellt; eine Bratsche von ihm besitzt Ge- 
heimrat Immanuel Hoffmann in Berlin. 

Beick (Back?), Heinrich? — Niederlangenau 
(welches?). 1840 

Eine braungelb lackierte Geige, in der Arbeit ahnlich 
wie die Neumarkers in Schoneck, tragt den schlecht 
leserlichen Zettel : Hinrich Back Instrumenten-/macher 
Niederlangenau 1840 (geschrieben). 

Bela s. Szepessy 

Belacqua (Bivelacqua). — Florenz. 13. Jahrh. 

Ein Freund Dantes, der ihm im Purgatorio IV, Vers 1 06 
bis 136 einige Terzinen widmet. Er war nach Benvenuto 
d'Imola ein Meister in der Verfertigung von Zithern 
und Lauten und verstand es vortrefflich, deren Halse 
und Wirbelkasten mit kunstreichem Schnitzwerk zu 
versehen; auch war er selbst ein tiichtiger Musiker. 

Belami, Paolo. — Paris. Um 1612 

Wahrscheinlich Italiener, ein seinerzeit sehr geschatzter 
Lautenmacher. »Belami wohnte« — wie Baron schreibt 
(1727) — »in Paris und hat sich daselbst mit seiner 
Arbeit einen unsterblichen Ruhm erworben und flo- 
rierte um das Jahr 1612.« 

Belawski, B. G. — Warschau. 1886 

Wurde mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt, 
Geigenzettel: B. G. Belawski Warschau / reperowac 
Anno 1886 (geschrieben). 



Belcioni, Antonio di Stefano. — ? 1673 

Von Valdrighi (264) erwahnter italienischer Geigen- 
macher, von dem ich weder Wohnort noch Arbeiten 
erfragen konnte. 

Beledin, Albert-Jules-Louis. — Nantes. Geb. 
um 1829, fum 1895 

Er war als Geigenmacher nicht ungeschickt und hatte 
auch eine Musikinstrumentenhandlung. Sein Geschaft 
besteht noch heute unter der Firma Beledin fils in 
der Passage Pommeraye. 

Bellanger. — Caen. 1837 

Schiiler von Guill. Le Breton, dem er in seiner Arbeit 
nahesteht. 

Belleville. — Paris. 1823 

Ein Dilettant, Erfinder einer Geige von neuer, aber 
wenig ansprechender Form im Museum des Pariser 
Konservatoriums. (Nr. 35.) 

Geigenzettel: fait par Belleville/ amateur a pans / en 
1823 (geschrieben, in der Mitte ein Lamm gez.). 

Beloe, W. L. -Coldstream. Geb. 1819, f 1897 
in Coldstream 

Ein in vielen Kunstfertigkeiten gewandter Mann. Er 
hat mehrere hundert Geigen gemacht, als sein Meister- 
stiick betrachtete er eineKopie der »Messias« von Stra- 
divari, die er nur nach dem AugenmaB machen mufite, 
da der Eigentumer sie ihm nicht anvertrauen wollte. 
Arbeit und Lack sind sehr lobenswert. 
Geigenzettel: Made by / W. L. Beloe / Coldstream / 
1886 (geschrieben). 

Bellon, J. F. — Paris. 1828. 1832 

Ein Geigenmacher, von dem man nur weiB, daB er 
einen Dampfer fiir das Violoncello erfunden hat, der 
mit dem FuBe zur Anwendung gebracht werden konnte. 

Bellone, Pietro Antonio, genannt il Pesco- 
rino. — Mailand. 1691. 1694 
Er hatte den heiligen Antonius von Padua zum Laden- 
schild, ist iibrigens wenig bekannt, was aber nicht 
hindert, daB sein Zettel nachgeahmt und in Geigen 
geklebt wird, die gewiB nicht in Italien entstanden sind. 
Geigenzettel : Abb. 81 . 

Bell'Orsi, Michel Angelo. — Turin. 1681 

1st mir nur durch seinen Zettel bekannt geworden, und 
diesen halte ich nicht fiir einwandfrei. Der Name heiBt 
vielleicht richtiger Dell'Orsi? 

Geigenzettel : Michel Angelo Bell'Orsi ,' Fece in Torino/ 
Fanno 1681 (gedruckt). 

Bellosio, Anselmo. — Venedig. Geb. nach 
1715. 1789 

Wahrscheinlich ein Sohn von Giovanni Bell, und 
Schiiler von Serafino Santo. Wenn er seinem Meister 
auch nicht gleichkam, so war er doch einer der besseren 
Geigenbauer seiner Zeit und stand in hohem Ansehen 
so daB seine Schiiler (Marc. Ant. Cerin, Pietro Val 



38 



Belle 



■ — Ber 



Novello u. a.) in ihren Zetteln sich stets zu ihrer Emp- 
fehlung auf ihn beriefen. Seine Geigen klingen gut, 
wenn ihnen auch oft besseres Holz und schonerer Lack 
zu wiinschen ware. 

Geigenzettel : Anselmus Bellosius Fecit / Venetiis 1783 
(gedruckt) und Abb. 54. 

Bellosio, Giovanni. — Venedig. 1735 

Angeblich ein Schiller von Montagnana. Es gelang mir 
jedoch nicht, irgendeine glaubwiirdige Arbeit von ihm 
zu erfragen; auch der Zettel mit seinem Namen, den 
ich zu sehen bekam, war eine durch Steindruck her- 
gestellte Falschung. Auffallig ist ferner, dafi die im 
Handel vorkommenden ihm zugeschriebenen Geigen 
fast immer die Jahreszahl 1735 tragen. 

Beltrami, Giuseppe. — Vescovato bei Cre- 
mona. 1870. 1881 

Als Geigenmacher eigentlich nur Laie. Er trieb aber 
griindliche Studien und besaB gute theoretische Kennt- 
nisse, so da6 seine Arbeiten immerhin einigen Wert be- 
sitzen. 

Belluomini, Maurizio, war im 19. Jahrhundert 

in Pisa tatig 
Belviglieri (Bilveglieri), Gregorio. — Bologna. 

1742. 1772 

Nicht ungeschickt, am besten sind seme Bratschen. 
Geigenzettel: Gregorius Bilveglieri fecit / Bologninae, 
villa Bononiae, / m: jan: an: 1772 (geschrieben). 

Ben den Chaus s. Benedikt Tentzel 
Bendini, Giambattista. — ? 1668 

Ein von Valdrighi (277) ohne Quellenangabe erwahnter 

Meister, der sonst nicht bekannt ist. 

Benecke, S. — Stockholm. 1802 

MittelmaBiger Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 
Am besten gelangen ihm noch Violoncelh und Basse. 

Benedetti, Giuseppe. — Piacenza. Nach 1700 
Man kann ihn nach den Geigen und Violen, die seinen 
Namen tragen, nicht fur einen besonderen Kiinstler 
halten. 

Benedict, Jose. — Cadix. 1667. 1744 
Besserer spanischer Lautenmacher. 
Geigenzettel: Compuesto en Cadix p. / Jose Benedict / 
ano del 1738 (gedruckt). 

Benedicti, Donato de. — Cremona. 1679 
Er wird zvvar mehrfach erwahnt, doch sind mir Arbeiten 
von ihm nicht bekannt geworden. Es steht auch noch 
nicht fest, zu welcher Familie er eigentlich gehort. 

Benettini. — Mailand. 1868 

Wenig hervorragender Geigenmacher, doch hat er 
einige gute Basse gebaut. 

Benito, A. J. Antoni. — Mailand (?). 1664 

Name und Ort sind zweifelhaft. Eine Kniegeige aus der 
Sammlung Scheurleer (mit Schildpatt eingelegt und 



einem Lowenkopfchen am Wirbelkasten) soil den 
nebenstehenden Zettel tragen, der offenbar schlecht 
gelesen — oder gefalscht ist. 

Geigenzettel: A. J. Antoni Benito / Milaan 1664 (ge- 
druckt). 

Benoit. — Dusseldorf. 1802 

Ein franzosischer Geigenmacher, der wohl nur voriiber- 
gehend in Dusseldorf gearbeitet hat. In einer mittel 
maBig gearbeiteten Violine bezeichnet er sich »Luthi' 
de Paris «. 

Benoit, Eugene. — Briissel. 1754. 1758 

Ziemlich gute Arbeit, franzosische Schule. Die Holz- 
wahl ist jedoch nicht sorgfaltig.auch der rotbraune Lack 
laBt zu wiinschen ubrig. 
Geigenzettel: Eugene Benoit / Bruxelles 1754 (gedr.). 

Benozzati, Girolamo. — (Venedig.) 1899 

Schiiler von Eugemo Degam, bei dem er zwei Jahre 
lang lernte. 

Bensande, Alfred Dr. — Lissabon. 1905 

Er ist Professor am Lissaboner Handels- und lndustrie- 
institut und beschaftigt sich aus Liebhaberei mit dem 
Geigenmachen. 

Benti (nicht Bente), Matteo. — Brescia. Geb. 
1580, f nach 1637 

Er war nach einer im Brescianer Archiv aufbewahrten 
Urkunde vom 23. Marz 1637 Sohn des Giovanni Benti, 
wohnte in der Contrada di S. Antonio »con esercizio di 
far citere ed altri istrumenti« und war damals 57 Jahre 
alt. Seine um 1 1 Jahre jiingere Frau hiefi Chiara Dea. 
Man hat sich erst in neuerer Zeit wieder mit ihm be- 
schaftigt, und noch in Fenarohs Dizionano degh artisti 
Bresciani fehlt sein Name ganzlich. In den Urkunden 
heifit es von ihm »che fa Cithere et altri instrument^, 
und auch Fetis weifi von einer schonen Laute von ihm 
zu erzahlen. Nach verschiedenen, nicht immer ver- 
laBlichen Nachrichten kennt man eine Geige von ihm 
aus dem Jahre 1601, auch Spinette und Cimbalone soil 
er gebaut haben. Sein Geigenmodell soil, wie behauptet 
wird, groB, die Wolbung ziemlich hoch und der Lack 
dunkelbraun gewesen sein. Willy Burmeister besaB eine 
Violine mit Bentis Namen. MiB Gardener besaB gleich- 
falls eine ihm zugeschriebene Violine, die Dr. Th. L. 
Phipson beschrieb, wobei er allerdings angibt, sie sei 
um 1580 — also im Geburtsjahr Bentis — gebaut. Eine 
ahnliche Geige mit der ausgeschriebenen gleichen un- 
moglichen Jahreszahl riihmte sich Ole Bull zu be^itzen. 
Geigenzettel : Matteo Benti / fecit Bresiae 1601 (gedr.). 

Benvenuti, Paolo. — B. S. Lorenzo in Nugello. 
18. Jahrhundert 

Von Valdrighi (3672) erwahnt, sonst nicht bekannt. Ein 
Benvenuti ist jetzt Teilhaber einer Geigenmacherfirma 
in Pisa. 

Benze, Ignaz, s. Penze 

Ber, s. Bertolt 

Ber, Ignatius, s. Beer 



Berati — Bergmann 



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Berati. — Imola (Prov. Bologna). 18. Jahrh. 

Vidal erwahnt ihn zwar, doch war in Imola selbst liber 
einen Meister dieses Namens nicht das geringste zu 
erfahren; Arbeiten von ihm lassen sich ebensowenig 
nachweisen. 

Berera, Giov. Antonio. — Trient. 1771 

Einige mittelmaBige Geigen, die nicbt vie! Italienisches 
an sicb haben, tragen diesen Namen. 

Beretta, Felice. — Como. 1760. 1789 

Er nennt sicb einen Schiiler von Giuseppe Guadagnini, 
dem er aber nicbt viel Ebre macbt. Ohne Sorgfalt in der 
Wabl des Holzes. Gelber Lack. 
Geigenzettel: Abb. 56. 

Berg, G. E. — {Copenhagen, f um 1900 

Danischer Streichinstrumentenmacher, dessen Werk- 
statt auf den Geigenmacber Rosenvald uberging. Er 
wohnte erst Reventlowsgade, dann Klosterstraede 10. 

Berg, Olof. — Konigsberg. 1835. 1836 

Ein scbwediscb-norwegiscber Konsul, der allerlei neue 
Erfindungen. die er machte, an Geigen anbringen lieB. 
Er selbst macbte nichts und liefi seine Ideen meist in 
Schonbach ausfiihren. DaB er mit seinen Erfindungen 
keinen Erfolg erzielte, sei nur nebenbei erwahnt. 

Bergbom, C. — ? 18. Jahrhundert 

Besserer scbwediscber Geigenbauer, der nacb Stamer 
arbeitete. 

Berge. — Toulouse. 1760. 1771 

Ein Lautenmacber, der bisher nur durcb die Inschrift 
seiner interessanten »vjelles orgamsees« lm Museum 
des Konservatormms zu Pans bekannt geworden ist. 
Geigenzettel: Berge, a Toulouse 1771 (gedruckt). 

Berger. — Gent. 1823 

Ein wenig bekannter Geigenmacber, von dem Snoeck 
eine Violine besaB. 

Berger, C. D. — Schwerin. 1835 
MittelmaBiger Reparateur. 

Berger, Horst. — Hamburg. Geb. 14. Nov. 
1893 in Kiel 

Sohn eines Kapitans zur See, besucbte er das Gym- 
nasium seiner Vaterstadt, kam dann nacb Hamburg in 
die Kaufmannslehre, war eine Zeitlang in Siidamerika 
tatig und wurde durcb ein Konzert Vecseys veranlaBt, 
sich mit groBtem Eifer auf das Viobnspiel zu verlegen, 
worm er es durcb angestrengten FleiB zu anerkennens- 
werter Fertigkeit bracbte. Durch seine Beziebungen zu 
Geigenmacbern, namentlich zu dem trefflicben Aug. 
Diebl wurde er auch angeregt, sich mit dem Geigenbau 
zu beschaftigen und batte auch hierin so viel Erfolg, 
daB er seinen Kaufmannsberuf mit seiner Vorliebe fur 
die Geige verband und eine Geigenbandlung eroffnete. 
In der wenigen freien Zeit, die ihm iibrig bleibt, baut 
und repariert er Geigen und verwendet einen guten 
Ollack eigener Zusammenstellung. 



Berger, Johannes. — Landshut. Geb. uti 1 655 

Seit der Auflosung der herzoglicben Hofhaltung auf der 
Trausnitz (1579) war es mit der Musik in Landshut 
schwach bestellt. Es kommen nur mehr die »Stadt- 
Singer« mit ibren religiosen Scbau- und Smgspielen 
und die »Stadt-Instrumentisten« vor, die letzteren be- 
standen aus drei Pfeifern und einem »Pusauner«. In- 
folge der Drangsale des 30jahrigen Krieges und seiner 
Nachwehen batten die Stadtvater weder Geld noch 
Herz fur die Musik, selbst die Pfeifer verstummten und 
wurden aus den Stadtkammerrechnungen gestrichen 1 ). 
Erst in der ersten Halfte des 18. Jahrbunderts scheinen 
sicb die Musikverhaltnisse wieder gebessert zu haben, 
denn nun lieBen sich wieder Geigen- und Lautenmacher 
hier nieder, und unter diesen wird noch 1726 Berger, 
wohl der Lehrmeister Fischers, genannt. lm Lands- 
huter Museum befindet sicb ein Miniaturbildnis auf 
Pergament, den »Geigenmacher Joannes berger« dar- 
stellend; in der Sammlung des dortigen historischen 
Kreisvereins ist auch eine Nonnengeige mit dem Zettel 
J. B. Landsh. / a. D° 168 . . (gedruckt) zu finden, die 
wahrscheinlich von ihm berriihrt. 

Berger, Lorenz. — Landshut. 1759. 1807 

Sohn (?) und Schiiler des Johs. Berger, wurde 1759 als 
»Stadtbauboist« aufgenommen und machte seitdem, 
wie der Landshuter Gewerbekataster von 1807 sagt : 
samtliche Instrumente wie sein Vater. Sein Geschaft 
ging 1808 auf Franz Kriner iiber, der Bergers Witwe 
Gertraud beiratete. 

Berger, Max. — Markneukirchen. Geb. 1 869 

in Markneukirchen 

Schiiler von H. Th. Heberlein jun. Nacb einer neun- 
jabrigen Lehr- und Wanderzeit begriindete er 1892 in 
seiner Vaterstadt sein eigenes Geschaft, in welchem 
Geigen nach den Modellen der alten Meister gebaut 
werden. Als Zettel wird der Name des Meisters, nach 
dessen Modell die Geigen gemacht sind, eingeklebt. 

Berger-Kapralik, Julius. — Lemberg. Geb. in 
Lemberg 1864 

Erlernte nach seiner Angabe in RuBland von 1879 bis 
1 883 die Geigenmacherei, machte sich 1 886 in Lemberg 
selbstandig und baute nacb Amati, Stradivarius und 
Vuillaume. Im Lack ahmte er franzosische Vorbilder 
nach. 1 894 stellte er mehrere Geigen bors concours aus ; 
seitdem hat c den Neubau von Streichinstrumenten 
aufgegeben und sich ausschbeBHch auf den Instru- 
mentenhandel verlegt. 

Bergette, Hannss s. Pergette 

Bergmann, Andreas. — Budapest. Geb. 1862 
in Nagy Maros 

Schiiler von Eduard Bartek, spater langjahriger Gehilfe 
von Paul Pilat. Im Jahre 1898 begriindete er seine 
eigene Werkstatt, die das Ladenschild »Zum Cremo- 
neser« fiihrt, und hat seitdem iiber 80 neue Geigen ge- 
baut, darunter 30 nach Guarneri, 15 nach Stradivari 



*) Vgl. A. Kalcher, Chronik der Landshuter Lieder- 
tafel (1891). 



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Bergonzl, Benedetto -- Bergonzi, Michel Angiolo 



und 5 nach Maggini. Da er bei wiederholt angestellten 
Versuchen, wenn er aus dem gleichen Holz eine Geige 
nach Stradivari und eine solche nach Guarneri baute, 
stets den Ton der Guarneri-Kopie besser fand, zieht er 
dessen Modell alien anderen vor und baut danach in 
entsprechender VergrbBerung auch Violen und Violon- 
celli. Er ist audi als Reparateur sorgfaltig in seiner 
Arbeit und verwendet Ollack in verschiedenen Farben. 
Geigen, die er allein gebaut hat, tragen den Zettel : 
Bergmann Andras / hegedii keszito / sajat kezii keszit- 
menye / Budapest 1898 (gedruckt), die von seinen Ge- 
hilfen gebauten : Keszitette Bergmann Andras / hegedii 
keszito / Budapest 1901 (gedruckt). Arbeiten seiner 
Schiiler : Bergmann Andras / hegedii keszito tanitvanya / 
Budapest 1901 (gedruckt). Reparaturen: Javitotta Berg- 
mann Andras / hegedii keszito Budapest 1899 (ge- 
druckt). 

Bergonzi, Benedetto. — Cremona, f 1840 in 

Cremona 

Der letzte Geigenmacher der Familie, der nur als Re- 
parateur von Bedeutung war. Er wohnte noch im 
Stammhause seiner Vorfahren an der Piazza San Do- 
menico. Von ihm sollen die Angaben iiber Stradivari 
und seine Zeitgenossen stammen, die Tarisio dein 
j. B. Vuillaume machte und die dann Fetis in seiner 
Schnft iiber Stradivari verwertet hat. 

Bergonzi, Carlo I. — Cremona. Geb. 1686, 
f 1747 

Sohn des Michele B. Einer der besten, wenn nicht der 
allerbeste Schiiler Stradivaris, der nach dem Tode von 
Stradivaris Sohnen Haus und Werkstatt seines Meisters 
erwarb. Es wird- allerdings behauptet, daB er zuerst bei 
Amati in der Lehre gewesen und erst als Gehilfe zu 
Stradivari gekommen sei. In seiner Arbeit schlieBt er 
sich jedoch mehr an Stradivari an, nur verlangerte er 
die obere Halfte des Geigenkorpers und machte die 
untere etwas breiter, die F-Locher setzte er etwas hoher 
und naher dem Rande und gab ihnen einen Schnitt, der 
dem von Guarneri del Gesii nicht ganz unahnlich ist. 
Die Wolbung nahm er gewohnlich flach, doch wech- 
selte er mehr als andere mit der Wolbung; die Schnecke 
ist flacher als bei den meisten seiner Zeitgenossen, aber 
sehr sauber geschnitzt. Sein Lack ist meist rotbraun 
oder bernsteingelb, nur manchmal etwas zu dick auf- 
getragen und deshalb ofter zerronnen, hat aber durch 
das Alter sehr gewonnen und sieht gerade dadurch 
originell aus, daB er oft auf Klumpchen zusammen- 
geschrumpft ist, deren feine Zwischenraume zum Teil 
bis auf den Holzgrund, zum Teil bis zur ersten Lackie- 
rung reichen. Der Ton ist groB und edel, und da Ber- 
gonzi stets das beste und gesundeste Holz nahm und 
seine Geigen sehr stark baute, darf man ihnen eine 
lange Lebensdauer in Aussicht stellen. Sie gehoren zu 
denen, die in den letzten fiinfzig Jahren die grbB'en 
Preissteigerungen erfahren haben. Man charakterisiert 
Carlo I B. am besten, wenn man sagt, daB er 
zwischen Stradivari und Guarneri del Gesu in der 
Mitte steht. Seine Violoncelli und Basse sind nicht 
minder gut als seine Violinen und ebenfalls sehr ge- 
sucht. Eine schone Gamba von ihm besaB de Wit in 
Leipzig, in dessen Zeitschrift (1895, Nr. 12) sie be- 



schrieben und abgebildet ist. Von seinen drei Sohnen 
erreichte ihn keiner. Seine altesten Arbeiten tragen 
Jahreszahlen vor 1700. So hat ein Geiger in Miinchen 
eine Violine von ihm mit geschriebenem Pergament- 
zettel aus dem Jahre 1696. Eine Violine von tadelloser 
Erhaltung, mit rotem Lack, von ihm aus dem Jahre 
1737 besitzt Valentin Walter in Grulich i. B.; seine 
schonste Arbeit, eine Violine, die Tarisio besaB und von 
der er sich nie trennen konnte, verkaufte Vuillaume 
spater an Konzertmeister Woerle, und jetzt befindet sie 
sich im Besitz des deutschen Konsuls Baron Liebig in 
Wien. 

Geigenzettel : Anno 17 . . Reuisto, e corretto da me / 
Carlo Bergonzi in Cremona (gedruckt). — Abb. 95. 

Bergonzi, Carlo II. — Cremona. 1780, f urn 

1820 

Dritter Sohn von Michel Angiolo B. Er soil ein ge- 
schickter Reparateur gewesen sein und war hauptsach- 
lich Mandolinen- und Gitarrenmacher. Die wenigen 
Geigen, die er gebaut hat, sind minderwertig, unfein in 
der Form und haben haBiiche F-Locher. 

Bergonzi, Francesco. — Cremona. 1687 

Man will ihn fur den Ahnherrn der Familie halten, und 
es soil auch noch Geigen von ihm geben, in denen er 
seinen Namen allerdings »Baganzi« schrieb. 

Bergonzi, Giuseppe. — Cremona. 1740 

Es soil auch einen Giuseppe B. gegeben haben. Es ist 
mir aber nicht gelungen, lnstrumente mit seinem 
Namen ausfindig zu machen. — Ebensowenig solche 
von einem angeblichen Pietro Bergonzi. 

Bergonzi, Ludovico. — Cremona. 1741 

Ein bisher nicht bekanntes Mitglied der Familie, von 
dem einzelne Violinen vorkommen, die einer Cremo- 
neser Herkunft nicht widersprechen. 

Bergonzi, Michel Angiolo. — Cremona. Geb. 
urn 1715, f urn 1765 

Sohn von Carlo B., dessen Nachfolger er 1747 wurde. 
Er war mit Barbara Berselli, Tochter des Alfonso B., 
verheiratet. Wenn er auch nach verschiedenen Mo- 
deller, arbeitete, so bevorzugte er doch das breite Stra- 
divari-Patron. In der Arbeit ist er recht gut, auch sein 
Holz ist schbn; seinen Vater erreichte er aber doch 
niemals. Sein Lack ist stumpf und der Ton haufig 
naselnd, vorziiglich sind seine Basse. Da er sich friih- 
zeitig besonders auf den Bau von Mandolinen usw. ver- 
legte, kommen Streichinstrumente von ihm verhaltnis- 
maBig selten vor. Doch besitzt G. Siefert in Leipzig 
eine sehr schone Violine von ihm aus dem Jahre 1736, 
diedenselben Lack zeigt, den Carlo I B. verwendet hat, 
der so leicht »zerronnen« ist. Auch die Grundierung ist 
die gleiche wie bei seinem Vater. Eine Violine von ihm 
besitzt MiB Baird in Elgin (Schottland), eine Pandurina 
von 1 755 C. van Raalte, eine von 1 756 die Sammlung 
Galpin (Hatfield). — Er hatte drei Sohne. 
Geigenzettel : Michel Angelo Bergonzi / Figlio di Carlo 
fece in / Cremona l'Anno 1749 (gedruckt). — Michel- 
angelus Bergonzi / Fecit Cremonae 17.. (gedruckt) 



Bergonzi — Bernardel 



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Bergonzi, Nicola. — Cremona. 1740. 1782 

Altester Sohn von Michel Angiolo B., der das vaterliche 
Geschaft iibernahm und fortsetzte. Er baute viele In- 
struments die im Patron denen seines Vaters ahnhch 
sind, ihnen aber im Ton und in der Arbeit sehr nach- 
stehen. Der Lack ist diinn und hat wenig Feuer, das 
Holz nicht immer gut gewahlt und die Schnecke un- 
schon. 
Geigenzettel : Abb. 78. 

Bergonzi, Zosimo. — Cremona. 1750. 1777 

Dritter Sohn Michel Angiolos und etwas geschickter als 
sein Bruder Nicola. Seine Violinen sind von ungleichem 
Wert, besser dagegen seine Violoncelli und Basse. 
Geigenzettel: Fatto da me Zosimo Bergonzi , L'anno 
1777, Cremonae (gedruckt). 

Bergstrom, J. A. — Nykoping. 1828 

In der Wahl des Holzes nicht sehr gliicklich, sonst ein 
ganz tiichtig arbeitender schwedischer Geigenmacher. 

Berkemayer, Bernhard. — Iglau 

In einer zwolfsaitigen Zither im Besitze Eman. Ed. 
Homolkas findet sich der Zettel : 
Bernhard Berkemayer / Burger in Iglau / verfertigt 
Forte-Pianos und alle / andere Saiteninstrumente. / 
Wohnt im eigenen Hause N° 356 / in der hinteren 
Judengasse (gedruckt). 

Berkemeyer, J. F. — Amsterdam. 1806 

Wenig bekannter, wahrscheinlich aus Siiddeutschland 
oder Mahren eingewanderter geschickter Geigen- 
macher, von dem Felix Herrmann eine recht gute 
Violine besitzt. Boden, Zargen und Schnecke sind sehr 
schon, die Decke von weitjahrigem Holz fallt dagegen 
etwas ab, doch ist der rotbraune Lack zu loben. 
Geigenzettel: J. F. Berkemeyer / Amsterdam Ao 1806 
(geschneben). 

Berly. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der dem Namen nach 

bekannt wurden : 

Berly, Charles. 1760. 1765 

— Dominique I. 1744. 1750 

— Dominique IT. 1761. 1765 

— Dominique III. 1750. 1789 

— Dominique IV. Geb. 1765 

— Guillaume. 1732 

— Jean-Claude. 1756. 1757 

— Leopold. 1777. 1778 

— Pierre. 1756. 1764. 

Berliner, E. — Boston. 1885 

LieB sich eine »verbesserte« Violine patentieren, an der 
durch einen Spannrahmen eine Saitenspannvorrichtung 
angebracht war; er erzielte jedoch begreiflicherweise 
keinen sonderlichen Erfolg damit. 

Bernard, Andre Florent Nicolas. — Liittich. 

Geb. 6. Okt. 1870. 

Schuier von Gand und Bernardel. Seit 1890 ist er in 
seiner Vaterstadt tatig. Er arbeitet sauber im Stile seiner 



Lehrmeister und erhielt 1897 in Briissel, 1900 in Paris 
fur seine neuen Geigen silberne Medaillen, und 1905 in 
Liittich, 1907 in Bordeaux und 1910 in Briissel goldene 
Medaillen. Auch in der Wiederherstellung alter Geigen 
ist er sehr geschickt. Seine Werkstatt ftihrt das Schild: 
»A la Guitarre royaler 

Bernard, Jacques. — Mirecourt. 1773. 1780 
Gait als guter Bogenmacher. 

Bernardel.Auguste-Sebastien-Philippe. — Paris. 
Geb. Mirecourt 1802, f 6. Aug. 1870 zu 
Bougival 

Nachdem er in seiner Heimat ausgelernt hatte, kam er 
1820 nach Paris und trat bei N. Lupot und spater bei 
Gand pere als Gehilfe ein. Er griindete 1826 sein Ge- 
schaft in der Rue Coquilliere Nr. 44 und arbeitete bis 
1859 allein. Dann nahm er seine beiden Sonne als Teil- 
haber der Firma auf, arbeitete aber noch bis 1866 
fleiBig weiter. Einer der geschicktesten franzosischen 
Geigenmacher des 19. Jahrhunderts und griindlicher 
Kenner des Holzes, das er mit groBter Sorgfalt aus- 
wahlte. Auf der Londoner Ausstellung 1851 stellte man 
seine Arbeit der Forsterschen gleich, wenn auch sein 
Cello einen naselnden Ton gehabt haben soil; aber es 
unterliegt keinem Zweifel, daB er gerade, was die GroBe 
des Tons anbelangt, alle englischen Meister iibertraf. 
Seinen braunen und rotlichen Lack trug er manchmal 
zu dick auf, auch hat die rote Farbe oft einen Stich ins 
Violette, was als Schonheitsfehler gelten muB. 1859 
verband er sich, wie schon bemerkt, mit seinen Sohnen 
Ernest-Auguste und Gustave-Adolphe zu der Firma 
^Bernardel et fils« und zog sich 1866 vom Geschaft 
zuriick. 

Geigenzettel: Bernardel, luthier / ex-ouvrier du s r Lu- 
pot, / rue Coquilliere, n° 44 a Paris, / Ian 1826 (ge- 
druckt) und Abb. 72 und 73. 

Bernardel, Ernest-Auguste. — Paris. Geb. 
1826, f 10. Dez. 1899 in Paris 

Sohn von Seb. Phil. B. Seit 1859 Teilhaber der Firma 
seines Vaters ; er verband sich spater mit seinem Bruder 
zusammen mit Ch. N. E. Gand. Ein trefflicher Meister, 
dem ein gut Teil des Ruhmes der Firma zuzuschreiben 
ist. 

Bernardel, Gustave-Adolphe. — Paris. Geb. 
Paris 1832, f 27. Jan. 1904 in Cherbourg 
Schiiler seines Vaters Seb. Phil. B. Vielleicht der beste 
unter den franzosischen Geigenmachem seiner Ze.'t. 
Seit 1860 Teilhaber der Firma seines Vaters; er ver- 
band sich 1866 mit Eug. Gand, mit dem er 26 Jahre in 
treuer Freundschaft die Firma Gand & Bernardel teilte. 
Seit 1892 war Gustave B. alleiniger Inhaber des welt- 
beriihmten Geschaftes, das nun die Firma »Gustave 
Bernardel, seul successeur de Gand & Bernardel « trug. 
Begriinder des Geschaftes war bekanntlich Lupot ; seine 
Nachfolger waren Gand, Gand freres, Gand & Ber- 
nardel und Gustave B. Er befolgte die Traditionen 
Lupots, baute treffliche Streichinstrumente und ver- 
suchte eine gelungene Rekonstruktion der Viola di Gam- 
ba, er machte alle Saiteninstrumente, die Harfe aus- 



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Bernardel — Bernhard 



genommen, und verwendete nur Ollack. Seit ] . Juli 
1901 sind Albert Caressa und Henri Francais seine 
Nachfolger. 

Geigenzettel : Gustave Bernardel N° . . . / Paris Passage 
Saulnier 4 / luthier du Conservatoire 18 . . (gedruckt) 
und Abb. 57. 

Bernardel, L. — Amsterdam. Geb. urn 1805 
in Mirecourt, f 1847 

Bruder von A. Sebast. B., ein talentvoller Geigen- 
macher, dessen fruhzeitiger Tod verhinderte, daB er zu 
groBerem Ruhm kam. 

Geigenzettel : Repare par L. Bernardel / Amsterdam 
1844 (gedruckt). 

Bernardel, Leon. — Paris. Geb. in Paris 
22. Aug. 1853 

Sobn von Ernest-Aug. B. Nachdem er von 1869 — 1870 
bei Just Derazey in Mirecourt gelernt hatte, kam er zu 
Gand & Bernardel freres nach Paris, bei denen er vom 

I . August 1 870 bis 3 1 . Juli 1 898 — also 28 Jahre lang — 
blieb. Am l.Oktober 1898 eroffnete er seine eigene 
Werkstatt; er baut nach Stradivari, Lupot und Gand 
und verwendet nur Ollack. 1900 erhielt er das Diplom 
eines Oftiziers der Akademie und auf der Weltaus- 
stellung eine Bronzemedaille. Seine Geigen sind gut 
und werden von Musikern sehr geschatzt ; so ist er u. a. 
Lieferant des Lamoureuxschen Konzertes usw. Seinen 
1882 geborenen Sohn liefi er in Mirecourt zum Geigen- 
macher ausbilden und erzog ihn zu seinem besten Mit- 
arbeiter. 

Geigenzettel: Abb. 58. 

Bernardelle, Roussel. — Paris. 1837 

Baute nach Stradivari; seine Arbeit ist nicht schlecht, 
kommt aber nur selten vor. 

Bernardus. — Udine 

Ein englischer Handlsr bot eine Viohne mit diesem 
Namen, der wohl nur zur Halfte gelesen ist, an. 

Berndt, Willy. — Berlin-Neukblln. Geb. 

II. April 1876 in Stettin 

Durch den friihen Tod seines Vaters in armlichen 
Verhaltnissen aufgewachsen, baute er sich schon als 
Schulknabe ohne jegliche Anleitung eine Geige, da 
ihm seine Mutter keine kaufen konnte. Das Instru- 
ment war so gelungen, daB ihm von al'en Seiten 
geraten wurde, Geigenbauer zu werden. Da er aber 
in Stettin keine Lehrstelle erhalten konnte, muBte er 
zunachst die Tischlerei und den Klavierbau erlernen, 
aber jede freie Zeit beniitzte er dazu, sich im Geigen- 
machen zu vervollkommnen, wenn er auch darauf an- 
gewiesen war, die Anleitung dazu aus Biichern zu 
holen. In seinem zwanzigsten Jahre kam er endlich 
zu Ad-)lf Pfretzschner, unter dessen Leitung er bald 
mehrere Geigen in alien Teihn fertigstellte, die schon 
in unlackiertem Zustand den grofiten Beifall des hoi!. 
Konzertmeisters Max de Groot fan len. Im Jahre 
1907 siedelte er nach Berlin uber und begriindete seine 
eigene Werkstatt, die sich eines stetig zunehmenden 
Zuspruchs erfreut. Er baut nach Stradivari und stimmt 



Boden und Decke harmonisch ab und bereitet sich 
einen Ollack eigener Zusammensetzung. Sein Sohn 
Walter, der eine griindliche musikalische Ausbildung 
erfahren hat, widmet sich jetzt ebenfails dem Geigen- 
bau. 

Geigenzettel: Gebaut von / Willy Berndt / Berlin- 
Neukolln ; Geigenmacher — den .... 192 . 

Berner (Perner), Samuel. — Brixen. f 24. Febr. 

1754(imSpital) 

Gute Arbeit. Ein Violoncello von ihm wurde 1890 von 
Heberle in Nurnberg versteigert. Eine Viola und ein 
Cello von ihm besitzt Kaufmann Fallmereyer (Eisen- 
handlung) in Brixen. 

Bernhard, August. — FleiBen. 1884. 1895 

Einer der besseren Geigenmacher seines Heimatortes, 
der auch als guter Lehrer geschatzt war. 

Bernhard, Carl. — Stadthagen. Geb. 22. Nov. 
1857 

Urspriinglich Musiker, brachte ihn der Wunsch, den 
Ton seiner Streichinstrumente zu verbessern, schon 
fruhzeitig auf den Gedanken, den Geigenbau zu stu- 
dieren. Meister Weber in Mollenbeck bei Rinteln war 
der erste, der ihm einige Anleitungen gab. Als Sohn 
eines Tischlers mit der Holzbearbeitung gut vertraut, 
versuchte er zunachst, ein Violoncell zu bauen. Der Er- 
folg spornte ihn zu weiterem eifrigen Studium an, und 
Weber gab ihm auBer praktischer Anleitung auch 
Bagatellas Schrift und ahnliche Bucher. Er machte jetzt 
rasche Fortschritte und baute 1885 seine erste neue 
Geige. Hierauf ging er noch nach Markneukirchen, urn 
seine Ausbildung abzuschheBen. Wenn er dort auch 
nicht alles fand, was er hauptsachlich suchte, so nutzte 
er doch jede Gelegenheit, die Werke alter Meister 
kennen zu lernen, mit Eifer aus. Bis 1904 hatte er be- 
reits 178 neue Violinen, 31 Violen, 17 Violoncelli und 
58 Basse gebaut. Er ahmt vorzugsweise das Stainer- 
modell nach, wobei er die Schallkreise elliptisch an- 
ordnet, da sonst bei der schnell abfallenden Wolbung 
die gerade laufenden Fasern des Holzes nach seiner An- 
sicht zu kurz abgeschnitten wiirden. Bei flacher Wol- 
bung mmmt er die Schallkreise dagegen rund, wie 
Bagatella dies vorschreibt. Seine Arbeit ist sorgfaltig, 
der Ton voll und weich; auch als Reparateur wird er 
geschatzt und erhielt durch Professor Sahla die Ar- 
beiten fur die Biickeburger Hofkapelle ubertragen. 
Geigenzettel : Carl Bernhard / Geigenmacher / Stadt- 
hagen Ao. 19 . . (gedruckt). 

Bernhard, Johann Georg. — Mark-Biberbach. 
1743. 1746 

Schwabischer Geigenmacher, der um die Mitte des 
18. Jahrhunderts lebte und sehr mittelmaBig arbeitete. 
Sein Holz ist unschon, zur unrechten Zeit geschlagen, 
daher jetzt sehr wurmstichig, der Lack schlecht und 
dementsprechend der Ton armselig. Im Modell ahmt 
er die Tiroler Schule nach. 

Geigenzettel : Johann Georg Bernhard / Lauten- / und 
Geigenmacher in Mark-Biber- / bach. Anno 1743 (ge- 
druckt). 



Bernhardt — Bertolotti 



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Bernhardt, Arnold. — Markneukirchen. Geb. 
19. Juli 1874 zu Markneukirchen 
Schuler von Karl Wilh . Lederer 1 1 . Als Gehilf e arbeitete 
er langere Zeit bei Dr. Alfred Stelzner in Dresden und 
machte sich im Jahre 1905 in seiner Vaterstadt selb- 
standig. Er arbeitet sehr sorgfaltig und sauber, ver- 
wendet ^orziigliches Holz, und seinen Geigen wird auch 
in bezug auf den Ton uneingeschranktes Lob geiollt. 
Er beschaftigt keine Gehilf en, sondern macht alles selbst 
an seinen Instrumenten, wie er sich auch den Lack 
selbst zubereitet. Er arbeitet nach einem eigenen Mo- 
dell, das dem des Stradivari ahnlich ist. Dafi es ihm 
sehr zustatten kommt, nebenbei ein trefflicher Geiger 
zu sein, sei gleichfalls erwahnt. Seine Geigen tragen 
einen Brandstempel (Brandmarke Nr. 1). 

Berro, Ambrosius. — ? 1766 

Nach einer Mitteilung des Propstes von St. Florian in 
Oberosterreich bcfindet sich im Besitze des Stiftes eine 
gute Viola mit dem ratselhaften (vielleicht schlecht ge- 
lesenen) Zettel : Ambrosius Berro / zu Barris 1 766 (ge- 
druckt). 

Berroit. — Brussel. 1750 

Ein selten genannter Violenbauer. Vielleicht ist mcht 
einmal sein Name richtig uberliefert. 

Bertani. — Modena. 19. Jahrhundert 

Aufler Geigen verfertigte er auch Floten und enghsche 
Horner. 

Bertasio, Luigi. — Piadena. 19. Jahrhundert 
Bei De Piccolellis und Vidal findet sich dieser Name 
ohne weitere Zusatze oder Quellenangaben. ■ 

Bertassi, Ambrogio. — Piadena. 1730 

Wahrscheinlich zur selben Familie wie Bertasio gehorig. 

Bertet, Joseph R. — Paris, Nantes. 1754. 1774 
Ein Geigenmacher, der wie L'Harmand und der alte 
Vuillaume u. a. den Werkstattnamen »Au roy David« 
fiihrte. Nach 1764 scheint er nach Nantes gezogen zu 
sein. Von ihm befindet sich ein grofier Alto aus der 
Sammlung Snoeck (Nr. 573) in Berlin. Dicker gelber 
Lack, gute Arbeit. Eine sehr schone Laute mit einem 
wundervoll geschnitzten Frauenkbpfchen besitzt Baron 
de Lery. 

Geigenzettel : Joseph R. Bertet, au Roy David / Rue 
Neuve St. Roch a Paris 1 754 (geschrieben). — Bertet, 
luthier Au Roi David / rue Dauphine a Paris 1764 (ge- 
schrieben). 

Bertholini, Nicolo 
Siehe Bertolini. 

Berti, Antonio. — Cortona. 1721 

Vidal erwahnt ein Psalterion von ihm; auch sollen 
Lauten mit seinem Namen vorkommen ; doch lieft sich 
in Cortona nichts iiber ihn ermitteln. 

Berti, Giuseppe gen. Giusino. — Fiumalba 
(Modena). Anfang des 19. Jahrhunderts 
Er soil auch in anderen modenesischen Orten gearbeitet 
haben ; seine Geigen sind minderwertig. 



Bertier, Philippe. — Mirecourt. 1773. 1789 
Jacquot kennt nur seinen Namen. 

Bertini, Vincenzo. — Rom 

Es gibt hubsch eingelegte Mandolinen mit seinem 
Namen. 

Bertoleti, Antonio. — Brescia. 1796 

In einem mittelmafiigen Violoncello wurde der Zettel 
gefunden: Antonio Bertoleti / Fece in Brescia, 1796 
(gedruckt). 

Bertoli, Giuseppe. — (Venedig.) 1899 

Schuler von Eugenio Degani, bei dem er ein Jahr lang 
lernte. 

Bertolini. — 18./19. Jahrhundert 

Dr. J. L. Phipson erzahlt in »The Strad« 1896 (Nr. 74) 
von einer Violine mit diesem sonst nicht bekannten 
Namen, die zwar keine aufteren Vorziige und wenig 
Eigenart, aber einen wundervollen Ton gehabt haben 
soil. 

Bertolotti, Francesco I, genannt Violi (Vio- 
lino). — Polpenazze. 16. Jahrhundert 

Sohn des Santino und Vater Gasparo da Salos. Er war 
Maler, seinem Beinamen nach aber auch Geiger oder 
Geigenmacher. 

Bertolotti, Francesco II. — Brescia. Geb. 



Marz 1564 in Brescia. 1614 

Sohn des Gasparo B. da Salo und Schuler seines Vaters. 
Mit 23 Jahren war er bereits mit Fior (aus Calvagese 
bei Salo) verheiratet, und es laBt sich vermuten, dafi er 
nach dem Tode seines Vaters seine Kunst nicht mehr 
ausgeiibt hat ; vielleicht hat er das Geschaft an Giovan 
P. Maggini, der ja der Nachfolger seines Vaters wurde, 
verkauft. Nach 1614 laftt er sich in Brescia nicht mehr 
nachweisen und diirfte also fortgezogen sein, vermutlich 
nach Calvagese, wo sich bekanntlich Gasparo da Salo 
angekauft hatte. Eine Lira di Camba mit der Zettel- 
inschrift: D. Francesco q. Gaspar da Salo in Brescia 
(gedruckt) besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- 
seum in Koln (Nr. 783). 

Bertolotti, Gasparo, gen. da Salo. — Brescia. 
Geb. 20. Mai 1540 (?) in Salo, f H.April 

1609 

Sohn des Francesco B. und Enkel von Santino. Sein 
Vater war Maler und »Violino«, die ganze Familie war 
musikalisch 1 ), und der junge Gasparo wandte sich wohl 
schon fruhzeitig dem Berufe, den auch sein Grofivater 
ausiibte, zu. Er war wahrscheinlich ein Schuler seines 
Grofivaters und spater von Girolamo di Virchi, was ihn 
veranlaBt haben mag, aus Salo, einem Stadtchen am 
Gardasee, nach Brescia uberzusiedeln, wo er bereits 
vor 1565 als Meister ansassig war. An Konnen und 
Talent iiberragte er alle seine Vorganger und wurde 



*) Ein Alessandro Bertolotti war nach Valdrighi ein 
tiichtiger Klavizimbelbauer. 



44 



Bertolotti — Bessard 



bald das Haupt der Bresclaner Schule; er hatte jeden- 
falls einen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der 
heutigen Violine, deren Erfindung man ihm mit 
grofierem Rechte zuschreiben konnte, als »Duiffo- 
prugcar«. Sein Ruf war bald begriindet; 1568 wohnte 
er noch zur Miete in der Contrada del palazzo vecchio, 
1588besa6 er bereits sein eigenes Haus in der Contrada 
de la Cocere (jetzt via delle Cossere). Seine Frau hieB 
Isabella und war 1546 geboren. Trotz aller Anerken- 
nung scheint er doch anfangs mit Sorgen zu kampfen 
gehabt zu haben, denn urn seine Lage zu verbessem, 
stand er im Begriffe, dem Beispiel anderer Meister 
folgend, nach Frankreich auszuwandern. Um das zu 
verhindern, lieh ihm Bruder Gabriel zu St. Piero 
60 Lire. Von da an arbeitete er sich empor; 1599 konnte 
er sich ein neues Haus in der StraBe San Pietro Martire 
kaufen, und zwischen 1581 und 1607 erwarb er auBer- 
dem verschiedene hegende Griinde in Calvagese (bei 
Salo), dem Heimatorte seiner Schwiegertochter Fior. 
Das ist alles, was sich aus seinem Leben urkundlich 
feststellen lieB. Er wurde bei St. Joseph begraben, wo 
sich leider sein Grabstein nicht erhalten hat. Im April 
1907 wurde ihm aber auf Veranlassung des Prof. Cav. 
Fr. Pasini an dieser Kirche ein Denkstein ernchtet mit 
der Inschrift: 

Gasparo da Salo 
nell arte di liutai maestro 

per trovar le vie nuove 
loggi, materia, forma studiando 

die quasi anima e senso 
a! violino moderno 
creazione sua. 
Nato 1542. — Morto 1609 
fu sepolto in questo tempio. 
In den Urkunden wird er 1568 »Magistro de violini«, 
1579 »Magistro a cittaris«, 1583 »Artefice d'instrumenti 
musici« und 1588 »Magister instrumentorum musi- 
corum« genannt. Seine Geigen zeigen im allgemeinen 
schon die spater klassisch gewordene Form. Die Wol- 
bung nimmt er noch ziemlich hoch, die F-Locher sind 
weit und stehen fast parallel, die )( sind langgestreckt 
und die Ecken kurz. Die Schnccke ist nicht besonders 
fein und bei groBeren Instrumenten meist aus Birn- 
baumholz. Sein Lack scheint nachgedunkelt zu haben ; 
aber es gibt auBer braunlackierten Geigen auch solche 
von schoner Bernsteinfarbe. Bis heute haben sich nur 
wenige Arbeiten seiner Hand erhalten ; doch wurde sein 
Name schon friihzeitig miBbraucht, weshalb ihm zu- 
geschriebene Geigen stets mit Vorsicht zu behandeln 
sind. Man findet viele Instrumente mit seinem Namen 
und Jahreszahlen, die von 1610 — 1630 reichen, obwohl 
er selbst fast nie eine Jahreszahl auf seinen Zetteln an- 
gab. Einen echten dreisaitigen BaB besaB Dragonetti, 
eine sechssaitige Gamba bewahrt das Pariser Konser- 
vatorium. In der Sammlung des Professors Cav. Franc. 
Pasini befindet sich eine ganze Reihe von Instrumenten, 
die als Arbeiten von Gasparo da Salo gelten. Ole Bulls 
Violine, die ihm zugeschneben ward, scheint jiingeren 
Ursprungs gewesen zu sein. Er war auf alle seine Nach- 
folger von groBtem EinfluB, der sich bis Stradivari und 
Guarneri verfolgen laBt. Vgl. G. Livis Aufsatz in der 
Nuova Antologia vom 16. Aug. 1891. Siehe auch: 
Gargnano. 
Gcigenzettel : Abb. 96. 



Bertolotti, Luigi s. Bortolotti 
Bertolotti, Santino. — Polpenazze. 16. Jahrh. 
Lautenmacher, der GroBvater von Gasparo da Salo. 

Bertolt. — Nurnberg. 1413 

In einer Urkunde des Archivs der Stadt Nurnberg 
wird im Jahre 1413 ein »Ber(tolt) Lautenmacher auf 
der Lorenzer Stadtseite in der Mittelgasse« aufgefiihrt. 

Bertram, Alexander. — Eddleston. Geb. 1801 

Sohn von William B. und wohl auch dessen Schuler. 
Ein fleiBiger schottischer Geigenmacher des 19. Jahr- 
hunderts. 

Bertram, William. — Stobo Castle (Schott- 

land). 1790. 1810 

Er war Jager von James Montgomery und machte aus 
Liebhaberei Geigen. Er brachte es dann zu einer ge- 
wissen Geschickhchkeit und soil in den letzten drei 
Jahren seines Lebens siebzehn Geigen gemacht haben, 
die er den Gasten seines Herrn zu verkaufen pflegte. 

Bertrand, Nicolas. — Paris. 1687. 1735 

Er arbeitete handwerksmaBig; nur mancbmal kam er 
Jacques Boquay nahe. Sein Lack ist fast immer rissig 
und stumpf und gewohnlich von roter Farbe. Violinen 
scheint er nur selten gemacht zu haben, dagegen trifft 
man Violen, Basse und Quintone von ihm mehrfach. 
Das Selhofsche Versteigerungsverzeichms (Haag 1759) 
fiihrt eine Arbeit von ihm mit der Jahreszahl 1603 auf; 
diese kann nur 1703 oder hochstens 1693 geheiBen 
haben, oder man miiBte einen gleichnamigen Vorfahren 
annehmen. Ein Quinton und eine BaBviola (Gamba) 
von gewohnlicher Arbeit, rotem, schmierigem Lack und 
mit einem Frauenkopfchen am Wirbelkasten besitzt das 
Briisseler Konservatorium (Nr. 222 und 227). AuBer 
seinem Zettel verwandte er auch eine Brandmarke mit 
seinem Namen. 
Geigenzettel : Abb. 50. 

Bertrand. — Mirecourt. 1853 

Wahrscheinlich mehr Handler als Geigenmacher. 

Bertucci, D. Giuseppe. — Mont-Orsello. 1748. 
1777 

Das D. vor dem Taufnamen scheint die Abkiirzung von 
Don zu sein; Bertucci ware demnach geistlichen Stan- 
des gewesen. Geigen von ihm kommen selten vor und 
sind nicht sehr geschickt gemacht. 

Berupt, Leopold und Louis. — Mirecourt. 
1766. 1789 

Wahrscheinlich zwei Bruder, die beide als Luthiers ge- 
nannt werden. 

Besancenot. — Dijon. 1776 

Seine Geigen zeichnen sich mehr durch ihre reiche 
Ornamentierung als durch Modell und Ton aus. 

Bessard, Louis. — Paris. 1 753 

Er war geschworener Meister der Pariser Lauten- 
macherzunft; mehr war iiber ihn nicht zu erfahren. 



Befiler — Bianchi 



45 



Befiler, Adam. — Eperjes. 1670 

Daniel Speer berichtet in seinem »Unterricht in der 
musikalischen Kunst« (Ulm 1687, bei S. W. Kiihne) 
iiber die Viola Baryton : »lch habe auf meiner Peregri- 
nation nicht mehr als am bischoflichen Hofe zu Frey- 
sing einen (Barytonspieler) angetroffen, auch der- 
gleichen Instrument nirgend als zu Eperes in Ungarn 
bei dem Stadt-Trompeter Musico Adam Besslern, der 
als ein beriihmter Geigenmacher solches selbsten 
gemacht.« 

Bessolaz, lebt als »Luthier« in Chambery (Dep. 
Savoie) 

Betts, Edward (»Ned Betts«). — London. Geb. 
in Stamford?, f urn 1815 oder 1820 
Neffe von John Betts und wie dieser Schuler von R. 
Duke. Ein tiichtiger Geigenmacher, dessen eigene Ar- 
beiten Lob verdienen. Die Einlagen machte er sehr gut, 
schnitt schone F-Locher und schone Schnecken; nur 
der Lack ist hart und unklar. Da in England aber — wie 
leider auch anderwarts — moderne Geigen schlecht be- 
zahlt werden, verlegte er sich auf das Nachahmen alter 
Instrumente, besonders solcher von den Amatis, worin 
er es zu groBer Meisterschaft brachte. 

Betts, John Edward (»01d John Betts «). — 
London. Geb. 1755, f im Marz 1823 
Schiiler des alteren R. Duke. Er stammte aus Stamford, 
Lincolnshire, und war weniger hervorragend als Geigen- 
macher wie als Handler und Kenner. Die Geigen, die 
seinen Namen tragen, sind sehr verschieden, was daher 
kommt, daB Carter, sein Neffe Betts, B. Fendt und seine 
Sonne, Panormo usw. fur ihn arbeiteten. Er lieB u. a. 
treffliche Kopien nach den Cremoneser Meistern her- 
stellen. Sein Geschaftsnachfolger war sein Bruder 
Arthur B., der Violinlehrer gewesen war. Dessen gleich- 
namiger Sohn und Nachfolger war gleichfalls kein 
Geigenmacher. Eine Stockgeige (1800) von ihm besitzt 
T. W. Taphouse. 

Geigenzettel: J° Betts N ° 2 / Near Northgate the / 
Royal Exchange / London 1782 (gedruckt). 

Betz s. Petz 

Bsuthner, Adolf. — Markneukirchen 

Schiiler von Reinhold Paulus. Als Gehilfe arbeitete er 
in Leipzig, Berlin und Kopenhagen, kehrte 1895 in 
seine Vaterstadt zuruck und machte sich selbstandig. 
Er beschaftigt sich mit dem Neubau und der Wieder- 
herstellung von Geigen und treibt auch einen Handel 
mit alten Musikinstrumenten. 

Bsuthner, Johann Ulrich. — Hamburg. 1710 
Sein Name kommt auf einem Reparaturzettel in der 
ehemaligen Sammlung Hammer vor. Er scheint jedoch 
das Burgerrecht nicht besesssn zu haben, weshalb sich 
nichts Naheres iiber ihn ermitteln lieB. 

Beutler, Johannes. — Urn 1830 

Eine einfach gehaltene Gitarre mit einem Wiibelkasten, 
den ein Affenkopf abschliefit, wird in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Koln aufbewahrt (Nr. 563). 



Beveridge, William. — Aberdeen. Geb. Juli 
1821 in Craigh, Tough, f Aug. 1893 in 
Chapel of Garioch 

Als Sohn eines Farmers beschaftigte er sich im Winter 
mit dem Ausstopfen von Vogeln, Schnitzen von 
Schnupftabaksdosen und Geigenmachen. Auf das 
letztere verlegte er sich nach dem Tode seines Vaters 
ganz und gar. Seine Violinen sind hiibsch gemacht, oft 
reich verziert, haben aber keinen groBen Ton. 1886 er- 
hielt er auf der Ausstellung in Edinburgh fur Geigen 
eine ehrenvolle Erwahnung. 

Geigenzettel: W. Beveridge / Fecit / Tough, 1860 (ge- 
druckt). 

Beyer, Emil. — Erfurt. 1895. 1916 

Ein vielseitiger Geschaftsmann, der mit Getreide usw. 
und mit Geigen Handel treibt und selbst auch Geigen 
gebaut haben soil, die auf Ausstellungen stets Aner- 
kennung fanden. 1899 erhielt er ein Patent fur einen 
Steg. 

Beyer, F. — Naumburg. 1815 

Ein ziemlich dunkel lackierter groBer BaB tragt seinen 
Zettel: F. Beyer / Instrumentenmacher in Naumburg 
(geschrieben). 

Beyer, Franz L. E. — Wien. 1920 

Er bringt die sog. TIM-Streichinstrumente (d. h. Ton- 
Instrumente Markstein) auf den Markt, ist selbst aber 
kein Geigenmacher. 

Beyer, Robert. — Berlin. 1909. 1910 

Nicht mehr bestehendes Geigengeschaft »Unter den 
Linden «. Der lnhaber war kein Geigenmacher, be- 
schaftigte jedoch Gehilfen. 

Bianchi, Giovanni. — Florenz. 1746 

Gute Arbeit, aber plumpes Modell, gelber Lack. Haupt- 
sachlich kommen Violoncelli von ihm vor. 
Geigenzettel : Giovanni Bianchi Fee. / In Firenze, anno 
1746 (gedruckt). 

Bianchi, Nicolo. — Aix, Paris, Genua, Nizza. 
Geb. 1796 in Genua, f 1881 in Nizza 
Nachdem er bei Bagatella, F. Calcagni, Cerutti und 
Pressenda gearbeitet hatte, lieB er sich zunachst in Aix 
nieder, wo er noch 1845 lebte; er ging dann nach Paris. 
Seine Werkstatt hatte er bis 1868 in der Rue Croix des 
Petits-Champs. Seine Violinen sind nicht gleichwertig, 
er konnte aber, wenn er wollte, sehr gut arbeiten und 
soil auch sein Interesse der Viola d'amore zugewendet 
haben. Er war als Reparateur viel beschaftigt, obwohl er 
es an der notigen Sorgfalt oft fehlen lieB, und reparierte 
auch die BaBviola von Gasparo da Salo im Museum 
des Pariser Konservatoriums (Nr. 197). Von 1868 bis 
1872 war er in seiner Vaterstadt und zog dann nach 
Nizza, wo er starb. Er darf nicht mit Mitgliedern der 
Familie Bianchi verwechselt werden. Sein Schuler und 
Nachfolger ist Bovis. 

Geigenzettel : Repare par Bianchi Nicolo / Luthier de- 
core / A Parigi 1 85 1 (gedruckt) und Abb. 39. 



46 



Bichet — Bittner 



Bichet, Mansuy. — Mirecourt. 1780 
Wird von Jacquot als Bogenmacher aufgezahlt. 

Bichler s. Pichler 

Bienfait, Paul-Emile. — Paris. Geb. 1857 in 
Rouen 

Er war urspninglich Geiger und verlegte sich schlieB- 
lich auf das Bogenmachen, worin er es zu grofter 
Meisterschaft brachte. Seine Bogen tragen die Brand- 
marke: P. E. Bienfait. 

Biernatzki. — Posen. Um 1860 

Ein schwedischer Staatsrat, ausgezeichneter Violin- 
spieler, der aus Liebhaberei Geigen gemacht hat. 

Biest, Martin van der. — Antwerpen. 1558 
Bisher nur als Clavecinmacher bekannt. 

Bigourat, Nicolas. — Moulins-sur-Allier. Geb. 
in Saint-Gerand-le-Puy (Allier) 1824, f 1880 
Schiiler und Nachfolger von Thibouville in Moulins- 
sur-Allier. Er hat nur sehr wenige Geigen (meist nach 
Guarneri) gebaut und sich hauptsachlich mit Wieder- 
herstellungsarbeiten beschaftigt. Er verwendete einen 
hellbraunen Lack. 

Geigenzettel : Repare par Nicolas Bigourat / a Moulins 
en 1823 (geschrieben). — Nicolas Bigourat Luthier 
pres l'horloge / a Moulins 1869 (gedruckt). 

Bigourat. — Le Havre. 1870. 1890 

Sohn von Nicolas B. Hauptsachlich Reparateur. 

Bilveglieri s. Belviglien 

Bimbi, Bartolomeo. — Siena. 1750. 1769 

Er stammt aus Florenz, war ein Sohn oder wahrschein- 
licher Enkel des bekannten gleichnamigen Blumen- 
malers (1648 — 1725) und soil um 1760 wieder nach 
Florenz zuriickgekehrt sein. Sein Modell ist klein, sein 
Lack von schoner orangeroter Farbe, die Arbeit recht 
gut. Die Inschrift in einem Bafi, die seinen Namen mit 
dem Wohnort Bologna und der Jahreszahl 1701 angibt, 
erweist sich als gefalscht. 
Geigenzettel : Abb. 59. 

Bina, Johann Nepom. — Prag. Geb. 22. Mai 
1826 in Prag, f 25. Jan. 1897 daselbst 

Sohn eines Musikers und Schneidermeisters, Schiiler 
von Franz Lehner, bei dem er auch nach seiner vier- 
jahngen Lehrzeit noch bis 1849 blieb. Spater arbeitete 
er bei Joh. Stofl, J. Hamberger in Prefiburg, F. A. 
Patzelt in Budapest und Ant. Hoffmann in Wien und 
machte sich 1853 in Prag selbstandig. Seit 1864 war er 
beeideter Sachverstandiger fur Geigen. Er wohnte im 
Laufe der Jahre Neustadt Nr. 793, 802, 52, 835, 825, 
788, 834, von 1878—94 Wenzelsplatz (Vaclavske 
namesti) Nr. 841 und zuletzt »in der Grube« (V Jame) 
Nr. 697. In seiner Arbeit ist er ein charakteristischer 
Vertreter der Prager Schule, wenn auch nur ein Meister 
zweiten Ranges. 

Geigenzettel: Johannes Bina / Pragae / Fecit Anno 
Domini 18 . . (gedruckt). — Johann Bina / in / Prag 



anno 1877 (gedruckt). — Opravil / J. Bina v Praze 
(gedruckt). — Johann Bina / Musikinstrumentenvtr- 
fertiger und beeideter / Schatzer, Anno 1885 / Prag / 
Wenzelsplatz N° 5 neu (gedruckt). 

Bindernagel, Johann Wilhelm. — Gotha. Geb. 
um 1770 in Remstadt bei Gotha, f 30. Marz 
1845 in Gotha 

Er war urspninglich Tischler, erlernte bei Kleinsteuber 
in Gotha den Bau musikalischer lnstrumente und wurde 
dann Gehilfe bei Ernst : als dessen Schiiler man ihn be- 
trachten kann. Seine Geigen entsprechen den Ernst- 
schen Modellen. Anfangs verfertigte er nur Harfen und 
Zithern, spater jedoch Geigen und schliefilich, nach 
dem Vorgange Ottos in Weimar, vorzugsweise Gitarren, 
wozu ihn wohl seine Frau, eine geborene Trompheller 
aus Gotha, die eine ausgezeichnete Virtuosin auf der 
Gitarre war, veranlafite. Einzelne seiner lnstrumente 
waren recht gut, seine Geigen jedoch meist von hand- 
werksmaBiger Ausfiihrung. Zwei Zithern von ihm, 
eine davon funfchong, besitzt die staatliche Sammlung 
alter Musikinstrumente in Berlin Nr. 598 und 599. 
Geigenzettel: Johann Wilhelm Bindernagel / Instru- 
mentenmacher in Gotha/ 1 798 (gedruckt) und Abb. 37. 

Bing (& Lantez). 1880 
Franzosische Fabrikfirma. 

Birt. Kommt als Name eines Geigenmachers 

in englischen Violinen vor 
Bischerei s. Magri 
Bischoff. — Dessau. 1790. 1796 

Ein Kammermusikus, der ein der Viola Baryton ahn- 
liches Instrument, das er Harmoniecello nannte, erf and, 
aber nicht selbst baute. 

Bisiach, Leandro. — Mailand. 1890. 1914 

Besserer itahenischer Geigenmacher der Gegenwart, 
der darauf halt, dafi nur Geigen, die in alien Teilen 
in seiner Werkstatt angefertigt werden, seinen Namen 
tragen. Er hat in Cremona gelernt und das Stu- 
dium der alten Cremoneser zu seiner Hauptaufgabe 
gemacht. Von einer in Mailand lebenden Witwe Stra- 
divari hat er vor einigen Jahren Werkzeuge sowie die 
Photographie eines Lackrezeptes gekauft, die angeblich 
noch aus dem Nachlasse des grofien Antonio Stradivari 
stammen sollen. Er liefi sich diesen Kauf auch notariell 
bestatigen. Er wird als vorziiglicher Reparateur ge- 
schatzt und im Anpassen von Bafibalken, Stimmstock 
und Steg ist er ein Kiinstler ersten Ranges. Er handelt 
auch mit alten Meistergeigen und mit in Deutschland 
oder Frankreich vorgearbeiteten Instrumenten, die in 
seiner Werkstatt vollendet werden. Seine Sonne Carlo 
und Andrea erzog er zu tuchtigen Geigenmachern. 
Geigenzettel: Abb. 61. 

Bittner, David. — Wien. 1845, f 1887. Schiiler 
von Wilhelm Ruprecht 

Er begrundete schon in sehr jungen Jahren sein eigenes 
Geschaft und war einer der besseren Wiener Geigen- 
macher aus der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts. 



Biza — ' Blanchi 



47 



Er studierte die Itallener mit Erfolg, besafi sclbst eine 
auserlesene Sammlung echter italienischer Geigen und 
kopierte mit groBer Treue. 1873 erhielt er eine Ver- 
dienstmedaille. Aufier Violinen baute er auch alle 
anderen Streichinstrumente, selbst eine Viola d'amore 
und Zithern, besonders aber sehr gute Violoncelli, von 
denen manche auch noch durch ihren schonen, fetten 
OUack hervorragen, und die jetzt sehr gut bezahlt 
werden. Eine Streichzither von ihm bewahrt die 
Sammlung dcs Briisseler Konservatoriums. Seine 
Frau Marie war eine Zitherlehrerin. Das Geschaft 
wurde kurze Zeit von seinem Sohne Th. Bittner fort- 
sresetzt, dann an den Musiker Hans Graf verkauft und 
bald aufgelost. 
Geigenzettel: Abb. 30 und 31 (Brandmarke Nr. 14). 

Biza, Giovanni Battista. — Treviso. 1779 

Wenig bekannter Lauten- und Geigenmacher, der sich 
wohl hauptsachlich mit Ausbesserungsarbeiten be- 
schaftigt hat. 

Bizan. — Brussel. 1749 

Er wird als »luthier« bezeichnet; Geigen von ihm sind 
mir jedoch nicht vorgekommen. 

Bizey, Charles. — Paris. 1716 

Er wird zwar wiederholt fur einen Geigenbauer aus- 
gegeben, war aber Holzblasinstrumentenmacher in der 
Rue Dauphine und nannte sich ausdrucklich: Inven- 
teur de plusieurs instruments a vent. Falsch ist es, 
seinen Namen »Bizet« zu schreiben. 

Blacht s. Placht 

Black, John. — Edinburgh. 1893 
Neuerer schottischer Geigenmacher. 

Blahowetz, Josef. — Markneukirchen. Geb. in 
Ober-Schonbach i. B. 13. Juni 1857 
Handwerksmafiig arbeitender Geigenmacher, der fur 
Markneukirchener Handelshauser Geigen baut, die mit 
Zetteln »nach den Modellen« beklebt werden. Einige 
wenige besser ausgefiihrte Geigen tragen jedoch seinen 
eigenen Zettel. 

Blair, John. — Edinburgh. 1790. 1820 

Anfangs arbeitete er allein, spater mit Matthew Hardie 
zusammen, der wahrscheinlich sein Schiiler war. Blair 
war jedenfalls der Geschicktere von beiden. Zettel 
scheint er nicht verwendet zu haben, doch schrieb er 
manchmal seinen Namen in seine Arbeiten und ver- 
wendete eine Brandmarke J. B. Sein Spirituslack, der 
jetzt ziemlich braun aussieht, war urspriinghch gelb- 
Iich. Er arbeitete nach Stradivari. Brandmarke Nr. 32. 

Blair, Willie. — Abergeldie (Schottland). Geb. 

26. Okt. 1793 unweit Ballater, f daselbst 

12. Nov. 1884 

Urspriinglich em Zimmermann und trefflicher, bei 
Hofe angesehener Geiger, bekannt als »the Queen's 
Fiddler«. Er erhielt von Peter Hardie Anleitung im 
Geigenmachen und war nicht ungeschickt, hatte aber 
den Fehler, sein Geigenholz zu backen, wodurch er 
seine Arbeiten selbst ruinierte. 



Blaise. — Mirecourt. 1822 

Als Geigenmacher in keiner Weise hervorragend, war 
er doch ein verdienstvoller Lehrmeister; als seine besten 
Schiiler darf man die beiden Silvestre bezeichnen. Er 
war wahrscheinlich auch der Vater von Joseph Blaise in 
Genf. 

Blaise, Joseph (nicht Jules). — Genf. 1855. 
f 23. Okt. 1882 

Er kam um 1855 aus Mirecourt nach Genf, nachdem cr 
vorher eine Zeitlang bei den Briidern Silvestre in Lyon 
gearbeitet hatte. Er gab den Geigenbau bald auf und 
beschrankte sich mehr und mehr auf den Verkauf von 
Mirecourter Fabrikwaren, die er oft mit seinem Zettel 
versah. Auch als Reparateur war er ohne Bedeutung. 

Blaisot s. Mast 

Blanchard, Francois. — Mirecourt. Geb. 1796, 
f 1859 

Obwohl er gelernter Geigenmacher war, beschrankte er 
sich doch auf den Bau von Lauten und Gitarren. Sein 
Enkel ist Paul Bl. in Lyon. 

Blanchard, Paul -Francois. — Lyon. Geb. 
10. Febr. 1851 in Mirecourt 
Schiiler von Auguste Darte, arbeitete bei Daniel in 
Marseille und war dann sieben Jahre lang Gehilfe im 
Hause Silvestre in Lyon. Im Jahre 1876 griindete er in 
Lyon sein eigenes Geschaft und brachte es bald als ge- 
schickter Geigenmacher und Reparateur zu groBenr 
Ansehen. Seine Arbeit ist tadellos; schemes Holz und 
feiner, ambraroter, feuriger Lack von gesattigtem Aus- 
sehen zeichnen seme Instrumente, die sehr gut im Tone 
sind, aus. Er baut hauptsachlich nach Ant. Stradivari 
und Guarneri mit vielem Gliick, manchmal auch nach 
Amati. Er besitzt viele erste Preise und die Palme der 
Akademie, ist Geigenmacher des Konservatoriums in 
Lyon und ^President de la Chambre syndicale des 
instruments de musique« zu Lyon. Instrumente, die er 
ganz eigenhandig machte, tragen folgenden Zettel: 
Abb. 68; die in seiner Werkstatt unter seiner Leitung 
gebauten: Abb. 85; Geigen, die von anderen Geigen- 
bauern fur sein Geschaft gsemacht werden, tragen den 
Zettel: Abb. 82. 

Blanchi, Albert. — Nizza. Geb. in Nizza am 
25. Jan. 1871 

Schiiler seines Vaters Aug. Bl., dessen Werkstatt er 
1899 iibernahm. Er gilt als ein besonders geschickter 
Geigenmacher, der alle Arten von Streich- und Saiten- 
instrumenten verfertigt, vorzugsweise jedoch Violinen, 
die er nach eigenen Modellen baut und mit einern gelb- 
roten Ollack iiberzieht. Sehr beliebt sind auch seine 
Gitarren von 12 und 18 Saiten. 
Geigenzettel : Abb. 34. 

Blanchi, Augustin. — Nizza. Geb. 1 828 f 1 899. 
Tiichtiger Geigenmacher, der sich in den besten Werk- 
statten gebildet hatte und durch unablassiges Forschen 
zu schonen Erfolgen gekommen war. Geigen von ihm 
werden von Musikern sehr geschatzt. 



48 



Blaschke — Bodeni 



Blaschke, Ferdinand. — Glatz. Geb. zu 
Grafenort um 1775, f nach 1845 
Er lieB sich als Instrumentenmacher und Gastwirt im 
Jahre 1839 in Glatz nieder und besaB das Gasthaus 
Nr. 592, ist aber spater nacb Scheibe verzogen, wo er 
wohl auch gestorben sein diirfte. 

Blasich, Giovanni. — Triest. 1870. 1880 
Er war eigentlicb als Geigenmacher nur Dilettant und 
erhielt einige Unterweisung von Dollenz, doch sind 
seine Geigen nicht schlecht gearbeitet, wenn sie auch 
ganz ohne Eigenart erscheinen. 

Blasich, Ludwig. — Triest. 1881 

Vielleicht ein Sohn von Giovanni Bl. Er stellte 1881 in 
Triest zwei Violinen und ein Violoncello als Dilet- 
tantenarbeit aus, fur die er einegoldeneMedaille erhielt. 

Blasio, Raffaele di. — Neapel. 1 8. Jahrhundert 
Es kommen ab und zu Geigen mit seinem Namen vor. 
In der Arbeit unbedeutend, im Modell der Gagliani- 
Schule verwandi; der Lack ist glanzlos, von brauner 
Farbe. Er gehort moglicherweise derselben Familie an 
wie Nicolaus De Blosy (s. d.). 

Blass, Dr. — Mannheim. 1913 

Ein Liebhaber, der gute Geigen baut, die er auch u. a. 
einmal durch das Berliner Philharmonische Orchester 
mit Erfolg zu Gehor bringen lieB. 

Blaun, Carl Wilhelm. — Altona. 1840. 1847 

Hauptsachlich guter BaBmacher. 

Blavet. — La Ferte. 18./19. Jahrhundert 

Ein geschickter Kunsttischler, der als Wiederhersteller 
alter Geigen und Lauten einen gewissen Ruf besaB. 
Geigenzettel: Abb. 44. 

Bleich (Bley), Johann (Anton). — Schonbach. 

1805. 1810 

Einer der besseren Schonbacher Meister seiner Zeit, 
der zwar nicht immer schones Holz verarbeitete, aber 
gut klingende Geigen gemacht hat. 
Geigenzettel: Johann Bleich, Geigen- / und Instru- 
mentenmacher in / Schonbach, Anno 1805 (gedruckt). 

Blight. — Exeter 

Seinen Namen sah ich als Brandmarke auf dem Boden 
einer mittelmaBig gearbeiteten Violine. 

Blommesteyn (Blomster), Christoffel. — Ant- 
werpsn. 1550. 1558 

Er baute allerlei Saiteninstrumente; urkundhch ist er 
jedoch nur als Clavecinmacher nachweisbar, wie auch 
sein Bruder Martin Bl. 

Blosij s. De Blosy 

Blumenhagen, C. P. — Hannover. 1753 

Er hat im 18. Jahrhundert als Lauten- und Geigen - 
macher in Hannover gelebt. Eine Pochette Sourdine 
von ihm befindet sich in der Sammlung Galpin. 



Blunff, Richard. — London. 1604 

Das Verzeichnis der 1 759 im Haag versteigerten Selhof- 
schen Musikinstrumentensammlung fiihrt diesen viel- 
leicht falsch gelesenen Namen auf. 

Blyth. Williamson. — Edinburgh. Geb. 1821 
in Greenlaw, f Mai 1897 in Edinburgh 

Ein tiichtiger Musiker und Komponist, dessen Geigen 
— er hat iiber 2000 gemacht — sehr diinn sind und 
schwach klingen. 

Boccaber s. Buchanberg 

Bochem, Dierich. — Koln. 1668. 1673 

Wahrscheinlich der Stammvater der bekannten Kolner 
Lautenmacherfamilie, iiber die leider nichts zu er- 
mitteln war. Die kurkolnischen Archivalien wurden 
seinerzeit nach Darmstadt verbracht, und als sie nach 
PreuBen zuriickgehen sollten, weigerte sich die preu- 
fiische Regierung, die Kosten des Riicktransports zu 
tragen, infolge davon wurde dann ein groBer Teil der 
Aktenbestande einfach vernichtet. Eine von D. Bochem 
reparierte Laute befindet sich in der Herzogl. Kunst- 
und Altertumssammlung auf der Feste Koburg. Eine 
Laute mit der Brandmarke »DBM Collen « im Darm- 
stadter Museum (Nr. 484) ist ihm vielleicht zuzu- 
schreiben. Eine Diskantviola besitzt die Briisseler 
Sammlung. 

Geigenzettel : Dierich Bochem, in Colin. / neu renovirt 
Ao. 1673 (gedruckt). Brandmarke (Nr. 15). 

Bochem, Joannes. — Koln a. Rh. 1745. 1769 
Fleifiiger Lauten- und Geigenmacher und Reparateur. 
Er baute namentlich Violen, sehr groBes Patron, von 
italienischem Aussehen und gutem Ton. 
Geigenzettel : Joannes Bochem / Lauten- / und Geigen- 
macher in Collen 1 745 (gedruckt). — Joannes Bochem 
in / Colin renovatum 1769. (gedruckt). 

Bochem, Michael. — Koln. 1694. 1729 

Vielleicht ein Sohn Dierichs und der Vater Johanns. 
Ein geschickter und vielbeschaftigter Lautenmacher, 
von dem das Germanische Museum in Niirnberg eine 
Zither aus dem Jahre 1728, die staatl. Sammlung alter 
Musikinstrumente in Berlin eine fiinfchorige Zither 
mit ovalem Schallkasten von schoner Arbeit besitzt. 
Eine ahnliche von 1728 hat Fr. Wildhagen in Halensee 
bei Berlin. Den Wirbelkasten schmuckt ein Frauen- 
kopfchen. Eine Laute von 1724 wurde in Koln 1883 
bei Heberle versteigert. Zwei andere lnstrumente (von 
1694 und 1720) besitzt dasGroBherzogliche Museum in 
Darmstadt (Nr. 487 und 498). 

Geigenzettel: Michael Bochem in Collen 1728 (ge- 
druckt). — Michael Bochem, Lauten und geigen- 
macher/ In Collen Anno 1720 (gedruckt). 

Bocquay s. Boquay 

Bodeni, Luigi (Aloysius). — Venedig. 1719 

Seinem Zettel nach ein Dilettant, der »zum Zeitver- 
treib« ein Violoncello gebauj hat, seiner Arbeit nach 
aber doch ein geschickter Mensch, der mehr konnte als 
mancher berufsmaBige Geigenmacher. 
Geigenzettel: Abb. 63. 



Bodio — Bogdanovics 



49 



Bodio, Gennaro. — Venedig. 1740 

Ein Meister dritten Ranges, von dem es jedoch einige 
gute Violinen gibt, die freilich ohne Eigenart sind. 

Bodio, Giambattista. — Venedig. 1790. 1832 

Vielleicht ein Sohn Gennaros und dessen Schiiler. Ein 
tuchtiger, aber wenig bekannter Meister. Sein Lack ist 
fur seine Zeit noch sehr gut. Pietro Val. Novello ist 
einer seiner Schiiler gewesen. Ein Quartett von ihm aus 
dem Jahre 1813 besafi ein Antiquar in Korfu. Statt der 
Schnecke hatten die Instrumente am Wirbelkasten 
Widderkopfe, deren Horner in Schneckenlinien ver- 
liefen. Der rotlich-gelbe Lack erinnerte an Gagliano. 

Geigenzettel : Gio: Battista Bodio fecit / Venezia. 1800 
(gedruckt). 

Body, Otto. — Innsbruck. Geb. 1857 in 
Debreczin 

Im Alter von drei Jahren kam er mit seinen Eltern nach 
Bezau in Vorarlberg, erlernte in Mittenwald, dem 
Heimatsort seiner Mutter, bei Johann Neuner den 
Geigenbau und kam als Gehilfe 1875 zu J. Gschwenter 
nach Innsbruck. Einige Jahre spater machte er sich 
selbstandig. Er baut hauptsachlich Zithern und Gitar- 
ren und repariert Geigen. Gegenwartig arbeitet er zu- 
sammen mit seinem Sohne. 

Bock, Johann Georg. — Wolfelsdorf. 19. Jahrh. 
Vielleicht ein Schiiler Ignatz Hoffmanns. Er hatte ein 
ungewohnlich langes Modell mit wenig hervortretenden 
Ecken. Die F-Locher sind groB und weit geschnitten, 
der Lack ist gelblich. Seine Arbeit ist gut, eigenartig 
und interessant. Eine schone Geige von ihm besitzt 
Pfarrer Nurnberger in Kaditz bei Dresden. 

Geigenzettel: Johann George Bock, Lauten- / Geigen- 
und Harfenmacher in / Wolfelsdorf 18 . . (gedruckt). 

Bocklin, Dr. Frhr. v. — Rufi (?). Um 1810 
Ein Musikliebhaber und Erfinder, der eine Tenorgeige 
»Tenorotta« erfunden hat, die gro6er als eine Bratsche 
war und um acht Tone tiefer als die Geige gestimmt 
wurde. 

Bogenholz, H. sen. — Detmold. Geb. 1834 
Ein Musiker, der auch Instrumentenmacher ist und 
seit 1874 und noch in seinem 83. Jahre Geigen gebaut 
hat. 

Geigenzettel: H. Bogenholz / Detmold 1880 (geschr.)- 

Bohm, Franz. — Budapest. 1804. 1805 

Ein trefflicher Geigenmacher, dessen Werke jetzt viel- 
fach mit italienischen Meisterzetteln versehen im 
Handel vorkommen sollen. Dr. J. Geyer erwahnt eine 
seiner Geigen, die mit einem Guadagninizettel ver- 
sehen ist. Bei der Offnung des Instruments fand man 
auf der Innenseite der Decke mit Bleistift die Inschrift 
»Verfertigt von Franz Bohm in Pesth 1804«. 

Geigenzettel: Franz Bohm GeiVenmacher / in Pesth 
Anno 1804 (gedruckt). 
v. Lutgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Botlandt, Johann Christian. — KlingenthaL 

18. Jahrhundert 

Die Familie schreibt ihren Namen jetzt Pohland. 
Geigen von ihm kommen nicht haufig vor und unter- 
scheiden sich durch nichts von denen seiner Vogtlander 
Zeitgenossen. 

Geigenzettel: lohann Christian Boelandt / Violin- 
macher in Klingenthal 17 . . (gedruckt). 

Boelandt s. auch Pohlandt 

Bollinger (Bollinger), Joseph. — Steyr. 1819 
Wahrscheinlich Schiiler oder Mitschiiler von Meinrad 
Frank, mit dessen Arbeit die seine ganz merkwiirdig 
iibereinstimmt. 

Geigenzettel : Joseph Bollinger fecit / Steyr. anno 1819 
(gedruckt). 

Boningk, Johann Adolph. — Gohringen. (Got- 

tingen?) 1664 

Bisher nur als Reparateur einer Laute des Stra6burger 
Meisters Jonas Stehelin in \V. Heyers Musikhisto- 
rischem Museum in Koln bekannt. 

BoB (oder HoB), Maximilian. — Wien. 1763. 
1789 

Seinen Namen findet man nur selten in nicht besonders 
sorgfaltig gebauten Instrumenten. Er scheint auch das 
Biirgerrecht nicht erworben zu haben, da er weder in 
den Steuer- noch in den Biirgerlisten vorkommt. 

Bottcher, Gottfried. — Altenroda. 1846 
Seiner Arbeit nach ein Dilettant. 
Geigenzettel: Repare Gottfried / Bottcher in Alten- 
roda / 1846 (geschrieben). 

Bofili (Bonfili), Salvadore. — Barcelona. 1 738 

Soil Guarneri nachgeahmt haben ; mir war jedoch nicht 
moglich, diese Angabe zu iiberpriifen. 

Bogaerde, Gisbert van den. — Antwerpen. 

Geb. in Gent 

Sohn von Josse v. d. B. Wurde 1558 in die Gilde, 1559 
zum Burger aufgenommen und ist nur als Clavecin- 
macher bekannt, hat aber, wie alle seine Berufsgenossen, 
auch Zithern und Lauten gebaut. 

Bogdanoffski, A. N. — St. Petersburg. 1880 
Seine Geigen sind handwerksmafiig gebaut; haufig 
fehlt ihnen Rand und Einlage. Statt der Lackierung 
zeigen sie eine Art Mobelpolitur. 

Geigenzettel : (Russischer Adler) A. N. Bogdanoffski / 
St. Petersburg. 

Bogdanovics, Stephan (Istvan). — Budapest. 

1865 

Ist nur kurze Zeit nachweisbar, soil aber recht geschickt 
gewesen sein. 

Geigenzettel: Keszitette Bogdanovics Istvan / Pesten 
1865 (geschrieben). 

4 



50 



Boghart — Bolli 



Boghart, Hayne (Helnrich). — Briissel. 1436 
Lautenmacher, von dem bekannt ist, daB er gute Leiern 
baute. Er wird als »faiseur de bas instruments* in Ur- 
kunden bezeichnet. Vielleicht ein Vorfahr von Gisbert 
van den Bogaerde, der 1558 in die Antwerpener Lucas- 
gilde als Clavecinmacher aufgenommen wurde. 

Bogner, Ambros. Joseph. — Prag, spater Wien. 
Geb. 12. Febr. 1752 in Hayd (Bohmen), 
f 22. Sept. 1816 in Wien 

Er baute auch Lauten, war bis 1792 in Prag ansassig 
und siedelte dann nach Wien iiber, wo er in der Stadt 
Nr. 976 seine Werkstatt eroffnete und am 1 7. Aug. 1 792 
den Biirgereid ablegte. Seine Geigen, die jedoch selten 
vorkommen und nicht sonderlich hoch bewertet wer- 
den, sind gut gearbeitet und haben schones Decken- 
holz; weniger schon ist der Boden, die Schnecke 
schwungvoll, aber nicht sehr sauber ausgestochen, die 
Wolbung von mittlerer Hohe, der Lack dunkel, sprode 
und undurchsichtig. Er war einer der ersten in Wien, 
die zu einem breiteren, flachen Modell ubergingen. 
Geigenzettel : Ambrosius Josephus Bogner , fecit 
Viennae. Anno 1807 (gedruckt) und Abb. 43. 

Bohmann, Joseph. — Chicago 111. Geb. 
23. Okt. 1848 zu Neumarkt in Bohmen 

Schiiler seines Oheims. Machte sich zuerst in Bohmen 
selbstandig und ging um 1873 nach Amerika, wo er seit 
1876 in Chicago ansassig ist. Seine Geigen fanden auch 
auf europaischen Ausstellungen Anerkennung. Heute 
besitzt er ein bedeutendes Musikgeschaft in Chicago 
und fertigt hauptsachlich Geigen (nach alien italie- 
nischen Meistern), die er mit Bernsteinollack iiberzieht. 
Er besitzt auch ein e'genes Modell, das zwischen dem 
des Maggini und des Guarneri Iiegt. Er verwendet das 
zum Geigenbau sehr geeignete kanadische Gebirgsholz 
und baut auch vorziigliche Gitarren und Mandolinen, 
sowie Bogen, an denen er am Frosch ein gut passendes 
Daumenloch anbringt. 
Geigenzettel: Abb. 41. 

Boissart. — Paris. 1606 

Lauten- und Geigenmacher, von dem nur wenig mehr 
als der Name erhalten ist. 

Boiteux, Claudius. — Munchen. 1786. 1799 

Er stammte aus Mirecourt, wo er von 1 773 bis 1 779 
nachweisbar ist. Im Jahre 1786 liefi er sich in Munchen 
nieder und erhielt sehr bald die Arbeiten fur die Hof- 
kapelle, da man mit Gregor Sidtler nicht zufrieden 
war; er erhielt auch den Hoftitel und wird im Hof- 
kalender fur 1799 noch als Hoflautenmacher aufge- 
fiihrt, er hat aber Munchen schon Ende 1798 oder An- 
fang 1799 wieder verlassen. Geigen von ihm sind mir 
nicht bekannt geworden; er scheint hauptsachlich mit 
Ausbesserungen beschaftigt gewesen zu sein. 

Boivin, Claude. — Paris. 1730. 1754 

Unter den Pariser Lautenmachern war er sehr ange- 
sehen und wurde geschworener Zunftmeister fur 1752. 
Er nannte seine Werkstatt »a la guitarre royale« und 
war hauptsachlich Gitarrenmacher, doch kommen ver- 



einzelt auch Violen und Viohnen von ihm vor; auch 
Brum hat eine Gamba dieses Meisters von 1735 inven- 
tarisiert. Er wohnte bis 1732 Rue de Grenelle St. 
Honore, dann Rue Ticquetonne und zog um 1749 nach 
der Rue de la Poterie Nr. 10. Seine Arbeit ist gut, nur 
in bezug auf die Dicke ungenau. Sein Lack ist blafi, 
meist rotlichbraun. Aufter seinem Zettel findet man 
auch seine Brandmarke. Eine sehr hiibsche Gitarre von 
ihm bewahrt das Museum des Pariser Konservatoriums 
(Nr. 273). Eine schone siebensaitige Basse de Viole 
d 'Amour von 1734 befindet s:ch in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Koln. 
Geigenzettel: Abb. 66 und 67. 

Boldizsar, Stephan (Istvan). — Budapest. Um 
1865 geb. in Szegedin 

Schiiler seines Schwagers Nemessanyi. Er gab das 
Geigenmachen aber nach kurzer Zeit auf, um Berufs- 



oldat : 



erden. 



Bollecker, Felix s. Enel 
Boldrini, Ovidio. — Salo. 1864 

Ein Instrumentenmacher in der Heimat des groBen 
Gasparo: m seinenwenigen Werken ist von dem Genius 
loci kein Hauch mehr zu verspiiren. 

Bolelli, Pietro. — Bologna. 19. Jahrhundert 

Ein ausgezeichneter Orchestergeiger und spater Im- 
presario von Theaterunternehmungen (z. B. des Teatro 
communale in Bologna). Aus Liebhaberei beschaftigte 
er sich auch mit dem Geigenmachen und versuchte sich 
als Reparateur, ohne darin etwas zu leisten. Da ihn 
Valdrighi (389) aufzahlt, sei er hier auch erwahnt. 

Boiler, johann Adolf. — Frankfurt a. M. 1 670 

Er stammt vielleicht aus Mittenwald und ist bis jetzt 
nur durch eine sehr niedliche Pochette mit Ebenholz- 
und Elfenbeineinlegearbeit, die sich in Berlin in der 
staatl. Sammlung alter Musikinstrumente (Nr. 781) be- 
findet, bekannt. Der Korper besteht aus neun Spanen 
mit Elfenbeinnppen ; C-Locher. In Frankfurt lebte 
1662 ein Kramer Johann Adolf Boiler, der als »Biirger- 
sohn« bezeichnet wird. Er diirfte der Sohn unseres 
Lautenmachers gewesen sein. 

Boiler s. Poller 1 ) 

Bolles. — London. 1600. 1620 

Th. Mace bezeichnet lhn als einen der beriihmtesten 
englischen Violen- und Lautenmacher seiner Zeit und 
schatzte den Wert einer Bafiviola dieses Meisters schon 
damals (1676) auf 100 £. Sehr bedauerlicherweise 
scheinen sich gerade von ihm keinerlei Arbeiten er- 
halten zu haben. 

Bolli. — Neapel. 1897 

Besserer italienischer Geigenmacher, der nach alten 
Vorbildern arbeitet. 



2 ) Die Mittenwalder Mitglieder dieser Familie ' 
schwankten im 18. Jahrhundert in der Schreibweise 
zwischen B und P, jetzt schreiben sie sich ausschliefilich 
Poller. 



Bolmon — Bono 



51 



Bolmon, Johannes. — ? 1683 

Vermutlich zur Familie Pollmann (Pohlmann) gehorig. 
Ein Simon Pollmann (s. d.) wurde 1696 Meister in 
(Mark)neukirchen und war wahrscheinlich aus Bohmen 
dort eingewandert. Von »Johannes Bolmon « befindet 
sich eine Gitarrelaute im Konservatonum in Brussel 
(Nr. 268). 

Geigenzettel : Johannes Bolmon, Laute- und Geigen- 
macher, 1683 (gedruckt). 

Bolt. — London 

Ein Dilettant, der einige Gitarren nach Galbuseras Mo- 
dell gebaut haben soil. 

Boltze. — Elberfeld. 1890 

Ein Hoboist und leidenschaftlicher Geigenliebhaber, 
der alte Geigen mcht ungeschickt wieder instand zu 
setzen verstand. Er machte sichtliche Fortschritte und 
hatte mit der Zeit noch ein ganz guter Geigenmacher 
werden konnen, wenn er nicht schon mit 40 Jahren ge- 
storben ware. 

Bomberghi, Lorenzo. — Florenz. 17. Jahrh. 

Sohn des Giovanni B. Ein florentmischer Violen- 
macher von wenig Ruf. Einige vermuten, da6 er von 
deutscher Abstammung war und da8 sein Vater viel- 
leicht aus Bamberg eingewandert sei. Er soil 1670 noch 
gelebt haben. 

Bombino, Domenico. — Villafranca (Piemont). 
1720. 1730 

Moglicherweise ein Schuler G. Cappas, unter dessen 
EinfluB seine Arbeit steht. die im ganzen doch nur als 
mittelmaBig bezeichnet werden kann. 



B 



ome, 
1808 



The 



Versaille 



1788. 



Ein vornehmer Dilettant, der einige Geigen von un- 
gleichem Wert gebaut hat. Eine solche aus dem Jahre 
1790 von recht gewohnlicher Arbeit besitzt das Pariser 
Konservatonum (Nr. 24). Besser sind jene Geigen, die 
er bestimmten Personen widmete. Aufier seinem Zettel 
(von verschiedenem Wortlaut) brachte er auch ein 
Schildchen mit den Buchstaben T. B. V. an. Seine 
Zettel spiegeln die Zeit, in der er lebte, charakteristisch 
wieder : 1 788 nennt er sich noch M. de Borne, Chevalier 
de St. Louis, 1790 nur noch kurz Thomas Borne und 
1803 la6t er Taufnamen und sogar den Ort weg. 
Geigenzettel : Fait par M. de Borne , Ch 1 ^ de St. Louis 
Versailles 1 788, Donne a M. de Macusan (gedruckt). — 
Thomas Borne, Versailles 1790 (gedruckt). — Borne 
1803 (gedruckt). Brandmarke: Nr. 73. 

Bomini, Carlo. — Cremona. 1715 

In einer nach Stradivari gebauten Geige fand sich sein 
Zettel, doch gelang es mir nicht, Urkundliches iiber ihn 
zu ermitteln, obwohl er sich als einen Schuler Stradi- 
varis bezeichnet. 

Geigenzettel: Carolus Bomini, Discipulus Antonij 
Stradivarij Cremonen- t sis 1715 (gedruckt). 



Bonafon, Nicolas. — Paris. 18. Jahrhundert 
Eine Viola, die dem Aussehen nach dem Anfange des 
18. oder Ende des 17. Jahrhunderts angehort haben 
diirfte, trug den Zettel: Abb. 49. 

Bonardi, Domenico. — Modena. 1728 
Sein Name fand sich auf einem Reparaturzettel. 

Bonazza, Domenico. — Tnest. 1880 

Ein Bassist aus Fnaul, der gegen 1880 zu Gius. Dollenz 
kam und von lhm im Geigenbau unterwiesen wurde. 
Er baute sowohl Geigen als Celli und Basse und ver- 
wendete braunschwarzen Lack. Die Arbeit ist ziemlich 
gut, der Ton aber unbedeutend. 

Bongars, Simon. — Paris (?) 1655 

Eine sechssaitige BaBviola aus der Sammlung Bricque- 
ville tragt seinen Namen und Datum. 

Bonichi, Francisco. — Cadix 

Nur als Gitarrenmacher bekannt. 

Bonn, J. Edwin. — Brading, Isle of Wight. 
Geb. 28. Marz 1851 in Fermoy (Irland) 
Urspriinglich fur den arzthchen Beruf bestimmt stu- 
dierte er erst Chemie, bevor er sich dem Geigenbau 
zuwandte, den er dann regelrecht erlernte. Er arbeitet 
mit Geschick nach Stradivari und nach einem eigenen 
Modell und wurde auch als Erfinder eines vierfiiftigen 
Steges bekannt. Seine Biographie veroffentlichte Mere^ 
dith-Morris in der Zeitschrift »The Strad« Nr. 123. 
Geigenzettel: J. Edwin Bonn . Brading, Isle of Wight 
(gedruckt). 

Bonnel aine. — Rennes. 1820. 1852 

Besserer Geigenmacher, der auch als Reparateur einen 
gewissen Namen hatte. 

Geigenzettel : Reparee chez Bonnel, Luthier. A Rennes 
(185.) (gedruckt). 

Bonnel jeune. — Rennes. 1855 

Sohn und Schuler von Bonnel aine und sowohl im 
Neubau wie als Reparateur tiichtig. Seine Geigen sind 
sorgfaltig durchgefuhrt und haben rotlichen Lack. Be- 
sonders gut sind seine Gitarren. Die Firma heifit jetzt 
Bossard & Bonnel. 

Geigenzettel: Repare chez Bonnel jeune Luthier 
facteur , Musique etc. 1855 Rennes. (gedruckt). 

Bonnici, Francesco. — Pans. Geb. urn 1842 
auf Malta 

Seit 1 865 Arbeiter bei Gand und Bernardel, der mehrere 
goldene Medaillen fur Mitarbeiter in Brussel 1897, in 
Paris 1889 und 1900 erhielt. Seit 1901 verbringt er 
semen Lebensabend in Nogent. 

Bono, Gaetano. — Venedig. 18. Jahrhundert 
Einer der weniger bekannten Venezianer, dessen Ar- 
beiten gleichwohl nicht schlecht sind. 

4* 



52 



Bonoris — Borlon 



Bonoris, Cesare. — Mantua. 1568 

Wahrscheinlich aus Dardellis Schule hervorgegangen. 
Seine Violen sind gut gearbeitet. Eine Viola da Gamba 
von ihm besitzt Valdrighi. 

Bontemps, Nicolas. — Lyon. 1507. 1517 

Als »faiseur d'instruments« oder »de manicordions« 
bezeichnet. Er wohnte im Quartier du port du temple. 
Vg]. Coutagne, Duiffopruggar. — Ein Dominique 
Bontemps kam noch 1773 bis 1776 in Mirecourt als 
Bogenmacher vor. 

Bonvicini, Filippo. — Spilamberto (?). 1790. 
1796 

Er wird von Valdrighi zwar erwahnt (408), doch ist sein 
Name in Spilamberto ganzlich unbekannt. 

Bopel s. Popel 

Boom (Boon), Pierre. — Briissel. 1758. 1779 
Ein Genosse von Gilles Michiels bei der Hofkapelle, 
»Bourgeois et habitant de Bruxelles«, wie er sich selbst 
nennt; er war ein geschickter Lautenmacher, von dem 
es auch einige gute Violinen gibt. Ch. Bosselet (in 
Belgien) besitzt ein Alto aus dem Jahre 1 778, und bei 
CI. Snoeck befand sich eine Violine aus dem Jahre 1 779 
von ihm. 
Geigenzettel : P. Boom me fecit. Bruxelles 1778 (gedr.). 

Booth, Joseph. — Manchester. 1889 

Seine Geigen sind zwar ohne Eigenart, aber gut ge- 
arbeitet und klingen nicht schlecht. 

Booth, William (I). — Leeds. Geb. urn 1779, 
f gegen 1858 

Urspriinglich Friseur, verlegte er sich seit 1809 auf den 
Geigenbau und erlangte als Reparateur eine aner- 
kennenswerte Geschicklichkeit. 
Geigenzettel: Wm. Booth, maker, Leeds 1828 (gedr.). 

Booth, William (II). - Leeds. Geb- 1816, 
t I.Mai 1856 

Sohn von Will. B. 1, aber nicht dessen Schiiler. Er 
machte sich bereits mit 22 Jahren selbstandig und be- 
rechtigte zu groflen Hoffnungen, starb aber, bevor er 
zur vollen Entwicklung gekommen war. In Burnley 
(Lancashire) lebte noch am Ende des 19. Jahrhunderts 
ein Booth als Geigenmacher. 

Boquay, Jacques. — Pans. Geb. zu Lyon, 
lebte von 1700 bis nach 1736 in Paris 
Vermutlich ein Mitschuler von Pierray, dem er in 
seiner Arbeit zwar nicht gleichkommt, aber ahnlich ist. 
Er gehort zu den besseren franzosischen Geigen- 
machern, und einzelne seiner Nachahmungen Hier. 
Amatis (kleines Modell) sind ihm recht gut gelungen, 
nur stellt er die F-Locher manchmal etwas zu schrage. 
Sein fast stets rotbrauner, nur manchmal ins Gelbliche 
spielender Ollack ist sehr durchsichtig und verdient 
alles Lob. Der Ton seiner Geigen ist etwas dick, aber 
kraftig. Wahrend er (nach seinen Zetteln) im Jahre 1718 
noch in der Rue de la Juiverie wohnte, gibt er 1719 be- 



reits die Rue d'Argenteuil als seine Adresse an. Instru- 
mente von ihm finden sich in verschiedenen Samm- 
lungen, so in Paris eine Violine und ein Violoncell. 
Geigenzettel : Abb. 29 und 87. 

Borbon (Bourbon), Gaspar. — Briissel. 1673. 

1702 

Er wird in der Liste der Hofkapelle von 1 673 bereits als 
»reparateur des instruments« aufgefiihrt und war wahr- 
scheinlich ein Sohn Peter Borbons. Seit 1701 schreibt 
er seinen Namen auch Bourbon. Seine Arbeit erinnert 
ein wenig an den Stil Gasparo da Salos; die F-Locher 
sind weit geoffnet, im ubrigen verraten sie eine ge- 
schickte Hand; auch der gelbe, hellbraune oder rote 
Lack ist nicht gerade schlecht. Eine Violine von ihm 
vom Jahre 1691 besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museum in Koln. 

Geigenzettel: Gaspar Bourbon 1702 (gedruckt) und 
Abb. 92. 

Borbon, Peeter. — Briissel. 1636. 1641 

Er war Hoflautenmacher, in seiner Art ein sehr ge- 
schickter Meister. Vgl. v. d. Straeten, B. V. 137. Eine 
sechssaitige BaCviola aus der Sammlung Snoeck be- 
findet sich in Berlin. 
Geigenzettel : Peeter Borbon tot Brussel (gedruckt). 

Borelli, Andrea. — Parma. 1720. 1746 

Tiichtiger Nachahmer von L. Guadagnini. Grofies Mo- 
dell, gelber, gelbbrauner oder brauner schoner Lack 
und guter Ton zeichnen seine Arbeit aus, so dafi seine 
Violinen bereits vor dem Kriege den Preis von 1 000 M., 
seine Violoncelli von 1500 M. erreichten. Eine Violine 
mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1 736 wurde am 
2. Mai 1917 bei Lepke in Berlin versteigert. 
Geigenzettel: Abb. 80. 

Borelli, Antonio Cesare. — Parma? 1792 

Vielleicht ein Sohn Andreas. Sein Modell ist groB, der 
Lack von bernsteingelber Farbe, die Arbeit jedoch 
ziemlich sorglos durchgefuhrt. 

Borgia, Antonio. — Mailand . 1 769 

Seine Arbeit erinnert an Testore, hinter dem er freilich 
noch wesentlich zurikkbleibt. 

Geigenzettel: Antonius Borgia me fecit / In Milano, 
anno 1769 (gedruckt). 

Boriero, Alfonso. — Malo (Vicenza). 1 9. Jahrh. 
Er macht Geigen und Violen nach alten Vorbildern, 
ohne Grofies zu leisten. Auch in Schio lebte gleichzeitig 
(noch 1891) ein Geigenmacher Boriero. 

Bono, Francesco Antomo. — Asti und Cuneo 
(Coni). 1737 

Einige mittelmafiige Geigen tragen seinen Namen; 
auch Valdrighi (4045) erwahnt ihn. 

Borlon (Burlon, Porlon), Aert (Artus oder 
Arnold). — Antwerpen. 1579 
Er wurde 1579 als Zithermacher (cyetermaker) in die 
Gilde aufgenommen. 



Borlo 



Botin 



53 



Borlon (Porlon), Francis. — Antwerpen. 1645 
Als Lautenmacher stand er in hohem Ansehen. Eine 
schone, grofie Viola von ihm besitzt die St. Jakobs- 
kirche in Antwerpen. 

Geigenzettel : Francis Borlon tot Antwerpen / op de 
Cathelyne Vest (gedruckt). 



Borlon (Porlon), Jan. 
1680 

Vielleicht ein Sohn von Francis oder Peeter B. Man 
kennt einen Ba6 von ihm, dessen Arbeit nicht gerade 
bemerkenswert ist. 
Geigenzettel : Joannis Borlon / tot Antwerpen (gedr.). 



Bosi (Basi), Florianus. — Bologna. 1 756. 1 782 
Er baute vorzugsweise Lauten und Mandolinen und 
liebte es, die Halse mit Elfenbeineinlagen zu verzieren. 
Eine seiner Lauten war in der Sammlung Cavallieri in 
Ferrara. Eine romische Mandoline von ihm aus der 
Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin. 

Geigenzettel: Florianus Bosi in via / S. Mamoli- 
Antwerpen. 1670. Bonon.* / Fecit 1756 



Bossard, Louis s. Desjardins 
Bossard & Bonnel. — ■ Rennes. 1900 

Geigenmacher, Handler und Reparateure der Gegen- 
wart. 



Borlon (Porlon), Peeter. 
1647 

Vielleicht ein Sohn von Aert B. Er baute 1647 fur den 

Kirchenchor der Kathedrale in Antwerpen einen noch 

heute erhaltenen Kontrabafi. 

Geigenzettel : Peeter Porlon tot Antwerpen fecit / 1 647 

(gedruckt). 



Antwerpen. 1636. Bossart, Rudolf. — Augsburg. Geb. uml561. 
1625 

1m Augsburger Meisterregister von 1615 wird er als 
Lautenmacher, 54 Jahre a!t, angefiihrt. Erwahnt wird 
er ferner im Meisterregister von 1619 und im Steuer- 
buche von 1625. Er war vielleicht der Vater Jacob 
Bossarts, der sich jedoch Bosshart schrieb. 



Verica (Fngnano). 



Bortolotti, Giovanni. 
1884. 1894 

Seine Basse werden gelobt. 

Bortolotti, Luigi. — Mailand. 1815 

Wenig bekannter Geigenmacher, der aus einer guten 
Schule hervorgegangen ist, sauber arbeitete und gelben 
Lack gebrauchte. Haufiger kommen Gitarren usw. von 
ihm vor. A. Gautier in Nizza besitzt eine sorgfaltig 
durchgefiihrte Zither von ihm mit der Brandmarke: 
Luigi Bortolotti / 1815. 

Bosch s. auch Posch 

Bosch, Hans. — Kassel. Geb. 15. April 1881 
in Thannhausen a. d. M. (Bayern) 

Ein Architekt, hervorragender Raumkiinstler, der als 
leidenschaftlicher Musikfreund sich schon in friiher 
Jugend mit dem Bau von Musikinstrumenten befafite, 
was auch sein Vater, der als Altarbauer und Tischler- 
meister die notige Handfertigkeit von vorneherein be- 
saB, schon tat. Seine Studienjahre und seine Berufs- 
tatigkeit nahmen ihm wohl langere Zeit dieGelegenheit, 
seiner Liebhaberei nachzugehen, dann kam der Kneg, 
an dem er, als er nicht mehr felddienstfahig war, als 
Bauingenieur bei der Heeresbauverwaltung teilnahm, 
aber sobald er wieder einige freie Zeit hatte, kehrte er 
mit erneutem Eifer an den Werktisch zuriick, und, 
angeleitet durch Wettengels Buch, und durch sorg- 
faltiges Studium alter Geigen und zahllose Versuche 
und Voriibungen geschult, begann er seine erste Geige 
zu bauen. Mit rastlosem Eifer arbeitete er weiter und 
brachte es schliefilich so weit, dafi seine Arbeiten jetzt 
den Vergleich mit jeder neuen Geige eines zunftgerecht 
ausgebildeten Geigenbauers aushalten und sich auch 
durch grofien, edlen Ton auszeichnen. 
Geigenzettel: Johannes Bosch /Thannhausen a. d. M. 
Bayern (gedruckt). 



Bosshart (Bossart), Jacob. 

1640 



-Augsburg. 1625. 



Im Augsburger Steuerbuche wird er zuerst als Jacob 
Bossart ohne Angabe des Berufs im Jahre 1625 erwahnt. 
Von ihm haben sich noch einige Geigen erhalten, die 
durch hohe Wolbung, hohe Zargen und kurze Ecken 
auf fallen. Er hatte sein eigenes Modell, arbeitete sorg- 
faltig und nahm gutes Holz und feurigen, durchsichtig- 
rotgelben Lack. Die F-Locher schmtt er parallel mit 
den Jahren. In der Sammlung Fritz Wildhagens in 
Halensee b. Berlin befindet sich ein sehr schon ge- 
arbeiteter, mit Elfenbeinstreifen eingelegter Chitarrone 
von ihm v. J. 1629. Der Korper des Instruments ist aus 
Zypressenholz. 

Geigenzettel: Jacob Bofihart / in Augspurg 1626 (ge- 
druckt). 

Botelli, Angelo. — Neapel. 1857 

In seinen Violinen spurt man noch die Nachwirkung 
der guten neapolitanischen Werkstatt-Tradition. 

Bothe. — Berlin. 1787 

Ein Instrumentenmacher dieses Namens wird als Er- 
finder einer chromatischen Harfe genannt und soil auch 
Gitarren nach eigenen Grundsatzen gebaut haben. 

Bothwell, William. — Aberdeen. Geb. 1815 
in Aberdeen 

Nachfolger von John Young. Er machte nur billige 
Geigen und Violoncelh nach emem eigenen Modell. 
Das Holz ist gewohnlich unschon, die Einlage manch- 
mal aber recht kunstvoll. Er verwendete nie Zettel. 

Botin. — Chantilly. 1795. 1800 

Ein Geigenmacher dritten Ranges, der vielleicht in 
Mirecourt gelernt hat. 

Geigenzettel : Abb. 69. 



54 



Bott — Bourgard 



Bott, Johann. — Wien. Geb. um 1810, 
t 10. Marz 1881 

Ein geschickter Geigenmacher, der nur wenig neue, 
aber sehr schone Violinen gemacht hat, die nach Stra- 
divari und Amati gebaut sind und guten gelbbraunen 
Lack haben. Er soil nach seiner eigenen Angabe nur ein 
einziges Violoncello gemacht haben. Als Reparateur 
war er vielbeschaftigt und wegen seiner Sorgfalt ge- 
schatzt. Er hatte seine Werkstatt in der Burggasse bei 
St. Ulrich, wo jedermann den originellen kleinen Mann 
mit dem grofien grauen Kiinstlerhut kannte. Er ver- 
wendete nur geschriebene Zettel. 

Bottari, Ferdinando. — Pisa. 1849 

Ein Gitarrenmacher vom Anfang des 19. Jahrhunderts 
ohne bemerkenswerte Vorziige. 

Botti, Antonio. — Sassuolo (Modena). 1 9. Jahr- 
hundert 

Er wird bei Valdrighi (3689) erwahnt; man kennt nur 
einige Kontrabasse von ihm. 

Botze, Johannes. — Erfurt. 1687 

G. Siefert in Leipzig besitzt eine aus der Kirche einer 
Brtidergemeinde stammende Viola von ihm (Decke 
und Kopf sind neuere Arbeit) mit dem geschriebenen 
Zettel: Johannes Botze in Erffiirth ■' 1687. 

Boucher. — London. 1764 

Ein in England ansassiger Franzose, der sich durch 
nichts hervorgetan hat. 

Bouillot, Jean Francois. — Mirecourt. 1778. 
1787 

Nur dem Namen nach bekannt. 

Boul, Simon. — ? 1786 

Eine gute Geige mit seinem Zettel fiihrt das Preisver- 
zeichnis von G. Withers auf (16 £). 

Boulanger, Nicolas. — Mirecourt. 1 727. 1 758 
Nur von A. Jacquot erwahnter Luthier. 

Boullangier, Charles. — London. Geb. 1823 
in Mirecourt, f Okt. 1888 

Nachdem er in Mirecourt ausgelernt hatte, ging er 1843 
nach Paris, arbeitete drei Jahre bei Vuillaume und drei 
Jahre bei Gand & Bernardel und wandte sich 1849 nach 
London, wo er bis 1856 fur Edw. Withers Geigen 
machte und dann seine eigene Werkstatt eroffnete. Er 
war sehr fleifiig, baute viele Geigen nach Stradivari und 
Guarneri und verwendete einen schonen, roten Lack. 
Besonders geschatzt sind seine Violoncelli. 

Boullangier, C. — London. 1889. 1900 

Wohl der Sohn und Nachfolger von Charles B. Er er- 
hielt fur seine Violmen und Violoncelli 1889 auf der 
Invention Exhibition eine silberne Medaille. 



Boumeester (Bouwmeester), Jan. — Amster- 
dam. 1637. 1689 

Einer der besten hollandischen Geigenmacher des 
17. Jahrhunderts, der sich durch besonders saubere 
Arbeit und guten, gelben oder gelbroten Lack aus- 
zeichnet. Er bevorzugte ein grofies Patron von mittlerer 
Wolbung und brachte am Wirbelkasten geschnitzte 
Kopfchen an. Er stand in hohem Ansehen, und das 
Selhofsche Auktionsverzeichnis fiihrt Violinen, Gam- 
ben und Violoncelli von ihm aus den Jahren von 16I4(?) 
bis 1675 auf (versteigert im Haag 1759). In der Samm- 
lung von Scheurleer sind zwei Violen von 1683 und 
1689 und bei Snoeck eine Bafiviola von 1667 (jetzt in 
Berlin). Auch auf der Ausstellung des Verbandes 
deutscher Geigenbauer in Leipzig im Jahre 1908 war 
eine Viohne dieses Meisters zu sehen, die den Arbeiten 
von Petrus Guarneri (Mantuae) zum Verwechseln 
ahnlich war. Es 1st daher wahrscheinlich, dafi die 
meisten seiner Arbeiten jetzt unter italienischer Flagge 
segeln. 

Geigenzettel: Jean Bcumeester /' Amsterdam 1667 (ge- 
druckt). — Abb. 76. 

Bourbon s. Borbon 

Bourbon, Nicolas. — Mirecourt. 1753. 1787 
Er gait als geschickter Meister und war mit Nicolas 
Vuillaume befreundet. Ein Francois Bourbon, der von 
1775 bis 1789 nachweisbar ist, war dagegen nach 
Jacquot nur ein mittelmafiiger Geigenmacher. 

Bourdet, Jacques. — Paris. 1750. 1752 

Er stammt wahrscheinlich aus Mirecourt (vgl. Bourdot) 
und scheint Instrumente aller Art gebaut zu haben. 
Seine Violinen sollen von sehr gewohnlicher Arbeit sein. 
Mir ist er nur als der Wiederhersteller eines Clavecins 
bekannt geworden. Von seinem Leben weifi man auch 
nur, dafi er 1751 geschworener Meister der Pariser 
Lautenmacherzunft war. 

Bourdot (Bourdet), Jean-Sebastien. — Mire- 
court. Geb. im Beginn des 18. Jahrhunderts, 
lebte noch 1 766 

Ein sehr geschickter Meister. Uber seine Lebenszeit 
gehen die Nachnchten weit auseinander. Wahrend 
Jacquot und Vidal das 18. Jahrhundert als seine Zeit 
nachweisen, setzen ihn andere ein Jahrhundert zuriick 
und lassen ihn 1620 leben, und wieder andere sagen, 
er sei 1530 geboren und habe 1555 in Pans gelebt. Man 
hat es da bestenfalls mit drei gleichnamigen Meistern 
zu tun. Andere Mitglieder der Familie waren: Claude- 
Francois B. (1 738. 1 745), Dominique B., der Bruder von 
Jean-Sebastien, der auch Orgelmacher war(l 732. 1748), 
sowie zwei Francois B., die 1785 und 1786 in den 
Zunfthsten vorkommen. 

Bourgard, Jean. — Nancy. 1775. 1786 

Er stammte aus Prag und war der Sohn des Johann 
Burghardt und der Catharina, geb. Baumgarten. Er 
kam in jungen Jahren zu Charptte nach Nancy, wo er 
seinen Namen franzosisierte und die Marianne Fanchon 
heiratete. Seine Geigen sind meist ohne Sorgfalt aus- 
gefuhrt und haben braunen Lack, doch gibt es auch 



Bourgeois — Bozzolo 



55 



bessere Arbeiten von ihm, die schonen, roten Lack 
zeigen. Er schloG sich der franzosischen Schule an und 
machte oder handelte wenigstens mit alien moglichen 
Saiteninstrumenten. 

Geigenzettel: Jean Bourgard maitre luthier a Nancy, 
rue de la Poissonnerie, n° 404 ; fait et raccomode / toutes/ 
sortes d'ouvrages de sa profession comme / guitares 
allemandes, guitares mechaniques, guitares / espagnoles, 
mandolines, luths, paradons a trente cordes / contre- 
basses, basses, violon d'amour, violons etc. (gedruckt). 
— Jean Bourgard, facteur d'instruments a Nancy 1 776 
(gedruckt). — F l . par moi /' Bourgard, facteur / d'instru- 
ments, rue f de la Poissonnerie a Nancy 1786 (ge- 
schneben). 

Bourgeois, Seraphin. — Genf. 1829 

Es war unmoglich, irgend etwas liber diesen Schweizer 
Geigenmacher zuerfahren. Ich kennenurdenfolgenden 
Zettel von ihm. Vielleicht hieB er Seraphin und war 
Burger zu Genf. 

Geigenzettel: Repare par Seraphin Bourgeois / a Ge- 
neve An 1829 (gedruckt). 

Bourguignon, Maurice. — Briissel. Geb. 
18. Sept. 1885 in Mattaincourt 
Schiiler von Georges Mougenot, dessen Nachfolger er 
im Jahre 1910 wurde. 

Bourlier, Jacques. — Mirecourt. 1770. 1790 

Bevor er sich selbstandig machte, arbeitete er eme Zeit- 
lang bei Charotte in Nancy, an dessen Art seine Geigen 
erinnern. Er verwendete einen Brandstempel Jacq. 
Bourlier. 

Bourlier, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1773. 
1785 

Er stand seinerzeit in einem gewissen Ansehen. Ar- 
beiten von ihm kenne ich nicht. Em Francois B., der 
1788 vorkommt, war vielleicht sein Sohn. 

Bourlier, Laurent I. — Mirecourt. Geb. um 
1737, f 1780 

Mehr konnen auch Vidal und Jacquot von ihm nicht 
sagen, da bisher keinerlei Arbeiten von ihm bekannt 
geworden sind. 

Bourlier. — Mirecourt. 1775. 1820 

Sohn von Laurent I B. Er baute hauptsachlich Kmder- 
geigen in Viertel-, halber und DreiviertelgroBe und 
war nicht ungeschickt. 

Bourlier, Laurent II. — Mirecourt. Geb. um 

1798, t 1878 

Ein Enkel von Laurent I. B. und wohl der Geschickteste 
aus seiner Familie, der sauber arbeitete und einen guten 
Ton erzielte. Einen Brandstempel mit seinem Namen 
brachte er innen am Boden an. 

Bourlier, Nicolas. — ■ Mirecourt. 19. Jahrh. 

Vielleicht der Bruder von Laurent 1 1 B. Auch er war 
nicht ungeschickt. Von ihm ruhren die Geigen her, die 
nur den Namen Bourlier als Brandmarke tragen. 



Bourse. — Paris. 1805 

Jacquot teilt seinen Namen nach einem geschriebenen 
Geigenzettel mit. 

Boury, A. — St. Quentin. 1867 

Neue Geigen von ihm sind mir nicht zu Gesicht ge- 
kommen. 

Geigenzettel : Repare par A. Boury Luthier a S* Quen- 
tin 1867 (geschneben). 

Boussu, Benoit-Joseph. — Eterbeek-Briissel. 
1750. 1780 

Einer der besseren belgischen Geigenmacher, der 
ziemlich gut und sauber nach Amati arbeitete und auch 
einen schonen, gelben Lack verwendete. Seine Werk- 
statt war in der Vorstadt Eterbeek, doch diirfte er, wie 
auch van der Straeten glaubt, in Briissel selbst einen 
Verkaufsladen besessen haben. Eine Geige von ihm 
mit charakteristischer Schnecke besaB C. C. Snoeck. 

Bovis, Francois. — Nizza. Geb. 1860 in Nizza 
Von 1874 — 1881 war er Schiiler von Nicolo Bianchi, 
dessen Werkstatt er nach dem Tode des Meisters iiber- 
nahm. Er arbeitet nach eigenem Modell und verwendet 
einen halbfetten Lack. Er ist Geigenmacher des Kon- 
zertorchesters von Monte Carlo. 
Geigenzettel: Abb. 77. 

Bowes, A. — Edinburgh. 1895 

Bekannt durch seinen Versuch, die Saiten der Geige 
paarweise anzubringen (ahnlich wie bei der Mandoline). 

Bowler, Arthur. — Islington-London. Geb. " 
12. Juli 1867 in Thame (Oxfordshire) 

Seine Mutter war die jiingste Schwester der Frau von 
Georges Chanot, so daB schon in friiher Jugend sein 
lnteresse fur den Geigenbau geweckt wurde; doch er- 
lernte er zunachst in der Werkstatt seines GroBvaters 
die Schreinerei. 1893 nach London gekommen, suchte 
er seinen Oheim Chanot auf und bot nach dem Tode 
desselben dem Sohne und Nachfolger seine Dienste an. 
J. A. Chanot nahm ihn auf drei Jahre in die Lehre. Hier 
kamen ihm seine Vorkenntnisse in der Holzbearbeitung 
sehr zustatten, und er machte schnelle Fortschritte. Er 
blieb bei Chanot bis 1899 und machte sich dann selb- 
standig. Bowler arbeitet ungemein sauber und baut 
seine Geigen hauptsachlich nach der »Messias« von 
Stradivari. Er verwendet einen dunkelorangeroten 
Bernsteinlack und wird als Klinstler geschatzt. Seine 
Biographie mit Bildnis, Geigenabbildung und Zettel 
veroffentlichte Rev. Meredith-Morris in »The Strad« 
(April 1900, Nr. 120). 

Geigenzettel : Arthur Bowler London, fecit 19.. (Kreis 
mit A. B.). 

Boyer, Alexis. — Mirecourt. 1773. 1789 

Ein Geigenmacher, dessen gleichnamiger Sohn 1783 
erwahnt wird. 

Bozzolo, Pietro. — St. Petersburg. Geb. um 

1830, f 9. Juli 1907 

Ein Mailander, der im Jahre 1862 als Chorist der 
italienischen Oper nach St. Petersburg kam. Den 



56 



Braslia — Brandner 



Geigenbau scheint er schon in seiner Heimat betrieben 
zu haben, und so verlegte er sich auch in Rufiland sehr 
bald ausschliefilich auf die Reparatur und den Handel 
mit alten italienischen Geigen. Er war als Kenner sehr 
geschatzt, lebte ungemein sparsam und hinterhefi bei 
seinem Tode ein groBes Vermogen. Sein schones Lager 
italienischer Streichinstrumente erwarb Jul. Heinr. 
Zimmermann, wahrend seine Werkstatt und seine 
reichen Geigenholzvorrate in den Besitz von A. J. 
Leman iibergingen. 

Braglia, Antonio. — Modena. 1 790. f um 1 820 
Besonders als Bogenmacher geschatzt; seine Gitarren 
und Basse sind dagegen wemger wertvoll. 

Brahi. — Luttich. 1900 

Geigenmacher und -handler der Gegenwart. 

Braidi, Geminiano. — Modena. 1794 

Er baute Geigen und Bogeninstrumente aller Art. — 
Alles aber ohne besonderes Verdienst. 

Braidi, Giovanni. — Modena. 1766 

Mittelmafiiger Geigenmacher, von dem ich ein groBes 

Violoncello und einen Bafi gesehen habe. Vielleicht der 

Vater Gemimanos. 

Geigenzettel : Johannes Braidi, protomagister / violae 

maioris (sic) in C. S. mi ducis / Mutinae fecit a. 1766 

(gedruckt). 

Brandilioni (Brandiglioni), Filippo. — Bres- 
cia (?). 1790. 1800 

Er wird von mehreren in das 17. Jahrhundert versetzt 
und soil das Maggini-Modell nachgeahmt haben. Das 
erstere ist falsch und das letztere nicht bewiesen. Eine 
Violine von ihm aus dem Jahre 1795 hat braunroten 
Leimlack und eine scharfe, bestimmte Hohlkehle. Die 
Schnecke, durch deren Mitte ein Ebenholzstift geht, 
ist nach Amati geschnitten, mit vertiefter, schwarz ge- 
farbter Mittellinie. Die Zargen sind hoch, die F-Locher 
plump, aber die Wolbung ist schon. Die ganze Geige 
erinnerte an die Arbeit Leop. Widhalms und mehr an 
die Mittenwalder als an die italienische Schule; selbst 
das fur Mittenwald charakteristische Merkmal fur die 
Mitte der Unterzarge fehlt nicht. Da ihn Fenaroli gar 
nicht erwahnt, ist das »Brixiae« vielleicht auf Brixen 
statt auf Brescia zu deuten. 
Geigenzettel: Abb. 93. 

Brandini, Fausto. — Pisa. 1777 

Seine Geigen sind nicht ungeschickt gemacht. Val- 
drighi (3867) schreibt den Namen Prandini, doch 
scheint die Schreibweise mit B die vorherrschende zu 
sein. 

Brandini, Jacopo. — Pisa. 1789. 1807 

Gehort er auch nicht zu den hervorragenden Geigen- 
machern, so kennt man doch einige gut klingende 
Violinen von ihm. Sein Modell ist nicht besonders 
schon, er verwandte aber im allgemeincn gutes Holz 
und einen ziemlich guten Lack. Der Boden ist bei ihm 
oft nach der Schwarte geschnitten. Nach einer Mit- 



teilung gelangte die Firma Herrmann & Sonne in 
Berlin in den Besitz seines zufallig erhaltenen Nach- 
lasses, aus etwa 50 Geigen bestehend. 
Geigenzettel: Abb. 74. 

Brandini. — Pesaro. 1660 

Der alteste Geigenmacher dieses Namens, von dem es 
Geigen und Violoncelli gibt, die nicht ganz schlecht 
sind. Auch Valdrighi (3691) erwahnt ihn. 

Brandl, Karl. — Budapest. Geb. in Szom- 
bathely 1821, f 16. April 1864 

Schiiler von Tischenant und Anton Hoffmann in Wien, 
bei dem er gleichzeitig mit Th. Gutermann arbeitete- 
Er hat mehrere sehr gute Geigen gemacht, auch 
die Londoner Ausstellung von 1862 enthielt zwei 
schone Geigen von ihm, nach Stradivari und Guarnen 
del Gesu gebaut, von denen die letztere spater in den 
Besitz von Louis van Waefelghem iiberging. 
Geigenzettel: Carolus Brandl fecit ad formam Gio. 
Pao. / Maggini Pestini 1863 (gedruckt). 

Brandner. — Schonbach b. Eger. Geb. 29. Jan. 

1814.t7.Febr. 1895 

Trat als Geigenmacherssohn fruhzeitig in die Werk- 
statt seines Vaters ein und war ein fleiBiger Geigen- 
macher, dessen Sohn Johann auch wieder das vaterhche 
Geschaft fortsetzt. 

Brandner, Anton I. — Schonbach in B. Geb. 
um 1800 
Kommt 1826 hereits als lnnungsmeister vor. 

Brandner, Anton II. — Schonbach in B. 1870. 

f 1898 

Urspriinglich Geigenmacher, verlegte er sich in der 
Folge fast ausschlieBlich auf das Schnitzen von Geigen- 
halsen und Schnecken. 

Brandner, Ignaz. — Schonbach in B. f um 
1899 

Ein Geigenmacher, der nur billige Geigen und Schach- 
teln machte. 

Brandner, Johann. — Schonbach in B. Geb. 
in Schonbach 1849 

Schiiler von Anton Brandner. Durchwanderte als Gc- 
hilfe Deutschland und war von 1870 — 1875 bei Bausch 
in Leipzig, worauf er 1875 sein eigenes Geschaft be- 
grundete. Er baut Streichinstrumente nach alien Mo- 
dellen und wendet verschiedene Lackierungen an. 
Auch treibt er Handel mit alten Instrumenten. Aufier 
seinen eieenen Zetteln klebt er auch solche nach dem 
Modell ein. 

Brandner, Josef 

» Karl Schonbach 

» Wenzel J 
In der Geigenindustrie ihrer Heimat noch gegenwartig 
tatige Mitglieder der Familie B. 



Brandner — Braun 



57 



Brandner, Johann. — Mittenwald. Geb. 1835, 
f 1916 

Ein braver Geigenmacher, der selbstandig wenig her- 
vorgetreten ist, aber seines unversieglichen Humors 
halber sehr beliebt war, und der als Hochzeitlader und 
Brautfiihrer bei alien Familienfesten seines Ortes eine 
gewicbtige Rolle spielte. 

Brandner, Kaspar. — Mittenwald. Geb. 

18. Nov. 1883 in Mittenwald 

Schiiler der Mitten walder Geigenbauschule unter Franz 
Baader. Als Gehilfe arbeitete er zwei Jahre lang bei 
G. Kriner in Landsbut und drei Jahre in Miinchen bei 
Gius. Fiorini, Zunterer und zuletzt bei Sim. Rieger, 
nacbdem er vorber in seinem Heimatsort nocb das 
Lauten- und Gitarrenmacben erlernt batte. Im Jahre 
1904 macbte er sich selbstandig, baut nach Stradivari 
und Guarneri gute Konzertgeigen und nach italie- 
nischen und Wiener Modellen Lauten und Gitarren. 
Er ist auch in der Wiederherstellung aller Saiteninstru- 
mente geschickt und wurde 1896 auf der Niirnberger 
Ausstellung fur seine Geigen pramiiert. 

Geigenzettel: Kaspar Brandner/ lnstrumentenmacber 
und Reparateur / Mittenwald Nr. 125 (Bayern) [Rechts 
und links Medaille Pramiiert Niirnberg 1906]. 

Brandstatter, Ignaz. — Wien. Geb. urn 1757* 
t IO.Marzl79l 

Da er nur ein Alter von 34 Jabren erreicht hat, diirfte 
es nur wenige Geigen von ihm geben. Er scbeint iibri- 
gens hauptsachlich Gitarren gemacht zu haben, die aber 
nur von mittelmaBiger Arbeit sind. Boden und Zargen 
zeigen denselben schwarzbraunen Lack, der zu seiner 
Zeit in Wien beliebt war. 

Geigenzettel: Abb. 46. 

Brandstatter, Matthaus Ignaz. — Wien. Geb. 

urn 1791, f 6. Marz 1851 

Er wobnte Stadt Nr. 994 und legte am 3. Oktober 1817 
als Lautenmacher den Biirgereid ab. Er baute sehr sauber 
gearbeitete Violinen nach Stradivari und verwendete 
einen gelben Lack mit rotlicher Schattierung. Leider ist 
der Ton seiner Geigen nicht so schon wie ihr Aussehen. 
Er war sehr fleiBig, soil aber in den letzten Lebens- 
jahren nicht zu bewegen gewesen sein, eine seiner neuen 
Geigen zu verkaufen. Nach seinem Tode fanden sich in 
seiner Werkstatt mehrere Schubladen voll Violinen, die 
bis zum Lackieren fertig waren. Anton Hoffmann kaufte 
den ganzen NachlaB, machte die Geigen fertig, versah 
sie mit Brandstatters Zettel und brachte sie in den 
Handel. Diese nachgelassenen Geigen sind leicht an 
ihrem minderwertigen Lack zu erkennen und nur halb 
so viel wert als diejenigen, die er selbst noch fertig ge- 
macht hat und die jetzt recht gut bezahlt werden. 
Er stand als Reparateur in groBem Ansehen. Ein Re- 
paraturzettel von ihm in Briissel (Mus. d. Cons. 
Nr. 258), ein ebensolcher in einer theorbierten Laute 
von Pradter, die sich in der Sammlung alter Musik- 
instrumente in Wien, Burgring 5, befindet. Ein Johann 



Brandstatter, der von 1840 bis 1855 in Wien gelebt 
haben soil, hat nicht existiert. 

Geigenzettel : Mathaus Brandstatter in Viennae / repa- 
ravit Anno 1817 (gedruckt) und Abb. 47. 

Branzo, Francesco Barbaro. — Padua. 1620. 1660 
Das Wort »Barbaro« diirfte die Heimat dieses Meisters 
andeuten. Ein Calascione (behebtes neap. Volksinstru- 
ment) in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente 
in Berlin, Nr. 723 (von 1620), s. Abbildung Bd. 1 
Seite 54. Bei Vidal wird nur der Name mit der Jahres- 
zahl 1660 erwahnt. Er scheint also nur die aus diesem 
Jahre stammende Gamba von ihm in der Sammlung 
Correr gekannt zu haben. Valdrighi nennt ihn Bronzo- 
Barbaro (3693). 

Brater s. Pradter 

Bratti, Cesare. — Florenz. 1882 

Er soil nicht ungeschickt gewesen sein; da er aber in 
seine Geigen gerne fremde Zettel geklebt hat, findet 
man seinen Namen sehr selten. 

Braun, Adam. — (Mark-)Neukirchen. 1697 

Sein Name wird als der eines Stiefsohnes und Schiilers 
von Kornelius Kretzschmar uberliefert. Da er keines 
Meisters Sohn war und die vorgeschriebene Wanderzeit 
nicht erledigt hatte, wurde er erst auf ein an den Landes- 
herrn gerichtetes Gnadengesuch hin am 17. Okt. 1697 
als Meister in die Zunft aufgenommen. Er ist wahr- 
scheinlich der Ahnherr der noch bestehenden Familie, 
seine Sohne und Enkel scheinen jedoch nicht Geigen- 
macher gewesen zu sein. 

Braun, Anton. — Budapest, Szegedin, Belgrad. 

Geb. 1847, f 5. Okt. 1901 

Schiiler von Placht in Wien und Ferd. Jos. Homolka in 
Kuttenberg. Er hielt sich nur kurze Zeit in Budapest 
auf, gmg dann nach Szegedin und heB sich um 1887 in 
Belgrad nieder, wo er Konigl. Serbischer Hofinstru- 
mentenmacher wurde. Er war auch ein tiichtiger Mu- 
siker und wahrscheinlich der Vater von Johann und 
Michael Braun. 

Geigenzettel : Antonius Braun / fecit Belgradi 1890 (ge- 
druckt). — Reparavit / Ant. Braun Belgradi / 1882 (ge- 
druckt). 

Braun, August Hermann. — Markneukirchen. 

Geb. ll.Dez. 1868 

Schiiler von Karl Wilhelm KeBler, bei dem er seit 1882 
lernte. Als Gehilfe arbeitete er bei verschiedenen 
Meistern und machte sich 1892 selbstandig. lm Jahre 
1896 trat er bei der Firma Karl Gottlob Schuster ein 
und griindete deren Werkstatt fur Kunstgeigenbau, die 
er durch 22 Jahre leitete. Im Jahre 1918 richtete er 
seine eigene Werkstatt ein und baut sehr sorgfaltig aus- 
gefiihrte Violinen und Violoncelli nach italienischen und 
Tiroler Meistern, die sich sehr schnell Eingang in Kiinst- 
lerkreisen verschafften. Er verwendet einen guten athe- 
rischenOllack. Besonders wird auch seine Geschicklich- 
keit im Wiederherstellen alter Meistergeigen gelobt. 
Geigenzettel: Gebaut im Jahre 19 . . / von Aug. Her- 
mann Braun / Lauten- und Geigenbaumeister / Mark- 
neukirchen i./'S. No. 855. 



58 



Braun — Brenner 



Braun, August Robert. — Erlbach. 19. Jahrh. 
Er soil nach Spremberg gezogen sein, war aber dort 
nicht zu ermitteln. 

Braun, August Wilhelm. — Markneukirchen. 
Geb. in Erlbach 1819, f 30. Okt. 1869, 
50 Jahre 23 Tage alt 

LieB sich anfangs der fiinfziger Jahre in Markneu- 
kirchen als Geigenmacher nieder und baute billige 
Geigen fur den Ausfuhrhandel. 

Braun, Ernst Moritz. — Markneukirchen. Geb. 
in Erlbach 27. Dez. 1848 

Sohn von Aug. Wilh. Braun. Geigenmacher der Gegen- 
wart. 

Braun, Gustav. — Diisseldorf, Dresden, Lii- 
beck. Geb. in Erlbach 7. Febr. 1 846, f Ostern 
1896 in Lubeck 

Sohn von Aug. Wilh. Braun. Er war ursprunglich 
Bratschist; da er jedoch Geigenmacherssohn war, 
interessierte er sich fur den Geigenbau, und als er in 
Hannover Gelegenheit gehabt hatte, bei einem Geigen- 
macher Unterricht zu nehmen, begann er bald darauf in 
Diisseldorf, in seiner freien Zeit Geigen zu reparieren. 
1872 siedelte er nach Dresden iiber und 1895 nach 
Lubeck. Er besafi theoretische Kenntnisse und be- 
schaftigte auch zeitweise Gehilfen. Die von diesen an- 
gefertigten Geigen tragen seinen Zettel. 
Geigenzettel: Repiriert von Gustav Braun/ Diisseldorf 
1869 (gedruckt). Gustav Braun, Dresden 18. .(geschr.). 

Braun, Johann. — Szegedin. Geb. in Nagy 
Szent Miklos 1860 

Als C. W. Richters Nachfolger lieB er sich 1883 in 
Szegedin als Geigenmacher und Optiker nieder. Er soil 
bei Ig. Lutz in Wien gearbeitet haben und unterhalt 
eine Werkstatt. Auf der Szegediner und Torontaler 
Gewerbeausstellung sowie auf der Budapester Millen- 
niumsausstellung erhielt er Medaillen. 
Geigenzettel: Joannes Braun fecit / Szegedini 1895 
(gedruckt). 

Braun, Joseph. — Mittenwald. 1914 

Er gilt als guter Violoncellomacher, arbeitet aber auch 
als Zimmermann. 

Braun, Michael. — Szegedin, Klausenburg. 
1891. 1896 

Geschickter Geigenmacher der Gegenwart. Er arbeitet 
nach Guarneri und Stradivari, verwendet einen gold- 
rotlichen Lack und liebt dicke Einlagen. 
Geigenzettel: Braun Michael , Szegedin 89] (geschr.). 

Braun, Wilhelm August. — Markneukirchen, 
Geb. 18. Juni 1855 in Markneukirchen 
Sohn von Aug. Wilh. Braun. Geigenmacher der Gegen- 



Brauner, Johann Josef. — Wien. 1749. 1761 

In den Wiener Steuerbiichern kommt er von 1750 bis 
1758 vor. 1m letzten Jahre mit der Bemerkung: »Wegen 
seiner Abreisung von hier der Steuer und des Biirger- 
rechts entlassen worden«. Er wohnte im Schottenviertel 
und legte am 4. Juli 1749 den Biirgereid ab. Er wird 
zuletzt erwahnt mit der Bemerkung: »Vermog Ver- 
ordnung dd° 29. May 1758 der Biirgerpflicht entlassen 
und das Burger Zettel zuriickgegeben worden.« Doch 
kommen noch Geigen mit der Jahreszahl 1761 von ihm 
vor. Auf seinen Zetteln gebraucht er abwechselnd bald 
den Taufnamen Johann. bald Josef, selten beide zu- 
sammen. 

Geigenzettel : Abb. 40. 

Brauns, Carl Friedr. Wilh. — Hamburg. 1798 
Er wird als »Instrumentenmacher« am 12. Okt. 1798 
Burger von Hamburg, ist aber sonst nicht bekannt. 

Breazzano s. Briazzano 

Breckinridge, John. — Glasgow. Geb. 1790 
in Parkhead bei Glasgow, f 1840 in Glas- 
gow 

Er war von Hause aus Weber und besaB spater einen 
Kramerladen ; dabei machte er fleiBig Geigen, die recht 
gut nach Amati gebaut sind. Sein (Spiritus-)Lack ist 
gelb oder dunkelbraun. Der Ton ist angenehm, aber 
nicht groB. 

Geigenzettel: John Breckinridge , Maker , Parkhead 
1834 (geschneben). 

Breiling, Andreas Ludolph (Ludwig). — Got- 
tingen. 1801. 1829 

Er wurde am 21. September 1801 zum Burger ange- 
nommen, aber erst am 29. April 1829 als solcher ver- 
eidigt. Da ihm dabei die Gebiihren erlassen wurden, 
kann man annehmen, daB er in beschrankten Verhalt- 
nissen lebte. Trotzdem war er ein sehr geschickter 
Lautenmacher, der ebenso originell als sauber arbeitete. 
Eine Laute von ihm aus dem Jahre 1803 trug die 
Nr. 132. 

Geigenzettel: A. L. Breiling/ in Gottingen / fecit 1802 
No. 121 (?) (geschrieben). 

Breitenberger, Ludwig, lebt als Instrumenten- 

macher in Munchen 
Bremitz, Giuseppe. — Triest. 1895 

Unbedeutender Geigenmacher aus den letzten Jahren 

des 19. Jahrhunderts, der wohl nur von Fabriken her- 

gestellte Schachteln verarbeitete. 

Brenner, C. — Gefle. 1804 

Man kennt einige Reparaturen von ihm, es ist aber 

wahrscheinlich, daB er ein Musiker war, der nur ge- 

legentlich Ausbesserungen vornahm. 

Geigenzettel: Reparerad 1804 C . . . Brenner, Gefle 

(gedruckt). 



Brensio — Brinckmann 



59 



Brensio (Brensius, Brinsius), Antonio. — Bo- 
logna. 1592 

Vielleicht der Vater oder Sohn von Girolamo. Eine Lira 
da Gamba von ihm besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museun in Koln (Nr. 782). 

Geigenzettel : Antonino Brensius Bononi (gedruckt). — 
Antonius Bononiensis (geschrieben). 

Brensio, (Girolamo) Hieronymus. — Bologna 
16. Jahrhundert 

In einer nicht daticrten Viola da Braccio im Museum 
des »Liceo filarmonico« in Bologna findet sich der 
Name dieses Meisters. Vidal teilt die Mafie des funf- 
saitigen Instruments, das fur die Geschichte des Gei- 
genbaus sehr bemerkenswert ist, mit. 
Geigenzettel: Abb. 89. 

Brenzoni, Pietro. — 1902 

Italienischer Geigenmacher unserer Zeit. 

Bresa (Brosa?), Francesco. — Mailand. 1708 
Vidal erganzt den Namen der Stadt, die auf einem 
Originalzettel nicht ganz leserlich war, wohl richtig, 
wenn er Milano lesen will, wofiir auch »alla scala« zu 
sprechen scheint. Das zu dem Zettel gehorige Instru- 
ment ist iibrigens verschwunden und Werke von F. 
Bresa sonst nicht bekannt geworden. Vgl. auch Brossa. 
De Piccolellis bezeichnet ihn als einen mittelmafligen 
Mailander Geigenmacher. 

Geigenzettel : Francesco Bresa fece , alia Scala in Mil . . 
1 708 (gedruckt). 

Bressano, Baptista. — ? 16. 17. Jahrhundert 

Eine Pochette im Museum des Liceo filarmonico in 
Bologna tragt diesen Namen. Sie ist wahrscheinlich 
Brescianer Arbeit, in welchem Falle das Wort Bressano 
wohl als Heimatsbezeichnung angesehen werden mufi 

Breton, Francois. — Mirecourt. Geb. in Mire- 
court urn 1750, f 1830 

Seine Arbeit ist zwar nicht kunstlerisch, aber immerhin 
recht sauber. Er bevorzugte ein grofies Modell und 
verwandte meist hellgelben Lack. Da er viele Arbeiter 
beschaftigte, sind seine Geigen nicht selten; man mufi 
sich jedoch trotzdem vorsehen, denn abgesehen davon, 
dafi seine Firma auf eine Mirecourter Fabrik iiberging, 
die noch immer seinen Zettel in ganz neue Instrumente 
klebt, ist er auch noch vielfach nachgeahmt worden. Es 
geht ihm beinahe so wie der deutschen Familie Hopf. 
Sie erhob sich nicht iiber handwerksmafiige Mittel- 
mafiigkeit und wird doch fortwahrend von einer urteils- 
losen Menge zum Vorbild gcnommen. — Er ver- 
wendete auch den einen Brandstempel, dessen letzte 
Zeile haufig fehlt. — Auch als Bogenmacher hat er 
sich betatigt. 
Geigenzettel: Abb. 71 und 79. 

Breton, Joseph Francois. — Pans, Mirecourt. 
1740. 1815 (?) 

Ein Mirecourter Meister, der vielleicht wirklich vor- 
ubergehend in Paris ansassig war, obwohl das Fehlen 



einer naheren Wohnungsangabe zu Zweifeln in dieser 
Hinsicht berechtigt. Seine Arbeiten zeichnen sich nicht 
aus und werden haufig mit denen von F. Breton ver- 
wechseh, wozu die Ahnlichkeit der Modelle einigen 
Anlafi gibt. Es ist auch nicht ganz sicher, welcher 
Breton den Brandstempel : Breton Luthier a Paris be- 
nutzte. Eine Violine von ihm befand sich in der Samm- 
lung Snoeck (Nr. 522). 

Geigenzettel: J. F. Breton, citharae fabri- / cator, facit , 
vendit et recon- cinat instrumenta musica omnis / 
generis. Parisiis anno 1780 (gedruckt). 
Gleichlautende Zettel kommen von 1740 — 1780 haufig 
vor, doch fand sich ein solcher Zettel auch in einem 
Violoncello mit der Jahreszahl 1815 vor. Ob er dieses 
noch selbst gemacht hat, oder ob der alte Zettel mit 
neuer Jahreszahl von einem Werkstattnachfolger ge- 
braucht worden ist, miifite erst festgestellt werden. 

Breton s. auch Le Breton 

Breuling s. Breiling 

Briano, Francois. — Nizza. 1900 

Musikinstrumentenmacher und -handler der Gegen- 
wart. 

Briazzano (Breazzano) s. Brizzano 

Briere, Paschal. — Rouen. Anfang des I8.jahr- 
hunderts 

Er wohnte in der Rue du Petit Puits(Pfarrei St. Michel), 
scheint aber nur wenig Zuspruch gehabt zu haben. 

Bnggs, James William. — Glasgow. Geb. 
9.Juli 1855 in Wakefield 

Schiller von William Tarr, machte sich 1876 selb- 
standig und baut sowohl nach Stradivari und Guarneri 
als auch nach einem eigenen Modell, wobei er einen 
Bernsteinollack verwendet. Seine Geigen und Basse 
sind vorziiglich gearbeitet,undschon 1891 erhieltereine 
goldene Medaille dafiir. Er ist auch als Handler mit 
alten Instrumenten bedeutend und wohnte um 1890 u. 
1891 in Leeds. Seine Biographie veroffentlichte 
Meredith-Morris in »The Strad« 1902 Nr. 142. 
Geigenzettel: James William Bnggs , Glasgow 19. . 
(gedruckt). 

Brinckmann, Franz Georg. — Frankfurt a. M. 
Geb. 1799 in Frankfurt a. M., f daselbst 
nach 1845 

Er war der Sohn eines Musikers, von dem er wohl die 
ersten Unterweisungen erhielt. Spater kam er zu einem 
Schreiner in die Lehre und wurde 1829 auch als 
Schreinermeister zum Burger aufgenommen. Er ver- 
legte sich jedoch ganz auf den Instrumentenbau und 
brachte es darin zu bemerkenswerter Geschicklichkeit, 
so dafi er fiir eine Geige gern 100 fl. bekam. Mit Vor- 
liebe baute er jedoch Gitarren und war stolz darauf, 
hierfiir von Paganini belobt worden zu sein. Er hat auch 
einen Mechanismus erfunden, der das haufige Ver- 
stimmen der Gitarren verhiiten sollte. Instrumente mit 
diesem Mechanismus nannte er »Korrektionsgitarren«. 
Sehr geschatzt waren seine iibersponnenen Saiten. 



60 



Britsen — Brown 



Britsen, Georgius. — Antwerpen. 1613 

Schiiler des Bildhauers Melchior Ykens. Er ist freilich 
nur als Clavecinmacher bekannt. Auch sein Sohn und 
sein Enkel gleichen Taufnamens kommen 1654 — 1659 
und 1675 im gleichen Berufe vor, doch wurde mir von 
einem Handler vor langerer Zeit eine schon geschnitzte 
Theorbe mit dem eingeschnittenen Namen »Britsen« 
angeboten, so dafl anzunehmen ist, dafi auch in dieser 
Familie die Lautenmacherei wenigstens nebenbei be- 
trieben wurde, wenn der Name nicht etwa nur den 
einstigen Besitzer andeutete. 

Brizzano (?), Vincenzo. — Foggia. 1860 

Der Name war nicht sicher leserlich, aber die Geige, 
die ihn trug, recht gut, ja besser als viele von seinen 
italienischen Zeitgenossen. 

Broberg, Carl Johan.— Gothenburg. 1769. 1793 

Er war vermutlich ein Schuler von Jacob Hellman in 
Engelholm 1 ) und wurde im Jahre 1769 als Geigen- und 
Musikinstrumentenmacher in Gothenburg zugelassen. 
Er war fleifiig und baute alle Arten von Streich- und 
Rup*instrumenten. Er verwendete geschriebene und 
gedruckte Zettel und gelegentlich auch eine Brand- 
marke. Arbeiten von ihm haben sich im Privatbesitz 
mehrfach erhalten. 

Geigenzettel : Carl Joh. Broberg / Gotheborg Anno 1 774 
(gedruckt). 

Brochet (Broche) s. M. Snoeck 

Brock, Alfred Nilsson. — Stockholm. Geb. 
15. April 1876 

Sohn und Schuler von N. Nilsson in Malmo. Am 
1. Oktober 1900 eroffnete er in Stockholm seine eigene 
Werkstatt und ist jetzt dort Geigen macher der Konig- 
lichen Hof kapelle und des Musikhistorischen Museums. 

Brocsko (Brotsko), Karl. — Budapest, f 1858 
Schuler von Teufelsdorfer. Seine nach Amati gebauten 
Geigen sind in ihrer Arbeit, im Lack und im Ton recht 
lobenswert. 

Geigenzettel: Carolus Brotsko fecit / Pestini 1851 (ge- 
druckt). 

Brooley, Charles. — London. 1885 
Gitarren- und Banjomacher. 

Bronzo s. Branzo 

Brookfield, Edward. — Southport. 1890. 1900 

Er baut nach Guarneri und Stradivari und verwendet 

Ollack von gelber und orangeroter Farbe. Die Firma 

heiflt jetzt Brookfield & Co. 

Geigenzettel: Edward Brookfield (geschrieben). 

Broomley, Ch. H. — New Haven 

Amerrkanischer Geigenmacher der Gegenwart. 



x ) Was Hedvig Boivie, Amanuensis am Nordischen 
Museum in Stockholm, in ihrem hiibschen Aufsatz iiber 
die schwedischen Geigenmacher in der Mus. Zeitschr. 
»Fataburen« 1921, S. 64 mit aller Vorsicht sehr wahr- 
scheinlich macht. 



Broquet, lebte Ende des 19. Jahrhunderts in 
Dunkerque (Dep. Nord) 

Broschi (Brocchi), Carlo. —Parma. 1730. 1744 
Wenig bekannter Geigenmacher, iiber den sich nichts 
ermitteln liefi. Eine zweifellos echte, vom Wurm stark 
angegriffene Violine (kleines an Nic. Amati erinnerndes 
Modell, hubsche F-Locher, kleine Schnecke), trug den 
Zettel : Carlo Broschi / in Parma fecit 1 732. Ein gleich- 
namiger Geigenmacher lebte noch in den zwanziger 
Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Name wird auch 
Braschi gelesen. 

Brosig. — Neifie. 1910 

Wurde nur als Reparateur genannt. 

Brossa (Brosa, Bresa), Francesco. — Mailand. 
1700 

Eine Violine mit seinem Namen erinnert an die Bres- 
cianer Schule und hat orangeroten Lack. Ich bin ge- 
neigt, diesen Francesco Brossa mit Francesco Bresa zu 
identifizieren ; es ware nur festzustellen, welche Form 
des Namens die richtige ist. Eine Geige von ihm be- 
findet sich in Freiburg i. B. 

Geigenzettel: Francesco Bro^a fece / dalla Scala in 
Mano/ 1700 (gedruckt). 

Brouaux. — Bar-le-Duc. 1860. 1890 

Beschaftigte sich hauptsachlich mit Wiederherstellungs- 
arbeiten. 

Brown, Alexander. — Glasgow. 1855. 1860 
Er baute nicht ungeschickt nach Stradivari und ver- 
wendete Spirituslack. 

Geigenzettel: Alex. Brown Maker, / Glasgow, 1857 
(geschrieben). 

Brown, Anthony. — London. 1855 

Er soil ein Schuler von Morrison oder Panormo ge- 
wesen sein und war besonders als Gitarrenmacher ge- 
schatzt. Er wohnte urn 1855 in der Rosamond St., 
Clerkenwell. 

Brown, James (sen). — London. Geb. vor 
1759, f vor 1834 

Er war ursprunglich Seidenweber und erlernte erst im 
Jahre 1804 bei Thomas Kennedy den Geigenbau, er- 
offnete dann in der Wheeler st. ,Spitalfields* seine eigene 
Werkstatt als Geigenmacher und Reparateur und be- 
tatigte sich als geschickter Meister. 

Brown, James (jun.). — London. Geb. Im Nov. 
1786, f 1860 

Sohn und Schuler von James B. sen. Ursprunglich 
sollte er nur Bogenmacber werden und erlangte darin 
eine besondere GeschicklicKkeit. Nach dem Tode 
seines Vaters verlegte er sich dann mehr auf den 
Geigenbau und leistete auch darin Beachtenswertes. 
Auch sein Sohn war zum Geigenmacher bestimmt. 



Brown — Brugere 



61 



Brown, John. — Melbourne. 1880 

Ein australischer Geigenmacher der Gegenwart, der 
auf der Melbourner Ausstellung den dritten Preis 
erhielt. 

Brown, W. J. — Melbourne 

Erhielt 1880 einen Ausstellungspreis fur vorziigliche 
Reparaturen. Die Firma heiBt jetzt W. J. Brown & Son. 

Browne (Brown), John. — London (Cornhill). 

1680. 1743 

Er fiihrte die Hausmarke »at the black lyon«. Das 
Selhofsche Auktionsverzeichms weist eine Viola da 
Braccio von ihm auf. Seine Violinen gehen auf em 
Amatimodell zuruck, erinnern aber auch an Stainer. 

Brubac, Antoine. — Rouen. Geb. in Mire- 
court 22. Jan. 1847, f in Rouen 1894 
Ein tiichtiger Meister und verdienstvoller Leiter der 
bekannten A. Kleinschen Geigenbauwerkstatt. Seine 
Geigen tragen den Namen der Firma Klein. 

Brubac, Charles. — Paris. Geb. in Mirecourt 
21. Mai 1853 

Bruder von Antoine B. Er arbeitet seit 1877 bei Gand 
& Bernardel Getzt Caressa & Frang-ais) und erhielt 1897 
in Briissel eine goldene Mitarbeitermedaille. 

Briicken-Hammig, Christian August. — Mark- 
neukirchen. Geb. 14. Okt. 1833, f 19. Dez. 
1885 

Er selbst war hauptsachlich Bafimacher, aber er be- 
schaftigte in seiner Werkstatt viele Geigenmacher, 
hielt auf saubere Arbeit und besaB viele Ausstellungs- 
preise. 



Briicken-Hammig jun., Max. 
kirchen 1897 



Markr 



Streichinstrumentenmacher der Gegenwart, von dem 
ein 1897 ausgestelltes Quartett nach Stradivari Beifall 
verdiente. 



Briickner, Ernst Max. — 
Geb. 30. Mai 1875 
Geigenmacher der Gegenwart. 



Markneukirche 



Bruckner, Ernst Richard. — Markneukirchen. 
Geb. 5. Nov. 1867 

Geigenmacher der Gegenwart. 

Briickner, Ferdinand (Nandor). — Budapest. 
1874. 1900. Geb. 1848 

Schiiler von Monnig. Im Jahre 1874 begriindete er in 
Budapest sein Geschaft, in welchem er stets eine Reihe 
von Gehilfen beschaftigt hat. Unter seinen Streich- 
instrumenten werden besonders seine Basse gelobt; 



auch fertigt er gute Schlaginstrumente (Cymbal) an" 
Als Gehilfe arbeitete er vor 1874 bei J. W. Schunda. 
Geigenzettel : Bruckner Nandor / hangszer keszito / 
Budapest / Raktar: Magyar utcza 4. sz. (gedruckt). 

Briickner, Franz. — Berlin, New York. 1879. 

1892 

Er lieB sich zuerst in Berlin nieder und ging im Anfang 
der neunziger Jahre nach New York. 

Briickner, Heinrich Albin. — Markneukirchen. 
Geb. 2.Marz 1855 

Geschickter Geigenmacher der Gegenwart, der auch 
als Lehrmeister erfolgreich gewirkt hat. 

Briickner, Heinrich August. — Markneu- 
kirchen. Geb. 6. Sept. 1856 
Geigenmacher der Gegenwart. 

Bruckner, Richard. — London. 1886. 1906 
Bruder von Franz Br.; er hat eine Zeitlang in Berlin 
gearbeitet und ist dann nach London ubergesiedelt, wo 
er namentlich als Reparateur geschatzt wird. Der Ton 
seiner Geigen findet Anerkennung. 
Geigenzettel : repaired at R. Briickner/ London Septbr. 
1892 (gedruckt). 

Briickner, W. — Erfurt. 1900 

Wurde mir nur durch seinen Zettel bekannt. 
Geigenzettel: \V. Bruckner, Geigenbauer / Erfurt. / 
Instrumenten- und Saitenhandlung / 1900 (gedruckt). 

Briiders, Johann August Christof. — Tanger- 
miinde. 1829 

Er soil bei A. Zabel gelernt haben. In den Akten wird 
er als Instrumentenmacher bezeichnet. 

Brugere, Charles -Georges. — Paris, Geb. 
10. Nov. 1865 in Mirecourt 

Sohn von Charles Joseph Br. und Schiiler von Etienne 
Drouin in Mirecourt. Er arbeitete als Gehilfe bei Blan- 
chard in Lyon, bei P. Bailly und bei Gand & Bernardel 
und iibernahm am 22. Sept. 1 892 die alte Werkstatt der 
Familie Henry in der Rue St. Martin. Er arbeitet unge- 
mein sorgfaltig, so da(5 er in jedem Monat nur eine 
Geige fertig bekommt, die er nach Stradivari baut und 
mit einem gelben bis goldroten Lack versieht. Nur in 
die Geigen, die er vollkommen allein fertigmacht, 
klebt er seinen Zettel. Er besitzt bereits mehrere 
silberne Medaillen und eine goldene (Luttich 1 905) und 
war auch 1900 auf der Pariser Ausstellung gut ver- 
treten. Eine Verbesserung der KJangfarbe des Kontra- 
basses ist ihm durch Anderungen in der Bauart recht 
wohl gelungen. 
Geigenzettel : Abb. 51, 65, 94. 

Brugere, Charles-Joseph. — Mirecourt. Geb. 
1842, f 1876 

Nur als geschickter Gitarrenmacher hervorgetreten. 
Seine Arbeiten tragen seinen Namen als Brandmarke. 



62 



Brugere — Bubenik 



Brugere, Charles -Malakoff. — Marseille. Geb. 
1857, f 1894inMirecourt 

Altester Sohn von Francois B., arbeitete lange Zeit bei 
Hel in Lille und lieO sich dann in Marseille nieder, wo er 
tiber 1 00 gute Geigen baute, deren Wert vor dem Knege 
auf durchschnittlich 200 fr. geschatzt wurde. 
Geigenzettel : Abb. 62. 

Brugere, Francois. — Mirecourt. Geb. 1822, 
f 1874 in Mirecourt 

Bruder von Charles- Joseph Br. Nachdem er unter 
Pierre Silvestre und unter Daniel in Marseille gearbeitet 
hatte, kehrte er nach Mirecourt zuriick, wo er haupt- 
sachlich fiir Derazey tatig war. Er hatte drei Sonne, die 
samtlich Geigenmacher wurden, aber nur Charles- 
Malakoff B. machte sich selbstandig. 

Brugere, Joseph-Napoleon. — Mirecourt. Geb. 
um 1859 

Zweiter Sohn von Francois Br. Gilt als sehr gesuchter 
Bafimacher. 

Brugere, Michel. — Paris. Geb. 1864 in Mire- 
court 

Dritter Sohn von Franc. B. und seit 1893 Werkfiihrer 
bei Charles-Georges Br., ein besonders tiichtiger Re- 
parateur. 

Brugger, Michael. — Salzburg. 1822. 1824 

Er war eigentlich kein Geigenmacher, sondern Tischler. 
Ob er neue Geigen gebaut hat, ist nicht bekannt, wchl 
aber war er als Reparateur viel beschaftigt, da zu seiner 
Zeit kein Geigenmacher in Salzburg ansassig war. 
Eines der Instrumente im stadtischen Museum Caro- 
lino-Augusteum in Salzburg tragt einen Reparatur- 
zettel von ihm aus dem Jahre 1824. 

Brunner, Franz. — Wien. Anfang des 19.Jahr- 
hunderts 

Der Erfinder der sog. »Harpe amphionique«, einer 
kleinen Pedalharfe, die man auf dem Schofi halten 
konnte. — Eine Harfe von ihm besitzt das k. k. oster- 
reichische Museum fiir Kunst und Industrie in Wien. 
Er hat auch Gitarren, schwerlich aber Geigen gemacht. 

Brunner, J. — Diibendorf (K. Zurich). Gegr. 
1860. 1895 

Streichinstrumentenhandlung und -fabrikation. 

Brunner, Martin. — Olmutz. Geb. 1724, 
t26.Febr. 1801 

Ein guter Meister, der wahrscheinlich bei J. Strobl ge- 
lernt hatte und sorgfaltig nach der Form baute. Hohe 
Stainer-Wolbung und gelber Spirituslack sind fiir ihn 
charakteristisch. Der Ton seiner Geigen ist recht an- 
sprechend. Statt der Schnecke brachte er am Wirbel- 
kasten gerne einen schon geschnitzten Hundekopf an. 
Er brachte es trotzdem zu keinem Vermogen und starb 
im Hause Nr. 565 in bitterster Armut. Ein Kontrabafi 



von ihm befindet sich als Inventarstiick auf dem Chor 
der Pfarre St. Moritz in Olmutz. 
Geigenzettel: Martin Bruner, Lauten- und Geigen- 
macher in Ollmiitz 1771 (gedruckt). 

Bruno, Carlo Colombo. — Turin Geb. 1 6. Mai 
1872 in Caltanisetta (Sizihen) 
Er kam friihzeitig nach Turin, wo er lernte und 15 
Jahre lang als Gehilfe arbeitete, worauf er seine eigene 
Werkstatt eroffnete. Er baut vorzugsweise Geigen und 
Violoncelli nach Stradivari, die er mit einem fetten, rot- 
braunen Ollack versieht, ferner auch gute Mandolinen. 
Seine Geigen sind sauber gearbeitet und gut im Ton. 
Er erhielt in Turin 1898 eine goldene und 1900 in Paris 
eine Bronzemedaille und in Marseille einen grofien 
Preis. 
Geigenzettel: Abb. 33 und 60. 

Bruno, Nicola. — Bologna. 1727 

In einigen Geigen findet sich der Name dieses auch von 
Valdrighi (4052) erwahnten Meisters. 

Brunskill, J. — Newcastle-on-Tyne. 1900 
Geigenmacher, -lehrer und -handler der Gegenwart. 

Brustgriin, M. C. — Flensburg. 1862 

Ein Holzblasinstrumentenmacher, der auch Geigen 
repariert hat. 

Brynildsrud, Lars Larsen. ■ — Kongsvinger. 
Mofi (Norwegen). Geb. 4. Jul! 1859 auf 
dem Hofe Brynildsrud im Amte Hede- 
marken (Norwegen) 

Schiiler von Lars Grinager, bei dem er von 1887 — 1889 
arbeitete. Er lie6 sich darauf in Kongsvinger als Geigen- 
macher nieder und stellte ein von ihm gebautes Quar- 
tctt in Paris aus. Von der Regierung erhielt er dann ein 
Reisestipendium, arbeitete nach seiner Riickkehr in 
einer Orgelfabrik in Ciristiania und liefl sich 1895 als 
Orgelbauer in Mofi nieder. Bis dahin fiihrte er nur den 
Namen nach dem Taufnamen des Vaters, also Lars 
Larsen, und legte sich nun noch den Namen seiner Ge- 
burtsstatte zu. Er hat ziemlich viele Streichinstrumente 
gebaut und beschaftigt sich noch immer eifrig mit dem 
Studium des Geigenbaus, wenn seine Haupttatigkeit 
jetzt auch der Orgel gewidmet ist. 

Bubenik, Joh. Bapt. — Prag. Geb. 21.Juni 
1 800 in Hrusic bei Mnichovic, f 1 9. Jan. 1 836 
in Prag 

Schuler von Caspar Strnad, dessen Werkstatt er nach 
dem Tode des Meisters iibernahm. Er war mit Karo- 
line, der Tochter des Musikers Scharoch, mit der er 
am 17. Mai 1826 in der Kirche Maria Schnee getraut 
wurde, verheiratet und wohnte in der (jetzigen) Ferdi- 
nandsstrafie (Ferdinandova tfi'da) Nr.949. Er arbeitete 
nach den Modellen Strnads; nur nahm er die Wolbung 
in der Mitte der Decke runder; da er aber verhaltnis- 
mafiig jung starb, hat er nich't allzuviel Geigen gebaut. 
Geigenzettel : Johann Bubenik / Fecit Pragae Anno 1 829 
(gedruckt). 



Bucharin — Buchstetter 



63 



Bucharin, Iwanowitsch. — Kasan. 1914 

Sohn des geschickten Holzschnitzers Iwan Dimitro- 
witsch B., der sich schon mit der Ausbesserung alter 
Musikinstrumente beschaftigt hatte. So war er friihe 
auf den Geigenbau hingewiesen und hat es darin zu 
einer bei seinen Landsleuten sehr geriihmten Geschick- 
lichkeit gebracht. Er arbeitet sehr sauber nach Amati 
und Stradivari und verwendet einen guten, dunkel- 
gelben Ollack. 

Buchenberg (Buckenberg), Mattheus. — Rom. 
1592. 1619 

Der Name kommt in allerlei entstellten Formen vor: 
Buckenburg, Buechtenberg und italienisch sogar 
Matteo Boccaber. Er selbst schrieb sich Bucchenberg; 
in Urkunden heifit er manchmal auch Bucherberg 
(1606). Er war deutscher Abkunft und ein beruhmter 
Lautenmacher. Baron schreibt von ihm: »Man hat die 
vortrefflichsten Theorben von ihm, die nur zu finden 
seyn. e. g. Oval rund, von einer sehr proportionierlichen 
Grofie, und von einem sehr delikaten,durchdringenden 
metallenen Ton. Wer das Gliick hat, von diesem be- 
sonderen und vortrefflichen Meisteretwas zu besitzen, 
der kann nur solches als ein wahres Kleinod von Instru- 
menten aufheben. Das Dach oder die Decke 1st ms- 
gemein mit drey Sternen nach romischer Art geziehret, 
damit sie den Ton gut auswerffen konnen.« — (Vgl. 
auch v. d. Straeten, B. VI, S. 516. 517.) Im Jahre 1592 
heiratete er Virginia, die Tochter des Lautenmachers 
Pietro de Albertis. Eine Theorbe von ihm aus dem 
Jahre 1608 besitzt Alfr. Keil in Lissabon, ein Chitarrone 
von 1614 das Victoria- and Albert-Museum in London. 

Bucher, Ignaz Johann (I). — Wien. Geb. in 

Wien 1828, f ll.Juli 1881 

Schuler seines Vaters Johann B., dessen Geschaft er 
1856 ubernahm. Er war ein sehr tiichtiger Geigen- 
macher, der u. a. fur ein nach Stradivari gebautes 
Quartett, dessen guter und starker Ton auffiel, im 
Jahre 1873 die Verdienstmedaille erhielt. Er baute auch 
verschiedene andere Saiteninstrumente, von denen 
namentlich seine Gitarren sehr beliebt waren. Als in 
den sechziger jahren die Zither popular wurde, ver- 
legte er sich ganz auf den Bau dieses Instruments und 
brachte es darin bald zu groOem Rufe. 

Geigenzettel : Abb. 48. 

Bucher, Ignaz Joh. (II). — Wien VII. Geb. in 

Wien 1859 

Schiller seines Vaters lgn. Joh. B. I, dessen Geschaft 
er 1881 ubernahm. Er arbeitete eine Zeitlang als Ge- 
hilfe in Markneukirchen und setzt jetzt die Traditionen 
des crerbten Gescha^tes, das neun Medaillen besitzt, in 
wiirdiger Weise fort. Er baut seine Geigen meist nach 
Stradivari, die ubrigen Instrumente (Zithern,. Gitarren 
usw ) nach eigenen Modellen und verwendet Spiritus- 
und Ollack. Mit dem Geschafte ist jetzt auch eine 
Saitenfabrik und eine Musikalienhandlung verbunden. 

Geigenzettel: Ig. Joh. Bucher , VII Zollergasse 22 / 
Wien (gedruckt). 



Bucher, Johann. — Wien. Geb. 1792 zu 
Hammerschwang in Wurttemberg, f in Wien 

1856 

Er kam als Knabe nach Wien zu J. G. Stauffer in die 
Lehre, grundete bereits 1816 sein eigenes, heute noch 
bliihendes Geschaft und brachte es bald zu Ansehen, 
sodafi er schon in den dreiBiger Jahren in Schuberths 
Lexikon un^er den hervcrrager.den neueren Geigen- 
machern aufgefiihrt wird. Hauptsachlich verlegte er sich 
auf den Bau von Gitarren, die er nach Legnani, Stauffer 
u. a. baute und in grofier Zahl auch an die Wiener 
Handler verkaufte. 

Geigenzettel: (Schwebender, Gitarre spielender Engel ) 
Johann Bucher Guitarremacher in der Stadt, Schul- 
tergasse am Judenplatz N°403 , in Wien (Abb. 70). 

Bucher, Michael. - Halle (Hall?). 1729 

Eine Arbeit von ihm besitzt das Museum in Darmstadt 
(Nr. 499). 

Buchner 

Eine Geigenmacherfamilie. von der gegenwartig selb- 
standig tatig sind : Anton B., Emanuel B. und Wenzel B. 
in Schonbach und Josef B. in Steingrub. Der Klavier- 
macher Carl Conr. B. (geb. 1778) in Sondershausen 
gehort einer anderen Familie an. 

Buchstetter, Christoff Andre. — Stadtamhof. 
1741 

Wahrscheinlich der Vater von Gabriel David B. Er 
arbeitete nach G. da Said und nennt sich »Burger, 
Lauden und Geigenmacher«. 

Buchstetter, Gabriel David. — Stadtamhof bei 
Regensburg, 1752. 1771 

Seinerzeit gait er fur einen der besten deutschen 
Meister, und selbst Spohr spielte auf seinen Konzerten 
nur eine »Buchstetter«, bis ihm der Zufall in Miinster 
bei Kolmar seine »Lupot« in die Hand fallen lieB. 
Buchstetter war fleifiig und gait fur sehr wohlhabend. 
Seine besten Geigen sind lang und schmal, haben flache 
Wolbung und eigenartige F-L6cher, die etwas an 
Amati erinnern. Die Arbeit ist gut, stellenweise sogar 
sehr sorgfaltig; nur in der Wahl des Holzes war er nicht 
allzu wahlerisch und verarbeitete gem hartjahriges 
Tannenholz, was den Ton scharf machte. Weniger gut 
war ursprtinglich sein Lack, der uber einer braunen 
Beize aufgetragen erscheint. Spater verstand er aber 
einen schonen, feurigen Lack von guten Eigenschaften 
und gelber oder gelbroter Farbe herzustellen. Auch 
seine Schnecken sind oft schon gestochen. Er machte 
Geigen und Lauten aller Art, und Arbeiten von ihm 
kommen noch ziemlich haufig vor. Eine Chorlaute be- 
sitzt das Germanische Museum in Numberg, zwei 
Violinen das Stift St. Florian in Oberosterreich. Es gibt 
auch eine Anzahl hochgewolbter Geigen (mit tiefer, 
breiter Hohlkehle, kurzen, geschweiften F-Lochem 
mit eiformigen Endpunkten, gutem Lack, aber 
schlechter Schnecke), in denen statt Gabriel David nur 
Gabriel Buchstetter zu lesen ist. Man hat daher zwei 
Geigenmacher unterscheiden wollen. Wahrscheinlich 



64 



Buchstetter — Burckart 



hat er seine billigen Geigen in den gangbaren deutschen 
Formen und bessere nach italienischem Vorbild ge- 
macht. Eine Violine von ihm mit geschriebenem Zettel 
besitzt Car! Stoeber in Wiirzburg. 
Geigenzettel : Abb. 35 und 83. 

Buchstetter, Josef. — Stadtamhof b. Regens- 

burg. 1776 

Sohn von Gabriel David B. und jedenfalls auch dessen 

Schiiler, da er ganz wie dieser arbeitete; doch kommen 

seine Geigen seltener vor. 

Geigenzettel: Josephus Buchstetter, Filius Gabrielis / 

Davidis, Pedeponti prope Ratis- / bonam — Anno 1 776 

(gedruckt). 

Buchta, Johann. — Briinn. 1776. 1841. Geb. 
bei Ingrowitz in Mahren urn 1755, f 1841 
AuGer Lauten und Gitarren soil er auch Harfen gemacht 
und sich schlieBlich auf den Klavierbau verlegt haben. 
Er war seit 1776 Mitglied der Tischlerzunft und wurde 
1803 Burger. Der im Jahre 1838 als Burger vorkom- 
mende Instrumentenmacher Wilhelm B. diirfte sein 
Sohn, und der 1888 verstorbene Klaviermacher Rudolf 
B. sein Enkel gewesen sein. 

Buckman, Geo. H. — Dover. 1899. Geb. 
23.0kt. 1845 

Ein Beamter und guter Geiger, der, durch Ottos und 
Heron-Aliens Schriften angeregt, sich dem Geigenbau 
zuwendete und am besten nach dem Modell von Stra- 
divaris »Le Messie« arbeitete. Seine Geigen zeigen 
gutes, altes Holz, sorgfaltige Arbeit und sind mit 
»Whitelaws Cremona-Bernstein-011ack« in verschie- 
denen Farben lackiert. Seine Biographie veroffentlichte 
Meredith-Morris in »The Strad« 1899 Nr. 112. 
Geigenzettel: Geo. H. Buckman / Dover 1899 (gedr.). 

Buczak, Franz, lebte im letzten Drittel des 
19. Jahrhunderts in Galizien 
Geigenzettel: Rep. w roku 1877 / Franciszek Buczak 
(gedruckt). 

Budiani s. Rodiani 

Bikhel, Hugo. — Coburg. Geb. 19. Nov. 1859 
auf der Coburger Feste 

Er war ursprunglich Mechaniker, bereiste Italien und 
die Schweiz, studierte, als SproBling einer bekannten 
Musikerfamilie, bei dieser Gelegenheit alle Geigen- 
sammlungen und verlegte sich schlieBlich, unter- 
stiitzt von der herzogl. sachs. Hofkapelle, ganz auf 
den Geigenbau. Er trat in das Galdertsche Geschaft 
in Coburg ein, dessen Eigentiimer er seit 1891 ist. Er 
arbeitete ursprunglich nach Stainer, doch hatten seine 
ersten Geigen in den tieferen Lagen einen hohlen, in 
den hoheren einen spitzen Ton. Spater kam er auf ein 
eigenes Modell, in der Mitte zwischen Stradivari und 
Bergonzi liegend, das auf ellipsenformiger Ausarbeitung 
der Decke beruht. 
Geigenzettel: H. Biichel / Coburg 1899 (nur geschr.). 



Buchner, F. W. — Leipzig. 1850. 1861 

Musiker und Instrumentenmacher. J. Lotto zollte ihm 
wegen des kraftigen Tons seiner Geigen lebhafte Aner- 
kennung. Ich kenne nur Ausbesserungsarbeiten von 
ihm. Seine Reparaturzettel klebte er gewohnlich im 
Innern an die Zargen. 

Buhlich, Richard. — Rostock i. M. Geb. um 
1 868 in Liitzen bei Leipzig 
Er lernte bei Ad. Paulus in Leipzig, war von 1885 bis 
1895 als Gehilfe tatig und lieB sich 1895 in Rostock 
nieder, wo er schon vorher bei Ellersieck gearbeitet 
hatte. Er baut nach eigenem, dem Stradivari ahnlichen 
Modell und verwendet einen goldgelben Spirituslack 
mit rotbrauner Schattierung. Sein Holz ist gut, und 
seine Geigen klingen, wenn sie nicht zu diinn aus- 
gearbeitet sind. 

Geigenzettel: Richard Buhlich, Rostock/ Geigenbauer 
18 . . (gedruckt). 

Burger, Joh. Adolph. — Frankfurt. 1694 

C. C. Snoeck besaB eine 26 cm lange Taschengeige mit 
Perlmuttereinlagen von ihm. Die groBere Wahrschein- 
lichkeit spricht dafur, daB er in Frankfurt a. M. gelebt 
hat, obwohl sich im dortigen Archiv kein Beleg dafiir 
finden lieB. In Frankfurt a. 0. habe ich gleichfalls ver- 
gebens nach ihm geforscht. 

Bull, Ole. — Bergen. Geb. 5. Febr. 1810, 
t 17. Aug. 1880 

Der beriihmte norwegische Geiger versuchte sich auch 
als Geigenmacher. Er ging dabei von den Lehrsatzen 
Bagatellas aus und bildete sich ein geometrisches 
System, das ihm einen Schlussel abgeben sollte, um in 
die vermuteten Geheimnisse der Cremoneser und be- 
sonders Stradivaris einzudringen. Am wertvollsten 
waren dabei vielleicht seine Versuche, die er mit den 
verschiedenartigsten Holzern vornahm. 

Buonaroti. — Rom. 18. Jahrhundert 

Ein Meister zweiten Ranges, dessen schmales Patron 
sowie die ziemlich starke Wolbung eher auf deutsche 
als auf italienische Vorbilder schlieBen laBt. Manche 
bringen ihn mit D. Tecchler in Beziehung. 

Buonfigliuoli, Pier Francesco. — Florenz. 
17. Jahrhundert 

Bei de Piccolellis und Vidal wird er zwar dem Namen 
nach erwahnt, doch war es mir nicht moglich, irgend 
etwas von ihm oder uber ihn zu ermitteln. 

Burckart, Dionysius. — Rastatt. 1807 

In einer mittelmaBigen, nach dem Stainermodell ge- 
bauten Violine fand sich der untenstehende Zettel. Die 
Schnecke ist flach, am besten noch der gelbe Lack. Da 
nur der Ort und die Jahreszahl handschriftlich ange- 
bracht ist, scheint Burckart an verschiedenen Orten 
gearbeitet und dann auf seinem Zettel den jeweiligen 
Aufenthaltsort vermerkt zu -haben. 

Geigenzettel : Dionisius Burckart Musikus / Violin- und 
Saitenmacher / in Rastat 1807 (geschrieben). 



Burckholtzer — Buti 



65 



Burckholtzer (Burgkholzer) s. Purkholtzer 

Burghardt s. Bourgard 

Burkhardt, Emil. — Eisenach. Geb. 1871 zu 
Annaberg im Erzgeb. 

Er lemte bei Meisel in Klingenthal und arbeitete 1888 
als Gehilfe bei Ernst Glasel in Markneukirchen ; von da 
ging er 1890 nach Dresden zu Hammig, 1892 zu Beyer 
nach Erfurt und 1895 nach Kotzschenbroda bei 
Dresden, wo er sich am I . Juni selbstandig machte. Er 
erfand ein Universalstreich- und Rupfinstrument, zu 
dessen fabrikmaGiger Herstellung er sich mit einem 
Kaufmann in Schleusingen verband. Seit 1898 widmete 
er sich wieder ausschlieBlich dem Geigenbau und 
siedelte 1901 nach Eisenach iiber, wo er durch ge- 
diegene Arbeit bald allgemeine Anerkennung fand. Er 
ist gleich tiichtig im Neubau wie in der kiinstlerischen 
Wiederherstellung alter Geigen. 

Geigenzettel : Emil Burkhardt, / Instrumentenmacher 
u. Reparateur, ,' Eisenach, anno 190 (gedruckt). 

Burnley, Arnold. — 1871 

Ein englischer Geigenmacher, dessen Ollack gelobt 
wird. 

Burzenski, Kasimir. — Uscie-Solne. 1796 
In der Wiener Musik- und Theaterausstellung waren 
Arbeiten von ihm ausgestellt. 

Busan, Domenico. — Vicenza, Venedig. 1 740. 
1780 

Die Lesart BusaS ist sein:n Zetteln nach falsch. Er 1st 
wenig bekannt und soil nach de Piccolellis aus Vicenza 
stammen, schloft sich aber der Venezianer Schule an. 
Hauptsachlich sind einige gute Basse von ihm bekannt. 

Geigenzettel : Dominicus Busan / Venetus Fecit / Anno 
1746 (gedruckt). — Dominicus Busan / fecit Venetiis 
1761 (gedruckt). 

Busch, Ernst. — Niirnberg. 1612. 1644 

Ein fleifiiger und geschatzter Lauten- und Violen- 
macher, der in den Umrissen eine neue Form anstrebte. 
Arbeiten von ihm sind in verschiedenen Sammlungen 
zu finden. Zwei Gamben von ihm sind in W. Heyers 
Musikhistorischem Museum in Koln und ferner eine 
Violine von 1644 im German ischen Museum in Niirn- 
berg. Eine aus der Sebalduskirche stammende Viola von 
ihm besitzt der 85jahrige Ntirnberger Musiker Auer 
seit 65 Jahren. Die Viola ist sehr grofi und hat einen 
wundervollen Ton. C. Claudius in Kopenhagen hat 
eine sehr grofie Bafigamba mit Bogen von ihm aus 
dem Jahre 1638 und eine Diskantvtola da Gamba. 

Geigenzettel: Ernst Busch, Niirnberg 1617 (gedruckt). 
— Ernst Busch / in Niirnberg 1 638 (gedruckt). — Ernst 
Busch Niirnberg/ 1641 (gedruckt). 

Buschmann, Gustav Adolf. — Hamburg. Geb. 
1835 in Freiburg i. Br. 

Bekannter Piano- und Harmoniumfabrikant, der als 

Erfinder einer schatzenswerten Verbesserung am 

v. Liitgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Kontrabafi hier genannt werden darf. Er hat sich seit 
langen Jahren mit der Verbesserung des Kontrabasses 
beschaftigt, der bekanntlich an dem Mangel leidet, dafi 
seine Tone nur bis zum Kontra-E hinuntergehen, dafi 
also die Kontraoktave zu den tiefsten Cellotonen bis C 
fehlt. Schon 1856 baute er einen C-KontrabaB, der sich 
aber nicht praktisch erwies, weil er in Quinten gestimmt 
war. Um die gewohnte Mensur bestehen zu lassen und 
nur die tiefste Saite nach Bediirfnis bis zum Kontra-C 
benutzen zu konnen, ersann Buschmann verschiedene 
Systeme mit Anwendung von Wellen, Klappen oder 
Druckstaben, aber alle wollten den Anspriichen an 
bequeme Spielart nicht geniigen. Schliefihch loste er 
das Problem durch Verwendung eines zweitcn Sattels 
fur die tiefste Saite und von vier Greifern, die durch 
Druckknopfe vom Hals aus in Tatigkeit gesetzt werden. 
So kann die gewohnliche Spielart des Instruments be- 
stehen bleiben und doch nach Belieben die tiefste Saite 
nach Dis oder Es, D, Cis oder Des und C zu gestimmt 
werden. Damit ist nicht nur die Skala um dicse Tone 
erweitert, sondern der Klang des Instruments vcrvoll- 
kommnet und die Tonarten, die sonst ohne Kraft sind, 
wirken freier. Eine ahnliche Erfindung hat allerdings 
Karl Pittrich in Dresden schon friiher gemacht. 

Bussetto, Giovanni Maria del. — Cremona, 
Brescia. 1640. 1681 

Er wird stets, u. a. noch von Valdrighi, in die Zeit von 
1540 — 1580 gesetzt und dann der Zeit nach als einer 
der ersten Geigenmacher Cremonas erklart. Auf echten 
Zetteln ist jedoch die Zahl 16 bei der Angabe des Jahr- 
hunderts ganz deutlich; einen solchen Zettel veroffent- 
licht auch Grillet. In einer Altviola der Sammlung 
Scheurleer mit der Ortsangabe Brescia wird die Jahres- 
zahl 1576 gelesen, was offenbar falsch ist. Seine Geigen 
sind hochgewolbt, haben grofies Patron, kurze, weite 
F-Locher, und dunkelgelben oder braunen Lack. Er 
stammt wahrscheinlich aus Busetto und ist vielleicht 
der Meister der Violen mit dem Namen : Joannes 
Marius (gedruckt). 

Geigenzettel : Abb. 86. 

Bussolero, Luigi. — Riva-Nazzaro. 1817 

Guter Gitarren- und Mandolinenbauer vom Anfang 
des 19. Jahrhunderts. 

Geigenzettel: Luigi Bussolero Rivanazzaro 1817 (ge- 
druckt). 

Buthod. — Mirecourt. 1820. 1845 

Nachdem er eine Zeitlang unter Vuillaume gearbeitet 
hatte, grtindete er in Mirecourt eine grofie Fabrik und 
verband sich spater mit Husson; zuletzt hiefi die Firma 
»Husson, Buthod et Thibouville*. 

Geigenzettel: Buthod. Luthier / Eleve du Vuillaume, a 
Paris (gedruckt). 

Buti, Antonio. — Archi. 1756 

Mittelmafiiger Geigenmacher aus Albano. 

Geigenzettel: Antonio Buti d'Albano Archi / Fece 
l'anno 1756 (gedruckt). 

5 



66 



Button — Calagari 



Button. — London. 1806. 1830 

Hauptsachlich Handler. Er war zuerst mit Purdey, 
spater mit Whitaker verbunden und wohnte eine Zeit- 
lang in St. Paul's Churchyard. 

Byrom, John. — Liverpool. 1900 

Eine sauber gearbeitete Violine, die ich in Handen hatte, 
trug seinen Namen. 



C. C. F.R. — Wien. 1800 

In einer sehr schon gearbeiteten, mit Ebenholz, Elfen- 
bein und Perlmutter eingelegten Gitarre fand sich dieser 
Brandstempel. Es gelang mir nicht, den Verfertiger fest- 
zustellen. 

Cabasse, Prosper. — Mirecourt. Anfang des 
19. Jahrhunderts 

Vielleicht ein Sohn des 1778 genannten Bogenmachers 
Jean C. Ein ziemlich geschickter Gitarren- und Geigen- 
macher, der auf seiner Brandmarke Paris als Ursprungs- 
ort anzugeben pflegte. Sein Model! war schmal und 
hoher gewolbt als das in Mirecourt ubliche. Seine 
Brandmarke wurde auch nach seinem Tode noch von 
Handlern benutzt, wobei der Name manchmal als 
Gabasse erscheint. 

Cabled (Cabley), Claude. — Mirecourt. 1604. 

1607 

Ein bisher nur aus den Urkunden nachzuweisender 
Geigenmacher. Einer seiner Nachkommen, Jean Claude 
Cabley, lebte zwischen 1762 und 1 777 als Bogenmacher. 

Cabresy. — (?) 1725 

Der am 8. Mai 1794 guillotinierte Tavernier de Bou- 
logne besaG nach Brunis Inventar (Gallay, Un Inven- 
taire sous la terreur par A. Bruni, Paris 1890, S. 25) 
»ein Violoncello von Cabresy «. Auch ein BaO aus dem 
gleichen Jahr von diesem Meister ist bekannt. Uber 
seinen Wohnort usw. war nichts zu erfahren. 

Cabroli, Lorenzo. — Mailand. 1716 

Mittelmafiiger Geigenmacher, dessen gelber Lack noch 
das Beste an seinen Arbeiten ist. 

Cabroly. — Toulouse. 1734. 1747 

Er scheint ein in Frankreich eingewanderter Italiener 
gewesen zu sein und konnte mit der Mailander Familie 
Cabroli zusammenhangen. Seine Arbeiten sind nicht 
schlecht und sein Lack ist gewohnlich blafirot oder 
rotlichgelb. Statt der Einlage zog er oft nur Linien. 
Eine Diskantviola von ihm ist in der Crosby Brown- 
Sammlung in New York zu sehen. 

Geigenzettel: Abb. 124. 

Cadot, Theobald. — Toulon. Geb. um 1850 
Er liefi sich in den achtziger Jahren des 1 9. Jahrhunderts 
in Toulon als Geigenmacher und -handler nieder. 



Caeste, Gaetano. — Cremona. 1660. 1680 
Da die wenigen, die seinen Namen erwahnen, ihre 
Quellen verschweigen, war es nicht moglich, etwas 
Naheres iiber ihn festzustellen. Er gehort vielleicht zur 
Familie Costa, ist aber in Cremona unbekannt. 

Caffarata.— ? 1840 

Ein geschickter Italiener, von dem ich einen sehr guten 
BaB kennen lernte. 

Cahusac. — London (Strand). 1785. 1788 

Da er fast nur mit den Sohnen von Banks gemeinsam 
arbeitete, kommen Geigen nut semem Namen aufierst 
selten vor. Er hielt sich an den deutschen Stil ; sein 
Modell ist hochgewolbt. Die Einlage fehltzwar,dagegen 
ist sein bernsteinbrauner Lack schon. Sein Sohn (»Ca- 
husac Son«) ist als Verfertiger von Oboen bekannt ge- 
worden. 

Cailhe, Henri. — Charroux. Geb. 8. Aug. 1864 
Geschaftsteilhaber seines Vaters J. B. Cailhe-Decante. 

Cailhe (Cailhe-Decante), Jean Bapttste. — 
Charroux. Geb. in Charroux d'Allier 10. Mai 
1832 

Schiiler und Schwiegersohn von Jacques Decante, 
dessen Geschaft er 1858 iibernahm und von Jenzat 
nach Charroux verlegte, nachdem er vorher von 1855 
bis 1857 in Paris und Lyon gearbeitet hatte. Er baute 
Leiern (Viellen) nach den Modeller seines Hauses und 
hat ihnen eine gefalligere Form und volleren Klang 
gegeben und auch den Saitenbezug verdoppelt. Er ver- 
wendet einen Spirituslack eigener Mischung. Seine 
Fabrik fuhrt das Schild »a !a vielle Bourbonaise«. Auf 
seinen Zetteln findet man aufler dem Namen seine 
zahlreichen Auszeichnungen angefiihrt. 

Caille. — Mirecourt. 18. Jahrhundert 

lacquot nennt zwei Mitglieder dieser Familie: Louis C. 
(1779-1787) und Dominique C. (1769—1789). 

Caisser s. Kaiser 

Calabri,PierVittoriodi. — Ferrara. 1549. 1551 

Ein Musiker, der auch Lyren gebaut haben soil. Vgl. 

Valdrighi 518 und Anmerkung dazu. 

Calace, Antonio. — Neapel. Um 1850 

Nur als Gitarrenmacher bekannt. Er wohnte Strada 
Mezzo-cannone Nr. 32. 



Calace (Calaca), Nicola und Raffaele. — Neapel. 

1881. 1903 

Sonne des Antonio C. Gehoren wie ihr Vater zu den 
vieien Mandolinenmachern Neapels. 

Calagari, Francesco Giuseppe. ' — ? 1685 

Eine sehr schone, hochgewolbte Viola von grofiem, 
edlem Ton, mit braunem feurigen Lack und schoner 
Schnecke in der Sammlung Carl Stoeber in Wurzburg 
enthalt einen Zettel mit diesem Namen. Der Wohnort 
lafit sich nicht einwandfrei lesen. 



Calar — Campetti 



67 



Calar, Giovanni. — Rom. 1624 

Ein in Rom ansassiger Lautenmacher, wahrscheinlich 
deutscher Abstammung. 

Calcagni (Calcanius), Bernardo. — Genua. 
1710. 1750 

Ein geschickter Meister, der von verschiedenen Ken- 
nern der Schule Guarnens zugewiesen wird. Wenn er 
auch zeitweise das Guarneri-Modell nachahmte, so 
nahert er sich mehr und mehr dem flachen Modelle 
Stradivaris; nur um 1740, da er mit Pazarini verbunden 
war, scheint er das hochgewolbte Modell seines Ge- 
nossen angenommen zu haben. Sein Holz ist schon und 
der Lack von rotgelber oder Goldorangefarbe. Ein 
Ferdinando Calcanius, den manche erwahnen, hat in 
Genua nicht gelebt 1 ). 
Geigenzettel : Abb. 140. 

Caldeira. — ■ Lissabon. 1896 

Sein Geschaftsteilhaber war Rosa. Beide sind die Nach- 
folger von Manoel Pereira gewesen und bauten haupt- 
sachlich Gitarren und Mandolinen. 

Callsen, Bruno. — Zittau i. S. 1898 

Die Firma lautete bis 1898 B. Callsen & Schafer. Er 
bezeichnet sein Geschaft als »Streichinstrumenten- 
macherei«. 



Calow, William. — Nottingham. 1875. 1890 
Geigenmacher, Reparateur und Handler. 

Caltrassaure (?). — 1787 

Eine Geige mit diesem zweifelhaftenNamen, hellhraun 
lackiert, besitzt G. Withers in London. 

Calvalorio. — ■ Genf. 1725 

Zweifelhafter Name, der jedoch von Grillet noch an- 
gefiihrt wird ; s. Cavalorio. 

Calvarola, Bartolommeo. — Torre Baldone 
(Bergamo) und Bologna. 1750. 1767 
Viele seiner Geigen sind von gewohnlicher Arbeit, 
einige aber sorgfaltiger gemacht und erinnern an die 
Schule der Ruggeri. Sein gelber Lack ist immer ziem- 
lich gut; dagegen sind seine Schnecken ohne Schwung 
und bei aller Kleinheit plump in der Form. 
Geigenzettel : Bartolommeo Calvarola / fecit Bergame 
176 . . (gedruckt). 

Calzavara, Santc. — Padua. 1 764 

Sein Name ist mir nur in einer klemen Mandoline der 
Sammlung Snoeck (Nr. 319) vorgekommen. 
Geigenzettel : Santo Calzavara fece / in Pad ova Tan no / 
1 764 (geschrieben). 



Calonardi, Marco. 
1 7. Jahrhunderts 

Sowohl de Piccolellis als Vidal teilen ohne Quellen- 
nachweis nur den Namen mit. »Calonardi« ist jedenfalls 
mit »Carlomordi« identisch, doch wage ich nicht zu 
entscheiden, welche Form des Namens die richtige ist. 



Cremona. Mitte des Camberini (?), Giambattista. — Florenz (?). 
18. (?) Jahrhundert 

Wahrscheinlich ein Mitglied der Familie Giamberini 
(s.d.), von dem G. Withers in London einen dreisaitigen 
KontrabaB besitzt. Das Holz daran und die Arbeit sind 
gut. 



Calon-Stremiti, Eugenio. — Modena. 1840 
Nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. 

Calot. — Bern, Turin. 1820. 1830 

Er stammte aus Mirecourt, arbeitete in verschiedenen 
Stadten als Gehilfe und liefi sich zuerst in Bern und 
spater in Turin als Geigenmacher nieder. Valdrighi 
besitzt eine schone Gitarre mit dem Zettel : Calot, rue 
de la rose rouge / porte N. 3. 1' etage, Turin (gedr.). 
— Eine von lhm ausgebesserte Viola besaB Comm. 
Cavalieri in Ferrara. 

Geigenzettel: Repare par Calot / a Berne, 1. may 1820 
(geschrieben). 

Calot (Callot). — Paris. Geb. 1810 in Mire- 
court 

In seiner Vaterstadt ausgebildet, kam er als Gehilfe zu 
Clement nach Pans und verband sich 1830 mit Augiere, 
mit dem zusammen er ein Geschaft in der Rue St. Eu- 
stache Nr. 12 eroffnete. Ihre Instrumente zeichnen sich 
durch saubere Arbeit, gelbroten Lack und guten Ton 
aus. 



*) Ein Tiberio Calcagni war ein florentinischer Bild- 
hauer, der um 1560 bei Michel Angelo arbeitete. 



Camilli, Camillo. — Mantua. 1714. 1760 
Er wird zwar gewohnlich als Schuler Stradivaris be- 
zeichnet, doch sind seine Geigen viel haufiger nach 
Guarneri gebaut, so daft es wahrscheinlicher ist, daB er 
bei einem Mitglied der Guarnerischule gelernt hat. 
Seine Instrumente kommen, wie nicht anders zu er- 
warten, jetzt immer mehr in Aufnahme. Schoner Ton, 
gutes Holz, hellroter oder braunhchroter Lack, der an 
Landolfi erinnert, weite, kurze F-Locher kennzeichnen 
seine Geigen. Er verwendet verschiedene Zettel: 
Eine Violine mit der Inschrift »Camil!o de Camilli Fee. 
in Mantova 1734« besitzt das Briisseler Streichquartett. 

Geigenzettel: Camillus de Camilli/ Fecit in Mantova 
1760 (gedruckt) und Abb. 116, 

Camillio, Davide. — Cremona. 1755 

Wenig bekannter Meister dritten Ranges, den de Pic- 
colellis iibrigens nicht erwahnt. Er ahmte Nic. Amati 
nach. Der Wohnort ist vielleicht fingiert. 

Campetti, Lorenzo. — Lucca. 1833 

Einer der vielen italienischen Geigenmacher des 
19. Jahrhunderts ohne Eigenart, deren Arbeiten nichts 
mehr von den Traditionen der klassischen Meister ver- 



68 



Campi — Cappa 



Campi, Giuseppe. — Pescina. 1760. 1762 
Ein Geigenmacher, der vielleicht In Pesaro gelernt hat 
oder zu Odoardo in Beziehung stand. Seine Geigen 
sind nicht schlecht, flach gewolbt, aber von handwerks- 
maBiger Arbeit. 

Geigenzettel : Josephus de Campis / in Pescina Ao 17 . . 
(geschrieben). — Giuseppe Campi fece / in Pescina 
Anno 1762 (geschrieben). 

Campion. — Paris (?). 1823 

Nur nach einer reich mit Perlmutter und Ebenholz ein- 
gelegten Gitarre aus Mahagoniholz bekannt, die in Paris 
im Jahre 1823 ausgestellt war. 

Camploy, J. — Verona. 1854. 1860 

Wie so viele andere wollte auch er den alten Cremoneser 
Lack neu erfunden haben und stellte Geigen mit diesem 
Lack in Miinchen im Jahre 1854 aus. 

Cannon, James. — Dumfries. Geb. in Plascow 
(Kirkcudbrightshire) 1855 

Er kam um 1880 als Bahnbeamter nach Dumfries und 
ist ein guter Geiger. Er besaft eine von seinem GroB- 
vater gemachte Violine, die ihn zuerst veranlaBte, sich 
auch im Geigenbau zu versuchen. Er studierte Ottos 
Schriftchen und hat aus Liebhaberei eine Anzahl Gei- 
gen gemacht, die nicht schlecht sind. 
Geigenzettel: J.Cannon. / Dumfries,/ 1888 (gedr.). 

Cans, Dominik. — Oudenaarde(Belgien). 1 748. 
f 1806 

In der Sammlung Snoeck befand sich eine von Joons 
Willems gebaute BaBviola mit seinem Reparaturzettel. 
Er war von Beruf Apotheker und nur aus Liebhaberei 
Geigenmacher. 

Geigenzettel: D. Cans refecit / Aldenardae, anno 1801 
(gedruckt). 

Capellus, Antonius. — ? 1563 

Eine Diskantlaute mit diesem Namen und Datum be- 
sitzt C. Claudius in Kopenhagen. 

Capiari. 1846 

Italienischer Geigenmacher, der um die Mitte des 
1 9. Jahrhunderts tatig war. 

Capo (Capa), Antonio. — Cremona. 1796 
Einige wenige Geigen tragen seinen Namen; auch bei 
Valdrighi (4093) wird er erwahnt. 



Capo 



— Mailand. 1717. 1718 
Ebenso selten vorkommend wie der gleichnamige Cre- 
moneser. Vidal f iihrt nur den Namen an ; Grillet f ugt 
die Beschreibung eines Zettels hinzu, ohne auf seine 
Arbeiten einzugehen. Beide sind vielleicht Nach- 
kommen G. Cappas. Eine Violine (35,4 mm) von ihm 
mit einem Pergamentzettel besitzt Julius von Thury 
in Budapest. Sie erinnert eher an das Klotz-Modell als 
an die Arbeiten gleichzeitiger Mailander, ist aber ele- 
ganter im UmriB und hat recht hubsche F-Locher. 



Cappa, Giuseppe Francesco. — Saluzzio. 1 640 

Grillet veroffentlicht seinen Zettel. Wenn die Jahreszahl 
richtig gelesen und der Zettel echt ist, dann ware dieser 
bisher unbekannte Gius. Franc. C. vermutlich als ein 
Oheim des beruhmteren Goffredo C. anzusehen. 
Geigenzettel: Abb. 139. 

Cappa, Goffredo. ■ — Saluzzo. Geb. 1644 in 
Saluzzo, f 6. Aug. 1717 

Sohn des Andrea C. aus Finalborgo. Er war wahr- 
scheinlich ein Schuler Nicolo Amatis. Von seinen Le- 
bensschicksalen weiB man bedauerlicherweise sehr 
wenig, nur daB er im Jahre 1679 die Maria Scotti ge- 
heiratet hat. Er gehort zu den besten Meistern der 
Amatischule und geriet unverdienterweise so in Ver- 
gessenheit, daB allerlei schiefe Urteile iiber ihn und 
seine Arbeit lange genug unwidersprochen verbreitet 
werden konnten. Auch wurden seine Zettel gefalscht 
und mit unsinmgen Jahreszahlen versehen in minder- 
wertige Geigen geklebt, wahrend seine echten Arbeiten 
als Arbeiten der Amati, deren Namen den Handlern 
gelaufiger waren, verkauft worden sind. Er nimmt die 
Wolbung ein klein wenig hoher als sein Lehrer, hat eine 
andere Schnecke, kurze : weite F-Locher, hohe Zargen 
und kommt im Lack seinen groBeren Zeitgenossen 
nicht gleich. Seine Geigen haben jedoch einen edlen 
Ton und konnen in dieser Beziehung mindestens den 
Arbeiten G. B. Rogeris gleichgestellt werden. Da seine 
besten Violinen, wie schon bemerkt, langst mit Amati- 
zetteln versehen wurden, kommt nur selten ein ein- 
wandfreies Exemplar mit seinem Namen zum Vor- 
schein, eher begegnet man noch Violen und Violoncelli 
von ihm, so daB es begreiflich erscheint, wenn mm 
angenommen hat, daB ihm diese Instrumente besser 
gelungen seien. Auf den Zetteln, die er in seine Arbeiten 
klebte, liest man: Iofredus Cappa fecit / Salutiis anno 
16 . . (gedruckt). Diese Zettel wurden schon in alter 
Zeit gefalscht, und da sie haufig verwendet wurden, 
laBt dies doch einen RiickschluB darauf zu, daB Cappa 
seinerzeit einen gewissen Ruf bei den Geigern gehabt 
haben muB. Dafiir spricht auch, daB verschiedene ge- 
schickte Geigenmacher als Cappa-Schuler bezeichnet 
wurden, so die Turiner Meister G. Francesco Celoniato, 
der etwas altere Gius. Francesco Catenari und Nicola 
Giorgi, ferner Domenico Bombirio in Villafranca und 
Spirito Sorsana in Coni und bis zu einem gewissen 
Grade auch Carlo Giuseppe Testore in Mailand. Es 
wird sich schwer feststellen lassen, was da willkurliche 
Vermutung und was Uberlieferung ist. Nach G. Hart 
soil es Geigen Cappas geben, die als Ursprungsort Tu- 
rin bezeichnen. Mir ist eine solche nie vorgekommen, 
auch auf seinen echten oder nachgeahmten Zetteln habe 
ich nie diese Ortsangabe ? efunden, sondern immer nur 
Saluzzo. Wir wissen ja jetzt auch, daB er dort geboren 
und gestorben ist, dort geheiratet hat, und daB er einen 
Sohn hinterlieB. Ich glaube daher nicht daran, daB er 
je in Turin ansassig war, und neige auch zu der Ansicht, 
daB ihm nur infolge des angeblichen Aufenthaltes in 
Turin die genannten Turiner Meister als Schuler zu- 
gewiesen wurden. Cappa ist. ein Meister des Geigen- 
baues, der es verdienen wiirde, daB man sich mit seinem 
Leben und seiner Kunst eingehender beschaftigte. 
Gliicklicherweise wendet ihm jetzt Bischof Oberti von 



Cappa — Carcass! 



69 



Saluzzo neben Orazio Roggiero sein Interesse zu, und 
dem Forschungseifer beider wird es gewift noch ge- 
Iingen, manche wertvolle Einzelheit aus dem Leben 
Cappas zutage zu fordern. Auch Comm. Turbiglio, der 
im »Popolo della Domenica« (vom 3. Sept. 1906) in 
einem Aufsatz auf Cappa hingewiesen hat, wird sich 
weiter mit ihm beschaftigen. Da das Wichtigste aber 
ware, ihm seine Werke zuriickzugeben und aus den 
noch erhaltenen, echten Geigen seine Eigenart ein- 
wandfrei festzustellen, so wurde ich den freundlichen 
Lesem dieses Buches, die lnstrumente von Cappa be- 
sitzen, sehr dankbar sein, wenn sie mir dariiber eine 
kurze Mitteilung zugehen lassen wollten. Einer Kla- 
rung bedarf auch noch das Verwandtschaftsverhaltnis 
Goffredo Cappas zu den iibrigen Mitgliedern der Fa- 
milie Cappa. 

Geigenzettel: Iofredus Cappa fecit / Salutiis anno 16 . . 
(gedruckt). 

Muster eines der haufig vorkommenden gefalschten 
Zettel: Abb. 98. 

Cappa, Gioacchino und Giuseppe. — Saluzzio, 
Turin. 1661. 1725 

Vielleicht Sonne Goffredos, — iibrigens waren mehrere 
Nachkommen Goffredo Cappas Geigenmacher, diese 
waren aber durchaus unbedeutend, so daft man ihre 
Arbeiten schon deshalb leicht von den seinen unter- 
scheiden kann. Auch ihreZettel wurden gerne gefalscht 
und mit jahreszahlen, die bis 1640 zuruckgehen, ver- 
sehen. 

Cappiello. — Neapel 
Mandolinenmacher. 

Caprari, Francesco. — Rolo. 1846 

Mittelmaftiger italienischerGeigenmacher aus der ersten 
Halfte des 19. Jahrhunderts. 

Capsperger s. Kapsberger 
Car, Andrija. — Agram. 1903 

Kroatischer Lauten(Tamburitza-)macher der Gegen- 

wart. 

Carabba, C. V. — Catania. Ende des 19. Jahr- 
hunderts 
Mandolinenfabrikant der Gegenwart. 

Caradotti, Luigi 

ltalienischer Mandolinenmacher. 

Carboni, Gius., lebt als Saiteninstrumenten- 

macher in Pavia 

Carbonari. — Neapel 
Mandolinenmacher. 

Carcanius. — Cremona. 1500 

Vidal fiihrt diesen Namen als den eines alten Geigen- 
machers an, von dem er einen gedruckten Pergament- 
zettel gefunden haben will. Mir 1st der Name niemals 
vorgekommen ; ich vermute sehr, daft man es hier, falls 
der Zettel iiberhaupt echt war, mit einem Calcanius zu 
tun hat; die Jahreszahl wird falsch gelesen sein. 



Carcassi, Antonio Felice. — Florenz. 1773 
Seine Zugehorigkeit zu den anderen Mitgliedern der 
Familie Carcassi steht nicht fest, wenn auch seine Ar- 
beit manche Ahnlichkeiten aufweist. 
Geigenzettel: Antonio Felice Carcas / fece in Firenze 
1773 (gedruckt). 

Carcassi, Francesco. — Florenz. 1735. 1758 
Vielleicht der Vater von Lorenzo und Tomaso, deren 
Geigen den seinen nahe stehen. Mittelgute Arbeit, 
gelbbrauner Lack. 

Carcassi, Giovanni. — Florenz (?). 1688. 1698 
Bekannt als Verfertiger von Spinetts und Klavizimbeln. 
Geigenzettel: Joannes Carcassi fecit anno Domini 
MDCLXXXV1 II (gedruckt). 

Carcassi, Lorenzo. — Florenz. 1737. 1757 
Der Zeit nach muft er Teilhaber der Firma Lorenzo e- 
Tomaso C. gewesen sein, er arbeitete aber auch fur sich 
allein und hatte bei der noch heute stehenden Kirche 
»dalla Madonna dei Ricci« einen Laien. Er wohnte im 
Borgo San Fridiano und diirfte wohl bis 1 776 noch ge- 
lebt haben. Dem Anscheine nach hielt er sich 1755 
voriibergehend in Turin auf, denn in einer Viola 
d'amore in der Sammlung Keil in Lissabon von ihm 
liest man: »fecit Taurini 1755». Seine Geigen sind gut 
gearbeitet und haben leidlich hohe Wolbung und gelben 
Lack. Eine kleine BaBgeige in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum in Koln tragt seinen Reparaturzettel, 
das gleiche Museum besitzt auch eine Hakenharfe von 
ihm (Nr. 392). In der Sammlung Th. Hammerle in ' 
Wien ist eine kleine Viola von ihm. Die Doppelfirma 
Lorenzo e Tomaso C. ist mindestens seit 1745 nach- 
weisbar. Eine gute Geige von 1764 und eine Viola 
d'amore von 1767 von beiden besitzt das Musikhistori- 
sche Museum in Koln. Eine gute Violine von ihm be- 
sitzt Zeichenlehrer Bogs in Bromberg, eine andere 
Albert Berr in Bohmischbruck und eine dritte, mit 
schonem gelben Lack Dipl.-Ing. Rich. Renner in 
Tutzing. Spater verlegten sich die Briider mehr auf 
den Bau von Gitarren. 
Geigenzettel: Abb. 107, 122, 131. 

Carcassi, Salvatore. — Florenz. 1802 

Wahrscheinlich ein Sohn eines der Briider Carcassi. 
Von ihm sind mir hauptsachlich Gitarren bekannt ge- 
worden. 

Carcassi, Tomaso. — Florenz. 1747. 1786 
. Wahrscheinlich Teilhaber der Firma Lorenzo To- 
maso C; daft er auch allein gearbeitet hat, beweisen 
seine Zettel, die noch urn 1786 vorkommen. Die Be- 
hauptung, daft er schon in den dreiftiger Jahren ge- 
arbeitet hat, hat wenig Wahrscheinlichkeit fur sich 
und beruht wohl auf einem Lesefehler. 
Geigenzettel: Abb. 121. 

Carcassi, Vincenzo. — Florenz. 1790 

Das am wenigsten bekannte Mitglied der Familie. Eine 
kleine (38 cm lange) Mandoline von ihm befand sich in 
der 1910 in Frankfurt a. M. versteigerten Sammlung 
Giinther-Prestel. 



70 



Cardi 



Cardi, Luigi. — Verona. 19. Jahrhundert 
Ein Musikinstrumentenmacher, der auch einige Geigen 
gebaut hat. 

Care, Paul. — Danzig. Geb. In Belgard 1859 

Von Haus aus Musiker, ist er durch 12 Jahre Hoboist 
gewesen. Wahrend seiner Militarzeit wohnte er bei dem 
Geigenmacher Leitzsch, der ihm einige Anleitung im 
Geigenbau gab. Er fand so vie] Gefallen daran, daB er 
sich schliefilich ganz darauf verlegte und 1893 seine 
Werkstatt eroffnete. Er baut nacb einem eigenen, Stra- 
divari nachgeahmten Modell, an dem der Mittelbiigel 
mehr an Guarneri erinnert. Auf den Lack legt er wenig 
Gewicbt und verwendet verscbiedene Sorten. Auf der 
Berliner Musikausstellung erhielt er fur mebrere Gei- 
gen eine silberne Medaille. 
Geigenzettel: Paul Care/ Danzig 1895 (geschrieben). 

Caressa, Felix Albert. — Pans. Geb. in Nizza 
25. Dezember 1866 

Schiiler von Gand und Bernardel. Nachdem er 10 Jahre 
in dem Geschafte tatig war, das er 1900 bereits leitete, 
wurde er am 1 . Juli 1 90 1 mit Henri Francais zusammen 
der Nachfolger von Gustave Bernardel. Die Firma lau- 
tet jetzt: Caressa & Francais, Successeurs de Gustave 
Bernardel, anciennes maisons Lupct et Gand et Ber- 
nardel 4 passage Saulnier a Paris. Er baut nach Lupot 
und verwendete eine Zeitlang Gust. Bernardels Zettel, 
jetzt den der neuen Firma. Er besitzt viele Auszeich- 
nungen, ist Ritter der Ehrenlegion und war bei alien 
groBen Ausstellungen der letzten Jahre als Juror tatig. 
Geigenzettel: (Monogr. C F.) Caressa & Francais / 
Luthiers du Conservatoire de Musique / No. . . 
Paris 19.. 

Cargnano s. Gargnano 

Carlander, Ehas. — Stockholm. Geb. 1721, 
f in Trosa 25. April 1784 

Ein tiichtigerGeiger, Mitglied derKgl. Hofkapelle, der 
sich seit mindestens 1760 recht eifng mit dem Geigen- 
bau beschaftigte. Besonders scheint er sich als Repara- 
teur bewahrt zu haben, doch kommen auch Geigen und 
Violen, die er gebaut hat, mehrfach vor. Auf seinen 
Zetteln bezeichnet er sich stets als Kgl. Hofmusikus. 
Geigenzettel : Renarerad af Kongl / Hof Musicus Car- 
lander / A 1784 (geschrieben). 

Carlman (?), Jonas 

Wird als tiichtiger schwedischer Geigenmacher des 
18. Jahrhunderts bezeichnet, der das Stainermodell 
zum Vorbild nahm. Vielleicht hieB er richtig Carlander? 

Carlo, Giuseppe. — Mailand. 1769 

Auf seinem Zettel war nicht deutlich ersichtlich, ob 
Carlo nicht der zweite Taufname vor einem fehlenden 
Familiennamen war. Der Arbeit nach gehort er zu den 
Meistern vierten Ranges. 

Carlo (gen. Carlo da Pesaro). — Pesaro. 1682 
Er wird als Geigenmacher mehrfach erwahnt. auchVal- 
drighi (3702) fiihrt ihn an, doch war es mir bisher nicht 
moglich, seine Arbeiten kennenzulernen. 



Carlomordi (Carlomorti), Marco. — 1654. 1660 
Eine Violine »di piccola forma« von ihm zahlt der Ka- 
talog der Sammlung Correr in Venedig auf. Vidal fiihrt 
den Namen mit dem Taufnamen Carlo an und setzt als 
Wohnort Verona. Da er die gleiche Jahreszahl (1654) 
mitteilt, scheint seine Kenntnis dieses Meisters doch 
nur auf die kleine Violine der Sammlung Correr zuriick- 
zugehen. In der im November 1910 in Frankfurt a. M. 
versteigerten Sammlung F. Giinther-Prestel befand sich 
eine Mandoline mit einer Sphinx aus Bein am Wirbel- 
kasten von Marco Carlomorti aus dem Jahre 1660. 
M. Carlomordi ist jedenfalls identisch mit Marco Calo- 
nardi, der in Cremona gelebt haben soil. 

Carlson, C. A., lebte Ende des 1 9. Jahrhunderts 

in Salt Lake City (Utah) 

Caroli. — Brescia. 1681 

Ein Brescianer Lautenmacher des 1 7. Jahrhunderts, ven 
dem sich eine Mandora in der Sammlung Galpin (Hat- 
field, jetzt Boston) befindet. 

Caroll (Carrol), James. — Manchester. Um 1890 
Es gibt flachgewolbte Geigen mit diesem Namen, die 
nach verschiedenen Modellen gearbeitet sind. 

Caron. — Versailles. 1775. 1790 

Er bezeichnet sich als Hoflautenmacher der Konigin 
Marie-Antoinette, wohnte erst in der Rue Royale, 
dann in der Rue Satory und diirfte ein naher Ver- 
wandter des Uhrmachers Caron und von dessen Sohn, 
des unter dem Namen Beaumarchais beriihmt geworde- 
nen Dichters, gewesen sein. Er ist zwar kein hervor- 
ragender Meister, aber seme Arbeit ist gut; er ahmte 
italienische Modelle nach; nur sein brauner Lack ist zu 
dunkel. Eine franzosische Lyra von ihm besitzt CLu- 
dius in ^Copenhagen, eine zehnsaitige Theorbe mit den 
Initialen der Konigin Marie-Antoinette im runden 
Schalloch das Museum des Pariser Konservatoriums, 
Nr. 224. 
Geigenzettel: Abb. 123. 

Carone, Giuseppe. — Neapel 1883 
Mandolinenmacher. 

Carotti, C. — Florenz. 1694 

Geigen von ihm habe ich bisher nicht kennen lernen 
konnen. 

Carozza, Raffaele. — Messina. 1912 
Mandolinenmacher der Gegenwart. 

Carp (Karp) s. Karg 

Carr, John. — Falkirk. Geb. in Berwick-on 
Tweed H.Mai 1839 

Ein Fabnkleiler und Musikalienhandler, der aus Lieb- 

haberei weit iiber 50 Violinen und ein Violoncello gc- 

macht hat. Die erste Anleitung darin erhielt er schon 

als neunjahnger Knabe von James Thomson und 

Robert Harvie. 

Geigenzettel: John Carr, / Maker / Falkirk, 1897 (ge- 

druckt). 



Carre — Castagneri 



71 



Carre, Antoine. — Arras. 1750. 1790 

Besonders geschickt als Verfertiger der »vielle organi- 
sed* ; einige wenige Geigen von ihm zeigen dagegen nur 
gewohnliche Arbeit. 

Carrodus s. Haynes 

Carter, John. — London. 1780. 1790 

Da er fur die Betts arbeitete, welche audi, wie erzahlt 
wird, die Leichenkosten fur ihn bezahlten, tragen viele 
seiner Instrumente die Zettel von diesen; die wenigen 
jedoch, in die er seinen Zettel klebte, sind gut. 
Geigenzettel : J. Carter. Violin ~Tennor / & Bass Maker, 
Wych Street, Drury Lane / London 1787 (gedruckt). 

Cartheuser, Johann Christian. — Kbln. 1790 

Nahert sich in seinen Geigen ofter dem Amatimodell 
und bevorzugt einen gelben Harzlack. 
Geigenzettel : Johann Christian Cartheuser / in Koln in 
der Mariengartengasse 1 790 (gedr.) 

Cartwright, John William. - — Yeadon b. Leeds. 
Geb. 21. Aug. 1836 in Assenby bei Thirsk 
(Yorkshire) 

Er kam als Sohn von armen Bauersleuten 1851 in eine 
Lokomotivfabnk nach Leeds, wo er 10 Jahre lang blieb. 
Er arbeitete dort unter Jos. Fox, der sich aus Liebhabe- 
rei mit dem Geigenbau beschaftigte und auch in Cart- 
wright die Lust fiir diese Kunst erweckte. Dann arbei- 
tete er drei Jahre lang in den Abendstunden bei 
H. Pickard und verlegte sich zunachst auf das Aus- 
bessern alter Geigen. Tuchtig vorgeschult, versuchte er 
auch neue zu bauen und hatte bald Erfolg damit. Sein 
Hauptaugenmerk verwendete er auf die Verbesserung 
der Viola, um ihr jene Stellung im Quartett zu ver- 
schaffen, die auch Ritter ihr zuweist. Seine Arbeit ist 
genau und sorgfaltig und der Ton gesangreich. Er baut 
vorzugsweise die sogenannte Baratoneviola und Kon- 
trabasse. Sein FleiB ist bemerkenswert, schon 1898 
konnte er in eine Geige die Nummer 1075 schreiben. 

Cary &Co., Alphonse. ■ — London. Gegr. 1872 
Geigenmacher- und Handlerfirma der Gegenwart. 1 886 
erhielt Alph. Cary (der damals in Newbury wohnte) auf 
der Ausstellung in Liverpool eine silberne Medaille fiir 
Geigen und Zubehor. 

Casaltoli, Giuseppe. — Florenz. 1714 

Sohn des Pier Giovanni. Nur als Lautenmacher be- 
kannt. 

Casasnovas (Casanovas), Francesco. — Palma 
(Balearen) 

Spanischer Lautenmacher vom Beginn des 19. Jahr- 
hunderts, von dem mir eine gute Mandoline, bekannt 
geworden ist. Die Bruder M. und B. Casanovas waren 
noch um 1888 in Palma als Gltarrenmacher ansassig. 
Geigenzettel: Fab co de Guitarras de / Fra co Casano- 
vas, / Plaza de la Merced N° 1 / Palma de Mallorca 
(gedruckt). 



Casella, Fratelli, leben als Saiteninstrumenten- 
macher in Catania (Sizilien) 

Caselli, Francesco. — ? 1740 

Bisher nicht bekannter Geigenmacher. Grillet fiihrt nur 

seinen Zettel an. 

Geigenzettel: Fece Francesco , Caselli 1740 (geschr.). 

Casiglia, Casimiro. — Palermo. 19. Jahrh. 
Seine Geigen sind sauber nach guten Vorbildern gebaut 
und zeigen einen goldbraunen Lack. 

Casini, Serafino. — Campi Bisenzio bei Florenz. 
1899 

Guter Mandolinenmacher, der durch seine Instrumen- 
ten mit dreifachen Saiten und allerlei andere Verbesse- 
rungen an derlombardischen Mandoline bekannt wurde 
Auch seine Einlegearbeit ist geschmackvoll. 

Caspan (Caspani), Giovani Pietro. — Venedig. 
1658. 1670 

Nach den Violinen zu urteilen, die diesen Namen 
tragen, wahrscheinlich ein Schiiler der Bruder Amati, 
deren Arbeiten er nachahmte. Kleines Patron, gelber 
Lack. 

Casrini, Gio. Batt. — Carrara. 1687 

Von ihm war eine Marmorgeige mit Intarsia auf der 
Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. 

Cassanelli (Casanelli), Giovanni. — Ciano 
(Modena). 1770. 1777 

Im allgemeinen kennt man nur Geigen von mittel- 
maBiger Arbeit von ihm. Gewohnlich verwendete er 
braunen Lack. 



Cassineau s. Cousineau 

Cassini (Casini), Antonio. — Modena. Geb. 
um 1630, fum 1698 

Der bekannteste modenesische Geigenmacher seiner 
Zeit, em vielbeschaftigter Meister, der auch in Diensten 
seines Herzogs stand. Bei der groBen Masse seiner 
Geigen, Violoncelli und Basse ist es nicht zu verwun- 
dern, daB er sehr handwerksmafiig arbeitete. Seine 
besseren Geigen gehen auf das Amatimodell zuruck, 
weshalb ihn auch einige zu einem Amatischiiler machen 
wollten. Die Arbeit ist gut, die Ebenholzeinlage sauber, 
F-Ldcher und Schnecke von guter Form, der Lack 
kastanienbraun. Nach Valdrighi soil er zwar nach 1690 
gestorben sein, doch kommen noch Geigen mit seinem 
Zettel und der Jahreszahl 1710 vor. Er verwendete ver- 
schiedene Zettel. Eine Viola von ihm aus dem Jahre 
1667 besitzt Dr. Bornemann in Eisenach (Korpuslange 
41 cm). 

Geigenzettel : Antonius Cassinus fecit Mutinae anno 
1687 (gedruckt). — Abb. US. 

Castagneri, Andrea. — Paris. 1730. 1750 

Sohn und Schiiler von Gian Paolo C, den er allerdings 
iibertrifft. Sein Modell gehort der Stradivarischule an, 
die Arbeit ist sorgfaltig, der Lack gewohnlich etwas 



72 



Castasnen — Castro 



trocken und von rotbrauner Farbe und der Ton an- 
sprechend. Nur seine F-Locher sind oft zu grofi und 
zu weit offen. Seine Geigen haben aber fast immer noch 
ein italienisches Ausseben und werden geschatzt. Er 
wohnte bis 1744, wie sein Vater, in einem Anbau des 
Hotel de Soissons, zog dann nach der Rue des Prou- 
vaires und schrieb von da an seinen Namen Castagnery. 
* Auch seine Violoncelli diirfen hervorgehoben werden, 
dagegen sind seine Versuche, Geigen mit ganz flacher 
Decke zu bauen, als mifigliickt zu bezeichnen. Eine 
Geige von ihm bewahrt die Sammlung Snoeck Getzt in 
Berlin). 

Geigenzettel : Castagnery rue des Prouvaires / Pangi 
1747 (gedruckt). — Abb. 128 und 137. 

Castagneri, Gian Paolo. — Paris. 1638. 1665 

Ein Itahener, angeblicb sogar ein Cremoneser, der sich 
in Paris niederliefi. Wenn auch unbedeutend, darf er 
doch als einer der besten unter den damaligen Pariser 
Geigenmachern gelten. Vidal erwahnt ihn nicht einm.il, 
Fetis dagegen kennt Geigen von ihm aus den Jahren 
1 639 und 1 662 und lobt lhren Silberklang, wenn er auch 
den Mangel an Tonfiille beklagt. Da Piccolellis eibt 
seinen Zettel: Castagneri Gian Paolo / nel palazzo di 
Soissons / in Pariggi (gedruckt). 

Castagnino, Giuseppe. — Chiavan. 1920 
Schiiler von G. Fionni, bei dem er m Miinchen seit 
19131ernte. 

Castaro, Antonio. — Rom. Um 1615 

Ein geschickter Lautenmacher, dessen Name nach 
Baron »Cortaro« lauten soil; s. d. 



Fl 



orenz. 



1806. 



Castellam, Bartolomeo. 
f um 1820 

Er wohnte Via da S. Trinita. Seine Geigen, die nur 
selten vorkommen, sind mcht hervorragend, dagegen 
baute er sehr gute Gitarren. 

Geigenzettel : Bartolomeo Castellani / fece in Firenze, 
1'anno / 1816 in Via S. Trinita (gedruckt). 

Castellani e Figlio. — Florenz. 1900 
Inhaber des Geschaftes ist jetzt P. Ballerini. 

Castellani, Luigi. — Florenz Geb. 1809, f 1884 
Sohn und Schiiler von Pietro C. Tiichtiger Kontra- 
bassist. Er baute selbst keine Geigen, war aber ein vor- 
treffheher Reparateur und beriihmt wegen seiner aus- 
gezeichneten Gitarren. Er wohnte Via Calimaruzza, 
1866 verband er sich mit G. Scarampella. Wegen seiner 
Kennerschaft und Geschicklichkeit im Wiederherstellen 
ernannte ihn das Florentiner Konservatorium zum Kon- 
servator der Instrumentensammlung. Nach seinemTode 
ging sein Geschaft auf P. Ballerini iiber. 

Castellani, Pietro. — Florenz. 1780. f 1820 
Von ihm kennt man ziemlich gute Geigen und beson- 
ders Gitarren und Mandolinen. 

Castelli, Tomaso. — Brescia. 1623 

Em bisher nicht bekannter Brescianer, von dem Fritz 
Wildhagen in Halensee eine Violine mit ausgeschweif- 



ten Korpusumrissen, C-Lochern und einem schon ge- 
schnitzten Madchenkopf am Wirbelkasten besitzt. 
Geigenzettel: Tomaso Castelli / fecit a Brescia 1623 
(geschrieben). 

Castello, Paolo. — Genua. 1750. 1780 

Seine Arbeit ist aufierlich sehr schon, erinnert an die 
der Gagliani und geht auf das Amatimodell zuriick. 
Im allgemeinen ist er trotz alledem nicht sehr geschatzt, 
da er oft nur mittelmafiiges Holz verwendete. Sein 
gelber Lack ist dagegen nicht schlecht. Eine seiner 
schonsten Geigen, em wahres Prachtexemplar aus der 
Spatzeit des italienischen Geigenbaues, ist aus der 
Sammlung Snoeck (Nr. 508) in die staatl. Sammlung 
in Berlin iibergegangen. 
Geigenzettel: Abb. 129. 



ingen. 



Castendorfer, Melchior. — Nordl 

15. Jahrhundert 

Er wird als Lautenmacher bezeichnet und war ein Sohn 
des Stephan C. Sein Name kommt aber weder in der 
Nordlingischen Geschlechtshistorie (gedruckt 1801) 
noch im Biirgerbuche vor, so daB als sicher angenom- 
men werden kann, dafi er nur voriibergehend — viel- 
leicht als Gehilfe des Vaters — in Nordlingen ansassig 
war. 

Castendorfer, Michel. — Erfurt. 15. Jahrh. 
Sohn des Stephan C, Lautenmacher. — Bedauerlicher- 
weise hefi sich auch in Erfurt iiber diesen Meister nichts 
ermitteln. 

Castendorfer, Stephan. — Niirnberg, Breslau, 
Nordlingen usw. 1464. 1499 
Von ihm weifi ich wohl, dafl er 1460 in Niirnberg als 
Orgelbauer tatig war und dort als »Stephanus de Bra- 
tislava m Urkunden erscheint, dann wieder in Breslau 
lebte, die alte Orgel in der Georgskirche in Nordlingen 
von 1466— 1486 erbaut hat und 1496— 1499 in Schweid- 
nitz arbeitete. Ob er je Lauten und Geigen machte, 
steht nicht fest, ist aber wahrscheinlich, da seine Sonne 
als Lautenmacher bezeichnet werden. Er ist identisch 
mit dem in dem Werke: Scnptores rerum Silesiacarum 
III, S. 134 genannten Orgelmacher Stephan Kaschen- 
dorf. An der Stelle der Breslauer »Libri Signaturarum«, 
an der die in den ^Script, rer. Sil.« erwahnte Eintragung 
von 1464 steht, kann man ebensogut Kaschendorf als 
Kasthendor f lesen. 

Castorino, Lorenzo. — Aci Reale (Sizilien) 

Sizilianischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der 
nicht ungeschickt war. 

Geigenzettel: Lorenzo Castorino / Abitante in Aci 
Reale (gedruckt). 

Castro. — Venedig. 1680. 1720 

Er hatte meist nur ein schlechtes Modell, nahm aber 
gutes Holz; im iibrigen ist seine Arbeit handwerks- 
mafiig, die F-Lbcher hafiheh in der Zeichnung und 
rohgeschnitten, der Lack von roter Farbe, aber sehr 
armselig. Einzelne Geigen hat er nach Stradivari ge- 
L-aut. Am besten sind seine Basse. Ein KontrabaB von 
ihm, der seines edlen Tons wegen sehr geschatzt wird. 
befindet sich in der Dresdener Hofkapelle. 



Castrucci — Cavalorio 



73 



Castrucci, Pietro. Anf. d. 18. Jahrhunderts 
Ein Geiger, der wahrend seines Aufenthaltes in Eng- 
land ein Streich:nstrument nach Art der Liebesgeigen 
erfand, das er »Violetto marina« nannte, was h'er nur 
erwahnt wird, da Handel fur dieses Instrument einiges 
geschrieben hat. 

Catenar, Gaetano. — Pavia. 1639. 1670 

In Pavia sollen sich noch Violen und Gamben mit der 
Ortsangabe und diesen Jahreszahlen erhalten haben. 
Dieser Catenar konnte als der Stammvater der spater 
in Turin vorkommenden Familie betrachtet werden. 
Geigenzettel : Gaetano Cattenaro / Fecit Pavise Anno 
1670(gedruckt). 

Catenari, Enrico. — Turin. 1671, soil 1746 
noch gelebt haben 

Die Schreibweise des Namens schwankt; man findet 
Catenar, Gattinan usw. angegeben. Er soil der Vater, 
nach anderen ein Bruder des Francesco gewesen sein 
und war vielleicht auch mit Catenar in Pavia verwandt. 
Die Behauptung, dafi er ein Schliler von Cappa ge- 
wesen sei, kann nicht begriindet werden, in seiner Ar- 
beit stent er den Stradivari-Nachahmem nahe. Vidal 
teilt nebenstehenden Zettel mit: Henricus Catenar/ 
fecit Taurini anno 1671 (gedruckt). 

Catenari, Giuseppe Francesco. — Turin. 1 703* 
1720 

Wahrscheinlich Sohn von Enrico C. — Er verwendet 
ein ziemlich hohes Modell und dicken, roten oder rot- 
braunen Lack. Vidal beschreibt eine gute Violine dieses 
Meisters im Besitz des Marquis de St. Hilaire in Paris. 
Der Name erscheint hier »Gattinari« geschrieben. Eine 
Violine von ihm mit der Jahreszahl 1703 besitzt Maler 
Julius von Tbury in Budapest. 

Geigenzettel: Francesco Gattinari ' Fecit Taurini Anno 
Domini 1703 (gedruckt). — Joseph Franciscus Catenar/ 
Fecit Taurini anno 1720 (geschrieben). 

Cateni, Pietro. — ? 1722 

Withers in London bot eine Violine mit diesem Na- 
men fur 25 £ an. 

Cati, Pierantonio. — Florenz. 1738. 1760 
In der Arbeit hat er manches mit Gabrielli gemeinsam, 
ohne ihm gleichzustehen. Sein Modell geht auf Stradi- 
vari zuriick, sein Lack ist meist braunorange, das Holz 
oft nicht besonders schon, der Ton aber kraftig. Eine 
Taschengeige von 1741 (»Terzinodi Violino« Nr. 756). 
besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Koln, 
Geigenzettel: Abb. 108. 

Cattas, J. H. — Kassel 1828 

Ein Hofmusiker, der sich auch mit dem Ausbessern 
alter lnstrumente beschaftigte. 

Caussin (Coussin), Francois. — Neuf chateau 
(Vogesen). 1845. 1881 

Ein begabter Nachahmer der italiener, der seine Geigen 
sehr hubsch ausfiihrte und besonders geschickt war, 



den alten Lack mit all seinen zufalligen Mangeln zu 
imitieren. Er baute meist nach einem kleinen Modell. 
Er kam alljahrlich mit seinen Geigen nach Paris, und 
da diese auch gut im Ton waren, brachte er sie leicht 
bei Handlern an. Gar mancher, der sich im Besitze einer 
echten Cremoneser wahnt, hat nur eine »Caussin«. Er 
machte auch allerlei Versuche, so besafi C. C, Snoeck 
eine Violine von ihm mit acht Saiten und sechs F- 
Lochern. Nicolas C. und Hipolyte C. (1878) waren 
gleichfalls sehr geschickt. 

Caussin, Francois-Hippolyte. — Rouvres-la- 
Chetive (bei Neufchateau). 1845. 1870 

Sohn von Francois C, der ganz in der Art seines Vaters 
arbeitete. 

Geigenzettel: Caussin Luthier , Neufchateau (Vosges) 
(gedruckt). 

Caussin, Nicolas. — Paris, Neufchateau. 1850. 

1860 

Sohn von Francois C. Er war kurze Zeit in Paris an- 
sassig, kehrte 1857 wieder nach Neufchateau zuriick 
und war fast immer fur seinen Bruder tatig. Auch 
er war wie dieser ein geschickter Nachahmer alter 
Viohnen. 

Cavaleri, Giuseppe. — Genua. 1732. 1747 
Man kennt verschiedene gute Geigen von ihm; wenn 
sie nur selten vorkommen, so liegt es daran, daB die 
Handler seine Arbeiten gerne mit beruhmteren Namen 
versehen haben. 

Geigenzettel: Joseph Cavaleri fecit / Genues anno sa- 
lutis 17 . . (gedruckt). 

Cavalli, Aristide. — Cremona. Geb. 12. April 

1856 in Cremona 

Sohn von Savino C. und Schiiler von G. Beltranni, 
dessen Nachfolger er auch 1882 wurde. Er baut haupt- 
sachlich Violinen nach eigenem Modell. Seine Arbeit 
erinnert an die Beltrainis und Ceruttis. Er weicht jedoch 
von seinen Vorbildern in den UmriBIinien und den 
Starkeverhaltnissen stellenweise ab. Sein Lack ist recht 
gut. Er fuhrt als Ladenschild: <Claudio Monteverdi« 
(Schopfer des Musikdramas 1567 — 1643). 

Geigenzettel: Abb. 147. 

Cavalli, Savino. — Cremona. 1850. f 1861 

Tikhtiger Musiker, der auch einige gute Violinen ge- 
baut hat. 

Cavalhni & Figlio, Luigi. — Arezzo 

Streich- und Blasinstrumentenmacherfirma der Gegen- 
wart. An manchen ihrer Mandolinen sitzen die Wirbel 
in einer halbrunden Metallscheibe. 

Cavalorio (Cavalerio?) 

Vidal nennt einen Geigenmacher dieses Namens und 
gibt 1725 als Jahreszahl und Genf als Ort an. Sollte 
nicht Cavaleri und Genua gemeint sein? 



74 



Cavani — Cerin 



Cavani, Giovanni. — Spilamberto (Modena). 
Geb. 13. Aug. 1851 

Sohn von Domenico C. und Teresa geb. Merli. Ge- 
schickter Streichinstrumentenmacher und nicht minder 
tUchtiger Glockengiefter. Als Sohn eines Tischlers, der 
als Dilettant auch Musikinstrumente machte, kam er 
zuerst darauf, sich im Geigenbau zu versuchen, und 
ohne einen anderen Lehrer gehabt zu haben, brachte er 
es zu einer grofien Fertigkeit sowohl im Neubau als in 
der Reparatur. Er besitzt mehrere Medaillen und ist 
Lieferant der Konservatorien in Parma und Bologna. 
Medaille 1901. Leider sind seine letzten Arbeiten nicht 
mehr so gut wie friiher. Vgl. A. G. Spinelli »Giov. 
Cavani «. Modena 1901. 

Cecco s. Ceko 

Cecherini s. Ciccherim 

Cejka, Johann. — Odenburg (Sopron). j urn 

1879 

Sohn von Jos. 0. 

Cejka s. auch Czejka 

Cejka, Josef. — Saar, Prag, Chrudim. Geb. um 
1781 in Saar (Zd'ar in Mahren), f 7. Aug. 
1859 in Chrudim 

Er scheint in Prag gelernt zu haben wenigstens ist eine 
von ihm gebaute Geige, die er dort in seinem achtzehn- 
ten Jahre gemacht hat, bekannt. Er lebte dann bis etwa 
1837 in Saar, wo er 1820 in zweiter Ehe Franziska 
Vorlicek heiratete. Ende 1837 erlangte er das Biirger- 
recht der konigl. Leibgedmgstadt Chrudim, doch 
scheint er auch hier als Geigenmacher nicht auf seine 
Rechnung gekommen zu sein, da er nebenbei noch 
einen »Kleinhandel« betreiben muBte. Seine Geig^n 
waren sauber gearbeitet und klangen gut. 
Geigenzettel : Joseph Czejka / b. Instrumentenmachei / 
in Chrudim 1847/ reparava (sic) (gedruckt). — Josef 
Cejka/ Instrumentaf Praha 1797 (gedruckt). 

Cejka, Severin. — Chrudim. 1851. f 4. Juni 
1901 

Jiingster Sohn von Josef C. Musikinstrumenten- 
macher. 

Geigenzettel: Sewerin Cejka / hotovitel hudebnich na- 
stroju / v Chrudime (gedruckt). 

Ceko (Cecco), Cristoforo. — Venedig. 1654 
Lauten- und Violenmacher dntten Ranges. 

Celani, Emilio, gen. il Turco. — Ascoli Piceno. 

1880. 1894 

Er bautc Geigen, Mandolinen und Gitarren und war 

auch als Reparateur nicht ungeschickt. 

Geigenzettel : Restaurato da Emilio / Celani (gedruckt). 

Celentano. — Neapel 
Mandolinenmacher. 



Celionatus s. Celoniato 

Cellier. — Hamburg. 1840. 1855. 1864 

Ein K. Cellier lebte anfangs der vierziger Jahre des 
19. Jahrhunderts in Hamburg; schon 1844 heiBt die 
Firma »Cellier & Sohn«, auch »Cellier & fils« und 1855 
nur F. Cellier. Der letztgenannte war wohl der Sohn, 
der aber noch 1864 die Firma J. Cellier & Fils ange- 
wendet hat. Die Arbeiten mit ihren Zetteln sind nicht 
schlecht, am besten die Violoncelli. Doch scheinen 
diese ofters von anderen Geigenmachern (J. J.C. Sauke 
u. a.) gebaut zu sein, oder aus Mirecourt zu stammen. 
Ceisenzettcl : K. Cellier. / Luthier / Hamburg (gedr.). 
und^Abb. 143. 

Cellini, Giovanni. — Florenz, Geb. um 1460, 
f 1527 oder 1528 an der Pest 

Der Vater des beriihmten Goldschmieds und Erz- 
giefters usw. Benvenuto Cellini. Urspriinglich Archi- 
tekt, wie sein Vater, verlegte er sich — em echter 
Renaissancemensch — auf viele Kiinste, ward Rats- 
pfeifer und wollte auch aus Benvenuto einen Musiker 
machen. Dieser schreibt von ihm in seiner Autobio- 
graphic: »Mein Vater machte zu selbiger Zeit (um1505) 
wundersame Orgeln mit holzernen Pfeifen, Klaviere, 
so schon und gut, als man sie damals nur sehen konnte, 
Violen, Lauten und Harfen auf das Beste . . . Er ar- 
beitete wundersam in Elfenbein und war der erste, der 
in dieser Kunst etwas leistete.« 

Celoniato, Gian Francesco. — Turin. 1730. 

1737 

Wenn er, seinem Modell nach zu urteilen, auch Amati 
und Bergonzi gekannt hat, so steht er doch noch unter 
dem Einflusse Cappas. Die Arbeit ist ziemlich gut, be- 
sonders schon aber sein gelber Lack. Die oft wieder- 
kehrende Lesart Celionatus scheint auf einem Druck- 
fehler zu beruhen. Eine Viola d'amore von 1732 besitzt 
W. Heyers Musikhistorisches Museum in Koln. Es soil 
auch Geigenzettel geben, auf denen nur der Taufname 
Franciscus vorkommt. Seine Violoncelli sind gewbhn- 
lich sehr gut im Ton. Im Jahre 1905 wurde ein solches 
in Wien fiir 4000 Kronen ausgeboten. 
Geigenzettel: Joannes Franciscus Celionatus fecit / 
Taurini anno Domini 1737 (gedruckt). — Abb 109 und 
119. 

Centurio, Giuseppe. — Padua. 1 750. 1 780 
Von einem Geigenmacher erhielt ich die folgende Ab- 
schrift eines Zettels, der sich in einer gut gebauten, an 
Amati erinnernden Geige befunden haben soil: «Jos. 
Centurio Tiburtinus f. in Padua 1 780 «. Danach ware 
anzunehmen, dafi er aus Tibur, d. i. Tivoli bei Rom, 
stammte. Es ist dies jedenfalls derselbe Geigenmacher, 
der auch unter dem Namen »Tibontimus« genannt 
wird. Andere lesen sogar >>Conlusia Tibertimus«. Da 
ich keinen Originalzettel zu Gesicht bekommen habe, 
mufj ich alle Konjekturen vermeidem 

Cerin, Marco. — Venedig. 1610 

Eine prachtige Laute mit geschnitztem Mannerkopf, bei 
der nur dieEinlage ctwas plump erscheint, befindet sich 
in der Konigl. Sammlung alter Musikinstrumente in 



Cerin — Chalon 



75 



Berlin (Nr. 702). Der Name kann hier allerdings auch 
Perin statt Cerin gelesen werden ; auch die Jahreszahl 
mochte ich etwas anzweifeln. 
Geigenzettel: Marco Cerin fece in Venezia 1610 (gedr.). 

Cerin, Marco Antonio. — Venedig. 1 780. 1 824 
Vielleicht ein Abkommling von Marco Cerin. — Er be- 
zeichnet sich als einen Schiiler Ans. Belosios; seine 
Arbeit ist schon, sein Lack blaBgelb oder sattrot und 
das Modell dem des Stradivari ahnlich. 
Geigenzettel: Abb. 138. 

Cermak, Josef. — Bohmisch-Schumburg 
(Sumburk). 1889. 1895 

Musikinstrumentenmacher, von dem mehrfach Arbei- 
ten vorkommen. 

Geigenzettel : Josef Cermak / V Ceskem Sumburku u 
Tannwaldu (gedruckt). 

Cermak, Josef A. — Kutna Hora (Kuttenberg). 
Geb. in Pasek a. d. Iser am 17. Jan. 1874 
Schiiler von Benj. Patocka. Er lieG sich im Jahre 1898 
in Kuttenberg nieder, wo er seine eigene Werkstatt er- 
offnete. Er baut nach Amati, Stainer, Stradivari und 
Guarneri und verwendet goldgelben und feurigroten 
Lack. Er arbeitet sorgfaltig und besitzt die silberne 
Staatsmedaille. 
Geigenzettel: Abb. 144. 

Certinetti s. Nigetti 

Cerutti, Enrico. — Cremona. Geb. 1808, 
f 20.Okt. 1883 

Sohn des Giuseppe C. und der letzte Geigenmacher 
der Familie. Wenn er auch so wenig wie irgendein an- 
derer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts die groBen 
Cremoneser Meister erreichte, so hat er doch An- 
erkennenswertes geleistet; namenthch seine Violoncelli 
gelten als wertvolle Arbeiten. Er hat an 400 Geigen ge- 
baut und beschickte alle grofieren Ausstellungen, die 
ihn mit Medaillen auszeichneten. Seine letzte Arbeit 
war 1881 in Mailand ausgestellt. Er wohnte Via Borgo 
SperaMr. 14. 
Geigenzettel: Abb. 146. 

Cerutti, Giov. Battista. — Cremona. Geb. um 
1755, f nach 1817 

Er war Lorenzo Storionis Schiiler und Nachfolger, 
dessen Geschaft in der Via di Coltellai er 1790 iiber- 
nahm. Krankheitsholber muftte er seine Werkstatt 
schon vor seinem Tode seinem Sohne iibergeben. Er 
•■baute nach Guarneri, seltener nach Stradivari, zumeist 
aber nach dem grofien Amatimodell, ungefahr 500 In- 
strumente. Sein Lack ist verschieden, von hellem Bern- 
steingelb bis zum tiefsten Rot. Mancbma! nahm er auch 
verschiedene Farben fur die Decke und den Boden. Er 
war freilich auch kein ebenbiirtiger Nachahmer seiner 
gro£en Vorganger, aber man erkennt in seinen Arbeiten 
doch noch die Traditionen der Schule, aus der er her- 
vorgegangen ist. Der Ton ist edel und hat durch das 
Alter naturgemaB sehr gewonnen. 
Geigenzettel : Abb. 136, Brandmarke Nr. 25. 



Cerutti, Giuseppe. — Cremona. Geb. um 
1787, f 1860 zu Mantua 

Sohn und Nachfolger von Giovanni Batt. C, den er 
jedoch nicht ganz erreicht. Er bevorzugte ein kleines, 
zierliches Modell und schones, am Boden enggeflamm- 
tesHolz und verwendeterotlichgelbenodergelben Lack. 
Seine F-I ocher sind sauber geschnitten, dagegen stehen 
seine Schnecken oft ein wenig schief und haben schlcchte 
Rundungen . Seine besserenGeigen, die sufier dem Zettel 
auch die Brandmarke G. C. tragen, werden schon mit 
sehr hohen Preisen bezahlt. Er war auch sehr geschickt 
als Verfertiger geodatischer Instrumente und beruhmt 
wegen seiner kunstreichen Wiederherstellungen alter 
Geigen. 

Geigenzettel: Josephus Cerutti filius Joannis Baptis- / 
tae Cremonensis fecit anno 1830 (gedruckt). Brand- 
marke Nr. 26. 

Cerrutti, Sebastian. — Piemont. 1615 

Dieser Lautenmacher, den Valdrighi (4486) erwahnt, 
diirfte ein Vorfahr der Cremoneser Familie gleichen 
Namens gewesen sein. 

Cervella, Giovanni. — ? 

ltab'enischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. 

Cervo, Giovanni. — S. Angelo. 1489 

Einer der altesten italienischen Lautenmacher, den Val- 
drighi (3979) aufzahlt. 

Cesana, Carlo. — Carate (Brianza). 1898 
Guter Mandolinenmacher. 

Chalin pere. — Pont-a-Mousson. 1865 
Ein Liebhaber, dessen Zettel A. Jacquot mitteilt. 

Challard. — Montpellier, Herault. 1898 

Erfinder einer Neuerung an Lauten, Mandolinen, Gi- 
tarren usw. 

Challiot, Antoine. — Paris. 1778. 1816 

Anfangs baute er auch Lauten und Gitarren, aber bald 
verlegte er sich ganz auf den Bau von Harfen. Er wohnte 
erst Faubourg St. Antoine und zogdann nach Fauhourg 
St. Martin. Sein Sohn Pierre (f 1839) und sein Enkel 
Etienne waren seine Nachfolger. Eine Pedalharfe von 
ihm im Empirestil besitzt das "vlusikhistorische Museum 
in Stockholm, eine ebensolche W. Heyers Musikhistori- 
sches Museum in Koln. 

Challoner, Thomas. — London. 18. Jahrh. 

Seine Arbeit geht, wie die der meisten seiner Zeit- 
genossen, auf das Stainermodell zuriick; iibrigens 
konnte cr ein Schiiler von Wamsley gewesen sein. 

Chalon, Fr. — Chalons-sur-Marne. 1812 

Er nennt sich »Luthier et facteur d'instruments a vent« 
und hat nur in seiner Ictztgenannten Eigenschaft Be- 
deutung. Seine Geigen sind von mittelmafiiger Arbeit, 
auch wenn er sie nach Maggini baute und doppelt ein- 
legte. 



76 



Chalupatzky — Chariot 



Chalupatzky, Anton. — Steingrub b. Eger. 
1900 

Geigenmacher der Gegenwart, der fiir den Handel ar- 
beitet. 

Champion, Jean-Baptiste. — Paris. 1783. 1808 

Vielleicht ein Sohn von Rene Ch. Geigen von ihm sind 
nicht bekannt, wohl aber schon eingelegte, sechssaitige 
Gitarren. 

Champion de St. Julien, Rene. — Paris. 1 730. 
1770 

Er wohnte 1735 in der Rue des Bourdonnois und 1748 
in der Rue des vieilles Odriettes. Seine Geigen sind hoch 
gewolbt und verraten die Schule Guersans oder Boquays. 
Gelber Lack von guten Eigenschaften und brave Arbeit. 
Auf den meisten Zetteln fehlt der Zusatz de St. Julien 
nach dem Namen. Seine Witwe fiihrte noch 1775 bis 
1 777 das Geschaft fort. Eine Bratsche findet sich aus 
der Sammlung Snoeck (Nr. 470) in Berlin. 
Geigenzettel : Rene Champion de St. Julien, rue des 
vieilles Odriettes / au coin de l'echelledu temple a Paris 
1748(gedruckt). — Abb. 104. 

Channon, Fred William. — Plymouth. Geb. 
1862 in Totness 

Ursprunglich Kunsttischler, begann er im Jahre 1891 
seine erste Geige zu machen und wurde ein geschickter 
englischer Geigenmacher, der vornehmlich nach Stra- 
divaris »Tuscan« arbeitet und bereits viele Medaillen 
erhielt. 

Geigenzettel : Made by Fred : W. Channon / No. . . 
Plymouth. Medals 1893 1890 1889 1883. 

Chanot, Francis. — Paris. Geb. 1787 oder 
1788 zu Mirecourt, f 1823 zu Brest (Roche- 
fort) 

Sohn von Joseph Ch. und der Catherine geb. Beur- 
douche. Er war von Beruf Marineingenieur und besaB 
ein reichesWissen. Zu einer unfreiwilligen Mufie wah- 
rend der Zeit der Restauration gezwungen, nahm er 
einen Lieblingsgedanken seiner ersten Jugendjahre wie- 
der auf und machte allerlei akustische Versuche, um 
den Ton der Geigen zu verbessern. Er glaubte dies 
durch erne Veranderung im Bau zu erreichen, und um 
die Holzfasern in ihrer ganzen Lange zu erhalten, was 
er fiir notig hielt, konstruiertc er 1817 eine Geije, deren 
Korper sich der eckenlosen Form der Gitarre nahert. 
Neu war dieser Versuch nicht, und Gamben usw. hat 
man fast zu alien Zeiten mit abgerundeten Ecken ge- 
baut. Chanot erhielt aber 1818 ein Patent auf seine Er- 
f indung, die vom »Institut « glanzend begutachtet wurde, 
und hoffte eine Revolution imGeigenbau herheifdhren 
zu konnen. Da er selbst nicht Geigenmacher war, richtete 
er bei dem Orgelbauer Lete eine Werkstatt zum Bau 
von Geigen ein, in der er seinen Bruder Georges Ch. 
und J. B. Vuillaume heschaftigte. Der Ton seiner Gei- 
gen ist zwar voll, doch fehlt ihm der eigentliche Glanz 
und Schmelz. Hat sich somit Chanot kein Verdienst 
um die Verbesserung der Geige erworben, so regte er 



doch Savart u. a. zu wertvollen akustischen Studien an. 
Eine Geige seiner Konstruktion, die er fiir Viotti ge- 
macht hat, bewahrt das Museum des Pariser Kon- 
servatoriums (Nr. 31) mit dem untenstehenden Zettel, 
der das Datum seines Patentes (21.Januar 1818) an- 
gibt. Die Buchstaben C. I. D. bedeuten seinen da- 
maligen Rang: Capitaine Ingenieur Deuxieme (Classe); 
kurz vor seinem Tode wurde er wieder in Dienst ge- 
stellt und zum Kapitan I. Klasse befordert. Die ge- 
nannte Violine enthalt noch einen Zettel mit den Ver- 
sen: 

»A mes essais daigne sourire! 

Fais resonner ce nouveau violon: 
Et Ton dira que d'Apollon 

J'ai retrouve I'harmonieuse lyre.« 

Geigenzettel : Abb. 132. 

Chanot, Frederic W. — London. 1890. 1900 
Zweiter Sohn von Georges II Ch., der sowohl als 
Geigenmacher wie als Handler guten Ruf hat. 

Chanot, Georges I (genannt »Du Joly«). — 
Mirecourt. 1710. 1714 

Das alteste von A. Jacquot nachgewiesene Mitglied und 
wahrscheinlich der Stammvater der Familie. 



- Paris. Geb. in Mire- 
| in Courcelles 10. Jan. 



Chanot, Georges II. — 

court 25. Marzl801, 

1873 

Sohn und Schiiler von Joseph Ch. 1819 kam er nach 
Paris, wo er in der Leteschen Werkstatt Geigen fiir 
seinen Bruder nach dessen Modell machte. Schon im 
Jahre 1820 wollte er sich auf eigene Fiifje stellen — er 
wohnte Rue de la Vrillere — , doch scheint man zu dem 
19jahrigen Meister nicht genug Vertrauen gehabt zu 
haben. Er trat daher zunachst wieder bei Clement und 
dann bei Ch. F. Gand als Gehilfe ein und machte sich 
erst 1823 wieder selbstandig. Er wohnte bis 1825 Rue 
Oblin pres de la Halle, bis 1828 Place des Victoires, bis 
1837 Passage Choiseul, bis 1848 Rue Rivoli und zuletzt 
auf dem Quai Malaquais, wo er bis 1871 tatig gewesen 
ist. Er war einer der glanzendsten Vertreter der fran- 
zosischen Schule des 19. Jahrhunderts und hat zweifel- 
los wertvolle Anregungen von seinem Bruder emp- 
fangen, wenn er auch andere Wege ging. Er war ein 
denkender Kiinstler und ein griindlicher Kenner der 
Italiener, die er eifrig studierte und nachahmte, be- 
sonders Stradivari und Guarneri. Arbeit, Holz und Lack 
sind tadellos und der Ton sehr edel. Ebenso bedeutend 
war er als Reparateur und als Handler und hat wieder- 
holt grofie Reisen durch Italien, Spanien, Deutschland, 
Osterreich und RuBland gemacht, um alte Geigen ein- 
zuhandeln. Seine erste Frau (f 1858) war seine Schii- 
lerin und konnte schon 1827 eine vorziigliche, von ihr 
gebaute Geige ausstellen. Spater heiratete er seine 
Schwagerin, und auch diese ward ihm eine brauchbare 
Gehilfm. Im Jahre 1872 zog er sich vom Geschafte, 
das er seinem Schwiegersohne Jos. Chardon ubergab, 
nach Courcelles (Seine-et-Oise) zuriick, wo er sich noch 
immer zu seinem Vergniigen mit dem Geigenbau be- 
schaftigte. Auch er machte viele Versuche, um den Ton 



Chanot — Chardon 



77 



der neuen Instrumente zu veredeln; er kam aber 
schlieBlich dahin, alles zu verwerfen, was ein Ab- 
weichen von den bewahrten Errungenschaften der 
Cremoneser bedeutete. 

Geigenzettel : Chanot jeune rue Passage , ' Choiseul 
Nr. 15 a Paris 1825 (geschrieben). — Abb. 126. 

Chanot, Georges III. — London. Geb. in 
Paris 1830, f London 11. Marz 1893 
Sohn (erste; Ehe) und Schiiler von Georges II Ch. Im 
Jahre 1851 ging er nach London, trat als Gehilfe bei 
seinem Landsmanne Ch. Maucotel ein und machte sich 
1859 selbstandig. Er darf als einer der besten Lon- 
doner Geigenmacher des 19. Jahrhunderts gelten, und 
eine in den siebziger Jahren von ihm gefertigteMaggini- 
Kopie kann, nach Heron-Aliens Ausspruch, jeden Ver- 
gleich mit einer Cremoneser Meistergeige aushalten. 

Chanot, George Adolphus. — Manchester. 
Geb. 28. Okt. 1855 in London 
Altester Sohn und Schiiler von Georges III Ch. Zu 
seiner weiteren Ausbildung arbeitete er auch ein Jahr 
lang in Paris bei seinem Oheim Jos. Chardon. Im Jahre 
1879 eroffnete er seine Werkstatt in Manchester und 
ist ein wiirdiger Erbe der Kunst seines Vaters und 
Grofivaters. 
Geigenzettel: Abb. 134. 

Chanot, Joseph. — Mirecourt. 1780. f urn 
1830 

Ein sehr handwerksmaBig arbeitender Mirecourter Gei- 
genmacher. Sein Lack ist rot oder dunkelbraun, und 
sein Name findet sich innen im Boden eingebrannt. 



Chanot, Joseph Anthony. — London. 
l.Okt. 1865 in London 



Geb. 



Dritter Sohn und seit seinem 14. Jahre Schiiler von 
Georges 1 1 1 Ch., bei dem er bis zu dessen Tod (1 893) als 
Gehilfe blieb. Er ubernahm hierauf die Werkstatt und 
das Geschaft seines Vaters, das sich nun seit 1858 in 
der Wardour Street befindet. 

Chanot, M on . — Paris 

Geigenmacherfirma der Gegenwart, gegr. 1821. In- 
haber: Chardon Vater und Sohn (s. d.). Seit 1900 
lautet die Firma: »Chardon Successeur«. 

Chantraine. — Mirecourt. Nach 1800 

Man kennt bisher nur gute Gitarren, die seinen Namen 
als Brandmarke tragen. 

Chapuy (Chappuy), Nicolas. — Mirecourt. 
1733. 1781 

Jacquot weifi von ihm nur, dafi er Geigenmacher und 
mit Anne Parisot verheiratet war. Ich vermute, daB die 
meist sehr gewohnlich gearbeiteten Violmen, die die 
bisher seinem Bruder zugeschriebene Brandmarke 
»N. Chappuy« tragen, von ihm herriihren. Besser sind 
die Liebesgeigen mit -dieser Brandmarke, die auch 
durch hiibsch geschnitzte Kopfchen am Wirbelkasten 
auf fallen. 



Chappuy, Nicolas-Augustin. — Paris, Mire- 
court. Geb. uml 740, f 27. Sept. 1784 
Bruder von Nicolas Ch. Er lieB sich um die Mitte des 
18. Jahrhunderts in Pans nieder, wo er sich zwar eines 
gewissen Ansehens erfteute, doch ging er nach 1770 
nach Mirecourt zuriick. Er ist sehr ungleich in seiner 
Arbeit und sorglos in derWahl desHolzes gewesen und 
verwandte meist einen gelblichen oder b r aunen Spiritus- 
lack, der in der Mitte wesentlich dunkler gefart-t er- 
scheint. Ernahm das Stradivari- undGuarneridel Gesu- 
Modell zum Vorbiid, hat aber kaum je ein Original 
gesehen. Neben guten Geigen von ihm gibt es 
auch solche, die kaum noch die Hand eines Fach- 
mannes vermuten lassen. Einer seiner guten Geigen 
bediente sich der beruhmte Geiger und Komponist 
Habeneck mit Vorliebe. Diese befindet sich jetzt im 
Museum des Pariser Konservatoriums. Auch in der 
Sammlung Snoeck befand sich eine bessere Arbeit 
seiner Hand. Eine Violine, die er nach seiner Heimkehr 
nach Mirecourt 1 770 gemacht hat, besitzt Carl Stoeber 
in Wiirzburg. Eine Pochette befindet sich in der Samm- 
lung Savoye in Paris. Auf seinen Zetteln nennt er sich 
meist nur Augustinus Ch., manchmal auch N. A., nie- 
mals nur N. oder Nicolas allein. 

Geigenzettel : Augustinus Chappuy / olim Parisiis nunc 
Mirecurtio / fecit Anno 1 770 (gedruckt). — Augustinus 
Chappuy / Fecit Parisiis anno 1 766 (gedruckt). — 
N A Chappui, luthier de S. A. R. la Duchesse de 
Montpensier (gedruckt). — Abb. 97. 

Chappuy, Pierre-Fournier. — Mirecourt. 1 775. 
Bruder von Nicolas und N. Augustin Ch. Geigen, die 
ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden konnen, sind 
noch nicht bekannt geworden. 

Chardin. — Mirecourt. 1875. 1886 

Geschickter Geigenmacher, der hauptsachlich fiir die 
grofieren Fabriken in Mirecourt tatig war. Lehrer von 
A. Delivet. 

Chardon, Joseph -Maria. — Paris. Geb. 22. Mai 
1843 in Paris 

Schiiler und Schwiegersohn von G. Chanot, dessen Ge- 
schaft er 1872 ubernahm und fortsetzte. Spater ward 
auch sein Sohn Teilhaber der Firma »Chardon et fils«. 
Sie arbeiten den alten Traditionen getreu und haben 
sich 1 900 wieder gelegentlich der Pariser Weltausstellung 
ausgezeichnet. Auch er bereiste viele fremde Lander, 
wie Chanot, um alte Geigen einzuhandeln. Er wohnte 
zuerst Quai Malaquais und verlegte 1 888 sein Geschaft 
in die Rue Poissonnerie 22. Er besitzt zahlreiche Me- 
daillen. 

Geigenzettel: Abb. 130. 

Chardon, M. Joseph-Ant. -Georges. — Paris. 
Geb. 22. April 1870 

Sohn, Schiiler und seit 1896 Teilhaber von Joseph- 
Marie Ch. 
Geigenzettel: Abb. 103, 115, 125. 



78 



Charle — Chatelain 



Charle. — Paris. 1748 

Aus Mirecourt stammender und sehr handwerksmafiig 
arbeitender Geigenmacher, von dem nur sehr selten 
Arbeiten vorkommen. 

Geigenzettel : Charle, luthier dans les Quinze- / VingtS' 
a Pans annee 1748 (gedruckt). 

Charles, J. — Marseille. 1783. 1786 

Wahrscheinlich ein Schiller seines Oheims Guersan 
und moghcherweise ein Sohn des Pariser Charle. Seme 
Arbeit zeichnet sich durch nichts aus und ist sehr ge- 
wohnlich. Besser waren seine Gitarren, die er sehr 
hiibsch auszustatten verstand. Er verwendete Zettel, 
auf denen manchmal dcr Taufname fehlte. 
Geigenzettel: Abb. 1 18. 

Charlutte, 



Wahrscheinlich schlecht gelesen fur Charoutte ; 
rotte. 



^Cha- 



Charotte, Francois. —Mirecourt. 1797. 1798 

Nur dem Namen nach bekannt. Vielleicht der Bruder 
von J. F. Ch. in Nancy. 

Charotte, Claude. — Mirecouic. 1763. 1765 

Gewohnliche Mirecourter Arbeit. Auf dem Zettel und 
seiner Brandmarke gibt er, wie viele Mirecourter, Paris 
als Ursprungsort an. 
Geigenzettel: CI. Charotte / a Paris (gedruckt). 



Charotte, Hippolyte. — Mirecourt. 
30. April 1829. fnach 1876. 



Geb. 



Sohn von Joseph Ch.-Millot und jedenfalls auch dessen 
Schiiler. Seine Arbeit gleicht der seines Vaters und ist 
nicht hervorragend. 

Charotte, Jean-Francois. — Mirecourt, Nancy. 
1784. 1801 

Wahrscheinlich ein Bruder von Claude Ch. Er kam 
nach A. Jacquots Feststellung nn Jahre 1774 nach 
Nancy und hatte seine Werkstatt in der Rue St. Jean, 
spater in der Rue de la Poissonnerie. Er gebrauchte 
die Brandmarke: Charotte a Nancy. 

Charotte, V. J. — Mirecourt. 1904 

Ein Geigenmacher., der, wie viele andere, ein System 
zur Verbesserung der Tonstarke der Geigen erfunden 
hat. Vgl. Nouvelles scientifiques 1904, S. 15. 

Charotte. — Rouen. Geb. in Mirecourt, f 1 836 

Er liefl sich in Rouen nieder, wo er 1830 in der Rue 
Beauvoisine Nr. 36 wohnte. Seine Arbeit ist von ge- 
wohnlicher Mirecourter Art, wenn auch manchmal mit 
einer gewissen Sorgfalt durchgefuhrt. Seine Nachfolger 
waren P. N. Jeandel und Lucien Delau, die sich jedoch 
1843 trennten. 

Charotte-Millot, Joseph. — Mirecourt. Geb. 
2. Sept. 1798. fnach 1848. 
Sohn von Francois Ch. Er nennt sich zwar einen Schii- 
ler von Aldric, hat aber dessen Arbeit nicht nach- 



geahmt, doch hat er immerhin gut spielbare Violoncelli 
und Basse gebaut. Er fiihrte das Schild »a la ville de 
Cremone«. Seine Violinen sind gewdhnlich demStradi- 
vanmodell nachgeahmt und hell lackiert. Seine Brand- 
marke nannte Paris als Ursprungsort. 

Geigenzettel : Abb. 1 10 und 1 14. 

Charpantier (Charpentier). — Bordeaux. 1 780 

Wenig bekannter Geigenmacher, der »Galerie du spec- 
tacle* wohnte und wohl hauptsachlich als Wiederher- 
steller alter Geigen tatig war. 

Geigenzettel: Abb. 141. 

Charpentier, Auguste. — Mirecourt. Anfang 
des 19. Jahrhunderts 

1st mir nur als Lautenmachcr bekannt. Eine grofie Gi- 
tarre mit Ahornboden und -zargen besafi C. C. Snoeck. 

Charpentier (Louis) et Miinchs. — Paris. 1 832 

F.rfinder der »Guitare multicorde« (Verbindung von 
Lyra, Gitarre und Harfe). — Ein Auguste Charpentier 
lebte als Gitarrenmacher in Mirecourt. 

Chartrain. — Mirecourt. 1760 

Einer der vielen Mirecourter, die Paris als Ursprungs- 
ort angeben. Seine Geigen klingen nicht schlecht, sind 
aber von gewohnlicher Arbeit. 

Chartrin. — Mirecourt 

A. Jacquot nennt aus dieser Familie, die urspriinglich 
wohl mit den Chantraines und den Chartrains zusam- 
menhing: Nicolas Ch.. f 11 April 1748, dessen Sohn 
Francois Ch., f 8. August 1756, und einen Louis Ch., 
der schon 1720 vorkommt. 

Charwath, Franz, -r Wien. 1849. f 1876 
Ein unbedeutender Saiteninstrumentenmacher, dessen 
Witwe Leopoldine das Geschaft bis 1880 fortfiihrte. 
Geigen sind mir von ihm bisher nie bekannt geworden. 
In der Mitte seines Zettels befindet sich eine Lyra mit 
Kranz und den Buchstaben F. C. usw. 

Geigenzettel: Franz Charwath / In Wien / Leopold- 
stadt No 312 (gedruckt). 

Chastelain, Martin. — Warwick. 1580 

Ein blinder flandrischer Geiger, der auch Violen, Vio- 
linen und Spinette gemacht haben soil. 

Chatelain, Francois. — Paris. 1766. 1799 
Er wohnte zuerst Rue de Braque Nr. 9 und dann in der 
Rue de Berry. Einige sehr gut erhaltene Geigen von ihm 
lassen ihn als einen tiichtigen Meister erkennen. Eine 
Zeitlang arbeitete er mit Renault (s. Renault et Chate- 
lain) zusammen. Ein »Alto recoupe« von ihm wird in 
Gallay-Brunis Inventaire S. 105 erwahnt. Eine Harfe 
in chinesischem Stil ist im Museum Cluny in Paris zu 
sehen. Vielleicht ist er mit de'm 1759 vorkorhmenden 
Chateram identisch. 

Geigenzettel: Abb. 145. 



Chatelin — Chiarelli 



79 



Chatelin (Chathelin), Adrien-Benoist. — Va- 
lenciennes. 1757. 1759 

Einige gute Violen von ihm sind bekannt, besonders 
ein Quinton der Sammlung Samary von 1758 und em 
Par dessus de viole in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln. Nr. 789. 

Geigenzettel : Fait par Adrien Benoist / Chatelin a Va- 
lencienne / 1758 (geschrieben). 

Chatelin (Chatelain), Pierre. — Mirecourt. 
1778. 1781 

Durch das Vorkommen seines Namens in Mirecourt 
ergibt sich, daB auch die iibrigen Geigenmacher dieser 
Familie hochstwahrscheinlich aus Mirecourt stammen. 

Chaussier, H. — Paris. 1889 

Ein Instrumentenmacher und Reparateur ohne beson- 
deren Ruf. 

Chavez, Tomas, lebte im 19. Jahrhundert in 
San Salvador 

Chelz, Stephan. — Rom. 1602 

Von ihm weifi man nur, daB er ein Lautenmacher 
deutscher oder vlamischer Abkunft war und am 26. Juni 
1602 von Pompeo Lambertino ein Haus in Rom kaufte. 

Cherbourg. — Paris. 1760. 1780 

Er wohnte im »Temple«. Seine Modelle sind gut, nur 
die F-Locher etwas zu weit ausgeschnitten. Er ist u. a. 
der Erfinder einer verbesserten Lyra. Eine solche be- 
findet sich in der Sammlung Sax. 
Geigenzettel : Cherbourg dans le Temple a Paris / en- 
venteuvre (sic) de la perfexion (sic) / de cet instrument 
tans desire (sic) (gedruckt). 

Cheron, Nicolas. — Paris. 1658. 1691 

Vermutlich der Sohn eines Orgelbauers. Er wohnte in 
der Rue Dauphine und spater in der Rue de laVieille- 
Boucherie und handelte auch mit romischen Saiten. 
AuBer Violen durfte er auch Blasinstrumente gemacht 
haben. 

Cherpitel, Nicolas-Emile. — Paris. Geb. in 
Mirecourt 24. Juni 1841 , f Feb. 1893 in Paris 
Nachdem er in seiner Vaterstadt ausgelernt hatte, ar- 
beitete er bei Grandjon und kam 1859 nach Paris zu den 
Briidern Gand als Gehilfe, wo er bis 1870 blieb. Hierauf 
begriindete er seine eigene Werkstatt in der Rue St. De- 
nis und zog 1884 in die Ruedu Faubourg Poissonniere. 
Er arbeitete gediegen, hatte einen guten Lack und er- 
hielt auf alien von ihm beschickten Ausstellungen Aus- 
zeichnungen. Seine Witwe fiihrte mit ihrem Neffen 
Ch. Moinel das Geschaft bis 1899 fort und iiberlieB es 
diesem dann ganz. 

Geigenzettel : Nicolas-Emile Cherpitel, a Paris / 1 3 Fau- 
bourg Poissonniere./ N. E. C. (gedruckt). — Abb. 1 12. 

Cherpitel-Moinel s. Moinel 



Chevrier, Amable. — Cherbourg. Geb. in 
Mirecourt am 29. Jan. 1823, lebte noch 1886 
Altester Sohn von Claude Chevrier. Er verlieB gegen 
1884 CheibDurg wieder und iibergab seine Werkstatt, 
der er 30 Jahre lang vorstand, dem Geigenmacher A. 
Magne. Angeblich ist er nach Mirecourt zuriick- 
gekehrt. 

Chevrier, Andre-Augustin (Auguste). — Paris, 
Brussel. 1830. 1840. Geb. in Mirecourt 
Schiiler von Koliker. Er lieB sich zunachst in Paris 
nieder und siedelte vor 1838 nach Brussel iiber. Seine 
Arbeit ist lobenswert. Er ahmte Lupot nach und ver- 
wendete einen dicken, rotorangen Lack, der jetzt aller- 
dings ein wenig rissig erscheint. Seine besten Geigen 
haben doppelte Einlagen. 

Chevrier, Antoine. — 1732. 1775 
Nur urkundlich nachweisbar. 

Chevrier, Claude. — Mirecourt. Geb. 1800, 

t 24. Juli 1878 

Seine Geigen sind von gewohnlicher, handwerksmaBi- 
ger Arbeit. 

Chevrier, Claude-Auguste. — Beauvais. Geb. 

in Mirecourt 19. Mai 1827 

Zweiter Sohn von Claude Chevrier und wohl auch 
dessen Schiiler. Im Jahre 1888 gab er seine Werkstatt 
auf. 

Chevrier, Joseph. — Mirecourt. Geb. 26. Dez. 
1833,+ 1911 

Sohn von Claude Ch. Einer der besseren Mirecourter 
Geigenmacher seiner Zeit; er war seit etwa 1866 Leiter 
der Thibonville-Lamyschen Fabrik 

Chevrier, Nicolas. — Mirecourt. Geb. um 
1700. 1770 

Wahrscheinlich der Stammvater und auch der beste 
Geigenmacher aus der Familie. Eine Geige von ihm 
wurde in London einige Jahre vor dem Kriege cchon 
um 360 Mark verkauft. 

Chevrier, Paul. — Mirecourt. Chalons-sur- 
Saone. 2. Halfte des 19. Jahrhunderts 
Sohn von J. Chevrier. Er verband mit seiner Geigen- 
werkstatt einen Klavierhandel. 

Chevrier, Victor. — Mirecourt. 191 1 

Sohn von Joseph Ch. und dessen Nachfolger in der 
Thibonville-Lamyschen Fabrik. 

Chiarelli, Andrea. — Messina. Geb. in Mes- 
sina um 1675, f 1699 

Ein Lautenmacher, der aber beruhmter als Komponist 
und Virtuose auf der Archilaute war. Er war ein so- 
genanntes Wunderkind und erhielt seine Ausbildung 
in Rom und Neapel. Es werden ihm auch einige Ver- 
besserungen an seinem Instrumente nachgeriihmt; die 



80 



Chic 



chr - Chretien 



von ihm gemachten Theorben und Archilauten nennt 
Fetis, der eine solche von 1698 besafl, die besten, die 
je gemacht wurden, Ich selbst habe keine Arbeiten von 
ihm kennen gelernt. Schon 1690 veroffentlichte er 
»Suonate musicali di viohni, organo, violone ed arci- 
luto«. 

Chiareschi, Paolino. — Del Bagno. 1827 

Seine Geigen klingen manchmal nicht schlecht, sind 
aber nicht sorgfaltig gearbeitet und lassen auch im Lack 
viel zu wtinschen iibrig. 

Chiari, Francesco. — Villa M nozzo (Modena). 
1880. 1883 

Geigenmacher und Reparateur von wenig Ruf. 

Chiavellati, Domenico. — Lonigo. 1 780. 1 796 
Er ist weniger wegen der Giite als wegen der oft bizar- 
ren Formen seiner im iibrigen ziemlich mittelmaGigen 
Violinen bekannt. Eine achtsaitige Viola von ihmbesaB 
ein siiddeutscher Sammler. 

Geigenzettel : Dom co Chiavellati / Fece / Lanno 1796 / 
In Lonigo (gedruckt). 

Chibon, Jean-Robert. — Paris. 1757. 1785 

Die wenigen Arbeiten, die von ihm erhalten sind, lassen 
ihn als einen handwerksmafiig arbeitenden Geigen- 
macher erkennen. Auch sein brauner Lack ist sehr 
mittelmaBig. Selbst das von Gallay veroffentlichte Bru- 
nische Inventar bezeichnet ein Instrument von ihm 
als »un Alto ordinaire « (dasselbe war Eigentum des 
am 27. Januar 1794 guillotinierten Kriegskommissars 
Saint-Laurent). Die Marquise von Lestange besafi 
nach diesem Inventar ein gleiches Instrument und ein 
Violoncello von ihm. Er wohnte urn 1757 in der Rue 
de la Sourdiere, von 1755 bis 1779 in der Rue de la 
Comtesse d'Artois, und von 1783 bis 1 785 in der Rue 
de la grande Truanderie. 

Geigenzettel: Abb. 120. 

Chilinski (Chylinski), Paul Augustinowitsch. — 
Warschau, Kiew. Geb. 1830 
Urspriinglich Schauspieler, bildete er sich autodidak- 
tisch zum Geigenmacher aus und siedelte in den sieb- 
ziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Warschau nach 
Kiew iiber. Vielen seiner Arbeiten ist es anzusehen, daO 
er den Geigenbau nicht regelrecht erlernt hat, die Ein- 
lagen und die F-Locher lassen zu wiinschen iibrig. Er 
verwendet jedoch sehr schones Holz, auch im Ton 
sind seine Geigen nicht schlecht, sie klingen weich, 
wenn auch etwas dumpf. Er baut nach Guarneri del 
Gesu und verwendet einen vollroten Kopalollack. Auf 
der St. Petersburger Musikausstellung 1908 erhielt er 
eine kleine goldene Medaille. 

Chiocchi, Gaetano. — Padua. Geb. 13. Jan. 
1814 in Monselice bei Padua, f nach 1880 
Einer vornehmen Familie entstammend, studierte er 
zuerst Philosophie, dann Medizin und erlernte bei 
einem tiichtigen Tartinischtiler das Geigenspiel. Als er 



sich der revolutionaren Bewegung in der Romagna an- 
schlofi, geriet er in Gefangenschaft und muGte fiir ein 
halbes Jahr in den Kerker wandem. Spater zur Dienst- 
leistungim !3.osterr. lnfanterieregiment herangezogen, 
trat er als Fagottist in das Musikkorps ein und verlegte 
sich ganz auf das Studium der Musik, so dafi er schon 
1844 Musikdirektor des Ballett-T heaters in Padua wer- 
den konnte. Hier wurde er mit Giuseppe Cerutti bekannt 
und erhielt dadurch, schon in reifen Jahren, den ersten 
Anstofi, sich im Geigenbau zu versuchen. Er besuchte 
verschiedene Werkstatten, blieb aber in der Haupt- 
sache Autodidakt und brachte es mit eisernem FleiG 
und einer ungewbhnlichen Begabung dazu, sich zu 
einem trefflichen Geigenbauer auszubilden. Die erste 
Geige baute er im Jahre 1858, aber er eignete sich erst 
noch tikhtige Kenntnisse in den Gesetzen der Akustik, 
der Chemie usw. an, bevor er sein eigenes Modell auf- 
stcllte, das mit einem veranderten F dem Maggini- 
modell nahesteht. Er gait zu seinen Lebzeiten bald als 
einer der besten Geigenmacher in Italien, und da er 
nur wenige Geigen gemacht hat (im ganzen etwa 50!). 
stehen sie auch heute noch hoch im Preise. Ton, Arbeit 
und Lack verdienen uneingeschranktes Lob, das ihm 
auch de Piccolellis zollt. Auf der Innenseite der Decke 
findet man in seinen Geigen oft Eintragungen, die auf 
die damaligen politischen Verhaltnisse seines Vater- 
landes anspielen. Vgl. den Aufsatz von v. Wasiliewski in 
der Allgemeinen Musikzeitung VII, Nr. 30 (1872). 

Chiochini, Pietro. — Pisa. 18. Jahrhundert 
Ein Meister dritten Ranges, der immerhin wegen des 
schonen Holzes, das er verwendete, einige Beachtung 
verdient. 

Chirone s. Mariano 

Chironi, neuerer italienischer Geigsnbauer 

Chitarrino, dal, s. Petrobono 

Chiusole, Antonio di. — Roveredo. 1784 

Sein Name laftt darauf schliefien, daft er aus Chiusole 
(Trient) stammt. Seine Basse erinnern an Tiroler Ar- 
beit; Violinen scheint er nur selten gemacht zu haben. 
Geigenzettel : Antonius de Clusolis / faciebat Roboreti 
.... opus II (gedruckt). — Antonius de Clusolis / fecit 
1784 (gedruckt). 

Chretien, Hippolyte, gen. Silvestre. — Lyon, 
Paris. Geb. 1. April 1845 in Sommerviller 
(Meurthe, Frankreich) 

Ein Schwestersohn von Pierre und Hipp. Silvestre und 
deren Schuler. Nachdem er tuchtig vorgebildet war, 
ubernahm er im Jahre 1865 das von seinen Oheimen 
begriindete Geschaft von Pichon. Er ist ein wurdiger 
Nachfolger der beiden Silvestres und erregte schon 
1 873 auf der Wiener Weltausstellung mit einem Violon- 
cello, das durch die Fulle und den Adel des Tons wie 
durch die Ausfiihrung hervorragte, ein gewisses Auf- 
sehen. Ebenso gut waren seine Geigen und Violen, 
deren Lack an italienische Vorbilder erinnert. Im Jahre 
1884 verlegte er sein Geschaft nach Paris, Rue du Fau- 
bourg-Poissonniere, und ist auch als Reparateur zu 



Christa — Clagget 



81 



groBem Ruf gekommen. 1900 verband cr sich mit 
Ernest Maucotel. Er besitzt zahlreiche Auszeichnungen 
und ist Ritter der Ehrenlegion. 
Geigenzettel : Hippolyte Chretien, Silvestre neveu (ge- 

druckt). — Silvestre et Maucotel / Paris 19 . . N° 

(gedruckt) und Abb. 102 und 1 13. 

Christa, Joseph Paul. — Miinchen. 1730. 1776 
Vielleicht der am 3. Marz 1700 geborene Sohn des als 
»Faber lignarius« bezeichneten Michael Christa in 
Fussen. Ein seinerzeit geschatzter Geigenmacher der 
Fiissener Schule, der auch heute noch alles Lob ver- 
dient. Der alteste Zettel, den ich von ihm kennen lernte, 
ruhrte von 1730 her; in den Hofrechnungen (Miinch- 
ner Kreisarchiv) kommt er noch 1776 vor. Er erinnert 
in seiner Arbeit an Alletsee, als dessen Gehilfe er nach 
Miinchen gekommen sein konnte, und bevorzugt ein 
hochgewolbtes Modell. Sein Lack ist meist braun, 
scheint jedoch nachgedunkelt zu sein. Besonders schon 
sind seine Liebesgeigen, die am reichverzierten Wirbel- 
kasten das Kopfchen der Themis tragen. Eine solche 
besaB Horst Berger in Hamburg. 

Geigenzettel: Josephus Paulus Christa, Lauten / und 
Geigenmacher in Miinchen 1730 (gedruckt). 

Christa, Michl. — Fussen. 1606 

Er war Burger und Mitglied der Lautenmacherzunft. 
Er oder sein gleichnamiger Sohn hat am 5. August 1618 
die Maria Schroder geheiratet. 

Christie, James. • — Dundee. Geb. in Arbroath 
l.Dez. 1857 

Ein Ingenieur, der aus Liebhaberei Geigen nach dem 
grofien Stradivarimodell macht. Er begann damit urn 

1 889 und verwendet einen roten Ollack. Er hat bisher 
iiber zwei Dutzend Violinen gemacht. 
Geigenzettel : James Christie, / Violinmaker / Dundee 

1890 (gedruckt). 

Christie, John. — Kincardine-on-Forth. 1 840. 
f um 1859 

Tiichtiger Geiger und Tanzlehrer : der iiber funfzig 
recht gute Violinen gemacht hat. 

Christophe, Denis und Joseph. — Mirecourt. 
18. Jahrhundert 
Zwei bisher nur von A. Jacquot erwahnte Luthiers. 

Christophle, Jean. — Avignon. 1695 

Man kennt bis jetzt nur ein Alto im Pariser Konserva- 
torium (Nr. 1032) von ihm: Korper 41 cm lang, untere 
Breite 23 cm. Sehr schone Schnecke, prachtvoller Ton. 
Geigenzettel : Jean Christophle d'Avignon / 1 695 (gedr.). 

Christophori s. Cristofori (verdorben : Cristo- 

fali) 
Churchward soil der Name eines alteren eng- 

lischen Geigenmachers sein. 
Churst s. Rud. HoB 
Chylinski, Pawel s. Chilinski 

v. Liitg endorf f , Geigen- und Ltuitt-nmaoher. Bd. II 



Cianchi, Sebastiano di Rocco. — Florenz. 1 662 
Von Valdrighi (653) ervvahnter Lautenmacher; auch 
der Vater Rocco Cianchi soil Lauten gemacht haben. 

Ciarma, Francesco, gen. Nicchitto. — Ascoli 
Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 

Cicchenni 

Italienischer Mandolinenmacher. 

Ciciliano s. Sicihano 

Cifka, Wenzeslaus 

Ein bohmischer Keramiker des 19. Jahrhunderts, von 
dem sich in der Sammlung Keil in Lissabon eine 
Fayencegeige mit eigenartiger Bemalung befindet. 

Cigl, Jeromos. — Budapest. Geb. in Berzde- 
kow. 1874 

Schiiler von Pilat. Er machte sich im Jahre 1912 selb- 
standig, arbeitet nach Stradivari und verwendet einen 
rotlichen Lack. 

Geigenzettel: Cigl Jeromos / fecit Budapestini anno 
1913 / Op . . . (geschrieben). 

Cinquegrani, Ercole. — Rom. 1882 

Seine Mandolinen erfreuten sich einer gewissen Wert- 
schatzung. 

Cinti, Giuseppe. — Bologna. 1856 

Es ist nicht hekannt, dafi er Geigen selbstandig gebaut 
hat, doch soil er im Wiederherstellen ein gewisses Ge- 
schick an den Tag gelegt haben. 

Ciochi (Ciocchi), Antonio. — Venedig. 1790 
Ein Geigenmacher dritten Ranges, der gleichwohl 
einige bessere Arbeiten hinterlassen hat. 
Geigenzettel: Antonio Ciochi di Venezia /anno 1790 
(gedruckt). 

Cioni, Emilio. — Mont' Orso (Frignano). 1 884 
1894 

Schiiler von R. Fiorini. Er arbeitete fleiGig, wenn auch 
etwas handwerksmafiig. Seine Violinen und Violoncelli 
kommen oft vor. 

Ciotti, Leone. — Siena. 1889 

Ein Instrumentenmacher ohne besondere Eigenschaf- 
ten. 

Circapa, Tomaso. • — Neapel. 1730. 1735 

Ungleich in seiner Arbeit, die an Aless. Gagliano er- 
innert, — am besten ist noch sein orangegelber Lack; 
haufiger als Geigen kommen Mandolinen von ihm vor. 

Claas s. Glass 

Clagget, Charles. — London. 1780. 1795 

Ein Instrumentenmacher, der seit 1789 allerlei Erf in - 
dungen, angebliche Verbesserungen an Musikinstru- 
menten offentlich ausstellte und u. a. einen beweghchen 
Steg, eine Regulierschraube fur Saiteninstrumente er- 
dachte. 

6 



82 

Claine, Jean. — Mirecourt. 1780 
Als Bogenmacher genannt. 

Claisse, lebt als »Luthier« in Briissel 

Clark. — London. 1780. 1789 

Scliiiler von Matthew Furber. Er wohnte Turnmill 
Street, Clerkenwell, und scheint viel fur Handler ge- 
arbeitet zu haben. 

Clark, A. B. — Richmond. 1880. 1900 

Amerikanischer Geigenmacher und -handler der Gegen- 
wart. Er arbeitet nach Cremoneser Modellen und ver- 
wendet gem alte amerikanische Holzer. 

Clark, John. - Riga. Geb. 19. (31 .) Okt. 1830 

in Riga, f 19. Jul! (1. Aug.) 1905 in Bilder- 

lingshof bei Riga 

Er war Professor am Polytechnikum,MalerundZeichen- 
lehrer, beschaftigte sich viel mit der Theorie des 
Geigenbaues und studierte die Modelle der alten Mei- 
ster. Er hat dann neun Violinen und ein Violoncello 
gebaut, die sehr gut gelungen sein sollen. 

Claude (Clauze?), Jean, Jean-Claude und 
Vincent. — Mirecourt. 18. Jahrhundert 
Drei Geigenmacher, die in den Jahren 1740—1768 vor- 
kommen. Ein anderer Vincent CI. wird 1770 — 1780 als 
Bogenmacher erwahnt. 

Claudon, Charles-Francois. — Mirecourt. 1785 
Nur urkundlich nachweisbar. 

Claudot, Augustin. — Mirecourt. 1840. 1850 

Bruder von Charles II Claudot. Er soil in seiner Jugend 
auch in Paris gearbeitet haben. Sein Modell von brei- 
tem Patron ist nicht schlecht; weniger laBt sich dies 
von seinem (gelben oder orangefarbigen) Lack sagen: 
dagegen verwendete er meist gutes Holz. Statt des 
Zettels gebrauchte er eine Brandmarke mit seinem 
Namen ohneOrtsangabe. EineGeige von ihmwarinder 
Sammlung Snoeck. 
Brandmarke: Nr. 7. 

Claudot, Charles 1. — Mirecourt. 1775. 1780 
Wahrscheinlich der Vater von Charles il CI. Er war 
Geigen- und Bogenmacher. 

Claudot, Charles II. — Mirecourt. Geb. in 
Mirecourt 1794, f 1876 

Seine Arbeit ist sehr gewohnlich; sein Lack von gelb- 
brauner Farbe ist in der Mitte der Brust und des Bodens 
geschwarzt. Seine Geigen schreien und sind im giin- 
stigsten Falle brauchbare Orchesterinstrumente. Sein 
Name findet sich in der Regel im Boden eingebrannt. 
Haufig verwendete er die etwas ratselhafte Brandmarke 
»Marquis de Fair l'oiseau«. Er verwendete ein Modell, 
das oberflachlich an Stradivari erinnert. Viele seiner 
Geigen und namentlich seiner Basse, die, solange sie 



Claine — Clement 



neu waren, gut gewesen sein sollen, haben jetzt alien 
Klang verloren. Er hatte zwei Sonne, von denen jedoch 
nur einer Geigenmacher wurde. 

Geigenzettel : Charles Claudot (gedruckt). Brandmarke 
Nr. 58. 

Claudot, Charles III. — Rennes. Geb. in Mire- 
court urn 1835, f 1888 in Rennes 
Sohn von Charles II CI. Er arbeitete erst in Mirecourt, 
dann in Paris und zuletzt bei Bonnel in Rennes, wo er 
auch starb. Er hat nur fiinf bis sechs Geigen selb- 
standig gebaut, in die er seinen Namen schrieb; diese 
aber sind mit der groBten Sorgfalt ausgefuhrt. 

Claudot, Felix. — Mirecourt. Geb. 10. Juli 

1871 

Sohn von Felix CI. (der kein Geigenmacher war). Nach 
beendeter Lehrzeit arbeitete er bei C. Silvestre in Paris, 
dann bei Jacquet und erfullte darauf seine Militar- 
pflicht. Im Jahe 1899 machte er sich in Mirecourt 
selbstandig und baut hauptsachlich Kontrabasse. Er 
verwendet eine Brandmarke: Felix Claudot. 

Claudot, Francois. — Dijon. Geb. 10. Sept. 
1865 in Mirecourt 

Enkel von Charles CI. und Bruder von Felix CI. Er 
lernte in Mirecourt bei Darte und ging 1884 zu Gand & 
Bernardel, bei denen er zwei Jahre blieb. Hierauf 
muBte er seiner Militarpflicht geniigen und lieB sich am 
1. Dez. 1889 in Dijon nieder, wo er Geigenmacher des 
Konservatoriums wurde. Er baut nach Stradivari, ver- 
wendet einen roten oder braunen Ollack und besitzt 
bercits verschiedene Medaillen. AuBer seinem Zettel 
tragen seine Geigen im Innern auch die Brandmarke 
»CIaudot. Dijon« — Geigenzettel: Abb. 135. 

Claudot, Nicolas. — Mirecourt. Geb. um 

1840, f ? 

Sohn von Charles II CI. — Der Unbedeutendste der 
Familie. 

Claudot, Paul. — Mirecourt. Geb. in Mire- 
court um 1800, f 1886 bei Paris 
Sohn und Schuler von Augustin CI. Seine Geigen sind 
von gewohnlicher Arbeit ; dagegen zeichnen sich seine 
Basse durch guten Ton aus. Er verwandte nur eine 
Brandmarke: Nr. 68. 

Cleinmann s. Kleynmann 

Clement, Jacquot (Jacob). — Mirecourt. 1 747. 
1757 

Schwiegersohn des Geigenmachers Berly, wie A. Jac- 
quot mitteilt. 

Clement, Jean-Laurent. — Paris. 1783. 1847 
Er stammte aus Mirecourt, kam um 1815 nach Paris 
und wohnte erst in der Rue Croix des Petits-Champs 
und dann in der Rue des Bons-Enfants. Er arbeitete 
sauber nach italienischen Vqrbildern und hatte gutes 
Holz und einen hiibschen, dunkelrotbraunen Lack. In 
der Geschichte des Geigenbaues ist er weniger wegen 
seiner Arbeiten von Bedeutung als in seiner Eigenschaft 



Clementi — Coletti 



83 



als Lehrmeister einer ganzen Reihe von trefflichen 
Schiilern, unter denen G. Chanot, Augiere, Calot, 
Thomassin u. a. hervorragen. Er machte fortgesetzt 
allerlei interessante Versuche und verschiedene Er- 
findungen ; so liefl er sich u. a. mit L. V. Brouot zu- 
sammen im Jahre 1823 ein Patent ausstellen fur die Er- 
findung einer neuen Art von Wirbeln fiir Geigen und 
Gitarren und im Jahre 1824 fiir einen neuen Steg, der 
die Saiten in gleichmafiiger Stimmung erhalten sollte. 
Einen dreisaitigen Baft von ihm besitzt C. Claudius in 
Kopenhagen. 
Geigenzettel : Abb. 99. 

Clementi, Pietro. — Cremona. 1678 

In einer zweifellos alten italienischen Geige von kleiner 
Form und gelbem Lack fand sich der folgende Zettel, 
dessen Alter gleichfalls nicht anzuzweifeln war, wenn 
auch Bedenken schon wegen der Form des Taufnamens 
»Peter« und die Bezeichnung »en (sic) Cremona « nicht 
zu unterdriicken sind. 

Geigenzettel: Peter Clementius en Cremona 1678 (ge- 
druckt). 

Clementi & Co. — London 

Der beriihmte Pianist Muzio Clementi griindete, nach- 
dem er 1800 durch den Fall des Hauses Longman & 
Brodenp einen grofien Teil seines Vermogens verloren 
hatte, eine Klavierfabnk, in der auch andere Musik- 
instrumente gebaut wurden, so z. B. Gitarren, Harfen 
und auch Geigen, mit deren Herstellung er sich offen- 
bar schon friiher beschaftigt hatte, denn Harry Dykes 
konnte vor mehreren Jahren eine Violine zum Kauf 
ausbieten, die den Namen Clementis mit der Jahreszahl 
1785 als Brandstempel trug. Leider ist nicht bekannt, 
welche Geigenbauer fiir ihn arbeiteten. 

Clermont. — Nancy. 1 759 

Geschickter Harfenbauer. 
Clerq s. De Clerq 
Cleve (richtig Clerc) s. Leclerc 

Cliquot, Henry. — Paris. 1765 

Geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft 
fiir 1765, aber nur als Orgelbauer bekannt. 

Cliquot, Louis-Alexandre. — Paris. 1756 

Geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft 
fiir 1756, wohl der Vater des beriihmten Orgelbauers 
Frangois-Henry-Chquot und wahrscheinlich auch selbst 
nicht Lautenmacher, sondern Orgelbauer. 

Cliricato, Luigi. — (Venedig?) 1899 

Schiiler von Eugenio Degani, bei dem er vier Jahre 
lernte. 

Clusolis s. Chiusole 
Cochet. — Paris. 1818 
Mittelmafiiger Geigenmacher 

Cocks (Cocko), Christofer. — Venedig. 1654 
Ein wahrscheinlich aus England eingewanderter Lau- 
tenmacher, von dem das Museum des Pariser Konserva- 



toriums eine Archilaute (Nr.233) besitzt mit dem nach- 

stehenden Zettel und der Brandmarke: Christoforo 

Cocko. 

Geigenzettel : Cristofer Cocks, All'insegna / Dell' Aqui- 

la d'oro / Venetiae 1654 (gedruckt). 

Coelho s. Pereira 

Coenen, Ludwig und Franz. — Rotterdam. 
19. Jahrhundert 

Zwei Briider, die eine gemeinsame Werkstatt besafien. 
Mittelmafiige Arbeit, diirftiger Lack. 
Geigenzettel : Fratres Ludovicus & Franciscus / Coenen, 
ad Rotterdam f. 18 . . (gedruckt). 

Coffe, Jean Joseph. — Bayonne. Geb.um 1799 
in Mirecourt, f das. 6. Sept. 1881 
Er gait als geschickter Arbeiter. 

Coffe-Goguette. — Mirecourt. 1834. 1860 
Er erhielt fiir gute Arbeiten eine Bronzemedaille und 
ist nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. 

Coincu s. Couicu 

Colas, Prosper. — Paris. Geb. Coincourt 
20.Juni 1842 

Seit 1873 in Paris ansassiger Bogenmacher. 

Cole, James. — Manchester. 1850. 1910 

Lernte zuerst bei Tarr und dann bei George Crask.. 
Seine Geigen sind gute Orchesterinstrumente. Bis 1858 
gebrauchte er einen Zettel, spater nur mehr eine Brand- 
marke. 

Cole, Thomas. — London (Holborn). — 1672. 
1690 

Er gehort zwar zu den weniger bekannten englischen 
Geigenmachern, hat aber einige sehr gute Violen und 
Gamben gebaut. Eine Viola da Gamba von ihm besafi 
Qe Valdrighi. 

Geigenzettel: Thomas Cole, near Fetter Lane / in Hol- 
born 1 690 (gedruckt). — Made 1 690 ; by Thomas Cole / 
of London, on Holborn Hill / who selleth all sorts of / 
musical Instruments 1 ) (gedruckt). 

Coletti, Alfred. — Wien. Geb. 1878 in Wien 

Schiiler yon C. H. Voigt, bei dem er auch acht Jahre 
lang als Gehilfe arbeitete und sich zu einem tiichtigen 
Reparateur ausbildete. Seit 15. Mai 1905 ist er Nach- 
folger von Jos. Hamberger, und seit November 1906 
fiihrt er den Titel eines k. k. Hofgeigenmachers. Er 
bewohnt den alten Geigenmacherladen in der Habs- 
burgergasse (vordem obere Braunerstrafle genannt), der 
seit mehr als 2 1 8 Jahren besteht. Dieser Laden ging von 
Christoph Bartl, Joh. Jak. Fux, Ant. Posch, Dan. Ad. 
Stadlmann, Mich. Ign. Stadlmann, Martin StoB, Jos. 
Hofmann auf Hamberger und nun auf Coletti iiber. 
Alle waren Hofgeigenmacher und zugleich Geigen- 
macher der Hofpfarrkirche zu St. Michael. Auch den 



x ) Von Pearce mitgeteilter Zettel einer Tenorviola. 

6* 



84 



Colle — Colson I. 



» Wiener Stradivari « Geissenhof darf Coletti wohl zu 
seinen Geschaftsvorgangern rechnen, wenigstens fand 
er in der Werkstatt noch den grofiten Teil des mit 
Geissenhofs Brandmarke versehenen Handwerkszeugs 
sowie Musterschnecken dieses Meisters vor. Seine 
neuen Geigen sind sorgfaltig gearbeitet und klingen 
gut. Er verwendet vorziigliches Holz, das er beim Ab- 
bruch eines nachweisbar im Jahre 1 535 erbauten groflen 
Hauses entdeckte. 

Colle. — Rouen. 18. Jahrhundert 

Er gehorte der Zunft der Musiker und lnstrumenten- 
macher von Rouen an ; doch steht nicht fest, in welcher 
Eigenscbaft er aufgenommen wurde. 

Collenot, L. — Rouvier-la-Chetive. Reims. 

19. Jahrhundert 

Schiiler von Honore-Just-Derazey und von Nicolas 
Caussin, in deren Stil er arbeitete. 

Colleoni, Cesar. — Nizza 

Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. 

Collichon, Michel. — Paris. 1670. 1693 

Vidal kannte eine secbssaitige Viola aus dem Jahrc 1693 
von ihm mit flachem Boden und gelbem Lack,* eine 
schone Baftviola von ihm war 1889 in Paris ausgestellt; 
auch Taschengeigen mit seinem Namen kommen vor. 
Geigenzettel : Michel Collichon / A Paris 1683 (geschr.). 

Collier, Samuel. — London. 1750. 1755 
Ein Musikinstrumentenmacher dritten Ranges, dessen 
Geigen wenig Wert haben. 

Geigenzettel: Samuel Collier, musical instrument / 
Maker, at Corellis Head, on / London Bridge 1755 (ge- 
druckt). 

Collier, Thomas. — London. 1775 

Wahrscheinlich der Sohn von Samuel C, dem er auch 
in der Arbeit nahestehen soil. 

Collier and Davis. — London. Ende des 
18., Anfang des 19. Jahrhunderts 
Es ist ungewifi, mit welchen Mitgliedern ihrer Familien 
die beiden identisch sind. lhre gemeinsame Arbeit ist 
lobenswert, wenn auch die Einlagen fehlen, der rot- 
braune Lack dagegen ist unbedeutend. 
Geigenzettel : Collier and Davis Makers / at N° 7 Fifth- 
Street-Hill-London (gedruckt). 

Collin s. auch Duchene 
Collin. — Laval. 1900 

Er nennt sich Luthier und handelt auch mit Musik- 

instrumenten. 

Collin (Colin), Jean und Nicolas. — Mirecourt 
Zwei Geigenmacher, die um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts lebten und ihre Arbeiten gerne aus Paris da- 
tierten. Nicolas C. wird auch als Bogenmacher be- 
zeichnet. Auch ein Jean-Francois und ein Louis C. 
werden im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts als 
Geigen- und Bogenmacher erwahnt. 



Collin -Meztn, Charles-Jean-Baptiste. — ■ Paris. 
Geb. in Mirecourt 12. Nov. 1841 
Schiiler seines Vaters Claude-Nic. Collin. Er arbeitete 
bei CI. Fr. Vuillaume und liefi sich zuerst in seiner 
Vaterstadt nieder, siedelte 1867 nach Paris iiber und 
wohnte stets in der Rue du Faubourg-Poissonniere, Er 
gilt als einer der besten Pariser Geigenmacher, und 
selbst Joachim stellte ihm ein glanzendes Zeugnis aus. 
Er besitzt viele Medaillen, und auch auf der Pariser 
Ausstellung 1900 war ersehr gutvertreten. Er gebraucht 
gedruckte Zettel, denen er seit 1879 noch seine eigen- 
handige Unterschrift hinzufiigt. Auch als Wiederher- 
steller alter Geigen ist er sehr gewissenhaft und hat die 
akademische Palme fur schone Kunste erhalten. 
Geigenzettel: Ch. J. B. Collin-Mezin fils / luthier a 
Paris /rue du Faubg. Poissonniere 10 (gedruckt) und 
Abb. 106 und 117. 

Collin-Mezin, Charles. — Mirecourt. Geb. in 
Amboise 25. Okt. 1870 

Sohn von Ch. J. B. Collin-Mezin, ein trefflicher Gei- 
genmacher, der sich auf weiten Reisen, die ihn bis nach 
Amerika fiihrten, vervollkommnete. Er verlegte die 
Werkstatt in die Stammheimat seiner Familie und er- 
hielt auf alien Ausstellungen, die er beschickte, erste 
Preise. Seit 1911 ist er Offizier derAkademie und Mit- 
glied der Handelskammer usw. 

Collin(-Mezin), Claude-Nicolas. — Mirecourt. 
1835. f 1865 

Schiiler von N. F. Vuillaume, sorgfaltig arbeitender 
Meister, war seit etwa 1839 in Mirecourt selbstandig 
und gait als tiichtiger Lehrer. 

Collingwood, Joseph. — London. 1760 

Guter englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts, 
Geigenzettel: Joseph Collingwood / at the Golden 
Spectacles / on London Bridge 17 . . (gedruckt). 

Collins, William Henry. — London. Geb. in 
Marylebone 1860 

Er bildete sich durch Selbststudium nach den besten 
Lehrbiichern aus, baut nach Stradivari und nach 
einem eigenen Modell und verwendet einen Bernstein- 
lack, den er selbst zusammensetzt. 
Geigenzettel: William Henry Collins / London 1901 
(Monogramm) (gedruckt). 

Colonna. — Paris. 1897. 1900 

Ein geschickter Geigenmacher, der jedoch den Neubau 
bald aufgegeben und sich seither ausschhefiheh als 
Reparateur betatigt hat 1 ). Er erfand einen mechanischen 
Bogen fur Streichinstrumente. 

Colson I. — Mirecourt. 1840 

Gitarren- und Leiernmacher ohne besonderes Ver- 

dienst. Eine Drehleier von ihm besitzt C. Claudius in 

Kopenhagen. 

Geigenzettel: Colson A mirecourt (gedruckt). 

*) Da seine Landsleute »nur noch fiir Zweirader Sinn 
haben «, wie er schreibt. 



Col son II. — Contal 



85 



Colson II. — Mirecourt. 1860. 1893 

Sohn von Colson I. Ebenfalls hauptsachlich Gitarren- 
macher; er steht jedoch wesentlich hoher als sein Vater. 

Colton, Walter. — Brooklyn 

Besserer amerikanischer Geigenmacher des 19. Jahr- 
hunderts. 

Colville, David. — Cupar (Schottland). 1845. 

1885 

Von Hause aus Kunsttischler, verlegte er sich mit be- 
sonderer Vorliebe auf den Geigenbau, Im Jahre 1858 
wanderte er nach Neuseeland aus und bat recht gute 
Geigen gemacht. Er war ein Sonderling, aber ein sehr 
talentvoller Mann. Er klebte keine Zettelein, sondem 
scbrieb seinen Namen mit Bleistift in seine Geigen. 

Colvin, Gavin. — Sunderland (Schottland). 
Geb. 1841 in Lerwick (Shetland) 
Er ahmt das groBe Stradivarimodell nach und bat bis- 
ber iiber 50 Geigen gemacht. 

Geigenzettel : Gavin Colvin / Maker / Sunderland / 
187..(gedruckt). 

Coly s. Coty 

Comble s. Decomble 

Comins, John. — London. 1801 

Scbiiler von \V. Forster, den er ziemlich genau nach- 
ahmte. Auf seinem Zettel gab er neben der Jahreszahl 
auch gerne den Monatstag der Fertigstellung an. 

Comme s. Couicu 

Compains, Gui. — ■ (?) 1480 

Ein Brabanter Lautenmacher, dessen Name urkundlich 
vorkommt. Vgl. Archives des Arts (Brussel). 

• Compare, Vittorio. — Livorno. 1899 
Guter Mandolinenmacher. 
Compostano, Antonio. — Mailand. 1699. 1710 
Seine Arbeit ist der von Grancino ahnlich. Sein Lack 
ist meistens braungelb, F-Locher und Schnecke sehr 
sauber durchgefuhrt, der Ton in der Regel voll und 
wohllautend. AuBer Violinen und Violen usw. hat er 
auch Basse gebaut; einen solchen erwahnt Brunis In- 
ventaire (herausgegeben von Gallay, S. 169) aus dem 
Besitze Debains. Er venvendete gedruckte und ge- 
schriebene Zettel. 

Geigenzettel: Antonio Compostano / Fece in Contrada 
Larga / Milano 1709 (gedruckt). 

Comuni, Antonio. — Piacenza. 1820. 1823 
Geigenmacher aus der Verfallszeit, ohne Eigenart und 
ohne Vorziige. Er scheint einen gleichnamigen, gc- 
schickteren Sohn gehabt zu haben, der noch um 1860 
lebte. 
Geigenzettel : Abb. 111. 

Confector, Franciscus. — Graz. 1775 

Andere lesen Confessor und selbst Contessor. Ich halte 
nur die Lesart Confector fiir moglich, dann becjeutet das 



Wort allerdings nur »Verfertiger« und ist folglich 
schwerlich der Familienname, vielleicht aber die latei- 
nische Obersetzung eines solchen, zu welcher Annahme 
das nachfolgende »fecit« veranlassen konnte, das nach 
»Confector« iiberflussig erscheint. Unter den mir he- 
kannten Grazer Geigenmachern fiihrte um 1775 keiner 
den Taufnamen Franz, der 1724 vorkommende, etwas 
fragwiirdige Franz Alban liegt der Zeit nach zu weit 
zurikk, als daB man ihm die (iibrigens recht mittel- 
maBige) Geige mit dem nebenstehenden Zettel zu- 
schreiben konnte. 

Geigenzettel : Franciscus Confector fecit / Graecii 1775 
(gedruckt). 

Consessor s. Confector 

Consili (Consigli), Giovanni. — Terni. 1828. 

1829 

Man weift von ihm nur, daB er sich viel mit Erf indungen 
an und mit Geigen beschaftigt hat. Seine Arbeiten 
setzte Prof. Demetrio Consili fort, der auch die sog. 
»Poggia-Violino« beschrieb. In einer Geige, die die 
Form einer Viola d'amore hat, findet sich der unten- 
^stehende Zettel. 

Geigenzettel: Giovanni Consigli a Terni in- / vento la 
nuova forma del Violino / per eseguirvi con maggior 
faci- / lita e sicurezza la difficolta / nelle portamenti 
acuti op. quart. / A. 1829 (gedruckt). — Joannes Con- 
sili / fecit lnteramnae / Anno D™ 1828 (gedruckt). 

Constant! ni, Nicolaus Franciscus. — 1508 
Das Verzeichnis der Sammlung Keil in Lissabon fiihrt 
eine sechssaitige Viola auf, die ein italienisches Aus- 
sehen haben soil. Ich bin geneigt, die Jahreszahl 1608 
fiir richtiger zu halten und irgendeinen Nicola Fran- 
cesco, der in der »Via Constantini« (in Neapel) wohnte, 
als den Verfcrtiger der Viola anzusehen. 

Contal, Georges. — Paris. Geb. 19. April 1874 
in Mirecourt 

Schiiler von Poiron (dem ersten Geigenmacher der 
Firma Laberte-Humbert freres). Nachdem er in Eng- 
land, in der Schweiz, Tirol, Italien, Belgien und Oster- 
reich-Ungarn durch zehn Jahre gearbeitet hatte, er- 
offnete er 1899 in Paris seine eigene Werkstatt. Er 
macht gute Geigen und ist der Erfinder der »Violaline«, 
einer Art Mandoline, die, in der Form einer_ Viola 
d'amore gebaut, die Mandoline an Tonschonheit und 
Fiille iibertrifft. Er macht die Violaline als Sopran-, 
Alt-, Tenor-, BaB- und KontrabaBinstrument. Fiir 
seine Geigen usw., die er mit Ol- und Spintuslack 
iiberzieht, erhielt er 1900 in Paris eine Mention hono- 
rable. 

Geigenzettel: Annee 1901 / Violaline / Brevetee S. G. 
D. G. et deposee en France et a TEtranger / Georges 
Contal, Paris / Nr. 955 serie B (gedr.), Georges Contal / 
Luthier / Paris / Nr. 204 Annee 1910 (geschr.). 

Contal, F. — Mirecourt. 1800. 1830 

Er arbcitete sauber und sorgfaltig; besonders seine 
Violoncelli erfreuen sich einer gewissen Wertschatzung, 



86 



Conte — Cornelli 



Conte, fils H. — Villefranche 

Eine 1852 begriindete Firma, die sich auch mit dem 
Bau von Geigen beschaftigt. 

Contegiacomo, Giovanni. — Turin. 1900 
Italienischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Contreras, Elias. — Guatemala. 1888 

Stellte in Paris eine aus 6114 Stucken zusammenge- 
setzte Gitarre aus. 

Contreras, Jose. ~ Madrid. Geb. um 1710, 

turn 1780 

Einer der besten spanischen Geigenmacher, dessen 
Arbeiten mit Recht hoch bewertet werden. Er stammte 
aus Granada und fiihrte deshalb auch den Beinamen 



»Granadino«. Er kopierte die Italiener, — Sandys und 
Forster sagen: den Stradivari; doch schlieBt sich sein 
Modell haufiger dem des Guarneri an. Eine hubsche 
Violine von ihm mit gelbrotem Lack, aus der Samm- 
lung des Prinzen Caraman-Chimay, war 1878 in Paris 
ausgestellt. Vidal liest den Wohnort »Matxiti« statt 
Matriti, und dieser Lese- oder Druckfehler begegnet 
uns seitdem in alien nach Vidal verfaBten Schriften. 
Geigenzettel : Matriti per Granadensem / Josephum 
Contreras / anno 1760 (gedruckt). 

Contreras. — Madrid. Geb. um 1751. 1827 
Sohn, Schiiler und Nachfolger von Jose C. Seine Arbeit 
gleicht der seines Vaters, ist aber minderwertig. Erbe- 
ginnt um 1 790 seine Geigen mit Nummern zu versehen, 
1792 kommt er bis Nr. 11, 1793 bis Nr. 16 usw. 

Geigenzettel: Abb. 142. 

Convert. — Bourg. 1830. 1868 

Ein Dilettant, der einige Leiern im Stile von Louvet 
gebaut hat. 

Conway, William. — London. 1745. 1750 
Wenig bekannter englischer Geigenmacher des 1 8.Jahr- 
hunderts. 

Cook, A., lebte im 19. Jahrhundert in Ipswich 
Cooper, Hugh W. — Glasgow. Geb. 30. Aug. 
1848 in Airdrie 

Nachdem er sich erst als Orgelbauer versucht hatte, 
ging er zum Geigenbau iiber, den er mit Erfolg zu 
seinem Beruf machte. Er baut frei nach Stradivari und 
Guarneri und verwendet Whitelaws Geigenlack. Er hat 
iiber 50 neue Geigen gebaut. Vgl. seine Biographie von 
Meredith-Morris in »The Strad« 1900 Nr. 129. 
Geigenzettel : Hugh W. Cooper / Maker / 75 Dumas 
Street / Glasgow (gedruckt). 

Cope & Roberts. — Fitzroy, Melbourne. 1888 
Zwei »Wiederfinder des echten Cremoneser Geigen- 
lacks«, den sie »Cremonae Redivivus« (!) nannten. Sie 
erhielten auf der Melbourner Ausstellung fur ihre 
Geigen eine Medaille 2. Verdienstklasse. 



Coppi, Sante de. — Mantua. 1800. 1817 

Seine Geigen stehen denen von Alessandro Zanti nahe, 
sind oft von gewohnlichem Aussehen, klingen aber gut. 
Geigenzettel: Sanctus de Coppi fecit / Mantoae Anno 
1816 (gedruckt). 

Coppo, Armando. — Neapel. 1608 

Giovanni di Enrico bezeichnet ihn in einem Schrift- 
stikk als einen vlamischen Lautenmacher, mit dem er 
in Neapel die Werkstatt teilte. 

Coq. — Toulon. 1855 

Er machte Violinen, Violoncelli und Basse und gait als 
nicht ungeschickt. 

Coquet, Claude. — Paris. 1636 

Er wird als »Luthier« bezeichnet und erscheint als Sach- 
verstandiger im Prozefi Medard. Wir haben es hier 
moglicherweise mit einem Vorfahren von Louis Soc- 
quet zu tun. 

Corani, Vincenzo. — Triest. 1830 

Wenig bekannter Geigenmacher, von dem mir einige 
Violinen vorgekommen sind. 

Corara, Giacomo. — Venedig. 1775 

Geschickter, wenn auch wenig bekannter Geigen- 
macher. 

Geigenzettel: Giacomo Corara / Fecit in Aug 1775 / 
Venezia N° 3 (gedruckt). 

Corbucci. — Parma 

Neuerer italienischer Geigenmacher. 

Cordano, Giacomo Filippo. - Genua. 1 770. 1 776 
Seine Geigen verraten eine geschickte Hand und gehen 
auf Cremoneser Vorbilder aus der Ruggeri-Schule 
zuriick, wenn sie auch durch ihre hohere Wolbung und 
kiirzere F-Locher seine Eigenart zur Geltung bringen. 
Er verwendete aber auch ein flaches Modell und gelben 
oder braunroten Lack. Ob er mit der Familie Giordano 
in Verbindung zu bringen ist, muB ich dahingestellt 
sein lassen. 
Geigenzettel: Abb. 127. 

Cormatches, Alberto. — Santiago. 1900. 1902 
Erhielt 1901 auf der Panamerikanischen Ausstellung 
eine goldene Medaille fur Gitarren, Mandolinen und 
Lauten. 

Corna s. Dalla Corna 

Cornelli, Carlo. — Cremona. 1702 

Bei Vidal findet sich nur der Name und Zettel dieses 
Geigenmachers, von dem es mir nicht moghch war, 
Arbeiten zu erfragen. Auf anderen Zetteln stent zuerst 
»Cremonae« und dann erst der Name. Bei Lepke in 
Berlin wurde am 2. Mai 1917 eine Violine mit seinem 
Zettel undder Jahreszahl 1702, die merkwiirdigerweise 
fast alle mit seinem Namen vorkommenden Geigen 
aufweisen, versteigert. 

Geigenzettel: Carolus Cornelli fecit Cremonae anno 
1702 (gedruckt). 



Cornelli — Costa 



87 



Cornell!, Giorgio. — Venedig. 1797 

Ein geschickter Meister, vielleicht Carlo C.s Sohn, von 
dem C. Stoeber in Wiirzburg eine sehr schone Violine 
nach einem langlichen Model! mit flacher Wolbung und 
prachtvollem roten Lack besitzt. 

Cornesse fils, Henri. — Troyes. 1900 

Geigenfirma der Gegenwart. 
Cornia, Giuseppe. — Iddiano (Modena). 1 884. 

1894 

Seine Kontrabasse sind in Italien nicht unbeliebt. 

Cornino. — Spilamberto. 1800 

Sein Name findet sich zwar bei Valdrighi (3722), doch 
ist er in Spilamberto selbst unbekannt. 

Cornu. — Marseille. 1759 

Ein gutes Violoncello in italienischem Stil enthielt 
seinen bier mitgeteilten Zettel. Im ubrigen scheint er 
wenig Geigen gebaut zu haben ? und die wenigen sind 
von sehr gewohnlicher Arbeit. 
Geigenzettel : Cornu Fecit /A Marseille 1 759(gedruckt). 

Corolano? (Coriolano?) — Genua 

In einer handwerksmafiig ausgefiihrten Violine fand 
sich dieser schwer leserliche Name. 

Corradotti, Luigi. — Rom. 19. Jahrhundert 
Guter Mandolinenmacher. 

Correa, Joao (aus Almeida). — Lissabon. 
18. Jahrhundert 

Vielleicht der Sohn Manoels. Der 1794 guillotinierte 
Marquis de Laborde besafi eine Gitarre von ihm mit 
dem Zettel l ) : Joao Correa de Almeida / a fez en Lisboa 
(gedruckt). 

Correa, Manoel. — Lissabon. 1 7. Jahrhundert 
Er stammte aus Almeida und war wohl ausschhefilich 
Lautenmacher. Eine Laute von ihm tragt den Zettel : 
Manoel Correa de Alm da , Violeiro da Rainha NS / Mo- 
rador na Rua direita la / Esperanca LX a (gedruckt). 

Corrieri s. Gorrieri 

Corsby. — Northampton. 1770. 1780 

Bisher sind fast nur Basse von ihm zum Vorschein ge- 
kommen, die iibrigens nicht ungeschickt gemacht sind. 

Corsby, George. — London. 1789. 1830 

Er wohnte in der Princess Street, Leicester Square, war 
Geigenmacher und handelte mit alten Instrumenten. 
Von seinen Arbeiten erfreuten sich namentlich seine 
Violoncelli einer gewissen Beliebtheit. Ob er mit dem 
Northamptoner Corsby verwandt oder gar identisch 
war, konnte ich nicht feststellen. 

Corsini, Pietro. — Arcidosso (Toscana). 1652 
Eine Harfe von ihm besitzt das Musikhistorische Mu- 
seum in Koln. 



*) Gallay : Un inventaire sous la terreur par Bruni, S. 4 1 . 



Cortaro (Castaro, Corsaro), Antonio. — Rom. 
1614 

Baron schreibt in seiner Untersuchung des Instru- 
ments der Lauten (1727): »Antonio Cortaro hat nach 
ihm (Buchenberg) Anno 1614 in Rom gelebet.« — Ar- 
beiten von ihm sind mir nicht bekannt. 

Corte s. Dalla Corte 

Cortenhout, Jan van. — Amsterdam 

Er wird als »Luthier« bezeichnet; mehr liefi sich nicht 
iiber ihn in Erfahrung bringen, und auch in »Bouvv- 
steenen« I, S. 69, wird nur sein Name ohne weitere Be- 
merkung erwahnt. 

Cortese, Andrea. — Genua. 1920 

Ein Autodidakt, der sich eine gewisse Geschicklichkeit 
angeeignet hat. 

Geigenzettel : Andrea Cortese all insegna del / tre cuori 
in Genova 19 . . (gedruckt). 

Cortesi, Carlo. — Pesaro. 1612 

Es gibt Geigen im Stile G. da Salos und Mananis, die 

seinen Zettel tragen. Kammermusiker W. F. Borsche 

in Hannover besafi eine sehr hochgewolbte Violine von 

ihm. 

Geigenzettel: Cortesi fecit Pisavri 1612 (gedruckt). — 

Carlo Cortesi (geschrieben). 

Cosetto, Giuseppe. — Venedig. 1786 

Von diesem unverdient in Vergessenheit geratenen 
Meister besitzt Dr. G. Geyer in Budapest eine hervor- 
ragend schone Violine, stark im Holz, mit auffallend 
kraftigen Ecken, eigenartigen F-Lochern, brciter Ein- 
lage und eigenartiger, urn eine Spirale vermehrter 
Schnecke. Der Ton ist groft und edel. Der Korper 
weist eine Lange von 36,4 cm auf. 
Geigenzettel : Giuseppe Cosetto Fexit (sic !) ; anno 1 786 
Venezia (geschrieben). 

Costa, di Agostino. — Verona. 1600. 1622 
Er stammte der Angabe auf seinen Zetteln zufolge aus 
Brescia und war ein Sohn des Agostino. Er soil eimge 
Zeit in Genua zugebracht und — nach de Piccolellis — 
auch in Venedig gearbeitet haben. Eine doppelt einge- 
legte Viola da spalla aus dem Jahre 1600 besitzt die 
Sammlung Correr in Venedig, ein Colascione von 1622 
die Sammlung Crosby Brown in New York und eine 
Laute aus dem gleichen Jahre Herr Claudius in Kopen- 
hagen. 
Geigenzettel: Costa di agostino di Brescia 1600 (gedr.). 

Costa s. Dalla Costa 

Costa, Augusto da. — Funchal 

Mandolinenmacher des 19. Jahrhunderts. Eine Arbeit 
von ihm befindet sich in der Sammlung Keil in Lissa- 
bon. 

Costa, Diego. — Cadix. 1790 (?) 

Seiner Arbeit nach diirfte er in Italien gelernt habcn. 
Er wohnte in der CalledeCobor und ist nur als Lauten- 
und Mandolinenmacher bekannt. Eine Bandurna von 
ihm besaB Paul de Wit. 



Costa — Couturieux 



Costa, Felice Mori. — Parma. 1804. 1812 

Andere nennen ihn Mori-Costa. Seine Arbeit ist nicht 
schlecht, aber ohne bemerkenswerte Eigenschaften. 
Geigenzettel: Abb. 105. 

Costa, Giovanni Battista. — Venedig. 1770 
Vermutlich eln Schiiler von Santo Seraphin, an den 
seine Arbeit auffallend erinnert, besonders bevorzugte 
er ein an J. Stainer erinnerndes Modell. Arbeit und 
Schnecke kommen S. Seraphin bis zum Verwechseln 
nahe, nur der Lack ist wesentlich diinner und hat 
weniger Feuer. Dafi seine Geigen jetzt so selten vor- 
kommen, hat seinen Grund wohl darin, dafi sie langst 
zum grofiten Tell als Arbeiten S. Seraphins im Ver- 
kehr sind. 

Costa, Ludovico. — Urbino. 1 786 

Der Name findet sich in mittelmafiigen Geigen, bei 
denen das Alter glaubwurdiger ist als die Herkunft. 

Coste, Alfonso della. — Neapel. 1876 

Ein neuerer Neapolitaner, von dem u. a. einige gute 
Violoncelli bekannt sind. 

Cotton, Robert. — Rouen. 17. bis 18. Jahrh. 
Eine Viola bastarda aus der Sammlung Snoeck (Nr.477) 
von sonderbarem und ungewohnhchem Modell, rot 
lackiert, tragt zwar seinen Namen, doch war in Rouen 
uber ihn nichts zu finden. A. Jacquot halt es fiir mog- 
lich, dafi Cotton englischer Abstammung war. 
Geigenzettel: Robert Cotton / a Rouen (gedruckt). 

Coty, Jean-Claude (Pierre du). — Versailles. 
1787 

Mittelmafiiger franzosischer Geigen- und Lauten- 
niacher des 18. Jahrhunderts. 

Geigenzettel: Jean-Claude Coty luthier / A Versailles 
1787 (geschneben). 

Couchet, Jean. — Antwerpen. 1642. f 1665 
Nur als Klavezinmacher und Orgelstimmer bekannt ; in 
gleicher Eigenschaft kommt noch 1665 ein Joseph 
Couchet und 1666 ein Abraham C, der auch als ge- 
schickter Maler bekannt ist, sowie 1 696 ein Jan Couchet 
vor. Welchem von diesen eine Laute mit dem Namen 
Couchet, die ein rheinischer Sammler besafi, zuzu- 
schreiben ist, lafit sich nicht entscheiden. 

Couder freres. — Paris. 1850 

Diese Gebriider erfanden eine neuartige Form der 
Geige und nahmen darauf 1850 ein Patent. Ein Exem- 
plar ihrer Geigen befindet sich im Panser Konser- 
vatorium. Eine solche in Form eines Halbmonds, ohne 
Resonanzboden, besafi C. C. Snoeck. 

Couicu. — Blois. 1642 

Der Name wird verschieden angegeben, am haufigsten 
»Coincu«, aber auch »Comme«. Vielleicht ist Couicu 
(moglicherweise eine Dialektform des Namens Kukuk) 
die richtigste Lesart. Eine Laute von ihm besafi nach 
Brunis Inventaire die Grafin Lowendal. Im Archiv der 
Stadt Blois war leider nichts uber einen so oder ahnlich 
heifienden Lautenmacher zu finden. 



Coulson, M. — Stamfordham 

Englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. 
Geigenzettel: Abb. 149. 



Ro 



1668 



Courier, Francois. 

Er gehorte der Zunft der »Menetriers« in Rouen als 
Meister an und wird ausdrikklich als »faiseur d'instru- 
ments de musique« bezeichnet, was bemerkenswert ist, 
da dieser seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Zunft 
aufier den Lauten- und Geigenmachern auch die Mu- 
siker und die Tanzmeister angehorten. 

Cousin, Jean-Chnstophe, s. Joh. Christ. I 
Vetter 

Cousineau, Georges (nach andern: Pierre- 
Joseph). — Paris. 1769. 1788 

Er war zwar 1769 geschworner Meister der Pariser 
Lautenmacherzunft , hat aber nur als Harfen- 
macher und Musikalienhandler ein Verdienst; doch 
zeigte er in den Blattern an, dafi er alle Sorten von 
Geigen, Gitarren, Mandolinen und Harfen usw. mache 
und verkaufe. Auch auf seiner sehr hiibsch von Pruneau 
nach St. Aubin gestochenen Adrefikarte nennt er sich 
ausdrikklich Luthier; doch liegt es nahe, anzunehmen, 
dafi er fremde Arbeiten verkauft habe. 
Geigenzettel : Rue des Poulies, vis-a-vis la Colonade du 
Louvre. / »A la Victoire.«/ Cousineau, luthier, fait et 
vend harpes, lyres, violons, violon-/ cellos, contrabasses 
pardessus de viole, altviola, guitares, violes / d'amour, 
mandolines, sistres et autres instruments de musique. 
11 vend aussi des cordes de Naples et tient magasm de 
Musique / francaise et italienne. Son epouse grave la 
musique (gedruckt). 

Cousineau, Jacques-Georges. — Paris. Geb. 
13. Jan. 1 760, f 1824 

Sohn von Georges (Pierre-Joseph) C. Er war seit 1 775 
Teilhaber des vaterlichen Geschafts, das dann die 
Firma »Cousineau pere et fils« fiihrte, und wurde 1788 
»Luthier de la Reine«. Obwohl er hauptsachhch Harfen- 
macher und tiichtiger Harfenspieler war, kennt man 
doch auch Violen und Basse von ihm. Er gebrauchte 
eine Brandmarke mit seinem Namen. 

Couturieux (Couturier), N. — Toulon. 1842. 

1850 

Einer der besseren franzosischen Geigenmacher im 
Stile von Nicolas. Er stammte wahrscheinlich aus Mire- 
court und hat gute Geigen gemacht, die durch hiibsches 
Holz, saubere Arbeit und ihren reichen, dunkelroten 
oder gelben Lack sowie den oft vollen, siifien Ton auf- 
fallen. Er brannte in seine Violinen haufig die Buch- 
staben N. C. ein. Brandmarke: Nr. 66. 

Couturieux. — Mirecourt. 1835. 1848 

Seine Geigen sind gewohnliche Handelsware; er da- 
tierte sie gerne aus Paris ode.r nannte sich wenigstens 
»luthier de Paris« und arbeitete im Stile von Nicolas. 
Urn 1850 bestand eine Fabrik unter der Firma Coutu- 
rieux & Heroux. 



Coviaux — Cristofori 



89 



Coviaux s. Lippi 

Cox, N. — London, Holborn. 1674 

Altenglischer Geigenmacher, von dem ich jedoch bisher 
keine zweifellos echte Arbeit kennen lernen konnte. 

Cozzi, Battista. — Venedig. 19. Jahrhundert 

Wenig bekannter Geigenmacher, dessen geschnebener 
Reparaturzettel manchmal vorkommt. 

Craig, John. — - Edinburgh. Geb. 17. Nov. 
1860 in Kirkinchbei Meigle 
Er ahmt das Stradivarimodell frei nach und verwendet 
Whitelaws »Amati-Lack«. Seine Arbeit erinnert etwas 
an die Matthew Hardies. 

Geigenzettel : John Craig, / Maker / Edinburgh. A. D. 
1897(gedruckt). 

Craile (Graill), Magno. — Rom. 1606. 1631 

In Rom ansassiger, deutscher oder vlamischer Lauten- 
macher, der 1606 urkundlich (als Zeuge) erwahnt wird. 
Er kommt 1627 und 1631 noch vor und soil besonders 
gute Archilauten gebaut haben. 

Cramond, Charles. — Aberdeen. 1800. 1834 

Er kam vom Pfluge her nach Aberdeen und war ein 
auGerst fleiBiger Geigenmacher, der jahrelang jede 
Woche eine Geige fertigbrachte. Seine Geigen waren 
nicht schlecht, wenn er sie nicht zu diinn im Holz ge- 
macht und schlecht lackiert hatte. Auf seinen Zetteln 
fehlt meistens die Jahreszahl ; er gebrauchte auch einen 
Brandstempel »Cramond, Aberdeen «. 1m Jahre 1834 
wanderte er nach St. John in Neu-Schottland aus und 
machte dort Gewehrschafte. 

Geigenzettel : Chas. Gramond / Maker Aberdeen 
(gedruckt). 

Craske (Crask), George. — ■ Bath, Leeds, 
Sheffield, Birmingham, Manchester, Stock- 
port. Geb. 1797 in Bury St. Edmunds, 
f 1888 in Stockport 

Als Jiinglmg kam er zu William Forster in die Lehre, 
trat spater zu dem beruhmten Klavierspieler Clementi 
in Beziehung, namentlich aber zu Thomas Dodd, der 
einen neuen Geigenlack erfunden hatte und junge Leute 
beschaftigte, die fur ihn arbeiten muBten ; unter diesen 
war auch Craske. Er verlieB Dodd aber bald wieder und 
heB sich in Bath nieder. Er hatte hier keinen sonder- 
lichen Erfolg und siedelte nach der Reihe nach Leeds, 
Sheffield und Birmingham iiber. In Birmingham hielt 
er sich iiber 20 Jahre auf, um dann fur ein Jahr nach 
Manchester und von da nach Stockport (Distrikt Sal- 
ford) zu ziehen. Er war eine echte Kiinstlernatur, aber 
voll Schrullen und Eigenheiten, die sich im Alter immer 
mehr ausbildeten. Obwohl er unermiidlich tatig war 
und noch in seinem 90. Lebensjahre arbeitete — er hat 
iiber 3000 Violinen, Violen und Violoncelli und etwa 
20 Kontrabasse gebaut — und von den bedeutendsten 
Virtuosen hochgeschatzt wurde, brachte er es doch zu 
keinem Wohlstande. Seine Arbeiten sind nach den 
besten italienischen Vorbildern sehr sauber ausgefuhrt 



und werden jetzt von Jahr zu Jahr besser im Ton. Seine 
Biographie veroffentlichten G. Crompton in »The 
Strad« 1893 und Arthur Broadley in der Zeitschrift 
»Musical News« 1901, Nr. 553 : >>An english Stradi- 
varius«. Drei Violinen von ihm aus den Jahren 1820 bis 
1836 waren 1880 in Edinburgh ausgestellt. Seinen Nach- 
lafi (70 Violinen, 10 Violoncelli, eine Anzahl Violen und 
12 Kontrabasse) erwarben W. E. Hill & Sons in Lon- 
don, die seine Arbeiten besser zu verwerten wuBten, 
als er dies selbst bei Lebzeiten gekonnt hatte. 
Geigenzettel: Made by George Craske / (born 1797, 
died 1888 / and sold by / William E. Hill & Sons, Lon- 
don (gedruckt). 

Cravtchenko (Craftschenko) s. Krawtschenko 

Cremona, Girolamo. — Turin 

Von Valdrighi (754) erwahnter Geigenmacher; der 
Name ist vermutlich durch MiBverstandnis eines in 
Turin gefalschten Amati-Zettels aus »Hieronymus 
Cremonensis« entstanden. 

Cricca, Alfonso. — Ferrara. 1591 

Ein Instrumentenmacher, der wohl auch Lauten ge- 
baut hat, vorzugsweise aber Klaviere und Orgeln. 

Cricca, Giulio. — Ferrara. 1594 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und war der 
Bruder von Alfonso. Die Briider hatten, wie auch der 
Orgelbauer Hyppolito Cricca 1 ), den Beinamen »Paia- 
nni«, »Paghanni«. 

Crista s. Christa 

Cristofaro, E. de. — Neapel und Pans. Geb. 
ll.Febr. 1870 In Neapel 

Schiiler seines Vaters und wie dieser Mandolinen- 
macher. Er machte sich 1892 selbstandig und verlegte 
seinen Wohnsitz nach Paris. Seine Mandolinen sind von 
sauberer Arbeit und schon im Ton. 
Geigenzettel : Fabbricazione Artistica / di Mandolin! e 
Mandole Napoletani con nuovo / sistema triplando la 
sonorita. E. de Cristofaro / 1 99 bis Via Mergellina Na- 
poli. Vendita e deposita / a Paris (gedruckt). 

Cristofori (Cristofah ?), Bartolommeo. — Flo- 
renz. Geb. um 1667 (in Cremona oder 
Padua?), f nach 1720 

Im Jahre 1680 findet sich ein Bartolommeo Cristofori, 
13 Jahre alt, als Schiiler N. Amatis angegeben. Das 
Museum »dell' lstituto musicale« in Florenz besitzt 
einen schonen Kontrabafi von ihm. Fiorini in Miinchen 
besaB ein schones Cello von ihm nut der Jahreszahl 
1716. Die Versuchung liegt nahe, diesen Cristofori 
(dessen Name nach dem Giornale de Letterati d' Italia 
B.V. 1711 richtig »Cristofali« lauten miiBte) mit dem 
beriihmten Erfinder des Hammerklaviers oder richtiger 
gesagt: der StoBzungenmechanik zu identifizieren ; 
doch spricht die Tatsache dagegen, da6 als Geburts- 
datum des Erfinders des Hammerklaviers der 4. Mai 



x ) Er hatte schon 1598 ein Tasteninstrument gebaut, 
dem er den Namert »Piano e forte« gab, 



90 



Cristofori 



nit 



1655 feststeht, wahrend der Amatisch tiler zwolf Jahre 
jiinger war, worauf Georg Kinsky in seinem Katalog 
des Musikhistonschen Museums von W. Heyer in Koln 
mit Recht hinweist. — Die altesten Arbeiten des Gei- 
genmachers Cristofori sollen die Jahreszabl 1700, die 
letzten 1720 tragen. 

Geigenzettel : Bartolommeo Cristofori Firenze 1715 
(gedruckt). 

Cristofori, Francesco. — Chicago. 1879. 1882 

Ein Italiener, der mehrere Jahre lang als Geigenmacher 
in Amerika lebte, spater aber wieder in seine Heimat 
zurtickkehrte. 

Cristoni, Eusebio. — Modena. 1847. 1883 

Einige seiner Geigen sind recht sauber gearbeitet, wenn 
auch weder originell noch hervorragend. 

Cnstophon, Joannes. — Vienne (?). 1746 (?) 

In einer Violine, die nicht sehr sorgfaltig gearbeitet 
war und eine plumpe Schnecke und weite F-Locher 
hatte, befand sich dieser Name auf einem schwer leser- 
lichen Zettel. 



Croft, W. H. — 1822 

Englischer Geigenmacher aus der crsten Halfte des 
19. Jahrhunderts. 

Croft & Son. — Birmingham. 1871. 1880 

Eine englische Streichinstrumentenmacherfirma aus 
dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die 1871 be- 
grundet wurde und vor 1898 erloschen sein muG. 

Crompton, Edward. — Manchester. 1886 

Erhielt 1886 in Edinburgh fur seine Geigen eine 
bronzene Medaille. 

Crosby, G. R. — Dewsbury. 1900 

Englischer Geigenmacher der Gegenwart. Auch in 
Nottingham lebte ein Crosby als Geigenmacher. Ein 
George Crosby in London, der schon um 1790 vor- 
kommt, war hauptsachlich Handler, weshalb die mit 
seinem Namen vorkommenden, meist nach Amati ge- 
bauten und mit dunnem, rotbraunem Lack versehenen 
Arbeiten schwerlich von ihm selbst herruhren durften. 

Cross, Nathaniel. — London (Aldermanbury). 
1700. 1751 

Einer der bekanntesten Vertreter der englischen Schule. 
Er hat das Stainermodell gut studiert und baute recht 
genau danach. DaB er aber selbst bei Stainer ge- 
lernt hat, wie man friiher gerne behauptete, 1st ausge- 
schlossen. Seme Geigen haben einen edlen, kraftigen 
Ton und sind gelb lackiert. Seit 1715 war er Gesell- 
schafter von Barak Norman, doch ist seine Arbeit leicht 
von der Normans zu unterscheiden. Er bezeichnete 
seine Geigen im Innern in der Mitte des Bodens mit 
einem Kreuz (»Cross«) unter den Buchstaben N. C. 
Arbeiten von ihm findet man in verschiedenen Samm- 
lungen. Eine Violine von 1731 besitzt J. T. Chapman. 
Geigenzettel : Nathaniel Cross, Maker / the George Jnn, 
Aldergate Street / London 1731 (geschrieben). Brand- 
marke Nr. 65. 



Cross, W. S. — Cleveland. 1900 

Amerikanischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Crowther, John. — London. 1755. fuml810 
Er arbeitete gewohnlich fur Handler, so auch fur John 
Kennedy, weshalb sich sein Name nur selten in seinen 
Arbeiten, die iibrigens recht gut sind, vorfindet. 
Geigenzettel : John Crowther / Haughton Street / Clare 
Market 1760 (gedruckt). 

Crugrossi (?), Vincenzo. — Florenz. 1767 
Bisher nur von Valdrighi (768) erwahnter Geigen- 
macher, dessenName wahrscheinlich falsch gelesen ist. 

Cruz-Abrantes, Jose Gaetano da. — Villa Nova 
deFakem. 1900 

Portugiesischer Mandolinen- und Gitarrenmacher der 
Gegenwart. 

Cruz-Mura, Antonio Joseph da. — Porto. 1 867 

Er stellte 1867 in Paris eine Violine aus, die eine gute 
Schule und Geschmack verriet. 

Csutor, Alexander (Sandor) Nagybanya. — 
Budapest. Geb. 1840 

Ein von Dr. J. Geyer erwahnter Forstrechnungsrat, der 
aus Liebhaberei viele Geigen gemacht hat. 

Cuchet, Gaspard. - — Grenoble. 1729 

Seine Geigen sind sauber gearbeitet, aber nicht sonder- 
lich schon in der Form. 

Geigenzettel : Fait par Gaspard Cuchet a / Grenoble 
Mil sept cent 29 (gedruckt). 

Cumming, Andrew. — Portpatrick. Geb. 

19. April 1848 in Kirkcolm, Wigtonshire 

Aus Liebhaberei begann er seit 1892 Geigen zu machen 
und hat seitdem iiber 100 Violinen gemacht. Die 
meisten haben keine Einlage und sind mit Kauriharz 
lackiert. Er klebt keine Zettel ein, sondern schreibt 
in seine Arbeiten: Handmade violin, home grown 
wood, by A. Cumming Nr. 49 (1897). 

Cunault, Georges. — Pans. Geb. in Paris 
20.Marz 1856 

Von 1872 — 1873 Schiiler von Seb. Vuillaume und von 
1873—1880 von Miremont. Von 1880—1882 arbeitete 
er in seiner Wohnung fur verschiedene Meister, so fur 
E. Germain usw. und eroffnete 1882 seine eigene Werk- 
statt Faubourg Poissonmere 53, die er 1884 nach der 
Rue des Martyrs 29, 1889 nach der Rue Clauzel 6, 
1893 nach der Rue de Navarin 21 und zuletzt in 
derselben StraBe nach Nr. 19 verlegte. Er kopiert alle 
groften Meister und besitzt auch ein von ihm selbst 
entworfenes Modell, bei welchem er die groBte Fulle 
und Gleichmafiigkeit des Tons zu erreichen sucht. Er 
legt eine anerkennenswerte Sorgfalt auf die Wahl des 
Holzes und verwendet Ollack. Seine Geigen sind recht 
gut und jedenfalls vielen mittelmaGigen oder verdor- 
benen, die nur den Vorzug des" Alters haben, vorzu- 
ziehen. 
Geigenzettel: Abb. 101 und 133. 



Cunha-Mello — Czyz 



91 



Cunha-Mello, Joaquim da. — Porto. 1900 
Mandolinen- und Gitarrenmacher der Gegenwart. 

Cunin, Albert. — ? 

In einer Geige, vielleicht aus der zweiten Halfte des 
19. Jahrhunderts stammend, von franzosischem (Mire- 
courter) Aussehen, fand sich dieser Name eingebrannt. 

Cuniot-Hury. — Mirecourt. 1875. 1900 

Bessere Geigen- und Bogenfabrik der Gegenwart, die 
1875 gegrundet wurde und die Firma »ancienne Maison 
Vuillaume« fiihrt. Der um 1912 verstorbene Eugene 
C.-H. war am 22. Dez. 1861 geboren. 

Cuny. — Paris. 1777. 1778 

Er lebte wahrscbeinlich in Mirecourt und hielt sich 
nur zeitweise in Pans auf. Seine Geigen sind von ganz 
gewohnlicher Arbeit und haben dicken, braunen Lack. 
Vidal schatzte sie seinerzeit auf hochstens 30 — 40 Fran- 
ken. Eine Violine im Museum des Pariser Konser- 
vatonums (Nr. 14) tragt den Brandstempel : Cuny a 
Paris. 

Cuny, Francois. — Mirecourt. 1751. 1767 

Vielleicht mit dem noch 1778 in Paris vorkommenden 
Geigenmacher identisch, wahrscheinlicher aber sein 
Vater. 

Cuppin, Giovanni. — ? 

So liest Vidal den Namen in einer sehr alten BaOviole 
der Sammlung Gautier in Nizza. (Ohne Rand und 
Reifchen. Die F-Locher hubsch geschnitten: gelber 
Lack.) Valdrighi erwahnt diesen Meister unter Nr. 3727. 
Wo er gelebt hat ist unbekannt. 

Curatoli, Antonio. — Neapel. 1900 

Ein Streichinstrumentenhandler, der auch gelernter 
Geigenmacher sein soil. 

Cusumano, Giuseppe. — Tunis. 1854 

Eine gitarnsierte Laute von ihm" befindet sich in W. 
Heyers Musikhistorischem Museum in Koln No. 575. 

Geigenzettel : Giuseppe Cusumano. / Tunis 1854 (ge- 
schrieben). 

Cuthbert, Robert. — London. 1690 

Man kennt Violen und Violinen von ihm, die durch ihr 
flaches Modell und ihren schonen, dicken Lack, der 
freihch haufig zu dunkel ist, bemerkenswert sind. So- 
wohl in der Arbeit wie im Holz sind seine Instrumente 
gut. Eine Violine von ihm besitzt J. T. Chapman. 

Cuvillier. — Paris. 1897. 1900 

Streichinstrumentenhandler und Geigenmacher. Czejka S. Cejka 



doch war es mir nicht moglich, eine einwandfreie und 
echte Arbeit von ihm naher kennen zu lernen, oder in 
Holland auch nur zu erfragen. 

Geigenzettel: Johannes Cuypers fecit in Haag 1707 
(gedruckt) und Abb. 100. 

Cuypers, Jan. — Haag. Geb. 1719, f nach 
1806 

Angeblich Neffe und wohl auch Schuler des alten Jan 
C. Seine Geigen sind meist schwerfallig in der Form 
und zu stark im Holz, aber fast immer nach Stradivari 
gebaut. Sie haben schwere Rander und dick aufge- 
tragenen Lack. Der Ton ist sehr klar, aber etwas hart. 
Er schreibt seinen Namen auch »Koeuppers«. Seine 
Arbeiten kommen haufig vor. Eine Geige von 1 798 bei 
Scheurleer, eine neunsaitige Gitarre im Museum zu 
Brussel Nr. 259. 

Geigenzettel: Johannes Cuypers, / Fecit 's Hage A 
1782 (gedruckt). — Johannes Cuypers / fecit S: hage 
1802 / aetatis suae 83 (geschrieben). 

Cuypers, Johannes Bernardus. — Haag. 1810 

Vielleicht ein Sohn von Johannes C, den er nachahmte, 
aber nicht erreichte. Seine Arbeit ist roher, der Ton 
weniger gut, nur der Lack ist trotz seiner Harte recht 
schon und heller (gelblicher) als der des Vaters. Er ver- 
wendete geschriebene Zettel : 
Joh. Bernardus Cuypers / fecit 's Hage 1810. 

Cuypers, Johannes Frans. — Amsterdam. 
1783. 1811 

Angeblich ein Neffe von Johannes C. Er diirfte im 
Haag gelernt haben und muG auch nach Italien ge- 
kommen sein, wo er seine letzte Ausbildung fand. Er 
arbeitete nach tahemschen Grundsatzen und besaB 
eine gewisse Handgeschicklichkeit, doch sind seine 
Arbeiten meist zu schwer im Holz und haben dicke 
Rander. Zwei Geigen von ihm besitzt der ehemalige 
Sekretar der Sudafrikanischen Republik Dr. Leyds. In 
der Sammlung Scheurleer ist eine Taschengeige von 
ihm, bei der Boden und Zargen aus einem Stuck ge- 
stochen sind. 

Geigenzettel: Johannes Franciscus Cuijpers / fecit 's 
Hage 1783 (gedruckt). — Johannes Franciscus Cuypers/ 
Fecit Amsterdam 1811 (geschrieben). 

Czejka (Cejka), Joseph. — Prag. 18. Jahrh. 

Geigen von ihm habe ich bisher nicht kennen gelernt. 
Seine (1 733 geborene) Witwe Veronika starb am 9. Jan. 
1 826 in Prag. 



Cuypers, Jan (Johannes) der Alte, (de oude). — Czyz, Jan. — Krasnobrody. 1 896 

Haag. I /U/. I /ZU (?) 1st mir nur als Reparateur bekannt geworden. 

Er wird als das Haupt der Familie bezeichnet, und Geigenzettel : Koregowal Jan Czyz zo Krasnobrodzie 

J. Roumen lobt ihn als sehr tiichtigen Geigenmacher; 1896 (geschrieben). 



92 



Daboll — Dalla Costa 



Daboll, L. Norman. — New London (Conn. 
Am.). 1894 

AmerikaniscKer Geigenmacher und -handler aus dem 
letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. 

Dabrowski s. Dombrowski 

Dablitz, J. Gottfried. — Tapiau (Ostpreufien). 

1850. f 12.0kt. 1899 

Ein Kapellmeister, der sich auch mit dem Geigenbau 
beschaftigt hat. Er war mindestens seit dem Ende der 
siebziger Jahre in Tapiau ansassig und hat viele Geigen 
repariert. Fur einen Dilettanten besafi er ein be- 
merkenswertes Geschick, und so hat er fiir seine neuen 
Geigen allerlei Ausstellungspreise erhalten. Rechnungs- 
rat Friedrich in Posen besitzt eine nach einem lang- 
lichen Modell gebaute Viola von ihm, gute Arbeit, 
gutes Holz, gelbbraun lackiert. Die F-Locher erinnern 
an Stainer, die Schnecke ist tief ausgestochen. 
Geigenzettel : J. G. Dablitz / Musiker und Geigen- 
macher / Tapiau. 1881 (lithographiert). 

Dahn, Christian Friedrich. — Klingenthal. 
1737 

Kommt nur im Kassabuch der Innung als Meister vor. 
Danzel s. Tentzel 

Dagli Instrument!, Marco. Ferrara. 1541 
Nach den Zahlamtslisten hat er fiir die Herzoge Alfonso 
und Alfonsino d'Este sechs Violinen gemacht. Auch ein 
Domenico dagli Instrumenti kommt vor; der eigent- 
liche Familienname ist aber nicht bekannt. 

D'Agostino, Nicolo. — Palermo. 19. Jahrh. 
Er hatte in der Via Macqueda seine Werkstatt und war 
am besten als Lautenmacher. 

Dahlstrom, Joh. Reinhard. — Hamburg. 1 788 
Er wurde als »Instrumentenmacher« am 31.0ktober 
1788 Burger; ob er jedoch auch Geigen und Lauten 
gemacht hat, war nicht nachzuweisen. 

Dal Chitarrino (Gitarino), Biagio. — Ferrara. 
1464. 1467 

Modenesischer(?) Lautenmacher, den auch Valdrighi 
(1248) erwahnt, doch hiefi er wahrscheinlich Polverino 
(s. d.). Auch ein Pietrobono dal Chitarrino kommt 
1445 — 1446 als trefflicher Lautenist vor, von dem je- 
doch nicht feststeht, ob er auch Lautenmacher war. 

Dalgarno, Thomas. —Aberdeen. 1860. 1870 
Ein Geigenliebhaber, der auf Grundlage der Unter- 
weisungen, die er in Ottos kleiner Schrift fand, etwa 
20 Violinen, mehrere Violoncelli und einen grofien Bafi 
gemacht hat. Er verwandte einen Spirituslack. 
Geigenzettel: Thomas Dalgarno / Aberdeen 1865 (ge- 
schrieben). 

Dalinger (Dallinger), Sebastian. — Wien. 1 768. 
1809' 

Er wohnte im Kamthner Viertel, Himmelpfortgasse, 
und legte am 23. Januar 1768 den Biirgereid ab. In den 



Steuerbuchern kommt er bis 1787 vor. Er war ein mit 
Thir auf gleicher Stufe stehender, sehr tuchtiger Lauten- 
und Geigenmacher, von dem namentlich die Violon- 
celli sehr gesucht sind. Ein solches von 1771 besitzt das 
Schottenstift in Wien. Er schrieb seinen Namen stets 
Dalinger, in den Akten liest man dagegen: Tallinger, 
Tallinger und Dallinger. Sein Holz ist gut, wenn auch 
nicht ausgesucht schon, die Arbeit sorgfaltig. Umrifi- 
linien, Wolbung und F-Locher sind von schonem 
Schwung und an das Stainermodell erinnernd. Seine 
Schnecken oder Lowenkopfchen (die er gerneanbrachte) 
sind gewohnlich aus Bimbaumholz geschnitzt. Der 
Lack ist in der Regel dunkelbraun und ohne Feuer, 
manchmal aber auch gelb; so besitzt Korecky in Prag 
ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1803 mit gelb- 
hchem Lack. Seine dunkeln Geigen erreichen zwar 
gute Preise, doch sind tadellos erhaltene Violinen mit 
gelbem Lack mehr als das Doppelte wert. Er machte 
auch recht gute Kontrabasse, von denen viele Schlangen- 
linien als Schallocher haben. 
Geigenzettel: Abb. 150 und 160. 

Dalla Corna (Delia Corna), Giovan Giacomo — 
Brescia. Geb. urn 1484, f nach 1548 
Er war ein Sohn des Giovan Maria dalla Corna und 
wohnte in der Contrada del Canto Bombasar. In seiner 
Steuererklarung vom Jahre 1534 bezeichnet er sich als 
50 Jahre alt, wobei seinem Namen der Zusatz »che fa 
lauti« beigefiigt ist. Arbeiten von ihm sind bisher nicht 
bekannt geworden. In spateren Jahren scheint er die 
Lautenmacherei aufgegeben zu haben, denn nach seiner 
Steuererklarung von 1548 zu urteilen handelte er zu- 
letzt mit Waffen usw. De Piccolellis, Vidal, Fenaroli 
hatten nur Lanfranco als einzige Quelle und geben so- 
wohl die Vornamen als die Jahreszahlen ungenau. 

Dalla Corte, Alfonso. — Neapel. 19. Jahrh. 
Seine Geigen sind gute Nachahmungen der alten 
Meister, sein gelber Lack zeigt jedoch mehr den Cha- 
rakter der Mailander als der Neapolitaner Schule. 
Ubrigens wendet er den Lack in verschiedenen Far- 
ben an. 

Dalla Costa, Marco. — Treviso. 1640. 1680 
Vielleicht der Grofivater oder auch Vater von Pietro 
Antonio. Alfred Keil in Lissabon besitzt eine Taschen- 
geige mit drei Saiten von ihm aus dem Jahre 1640. 

Dalla Costa, Pietro Antonio. — Treviso. 1 700. 
1768 

Der Name wird auch Dalla Caesta gelesen. Er war ein 
Nachahmer der Briider Amati, was er ausdrucklich 
betont, aber auch Stradivaris, und arbeitete recht 
sauber; namentlich sein prachtvoller rotbrauner oder 
gelber Lack ist zu loben. Er soil auch in Mantua und 
Venedig gearbeitet haben; das konnte allerdings nur 
voriibergehend oder vor 1720 und nach 1757 gewesen 
sein. Sein Name wurde von Falschern gern mifi- 
braucht 1 ), wodurch sich die ungewohnlich weit aus- 
einanderliegenden Jahreszahlen, die man neben seinem 



x ) Die gefalschten Zettel fallen meist durch ihr fehler- 
haftes Latein auf. 



DalF Aglio — Dankwart 



93 



Namen angegeben findet, wohl einigermafien erklaren 
lassen. Eine schone Geige von ihm besitzt Dr. Schulze 
in Munchen. 

Geigenzettel : Petrus Antonius a Costa fecit / Tarvisn, 
Anno 1740 (gedruckt). — Petrus Antonius a Costa 
fecit ad / Similitudinem illorum quos fecerunt: An- 
tonius & Hieronymus Fratres Amati / Cremonenses 
Filii Andreae. Tarvisii Anno 1757 (gedruckt) und 
Abb. 167. 

DalF Aglio, Giuseppe I. — Mantua. 1723 (?) 

1775 (?) 

Wenn der nachfolgende Zettel nicht gefalscht 1st, was 
Valdrighi auch bei einem solchen mit der Jahreszahl 
1719 fur moglich halt, dann hat Gius. II. D. A. einen 
gleichnamigen Vorfahren gehabt, dessen Arbeit aller- 
dings nicht hervorragend war. Ich fand eine Geige mit 
dem gleichen Zettel und der Jahreszahl 1775 oder 1745. 
Geigenzettel: Abb. 182. 

DalF Aglio (Dalaglio), Giuseppe II. — Man- 
tua. 1795. Soil 1840 noch gelebt haben 
Seine Geigen haben manche Ahnlichkeit mit denen 
C. Camillis, doch nimmt er die Wolbung hoher. Der 
Lack ist gelb, und die F-Locher sind etwas steil, die 
Schnecken gewohnlich in der Form und oft sogar 
plump. Am besten sind seine Violoncelli. Gustav Siefert 
in Leipzig besitzt eine schone Violine von 1781 und ein 
Violoncello von 1800 von ihm, das in seiner Form an 
Peter Guarneri erinnert und durch sehr schone F- 
Locher auffallt. 
Geigenzettel: Abb. 153 und 178. 

Dalla Porta, Marc Antonio. — Venedig. 1601 



auf Holz und Lack nicht ganz entsprechen. Er stand 
auch als Musiker in Ansehen und wurde als Direktor 
des kaiserl. Orchesters nach St. Petersburg berufen. Als 
er seine Heimat wieder einmal besuchen wollte, starb 
er auf der Reise. 

Dall' Ongaro, Ignazio. — Venedig. 1 747. 1 783 
Ein Geigenmacher dritten Ranges, der nur seken die 
guten Eigentiimlichkeiten der venezianischen Schule in 
seiner Arbeit erkennen lafit. Manchmal schreibt er sich 
kurzweg Ongaro. 

D'Ambrosio, Antonio. — Neapel. 1820 

In seiner Arbeit kennzeichnet sjch der allmahliche Ver- 
fall der Schule von Neapel. Ubrigens scheint er sich 
auch mehr mit dem Bau von Mandolinen und Gitarren 
als mit dem von Geigen beschaftigt zu haben. 

Daniel, ein franzosischer Lautenmacher, der 
um 1 656 vorkommt 

Daniel (»Meister Daniel «). — Antwerpen. 1636 
De Piccolellis, Vidal u. a. erwahnen einen Antwerpener 
Meister Namens Daniel, der 1636 einen Kontrabafi fur 
die Sakramentskapelle der Kathedrale gemacht hat. 
Ein Geigenmacher mit dem Familiennamen Daniel 
lebte damals nicht in Antwerpen ; nur ein Daniel Bader, 
Orgel- und Klavezinmacher, kommt dort von 1 600 an 
vor; vielleicht ist dieser mit dem »Meister Daniel « 
identisch. 

Daniel, Charles. — Marseille. 1762 

Er eroffnete 1762 seine Werkstatt. Selbstandige Ar- 
beiten von ihm sind mir nicht bekannt geworden. Er 
war hauptsachlich Handler und Reparateur und be- 
schaftigte sich mehr mit Blechinstrumenten als mit 
Geigen. 



Dem Hamburger Museum fur Kunst und Gewerbe 
wurde vor einiger Zeit eine Laute zum Kauf angeboten 
mit dem Zettel: Marc Antonio dalla Porta /in Venecia Daniel, Edmond. — Marseille. I 8UU. ItfcU 



(sic) MDCI. (gedruckt). Vielleicht dieselbe Laute (mit 
sechs Wirbeln) wurde am 14. Juli 1917 bei Helbing in 
Munchen versteigert. Gewolbter Korper in ge- 
flammtem Ahornholz, Decke mit Ebenholzauflage, am 
Steg und am Schalloch Perlmutterverzierung. 

Dall' Hocha, Gasparo. — Ferrara. 1568 

Nach Valdrighi (1483) nicht nur ein Lautenmacher, 
sondern auch als Lautenspieler bekannt. Vermutlich 
von deutscher Abstammung. 

Dallemagne, Pierre. — Mirecourt. f 1739 
Unbedeutender Geigenmacher. Ein gleichnamiger, 
vielleicht der Sohn, starb 1 748. 

Dal Liuto s. Simone (Semola) 

Dall' Oglio, Domenico. — Padua. Geb. nach 
1700, fin Narwa 1765 

Urspriinglich Mechaniker, ging er schon in jungen 
Jahren zur Musik iiber und wendete sich nebenbei mit 
Erfolg dem Geigenbau zu. In seiner Arbeit zeigt sich 
der paduanische Stil, der auch in Bagatellas Geigen 
noch hervortritt, schon deutlich ausgebildet. Es gibt 
recht gute Geigen und Lauten von ihm, die nur in bezug 



Sohn, Schiiler und Nachfolger von Charles Daniel, 

arbeitete kurze Zeit bei Gand in Paris und war der 
L Lehrer von A. Guerin. der spater sein Nachfolger 

wurde. Als tiichtiger Reparateur wurde er geschatzt, 
[trieb aber hauptsachlich einen Handel mit Musik- 

instrumenten aller Art. 

Daniele, lebte in Verona 

Geigenzettel: Daniele in Verona (gedruckt). 

Danieli, Giovanni. — Padua. 1745. 1785 
Arbeitete erst allein und spater mitBagatella zusammen, 
dem er auch in der Arbeit nahesteht. 
Geigenzettel: Joannes Danieli fecit Patavii / 1745 (ge- 
druckt). — Danieli et Bagatella / fecerunt Patavii Anno 
17.. (gedruckt). 

Daniels, Geo W., lebte im 19. Jahrhundert in 
Boston 

Dankwart, Belizar. — Warschau. 1603 

Ein im 17. Jahrhundert in Polen tatiger Geigenmacher, 
dessen Violinen zwar etwas zu diinn im Holz sind, aber 
im Modell an die Brescianer Schule erinnern und die 
deshalb auch von gewissenlosen Handlern gerne mit 



94 



Danner — Daum 



italienischen Zetteln versehen worden sind. Der Lack 
ist dunkelrot und sehr diinn. Der Ton entsprach den 
damaligen Anforderungen, und diesem Umstand ist es 
wohl auch zuzuschreiben, da6 sich die polnischen 
Geigen einer gewissen Beliebtheit bei den Musikern 
des 17. Jahrhunderts erfreuten. Bei einer Viola d'amore 
von ihm war sowohl der Boden als die Decke aus Abom- 
holz. 

Danner s. Thanner 

Darbey, G. — Bristol. 1882. 1910 

Ein Geigen- und Bogenmacher, der seine Werkstatt, die 
er »Cremona house« nennt, 1882 eroffnete. Er ist der 
Erfinder und Verfertiger eines Saiten-Mikrometers. 

Darche, Charles-Francois. — Briissel. Geb. in 
Mirecourt urn 1820, t 1874 
Jungerer Bruder von Nicolas Darche. Er kam in 
jungen Jahren zu N. F. Vuillaume, als dessen Schuler 
er gelten kann, und machte sich 1845 in Briissel selb- 
standig. Seine Arbeit war im ganzen gut, der Lack aber 
mager und der Ton oft dumpf, was wohl hauptsachlich 
daher kam, dab* er das Holz durch chemische Prozesse 
alt machen wollte und dadurch verdarb. Er verbrauchte 
iiberhaupt viel Zeit zu allerlei Versuchen und Erfin- 
dungen, dazu gehoren auch Violoncclli mit fiinf Saiten 
u. dgl. Als Reparateur war er jedoch wegen seiner sorg- 
samen und treuen Geduldsarbeit ungemein geschatzt. 

Darche, Joseph. — Briissel. Geb. urn 1824 in 
Mirecourt, f 1867 

Jiingster Bruder von Nicolas D. Nachdem er in Mire- 
court ausgelernt hatte, kam er zu N. Vuillaume nach 
Briissel, machte sich da 1854 selbstandig und gait als 
geschickter Geigenmacher. 

Darche, Hilaire. — Briissel. Geb. in Briissel 
1862 

Sohn von Joseph D. Seine erste Lehrzeit machte er in 
Mirecourt durch und kam dann drei Jahre spater nach 
Briissel zuriick, wo er unter der Leitung eines Geigen- 
machers, der 30 Jahre lang bei Vuillaume gearbeitet 
hatte, seine Ausbildung vollendete. Im Jahre 1886 er- 
offnete er seine eigene Werkstatt und fiihrte sie allein 
bis 1894 fort; dann verband er sich mit seinem Bruder 
zu der Firma »Darche Freres«. (Der Bruder ist jedoch 
nicht Geigen-, sondern Klaviermacher usw.) Er baut 
nach Stradivari, Guarneri und Maggini und ist Geigen- 
macher des Konservatoriums. 

Geigenzettel : Hilaire Darche, Luthier / du Conser- 
vatoire Royal de Bruxelles. / L'An 19 . . (gedruckt). 



Darche, Nicolas. — Aachen, 
f 1873 



Geb. 



1815, 



Er soil in seiner Vaterstadt Mirecourt gelernt haben und 
lieO sich, nachdem er in Briissel eine Zeitlang gearbeitet 
hatte, gegen 1840 in Aachen nieder. In seiner ersten 
Zeit berechtigte er zu schonen Hoffnungen und baute 
nach den Modellen von Stradivari, Guarneri und 
Maggini mit Geschick und Verstandnis. Damals ver~ 
wendete er auch dicken, roten Ollack und erzielte eine 



bemerkenswerte Klangschonheit. Er verlangte 1844 fur 
eine Geige 35 Taler, fur ein Violoncello 70 Taler. 
Spater ergab er sich dem Trunke, und seine Arbeiten 
aus den sechziger Jahren kommen hochstens noch der 
Mirecourter Durchschnittsware gleich; ja es ist wahr- 
scheinlich, daB er nur noch Mirecourter Schachteln 
verarbeitete. In den letzten Jahren seines Lebens 
arbeitete er iiberhaupt nichts mehr. 
Geigenzettel: N. Darche Luthier / a Aix la Chapelle / 
1852 (gedruckt). 

Darche, Paul. — Briissel. Geb. um 1846, 
f 1881 in Briissel 

Sohn von Ch. F. Darche und dessen Nachfolger. Seine 
Lehrzeit machte er in Mirecourt durch und arbeitete 
dann im vaterlichen Geschafte. Er war nicht unge- 
schickt sowohl im Neubau wie in der Herstellung alter 
Geigen. 

Dardelli, Fra Pietro. — Mantua. 1497. 1500 

Ein Franziskanermonch, der sowohl schone Lauten als 
Violen gemacht hat. Er stand seinerzeit in hohem An- 
sehen und wurde von Fiirsten beschaftigt. Fetis erwahnt 
und beschreibt eine seither verschwundene Laute, die 
Dardelli fur die Herzogin von Mantua gemacht haben 
soil. Dafi die seinen Namen tragenden Geigen echt sind, 
erscheintdurchauszweifelhaft. Vgl. auch Bertolotti, La 
Musica in Mantova (1400—1600) Mailand, Ricordi & 
Co., S. 17. 18. 

D'Argent, Michel. — Mirecourt. 1750 

Nur von A. Jacquot erwahnt. 
Dassigny, Jacques. — Mirecourt. 1774. 1779 

Bogenmacher, 

Darte, Auguste. — Mirecourt. 1865. + 1888 
Schuler, Schwiegersohn und Nachfolger von Nicolas 
Vuillaume. Eine Zeitlang arbeitete er als Gehilfe bei 
J. B. Vuillaume in Paris. Seine Geigen sind gute Mire- 
courter Durchschnittsware. 

Daum, Karl Mathias. — Wiener-Neustadt. 
Geb. 20. April 1825, t 15. Mai 1870 in 
Wiener-Neustadt 

Sohn von Mathias D. Schuler von Anton Fischer in 
Wien, bei dem er bis 3. September 1843 lernte. Er ar- 
beitete dann bei verschiedenen Meistern, iibernahm 
1855 die vaterliche Werkstatt und heiratete 1860 Fran- 
cisca Pajer, die Tochter eines Fleischhauers aus Rcpcze 
Szemere in Ungarn. Er war nicht ungeschickt, wenn 
er auch seinem Vater nicht gleichkam, und ist zu friih 
gestorben, um sich ausreifen zu konnen. Seine Witwe 
heiratete 1872 den Geigenmacher Fr. Hiller. 

Daum, Karl Wilhelm. — Pressburg, Wiener- 
Neustadt, Barmen. Geb. 19. Sept. 1860 
Sohn von Karl Mathias D. Er verlor seinen Vater schon 
im zehnten Lebensjahre, erlernte die Geigenmacherei 
bei seinem Stiefvater Franz Hiller und ging dann nach 
Ungarn, von wo er erst 1901 wieder nach Wiener-Neu- 
stadt kam und sich als Geigenmacher niederliefi. Vor- 



Daum — Day 



95 



her war er von 1888—1889 in PreBburg ansassig. Er 
besitzt noch Werkzeuge, die sein GroBvater von Mich. 
Stadlmann gcerbt hatte. Im Jahre 1902 verlieB er 
wieder seine Heimat, ging nach Deutschland und ar- 
beitete 1906 in Barmen usw. 

Geigenzettel: Carl Daum / Musik-lnstrumenten-Er- 
zeuger / PreBburg SchondorfergaBe 6. (gedruckt). 

Daum, Mathias. — Wiener-Neustadt. Geb. 
24. Febr. 1789 in Kaidling (Herrschaft 
Poltenberg in Mahren), f 10. Dez. 1855 (am 
SchlagfluB) in Wiener-Neustadt 
Sohn eines Schullehrers und Schiller von Franz Jos. 
Wassermann in Znaim. Von 1809—1811 arbeitete er 
bei Johann Ertl in Wien und von 1812—1813 bei 
Michael Stadlmann, bei dem er bis zu dessen Tode 
hlieb. Stadlmann versprach ihm »als dem einzigen 
Subjekte, welches ihm das Geschaft wahrend der 
Krankheit fiihrte und bis ans Ende bei ihm aus- 
harrte«, sein Geigenmacherwerkzeug und die Gewolbe- 
(Laden-)einrichtung samt Holzvorraten, die Daum auch 
wirklich erbte. Damals hatte Magnus Eberle seine 
Werkstatt in Wiener-Neustadt aufgegeben, weshalb 
Daum am 3. Juni 1813 bat, ihm dessen Gewerbe obrig- 
keitlich zu verleihen, was ihm bereits am 1 1 . Juni be- 
willigt wurde. Am 14. Febr. 1814 legte er den Biirger- 
eidabund heirateteam 17. Juni 1821 die Biirgerstochter 
Anna Pflieger, von der er sechs Kinder bekam. Er 
war ein tiichtiger Meister und den besten Wienern 
eber.burtig. Geigen von ihm zeichnen sich durch kraf- 
tigen, gleichmaBigen Ton und schone Form aus. — 
Sein Name kommt auch »Thaum« geschrieben vor. 

D' Avenia, Carlo. — Neapel. 1788 

Vielleicht ein Schiiler von Al. Gagliano. Prof. Dr. A. 
Bensande in Lissabon besitzt ein Violoncello von ihm 
mit geschnebenem Zettel. 

D' Avenia, L. — Neapel. 1888 

War auf der Musikausstellung zu Bologna mit zwei 
auBergewohnlich fein durchgefiihrten Mandolinen ver- 
treten; die dabei zu lesende Bemerkung: »Di materie 
chimiche« gibt allerdings ein Ratsel auf. 

David. — Paris. 1730 

Nach Vidal u. a. ein Zeitgenosse von Pierray; Grillet 
erwahnt nur den Namen und das Jahr: nach Hart »Hof- 
lautenmacher Louis' XVI.*, nach anderen »Lieferant 
der Hofmusik«. Ubereinstimmend wird seine Arbeit 
als gewohnlich bezeichnet. Da die Quelle nicht ange- 
geben wird, aus der diese Angaben geschopft sind, und 
da mir nie Arbeiten von der Hand dieses David vor- 
gekommen sind, liegt moglicherweise eine miBverstand- 
liche Auffassung der Firma »Au roy David «, die ja 
vielfach gebraucht wurde, vor. »Au roy« wurde viel- 
leicht auf Louis XVI. bezogen und »David« als Name 
gelesen. 

David, Claude-Joseph. — Dijon. 1851 

Kleiner Geigenmacher, der hauptsachlich von Wieder- 
herstellungsarbeiten lebte. 



Davidson, Hay. — Huntley. 1870 

Wenig hervorragender Geigenmacher aus dem Ietzten 
Drittel des 19. Jahrhunderts. 

Davidson, Peter. — Forres (Schottland). Geb. 
1834 in Speyside. 1886 

Er war Steuerbcamter und ist 1886 nach Louisville 
(Georgia, Am.) ausgewandert. In seinen freien Stunden 
machte er viele Violinen nach den Modellen von Stradi- 
vari und Guarneri, die er mit einem roten Ollack versah. 
Er veroffentlichte auch eine Schrift iiber den Geigen- 
bau, die 1895 in Amerika in 3. Auflage erschien. 

Davidson, William. — Edinburgh. Geb. 1827 
in Muckhart, Perthshire 

Er machte aus Liebhaberei iiber 30 Geigen usw. und 
erhielt in Glasgow 1890 hierfur ein Diplom zweiter 
Klasse. 

Geigenzettel: William Davidson / Edinburgh. 1890. 
(geschrieben). 

Davies, Thomas. — Birmingham. 1900 

Englischer Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. 

Davini, Giustp. — Lucca 

Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 

Davis, Charles John. — Milford Haven. 1895 
Erfinder eines Bogens mit wellenformigen Einschnitten 
und tellerformigen Warzen zur Erzielung einer rich- 
tigen Fingerlagerung. 

Davis (Davies), Richard. — London. Geb. urn 
1 790 in Bussage bei Stroud, f daselbst April 

1836 

Er begann seine Laufbahn als Geigenmacher bei Norns 
& Bamess und iibernahm nach Norris' Tod 1818 das 
Geschaft. Er hat nur sehr wenig gearbeitet und war 
zeitlebens mehr Handler als Geigenmacher. Mit seinem 
Neffen William zusammen fertigte er auch viele Gi- 
tarren an. 
Davis, William. — London. 1836. 1846 

Gleich seinem Oheim Richard D., dessen Geschaft er 
1836 iibernahm, fast nur Handler und Reparateur. Er 
wohnte Coventry Street. Die neuen Geigen, die er 
^auen lieB, waren Maucotels Arbeit. Im Dezemberl846 
verkaufte er das Geschaft an Edward Withers und zog 
sich in seinen Heimatort Bussage zuriick. 

Davoux, Claude. — Mirecourt. 1761 

Arbeiten von ihm sind noch nicht zum Vorschein ge- 
kommen. 

Day, John Dr. — London. 1887 

Urspriinglich Violinvirtuose, Schiiler von Ch. Beriot 
und Mitglied der konigl. Hauskapelle, verwendete er 
jahrelanges Studium auf den Geigenbau und brachte es 
darin zu so seltener Meisterschaft, daB seinen Geigen, 
die er jedoch nie fur den Handel bestimmt und nie ver- 
kauft hat, u. a. von John Broadhouse (Violins, old & 
new) nachgeruhmt wird, daB sie den besten Stradivari- 
Geigen an Tonschonheit gleich kamen (?). 



96 



De Andrade — Deconetti 



De Andrade, Francisco C, lebt als Saiten- 
instrumentenmacher in Rio de Janeiro 

Dearlove, Mark. - Leeds. 1812. 1820 

Wenig hervorragender Geigenmacher, dessen Arbeiten 
hochstens als Schulergeigen gelten konnen. 

Dearlove, Mark William. — Leeds. Geb. urn 
1800, f nach 1864 

Sohn und Schiiler von Mark D. Er verstand es f das 
vaterliche Geschaft in die Hohe zu bringen, und be- 
schaftigte viele, spater angesehene Geigenmacher, so 
Absam, Gough und auch John Fryer, mit dem er sich 
um 1828 verband. — Seine Violoncelli sind recht gut. 
Geigenzettel : Dearlove and Fryer / Musical Instrument 
Manufacturers / Boar Lane Leeds 1828 (gedruckt). 

Deblaye, Albert Joseph. ~ Mirecourt. Geb. 
1874 in Bonzemont 

Er fand seine Ausbildung in Mirecourt, wo er sich 
dauernd niederliefi, als er sich im Jahre 1900 selbstan- 
dig machte. Seine Arbeit ist gut; er verwendet eine 
Brandmarke mit seinem Namen. 

De Blosy, Nicolaus. — Neapel. 1793 

Wenn er nicht zu der Familie de Blasiogehort, war er 
vermutlich ein belgischer oder franzosischer Lauten- 
macher, der sich in Neapel niederliefi und sich der 
dortigen Schule anschlofi. Eine neapolitanische Gitarre 
von ihm aus der Sammlung Snoeck besitzt die staat- 
liche Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. 
Geigenzettel: Nicolaus De Blosy fecit Napoli / in rua 
Catalana al n" 13. A. D. 1793 (gedruckt). 

Debruyn, J. B., lebte im 19. Jahrbundert in 
Briissel 

Decaniis, Nunzio. — Florenz. 1789 

Ein reisender Gaukler, der sich Professor der »Mecha- 
nik und Optik« nannte, und bei seinen Kunststiickchen 
auch Geigen ruinierte. Vgl. de Piccolellis, S. 26 ff. 

Decante, Jacques. — Jenzat. Geb. 14. Jan. 
1798 oder 1801, f 5. Nov. 1884 

Er begrundete 1820 die von seinem Schwiegersohn 
Cailhe-Decante noch heute fortgef iilu te Fabrik und 
baute gute Leiern im Stile Pajots. 

Dechler s. Tecchler 

Deckert, Beatus Friedrich Christian. — Grofi- 

breitenbach. Geb. I7.0kt. 1817, f 9. JuK 

1882 

Sohn und Schiiler von Georg Nik. D. Er machte, wie 
sein Vater, lnstrumente aller Art, kam ihm aber nicht 
gleich. 

Deckert, Georg Nikolaus. GroBbreitenbach. 
Geb. 26.Febr. 1772, f 7.Juni 1844 
Ein vielseitiger Instrumentenmacher, der anfangs Gei- 
gen, dann Gitarren und zuletzt Klaviere baute. Er er- 



freute sich eines gewissen Rufs, so dafi ihn sowohl 
de Piccolellis als auch Fetis erwahnen. Seine Klaviere 
waren sehr billig und dabei gut. Seine erste Frau war 
eine geb. Schuller, seine zweite eine geborene Meisel- 
bach. Er hatte sechs Tochter und einen Sohn, dieser 
wurde sein Nachfolger. 

De Clerq, Ch. — Oudenaarde. 1860. 1882 

Ein Burstenmacher, der aus Liebhaberei auch Geigen 
gebaut hat, die nicht schlecht sind. 

Decol, Jean-Dominique. — Mirecourt. 1772 
Bisher nur urkundlich nachgewiesen. 

Decombe. — Paris. 1789. 1800 

Er erwarb um 1789 das von der Witwe fortgef iihrte 
Geschaft Salomons, in dem er vielleicht vorher schon 
als Werkfiihrer tatig war. Er verlegte die Werkstatt und 
den Laden nach dem Qua! de l'Ecole Nr. 14 und im 
Jahre VI 1 an die Ecke der Iicole de Medecine. Er fiihrte 
nunmehr das Schild: »A Taccord parfait«. Ob er je 
Geigen selbst gebaut hat, steht nicht fest, doch betrieb 
er einen ausgedehnten Musikalien- und Instrumenten- 
handel. — Nicht zu verwechseln mit De Comble. 



De Comble, Ambroise. — Tournay. 1740. 
1785 

Einer der beriihmtesten vlamischen Geigenbauer, der 
einer alten Musikerfamilie entstammte 1 ). Er war jeden- 
falls auch selbst Musiker und ist als solcher in seiner 
Jugend als Stipendiat moglicherweise nach ltalien ge- 
kommen. DaB er aber ein Schiiler von Stradivari ge- 
wesen sei, wie Fetis (der den Namen irrig De Combre 
schreibt), behauptet, dagegen spricht sowohl die Arbeit 
De Combles, als auch die Zeit, in der er nachweisbar 
gelebt hat. Immerhin baute er nach italienischen Vor- 
bildern, aber er war sorglos in der Wahl des Holzes, 
vernachlassigte alle Nebensachen und war unsauber in 
der Arbeit; dagegen war sein Lack meist gut. Er gab 
der Decke gerne einen gelben und dem Boden und 
den Zargen einen roten Lack. Sein Patron ist eher grofi 
als klein, die Wolbung flach, der Rand dick und die 
Einlage ungewohnlich diinn. Der Ton ist fast immer 
voll und gut. Im Selhofschen Auktionsverzeichnis(Haag 
1759) werden Geigen und Violoncelli von ihm aufge- 
zahlt; ein Violoncell aus der Snoeckschen Sammlung 
(Nr. 587) befindet sich in Berlin. Ein Streichquartett 
von ihm besafi der Prinz Caraman-Chimay. 
Geigenzettel : Abb. 1 70. 

Deconetti (Deconet), Giov. Battista. — Vene- 
dig. 1720. 1742 

Der Name wird gewohnlich Deconet geschrieben. 

Vielleicht war er der Vater des bekannteren Michele 

Deconet. 

Er wendet ahnliche Formen wie Nic. Amati an; nur 

zieht er eine hohere Wolbung vor. 

Geigenzettel: Gio. Bapt. Deconet fecit Venezia 17 . . 

(gedruckt). 

1505 kommt ein Pieter de Comble als Trom- 



!) Scho 
peter vor. 



Deconetti — De Lacroix 



97 



Deconetti, Michele. — Venedig. Padua. 1752. 

1795 

Vielleicht ein Sohn von Gio. B. D. Wie dieser schreibt 
er seinen Namen gewohnlich »Deconet«. Vom Jahre 
1 790 an hat er in Padua gearbeitet, wo er schon friiher 
(] 772) voriibergehend ansassig war. Er batte ein breites, 
flaches Modell. In den Umrissen ahmte er ofter Jos. 
Guarneri, manchmal aucb Stradivari ohne besonderen 
Schwung nach, sein rotbrauner Lack ist dagegen dem 
des Montagnana, fur dessen Schiiler man ibn halt, un- 
gemein ahnlich. Er war sebr fleiBig, wesbalb er auch 
vielerlei Zettel gebrauchte, bei denen die beinahe stets 
wechselnde Scbreibweise des Taufnamens auffallt 
(Michele, Michaele, Michiel, Michael, Micael usw.). 
Eine Geige von ihm mit der Jahreszahl 1786 besitzt 
Wrede in Liineburg. 

Geigenzettel: Michele Deconet / fecit Venezia 1775 (ge- 
druckt). — Michiel Deconet / Fecit Venetij. Anno / 
1786(gedruckt)und Abb. 180. 

Defresne, Pierre. — Rouen. 1731. 1745 

Er lernte in Paris und lieB sich 1731 in Rouen nieder, 
wo er in allerlei Zunftstreitigkeiten verwickelt wurde. 
Man wollte ihm u. a. nicht gestatten, dafi er sich auf 
dem Schild liber seinem Schaufenster einen Meister 
von Paris nenne usw. Schliefllich setzte er seine Auf- 
nahme in die Zunft dennoch durch; er berief sich dabei 
auf ein »Brevet de Monseigneur de Luxembourg«. 
Seine Violinen sind nicht iibel im Aussehen und in der 
Arbeit. 

Geigenzettel: Fait par moi Pierre Defresne, maistre 
luthier de Paris / demeurant rue N ve St. Lo a Rouen 
1737(gedruckt). 

Degani, Domenico. — Montagnana. Geb. um 

1820, f 1887 

Geschickter Musikinstrumentenmacher, der Geigen, 
Gitarren und Mandolinen machte, deren Ton gelobt 
wird, die aber der Billigkeit halber meist sehr einfach 
ausgefuhrt sind; so fehlt den meisten seiner Geigen die 
Einlage am Rand. Eine Lyra von ihm besitzt C. Clau- 
dius in Kopenhagen. 

Geigenzettel: Degan Domenico / fecit in Maggio 18 . ./ 
Montagnana (gedruckt). 

Degani, Eugenio. — Venedig. Geb. 20. Mai 
1 840 zu Montagnana (Prov. Padua) 

Seit seinem zehnten Jahre Schiiler seines Vaters, ging 
er, 16 Jahre alt, um sich im Orgelbau auszubilden, zu 
dem Orgelbauer Domenico Malvestio in Montagnana, 
bei welchem er von 1856—1866 arbeitete. Wahrend des 
Krieges von 1866 mufite er, um sein Leben zu fristen, 
Flinten machen, wozu ihn seine technischen Fertig- 
keiten befahigten. Im Jahre 1877 machte er sich in 
seinem Geburtsorte selbstandig und siedelte 1887,nach- 
dem er sich als Geigenmacher bereits einen Namen ge- 
macht, nach Venedig iiber. Er baut nach eigenem Mo- 
dell, versieht seine Geigen mit fiinf Einlagespanen (drei 
schwarzen und zwei weifien) und hat auch eine be- 
sonders gestochene Schnecke, doch kopiert er auch alte 
Meister. Sein Lack, dessen Zusammensetzung sein Ge- 

v. Lii tgendorf f , Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II 



heimnis ist, wird sehr gelobt. Er besitzt mehr als 1 5 Me- 
daillen von den Ausstellungen in Treviso, Rovigo, Mai- 
land, Arezzo, Neapel, Turin, Paris, London, Chicago, 
Mailand, Palermo, Bologna usw. usw. und gilt als treff- 
licher Lehrer seiner Kunst. Seit 1898 lautet seine Firma 
Eugenio Degani & Figlio. 
Geigenzettel: Abb. 154. 

Degani, Giulio. — Venedig. Geb. in Mon- 
tagnana 1875 

Schiiler seines Vaters, dessen Geschaftsteilhaber er jetzt 
ist. Er arbeitet im Stile seines Vaters. 

Degen, F. — Zurich 

Ein Zitherlehrer, der im Jahre 1896 ein Musikinstru- 
mentengeschaft begriindete, in dem auch Geigen repa- 
riert werden. 

Degroot, Romain. — Quaregnon. 1900 

Ein Bildhauer, dessen aus amerikamschem Nuftbaum- 
holz gefertigte Geigen als interessante Versuche gelten 
konnen. 

Dehaye s. Deshayes 

De Haven, Frank. — New York. Geb. in 
Bluffton (Indiana) 1856 

Ein beruhmter amerikanischer Landschaftsmaler, der 
aus Liebhaberei im Jahre 1911 angefangen hat, Geigen 
und namentlich Violen zu bauen, und es dann zu grofier 
Vollkommenheit gebracht hat. Er hat sich ein eigenes 
Modell gebildet, nimmt die Wolbung flacher als Stradi- 
.vari, hat eigenartige lange F-Locher und einen elasti- 
schen orange- bis rotbraunen Lack eigener Zusammen- 
setzung von sehr guter Beschaffenheit. Der Ton seiner 
Geigen ist kraftig und edel. 

Dehmal (Dejmal), Anton. — Wien 

Blech- und Streichinstrumentenmacherfirma der Ge- 
genwart. 

Dehommais. — Paris 

Von 1876 — 1882 Teilhaber der Firma Dehommais & 
Germain. Er war ein Liebhaber, der sich durch seine 
Untersuchungen des Geigenlacks ein Verdienst erwarb, 
aber selbst kein gelernter Geigenmacher. 

Deininger, Charles. — Paris. 1851 

Wahrscheinlich ein Deutscher, der sich in Paris nieder- 
gelassen hat, aber nicht hervorgetreten ist. 

Deistler, Joseph. — Schonbach b. Eger. 1 826 

1830 

Einer der besseren Geigenmacher seines Orts. Seine 

Nachkommen sind meist Zithermacher geworden. 

Delaborne. — Paris oder Mirecourt (?). 1819. 
1823 

Nur als Gitarrenmacher bekannt. Er baute Gitarren fiir 
»doppeltes Spiel« und mit Registern. 

De Lacroix s. Lacroix 

7 



98 



Delaine — Deleplanque 



Delaine, Jean. — Mirecourt. 1789 
Wird als Bogenmacher erwahnt. 

De L'Air (Marquis) s. Charles II. Claudot 
De La Mothe (Motte), Jacques. — Paris. 1 606 

Ein Lauten- und Geigenmacher, der auch unter seinen 
Landsleuten und Zeitgenossen nur einen dntten Rang 
einnimmt. 

De La Noue, Matthieu (gen. Mathelin). — 

Lyon. 1523—1555 

Er war lnstrumentenmacher und »Fleustier« und hat 
wohl nur Holzblasinstrumente gemacht. 

Delanoy, Alexandre. — Bordeaux. Geb. 
15. Mai 1850 in Mirecourt 

Schuler von Buthod, arbeitete drei Jahre lang bei 
Vuillaume und wurde 1880 Nicolas Vaillants Nach- 
folger in Bordeaux. Er baut nach den Traditionen von 
J. B. Vuillaumes Werkstatt, den er als seinen eigent- 
lichen Lehrer ansieht, kopiert ein Stradivari -Model I 
und verwendet Vmllaumeschen Ollack. Seine Arbeit 
zeicbnet sich durch Genauigkeit und kunstlensche 
Durchfiihrung aus, weshalb er auch mehrere goldene 
Medaillen erhielt. Er ist ein erfahrener Kenner alter 
Instruments mit denen er Handel treibt. Er erfand 
auch eine den Bedurfnissen der Kolonien entsprechende 
Geige. 

Geigenzettel : A. Delanoy / Bordeaux / Medailles d'or. 
18 . . (gedruckt). — A. Delanoy / Eleve de J. B. Vuil- 
laume. / Medailles d'or. / Bordeaux 189! (gedruckt). 

De Lannoy, H. J. — Lille. 1740. 1775 

Er wohnte 1747 Petite Place, au-dessus des Halles und 
seit 1752 »Dessus Ies ponts de Comines«. Seine Arbeit 
ist sehr gut, das Holz schon, der Lack gelb. 
Geigenzettel: H. J. de Lannoy, sur la petite place / au 
dessus des halles, a Lille 1747 (gedruckt) und Abb. 151. 

De Lannoy, L. — Lille. 1828. 1835 

Wahrscheinlich ein Sohn von H. J. De L. Er beschaf- 

tigte sich hauptsachhch mit dem Ausbessern alter Gei- 

gen usw. 

Geigenzettel: Repare par L Delannoy / a Lille en 1835 

(gedruckt). 

Delannoy (De Lannoy), Henri-Joseph. — 
Brussel. 1778. 1791 

Wahrscheinlich der Enkel von J. de Lannoy. Seine 
Geigen und Bratschen werden gelobt. C. Mougenot be- 
sitzt ein Alto von ihm aus dem Jahre 1778. 
Geigenzettel: Henricus Josephus de Lannoy / Bruxel- 
lensis anno 1778 (gedruckt). 

Delannoy (Delanoix), F. J. »le fils«. — Brussel. 
1760. 1783 

Der Sohn von J. D. und wahrscheinlich Schwiegersohn 
von Lefebre. Er war Hoflautenmacher. De Croes 
schreibt 1783 von ihm, als er ihn als Nachfolger von 
Michiels vorschfagt: . . . »seul et unique bon ouvrier 



dans ce genre d'ouvrages que je connaisse . . .<< Seine 
Geigen sind gut gearbeitet. Eine sechssaitige Laute von 
ihm aus der Sammlung Snoeck befindet sich in Beilin. 

Delannoy (De Lannoy), J. — Brussel. 1744. 
1745 

Wahrscheinlich der Stammvater der Briisseler Famihe 
seines Namens. Er wohnte in der Bourgendaele und 
baute hiibsche Gamben, Violoncelli und Alti. 

Delanoe, Pierre Jean. — Paris (?). 1754 

Er wird nur selten erwahnt und scheint nicht viele 
Geigen angefertigt zu haben. 

Delany, John. — Dublin. 1808 

Er ahmte zwar die Italiener recht gut nach, doch scheint 
er ein allzu starkes Selbstbewufitsein gehabt zu haben, 
denn nach seinem Zettel baute er seine Geigen, um sein 
Andenken in kiinftigen Zeiten zu erhalten. In unseren 
Tagen hatte er sie wohl »ein Dokument inscher Kunst« 
genannt. 

Geigenzettel: Made by John Delany / N° 17 Britain 
Street / Dublin 1808 (gedruckt). — Made by John De- 
lany / In order to perpetuate his memory in future ages/ 
Dublin 1808 /Liberty to all the world / black and 
white (gedruckt). 

Delarche. — Rouen. 1912 

Wenig bekannt. 

Delau (Deleau), Lucien. — Rouen. 1836. 1858 

Er ist nur als Nachfolger Charottes bekannt, dessen Ge- 
schaft er in der Rue Beauvoisine Nr. 36 mit Pierre-Na- 
poleon Jeandel und nach 1848 allein fortfuhrte, und hat 
sich auf das Ausbessern alter lnstrumente beschrankt. 
Nach seinem Tode wurde sein Sohn, der jedoch kein 
Geigenbauer ist, sein Geschaftsnachfolger. 

Delaunay. — Paris. 1 775 

Nach einer hiibschen Vielle, die das Pariser Konserva- 
torium (Nr. 213) von ihm besitzt, zu urteilen, war er 
ein geschickter Meister. 

Delepierre, Jules. — Paris. 1895. 1898 

Er war nicht ungeschickt. Seine Werkstatt ubernahm 
1898 Leon Leroy. 

Deleplanque, Gerard J. — Lille. 1760. 1790 

Ein sehr geschickter Lauten- und Geigenmacher. Er 
wohnte erst Marche aux poulets, pres le Marche aux 
poissons, seit 1 768 in der Grande Chaussee au coin de 
celle des Dominicains und gegen 1790 Place de Ribour, 
pres l'Hotel de Ville. Er war sorgfaltig in der Arbeit 
und fleiBig, so da6 seine Werke ziemlich haufig vor- 
kommen, freilich haufiger Pandoren, Lauten und 
Zithern, als Geigen. Verschiedene lnstrumente von ihm 
befinden sich in den Sammlungen der Konservatorien 
in Paris und Brtissel, sowie bei Snoeck, bei Heuckart 
und bei W. Heyer in Koln. Das Holz ist meist sehr 
schon, der Lack rotlichgelb. Er gebrauchte verschiedene 
Zettel und fuhrte erst in seinen letzten das Schild »Au 
violon de Cremone« an. 

Geigenzettel: Gerard Deleplanque, luthier, / a Lille 
(geschrieben) und Abb. 172. 



Delette — De Planche 



99 



Delette, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1777. 

1789 

Nur dem Namen nach bekannt. Sein Bruder Charles D. 

war Bogenmacher. 

De Ligne, Laurentius Josephus. — Antwerpen. 
1747. 1752 

Guter Vertreter der Antwerpener Schule, der oft nur 
auf die auBere Ausstattung seiner Arbeiten Wert legte, 
Lowenkopfchen am Wirbelkasten anbrachte usw. Eine 
Violine und ein Violoncell von ihm aus der Samm- 
lung Snoeck befinden sich in Berlin. 
Geigenzettel : Laurentius Josephus De Ligne fecit/ 
Antwerpiae 1752 (gedruckt). 

Delivet, Auguste. — Paris. Geb. 24. Dez. 1861 
in Mirecourt 

GroOneffe von Victor Rambaux, Schuler von Chardin 
in Mirecourt, kam 1887 nach Paris zu H. C. Silyestre, 
bei dem er bis 1892 blieb. Er eroffnete hierauf in der 
Rue de Paris 10 seine eigene Werkstatt und macht neue 
Geigen, die wegen ihrer sorgfaltigen Arbeit und ihres 
guten Tones beliebt sind ; auch als Reparateur wird er 
geschatzt. Fiir feine Instrumente verwendet er Ollack. 
Er baut auch alle anderen Saiteninstrumente und be- 
sonders solche fiir musikalische Clowns, die sich durch 
Originalitat auszeichnen. Er besitzt viele Auszeich- 
nungen und ist Offizier der Akademie. 
Geigenzettel: A. Delivet: Luthier / exouvrier de 
H. C. Silvestre / Paris Annee 189 . . N° . . . (gedruckt). 

Deller, Jakob. — Schonbach b. Eger. 1826 
Seine Violinen und Violen sind von handwerksmafiiger 
Arbeit, sonst aber gut. 

De Loeuvre, Honore. — Lyon. 1523. + vor 

1551 

Als »faiseur d'espinettes« bezeichnet. (Vgl. Coutagne, 
i Duiffopr.) Doch soil ein Sammler in Lyon auch eine 
1 Laute mit seinem Namen besitzen (?). 

Deloir. — Bayeux. f vor 1899 

Ein Geigenmacher, der ein gutes Geschaft hatte, das 
seine Witwe fortsetzt. 

De Lorenzi s. Lorenzi 

De Losy s. Losio 

Del Perugia, Ferdinando. — San Cresci, Flo- 
renz. Geb. 16. Nov. 1857 in Petriolo bei 
Bruzzi (Florenz) 

Einer der besten Mandolinenmacher der Gegenwart. 
Seit 1872 verlegte er sich auf den Bau von Mandolinen 
und Gitarren und kam bald zu groBem Ansehen. Seit 
1 899 arbeitet er ausschlieftlich fiir die Firma C. Schmidl 
& Co. in Triest und Wien. Del Perugias Mandolinen 
sind tadellos ausgefiihrt und mehrfach auf Ausstellun- 
gen ausgezeichnet worden. 



Delphin. — Mirecourt. 19. Jahrhundert 

Er datierte seine Geigen, wie viele Mirecourter, aus 
Paris oder wahlte einen Zettel, der wenigstens den 
Schein erwecken konnte, als hatte man eine Pariser 
Geige vor sich. 
Geigenzettel: Abb. 175. 

Demercier, A., lebte im 1 9. Jahrhundert in Gent 
Demouchi, P. — Lyon. 1618. 1633 

Seine Arbeit erinnert an deutsche Vorbilder. Eine Bafi- 
viola von 1618 befindet sich in Berlin (Sammlung 
Snoeck Nr. 485) : sie zeigt einen braunschwarzen Lack 
und ein geschnitztes Kopfchen. Eine Viola da Gamba 
von 1633 von ihm ist im National museum in Miinchen 
(Nr. 121) mit C- statt F~Lochern; der Name ist hier 
De Mouchi geschrieben. 
Geigenzettel: P. Demouchi / a Lyon 1618 (gedruckt). 

Dengl s. Tangel 

Denis, Christophe. — Mirecourt. 1740 
Nur urkundlich genannt. 

Denis, Jean-Baptiste. — Mirecourt. Luneville. 
1737. 1739 



Er soil nicht ungeschickt gewesen sein. 

Denitor s. Devitor 

Denizot. — Tours. 1828. 1829 

Er stammte aus Mirecourt, war hauptsachlich als' 

Reparateur tatig und scheint Mirecourter Geigen ver- 

kauft zu haben. 

Geigenzettel : Repare par Denizot / Luthier a Tours 

1828. 

Denizot, Jean-Claude und Nicolas. — Mire- 
court 

Zwei Geigenmacher, von denen der eine von 1747 bis 
1773, der andere von 1760 — 1785 vorkommt. 

Dennis, Jesse. — London. Geb. 1795, + nach 
1855 

Er lernte von 1805 an bei John Crowther und arbeitete 
spater bei Matthew Furber; 1855 wohnte er noch in der 
Eweherst Str. Walworth Common. Er brachte es nur 
zu handwerksmaOiger Fertigkeit. 

Depelerin, S. S. — Tournay. 1755 

C. C. Snoeck besafi eine Violine von ihm und las den 
Namen unrichtig »Depelehin«. 

Depine, G. — Modena. 1774 

Geigen mit diesem sehr zweifelhaften Namen kommen 
im Handel in England vor. In Modena war nichts 
iiber einen Geigenmacher dieses Namens zu ermitteln. 
(Vgl. iibrigens Sapino!) 

De Planche, Pierre. — Paris. 18. Jahrhundert 
Sein Name fand sich bisher nur in einer sechssaitigen 
Viola. Er war mit La Lae (s. d.) verbunden. 

7* 



100 



De Poilly — Desideri 



De Poilly, Guillaume. — Ypern (Belgien). 1 672 

Ein tiichtiger Meister, von dem sich aus der Sammlung 
Snoeck eine Taschengeige mit fiinfkantigem Boden in 
Berlin befindet, die den Zettel tragt : Faict A Ypre / par 
Guillaume De Poilly 1672 (gedruckt). 

Derazey, Jean-Joseph-Honore. — Mirecourt. 
Geb. 1794 in Darney, f 23. April 1883 

Bevor er sich in Mirecourt als Fabrikant selbstandig 
machte, arbeitete er einige Jahre in Paris bei verschie- 
denen Meistern. Seine Geigen, gewohnlich nach Stradi- 
vari, seltener nach Amati gemacht, sind aus gutem Holz 
und tragen eine Brandmarke mit seinem Namen, die 
freilich oft nur nach Offnung der Geige zu finden 1st. 
In seiner Fabrik wurden schon 1846 jahrlich an 600 
Geigen hergestellt, die er zu Preisen von 5 — 150 Francs 
verkaufte. Schon 1855 und 1862 hat er in Paris und 
London Medaillen erhalten. Die Schulergeigen, die 
J. B. Vuillaume in seinem Laden verkaufte, liefi er bei 
Derazey herstellen. 

Derazey, Just.-Amedee. — Mirecourt. Geb. 
28.Juni 1839, f22. Jan. 1890 
Sohn, Schuler und Nachfolger von J. J. Honore D. und 
Geigenfabrikant wie dieser. Im Jahre 1864 kaufte er 
von der Witwe das Geschaft von Joseph Nicolas fils mit 
alien Werkzeugen und Vorraten und machte von nun 
an einen grofieren Unterschied zwischen Geigen, die er 
selbst machte, und solchen, die nur Werkstattarbeit 
waren. Die letzteren erhielten den Firmastempel Nico- 
las. Sein Holz ist ziemlich gut, der Lack dagegen sprode 
und bald unscheinbar. Sein Geschaft ging auf P. Mou- 
genot iiber, der jetzt beide Brandmarken verwendet. — 
Er soil auch eine Niederlage mit Werkstatt in Nancy 
gehabt haben. 

Geigenzettel : Just Derazey, Luthier / a Mirecourt, 
Vosges. 18 . . (gedruckt, die Jahreszahl geschrieben). 

Deroux (»Deroux pere«), Georges. — Mire- 
court. Geb. in Mirecourt 1822, f 1889 in 
Reims 

Schiiler von Honore Derazey und wahrscheinlich der 
Enkel eines schon 1760 vorkommenden Geigenmachers 
Nicolas D. Einer der besseren Mirecourter Meister, der 
sich 1846 selbstandig machte. Wenn er auch viel fur 
den Markt gearbeitet hat, so verstand er sich doch 
treffhch auf seinHandwerk, was auch viele seiner Schii- 
ler, die etwas Tiichtiges bei ihm gelernt haben, be- 
weisen, so Seb.-Aug. Deroux, Georges Mougenot usw. 
Er gebrauchte einen Brandstempel, schrieb oft auch 
seinen Namen mit Bleistift in seine Geigen hinein. 

Deroux, Sebastien-August. — Paris. Geb. am 
29. Juni 1848 in Mirecourt 
Sohn und Schuler von Georges D. Nachdem er drei 
Jahre bei Silvestre in Lyon und 1 1 Jahre bei Miremont 
gearbeitet hatte, machte er sich 1884 selbstandig und 
erfreut sich jetzt eines guten Rufs als Geigenmacher 
und Reparateur. Er hat bisher iiber 100 neue Geigen 



gemacht und daf ur sowohl 1 889 als auch 1 900 Medaillen 
erhalten. Er arbeitet nach italienischen Vorbildern und 
verwendet Ollack. 
Geigenzettel: Abb. 166 und 168. 

De Santis, Giovanni. — Rom. 1899 

Gut eingefuhrte Mandolinenfabrik, die die Sonne fort- 
fiihren. 

Deschamps, Claude. — Paris. 1783. 1785 
Er wird als »Luthier« bezeichnet und wohnte in der 
Rue de Seine. Arbeiten von ihm kommen sehr selten 
vor. 

Descquots, Jean. — Mirecourt. 1773. 1781 
Nur von A. Jacquot genannter Geigenmacher. 

Desgarnets. — Mirecourt. 1 7./ 1 8. Jahrhundert 

Eine Geigenmacherfamilie, als deren Stammvater Jean 
I. D. angesehen werden kann, dessen 1692 geborener 
Sohn und Schuler Louis D. der Vater des 1729 ge- 
borenen Nicolas II. war. Ein alterer Nicolas (1.) D. 
lebte in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts und 
Jean II. D. ist von 1722 — 1728 nachweisbar. 

Deshayes (Dehaye). — Paris. 1775. 1825 

Er nennt sich einen Neffen und einzigen Schuler von 
Salomon. Er wohnte zuerst Rue des Saints-Peres und 
dann in der Rue de Grenelle-Saint-Honore und fuhrte 
das Ladenschild »au Prelude espagnol«. Er scheint 
iibrigens mehr Handler als Geigenmacher gewesen zu 
sein. 

Desiato, Giuseppe. — Neapel. 1890. 1900 

Ein wenig bekannter Geigenmacher, der etwas leicht- 
fertig nach dem Gaglianomodell arbeitete, aber gutes 
Holz besafl und sich auf den Ton verstand. Er wohnte 
1899 noch Via Speransella 174. Auch ein Luigi und ein 
Vincenzo Desiato lebten im 19. Jahrhundert in Neapel. 

Desideri, An. — Ascoli 

Sein Name, ohne Jahreszahl, findet sich ab und zu in 
Geigen, die nicht schlecht sind. 



Desideri (Desideti?), Pietro Paolo. — Riva (?). 
1793. 1837 

Seine Arbeiten sind meist sorglos, aber doch mit Talent 
ausgefiihrt. Auf die Wahl des Holzes scheint er kein 
grofies Gewicht gelegt zu haben, dagegen ist sein dicker, 
gelber oder gelbbrauner Lack im ganzen nicht schlecht, 
auch die F-Locher sind sauber geschnitten. Der Ton 
ist nicht grofi, aber ziemlich edel. Seine alteren Arbeiten 
erinnern an die Schule der Guadagmni, die spateren 
nahern sich dem Andreas Guarneri-Modell. Ob mit 
»Ripe«, wie auf seinen Zetteln zu lesen ist, Riva ge- 
meint ist, konnte ich noch nicht feststellen. Im Stadt- 
archiv zu Riva war nichts iiber lhn zu ermitteln. Auch 
die Form seines Namens steht nicht einwancrfrei fest, 
da man auf vielen seiner handschriftlich hergestellten 
Zettel oder auf den Inschriften, die er im Innern der 
Decke anzubringen pflegte, ebenso gut Desideti wie 



Desidcri — De Zorzi 



101 



Dcsideri lesen kann *)• Erich Lachmann in Berlin be- 
sitzt eine Violine von ihm, Decke und Boden nach der 
Schwarte geschnitten ; eine andere besaft Eugen Gart- 
ner, bei der die Decke ebenfalls nach der Schwarte ge- 
schnitten war. Der Boden bestand aus beinahe glattem 
(ungeflammtem ) Ahornholz. 

Geigenzettel : Pietro Paolo Desideri / fecit Ripe 1837. 
(gedruckt). 

Desideri, Raffaele. — Ascoli. 18./19. Jahrh. 
Reich eingelegte Geigen, Violoncelli und Gitarren von 
ihm kommen ofter vor. 

Desjardins, Louis. — Caen. 1740. 1780 
Er hieG eigentlich Bossard genannt Desjardins. Unbe- 
deutender Musikinstrumentenmacher des 18. Jahr- 
hunderts, der in den letzten Jahren gemeinschaftlich 
mit seinem Schwiegersohne gearbeitet zu haben scheint. 
Eine Vielle in einem Gitarrekorpus ist aus der Samm- 
lung Snoeck (Nr. 606) nach Berlin gekommen. 
Geigenzettel: Faite par Desjardins, Marchand / Lu- 
thier, grande rue St.-Jean / a Caen 1 763 (gedruckt). 

Desmarees (Desmaretz), Nicolas. — Mire- 
court. 1742. 1783 

Nur dem Namen nach iiberliefert. 

Desmoulins. — Paris. 1640. 1660 

Im Briefwechsel Const. Huygens (»Corresp. et oeuvres 
musicales de Const. Huygens, publ. p. W. J. A. Jonck- 
bloet et Land, Leyde 1882«) findet sich eine Stelle, in 
der ein Lautenmacher dieses Namens erwahnt wird. De 
la Barre, an den sich Huygens wegen Ankaufs einer 
Laute nach Paris gewendet, schreibt am 15. Oktober 
1638: ». . . ne luy ayant rien communique de la re- 
cherche que vous faites d'un excellent LuthdeBologne, 
joint qu'il me semble qu'il estime plus les luths neufs 
de Desmoulins . . .« Valdrighi erwahnt ihn gleichfalls 
(Nr. 835) und setzt ihn in die Zeit von 1640—1660. 

Despines, Alexandre. — Turin. 1828. 1842 
Schiiler von Pressenda, Gatte der Sangerin Mme Des- 
pines. Die Geschichte eines von ihm nach Omobeno 
Stradivari gemachten Violoncellos erzahlt Alfrede Piatti 
in den Violin Times (deutsch in De Wits Z.) Nr. 31, 
1895. Er baute nach Guarneri. Auf seinen Zetteln hat 
er sich auch D'Espine genannt. 
Geigenzettel: Abb. 177. 

Despont s. DHespont 

Des Rousseaux, Nicolas. — Verdun. 1755 
Er war urspriinglich Steinmetz und wurde der Schwie- 
gersohn von Joseph Miraucourt ; als Violenbauer brachte 
er es zu achtungswerter Tiichtigkeit und arbeitete 
nach A. Jacquots Angabe im Stile der Klotzschule. 
Sein Ladenschild lautete »a la Luth«. Er verwendete 
auch einen Brandstempel mit seinem Namen. Eine von 
ihm gemachte funfsaitige Bratsche findet man aus der 



l ) Der Name Desideti kommt mehrfach vor. Ein Gold- 
schmied Giorgio Desideti lebte urn 1536 in Rom. Die 
Familie war in Novara heimisch. 



Sammlung Snoeck (Nr. 465) in Berlin. Eine Pardessus 
de viole befindet sich in W.Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln (Nr. 790). 

Geigenzettel : A Verdun par Nicolas / des rousseaux 
1755 (gedruckt). 

Dessauer, Heinrich. — Linz a. D. 1902 

Ein Tonkiinstler, der eine Bratsche erfunden hat, die, 
bei vergrofiertem Korper, die gleiche Mensur wie die 
Violine hat. Vgl. »die Dessauer Bratsche«, Zeitschr. f. 
Instr. v.Paul De Wit, Nr. 11,1902. 

Deuz(?), John. — 1755 

Eine Violine mit diesem mir sonst nicht bekannten 
Namen wurde im Juli 1904 bei Puttick & Simpson in 
London versteigert. 

Devereux, John. — London. Melbourne. 

1840. 1880 

Er arbeitete langere Zeit bei B. S. Fendt ; n London 
und ging spater nach Australien, wo er 1880 noch lebte. 

De Vitor, Pietro Paolo. — Brescia. 1738. 1740 
Er bezeichnet sich als Venezianer. Seine Geigen zeigen 
ein iibertrieben hochgewolbtes Modell, kurze und ge- 
drungene Schnecke, ziemlich gute Arbeit und einen be- 
sonders schonen roten Ollack. In einigen Teilen ahmte 
er Maggini nicht ungeschickt nach. Eine gute Geige 
von ihm besitzt Adamowski in Boston (Mass.). 
Geigenzettel: Abb. 173. 

De Voney, Frank. — Blackpool, Pittsburg 
(Am.), San Francisco. 1890. 1908 
Ein Perthshirehochlander, der sich als Geigenmacher 
einen guten Namen gemacht hat; urn 1900 wanderte er 
nach Amerika aus und soil auch dort mit Erfolg tatig 
gewesen sein. Er arbeitete nach den Modellen von 
Gaspar da Salo, Stradivari und Guarneri und hat gelben 
oder roten Ollack verwendet. 

Geigenzettel: Joseph Guarnerius / Copy / By / Frank 
de Voney 1 893 [1 . H. S. im Kreis mit Kreuz] (gedruckt). 

Devyri, Anton. — Alpenrose (bei den Karer- 
see nachst Bozen) 

Eine Geige, wohl dem 18. Jahrhundert angehorend, 
Stainermodell, etwas ungelenk gemacht, trug den 
schlecht leserlichen Zettel : Anton Devyri / Alpenrose 
bey Carrer See / nechst Botzen (geschrieben). 

Dewars, William. — Brechin (Schottland). 

Geb. 1878 

Er baut Geigen nach Stradivari und Guarneri und ver- 
wendet Whitelaws oder Hardies Ollack. 

De Zorzi, Valentino. — Florenz. Geb. 1837 
in Vittorio (Venetien), f 1916 
Erlernte autodidaktisch den Geigenbau, arbeitete stets 
in Italien, eroffnete seine eigene Werkstatt in Pistoja 
1880 und verlegte diese vor 1885 noch nach Florenz. 
wo er zu Ansehen kam. Er war sehr fleifiig, bis er in 
hohem Alter in Geistesnacht verfiel. Er baute nach 



102 



D'Hespont — Didelot 



eigenem Modell, das zwischen Stradivari und Stainer 
die Mitte halt, strebte aber den grofien Vorbildern nach 
und machte alle Bestandteile seiner Geigen, selbst Wir- 
belgriffbretter, Saitenhalter und Stege eigenhandig. Er 
besaB zahlreiche Auszeichnungen. Er war auch Er- 
finder einer Harfengitarre (18 Saiten mit 5 Oktaven, 
der Archilaute verwandt) sowie eines Streichinstru- 
mentes, das er »Contraviolino« nennt. Dieses ist eine 
Oktave tiefer gestimmt als die Violine, wird wie ein 
Violoncello gespielt und liegt zwischen diesem und der 
Viola; es soil die Differenz in der Klangfarbe dieser 
beiden Instrumente ausgleichen. Das Museum des R. 
Istituto L. Cherubim in Florenz besitzt ein solches In- 
strument von ihm, bei dem er auf einen ahnlichen Ge- 
danken kam wie z. B. Dr. Steltzner. 
Geigenzettel : Abb. 164 und 165. 

D'Hespont (Despont), Antoine. — Paris. 1 634. 

1636 

Er wird ausdriicklich als »maitre d'instruments de mu- 
sique« bezeichnet und trat 1636 im Prozesse Medard 
auch als Sachverstandiger auf. Von ihm sollen noch 
verschiedene gute Instrumente vorhanden sein, obwohl 
es selbst Vidal nicht gelang, eines derselben ausfindig 
zu machen. Gliicklicher war der treffliche A. Jacquot, 
der auch einen Zettel veroffentlichen kann, aus dem 
hervorgeht, dafi D'Hespont, oder wie er sich hier 
schreibt Despont, das Ladenschild »Au Luth Royal« 
fiihrte. Urkundlich wird der Name D'Hespont ge- 
schrieben, Vidal schreibt »Despont« und Fetis »Des- 
pons«. Geigen, die oberflachlich nach italienischem 
Vorbild gemacht sind, schlechtes Holz und schlechten 
Lack haben und seinen Namen tragen, sind offenbar 
spatere Falschungen. 

Geigenzettel : Antoine / Despont demeurant / A Paris / 
Sur le pont N r J Dame / Au Luth Royal / 1634 
(geschneben). 

Dick, Alban. — Frankfurt a. M. Geb. 31 . Okt. 
1876 in Wohlhausen 

Nachdem er ausgelernt hatte, kam er zu Albin Wilfer, 
den er als seinen eigentlichen Lehrer betrachtet. 1m 
Jahre 1899 trat er bei Alb. Vogt in Frankfurt a. M. ein, 
dessen Geschaft er im Jahre 1 907 kauflich erwarb und es 
durch tiichtige Leistungen sehr auszudehnen verstand. 

Dickie, William. — Wentworth. 1876. 1897 
Er baut nach Stradivari, Amati und auch nach Guar- 
neri und verwendet einen gelben, rotlich schattierten 
Ollack. 

Geigenzettel: Wm. Dickie, Fecit / Wentworth, Anno 
1890(geschrieben). 

Dickinson (Dickenson), Edward. — London. 

1750. 1790 

Es sind nur wenig gute Geigen von ihm bekannt; meist 
arbeitete er sehr handwerksmafiig nach einem hoch- 
gewolbten Stainermodell. Auf einzelnen Zetteln nennt 
er nur seinen Namen ohne weitere Angaben. 
Geigenzettel : Edward Dickinson / Maker, at the Harp 
and Crown in / the Strand / near Exeter Change/ Lon- 
don 1754 (gedruckt). 



Dickson, Dr. George. — Edinburgh. Geb. 
1838 in Edinburgh 

Ein gesuchter Arzt, der viele Geigen mit bemerkens- 
werter Geschicklichkeit gemacht hat. Sein Hauptver- 
dienst aber ist es, dafi er als einer der ersten die Ver- 
wendung fossilen Bernsteins zur Lackbereitung lehrte 
und dessen Bedeutung fur den Geigenlack erkannte. 

Dickson (Dickeson), John. — London und 
Cambridge. Geb. in Stirling (Schottland) 
urn 1720, + nach 1780 

Er scheint einige echte Geigen von den Amati, wohl 
auch eine von Cappa gekannt zu haben, die er recht 
genau kopierte. Er lebte zwischen 1750 und 1780 ab- 
wechselnd in London und Cambridge, ja, es gibt Gei- 
gen, in denen beide Stadte zugleich angegeben werden. 
Geigenzettel: John Dickson Cambridge / 1779 (gedr.). 

Didelin. — Mirecourt. XVI II. Jahrhundert 
Eine Geigenmacherfamilie, von der genannt werden: 
Antoine D. Geb. 1749 
Henry 1. 1745. 1755 
Henry II. 1750. 1779 

Jean-Nicolas, 1781, und der Bogenmacher Nicolas- 
Henry. 1772. 1789 

Didelin, Joseph. — Nancy. 1760. 1776 

Wenig bekannter Mirecourter, der in seiner Arbeit aber 
nicht ungeschickt war. Sein Ladenschild lautete: »A la 
Guitare des Dames de France «. Sein Reparaturzettel 
findet sich in einem Amativioloncello bei C. Claudius 
in ^Copenhagen. 

Geigenzettel : Raccomode par moy didelin a f Nancy an / 
1773 (gedruckt). 

Didelot, August. — Moskau. 1873. 1900 

Geboren in Mirecourt, arbeitete von 1873 — 1879 bei 
seinem Landsmann Ernest -Andre Salzard und machte 
sich dann selbstandig. Seine Arbeit wird gelobt. 

Didelot, Dominique I. — Mirecourt. 18. Jahr- 
hundert 

Wahrscheinlich der Vater oder Grofivater von Domini- 
que II D. Sein Name kommt auch in der Schreibung 
»Didenot« vor. 

Didelot, Dominique II. — Mirecourt. 1820 (?) 
Gute Mirecourter Arbeit, schoner hell- oder dunkel- 
roter Spirituslack. Er verwendete eine Brandmarke: 
A Cremone / Dominique Didelot. 
Geigenzettel: Dominicus Didelot / A la ville de . . (un- 
leserlich) 1 ). 

Didelot, N. — Mirecourt 

Ein franzosischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, 
der handwerksmafiig arbeitete, jedoch einen guten 
Orangelack verwendete. 



1 1 Wahrscheinlich »Cremone«. 



Didic 



Dicli 



103 



Didier, Marius. — Mirecourt 

Sehr tiichtiger vogesischer Geigenmacher der Gegen- 
wart. 

Didier, Nicolas s. auch Nicolas 
Didion. — La Roche-sur- Yon. 1900 

Ein Musikinstrumentenhandler, der auch Geigen ma- 
chcn soil. 

Didion, Gabriel. — Mirecourt. 1875. f 1881 

Geigenmacher und Fabrikant. Stiefbruder von Blan- 
chard in Lyon, einer der besseren Meister seines Wohn- 
sitzes, Lehrer von Resuche. Die Firma hiefi anfanglich 
Witwe Sonot & Didion, dann Didion-Laberte. 

Diehl, August. — Hamburg. Geb. 1852 in 
Darmstadt 

Sohn und Schiiler von Friedrich D. Im Jahre 1875 er- 
offnete er seine Werkstatt in Darmstadt, siedelte aber 
bereits 1876 nach Hamburg iiber. Er ist ein hervor- 
ragend geschickter Geigenmacher und Reparateur. Der 
jiingste SproBhng der altberuhmten Familie. Er erhielt 
auf den Ausstellungen in Hamburg, Liittich und Leip- 
zig die silberne sowie in St. Louis die'goldene Medaille. 
AuBer nach alten Meistern baut er auch nach einem 
eigenen Modell. Er ist auch der Erfinder und Ver- 
fertiger ernes Viohnbogens mit flacher, hnsenformiger 
Stange, die sich nach dem Kopfe zu verjiingt. In der 
Mitte seines gedruckten Zettels befindet sich ein Lowe 
mit einer Laute, jetzt aber verwendet er hauptsachlich 
emen eigenhandig gezeichneten Zettcl. Viele seiner 
Geigen sind mit besonders schoner Schnitzarbeit ver- 
ziert. Auch sein Lack ist ausgezeichnet. Obwohl er als 
echte Kiinstlernatur jeder Reklame abhold ist, werden 
seine Arbeiten in Kennerkreisen schon jetzt zu den 
besten unserer Zeit gerechnet. 

Geigenzettel : Im Jahre 189 / August Diehl / Hamburg 
(gedruckt) und Abb. 169. 

Diehl, Felix. — Mainz. 1850. f nach 1875 

Sohn von Joh. Diehl und dessen Schiiler; Bruder des 
1898 in Mainz verstorbenen Konzertmeisters Carl Hip- 
polyt Diehl. 

Geigenzettel : Reparirt von / Felix Diehl / in Mainz 
1862 (gedruckt). 

Diehl (Diel), Friedrich. — Darmstadt. Geb. 

1814, f 1888 

Zweiter Sohn, Schiiler und Nachfolger von Nikolaus D. 
Gute, aber namentlich in bezug auf den Lack nicht 
hervorragende Arbeit. Auf einer Pariser Ausstellung 
erhielt er eine Bronzemedaille, kam jedoch seinem 
Vater nicht gleich. Er fertigte u. a. verschiedene, seiner- 
zeit sehr beliebte Kontrabasse statt nach dem alten 
Viola- nach dem Geigenmodell mit gewolbtem Boden. 
Geigenzettel: Friedrich Diehl, / Hof-Instrumenten- 
macher in Darmstadt 18 . . (gedruckt). 

Diehl, Hsinrich. — Mainz. Frankfurt a. M. 
1846. 1850 

Angeblich ein Sohn von Johann D. und nicht hervor- 
ragend. In Frankfurt war er im Jahre 1848 ansassig, 



doch scheint er schon nach kurzer Zeit nach Mainz 
zuriickgekehrt zu sein. 

Diehl, Jakob. — Bremen, Hamburg. Geb. 
1806 in Mainz, f 1874 in Hamburg 
Sohn und Schiiler von Nikolaus Diehl ; er machte sich 
1826 in Mainz selbstandig, lieB sich 1834 in Bremen 
nieder und siedelte 1858 nach Hamburg iiber. Er steht 
dort als tiichtiger Meister in gutem Andenken. Sein 
Nachfolger Jakob D. jun. war Handler und unterhielt 
nur eine Reparaturwerkstatt. 

Diehl, Jacob August. — Darmstadt. 18. Jahr- 
hundert 

Er arbeitete ahnlich wie Schonger und J. Steininger, 

ist jedoch in der Wahl des Holzes weniger sorgfaltig 

gewesen. 

Geigenzettel : Jac. Aug. Diehl, / Hof-Lauten & Geigen- 

Macher / in Darmstadt 17 . . (gedruckt). 

Diehl, Johann. — Mainz. 1808. 1843 

Zweiter Sohn von Martin und Bruder von Nikolaus D. 
Jedenfalls der Bedeutendste von den in Mainz an- 
sassigen Mitgliedern der Familie Diehl. Seine Violinen 
(meist nach Stradivari gemacht) wurden ihm schon bei 
Lebzeiten mit 66 fl., Violoncelli mit 121 fl. und seine 
Violen, zu denen er geme Zitronenholz verwendete, 
mit 88 fl. bezahlt. Sein Lack ist goldgelb. 
Geigenzettel : Johann Diehl, Lauten- und Geigen- / 
macher in Mainz 1832 (gedruckt) und Abb. 163. 

Diehl, Martin. — Mainz. 1770. 1792 

Geboren in Mainz, Schiiler und Schwiegersohn von 
Nikolaus Dopfer. Wahrend seiner elfjahrigen Wander- 
schaft kam er zuerst nach Aschaffenburg, soil dann in 
Tirol und Osterreich gewesen sein und arbeitete als 
Gehilfe bei Carl Helmer in Prag, brachte es aber trotz- 
dem zu keiner besonderen Geschicklichkeit. Er starb 
nach der ersten Belagerung von Mainz durch die Fran- 
zosen, also um 1794. 

Geigenzettel: Martin Dihl / in Mainz 1786 (geschrie- 
ben) und Abb. 161. 

Diehl, Martin II, geb. 1817 in Darmstadt 
Dritter Sohn von Nikolaus D. 



Mainz, Darmstadt. Geb. 



Diehl, Nikolaus. 
1779, f 1851 

Sohn von Martin D. und dessen Nachfolger, Schiiler 
seines Oheims Jak. Steininger in Frankfurt a. M. und 
Enkel von Nikolaus Dopfer, der auch sein Taufpate 
war. Um das Jahr 1811 verlegte er auf den Ruf des 
GroBherzogs Ludwig I. von Hessen, der ihm ein Gehalt 
von 300 fl. aussetzte, seine Werkstatt nach Darmstadt, 
wo er GroBherzoglich Hessischer Hoflauten- und Gei- 
genmacher wurde. In der Arbeit steht er seinem Bruder 
Johann sehr nahe, am besten gelangen ihm jedoch 
Kontrabasse; sein Holz und sein goldgejber Lack sind 
gewohnlich gut. 

Geigenzettel: Abb. 159. 



104 



Diehl — Dietlrich 



Diehl, Nikolaus Louis. — Hamburg. 1860. 
t 1876 

Sohn von Jakob Diehl. Er studierte die alten Meister 
gut und ist der Verfasser von »Die Geigenmacher der 
italienischen Schule«. (Seit 1864 in mehreren Auflagen 
erschienen.) 

Diehl, Philipp. — Stiihlingen. 1867 

Ist mir nur durch einen vom April 1867 datierten Re- 
paraturzettel bekannt. 

Diehl (Dil), Simon. — Mannheim, f 1758 
Man darf ihn als den Stammvater der heute noch 
bliihenden Geigenmacherfamilie ansehen. Er wurde als 
»Instrumentenmacher«am 12. Februar 1757 zum Hof- 
kalkanten bei der Hofmusik mit einem Gehalte von 
250 fl. angestellt, starb aber schon im darauffolgenden 
Jahre. (Grofih. L.-Archiv in Karlsruhe.) 

Diener, Ferdinand. — Graslitz. Anfang des 
19. Jahrhunderts 

Seine Geigen klingen nicht schlecht, sind aber hand- 
werksmaflig durchgefiihrt. 

Diener, Franz. — Graslitz. Geb. 10. April 
1790, f 3. Febr. 1866 

Sohn und Schiiler von Josef 1 Diener. Wenn er auch 
hauptsachlich billige Geigen machte, so war er doch 
recht geschickt und sorgfaltig in seiner Arbeit. Von 1854 
bis etwa 1856 lebte er in Karlsbad, wo um dieselbe Zeit 
auch ein Friedrich Diener gearbeitet haben soil. 
Geigenzettel : Franz Diener fecit Graslitz / 1852 (gedr.). 

Diener, Friedrich (Gottfried). — Graslitz. 
Geb. lO.Okt. 1791 

Sohn des Instrumentenmachers Anton D. Einer der 
geschicktesten Geigenmacher aus seiner Familie. Er 
hatte ein gefallig aussehendes Modell, hellbraunen Lack 
und verarbeitete gutes Holz. Aufien am Boden seiner 
Geigen findet sich der Brandstempel Fried. Diener. Er 
hielt auf sorgfaltige Arbeit, seine Geigen klangen gut, 
und so war er der erste, der es wagen durfte, einen 
hoheren Preis als die ortsublichen »90 Kreuzer fur das 
Stiick« zu fordern. 

Diener, Gottfried. — Graslitz. 1780. 1784 

In einer mittelmafligen Viola mit Buchenboden und 
unscheinbarem braunen Lack stand im Innern der 
Decke sein Name. Er war mit Rosina geb. Stark ver- 
heiratet. Sein 1784 geborener Sohn wurde spater 
Musselinweber. 

Diener, Ignaz I . — Graslitz. Geb. 1 . Nov. 1 820 
in Graslitz 

Sohn und Schiiler von Franz D. Nachdem er aus- 
gelernt hatte, machte er als Gehilfe grofie Reisen durch 
Osterreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich und Rut- 
land und liefi sich dann in Graslitz nieder. Obwohl er 
recht geschickt war, kam er doch auf keinen griinen 



Zweig, arbcitcte hauptsachlich fiir Handler und ver- 
brachte seinen Lebensabend im Versorgungshaus zu 
Schonau. Er war nie verheiratet und ist der Letzte seines 
Stammes. 

Diener, Ignaz II. — Graslitz. Geb. 19. Okt. 
1833 
Seine Geigen waren fiir ihren billigen Preis recht gut. 

Diener, Joseph I. — Graslitz. Geb. um 1760, 
f um 1840 

Er soil bei einem Hiiller gelernt haben, dessen Tochter 
Rosina er vor 1789 heiratete. Seine Geigen sind den 
besseren gleichzeitigen vogtlandischen Arbeiten nahe- 
stehend; nur ist bei ihm das Holz gewohnlich schoner. 
Geigenzettel : Joseph Diener fecit / Graslitz Bohmen 
18.. (gedruckt). 

Diener, Joseph II. — Graslitz. f eb. 23. Marz 

1831,f nach 1885 

Sohn von Friedrich D. Seine Geigen und Gitarren sind 
nicht schlecht, wenn auch keine Kunstwerke. 
Geigenzettel : Joseph Diener, Geigen- / und Guitarren- 
macher in Graslitz 1869 (gedruckt). 

Diepenryck, Ludwig van. — Antwerpen. 
Wurde 1558 Freimeister der Gilde, lebte 
noch 1589 

Er war als »Clavecingelmaker« eingetragen, hat aber 
auch Lauten usw. gemacht. 

Diericxen, Jan. — Antwerpen. 1558. 1574 

Nur als Clavecinmacher bekannt, doch wird er, wie alle 
seine Zunftgenossen, wohl auch Lauten gemacht haben. 
1574 wird er bezeichnet als die »Eersamen persoon, 
meester Jan Diericxen, clavesingelmaker«. 

Dieterich, Michel. — Birklingen. 1815 

Wurde mir nur durch seinen Reparaturzettel bekannt. 
Geigenzettel : Reparirt von Michel Diete- / rich, Gei- 
genmacher zu / Birklingen pro 1815 (geschrieben). 

Diettrich, Johann Gottlieb. — Saupsdorf, 
Sebnitz. Geb. 1851 in Saupsdorf in Sachsen 
Zuerst kam er bei dem Klaviermacher Karl Schmidlin 
in die Lehre; spater ging er zu G. Tiefenbrunner nach 
Munchen und zu Kriner nach Landshut und erlernte 
bei diesen Zithern- und Geigenmachen. Nach zehn 
Wanderjahren lieft er sich 1879 in seinem Geburtsort 
nieder und verlegte seine Werkstatt spater nach Sebnitz. 
Seine Geigen macht er nach einem eigenen Modell, das 
ihm in der unteren Halfte mehr Resonanzflache dar- 
bietet, doch ist die Form so ungewohnlich, dafi bei aller 
Anerkennung des Tonwertes die Musiker seine Geigen 
nicht gerne spielen. Da er fortwahrend neue Versuche 
macht, ist vielleicht noch etwa's von ihm zu erwarten. 
Geigenzettel: Johann Gottlieb Diettrich/ lnstrumen- 
tenmacher / Sebnitz (gedruckt). 



Dietz — Diler 



105 



Dietz, Christian. — Emmerich. Geb. 1801 
Sohn des Johann Christian D. Ein wenig hervorgetrete- 
ner Geigenmacher, den iibrigens auch Valdrighi (855) 
erwahnt. 

Dietz, Johann Christian. — Darmstadt. 1800. 

1805 

Es ist fraglich, ob er je eine Geige gemacht hat, da- 
gegen kommen Gitarren und Harfen von lhm ofters vor. 
Bekannt ist er nur durch seine Erfindungen, das »Me- 
lodion«, eine Klavierharfe. und das »Trochleon<'. 



Dietzel, Hermann Theodor. 



Markn 



kirchen. Berlin 

Geboren 1866 in Markneukirchen, Schiiler von Ernst 
Glasel, ging nach beendeter Lehrzeit 1884 nach Bres- 
lau zu Liebich und machte sich 1888 in seiner Vater- 
stadt selbstandig, verlegte von 1892 — 1897 sein Ge- 
schaft nach Berlin, kehrte dann aber nach Markneu- 
kirchen zuriick, wo er sich auBer mit dem Neubau 
(Stradivarimodell)auch mit derReparatur, sowie einem 
Handel mit alten Streichinstrumenten beschaftigte. 1m 
Jahre 1900 siedelte er dann wieder nach Berlin iiber. 
Er verwendet sowohl Spiritus- als Ollack. 

Dieulafait. — Paris. 1720 

lm Museum des Par. Cons. (Nr. 172) befindet sich eine 
schone BaBviola, von ihm repariert. Valdrighi fragt, ob 
dieser Name nicht vielleicht fingiert sei, was ich jedoch 
nicht annehmen mochte. 

Dillenz, Fridolin. — Ulm a. D. Geb. 6. Marz 
1853 in Fischbach b. Biberach 
Er trat im Jahre 1867 als Schiiler bei Anton Sprenger 
ein und siedelte 1 873 mit ihm nach Stuttgart iiber. Nach- 
dem er sieben Jahre lang bei seinem ersten Lehrmeister 
gearbeitet hatte, kam er zu Lorenz Kriner und machte 
sich nach Beendigung seiner Militarzeit im Jahre 1878 
in Ulm selbstandig. Er ist ein sehr tuchtiger, kenntnis- 
reicher Geigenmacher, baut nach Stradivari und ver- 
wendet einen rotlichgelben feurigen Lack. Vielseitige 
Anerkennung findet er auch fur seine trefTlichen 
Wiederherstellungsarbeiten. 

Geigenzettel : Fridolin Dillenz, Geigenmacher, in Ulm. 
anno 18.. (gedruckt). — Fridolin Dillenz , Geigen- 
macher in Ulm a. D. 19 (gedruckt). 

Dinacci, Antonio. — Neapel. 19. Jahrhundert 
Er baute Mandolinen, Lauten und Gitarren und wird 
von Valdrighi (860) aufgezahlt. 

Dinelli, Carlo. — Fanano. 1887 

Ich kenne nur Violoncelli von handwerksmafiiger, roher 
Arbeit von ihm. 

Dini, Giovanni Battista. — Lucignano. 1700. 
1707 

Ein noch wenig bekannter, aber ungewohnlich ge- 
schickter Meister, von dem Jul. Heinr. Zimmermann 
in Leipzig eine prachtvolle, Msaitige Viola d'amore vom 



Jahre 1700 besitzt. Die Umnfilinien sind reizvoll ge- 
schweift, die Decke schon gewolbt, der Boden flach und 
alles hiibsch eingelegt. Die Schallocher in Schlangen- 
linien sind zweiteilig, unter dem Griffbrett befindet 
sich eine prachtvolle Rosette, der reich verzierte Wirbel- 
kasten endigt mit einem anmutigen Engelskopfchen. 
Der Ton ist von groBem Wohllaut, und auch der hell- 
gelbe, feurige Lack ist bemerkenswert. In W. Heyers 
Musikhistorischem Museum in Koln befindet sich ein 
guter KontrabaO mit auffallig hochgewolbtem Boden 
aus dem Jahre 1707 von ihm. 

Geigenzettel: Gio. B* Dini Fece 1700/ in Lucignano 
(gedruckt). 

Dinis, Fehs Antonio. — Lissabon. 1807 

MittelmaBiger portugiesischer Geigenmacher, von dem 
sich eine Violine in der Sammlung A. Keil in Lissabon 
befindet. 

Dinumerabo, Johannes. — Padua. 1661 

Ein Lautenmacher, dessen sonderbaren Namen Val- 
drighi (9130) mitteilt. 

Dionelli, Gaetano. — Mantua. 1865. 1869 

Wenig hervorragender Geigenmacher des 19. Jahr- 
hunderts; am besten waren noch seine Violoncelli. 

Dionigi, Alessandro. — Syrakus. 18. Jahrh. 
Ein sizilianischer Lautenmacher, der sich auch als 
Geigenmacher versuchte, ohne etwas Bemerkenswertes 
zu leisten. 

Geigenzettel: Alessandro Dionigi di Siracusa / 17 . . 
(gedruckt). 

Diotallevi, Michelangelo. — Rimini. 1820 

Es soil einige Geigen geben, die diesen — wahrschein- 
lich falsch gelesenen — Namen tragen. 

Dischka (Dizka). — Fiinfkirchen. 1895 

Er wird als Geigenmacher bezeichnet, scheint aber nur 
Handler und Reparateur gewesen zu sein. 

Diter, Justin. — Marseille. Geb. 16. Febr. 
1866 in Mirecourt 

Er lcrnte bei Bailly, betrachtet sich aber als Schiiler von 
Paul Blanchard in Lyon. Im Jahre 1896 machte er sich 
in Lyon selbstandig 1 ) und verlegte seine Werkstatt am 
1. April 1897 nach Marseille, wo er M. Richelmes 
Nachfclger wurde. Er baut nach Stradivari, Guarneri 
und Amati und ist als Reparateur geschatzt. Sein Lack 
(fetter Ollack) ist nach dem Rezept J. B. Vuillaumes zu- 
sammengesetzt. Auf seinem Zettel ist u. a. das Wappen 
von Marseille angebracht. 
Geigenzettel: Abb. 181. 

Diter, Paul. — Marseille. Geb. in Mirecourt 
27. Mai 1879 

Schiiler von Bazin. Er verband sich mit seinem Bruder 
Justin und ist auch ein guter Bogenmacher. Die Bruder 
fiihren den gemeinsamen Zettel: J. & P. Diter, Lu- 
thiers ' a Marseille Tan 1903 (gedruckt). 



a ) In Verbindung mit Resuche, 



106 



Dittcl — Dodi 



Dittel, Friedrich August. — Hof. 1809 

MittelmaBiger Geigenmacher, von dem ein Musiker in 
Eibelstadt eine Violine besitzt. 

Geigenzettel : Friedr. Aug. Dittel / Instr. und Lauten- 
macher in Hof. 1809 (geschrieben). 

DJtton. — London. 1700. 1720 

Man kennt von ihm bisher nichts als den Namen, der 
u. a. durch Sir J. Hawkins iiberliefert ist. Auch Sandys 
und Forster, Vidal usw. wissen nichts weiter anzugeben. 
In Thomas Brittons Sammlung war eine gute Violine 
von Ditton. Valdrighi fiihrt ihn als einen aus Frank- 
reich stammenden Harfenmacher an. 

Dittrich. — Glogau. 19. Jahrhundert 

Ein Militaranwarter, der sich mit Geigenreparaturen 
einen Nebenverdienst erwarb. 

Diverny, Jean. — Mirecourt. 1741 

Er wird sowohl als Geigen- wie als Bogenmacher be- 
zeichnet. 

Dobriansky, L. — Odessa. 1901 

Ein Liebhaber, der Geigen nach einem eigenen Modell 
verfertigt und sich, laut seinen Zetteln, auch damit 
beschaftigt, bei fertigen Geigen den Ton nach einem 
von ihm erfundenen Verfahren zu »verbessern«. Es ist 
mir jedoch nicht gelungen, eine Arbeit von ihm kennen 
zu lernen. 

Dobrucki, Matthaus. — Krakau. f 1602 

Beriihmter polnischer Geigen- und Lautenmacher. 
A. Grabowski 1 ) erwahnt das 1602 aufgestellteNachlaB- 
inventar dieses Meisters, in dem es u. a. heifit: »Eine 
Kiste mit Formen fur Basse, in der zweiten Kiste 
Geigenholz, in der dritten fertige Geigenwirbel. Drei 
Schock Decken fur Lauten, 1 1 Formen fur Lauten, 
6 Diskantformen, 3 Tenorformen, 3 BaBformen, 40 un~ 
fertige Geigen, 23 Tenorboden, 46 Boden fur Diskant- 
geigen. Ein Werktisch zur Anfertigung von Geigen, 
12 Ahornbretter fur Geigen, 40 Lautenkopfe etc.« 

Dodd, Edward I. — London. Geb. 1705 in 
Sheffield, f 1810 zu London 
Er war gelernter Geigenmacher und verlegte sich, als 
einer der ersten in England, friihzeitig auf das Bogen- 
machen, worin er es jedoch noch mcht zu bemerkens- 
werter Geschicklichkeit brachte. Er ist der Begriinder 
der beriihmten Geigenmacherfamilie und starb im 
Alter von 105 Jahren. Er hatte drei Sonne, John, 
James und Thomas D. 

Dodd, Edward II. — London.f 29. April 1843 

Alterer Sohn von Thomas D. sen. Schiiler von B.Fendt. 
Er wendete sich jedoch ganz dem Bau von Harfen und 
Klavieren zu. Er ertrank durch einen ungliickhchen 
Zufall. 

Dodd, James (sen.). — London. 1835 

Zweiter Sohn von Edward D. und wie dieser Bogen- 
macher. 



l ) »Dawne zabylki m. Krakowa« (Krakau 1850, S. 174). 



Dodd, James (jun.). — London, f nach 1851 
Sohn von James D. sen., gleichfalls ein guter Bogen- 
macher. 

Dodd, J. — London. 1851 

Er arbeitete wie E. Dodd und machte auch sehr gute 
Bogen. 

Dodd, John Kew (Sursey). — London. Geb. 
in Stirling 1 752, f 4. Okt. 1 839 zu Richmond 
Dieser ausgezeichnete Bogenmacher, der zuerst 
Biichsenschlosser und dann Goldwagenmacher war, 
steht in England in gleichem Ansehen wie Fr. Tourte 
in Frankreich. Seine Bogen sind ebenso gut wie die 
seines franzosischen Rivalen, wenn er auch ihre Ele- 
ganz nicht erreicht. Er war der alteste Sohn von Ed- 
ward D. und Bruder von Thomas D. und wohnte New 
Street, Covent Garden. Seine Stangen haben vielleicht 
den einzigen Fehler, nicht immer lang genug zu sein. 
Trotzdem brachte er es im Leben nicht vorwarts; er 
war weder an regelmaBiges Leben, noch an regel- 
mafiiges Arbeiten gewohnt, und obwohl reiche Gonner 
ihm mehrfach unter die Arme griffen, kam er in seinen 
Vermogensverhaltnissen immer mehr zuriick und starb 
als 87jahriger Greis im Armenasyl (Workhouse) zu 
Richmond. Er hatte nie einen Schiiler, da er seine Ge- 
heimnisse des Bogenmachens, vor allem das Zuschnei- 
den der Stange, nicht verraten wollte; er soil sogar, 
wie behauptet wird, trotz seiner Armut ein Angebot 
von 1000 Pf. Sterling fur die Preisgabe seines Geheim- 
nisses abgelehnt haben. Seine Bogen sind heute noch 
sehr gesucht und werden gut bezahlt. 

Dodd, Thomas (sen.). — London. 1 786. 1 820 
Dritter Sohn von Edward D. War zuerst Brauer, dann 
1786—1789 Bogenmacher, von 1798 Geigenmacher 
und -handler und zuletzt noch Harfen- und Klavier- 
bauer. Seinen Ruhm als Geigenmacher verdankt er 
hauptsachlich seinen Gehilfen Bernhard Fendt und 
John Lott; er verstand sich aber auBerordentlich gut 
auf das Lackieren, das er als sein Geheimnis behandelte. 
Er war aufierdem ein gewiegter Kenner italienischer 
Instrumente. Seine Geigen und Violoncelli werden 
jetzt sehr anstandig bezahlt. Eine im Jahre 1820 ge- 
baute Violine von ihm besitzt J. T. Chapman. 
Geigenzettel: Dodd, Maker, 92 St. Martins Lane/ 
Perfect copies of Stradiuarius, Amati, Stainer, etc. / 
Note: — The only possessor of the recipe for pre-/ 
paring the original Cremona oil varnish. / Instruments 
improved and repaired (gedruckt) und Abb. 158. 

Dodd, Thomas (jun.). — London 

Jiingerer Sohn von Th. D. sen. f. Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Schiiler von Bernh. Fendt und Lott. Er war 
geschickt, starb aber so jung, daB er nicht ausreifen 
konnte. 

Dodi, Giovanni. — Modena. Zweite Halfte 
des 19. Jahrhunderts 

Seine Violen und Kontrabasse sollen recht gut sein. 
Ein BaB aus Valdrighis Besitz befindet sich jetzt im 
Museo Civico in Modena. 



Dodi — Dorffel 



107 



Dodi. — Modena. Zweite Halfte des 19. Jahr- 
hunderts 

Ein Sohn oder Bruder von Giov. Dodi. Soil gleichfalls 
als Geigenmacher gelebt haben, 

Dods (Dodds), Edward. — Edinburgh. 1889. 
1902 

Seine Geigen sind nicht hervorragend ; auch sein Lack 
ist nicht besonders, obwohl er behauptet, der einzige 
Geigenbauer zu sein, der wirkhch den Cremoneser Lack 
wiedergefunden habe. 

Dolling, August. — Markneukirchen, Erfurt. 
Geb. 30. Juni 1859 in Markneukirchen 

Er lernte von 1 873 — 1 877 bei Ernst Hums und arbeitete 
dann durch vier Jahre als Gehilfe bei Ernst Glasel in 
seiner Vaterstadt, dann bei Louis Noebe in Homburg 
v. d. H. Im Jahre 1885 machte er sich in Markneu- 
kirchen selbstandig und verlegte 1910 seine Werkstatt 
nach Erfurt, wo er jetzt mit gutem Erfolg tatig ist. Er 
baut nach den alten Meistern, verwendet Ollack und 
ist ein vielbeschaftigter Reparateur. 
Geigenzettel : August Dolling, Geigenbauer Erfurt. 
19 . . (gedruckt). 

Dolling, Georg Louis. — Markneukirchen. 
Geb. IS.Dez. I860, t 15. Sept. 1917 
Schiiler von Karl Gustav Otto. Von 1877—1878 ar- 
beitete er in Leipzig, 1878 — 1884 in Breslau, worauf er 
sich in seinem Geburtsort niederliefi. Er kopiert Stradi- 
vari, Amati u. a. und gebraucht Spintuslack. 
Geigenzettel: Louis Dolling jun. / Markneukirchen i.S. 
Anno 18 (gedruckt). 

Dolling. — Markneukirchen 

Heinrich August D., geb. 30. Juni 1859 

(jetzt in Erfurt, s. oben.) 
Heinrich Gustav D., geb. 29. Juli 1854, 

f 25. Juni 1889 
Hermann Moritz D. (sen.), geb. 6. Juni 1839 
Hermann D. O'un.), geb. 24. Okt. 1862 
Samthch als Geigenmacher tatig. Max D. griindetel893 
sein Geschaft und Robert D. ist in Adorf als Geigen- 
macher ansassig. 

Dbihng, Hermann. — Markneukirchen 
Geigenfirma der Gegenwart. 

Dopfer s. Dopfer 
Dorffel 

Eine weitverzweigte Geigenmacherfamilie des Vogt- 
landes, die aus dem Bohmischen eingewandert ist. Die 
Schreibart des Namens schwankt zwischen Dorffel, 
Dorfel, Diirfel und Dorffler. Die bevorzugte Schreib- 
art, die die Familie auch heute beibehalten hat, ist 
jcdoch Dorffel. 



Dorffel, Adolph Louis. — Markneukirchen. 

Geb. 24. Okt. 1852 

Geigenmacher, der fiir den Handel arbeitet. 

Dorffel (Dorfler), (Carl) Gottlieb. — Klingen- 
thal. 1750. 1792 

Erscheint zuerst 1750 in den Innungsbiichern und war 
1792 Obermeister der Innung. 

Dorffel (Dorffler), Christian Friedrich. — 
Klingenthal. 1704. 1749 

Er wurde am 29. Februar 1 704 von der (M.)Neukirche- 
ner Geigenmacherzunft als Meister aufgenommen und 
scheint mindestens seit 1717 in Klingenthal ansassig 
gewesen zu sein. 

Geigenzettel : Christian Friedrich Doerffler / in Klin- 
genthal, Ao. 1749 (gedruckt). 

Dorffel (Dorffler), Christian Gottlieb. — 

Klingenthal. 1779 

Er scheint seine Geigen sehr selten bezeichnet zu haben, 
so daft er eigentlich nur aus den lnnungslisten als 
Meister bekannt ist. 

Dorffel (Dorffler), Christoph Heinrich. • — 
Klingenthal. 1716 

Er wird schon 1 7 1 6 als Geselle bezeichnet und soli dann 
ausgewandert sein. 

Dorffel (Dorfel), Friedrich Wilhelm. — 
Klingenthal. f 8. Jan. 1893 

Er war an und fiir sich nicht ungeschickt, hat aber nur 
billige Ware hergestellt. 

Dorffel (Dorffler), Johann (Hans) Andreas. — 
Klingenthal. 1717. 1757 

Er kommt bereits 1717 als Meister vor und soil 1772 
noch gelebt haben. Einer der besten Klingenthaler 
Geigenmacher, dessen Arbeiten heute noch in vielen 
Sammlungen zu finden sind. Eine elfspanige Theorbe 
von 1736 besitzt die sta^tl. Sammlung alter Musik- 
instrumente in Berlin (Nr. 719), eine Altviola aus der 
Boersschen Sammlung das Rijksmuseum in Amster- 
dam (aus dem Jahre 1 754), eine Viola von 1 742 und eine 
Viola d'amore von 1755 dasMusikhistorische Museum 
W. Heyers in Koln, eine zwolfsaitige Viola d'amore die 
Sammlung Snoeck. Diese Arbeiten zeigen meist ein 
mittleres Patron, gelben Lack, flachen Boden und 
Schnecken (seltener Kopfchen). Der 1794 guillotinierte 
Kriegskommissar Saint Laurent besaO nach Brunis In- 
ventaire eine Violine von ihm. Eine hellgelbe »Viola 
ass« von ihm vom Jahre 1728 besafi nach dem lnventar 
von 1773 die ehemalige Kothener Hofkapelle. 

Geigenzettel: Johann Andreas Dorffel violin und/ 
Lautenmacher in Klingenthal 1755 (gedruckt) und 
Abb. 155. 



108 



Doerffcl — Dotsch 



Doerffel (Diirfel, Dorffell), Joh. Andr. — 
Altenburg. 1792 

Otto sagt von ihm, dafi er weniger Sorgfalt auf das 
AuOere verwendete, aber doch recht gute Instrumente 
baute und seinerzeit als einer der besten Bafimacher gait , 
was auch de Piccolellis wiederholt. Valdrighi gibt da- 
gegen seinen Arbeiten das Pradikat: »ordinarissimo«. 
Dafi ein Dorfel oder Diirfel je in Altenburg ansassig 
war, liefi sich leider aktenmafiig nicht feststellen. Er 
soil urn 1793 in Untersachsenberg gearbeitet haben und 
durfte identisch sein mit Hans Andreas D. in Klingen- 
thal, der sich nur vorubergehend in Altenburg aufge- 
halten hat. 

Dorffel (Dorffler), Johann Friedrich. — Klin- 
genthal. 1680. f vor 1701 

Er stammte aus Klingenthal und ward am 28. Novem- 
ber 1680 als Mitmeister in Markneukirchen in die Zunft 
aufgenommen. Daft er vor 1701 gestorben ist, geht 
daraus hervor, daft in diesem Jahre seine Witwe eine 
zweite Ehe mit Joh. Dengel (Tangel) einging. 

Dorffel (Dorffler), Joh. Friedrich. — (Mark)- 
Neukirchen. 1704 

Man weifi nur, dafi er Seines Meisters Sohn« war und 
als Geigenmacher der Innung angehorte. Er war wahr- 
scheinlich ein Sohn des gleichnamigen, vor 1701 ver- 
storbenen Meisters. 

Dorffel (Dorffler), Johann Friedrich. — Klin- 
genthal. 1736. 1749 

Er war seit 1 736 als Geigenmacher Innungsmeister und 
vielleicht ein Sohn des Neukirchener Meisters, der 1 704 
vorkommt. 

Dorffel (Dorffler), Johann (Hans) Georg I. — 
Schoneck, (Mark)Neukirchen, Klingenthal. 
1678. 1716 

Er kam als Exulant aus Graslitz und wurde am 25. Juh 
1678 in Neukirchen in die Zunft aufgenommen. Er 
wohnte erst in Schoneck und kommt seit 1697 bis 1716 
in Klingenthal als Geigenmacher vor. 

Dbrffel (Dorffler), Johann (Hans) Georg II. — 
(Mark)Neukirchen. 1697 

Sohn und Schviler von Sebastian D. In Ansehung des 
Notstandes seiner verwitweten Mutter wurde er auf 
Antrag seines Vormundes Caspar Hopf nach kurzer 
Gesellenzeit schon am 25. Juli 1697 als Mitmeister in 
die Zunft aufgenommen. Zum Unterschied von seinem 
gleichnamigen jiingeren Bruder nannte er sich gewohn- 
lich Hans Georg D. 

Dorffel (Dorffler), Johann Georg III. — Klin- 
genthal. 1710 

Sohn von Sebastian D. Nachdem er als Geselle sein 
Wanderjahr abgedient hatte, wurde er am 8. Dezember 
1710 als Meister in die Neukirchener Zunft aufge- 
nommen. 



Dorffel (Dorfel), Johann Gottfried. - Klin- 
genthal. 1754. 1765 

Er gait als tiichtiger Meister und soil auch als Handler 
von einiger Bedeutung gewesen sein. Auf seinen Zetteln 
findet sich nur sein Name angegeben. 

Dorffel (Dbrfler), Michael. — Graslitz. 1667 

Nach unglaubwiirdigen Angaben hat er in Deutsch- 
land das Geigenmachen gelernt. Ihm wird die Begriin- 
dung der Musikindustrie in Graslitz zugeschrieben, in 
der er seine Bruder und Sonne unterrichtete. 

Dorffel (Dorffler), Sebastian. — Klingenthal, 
(Mark)Neukirchen. 1688. f um 1697 
Seit 20. Marz 1688 als Meister von der Geigenmacher- 
zunft in Neukirchen aufgenommen, Bruder von Johann 
Georg D. und seiner Angabe nach auch dessen Schiiler. 
Er scheint zwei Sonne gehabt zu haben, die beide 
Johann Georg hieGen, der altere wird allerdings ge- 
wohnlich Hans Georg geannnt, oder es hat zwei Se- 
bastian D. gegeben, woftir allerdings jeder Beweis fehlt. 

Doring, Christoph. — Kassel. 1676. 1677 
Vielleicht der Sohn von Hans D. In Kassel selbst ist er 
heute vergessen und urkundlich nicht nachzuweisen. 
Eine gute Viola da Gamba von ihm besitzt das Musik- 
historische Museum W. Heyers in Koln. 
Geigenzettel : Christoph Doring / Lauthen und Violen- 
macher / in Cassel / Anno 1676. 7. c. (gedmckt). 

Doring, Hans. — Kassel. 1633 

Er stammte aus Helsa und wurde im Jahre 1633 als 
Burger in Kassel aufgenommen und dabei ausdrucklich 
als Geigenmacher bezeichnet. 

Doring, Wilhelm. — Kassel. 1765 

Wahrscheinlich ein Enkel von Christoph D. Es liegt 
nahe, zu vermuten, dafi auch der Vater Geigenmacher 
war. Leider aber ist es nicht gelungen, in Kassel irgend 
etwas uber die Familie zu erfahren. Archivalien und 
gedruckte Biicher sind vergebens durchforscht worden. 
Eine Tenorviola da Gamba von ihm besitzt W. Heyers 
Musikhistorisches Museum in Koln. 
Geigenzettel: Wilhelm Doring me fecit / Cassellis. 
Anno 1765 (gedruckt). 

Dotsch, Michael. — Berlin-Wilmersdorf. Geb. 
22. Okt. 1874 in Neuenbrand bei Asch 
(Bohmen) 

Er machte seine erste Lehrzeit bei Michael Kohlbacher 
in Schonbach durch, ging dann in die Fremde, 
arbeitete 20 Jahre lang als Gehilfe bei den ersten 
Meistern, uberall seine Kenntnisse bereichernd, und 
war zuletzt fiinf Jahre bei Erich Lachmann tatig. 
Er verwendete sein Hauptaugenmerk auf das Studmm 
der alten Meister, deren Arbeitsweise er sich zu eigen 
machte und deren Lackierung er in mustergiiitiger Weise 
nachzuahmen versteht. lm Jahre 1914 machte er sich 
selbstandig und arbeitet mit Vorliebe nach Stradivari, 
G. B. Guadagnini und Nicolaus Gagliano. Da er nur 
das beste alte Hoi? verwendet, jedes Stuck an seinen 



Dollenz — Dominicus 



109 



Geigen selbst anfertigt, auch seinen Lack selbst be- 
reitet und sich in jeder Beziehung als Kiinstler erweist, 
hat er bald in weiten Kreisen Anerkennung ge- 
funden. Seine Kopien alter Meisterwerke gehoren zu 
dem Besten, was in dieser Beziehung geleistet werden 
kann. In der Kunst des Lackierens ist er kaum zu iiber- 
treffen. 

Geigenzettel : Michael Dotsch / Berlin W 19 Monogr. 
M. D., darunter B., das Ganze von Laub- und Nadel- 
zweigen umrahmt. 

Dollenz, Giovanni. — Triest. 1800. f um 1850 
Er soil ein Schiiler Storionis gewesen sein, den er auch 
nachahmte. Er baute sowohl Geigen als Violen und 
Violoncelli und war auch als Bogenmacher sehr ge- 
schatzt; sein Lack ist gelbrot. 

Geigenzettel : Restauratum a me Gio. Dollenz t in Triest 
18.. (gedruckt). — Giovanni Dollenz, Fecit / in Trieste 
Anno 1805 (gedruckt). 

Dollenz, Giuseppe. — Triest. 1850. f 1889 
Sohn und Schiiler von Giovanni D. Er baute im ganzen 
130 Violinen und Violen und einige Violoncelli. Er war 
geschickt, wenn er auch den Vater nicht ganz erreichte. 
Die Geigen aus seinen letzten Lebensjahren sind am 
besten. Sein Lack gleicht dem seines Vaters; nur ist er 
etwas rotlicher. Seine Violoncelli sind recht gut. 

Domanski, Albert. — Paris usw. Geb. 1780, 
f nach 1855 in Spanien 

Ein polnischer Offizier, spater russischer Konsul in 
Spanien, der sich in seinen Muftestunden auf den 
Geigenbau verlegte, dessen Anfangsgriinde er in jungen 
Jahren in Wien erlernte. Er wohnte damals in dem- 
selben Hause wie Mozart, an den er durch den Pnnzen 
Jablonowski empfohlen wurde. (Vgl. Domanskis Me- 
moiren in der Zeitschrift »Przeglond Poznanski«, Heft 2 
1850.) Als Geigenmacher bildete er sich in Paris von 
1835 — 1849 weiter aus. Er hat dann noch in einigen 
polnischen Stadten gearbeitet und verbrachte seine 
letzten Lebensjahre in Spanien bei seinem Sohne, der 
dort als Offizier diente. 

Dombrowski (Dabrowski). — Warschau. 1 892. 

1902 

Polnischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Dombrowsky, August. — Riga. Geb. 16./28. 
Juli 1845 in Kengeragge bei Riga 
Besitzer einer grofien Holzsagerei in Alt-Miihlgraben 
bei Riga. Er wendete sich seit 1 878 aus Liebhaberei dem 
Geigenbau zu und beschaftigte sich bis 1890 mit viel- 
faltigen Versuchen, wobei er 1886 von Wilhelmj wert- 
volle Anregungen erhielt. Wohlvorbereitet begann er 
1890 die' Geigenmacherei in groBerem Umfange zu be- 
treiben, zog sich zwei Gehilfen heran und hat seitdem 
1134 Violinen, 30 Violoncelli und 2 Kontrabasse ge- 
baut, die fast alle verkauft sind. Er hat Versuche mit 
den verschiedensten Holzsorten fur die Boden (statt des 
iiblichen Ahorns) angestellt und solche von Ebenholz, 
Wacholder usw. gemacht. Auch mit verschiedenen 
Lacksorten hat er experimentiert, verwendet aber jetzt 
fast ausschlieftlich sogenannten Danziger Bernsteinlack. 



Dominicelli (. . ero oder Domenico). — Fer- 
rara. 1695—1715 

De Piccolellis schreibt den Namen Domincelli und fiigt 
hinzu »di Brescia*. Daft er Violinen gemacht hat, steht 
noch nicht fest, wohl aber kennt man einige gute 
Violoncelli und Basse von ihm. Vidal rechnet ihn zur 
Amatischule. Andere halten ihn fur einen Schiiler 
G. B. Rogeris. Er gebrauchte goldgelben Lack. 

Domimchini, Antonio Eduardo. — Bologna. 

1708. 1766 

Als Geigenmacher und Reparateur mehrfach erwahnt, 
so auch bei Valdrighi (879). 

Dominichino, Giuseppe. — Verona. 1 700. 

1709 

Vielleicht ein Schiiler der Amati, an deren Arbeit die 

seine stark ennnert. Ob er in Verona selbst tatig war, 

ist noch nicht nachgewiesen, doch ist es wahrscheinlich 

(seine Zettel geben auch Verona nur als seine Heimat 

an). 

Geigenzettel : Giuseppe Domichino / Veronensis Facie- 

bat anno 17 . (gedruckt). 

Dominico. — Pesaro. Venedig. 1522. 1548 
Kdnig Philipp II. von Spanien besaft fiinf Violen von 
einem Dominico. Das im Archiv des Palacio real in 
Madrid aufbewahrte Inventar der Musikinstrumente 
des Konigs fiihrt an: »Cinco vihuelas de arco de ma- 
dera blanca, con unos quadros samblados de taracea 
de mano de Dominico en tres caxas No 59 . . . .« Dieser 
Dominico ist moglicherweise identisch mit dem Meister 
Dominicus in Pesaro, von dem mir sonst nur Klavi- 
zimbeln bekannt geworden sind, und der durch das 
Gravicembalo, das er nach Gioseffo Zarlinos Anwei- 
sung im Jahre 1548 baute, bekannt ist. Um 1548 kam 
iibrigens auch ein Bildhauer und Medailleur Domenico 
Veneziano vor, von dem eine bezeichnete und datierte 
Medaille auf Konig Sigismund II. von Polen hemihrt. 
Geigenzettel : Dominicus Pisaurensis /fecit MDXXXI 1 1 
(gedruckt). 

Dominicus, Joannes. — Rom. 1570 (?) * 

Niederheitmann besaB eine kleine Violine, die nach 
seiner Beschreibung in ihrer Wolbung und den F- 
Lochern an Andreas Amati erinnerte. Das Holz soil gut, 
der Lack braun und der Boden mit einer verzierten 
Einlage versehen gewesen sein. Die Jahreszahl zwerfelte 
Niederheitmann selbst an, er scheint aber auch den 
ganzen Zettel falsch gelesen zu haben, der bei ihm 
lautet: Joannes Cesarum Dominicus Roma minorum 
1510/ und in dieser Form ganz unverstandlich ist. 
Den Zettel sicher zu korrigieren ist, ohne das Original 
vorAugen zu haben, nicht gut moglich; wahrscheinlich 
aber muBte der Zettel folgendermafien aussehen : 

Joannes Dominicus 

Ord. frum. 

Minorum 

Romae 1570 

Dominicus ware demnach ein Minorit (Ordinis fratrum 
Minorum) gewesen. Die Jahreszahl konnte vielleicht 
1570, wird aber wohl 1610 geheiften haben. 



1 10 



Donato — Doss & Heidegger 



Donato, Serafino. — Venedig. 141 1 

Vidal und Valdrighi erwahnen ohne nahere Angaben 
nur seinen Namen mit der Jahreszahl. 

Doneda, Giovan Battista. — Brescia. Geb. urn 
1530, f 19. Jan. 1610 in Brescia 

Er war der Sohn eines Paolo D. und wird zuerst 1562 
als dreiunddreifiigjahri? mit dem Zusatz »qual fa di 
violini« erwahnt; in seinen Steuererklarungen kommt 
er bald als »lavorento de instrumenti de citere« (1568), 
als »maestro d'instrumenti de sonar « (1588), bald als 
»cytaredus«(1607) vor. SeinTodestag findet sich in der 
Sterbematrikel der Pfarrei Nazaro e Celso. Ob er mit 
»Baptista Bressano« identifiziert werden kann, erscheint 
fraglich. 

Doni, Giambattista. — Florenz. 1635. 1663 

Beriihmter Musikkenner und -schriftsteller, Akademi- 
ker usw., der sich auch als Instrumentenmacher ver- 
suchte und u. a. die Lira Barberina (Amficordo) erfand. 

Doni, Rocco. — Florenz. 1600. 1660 

Als Priester. fiihrte er vor seinem Taufnamen auch den 
Titel Dom x ). Er hat ziemlich viele Lauten und Geigen 
gemacht und diirfte ein Verwandter des beruhmten 
Giambattista Doni gewesen sein. Im Verzeichnis der 
Musikinstrumente des Herzogs von Florenz, dasCristo- 
fori am 23. September 1716 angefertigt hat, heifit es: 
»N° 45. Basetto opra del sacerdote Rocco Doni con 
corpo stacciato con^uo arco.« 

Donozetto (Donizetti?), Pietro. — Neapel. 

1789 

Ob der Name richtig gelesen ist, kann ich nicht ent- 
scheiden. Der Arbeit nach vielleicht ein Gagliani- 
schtiler. 

Dopfer (Dopfer), Nikolaus. — Mainz. 1715. 

1768 

Ein sehr ttichtiger, angesehener Kiinstler, der Kurfiirst- 
hch Mainzischer Hofgeigenmacher war. Seine Geigen 
sind gut gearbeitet, haben grofies Patron und erinnern 
in den Umrifilinien an Stainer. Da er die Wolbung oft 
ohne Hohlkehle gleich vom Rande aus ansteigen lieO, 
sieht sie hoher aus, als sie eigenthch ist. Das Holz ist 
gut, auch wenn er fur den Boden statt Ahorn- Eschen- 
holz nahm, denn er legte dann Wert darauf, dafi ihm 
die Wurzelknollen ein buntes Aussehen verliehen. Der 
Ton ist vorziiglich. Die Schnecke, oft aus Birnbaumholz, 
ist hiibsch im Schwung; auch die F-Locher sind in der 
Regel elegant und schmal, wenn sie nicht genau nach 
Stainer geschnitten erscheinen. Weniger gut ist sein 
brauner, besser sein gelbbrauner Lack. Er war der 
Schwiegervater von Diehl und Steininger. In einer 
Frankfurter Matrikel wird sein Name irrtiimlich Dopp- 
ler geschrieben. Eine Altgeige von ihm aus dem Jahre 
1763 war in der von der hollandischen Gesellschaft 
»Pulchri Studio« 1893 veranstalteten Ausstellung zu 
sehen. 
Geigenzettel : Abb. 156. 

] ) Was irrtiimlich manchmal mit »Dominicus« erganzt 
wurde. 



Dorant, William. — London. 1814 

Er wohnte Winfield Street, Brick Lane Spitalfields, 
und ist kein bedeutender Meister gewesen. 

Dorigo s. Spilman 

Doring, Ernest N. s. John Friedrich & Bro. 

Dorner, Ignatz Martin. — Wien? 1716 (?). 

1777 

In den Steuerlisten kommt sein Name nicht vor, wohl 
aber fand man ihn in mittelmafiigen Geigen, von denen 
eine entschieden junger war als die angegebene Jahres- 
zahl 1716. Auch dafi der Name der Stadt Wien entgegen 
der damals meistens gebrauchten Schreibweise »Wienn« 
nur ein n zeigt, lafit die Echtheit des Ursprungsortes 
und der Jahreszahl sehr zweifelhaft erscheinen. Eine 
seiner Violinen mit der verdachtigen Jahreszahl 1716 
tauchte noch im Jahre 1912 bei der Oktoberversteige- 
rung von Puttick & Simpson in London auf. Wahr- 
scheinlich war Dorner ein Schonbacher oder Vogtlan- 
der, wofiir auch das fehlerhafte Latein der Taufnamen 
auf einem anderen Zettel spricht. 
Geigenzettel: lgnatii Martynij Dorner / Violin und 
Lautenmacher me fecit Wien 1777 (gedruckt) und 
Abb. 157. 

Dorniedten (Tor Niedten). — ? 18. Jahrh. (?) 
Vermutlich ein Hollander, dessen Name hie und da in 
Musikinstrumenten eingebrannt zu finden ist. 

Doser, Joseph. — Freising. Geb. 1770 in Vils 
bei Fiissen, f 19. Marz 1836 in Freising 
Er wird als Sohn eines gleichnamigen Vaters bezeichnet 
und diirfte in seinem Geburtsort gelernt haben. Urn 
1790 scheint er nach Freising gekommen zu sein, wo er 
am 10. Juni 1794 Therese, die Witwe Franz Knittls, 
heiratete.obwohl sie 20 Jahre alter war als er. Er diirfte 
das Versprechen gehabt haben, auch als Hofgeigen- 
macher der Nachfolger Knittls zu werden, denn im 
Trauschein wird er bezeichnet als »angehender biirger- 
licher Hof-Lauten- und Geigenmacher«, doch scheint 
er den Dienst nicht erhalten zu haben, da sein Toten- 
schein von ihm nur kurz als »biirgerhchem Geigen- 
macher« spricht. Nach dem 181 1 erfolgten Tode seiner 
Frau hat er sich nicht wieder verheiratet. Seine Arbeit 
verrat gute Tiroler Schule, und er kommt den besseren 
gleichzeitigen Mit ten wal dem sehr nahe. 
Geigenzettel: Doser in Freising 1790 (geschrieben). 

Dosi, Pietro. — Bologna. 1880. 1885 

Ein aus Livorno stammender Zollbeamter, der sich in 
seinen Nebenstunden als Rahmenmacher versuchte. Er 
gehorte dem Freundeskreis von Raffaele Fionni an und 
wurde dadurch veranlafit, sich aus Liebhaberei mit 
dem Geigenmachen zu beschaftigen. Er war nicht 
unbegabt und hat sogar Ausstellungspreise erhalten; 
seine Arbeiten sind trotzdem unbedeutend zu nennen. 
Geigenzettel: Pietro Dosi di Livorno / fece per diletto 
(gedruckt). 

Doss & Heidegger. — Hamburg 

Eine 1879 begriindete Musikinstrumentenfirma, deren 
jetziger lnhaber Heinrich Schliiter ist. 



Dosseur — - Drogemeyer 



Dosseur, Claude. — ? 1775 

Franzosischer Geigenbauer des 18. Jahrhunderts. Wo 
er gelebt hat, ist ungewifi; seiner Arbeit nach scheint er 
dieBrescianerSchulezum Vorbildgenommen zu haben, 
ja er iibertreibt die charakteristischen Formen Mag- 
ginis noch; doch ist er im allgemeinen sehr geschickt 
gewesen. 

Geigenzettel : Claudius Dosseur / Fecit anno 1 775 (ge- 
druckt). 

Dotzauer 

Eine im Egerlande ansassige Familie, von der verschie- 
dene Mitglieder in der dortigen Geigenindustrie 
tatig sind. In Schonbach bei Eger lebt jetzt Jakob D. 
als »Corpusmacher«; Josef D. lebt in Absroth bei 
Schonbach, ein anderer Josef D. in Pechbach in 
Bohmen. 

Dow, W. H. — Melbourne. 1880. 1900 

Australischer Geigenmacher, der schon 1880 eine Viola 
nach eigenem Modell sowie Violinen nach Stradivari 
und Guarneri ausgestellt und dafur den ersten Preis 
erhalten hat. 

DraBegg (Drassich), Victorin. — Bregenz. 
Geb. zu Grofi-Polom (Mahren) 3. Sept. 1 782, 
f 6. Marz 1847 im Militarspital zu Wien 
Nach G. Kinskys Ermittlungen war er gelernter Tisch- 
ler, wurde Soldat und geriet in Italien in franzosische 
Gefangenschaft. Er kam weit in der Welt umher und 
lieft sich dann, da er Deserteur war, unter dem Namen 
Friedrich Griinwald in Bregenz nieder, wo er 1816 
auch heiratete. Geigen scheint er nicht gebaut zu haben, 
wohl aber gute Gitarren und Zithern, von denen sich 
noch mehrere in Bregenz in Privatbesitz befinden. 
Auch soil er ein vorztiglicher Gitarrespieler gewesen 
sein. Eine Schlagzither aus dem Jahre 1834 und eine 
Gitarre von 1 835 besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museum in Koln. Vgl. den Katalog dieses Museums 
B. II, S.236. 

Zettel: Victorin DraBegg / Instrumentenmacher in 
Bregenz/ 1807 (gedruckt). 

Dreher, J. —Warschau. 1884. 1902 

Ein Geigenmacher, der vermutlich aus Deutschland 
nach Polen eingewandert ist und 1884 sein Geschaft in 
Warschau begrundet hat. 

Dreier, Carl. — Leipzig. Geb. 2. Mai 1857 in 
Markneukirchen 

Schiiler von M. Schmidt, arbeitete nach beendeter Lehr- 
zeit in Dresden, Beuel bei Bonn und Philadelphia und 
machte sich 1887 in Leipzig selbstandig. Er baut Gei- 
gen und Violoncelli nach Stradivari (aber auch schone 
Gitarren und Zithern) und wendet einen gelbbraunen 
Lack an. 

Geigenzettel : Carl Dreier in Leipzig, / Streichinstru- 
mentenmacher u. Reparateur (gedruckt). — Carl Dreier 
Leipzig (gedruckt). 



Dreier, Friedrich. — Grabow i. M. Geb. 1848 
in Neu-Brenz 

Er ist als Weichensteller bei der Eisenbahn angestellt 
und versuchte gelegentlich, nach einer Kindergeige ein 
spielbares Instrument zu bauen. Seitdem macht er 
Geigen in seinen Nebenstunden. Er arbeitet nach kei- 
nem bestimmten Modell und verwendet Spirituslack. 
Geigenzettel: Gebaut von / F. Dreier, Weichensteller / 
in Grabow i. M. (gedruckt). 

Dreier, Ole. — Kopenhagen. 1795. 1810 

Einer der besten danischen Geigenmacher. Sein Name 
findet sich auf der Aufienseite des Bodens in seinen 
Violinen eingebrannt. 

Dresler (Drefiler), Ernst Wilhelm. — Landes- 
hut. 1833. Geb. 13. Jan. 1799 in Schmiede- 
berg i. Riesengeb., \ ? 

Sohn des Hufschmieds Joh. Ehrenfried Drefiler, der 
ein tiichtiger Musiker gewesen sein soil. Ernst W. Dr. 
soil bei einem Instrumentenmacher im Riesengehirge 
gelernt haben und liefi sich urn 1833 in Landeshut 
nieder. Er ist aber bald wieder »unbekannt wohin« ver- 
zogen. Als Geigenmacher war er sehr unbedeutend. 
Geigenzettel : Ernst Dresler. / Instrumenten-Bauer / in 
Landeshut. Reyariert (sic), (gedruckt). 

Drexel, Georg. — Nordlingen. 1902 

Geigenzettel: Georg Drexel/ Instrumentenfabrikant / 
Nordlingen / gebaut 19 . . Renoviert 19 . . (gedruckt). 

Driel, Abraham von. — Hamburg. 1710 

Ein Instrumentenmacher, der am 14. Marz 1710 Burger 
wurde. Vermutlich war er Klaviermacher, doch soil er 
auch Zimbeln und Lauten gemacht haben. 

Drinda, Giacomo. — Pienza (?). 18. Jahrh. 

Vidal flihrt einen Geigenmacher dieses Namens auf 
und gibt als Wohnort »Pianzo« an. Vermutlich sollte es 
»Pienza« (Toskana, Provinz Siena) heifien, moghcher- 
weise aber auch Piazzo (ein Dorf in der Provinz Turin) 
oder ein anderer, ahnlich klingender Ort. 

Drogemeyer, Hermann August. — Bremen. 
Geb. 16. Marz 1849 in Bremen 
Ursprunglich Maschinentechniker, beschaftigte er sich 
fruhzeitig mit dem Studium des Geigenbaus und 
brachte es bald darin zu so grofier Fertigkeit, daB er 
sich 1883 in seiner Vaterstadt als Geigenmacher nieder- 
lassen konnte. Anfangs arbeitete er nach einem eigenen 
Modell, ging aber spater zu denen des Stradivari aus 
den Jahren 1696—1709 iiber und machte mehrfach 
groflere Reisen nach Belgien, Frankreich und England, 
um dort die Werke der groflen italienischen Meister zu 
studieren. Im Jahre 1903 zog er sich in das Privatleben 
zurtick. Seine Geigen werden sehr gelobt; in weiteren 
Kreisen ist er aufierdem durch sein bereits in dntter 
Auflage erschienenes Werk »Die Geige« bekannt ge- 
worden. 
Geigenzettel: Ahb. 176. 



Drouet-Koel — Diinkel 



112 

Drouet-Koel. — Valence 

Mittelmafiiger franzosischer Geigenmacher des 19Jahr 

hunderts. 

Geigenzettel : Raccomode par Drouet-Koel A Valence / 

departement de la Drome (gedruckt). 

Drouin, Charles. — Mirecourt. 1897. 1900 
Geigenfabrikant, Besitzer der Marke: »Chipot-Vuil- 
laume«. 

Drouin, Claude. — Nancy, f 24. Aug. 1637 
Bisher nur von A. Jacquot erwahnter Meister. 

Drouin, Etienne. — Mirecourt. 1878 

Sorgfaltig arbeitender Mirecourter Geigenmacher. 
Lehrer von Brugere. 

Droulot (Drouleau). — Paris. 1788. 1800 

Wahrscheinlich aus Mirecourt stammend. In Paris 
wohnte er Rue du Temple Nr. 35. Gewbhnliche, aber 
gute Arbeit, gelbbrauner Lack. Er war bekannt als Ver- 
fertiger des »Rhythmometers«. 

Drouyn, Dimanche. — Paris. Ende des 17. 
oder Anfang des 18. Jahrhunderts 
Jedenfalls zur Mirecourter Familie Drouin gehorig und 
ein naher Verwandter von Claude Drouin in Nancy. 
Er ist mir nur durch eine Taschengeige, die im South 
Kensington Museum ausgestellt war, bekannt gewor- 
den. 

Duarte 

Eine portugiesische Instrumentenmacherfamilie. An- 
tonio Duarte lebt in Porto, Ant. Duarte-Mendes in 
Figueira da Foz. Beide machen hauptsachlich Mando- 
linen und Gitarren. 

Dubois, B. — Paris. 1834 

Er war Kontrabassist der Oper und hat einige Instru- 
mente aus Liebhaberei gemacht. Er war vermuthch 
auch der Erfinder des »Violontenors«, einer Geige, 
deren Saiten eine Oktave tiefer gestimmt waren als die 
der Violine. 

Dubois, Pierre. — Mirecourt. 1748 

Er wird in den Urkunden als Maler und Geigenmacher 
bezeichnet. 

Dubreuil, E., war in Lisieux (Dep. Calvados) 

ansassig 
Dubrowin. — Swenigorod. 1881 

Einer der vielen, die russische Nationalinstrumente 

bauen. lm Jahre 1881 hatte er eine Gitarre in Moskau 

ausgestellt. 

Dubuisson. — -Rouen. 1708 

Sein Name kommt in den Zunftaktcn vor, Arbeiten von 
ihm kennt man aber nicht. 

Ducfell, John. — ? 

Eine Geige dieses sonst unbekannten Meisters weist 
der Selhofsche Atiktionskatalog (1759) auf. Der Name 



diirfte falsch gelesen sein und hiefi vielleicht sogar 
Durfell (Dorffel)? 

Duchene (Duchesne), Nicolas. — (Mirecourt? 

Paris?) 1742. 1772 

Er fiihrte die Hausmarke »A la ville de Cremone« und 
gibt oft Paris als Ursprungsort an. Sein Modell ist sehr 
schlank, die Wolbung flach, die Zargen hoch, die 
Schnecke sehr groB, die F-Locher langgestreckt und 
wenig geschweift; der Einschnitt in den F-Lochern fur 
den Stegpunkt ist sehr schief. Das Holz der Oberdecke 
ist stark und schon; die Jahre stehen gleichmaftig einen 
Millimeter voneinander ab. Der Lack ist dunkel gelb- 
braun, die Einlagen sind fein mit breitem Rand, der 
Ton weich und angenehm. Er fuhrte die Brandmarke: 
NICOLAUS DUCHESNE A PARIS. Eine Violine 
von ihm besitzt J. Hirschler in Unter-Ageri, eine 
andere C. Stoeber in Wurzburg. Ein zweiter Nicolas 
Duchene war Bogenmacher, von ihm weifi man nur, 
daft er im Jahre 1783 aus Mirecourt weggezogen ist. 

Duchene. — Paris. 1850 

War 1854 auf der Munchener Ausstellung gut ver- 
treten. 

Duchene, Jean-Baptiste-Colin. — Nancy. Geb. 
um 1815 in Nancy, f 25. Jan. 1889 
Ein Luthier, der eine gute Schule durchgemacht und 
mit seinen Geigen Erfolg gehabt hat. Er gebrauchte meist 
geschriebene Zettel und eine Brandmarke: »Cohn 
Duchene«. — Sein Enkel ist Ch. Resuche in Bordeaux. 

Ducheron, Matthieu (Mathurin). — Paris. 

1700. 1730 

Arbeiten von ihm kommen selten vor und sind ohne 

Kunstwert. 

Geigenzettel : Matthieu Ducheron a Paris / 1 71 1 (gedr.). 

— Mathurin Ducheron, a Paris, / 1714 (geschrieben). 

Duchesne s. Duchene 

Duclos, Nicolaus. — Barcelona. 1759. 1764 
Wahrscheinlich ein eingewanderter Franzose, wofur 
schon seine Arbeit spricht. Seine Geigen schliefien sich 
an italienische Vorbilder an ; er schnitzte hiibsche Kopf- 
chen (Lowen, Engel usw.) am Wirbelkasten und 
machte auch Mandolinen. Eine Nonnengeige von ihm 
besitzt das Konservatorium in Briissel (Nr. 427). Er 
soil 1766 noch in Madrid gearbeitet haben. 
Geigenzettel: Abb. 171. 

Ducoq. — 1838 

Mittelmafiiger Geigenmacher. 

Geigenzettel: Ducoq fecit / Herae 1838 (geschrieben). 

Diinkel, Bernhard. — Magdeburg. Geb. 
4. Juli 1833 zu Trochtelborn bei Erfurt 
Noch als Stabstrompeter iibernahm er im Jahre 1867 
F. Haases Instrumentenhandlung und fuhrte sie bis 
1888 fort. Er hatte auch eine Reparaturwerkstatt, hat 
aber schwerlich selbst Geigen gebaut. 



Dii. 



Dulfe 



113 



Diiren, Hermann. — Bonn. 1850 

Er gait als tiichtiger Reparateur, Arbeiten von ihm habe 
ich nicht kennen gelernt. 

Diiren, Wilhelm. — Koln, Bonn. 1870. f nach 
1891 

Sohn von Hermann D. Urn 1875 siedelte er nach Bonn 
iiber, wo er sich zuletzt hauptsachlich auf den Handel 
verlegte. Seine letzte Arbeit, eine sehr gute Violine aus 
dem Jahre 1891, besitzt sein Sohn. Sehr ungleich in 
seiner Arbeit. Er machte sehr viele neue Streichinstru- 
mente, von denen einzelne schon und gut sind, wahrend 
viele wieder geradezu hafilich genannt werden diirfen. 
Geigenzettel : Wilhelm Diiren /fecit, Bonn 1891 (gedr.) 

Diirr (Dier), Johann. — Wien. 1813 

Mitvorsteher der Wiener Lauten- und Geigenmacher- 
innung. In der Arbeit kommt er manchmal Dalinger 
nahe. Ein Anton Dier war 1826 Schatzmeister, doch ist 
es ungewifi, ob er der Familie Diirr oder Thir an- 
gehorte. 

Diirrschmidt, Wilhelm August. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1 1 . Marz 1863 

Wenn er auch einzelne Teile seiner Geigen wie fast alle 
Markneukirchener von anderen vorarbeiten lafit, so ge- 
hort er doch zu den geschickteren Meistern seines 
Wohnorts. Ein Diirrschmidt war auch in Warschau 
eine Zeitlang ansassig. 

Duff, William. — Dunkeld. Geb. 20. Juni 
1810, f 1882 in Pulney Cottage bei Dunkeld 
Er wurde 1839 Jager bei der schottischen Adelsfamilie 
Atholl und machte in seinen freien Stunden viele und 
recht gute Geigen nach dem Stainermodell. Emige 
Unterweisung mag er von Peter Hardie bekommen 
haben, mit dem er spater bekannt wurde. Seine Geigen 
sind oft sehr kunstvoll eingelegt und auch seine Bogen 
waren gut. 

Geigenzettel: Made by Wm. Duff, ' Pulney Cottage, / 
Dunkeld 1860(gedruckt). 

Dufour. — Mirecourt 

Von dieser Geigenmacherfamilie nennt A. Jacquot: 
AmableD. f 1747 
Charles D. 1751. 1757 
Claude- Francois D. 1768 
Felix-Charles D. f 20. Febr. 1781 
Francois D. 1748. 1781 
Jean-Baptiste D. 1784. 1789. 

Duguid. — Aberdeen. 1872 

Wenig hervortretender Geigenmacher. 

Duiffopruggar s. Tieffenbrucker 

Duke, Richard (Vater). — London. 1 750. 1 780 
Einer der besten englischen Geigenmacher, der auch 
ein eigenes Modell, das an das Stainersche anklingt, 
verwendete. Die Wolbung ist hoch, das Patron langlich, 
Holz und Arbeit sehr sorgfaltig und der Ton weich und 
ansprechend. Weniger gegliickt erscheint sein gelber 
v. Lutgendorff, Geig-en- und Lauten macher. Bd. II 



Lack, der manchmal uber einer Art Walnufibeize auf- 
getragen ist. Bei den grofieren Violen ersetzt er gem in 
der Breite, was er an Lange verkiirzt. Auch als Kopist 
hat er sich mehrfach mit Erfolg versucht. Seine Kopien 
nach Stradivari und Amati sind recht gut, weniger ge- 
nau dagegen die nach Stainer, zu denen ihm wahr- 
scheinlich kein Original vorgelegen hat. Echte Geigen 
von ihm sind selten zu haben, doch wurde er leider von 
Stiimpern haufig nachgeahmt und seine Zettel ge- 
falscht, so da8 Instrumente, die seinen Namen tragen, 
erst eingehend auf ihre Echtheit hin gepriift werden 
miissen. Aufier seinen bald geschriebenen, bald ge- 
druckten Zetteln gebrauchte er auch einen Brandstem- 
pel mit seinem Namen, dem manchmal noch »London« 
hinzugefiigt wurde. Wenn Vidal die Arbeit Richard 
Dukes kurzweg als »lutherie inferieure« bezeichnet, so 
konnen ihm nur Geigen von der Hand des jiingeren 
Duke oder die gewohnlichen Falschungen vorgelegen 
haben. Denn R. Duke ist so eifrig nachgeahmt und ge- 
falscht worden, daft man Gliick haben muB, wenn man 
eine echte Arbeit von ihm ausfindig machen will. 
Geigenzettel : Rich d Duke. Londini fecit 1 767 (geschr.). 
— Richard Duke / Maker / Holborn London Anno 1 777 
(seschrieben). — Richard Duke maker , near opposite , 
Great Turn-Stile / Holboum-London (gedruckt). 

Duke, Richard (Sohn). — London. Anfang 
des 19. Jahrhunderts 

Seiner Arbeit nach zweifellos ein Schuler seines Vaters. 
Er verwendete auch den gleichen Brandstempel, hat 
aber den Namen Duke sehr in Mifikredit gebracht, 
denn er hatte wenig Talent und kam schliefilich so 
herunter, dafi er mit seinen roh gearbeiteten Geigen 
als Hausierer sein Leben fristen mufite. Ein William 
Duke soil gleichfalls Geigenmacher gewesen sein. 

Dulac (Du Lac), Andre. — Viviers. 18. Jahrh. 
Man kennt nur wenige Arbeiten von ihm, einige Gei- 
gen, die etwas an Guersan erinnern. Da er jedoch sorg- 
los in der Wahl des Holzes war und emen schlechten, 
dunklen Lack gebrauchte, sind seine Werke sehr un- 
ansehnlich. Der Ton ist laut, aber nicht edel. 
Geigenzettel : Andreas Dulac, Vivarais (gedruckt). 

Dulcken, Jean. — Briissel. 1750. f vor 1763 
Die Lauten, die mit seinem Namen vorkommen, sind 
wohl in seiner Werkstatt gemacht, aber schwerlich 
Werke seiner Hand, da er »facteur de Clavecins« war. 
Daft er aber alle Sorten von Saitemnstrumenten fertigen 
lie6, das beweist u. a. das Schreiben seiner Witwe (von 
1763), in dem es heifit: »Nous avons eu de tout terns 
et nous y avons encore des ouvriers en toutes sortes 
d'instruments.« 

Dulfenn, Alexander. — Livorno. 1689. 1700 
Zwei Geigen, die seinen Zettel enthalten, sehen nicht 
italienisch aus, sind unkiinstlerisch durchgefiihrt und 
lassen eher auf einen Dilettanten als einen Geigen- 
macher schliefien. Auch der Zettel erregt Bedenken_ 
Bei Bangel in Frankfurt a. M. wurde Ende Januar 1909 
eine Geige von Dulfenn vom Jahre 1689 versteigert. 
Geigenzettel : Allexanter Dulfenn fecit , in Livorno 17.. 
(gedruckt). 



114 



Dumenil — Dvofak 



Dumenil (Dumesnil?), N. —Paris? 1786 
Wie Brunis Inventaire (herausgegeben von Gallay), 
S. 159 berichtet, wurde wahrend der Schreckensherr- 
schaft dem Marschall d'Ecquevilly eine Violine von 
N. Dumenil konfisziert. Diesen sonst nicht bekannten 
Geigenbauer mit Jacques Du Mesnil zu identifizieren, 
verbietet schon, abgesehen von dem Vornamen, die 
angegebene Jahreszahl. 

Du Mesnil, Jacques. — Paris. 1655. 1662 
Das beste Werk, das man von ihm kennt, ist die hiib- 
sche, mit Elfenbein und Silber eingelegte Tanzmeister- 
geige, die das Pariser Konservatorium bewahrt. Die 
F-Locher zeigen den Stil Amatis, das Holz ist sehr 
schon und der rothraune Lack vortrefflich. Am Wirbel- 
kasten ist ein Frauenkopfchen angebracht. Eine 
Taschengeige von 1662 ist in der Sammlung Savoye 
in Paris. 
Geigenzettel : Abb. 174. 

Duncan, George. — Glasgow. Geb. 17. Jan. 
1855 in Kingston-on-Spey 

Er war zuerst TiscMer und eroffnete 1875 in Glasgow 
seine Werkstatt als Geigenmacher. Er arbeitete nach 
verschiedenen Modellen und verwandte einen guten 
Ollack. Seine Geigen sind sehr gut und tadellos ge- 
macht. 1885 erhielt er auf der Inventions Exhibition 
in London eine goldene Medaille; eine silberne, die er 
1886 in Edinburgh zuerkannt erhielt, wies er zuriick. 
1892 wanderte er nach Amerika aus. 
Geigenzettel: N° 31 / Made by / George Duncan. / 
Glasgow, 1883(gedruckt). 

Duncan, Robert. —Aberdeen. 1740. 1762 
Er soil urspriinglich Tischler und Holzschnitzer ge- 
wesen sein, weshalb auch die Schnecken und die Bei- 
werke an seinen Geigen leidlich gut aussehen; Arbeit, 
Holz, Lack und Ton sind sehr gewohnlich, sein Modell 
ist hochgewolbt und geht auf Stainer zuriick. 
Geigenzettel: Abb. 179. 



Duparge, Nicolas-Remi. — Mirecourt. 
1768 

Bisher nur dem Namen nach bekannt. 



1767. 



Dupont, Francois. — Mirecourt. 1761. 
t 18. Febr. 1780 

Er war Geigen- und Bogenmacher. Auch ein Charles- 
Felix D. kommt gleichzeitig vor. 

Durand, Francois. — Mirecourt. 1751. 1753 
Bis jetzt das alteste bekannte Mitglied der Familie, zu 
der wohl auch jener Pierre D. gehort haben diirfte, 
dessen Name gewohnlich Duvand gelesen wird. 

Durand. — Marseille. 1868. 1870 

Seiner Arbeit nach gehort er der Mirecourter Schule 
an. Seine wenigen Geigen sind sehr sauber durch- 
gefiihrt und klingen gut. Er war nur kurze Zeit in 
Marseille ansassig und scheint jung gestorben zu sein. 



Durand, Victor, genannt Bazil. — Mirecourt. 
Mitte des 19. Jahrhunderts 
Vielleicht der Vater des Marseiller Meisters oder 
identisch mit diesem. Ein Durand hatte in Rouen, 
4 place St. Eloi seine Werkstatt. 

Du Riez, Nicolas. — Abbeville. 1663 

[Man kennt ihn bisher nur nach einer Bafiviola aus 
der Sammlung Snoeck (Nr. 986), die sich in Berlin 
befindet. 

Geigenzettel : Nicolas Du Riez a Abbeville 1 663 (gcdr.). 

Duval, Germain. — Rouen. 1708. t 23. Marz 
1733 

Er wird als »Faiseur d'instruments de musique« be- 
zeichnet und wohnte in der Rue St. Laurent (Pfarrei 
St. Lo). 1m Jahre 1708 wurde er von der Zunft ver- 
klagt, dafi er, ohne einen Meisterbrief zu besitzen, in 
seinem Laden Musikinstrumente feilhielt. 

Duvrard s. Ouvrard 

Duwar (Duwaer), Hermanus Gerardus. — 
Utrecht. Geb. lO.Juni 1842 in Utrecht, 
t 10. Nov. 1909 

Sohn des Klaviermachers Pieter D. und der Maria 
Kukenbomer, Schiiler von Hampe, bei dem er seit 
seinem zwolften Jahre fiinf Jahre lang gelernt hat. 
Spater zwangen ihn besondere Umstande, sich einem 
anderen Wirkungskreis anzuschlieGen, und erst im 
reifen Mannesalter konnte er (im Jahre 1878) zu seinem 
ersten Berufe zuriickkehren. Bei Hampe war er eigent- 
lich nur zum Reparateur ausgebildet worden. Durch 
einen Zufall entdeckte er prachtvolles altes Geigenholz, 
was ihn veranlafke, seine ersten eigenen Geigen zu 
machen. Da er die alten Meister eingehend studiert 
hatte, gelangen schon seine ersten Versuche gut, und er 
gait als tiichtiger Geigenmacher. Er ahmte das Stradi- 
varimodell nach und verwendete selbstbereiteten Spi- 
rituslack. 

Geigenzettel: Hermanus Gerardus Duwaer / 1895 / 
Utrecht / (geschrieben). 

Dvoiak, Jaroslav Anton. — Prag, Geb. 19. April 
1861 in Prag-Neustadt 

Nachdem er zuerst das Gymnasium besucht hatte, 
wurde er Schiiler seines Vaters J. B. Dv., bei dem er, 
von einigen Reisen abgesehen, iiber 10 Jahre tatig 
war. Am 4. Mai 1885 eroffnete er seine eigene Werk- 
statt, und es gelang ihm bald, Anerkennung zu finden. 
Er baut nach Stradivari und Guarneri, ist ein ge- 
schickter Reparateur und besitzt bereits verschiedene 
Staatsmedaillen und andere Auszeichnungen. Er ar- 
beitet sauber und verwendet das beste Holz. Auch bei 
seinen Fachgenossen steht er in Ansehen und wurde 
1895 in den Vorstand der Prager Musikinstrumenten- 
macher-Genossenschaft gewahlt. 

Geigenzettel: Jaroslav Dvorak / fecit Pragae 1899 (ge- 
druckt). 



Dvofak — Eberle 



115 



Dvorak (Dworak), Johann Baptist. — Prag. 
Geb. 10. Aug. 1825 in Unhost, f 28. Sept. 
1890 in Prag 

Schiiler von Joh. Kulik, bei dem er 1844 ausgelernt 
hatte. Er ging dann nach Pest zu J. B. Schweitzer, 
dann zu A. Hoffmann nach Wien, zuriick nach Pest 
zu Ferd. Patzelt und zuletzt zu Ignaz Sandner in Prag, 
dessen Werkstatt in der Husova tnda (Husgasse)Nr.230 
er spater iibernahm. Er verheiratete sich mit Maria 
Klima; von seinen drei Sohnen sind zwei Geigen- 
macher geworden. Er kommt in mancher Beziehung 
seinem Lehrer Kulik nahe, seine Arbeit ist gut. Er 
hatte Stradivari und Guarneri nachgeahmt, doch er- 
zielte er wie Kulik meist nur einen harten, scharfen 
Ton. Besser sind seine Violoncelli. Besondere Sorgfalt 
verwendete er auf den Lack, der sich bis jetzt recht 
gut bewahrt hat, aber etwas grell in der Farbe ist. 
Aufier Geigen baute er auch Gitarren usw. Seinen 
Namen, der nach der neueren bohmischen Recht- 
schreibung jetzt Dvorak geschrieben wird, schrieb er 
gewohnlich Dworak. 

Geigenzettel : Joh. Bapt. Dworak / Geigen- und Gui- 
tarrenmacher, Prag / 230/1 (gedruckt) und Abb. 162. 

Dvorak, Karl Boromaus. — ■ Prag. Geb. 26. Okt. 
1856 in Prag-Neustadt, f 28. Juni 1909 in 
Konigssaal bei Prag 

Schiiler seines Vaters Joh. B. Dv., bei dem er von 
1872 — 1876 in der Lehre war. Urn sich weiter auszu- 
bilden, ging er zunachst zu Thorn. Zach und Dav. 
Bittner nach Wien, zu Sutterlin nach Strafiburg, von 
da nach Paris zu Hip. Chretien-Silvestre und zuletzt 
zu Gand & Bernardel. Trefflich geschult kehrte er ins 
Vaterhaus zuriick, wo er den Vater in dessen lang- 
wieriger Krankheit vertreten mufite. Hierauf eroffnete 
er seine eigene Werkstatt und baute gute Geigen nach 
Stradivari und Guarneri. Gleichzeitig war er ein eif riger 
Sammler alter Instrumente, die er mit Gliick auf 
seinen grofieren Reisen zu entdecken wufite. Seine 
Arbeit erinnert an die moderne franzosische Schule, 
er erfreute sich eines wohlbegriindeten Rufes und war 
im Besitze vieler Medaillen und Auszeichnungen. 
Geigenzettel: Abb. 152. 

Dykes, Geo L. — Leeds. Geb. 1 1 . Okt. 1884 
in Leeds 

Mit zwolfeinhalb Jahren trat er in die Lehre bei seinem 
Vater und ging dann zu Paul Bailly. Er hat Viohnen 
gemacht, die in alien Einzelheiten seine eigene Arbeit 
zeigen. Er baut nach Stradivari, Guarneri und Amati, 
und zwar mit solchem Erfolg, dafi schon im Marz 1901 
Meredith-Morris seine Biographie mit Bild in »The 
Strad« veroffentlichte. Dafi er auch im iibrigen eine 
gute Ausbildung genossen hat und Deutsch und Fran- 
zosisch mit bemerkenswerter Sicherheit spricht, sei 
nebenbei erwahnt. 

Geigenzettel: Made by / George L. Dykes, / Leeds, 
pupil of Paul Bailly, / (pupil of Jean Baptiste Vuil- 
laume, of Paris) / No. 14 (gedruckt). 



Leeds, 28 Queens Arcade. 



Dykes, Harry. 
1883. 1900 

Er besitzt eine Geigenmacherwerkstatt und ist ein bc- 
dcutender englischer Handler mit alten Geigen. Er 
ist auch Vertreter mehrerer franzosischer und ita- 
lienischer Geigenmacher der Gegenwart fur England. 



Eastburn, W. — Halifax. 1902 

Er wird als Geigenmacher und Saitenhandler be- 
zeichnet. 

Ebar s. Ebert 

Ebentheur, Franz Sales. — Knegshaber bei 
Augsburg. 18. Jahrhundert 

Seinen mit musikalischen Emblemen umrahmten Zettel 
veroffentlichte Paul de Wit. Das Augsburger Stadt- 
archiv enthalt keinerlei auf diesen Meister beziiglichen 
Vermerk. 

Geigenzettel: Sales Ebentheur / Instrumentenmacher / 
in Kriegshaber / bey Augsburg (gedruckt). 

Eberl (Eberle), Benedikt. — Budapest. 1 820. 
1827 

Wenig bekannter, aber geschickter Geigenmacher, der 
der Vorliebe der ungarischen Geiger seiner Zeit fur die 
Brescianer Modelle entsprechend fast nur Nachahmun- 
gen nach Maggini gebaut hat. Seine Geigen sind 
doppelt eingelegt, der Lack sehr geschickt imitiert, 
Arbeit und Holz vorziiglich. Seine Geigen haben 
immer unechte Maggini- Zettel, versteckt im Inneren 
aber liest man: »Benedikt Eberl, Pesth« und die 
Jahreszahl. 

Eberl, Christoph. — Prag. 1780. 1784 

Mir ist zwar eine Geige dritten Ranges mit dem unten- 
stehenden gedruckten Zettel vorgekommen, ein Chri- 
stoph Eberl ist jedoch als Geigenmacher in Prag nicht 
nachzuweisen. Es wird wohl ein Schonbacher Meister 
gewesen sein, der, wie viele Neukirchner, seine Ar- 
beiten von Prag aus datierte. 

Geigenzettel : Abb. 1 88. 

Eberl. — Schonbach b. E. 

Eine egerlandische Familie, von der mehrere Mit- 
glieder in der Geigenindustrie ihrer Heimat tatig waren 
und noch sind. Jetzt sind dies ein Johann und ein 
Rudolf Eberl. 

Eberle, Eugen. — Rotterdam 

Geb. 7. Marz 1885 in Rotterdam als Sohn des be- 
riihmten Violoncellisten Oskar E., Schiiler von 
K. Ferenczy-Tomasowsky, bei dem er von 1896 — 1902 
blieb. Er arbeitete als Gehilfe bei Karel van der Meer, 
dann zwei Jahre lang bei O. Mockel und machte sich 
1904 in seiner Vaterstadt selbstandig. Seine Arbeit ist 
sehr sorgfaltig, er fiihrt alle Teile seiner Geigen ohne 
fremde Mitarbeit aus und wird sehr gelobt. Auf der 



116 



Eberle 



Rotterdamer Internationalen Musikfachausstellung er- 
hielt cr fur ein Quartett usw. eine goldene Medaille 
und wurde 1909 in Mailand ebenso ausgezeichnet. 
Geigenzettel : Eugene Eberle, / Vioolmaker. / Fecit 
Rotterdam — Anno 19 (geschrieben). 

(Eberle, Johann Anton. — Mannheim) 

Da er bis 1780 »Hofinstrumentenmacher« war, geriet 
er in die Geigenliteratur, obwohl er keine Musik- 
instrumente machte, sondern Messer, und spater als 
Munzwardein in Frankfurt a. M. starb. Er war viel- 
leicht ein Verwandter des 1771 im Mannheimer Hof- 
orchester vorkommenden Hoboisten Franz Eberhard 
Eberle, stand aber mit dem Prager Meister schwerhch 
in Beziehung. 

Eberle (Eberll), Johannes Udalricus. — Prag. 
Geb. 2. Juli 1699 in Vils, + 2. Juli 1768 

Sohn des Sebastian Eberle und der Ursula geb. Schon- 
ger. Er hat den Geigenbau jedenfalls in seiner Heimat 
erlernt und kam als Gehilfe nach Prag zu Thomas Ed- 
linger, doch war er kein Verwandter dieses Meisters. 
Er machte sich dann dort selbstandig und erwarb am 
20. Februar 1 726 das Prager Burgerrecht. Auf manchem 
Zettel schreibt er den Namen Eberll; auch Ebberll 
soil vorkommen. Am 4. Mai 1727 heiratete er Klara 
Jordin, von der er fiinf Sohne und vier Tochter be- 
kam. Er hatte seine Werkstatte in der Altstadt, zuletzt 
in seinem eigenen Hause, das er 1736 erwarb, in der 
Konviktska ulice (Konviktsgasse) Nr. 296, das noch 
heute »u Eberlu« genannt wird. In seiner Arbeit verrat 
er, daB er bei Edlinger eine gute Schule durchgemacht 
hat. Seine Violinen und Violoncelli sind nach Stainer 
gebaut, tadellos in der Form, prachtig im Holz und in 
der Ausfiihrung. Sein Lack ist von sehr schoner roter 
Farbe und anscheinend auf gelbem Grunde aufge- 
tragen. Die Einlage ist gut und breit, der Ton jedoch 
nicht ganz so groB, als man eigentlich erwarten konnte. 
Sehr schon ist auch die auBere Ausstattung seiner 
Geigen, die Schnitzerei am Hals und am Wirbelkasten. 
Am haufigsten kommen Violen, besonders Viola 
d'amore von ihm vor 1 ). Er ist der erste charakteristi- 
sche Vertreter der Prager Schule. Mehrere schone 
Arbeiten von ihm befinden sich im Musikhistorischen 
Museum von W. Heyer in Koln, darunter eine prach- 
tige fiinfsaitige Viola (Quinton) von 1749 und zwei 
Liebesgeigen von 1743 und 1755. Eine Violine von 
1746 besitzt Alb. Berr in Bohmischbruck. Eine altere, 
schon aus dem Jahre 1731 stammende Viola d'amore 
von ihm und eine von 1749 besitzt das Stift Ossegg. 
Eine groBe Viola d'amore (sog. engl. Violet) von 1739 
mit prachtvoll geschweiften Korpusumrissen, braun- 
rotem Lack und hubschem Engelskopfchen am Wirbel- 
kasten befindet sich in der Sammlung Fritz Wild- 
hagen in Halensee bei Berlin. Auf dem Chor der 
Braunauer Stiftskirche befindet sich eine Bratsche von 
ihm aus dem Jahre 1 739. Eine Geige aus seinem letzten 
Lebensjahre (1768) besitzt das Bened. -Stift St. Mar- 



gareth bei Prag. In der furstl. Lobkcwitzschen Samm- 
lung auf Raudnitz sind zwei Violinen von 1739 und 
1753 und eine von 1760. Ferner befinden sich eine 
Viola d'amore im Prager Nationaltheater, eine Viola 
von 1745 in der St. Katharinenkirche in Welwarn und 
eine von 1759 im PrageV Konservatorium, Geigen von 
1749, 1758, 1763, 1767 und 1768 in der Strahower 
Kirche, je eine in der Prager Kreuzherrenkirche, in der 
Kirche zu Nepomuk, in der Thomaskirche in Prag 
und in der Kirche zu Neveklov, ein Violoncello bei 
St. Nikolaus in Prag, ein KontrabaB von 1753 auf dem 
Komotauer Kirchenchor. 

Geigenzettel : Joann. Udalricus Eberll / fecit Pragae 
1 743 (gedruckt). — Joannes Udalricus Eberle / Lauten- 
und Geigenmacher in Prag / A 1752 (gedruckt.) — 
Abb. 184 und 191. 

Eberle, Karl. — Innsbruck. 1829 

Vielleicht ein Sohn von Magnus Benedict E. 1 ). — Ich 
kenne nur Reparaturen von ihm, und auch Dr. Fr.Wald- 
ner konnte nichts uber ihn und seine (wahrscheinlich 
nur voriibergehende) Tatigkeit in Innsbruck ermitteln. 

Eberle, Magnus Benedict. — Wiener-Neu- 
stadt, Raab. 1803. 1835 

Er diirfte aus Vils stammen und laBt sich in Wiener- 
Neustadt von 1803 an nachweisen. Er war mit Anna 
Valentin verheiratet und wurde 1813 Viertelmeister, 
weshalb er seine Geigenmacherei wieder aufgab. Einer 
Geige nach zu urteilen, die aus Raab 1820 datiert ist, 
hielt er sich voriibergehend in Ungarn auf. Wenn er 
sein Geschaft auch aufgegeben hatte, so machte er 
doch nachtraglich noch Geigen. Er hatte als Geigen- 
macher einen guten Ruf, und bis vor kurzer Zeit be- 
fanden sich noch eine Violine und ein Violoncello von 
ihm auf dem Chore der Neuklosterkirche in Wiener- 
Neustadt. Seine Arbeit erinnert an die Wiener Schule, 
ist jedoch weniger sorgfaltig; auch der schwarzrote 
Lack sieht nicht schon aus. Am wenigsten gelangen 
ihm Violoncelli. 

Geigenzettel: Magnus Eberle fecit / Raabae 1820 (ge- 
druckt) und Abb. 198 2 ). 

Eberle (nicht Eberti), Tomaso. — Neapel. 
1760. 1792 

Der Name laBt auf deutsche Abstammung schlieBen. 
DaB er aber »sans doute« ein Verwandter Joh. Ulr. 
Eberles gewesen sei, wie Grillet behauptet, ist um so 
mehr zu bezweifeln, als er seinen Namen auch »Tho- 
mas Heberl« schreibt und daher ebenscgut mit der 
vogtlandischen Familie Heberlein in Verbindung ge- 
bracht werden konnte. Um seine geschriebenen Zettel 
klebt er die gleiche Einfassung, die viele Mittenwalder 
haben. Eher glaube ich, daB er zu Heinrich Ebert oder 
Eberl in Venedig in Beziehung steht. Seine Geigen 
sind denen der Gagliano so ahnlich, daB man ihn wohl 
mit gutem Grund fur einen Gaglianoschulcr halten 
darf. Eberle macht aber die F-Locher, die sich bei ihm 



1 ) Einer der bedeutendstcn Virtuosen auf der Viola *) DaB dieser einen am 6. Qezember 1807 geborenen 

d'amore, der Komponist Johann Joseph Eberle (geb. um Sohn Karl Boromaus hatte, steht urkundlich fest, 

1735, f in Prag 1772), war kein Verwandter unseres 2 ) Aus dem musikhistorischen Museum des Herrn 

Geigenbauers. Fr. Nicolas Manskopf in Frankfurt a. M. 



Eberle — Ebner 



117 



oft denen Amatis nahern, zierlicher und unterscheidet 
sich auch in seinen Schnecken von denen der Gaghani. 
Er verarbeitete sehr schones Holz, verwendete rot- 
braunen und braungelben Lack und fiihrte alle Teile 
sehr sauber durch. Seine Geigen kommen verhaltnis- 
mafiig selten vor, was darauf zuruckzufiihren ist, daB 
die meisten jetzt unter dem gangbareren Namen des 
Nicolaus Gagliano in den Handel gekommen sind. Er 
verwendete haufig geschriebene Zettel und hat in der 
Regel quer iiber den oberen Klotz einen zweiten kleinen 
Zettel mit den Worten: »Gesu e Maria« eingeklebt. 
Eine jedenfalls von ihm gebaute Viola d'amore, mit dem 
Namen »Heberle«, befindet sich in der Sammlung 
Valdrighi. Etwa zwolf Geigen von ihm besitzt Eugen 
Gartner in Stuttgart. 

Geigenzettel : Thomas Heberl / Fecit Neap. 1780 (ge- 
schrieben) und Abb. 189. 

Eberle, Wenzel Michael Jos. Vincenz. — Prag. 
Geb. 14. Okt. 1738, lebtenoch 1770 

Vierter Sohn 1 ) und jedenfalls auch Schiller von Joh. 
Udalricus E., dessen Nachfolger er dann wurde und 
der ihm alles Werkzeug und Geigenholz vermachte, 
sogar den freien NieBbrauch des Hauses, solange er 
ledigen Standes bleibe. Der junge Eberle scheint dem- 
nach eine Wahl gctroffen zu haben, die der Vater nicht 
billigte. Der Sohn hielt den Ruhm der vaterlichen 
Werkstatt nicht auf der gleichen Hohe, obwohl seine 
Arbeiten immer noch em tiichtiges Konnen verraten. 
In seiner ersten Zeit hat er zweifellos die von seinem 
Vater noch vorgearbeiteten Geigen fertiggemacht und 
mit dessen Zetteln versehen. Vielleicht hat er an dieser 
Gewohnheit allzu lange festgehalten, auch wenn die 
Geigen ganz allein seine Arbeit waren, wodurch es sich 
am besten erklaren lieBe, daB Arbeiten mit seinem 
Zettel so selten vorkommen. 

Eberspacher, Bartolommeo. — Florenz. 1 7. Jahr- 
hundert 

Lautenmacher deutschen Ursprungs. Eine Theorbe 
von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln. 

Geigenzettel: Bartolomeo Eberfpacher In Fiorenza 
(gedruckt). 

Ebert (Eberl?), Heinrich. — Venedig. 1655 

Sehr tiichtiger Lautenmacher des 17. Jahrhunderts, 
von dem die Sammlung Scheurleer eine hiibsche The- 
orbe aufweist. Wie Tiefenbrucker seinen Namen 
italianisierte, so hat dies augenscheinlich auch Ebert 
getan. Herr Franciohni besitzt eine reich eingelegte 
Mandoline in der Form eines kleinen Rebeks mit der 
Inschrift: »Enrico Ebar fecit anno Domini 1655*. Wenn 
das Datum richtig ist — was glaubwiirdig scheint — 
und das Instrument keine spateren Veranderungen er- 
litten hat, hatten wir damit eine der altesten Mando- 
linen vor uns. In der Ausstellung der hollandischen 



x ) Seine Briider scheinen jung gestorben zu sein oder 
sich anderen Berufen zugewendet zu haben. J. Udalricus 
Eberle hatte fiinf Sohne: Joseph Elias, geb. 1728; Se- 
bastian Valentin, geb. 1733; Martin Michael, geb. 1736; 
Wenzel Michael, geb. 1738; Udalricus Franz, geb, 1741. 



Gesellschaft »Pulchn Studio« 1893 war eine von ihm 
gebaute und von J. C. Hoffmann reparierte Theorbe. 
Auch P. de Wit erwarb 1885 eine Theorbe von schwar- 
zem Palisanderholz mit Elfenbeinrippen von unge- 
wohnlicher GroBe mit der Inschrift: ^Heinrich ebert 
In Venetia«. Diese Theorbe zeichnet sich auch durch 
drei prachtige gotische Rosetten (»Dachsterne«) aus. 
Eine sechssaitige Viola d'amore von ihm besitzt auch 
die Sammlung Correr in Venedig. In dieser liest man 
den Namen »Heinrich Ebart«. 

Eberti s. Eberle 

Ebner, Andreas. — Miinchen. Geb. 1852 in 
Miinchen, f 24. Januar 1919 
Er wurde bei seinem Vater, der sich als Trodler schon 
seit 1850 mit dem Verkauf alter Musikinstrumente be- 
schaftigte, friihzeitig mit dem Geigenbau vertraut und 
verlegte sich, als er das vaterliche Geschaft iibernahm, 
ganz auf den Handel mit alten Streichinstrumenten, 
Zithern usw.; und verfertigte auch Streichinstrumente 
nach eigenen Modellen. Sein Sohn Albert Benno E., 
der ge'ernter Musikinstrumentenmacher ist, und seine 
musikalische Ausbildung am Konservatorium abge- 
schlossen hat, ist sein Nachfolger. 

Ebner, Georg. — Regensburg. 1723 

Wahrscheinlich ein Bruder von Gotthard Ebner in 
Hallein und Lehrmeister des bekannteren Gotthard 
Ebner in Regensburg. Er wird ausdrucklich als Geigen- 
macher bezeichnet. 

Ebner, Gotthard. — Hallein. 1723 

Die Ebner waren Bauern in der Au bei Hallein und 
haben wohl nur im Winter Geigen gemacht. Nur Gott- 
hard E. scheint sich in jungen Jahren in guten Werk- 
statten umgesehen zu haben und war vielleicht der 
Vater des gleichnamigen Regensburger Meisters. Er 
baute fast ausschlieBlich nach dem breiten Stainer- 
modell und lieB manchmal die Einlage fehlen. Sein 
Lack ist feurig, dick aufgetragen und kommt Stainer 
sehr nahe; auch im Ton sind seine Instrumente gut. 

Ebner, Gotthard. — Regensburg. 1724. 
f4. Mai 1760 

Er war Geigenmacher und Musiker. Sein Modell er- 
innert in gleicher Weise an Stainer wie an Amati; 
an den letzteren namentlich in bezug auf die Schnecke 
und die F-Locher. Er hatte einen gewohnlichen brau- 
nen oder gelbroten Lack und nahm ziemlich hohe 
Wolbung, die Einlagen ersetzte er oft durch gezeichnete 
Linien. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1749 
besitzt der Fiissener Kirchenchor. 
Geigenzettel: Gotthard Ebner Lauten- und Geigen- ,' 
macher Music, fecit Ratisbonae , 1 724 (gedruckt). 

Ebner, Otto.— Augsburg. Geb. 10. Dez. 1883 
in Breitenfeld i. Vogtland 

Schiller von Aug. Wilh. Ficker in Markneukirchen. Als 
Gehilfe arbeitete er bei Albin Oscar Zimmer, dann bei 
F. C. Louis in Saarbriicken und kam 1903 zu G. Pie- 
gendorfer nach Augsburg, nach dessen Tod er die 
Werkstatt leitete, die er dann am 1. Oktober 1906 



Ecchio 



Edler 



kauflich erwarb. Im September 1907 legte er die 
Meisterpriifung ab und bewahrte sich seitdem als 
wiirdiger Nachfolger seines trefflichen Vorgangers. Er 
befaftt sich hauptsaclilich mit dem Neubau von Streich- 
instrumenten nach Stradivari und verwendet einen 
guten OllacL 

Geigenzettel: Otto Ebner / Gg. Piegendorfer / fecit 
Augsburg 1912 (gedruckt). Dan eben Emblem mit der 
Augsburger Stadtmarke und den Buchstaben 0. E. 
und G. P. darunter. 

Ecchio, Giovanni. — Rom. 1610 

Sohn des »Giorgio«. Vermutlich ein Flamlander, der 
im Anfang des 17. Jahrhunderts in Rom ansassig war 
und wohl van Eecke, Hecke oder van Eycke hiefi. 
Seine Heimat wird einmal als »Diocesi di Augusta« 
(Augsburg), das zweitemal aber als Anversa (Ant- 
werpen) angegeben. Dieser Giovanni Ecchio diirfte mit 
Giov. Hec identisch sein. 

Echinger, Karl. — Munchen. 1861 

Vielleicht ein Sohn des Wurzburger Geigenmachers. 
Seine Gitarren und Zithern sind besser als seine Geigen, 
wenn diese auch nicht gerade schlecht sind. 

Echinger. — Wiirzburg. 1840 

MittelmaBiger Geigenmacher aus der ersten Halfte des 
19. Jahrhunderts. 

Eckart (Eckert), Heinrich. — Mannheim. Geb. 
in Mannheim 15. Juni 1811, f nach 1 878 
Er war von Hause aus Geiger und als Hofmusiker 
in Mannheim angestellt, wo er sich schlieGlich auch 
mitdemGeigenbau beschaftigte. AlsReparateurscheint 
er viel Zulauf gehabt zu haben, obwohl seine Arbeit 
nur als dilettantisch bezeichnet werden kann. Seine 
Werkstatt uhemahm 1879 H. Kefiler. 

Geigenzettel : Reparirt von Heinrich Eckart / in Mann- 
heim (gedruckt). 

Ecklid, A. 0. — Drontheim (Norwegen). 1880. 
1890 

Seine Hardangcrgeigen sind besser als seine Violinen, 
obwohl er sauber arbeitet und auf der Internationalen 
Ausstellung in Liverpool 1886 eine bronzene Medaille 
erhielt. 

Edel, Gustav. — Saulgau (Wiirttemberg) 

Ein Liebhaber, der als leidenschaftlicher Geiger, nach- 
dem er sich zur Ruhe gesetzt hatte, anfing, selbst 
Geigen zu bauen. Er erwarb sich durch groBen FleiB 
und sorgfaltiges Studium eine ungewohnhche Hand- 
geschicklichkeit. Besondere Sorgfalt verwendet er auf die 
Zusammensetzung des Lackes, wobei lhm sein fruherer 
Beruf als Apotheker sehr zustatten kommt. 

Eder, Hannes. — Hallein. 1667 

Der alteste bis jetzt bekannte Geigenmacher seines 
Wohnorts. Er zeichnet sich durch gute Arbeit, die 



unter dem EinfiuB der Stainerschen Richtung steht, 
aus. Eine Geige von ihm besitzt das Chorherrenstift 
Neustift bei Brixen in Tirol. 

Geigenzettel : Hannes Eder Geigen- / macher in Hallein , 
1667 (geschrieben). 

Eder & Gaguin. — Rouen. 1835. 1837 

Eine Geigenmacherfirma, die zwar nichts Hervor- 
ragendes hinterlassen hat, aber doch kiinstlerischen 
Zielen zustrebte. Guillaume Lebreton arbeitete eine 
Zeitlang mit ihnen zusammen. 

Edholm, Sv. — Westingby (Schweden). 1834 
Eine schwedische Geige tragt seinen geschriebenen Re- 
paraturzettel. 

Geigenzettel : Reparerad af Sv. / Edholm uti / Wessting- 
by ar 1834 (geschrieben). 

Edler, F. Ch. (I). — Frankfurt a. M. Geb. 
1820, t 1871 

Grunder der bekannten Firma in Frankfurt a. M. Er 
erhielt 1864 fiir gute Instrumente ein Diplom. Sein 
Sohn: 

Edler, F. Ch. (II). — Geb. 1851, f 6. Dez. 1895 

erhielt 1881 eine silberne Medaille fiir seine Violinen, 
doch befaflte er sich hauptsachlich mit dem Handel 
mit alten Geigen. Sein Sohn und Schiiler: 

Edler, F.Ch. (III). — Geb. 1876 

wurde sein Nachfolger. Er ist Grofiherzoglich Sachsi- 
scher und Landgraflich Hessischer Hofgeigenmacher- 
meister und erster Vorsitzender der Meisterpriifungs- 
kommission und erhielt auf der Zweiten Musikfach- 
ausstellung in Leipzig 1909 »fur hervorragende Lei- 
stung* die Staatsinedaille des Herzogs von Sachsen- 
Altenburg. Auch als Kenner alter Geigen erfreut er 
sich eines grofien Ansehens. Er erfand einenT-Balken 
fiir Streichinstrumente und eine v >Verbesserung am 
Stimmstock*. 

Edler, Hans. — Munchen. Geb. 16. Jan. 1889 

zu Frankfurt a. M. 

Sohn des F. Ch. Edler II. Er besuchte die Oberreal- 
schule bis 1903 und trat dann bei seinem Bruder 
F. Ch. Ill in die Lehre, ging spater zu J. J. Held nach 
Bonn und trat dann im Jahre 1907 als Gehilfe bei 
Adolf Romer in Freiburg i. Br. ein. Nach Beendigung 
seiner Militardienstpflicht ging er im Jahre 191 1 nach 
Munchen zu Giuseppe Fiorini, wo er Gelegenheit hatte, 
sich nach jeder Richtung zu vervollkommnen. Bei 
Ausbruch des Krieges wieder zu den Waffen gerufen, 
stand er bis zum November 1918 im Felde und machte 
sich im darauffolgenden Jahre in Miinchen selbstandig. 
Durch sorgfaltige Arbeit im Neubau und in der Re- 
paratur, sowie durch sein Geschick, den Ton alter 
Geigen wirklich zu verbessem, erwarb er sich schnell 
einen guten Ruf. Er gilt als ein tuchtiger Kenner der 
alten Meister und besitzt eine hubsche Sammlung 
wertvoller Geigen. Er ist auch Schriftf iihrer des Landes- 
verbandes der Musikinstrumentenmacher Bayerns. 
Geigenzettel: Hans Edler Geigenmacher / Munchen 
19,. (gedruckt). 



Edlinger — Egan 



119 



Edlinger, Hans Georg. — Augsburg. Geb. 
28.Marz 1666, f 1696 

Zweiter Sohn von Thomas Edlinger. Da er jung starb, 
kommen Arbeiten von ihm nur seltcn vor. Er heiratete 
am 27. Mai 1691 Maria Nigrius (Nigrinuss) aus Sun- 
ching(en), die bereits am II. Februar 1696 als Witwe 
vorkommt und an diesem Tage fiir ihre beiden Toch- 
ter Anna und Maria Theresia Vormiinder bestellt. Sie 
heiratete dann am 2. Februar 1697 den Lautenmacher 
Jakob Fichtel, aber auch dieser starb ihr drei Jahre 
spater, und am 23. Oktober 1701 vermahlte sie sich, 
zum dritten Male, mit dem Geigenmacher Gregor 
Ferdinand Wenger. 

Edlinger, Josef Joachim. — Prag. Geb. 7. Marz 

1693 in Prag, f 30. Mai 1748 

Sohn und Schiilcr von Thomas (II) E. Er bereiste 
nach beendigter Lehrzeit fast ganz Italien und arbeitete 
hauptsachlich in Cremona, Rom, Neapel, Bologna, 
Ferrara und Venedig. Grundlich ausgebildet kehrte er 
gegen 1728 nach Prag zuriick, wo er von nun an tatig 
war. Am 2. Februar 1728 erlangte er das Burgerrecht 
auf der Kleinseite und gelangte zu hohem Ansehen. Er 
war Mitglied des Sechsmanneramts und der Nikolaus- 
Bruderschaft. Seine Geigen und Lauten werden iiber 
die seines Vaters gestellt 1 ), und ihm verdankt es die 
Prager Geigenbauschule zuersl, da8 man auch aus- 
warts auf sie aufmerksam wurde. Er wurde in der 
Johanniskirche unter dem Felsen begraben. Er war 
nicht verheiratet. Seine Erbinnen waren die Schwe- 
stern Therese und Anna Perlocher; seine Werkstatt mit 
alien Vorraten an Instrumenten, Holz und Werkzeugen 
hinterlieG er dem vierjahrigen Sonne seiner Dienerin, 
Josef Michl, mit dem Wunsche, dafi dieser den Geigen- 
bau erlernen moge, wozu er ihm noch auBerdem 200 fl. 
Rhein. vermachte. — Sollte dieser Josef Michl nicht 
vielleicht identisch sein mit Josef Muschl? — Seine 
Arbeit 1st gut; sein Modell kniipft an italienische Vor- 
bilder an und hat flache Wolbung. An vielen seiner 
Geigen ist der Lack jetzt ganzlich zerstort ; auch sonst 
haben sie stark gelitten. Eine Gitarrenlaute mit schoner 
Rosette im Schalloch (Dachstern) besitzt der Maler 
Wenig in Prag mit dem Zettel : Josephus Joachimus Ed- 
linger me fecit Pragae / Anno 1732 (gedruckt). 
Geigenzettel: Josephus Edlinger/ me fecit Pragae 1733 
(gedruckt). 

I. — Augsburg. 1656. 



Kinder, Thomas II, Hans Georg und eine Tochter 
hervor. In zweiter Ehe heiratete er Barbara geb. Baur 
(Baiir) aus Kirchheim. Im Pflegschaftsbuche von 1696 
wird er bereits als »seelig« aufgefiihrt. Er besafi viel 
Handgeschicklichkeit: seine Geigen sind leicht zu er- 
kennen ; die Wolbung geht ohne Hohlkehle vom Rand 
empor, ist hoch, aber in der Brust flach. Auch die Zar- 
gen sind hoch, die F-Locher groB und der Lack dunkel- 
braun. Das Holz ist gut und der Ton ziemlichkraftig. 
Das Museum Francisco-Carolinum in Linz besitzl eine 
Taschengeige von ihm, eine ebensolche sowie eine 
Laute aus dem Nachlasse Hans Makarts und eine sehr 
originelle Tenorviola da Gamba und eine Laute aus 
de Wits Sammlung befinden sich. in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Koln. Eine besonders schonc 
Taschengeige, nach Art der Viola d'amore besaitet, be- 
sitzt Daniel Fryklund in Sundsvall (Schweden), die er 
auch in einem hubschen Aufsatz beschrieben hat. 

Geigenzettel: Abb. 186 und 187. 

Edlinger, Thomas (II). — Prag. Geb. 23. Nov. 
1662 in Augsburg, f 20. Jan. 1729 in Prag 
Er war jedenfalls ein Schiiler seines Vaters Thomas 
Edlinger und nicht von J. Stainer, wie W. Sandys be- 
hauptet; er kann jedoch moglicherweise bei J. Stainer 
gearbeitet haben. In Augsburg wird er zuletzt am 
18. Februar 1690, schon majorenn, genannt. Kurze 
Zeit darauf diirfte er nach Prag gegangen sein. Er lernte 
dort die Witwe des Geigenmachers L. Brater (geb. 1653 
als Tochter des Geigenmachers A. Ott und t 19. Mai 
1701) kennen, mit der er sich am 17. Mai 1692 ver- 
heiratete, nachdem er am 8. Mai desselben Jahres das 
Burgerrecht auf der Prager Kleinseite erworben hatte. 
Edlinger war sehr wohlhabend und besaB auBer dem 
Hause Nr. 210 in der Spornergasse »bey den 3 Geigen « 
Getzt Nerudova ulice), wo sich auch seine Werkstatt 
befand, noch ein zweites Haus. Er starb am 20. Januar 
1729 und wurde in der Wenzelskirche in eigener Gruft 
an der Seite seiner Frau begraben. Er hinterlieB zwei 
Sonne, von denen der eine sein Schuler und Nachfolger 
wurde. Im Stift Ossegg befindet sich eine Laute von 
ihm aus dem Jahre 1718 (Kat. Nr. 23) und eine von 
1700 (Kat. Nr. 48); einen KontrabaB von 1713 besitzt 
Fiirst Lobkowitz auf SchloB Raudnitz, eine schone 
Viola von 1719 besaB der Geigenmacher Eman. E. Ho- 
molka in Prag, Konigl. Weinberge, und ein Violoncello 
von 1723 befindet sich in der Prager Lorettokirche. 
Geigenzettel: Thomas Edlinger / fecit Pragae Anno 
1729 (gedruckt). — Thomas Edlinger , Lauten- und 
Geigenmacher in Prag 1719 (gedruckt). 



Edlinger, Thomas 
f S.Okt. 1690 

Er stammte aus GroB-Kirchhcim in Karnthen und IieB 

sich 1656 in Augsburg nieder, wo er die Tochter Eesbroeck, Jan van. — Antwerpen. 1583. 1585 

Geboren in Mariakerck als Sohn von Josse van Ees- 



Matthias Hummels (s. d.) heiratete. Im Augsburger 
Hochzeitsamtsprotokoll vom 6. Februar 1661 heiB. es: 
^Thomas Edlinger von GroB-Kirchhaimb aus Carndten 
Lautenmacher und Elisabetha Humblin, hiesig, beide 
ledigen Standes« . . . usw. Aus dieser Ehe gingen drei 



broeck. Er wurde am 9. Dezember 1583 als Burger von 
Antwerpen aufgenommen und war ein seinerzeit hoch- 
geschatzter Lautenmacher, der aber auch manches gute 
Clavecin gemacht hat. Geigen mit seinem Namen, die 
jetzt im Handel vorkommen, miissen wohl ausnahms- 
los als Falschungen betrachtet werden. 



*) Baron sagt: »In Prag haben sonst Thomas und 
Joseph Edlinger Vatter und Sohn sich hervorgethan, und 
ist absonderlich der letztere eine ziemliche Zeit in Italien p 
gewesen, daB man sich schon was gutes von seiner Faust £ an ' J* 
versprechen mag«. Nur als Verfertiger von lnscnen Marten bekannl 



■ Dublin 



120 



Egerland — Elg 



Egerland, Christian Carl. — Klingenthal. 1 784 
Sohn und Nachfolger von Johann Christian E. und 
wohl auch dessen Schuler. 

Egerland, David Friedrich. — Klingenthal. 

1733 

Wahrscheinlich einer aus Bohmen eingewanderten 

Exulantenfamilie entstammender Geigcn- und Lauten- 

macher. 

Egerland, Johann Christian. — Klingenthal. 

1748 

Sohn und Nachfolger von David Friedrich E. Als 

Geigenmacher nicht hervorragend. 

Eglington. — London. 1800. 1802 

Seine Geigen zeigen zwar unbeholfene Arbeit, haben 
aber nichtsdestoweniger einen ansprechenden Ton. 
Geigenzettel : Eglington fecit, / Drury Lane London 
1802(gedruckt). 

Ehlers, Joachim. — Wien. 1825 

AlsGitarren-, Harfen- und Klaviermacher bekannt, der 
auch einige Erfindungen gemacht hat. 

Ehrlich, Adolf. — Gablonz a. Neifie 

Begriindete im Jahre 1892 eine Geigenmacherwerkstatt, 
die er seither wieder aufgegeben hat, um sich aus- 
schliefilich auf den Handel zu verlegen. 

Ehrlich, Wilhelm. — Dresden. Geb. um 1820, 
f 4. Marz 1887 

Er hesaB als Reparateur einen wohlverdienten Ruf, und 
seine neuen Geigen sind mit FleiB und Gewissen- 
haftigkeit gearbeitet. Sein Geschaftsnachfolger ist Ferd. 
Patzelt. 

Ehrmann, W. C. —Albany (New York). Geb. 
1860 in Albany 

Sohn eines eingewanderten Wiirttembergers, Schuler 
von Charles Andersen in Denver. Er vervollkommnete 
sich auf mehrmaligen Reisen nach Europa, wo er auch 
grundlicheMusikstudien trieb. Er hat ein neues Zargen- 
system fur Streichinstrumente erfunden, dem er den 
vollen Ton seiner Arbeiten, die in Amerika viel Anklang 
finden, zuschreibt. 

Geigenzettel: W. C. Ehrmann , Maker / Albany N. Y. 
1908 (geschrieben). 

Eibich. — Posen 

Eine Musikinstrumentenmacherfamilie. Ignatz E. be- 
griindete 1790 in Posen eine Klavierfahrik. Von seinen 
elf Sohnen, die alle sich mehr oder minder dem Musik- 
instrumentenfach widmeten, war Konstantin (geb. 
27. Januar 1823, f 24. April 1890) ein nicht ungeschick- 
ter Geigenmacher. Seine noch Iebenden Briider Roman 
und Max E. betrieben urspri'mglich andere Gewerbe 
und haben jetzt Muslkinstrumentengeschafte, in denen 
auch Geigen usw. repanert werden. 
Geigenzettel: Reparirt K. Eibich / in Posen 1871 (ge- 
druckt). 



Eichentoph (Eichendopf), J- H. — 1726 

In einem am 9. Dezember 1773 aufgestellten Verzeich- 
nis der im Besitz der damaligen Hofkapelle in Kothen 
in Anhalt befindlichen Musikinstrumente wird eine 
»Viola von Eichentoph 1726* auf gefiihrt. In demselben 
Verzeichnis werden dann noch »zwei Dis-Horner von 
J. H. Eichendopf« erwahnt. Die Viola und die Horner 
sind wohl Werke des gleichen Meisters, uber den ich 
bis jetzt nichts Naheres ermitteln konnte. 

Eichner, G. — Elberfeld. 1814. 1815 

In einer leidlich gut gemachten Geige fand sich sein 
Name. Er war wohl nur ein Dilettant und nur voriiber- 
gehend in Elberfeld ansassig. Sein Name kommt weder 
in den Elberfelder Geburts- und Sterbe-, noch in den 
Heimatsregistern von 1810 — 1832 vor. Auch alle an- 
deren Nachforschungen nach ihm waren vergeblich. 
Geigenzettel: Abb. 190. 

Eims, Joh. Nic. Carl. — Hamburg. 1799 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und wurde 
am 12. April 1799 Burger. 

Eisele (Aisele), Michele. — Brescia. Geb. 1614, 
lebte noch 1 664 

Vielleicht ein Sohn jenes Jakob Heisele (s. d.), der 1619 
und 1620 fur den Hof in Modena arbeitete. Geigen oder 
Lauten von Michele E. sind bisher nicht bekannt, nur 
zwei Steuererklarungen von 1655 und 1664, in denen 
er seinen Namen »Aiseli« und »Aisili« schreibt, und 
sich ausdrucklich mit den Worten »di natione todesco 
leutaro in Brescia dall anno 1638 in qua« als Deutscher 
bekennt. 

Eisenmann, H. — London. 19. Jahrhundert 
Seine Geigen waren gut gemacht, ohne durch besondere 
Vorziige aufzufallen. Besser sollen ihm Violen gelungen 
sein. 

Eitle. — Munchen. 1904 

Ein Hauptlehrer an der Stadtischen Hoheren Tochter- 
schule, der im Jahre 1904 beim Patentamt eine Erfin- 
dung angemeldet hat, die eine Neukonstruktion der 
Geige bezweckte, um die Ubungszeit abzukurzen und 
dem Musiker neue Moglichkeiten zu eroffnen. Man 
hat jedoch uber diese Erfindung seitdem nichts mehr 
gehort. 

Elemann, Johann. — Augsburg. 18. Jahrh. 
Seinen Zettel veroffentlicht P. de Wit. Im Augsburger 
Stadtarchiv war nichts uber diesen bisher kaum be- 
kannten Meister zu ermitteln. 

Geigenzettel: Iohann Elemann, Violin- und Lauten- 
macher in Augspurg 17 . . (gedruckt). 

Element s. Clement 

Elg, Jonas. — Stockholm. Geb. vor 1690, 
f 12.Juni 1732 

Einer der altesten schwedischen Geigen- und Lauten- 
macher. Er war in zweiter Ehe mit Bnta Strom ver- 
heiratet und hinterlieB zwei minderjahng? Sonne. 
Geigen von ihm trifft man selten, haufiger dagegen 



Elgas — Emili; 



121 



Lauten und Theorben. Eine solche von 1713, reich 
geschmiickt mit Schnitzwerk und Malerei, bewahrt das 
Staatsmuseum in Abo (Finnland), eine andere von 1729 
besitzt das Musikhistorische Museum in Stockholm. 
Dasselbe Museum besitzt auch eine in ein Violoncello 
umgearbeitete Tenorviola da Gamba und einen Kon- 
trabaB. In der Sammlung Hammer war sein Name auf 
einem Reparaturzettel zu finden, und eine Viola da 
Gamba ist in der Kopenhagener Sammlung zu sehen. 
Geigenzettel: lonas Elg: / Me fecit in / Stockholm 
1718 (geschrieben). — Jonas Elg Fecit / Holmiae Anno 
1729 (gedruckt). — Jonas Elg / Renovavit / Holmiae / 
1730(gedruckt) und Abb. 196. 

Elgas (Ellgas), Georg Paul, lebte um 1760 in 

Graslitz 
Elgas, Josef. — Schonbach bei Eger. 1826 

Unter den besseren Geigenmachern seines Heimatorts 
aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wird auch 
er genannt. 

Ellersieck, Albert. — Rostock, Greiz, Berlin. 
Geb. 1843 in Magdeburg 

Er war urspriinglich Musiker, erlernte durch Selbst- 
studium den Geigenbau und lieB sich zunachst, 1878, 
in Rostock als Geigenmacher nieder; 1895 siedelte er 
nach Greiz und 1900 nach Berlin uber. Er bildete sich 
ein eigenes groBes Modell, das er jedoch nach Fertig- 
stellung der siebenten Geige wieder aufgab. Seitdem 
baut er fast ausschheBhch nach dem groBen Stradivari- 
modell. Anfangs zog er gelbroten Spiritus-, spater 
mageren Ollack vor. Er versteht es sehr gut. das alte 
Aussehen seiner Vorbilder nachzuahmen, und ist auch 
bekannt als guter Saitenmacher. Er erhielt auf sechs 
Ausstellungen Preise. 

Geigenzettel: Alb 1 Ellersieck / Atelier fur Kunstbau 
von Streichinstrumenten / Rostock i/M. 1892 (gedr.). 

Ellersieck, Hellmuth. — Chnstiania. Geb. 
1886 in Rostock 

Sohn von Albert E. Er lernte von 1900—1903 in Mark- 
neukirchen, wo er seine Gesellenpriifung mit Aus- 
zeichnung ablegte. Er arbeitete dann bei Friedel in 
Berlin und ging nach Beendigung seiner Militarzeit zu 
Hjorth nach Kopenhagen, wo er sechs Jahre lang blieb. 
1m Sommer 1914 kam er nach Christiania, wo er nach 
J. Rummelhoff Hansens Tod dessen Werkstatt iiber- 
nahm und sein ebenblirtiger Nachfolger geworden ist. 

Elliot, J. O. — Norungen (Elfsborgs Ian, 
Schweden). 1897 

Em geschickter Dilettant, der in seinen MuBestunden 
Geigen macht. 

Elsler (Elster), Johann Joseph. — Mainz. 1717. 
1750 

Ein seinerzeit hochgeschatzter Meister, der mit Joh. 
Ulr. Eberle auf einer Stufe steht. Seine Arbeit ist sehr 
sauber, das Holz, namentlich der Decken, meist recht 
gut; seine Geigen nahern sich dem Stainermodell; am 



besten gelangen ihm aber doch Violen und Gamben. 
Sein Lack ist gelbbraun. Eine siebensaitige BaBviola 
aus dem Jahre 1728 mit einem Frauenkopfchen am 
Wirbelkasten aus der Sammlung Snoeck (Nr. 487) 
findet sich in Berlin. Eine Gamba von 1730 besitzt 
Alfred Keil in Lissabon. Eine Altviola von ihm befindet 
sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). 
Geigenzettel : Joannes Joseph. Elsler Lauten und 
Geigenmacher / Meyntz 1717 (gedruckt). 

Elst, Aert (oder Arnold), van der. — Ant- 
werpen. 1576. 1579 

Er kommt 1576 und in den folgenden Jahren in den 
Gilderegistern zwar nur als Clavecinmacher vor, doch 
soil es ein Bildnis von ihm geben, auf dem er eine 
Theorbe in der Hand halt. 

Embergher, Luigi. — Rom. 1898. 1910 

Lebt als Saiteninstrumentenmacher in Rom und gilt 
als der beste romische Mandolinenmacher. 

Emde, J. F. Chr. — Leipzig. Geb. 1806, 
f nach 1874 

In seinen jiingeren Jahren machte er einige Geigen, die 
saubere Arbeit zeigen, wenn sie auch weder im Holz 
oder Lack noch im Ton uber die MittelmaBigkeit 
hinauskommen. Beim besten Willen konnte er eben 
merit ersetzen, was ihm an Talent fehlte. So wurde er 
mit der Zeit sehr pedantisch und suchte in Neben- 
sachen das Heil seiner Kunst. Er schwor darauf, daB 
der Leim nur uber einem Holzkohlenbecken gekocht 
werden dinfe; statt des Leimpinsels gebrauchte er ein 
in seine Fasern zerklopftes Rohrstiickchen ; das An- 
warmen der zu leimenden Holzteile durfte gleichfalls 
nur uber dem Kohlenfeuer geschehen, so daB alle 
Fugen angeraucht wurden. Er verarbeitete niemals vor- 
gearbeitetes Geigenholz, sondern sagte alles, selbst die 
Zargen, vom Holzklotz mit einer Handsage und hielt 
auch seine Gehilfen mit Peinlichkeit an, in gleicher 
Weise zu arbeiten. Besser war er im Wiederherstellen 
und Ausbessern alter Geigen und hatte deshalb ziem- 
lich viel Zulauf. In seinen letzten Jahren war er immer 
kranklich und mifimutig und konnte selbst nicht mehr 
arbeiten, aber er hielt sich den ganzen Tag in der 
Werkstatt auf, um seine Gehilfen scharf zu iiberwachen. 
Sein Sohn und Schiiler Th. Franz E., geb. 1837, starb 
1874. 

Geigenzettel: J. F. Chr. Emde Bogen — Instrumen- 
tenmacher in Leipzig / Verfertigt 1840 (gedruckt). 

Emerson, Elijah. — Boston 

Amenkanischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Emery, Jean. — Genf. 1722 

Bisher nur durch den von P. de Wit veroffenthchten 
Zettel bekannt. 

Geigenzettel: Fait a Geneve par Jean Emery / Maitre 
Luthie. / l'An 1722 (gedruckt). 

Emiliani, Francesco de. — Rom. 1704. 1736 
Er arbeitete gut im Stile Tecchlers und bevorzugte eine 
hohe Wolbung, bei kleinen Violinen aber nahm er die 



122 



Enderes — Engleder 



Wolbung flacher. Das Holz ist sorgfaltig gewahlt, der 
Lack gelbrot bis braun und dieSchnecke sehr schwung- 
voll end tief gestochen. Der Ton gut, jedoeh klein. 
Geigenzettel : Franciscus Emilianus Roma (gedruckt). 
— Abb. 183. 

Enderes (Endres), Andreas. — Fiissen. 1622 

Er wurde am 18. Dezember 1622 in die Fiissener 
Lautenmacherzunft als Meister aufgenommen. 

Enders. — Grofibreitenbach 

MehrereMitglieder dieser Familie haben urn die Wende 
des 18. zum 19. Jahrhundert handwerksmaBige Musik- 
instruinente, darunter auch Geigen, hergestellt. 

Enel, Charles. — Paris. Geb. 14. Juli 1880 in 
Mirecourt 

Schuler von G. Bazin und L. Mougenot, arbeitete bei 
Silvestre und Maucotel, dann in der Schweiz und in 
Deutschland, ging dann nach Paris zuriiek, wo er sich 
selbstandig machte und mit Felix Bolleker verband. 

Geigenzettel: Charles Enel / Paris 19 . . N° . . [und 
Monogramm] (gedruckt). 

Engelfried, Franz. — Rottenburg a. Neckar 
Ein Orgelbauer, der gelegentlicb auch Geigen repariert 
hat. 

Engelhard.— ? 1742 

Eine Leier (Vielle) im Musee de Cluny in Paris tragt 
die lnschrift: »Engelhard fecit 1742«. 

Enger, Gulbrand. — Kopenhagen. Geb. 1822 
in Norwegen, f 1886 in Kopenhagen 
Schiiler von Th. Jacobsen und Vuillaume. Nach 
Jacobsens Tod fiihrte er dessen Geschaft eine Zeitlang 
fur die Witwe fort und eroffnete spater seine eigene 
Werkstatt in der Sqvaldergade. Er baute sehr gute 
Violinen und Violoncelli von kraftigem und gesundem 
Ton und war auch gewissenhaft und sorgfaltig im 
Wiederherstellen. 

Geigenzettel: Gulbrand Enger / Kjobenhavn. 1854 
(gedruckt). 

Enger, Hagbart. — Kopenhagen. Geb. 1860 
Sohn und Schuler von Gulbrand E. Er machle groBere 
Reisen, arbeitete bei D. Bittner in Wien und Rieger in 
Miinchen und lieB sich dann in seiner Vaterstadt nieder. 

Engl. Adalbert. — Berlin. Urn 1900 

Seine Arbeit wurde mir gelobt, doch hatte ich keine 
Gelegenheit, eine Geige von ihm selbst zu sehen. 

Engl Julius. — Wien 1921 

Einer der vielen Erfinder, die den Ton der Geige ver- 
bessern wollten. Er sucht sein Ziel dadurch zu er- 
reichen, daB er im Innern der Decke die Jahresringe 
durchschneidel und acht bis zehn diinne Querstabchen 
vinjeimt. 



Engleder, Alois (aus GroBberg bei Regens- 
burg). — Budapest (Ofen.) Geb. um 1812, 
fum 1883 

Schiiler von Fischer in Regensburg (dessen Frau seine 
Tantewar), Bruder von Andreas, Ludwig und Joseph E. 
Er war wenig begabt, machte mittelmaBige Geigen 
nach Stradivari, hauptsachlich aber nach Nic. Amati. 
Auch als Reparateur war er ohne Bedeutung. Er ver- 
wendete meist sproden Spirituslack. 
Geigenzettel: Aloys Engleder / reparavit Budae 1862 
(gedruckt). 

Engleder, Andreas. — Miinchen. Geb. um 
1810, f nach 1860 

Er stamint aus GroBberg bei Regensburg und war 
Schuler von Fischer in Regensburg, dessen Neffe er 
war, und von Vauchel. Er war einer der besten Geigen- 
macher Munchens um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
und damals wohl der gesuchteste Reparateur Bayerns. 
Uber seine Versuche, neue Formen fur den Geigenbau 
zu finden, schreibt u. a. Prof. Dr. Schafhautl: »Bei 
seinem Saitenquintett versuchte der Kiinstler eine neue 
Form. Die oberen Backen der Violine waren beinahe 
schrag abgestutzt, so daB sie ohne Ecken ganz leicht 
in die Brust iibergingen; auch die Enden der Unter- 
backen waren weggefallen ; dagegen waren diese Unter- 
backen beinahe in eben dem Verhaltnisse vergroBert, 
als die oberen Backen in Flache vermindert wurden, 
zo daB ein birnenahnlicher UmriB entstand. Schubert 
schlug im Jahre 1803 die Gitarreform fur die Geige 
vor, Galbusera in Mailand fiihrte 1813 diesen Vor- 
schlag aus, Engleder veranderte nun auch das Verhalt- 
nis der Backen. Er erzielte nur einen einseitigen Erfolg, 
denn gegen den brillant klingenden Diskant fiel der BaB 
ungemein ab.« Prachtvolles Holz, tadellose Arbeit. 
1854Medaille. 
Geigenzettel: Abb. 196. 

Engleder, Johann Ulrich. — Kelheim. 1865 
Wohl ein Bruder von Joseph E., wenn nicht ein Sohn. 
Auch er soil in Regensburg gelernt haben. Er war recht 
tuchtig, baute auch viele Zithern, am besten blieben 
aber doch seine Violinen, da er sich stets gutes Tonholz 
zu verschaffen wuBte. 

Engleder, Josef. — Kelheim. Geb. 31. Dez. 
1815, fum 1860 

Er war zuerst in Rainhausen bei Regensburg ansassig 
und verheiratete sich am 15. Oktober 1838 in Kelheim 
mit Maria Anna Fichs aus Miinchen (geb. 31 . Oktober 
1814). Er diirfte in Engelstadt oder in Schierling ge- 
storben sein, wo je einer seiner Sonne verheiratet ist. 
Sein Sohn Franz ist Lehrer in Miinchen. — Der Name 
»Josef Engleder« findet sich in seinen Arbeiten ofter 
eingebrannt, so auch in einer schonen, dunkelrot 
lackierten Viola d'amore in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum, woselbst sich auch noch ein Violon- 
cello mit Lowenkopf und eine funfsaitige Viola befin- 
den. Eine sehr sauber gearbeitete Zither von ihm besitzt 
X. Kerschensteiner. 

Geigenzettel: Reparavit Jos. Engleder lnstru / menten-f 
inacher in Kelheim 1840 (gedruckt). 



Engleder - Epp 



123 



Engleder, Ludwig. — Bamberg. Geb. 1811, 
\1. Febr. 1873 

Schiiler von Fischer in Regensburg. Er eroffnete am 
1. August 1835 in Bamberg als vierundzwanzigjahrigcr 
Mann seine eigene Werkstatt; obwohl er sehr tiichtig 
war, brachte er es doch zu keinem nennenswerten 
Wohlstande, so daft er im Alter froh war, im Biirger- 
spital auf dem Michaelsberge aufgenommen zu werden, 
wo er als Pfriindner starb. Er baute frei nach Stainer; 
seine Geigen usw. zeichnen sich durch vollen Ton aus. 

Ennemoser, Joseph. — Meran. Geb. 1875 in 
Obermais 

Nach Beendigung seiner Lehrzeit in Miinchcn und 
nach mehrjahnger Gehilfentatigkeit machte cr sich im 
Jahre 1902 in Meran selbstandig. Er repariert Streich- 
instrumente und baut Zithern und Gitarren. 

Enrico, Giovanni di. — Rom. 1590. 1608 

Ein Flamander, der wahrschemheh Heindrichs gc- 
heifien hat und in der Via dei Liutari bei Meister 
Cristoforo del Forno wohnte. Er erschien 1608 vor dem 
Tribunal des Gouverneurs, erzahlte, dafi er in Neapel 
mit seinem Landsmanne Armand Coppo als Lauten- 
macher ansassig war, und klagte, dafi ihm zwei naher 
beschriebene kostbare Ebenholzgitarren im ungefahren 
Werte von 65 Talern gestohlen worden seien. — Bereits 
1590 besafi ein Flamander »Meister Giovanni« ein 
Geschaft in Rom mit dem Ladenschild »alla Trinita«. 
— Vielleicht ist die prachtige Laute (Orpheoreon) in 
der Sammlung des Pariser Konservatoriums, die Eowohl 
romische als vlamische Ziige aufweist, und die im 
letzten Drittel des 16. Jahrhunderts entstanden sein 
mufi, ein Werk Giovanni di Enricos. 

Entzensperger, Christoph. — Fiissen. 1708. 
f 3. Febr. 1747 

Vermutlich der Stammvater der heute noch bestehen- 
den Geigenmacherfamilie, als deren Urheimat das un- 
weit Fiissen gelegene Enzensberg (Gemeinde Hopfen) 
angesehen werden kann. Eine Viola d'amore aus dem 
Jahre 1714 von ihm besitzt das Historische Museum in 
Basel. 

Geigenzettel: Abb. 185. 

Enzensperger, Bernhard I. — Wien. Geb. urn 
1780, f um 1855 

Er diirfte aus Fiissen oder Sonthofen im Allgau (wo im 
18. Jahrhundert die Entzensperger ansassig waren) 
stammen. Bei wem er seine erste Lehrzeit durch- 
gemacht hat, ist unbekannt. In Wien kam er zu Georg 
Thir, als dessen Schiiler er sich betrachtete. Er er- 
offnete im Jahre 1812 seine eigene Werkstatt und legte 
am 23. Juni 1820 den Biirgereid ab. Seine Bliitezeit 
fallt in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Er be- 
schaftigte sich viel mit akustischen Studien und erhielt 
auch 1831 ein Patent auf eine von ihm erfundene so- 
genannte »Akustikgitarre«. In der Folge verlegte er 
sich rmhr auf den Bau von Gitarren und Zithern. 
Er wohnte 1820 Leopoldstadt Nr. 100, 1831 »auf der 



Wieden nachst dem Freyhause Nr. 6 Stiege Nr. 3 
beym goldenen Adler« und 1835 >>nachst dem Theater 
an der Wien Nr. 24«' 
Geigenzettel: Abb. 193 und 195. 

Enzensperger, Bernard II. — Wien. Geb. 
1828, t 1896 

Schiiler seines Vaters Bernard 1 E. Er bildete sich durch 
ausgedehnte Reisen weiter aus, arbeitete bei Tiefen- 
brunner in Miinchen, Bausch in Leipzig, Schwarz in 
Strafiburg und Bernardel in Paris, bis er nach dem 
Tode seines Vaters die vaterliche Werkstatt iibernahm, 
deren alten Ruf er zu erhalten verstand. Er war ein 
kunstlerisch veranlagter und ungemein tatiger Mann 
und besafi verschiedenc Medaillen. Wie ein Soldat auf 
dem Schlachtfeld, starb er, vom Herzschlag getroffen, 
in seiner Werkstatt. 

Enzensperger, Victor. — Wien. Geb. in Wien 
19. Mai 1867, t 23. Febr. 1918 

Schiiler seines Vaters Bernard II E. Er sollte urspriing- 
lich Geiger werden und ging nach beendeter Lehrzeit 
vom Jahre 1882 — 1889 in die Fremde, arbeitete nach 
seiner Angabe in Salzburg, Miinchen und in den Haupt- 
orten der Geigemndustrie: Mittenwald, Schonbach und 
Markneukirchen, iibernahm nach dem plotzlichen Tode 
seines Vaters am 2. Mai 1896 das vaterliche Geschaft 
und be^chaftigte sich mit dem Instrumentenhandel und 
der Reparatur von Geigen. Er verwendete bei Repara- 
turen Sprit-, beim Neubau Ollack. Aufierdem machte 
er auch andere Saitemnstrumente und hauptsachlich 
Saiten. 

Geigenzettel : Abb. 202. 

Epp (Oepp), Georg (Jorg). — Wien. f um 1 632 
Ein Fiissener Lautenmacher, der es in Wien zu einem 
gewissen Wohlstand gebracht hatte, aber schon bald 
nach der Geburt seiner einzigen Tochter Anna Maria 
starb. Sein Geselle Marcell Hollmayr, der sein engerer 
Landsmann war, fiihrte die Werkstatt fur die Witwe 
Rosina fort, die ihn im Jahre 1633 heiratete und so zum 
Nachfolger ihres ersten Ehemannes machte 1 ). 

Epp, Johann Jakob. — StraBburg i. E. Geb. 

1639 in Strafiburg. 1669 

Altester Sohn von Math. E., war Lautenmacher, wie 
sem Vater, und wohl auch dessen Schiiler. Eine Tenor- 
viola da Gamba mit seinem gedruckten Zettel neben 
dem seines Vaters befindet sich in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Koln. 
Geigenzettel: Hanfi Jacob Epp / in Strafiburg (gedr.). 

Epp, Magn. (?). — Fiissen. 1600 

Eine rundbauchige, einfache Laute von roher Arbeit 
trug diesen Namen. Der Taufname war nicht sicher 
leserhch: die Jahreszahl konnte auch 1609 geheifien 
haben. Er ist vielleicht der Stammvater der Strafi- 
burger Familie. 



*) Vgl. E. K. Bliimml, Beitrage zur Geschichte der 
Lautenmacher in Wien, Zeitschr. f, Musikwissenschaft 

1920, Heft 5, 



124 



Epp — Erich 



Epp, Martin. — StraBburg. Geb. 1641 in 

StraBburg, f 1671 

Jiingerer Sohn von Math. E., ein seinerzeil geschatzter 

Lautenmacher. 

Epp (Aepp), Mattheus (Mathias). — StraB- 
burg i. E. Geb. in Fiissen um 1610, f nach 
1671 

Er wanderte als Lautenmacher in StraBburg ein und 
heiratete dort 1638 die Rosina Salome Windschlag 
(Kirchenbiicher M. 109). Er war ein tuchtiger Kiinstler 
und hat nach Baron »breitspanichte Instrumenta ver- 
fertiget und unterschiedene Lauten aus Elfenbein ge- 
macht«. Im Jahre 1652 wurde er nach Stuttgart be- 
rufen, wo er fiir die Hofkapelle zwei Diskantgeigen und 
eine Theorbe aubesserte. Je eine Taschengeige mit 
Elfenbeineinlagen befindet sich in der Sammlung des 
Pariser Konservatoriums (Nr. 104 1 )) und im Musik- 
histonschen Museum von W. Heyer in Koln eine zur 
Gitarre umgearbeitete Laute (vom Jahre 1671). Auch 
Baron Benkendorff in St. Petersburg besitzt eine schone 
mit Elfenbein geaderte Taschengeige von ihm mit 
einem Frauenkopfchen am Wirbelkasten aus Elfenbein. 
Geigenzettel : Matheus Epp / in Strasburg 1656 (gedr.) 
und Abb. 201. 

Erahr. — Macon. Um 1820 

Grillet nennt ihn mit der Bemerkung, dafi er Leiern 
im Stile Louvets gemacht habe. 1st der Name nicht 
aus Erard (Erhard) entstanden? Im Archiv zu Macon 
ist nichts liber ihn zu finden. 

Erard, Sebastien. — Pans. Geb. in StraBburg 
1752, fin Paris 1831 

Ein ausgezeichneter Klavier- und Harfenbauer. 

Ergele, Joh. Conrad (Vater). — Waldshut. 
Geb.um 1725, t H.Febr. 1788 
Ein Geigenmacher, iiber dessen Leben ein von seinem 
Sohne geschnebenes Hausbuch einige Auskunft gibt. 
Er hatte mit seiner ersten, 1 762 verstorbenen Frau, geb. 
Hattenbach, sieben Kinder, heiratete zum zweitenMale 
und wurde, wie der Sohn schreibt, »mit dieser Ehe so 
angefiihrt, daft er keine schlechtere Frau in Waldshut 
hatte bekommen konnen; alles muBte versoffen sein«. . 
Seine Geigen zeigen denselben Stil wie die der Familie 
Straub. 

Ergele, Johann Conrad (Sohn). — Freiburg 
i. Br. Geb. 26. Aug. 1750 in Waldshut, 
t lO.Juni 1821 

Schiiler seines Vaters, ging 1766 in die Fremde und kam 
1772wieder heim, wo er eine Stief mutter vorfand. Er 
erzahlt in einem erhaltenen Hausbuche die traurige 
Lage, in die er dadurch kam: »Meine Stiefmutter zer- 
schnitt mir meine Hemmeter, die ich aus der Frembd 
gebracht habe zu Windeln fiir ihre Kinder; ich hatte 
Arbeit und genug zu verdienen, aber es half nichts, ja 



) Im Katalog wird der Name irrig »Sup« angegeben. I 



meine Stiefmutter trug die Fruchte unter der Predig 
an den Sonntagen aus dem Hauss, kurz ich war es 
miide, dies langer anzusehen. Anno 1774 ging ich nach 
Rheinfelden, erzahlte es meiner Schwester (die aelteste 
1. Ehe), lieh von ihr 50 fl. und ging also den 27. April 
nach Freiburg. « Dort mietete er in der Pfaffengasse eine 
Wohnung, hing ein Schild aus und hatte sich in elf 
Monaten bereits 200 fl. »erhaust«, so daB es ihm in den 
Sinn kam, Burger zu werden, was ihm mit dem Opfer 
fast aller seiner Ersparnisse endlich auch gelang. 1775 
verheiratete er sich mit der Metzgerstochter Maria 
Anna Kniipffer und erhielt 250 fl. Mitgift. Seine Auf- 
zeichnungen schliefit er mit den Worten: »Gott sey 
gedankt, niemahls keine Noth gelitten.« Seine Geigen 
sind recht gut und kommen noch haufig vor. Seine 
Kinder waren : 1 . Joh. Nep., geb. 5. Mai 1 777 ; 2. Maria 
Magd., geb. 14. Juli 1778; 3. Joh. Conrad, geb. 1. Juli 
1779, f 12. Marz 1791 ; 4. Franz Josefus, geb. 28. Febr. 
1782; 5. Ferdinand, geb. 3. Febr. 1784. 
Geigenzettel : Abb. 192 und 194. 

Erggelet (Ergele), Johann Nep. — Freiburg 
i.Br. Geb. 5. Mai 1777, f 1863 

Schiiler seines Vaters Joh. Conr. (Sohn) E. und dessen 
Nachfolger. Er verheiratete sich am 13. September 1808 
mit Jungfer Sophia Draher und gait bis in sein hohes 
Alter als tuchtiger Meister seines Faches. Er schrieb 
sich fast ausschlieBlich »Erggelet« statt Ergele, welche 
Rechtschreibung auch die Nachkommen ubernommen 
haben. 
Geigenzettel: Abb. 200. 

Erhard, Paul. — Genua. 1690 

Ingenieur Hoselmeyer in Dresden besitzt eine Geige 
mit dem etwas fragwiirdigen Zettel: »Paul Erhard / 
Geigenmacher / Genua 1690«. — In Italien seBhaft 
gewordene deutsche Geigenmacher haben durchweg 
italienische oder lateinische Zettel verwendet. Auch der 
kurze Wortlaut ist fiir die Zeit etwas verdachtig. 

Erich (Erichsen), Daniel. — Liibeck. 1642. 
1660 

Er war Lautenist und Lautenmacher und bat am 
7. Oktober 1642 den Rat der Stadt Liibeck um Zu- 
lassung, wobei er versprach, das Burgerrecht zu er- 
werben. Er schrieb: »Nachdem fiir einem halben Jahre 
Albert Uhlig (Olrich) gewesener Violen- und Lauten- 
macher allhie mit todt abgegangen, wan ich dan in 
meiner Jugend die Kunst lauten, Violen und dero- 
gleichen musikalische Instrumenten zu verfertigen er- 
lernet« . . . usw. Seiner Bitte wurde entsprochen ; es 
wurde ihm der Bescheid : »Dass er neue Lauten, Violen 
und andere musikalische Instrumente zu machen ver- 
lehnt worden, hatt ein Hochw. Raht decretieret, weil 
ihme die Musikanten ein gutt Bezeugniss geben, sey er 
damit Zeit seines Lebens belehnt.« Er wurde somit 
Uhligs Nachfolger. Ein Verwandter seines Vorgangers, 
vielleicht dessen Sohn, lieB sich spater gleichfalls in 
Lubeck als Lautenmacher nieder, woriiber man im 
Wetteprotokoll den Eintrag findet: »Am 27. April 1649 
klagt Daniel Erich, privilegierter Lauten, Violen und 
nstrumentenmacher gegen Diednch Olnchs, der seine 



Ernst — Ervine 



125 



Kunst nicht recht erlernet« — weil er »einen Tonier 
Scharden«, einen Schulknecht, und Caspar Schuh- 
macher, einen Soldaten, in die Lehre genommen, »ob- 
wohl ein blinder dem andem den wegh nicht zeigen 
kann«. — Im Marientaufbuch findet man ihn 1646 und 
1649 als Vater je eines Sohnes 1 ), im Wochenbuche der 
Marienkirche kommt er noch 1660 vor. Franz Tunder, 
Organist und Werkmeister, lieB, »weil in der ganzen 
Stadt keine Tenorviol zu bekommen, die etwas taugt«, 
fiir die Marienkirche zwei Tenorviolen, die 15 Mark 
kosteten, bei ihm anfertigen. Sonst ist nichts weiter 
iiber ihn bekannt geworden. 

Ernst, Franz Anton. — Gotha. Geb. zu 
Georgenthal an der sachs. Grenze in Bohmen 
3. Dez. 1745, f 13. Jan. 1805 zu Gotha 
In Prag beendete er das Studium der Rechtswissen- 
schaft, betrieb aber dabei eifrig Musik, besonders das 
Geigenspiel. Er wurde erst Syndikus in Georgenthal, 
trat dann in die Dienste des Grafen Salm und bildete 
sich nunmehr vollkommen zum Musiker aus. Als sol- 
cher kam er 1 773 nach Prag zuruck und erzielte groBe 
Erfolge. 1778 wurde er als Konzertmeister nach Gotha 
berufen. In den letzten zehn Jahren seines Lebens trat 
er nicht mehr offentlich auf, sondern heschaftigte sich 
ausschlieBlich mit dem Geigenhau, dem er sich, viel- 
leicht durch Eberle angeregt, schon friiher aus kiinst- 
lerischem lnteresse zugewendet hatte; ja er nahm jetzt 
noch besonderen Unterricht in der Mathematik, urn 
noch Vollendeteres im Geigenbau leisten zu konnen. 
Er stellte dann eine auf mathematisch-physikalischer 
Grundlage beruhende Ausmessung der Violine auf und 
berechnete die Dickenverhaltnisse des Holzes. Seine 
Geigen, die nach Stradivari gemacht sind, zeigen flache 
Wolbung und werden sehr gelobt; selbst Spohr be- 
nutzte sie gerne in seinen Konzerten. — Er kompo- 
nierte sehr viel, doch ist nur weniges gedruckt erschie- 
nen. Sein bester Schuler im Geigenbau war J. A. Otto. 
Er veroffentlichte in der Leipziger» Allgemeinen Musi- 
kalischen Zeitung«, Band 8, 1804, S. 50, einen Aufsatz 
»Noch etwas iiber den Bau der Geige «, in welchem er 
erzahlt, daB er »seit etlichen und zwanzig Jahren « 
zahlreiche Versuche mit Geigen gemacht habe, daB das 
Modell nicht verbessert werden konne, und daB er nun 
Geigen »nach den schonsten Formen des Stradivarii« 
zu verfertigen imstande sei, »so stark vom Tone, als 
ihn das Ohr des Spielers nur vertragen kann«, und zwar 
nach der von ihm »eigens erfundenen Ausmessung und 
Ausarbeitung, wodurch aller Zwang inwendig beseitigt 
ist«. Leider hat er seine Methode nicht beschneben, so 
daB sie als verloren betrachtet werden muB. Vgl. u. a« 
Journal fiir Fabrik, 1800, Juni, S. 522. Eine Geige von 
ihm besitzt Zigarrenmacher Witzel in Gotha. 

Ernst, J. Carl. — Elberfeld. 1815 

Nur als Reparateur bekannt. 

x ) Sein gleichnamiger Sohn, ein Schuler Dietr. Buxte- 
hudes, wirkte 1675 — 1679 als Regalist auf dem Chor der 
Marienkirche und wurde zu Michaelis 1679 als Organist 
nach Giistrow berufen. Er war als Klavier- und Orgel- 
komponist nicht ohne Bedeutung. Vgl. J. G. Walthers 
Lexikon, S. 229, K. Straube, Choralvorspiele alter Meister. 



Erritzoe, Jakob. — Hannover. 1880 

Als Wiederhersteller alter Geigen besafi er eine gewisse 
Geschicklichkeit; neue Geigen von ihm kenne ich nicht. 

Erthel, Leopold. — Venedig. 1710 

Diesen Namen mit Wohnort und Jahreszahl trug eine 
bei Puttick & Simpson in London vor einigen Jahren 
versteigerte Violine. Ein Falscher wiirde vielleicht einen 
bekannteren Namen gewahlt haben, man kann daher 
immerhin glauben, daB ein Deutscher im Anfang des 
18. Jahrhunderts sein Gliick als Geigenmacher in Ve- 
nedig gesucht hat. Leider waren Nachforschungen an 
Ort und Stelle wahrend des Krieges unmoglich. 

Ertl (Erdtl), Jakob. — PreBburg. Ende des 
18., Anfang des 19. Jahrhunderts 

Er stammte aus Keiling in Mahren und erwarb am 
2. April 1813 das Biirgerrecht in PreBburg. Er war der 
Vater von Karl und wahrscheinlich auch von Johann 
Anton Ertl. Eine Violine von ihm besitzt der Prefi- 
hurger Domchor. 

Ertl, Johann Anton. — Wien. 1809. 1828 
Er soil zwar schon seit 1785 nachweisbar sein, doch 
legte er als Geigenmacher erst am 16. November 1810 
den Burgereid ab und wohnte Stadt Nr. 902. Schon 
1811 erscheint er als Untervorsteher der Geigen- und 
Lautenmachennnung in Wien. Seine Arbeit ist gut. 
Geigenzettel : Mit allerhochstem Privilegium / Johann 
Ertl in Wien (gedruckt). [Osterr. Adler] Johann Ertl 
in Wien/ 1809 (gedruckt). 

Ertl, Karl. — PreBburg. 1835. f um 1870 
Als Sohn von Jakob E. in PreBburg geboren, erwarb 
er am 15. Dezember 1835 das Biirgerrecht in seiner 
Vaterstadt. Er steht in seiner Arbeit Leeb und Schweit- 
zer nahe und hat, wie der letztere, allerlei chemische 
Versuche angestellt, um den »Cremoneser Lack zu er- 
grunden«, und dabei wenigstens so viel herausgebracht, 
daB sein Lack fiir seine Zeit sehr gut genannt werden 
kann. Seine Arbeit war sehr sauber, und besonders 
geschickt verstand er eingelegte lnstrumente herzu- 
stellen. In Schillings Lexikon (1830) wird er den besten 
Geigenmachern zugezahlt. Eine Geige, drei Violen, ein 
Violoncello und drei Basse von ihm besitzt der PreB- 
burger Domchor. Georg v. Scharitzer in PreBburg be- 
sitzt einen mit farbigen Holzern eingelegten KontrabaB 
von ihm. 

Geigenzettel: Abb. 199. 

Ervine, Robert. — Belfast. Geb. 1860 unweit 
von Belfast 

Er ist gelernter Zimmermann, hat sich aber bereits seit 
seinein zwolften Jahre mit dem Geigenmachen be- 
schaftigt. Er erlangte eine besondere Geschicklichkeit 
im Reparieren und hat bis 1904 sieben neue Geigen 
gemacht, fiir die er 1895 in Belfast eine Bronzemedaille 
erhielt. Er baut nach Stradivari und Guarneri und ver- 
wendet Whitelaws Ollack von goldbrauner Farbe. 
Geigenzettel: Made by / Robert Ervine / in Belfast / 
1893 No . . [Kreis mit Initialen] (gedruckt). 



126 



E. S. Evers 



E.S. 



1462 



Herr Dr. Karl Voll in Munchen besitzt eine Cister mit 
der Inschrift: »E. S. / MCCCCLXIR Die Buchstaben 
gleichen den Lettern des Gutenbergschen Alphabets; 
die sparsam angebrachten Verzierungen des Instru- 
ments sind gotisch; der Knopf am Wirbelkasten zeigt 
durchEinschnitte und hervorstehende Nase eineFratze. 
Holz und Arbeit entsprechen der Jahreszahl der In- 
schrift. Das Instrument scheint deutschen Ursprungs 
zu sein, und wenn die Buchstaben den Verfertiger an- 
deuten, konnte man auf Erhard Smid schlieBen. Ihrer 
Erhaltung nach ist diese Cister ganz besonders be- 
merkenswert, die wohl eine der altesten unter den 
datierten ist. 

Esmenjand, A e . — Barcelonette. 1821 

Nur ein Reparaturzettel gibt Nachricht von seinem 

Dasein. 

Geigenzettel: Repare par A e Esmenjand / de Barce- 

lunette 1821 (gedruckt). 

Esposito, Giosue. — Neapel. 1890. 1900 

Er und seine Briider Giovane, Pasquale und Gaetano 
gelten als gute, aus der Schule Vinaccias hervor- 
gegangene Mandohnenmacher. 

Estienne, Nicolas. — Mirecourt. 1767 

Ein vogesischer Geigenmacher und wahrscheinlich ein 
Vorfahre von Franz Ethien. 

Estruch, Gebriider. — Barcelona. 
Lauten- und Gitarrenmacher. 



1873 



Ethien (Etienne), Francois. — Orleans. 1804 
In seiner Arbeit nicht uninteressant. Niedt in Wtirz- 
burg besitzt ein Violoncello von ihm, 75V2 cm lanes 
34 cm oben, 43 cm unten breit. Die Wolbung ist sehr 
flach und lauft glatt aus, so daB der Rand nicht erhaben 
ist. Fischbeineinlage. F-Locher sehr schon geschnitten, 
an Stradivari erinnernd. Deckenholz sehr schon, Boden 
und Zargen dagegen deutsches Ahornholz nach der 
Schwarte geschnitten. Schon geschnitzter Lowenkopf, 
gelber Ollack. Auf dem Boden befindet sich an der 
Stimmseite ein breiter und flacher BaBbalken, so daB 
die Stimme auf diesem zu stehen kommt. Der Ton ist 
frisch und singend. 

Geigenzettel: Fait par Francois Ethien / Luthier a 
Orleans 1804 (geschrieben). 

Etienne, Victor. — Cambrai. 1900 

Er wird als »Luthier« bezeichnet und handelt auch mit 
Geigen. 

Eulry, Clement. — Mirecourt. Anfang des 
19. Jahrhunderts 

Geschickter Mirecourter Meister, der auch hiibsch ein- 
gelegte Mandolinen machte. 

Eury, Francois. — Mirecourt. 1753. 1758 
Bogenmacher. 



Eury Jakob. — Mirecourt. 1770. 1780 

Vielleicht Sohn von Francois E. Tuchtiger Geigen- 
macher, wahrscheinlich der Vater des beriihmten Pa- 
riser Bogenmachers Eury. 

Eury. — Paris. 1810. 1830 

Vorziiglicher Bogenmacher, der in der Rue des Lyon- 
nais St. Jacques Nr. 20 wohnte. Die meisten seiner 
Bogen tragen die Brandmarke »Eury« und sind sehr 
schon gearbeitet; einzelne davon kommen denen von 
Tourte sehr nahe. 

Evangelides, Giorgios K. — Athen. Geb. 1860 
auf der Insel Cypern 

Nach einer sechsjahrigen Lehr- und Wanderzeit eroff- 
nete er im Jahre 1885 in Athen seine eigene Werkstatt 
als Geigen-, Mandolinen- und Gitarrenmacher. Seine 
Geigen sind nach verschiedenen Meistern, seine Gi- 
tarren nach franzosischem und seine Mandolinen nach 
italienischem und griechischem Modell gemacht; seine 
Spezialitat ist eine Lyramandoline. Er besitzt mehrere 
griechische Medaillen. 

Evangelisti s. Vangelisti 

Evans, Richard. — London. 1 742 (auch 1 750?) 
Der Zettel fand sich in einem Instrument, das nach 
Sandys und Forsters Meinung sicher alter war als das 
angegebene Datum; es konnte aber auch Evans em 
alteres Instrument kopiert haben. 

Geigenzettel: Maid in the Paris of/ Amrhengel (?) 
by Richard / Evans, Instrument maker / in the year 1 742 
(gedruckt). 

Eve, Jacques-Charles. — Paris. 1758. 1788 
Er hatte das Ladenschild »A la fortune « und wohnte 
1758 in der Rue S. Andre des Arts, 1770 in der Rue 
Culture-Saint-Catharine, 1783 in der Rue Saint - 
Antoine und 1788 in der Rue Ville-du-Temple Nr. 101. 
In seiner ersten Zeit nennt er sich »Marchand Luthier«, 
spater kurzweg »Luthier«. Anfangs ist seine Arbeit 
plump, die Wolbung hoch mit tiefer Hohlkehle, die F- 
Locher an Stainer erinnernd, die Schnecke eigenartig 
und langgezogen. Die Zargen sind hoch und ohne 
Flammen, die Unterzargen aus einem Stuck, der Boden 
zweiteilig und eng geflammt und der Lack rot. Der Ton 
seiner Geigen ist immer gut, und spater wurde auch 
die Arbeit sauberer; er wechselte dann zwischen 
gelbem und rotbraunem Lack. Im ganzen scheint er 
unter deutschem oder englischem EinfluB gestanden zu 
haben. Eine gute Violine von ihm besitzt die Samm- 
lung des Pariser Konservatcriums (Nr. 18). 

Geigenzettel : Eve M d Luthier, rue S. Andre des / Arts, 
pres la rue Dauphine Fs S. Ger- / main, a la Fortune 
a Paris 1758 (gedruckt). — Eve, luthier, rue Culture- 
Saint / Catharine, 1770 A la Fortune (gedruckt.) 

Evers, A. H. — Lubeck. 1890. 1903 

Kaufmann und Instrumentenmacher, dessen Sohn in 
Klingenthal gelernt hat und der Werkstatt im vater- 
lichen Geschafte vorstand. 



Evert — Faber 



127 



Evert, Caspar. — Liibeck. 1 657 

Man weiB nur, daG er Instrumentenmacher war und 
am 17. Oktober 1657 in der Marienkirche einen Sohn 
taufen lieG. 

Ewan, David. — Cowdenbeath. Geb. 4. Marz 
1839 in Stoneyhill bei Musselburgh (Schott- 
land) 

Er ist Musiklehrer, Komponist und Leiter e!ner Tanz- 
kapelle und hat iiber 100 Violinen gemacht. In seiner 
ersten Zeit nahm er die Wolbung sehr hoch und ge- 
brauchte einen Spirituslack. Spater naherte er sich dem 
Stradivarimodell, nahm aber die Wolbung hoher als 
iihlich und verwendete Bernsteinlack. 

Geigenzettel : Dd. Ewan / Cowdenbeath / August 1889 
(geschrieben). — Dd. Ewan. / Teacher of music, / Vio- 
linmaker and repairer / Cowdenbeath (gedruckt). 

Eylenstein, Adam. — Weimar. Geb. 1 1. Mai 
1705 in Weimar, f ? 

Er trat 1724 bei J. H. Ruppert in Erfurt in die Lehre 
und wurde bereits 1731 zum Hof instrumentenmacher 
in Weimar ernannt. Er war sehr vielseitig und machte 
nicht nur alle Arten von Geigen und Bassen, sondern 
auch Lauten, Mandolinen und Zithern und selbst Har- 
fen und Klaviere; in allem aber war er nur ein ge- 
schickter Handwerker. Eine Violine von ihm aus dem 
Jahre 1 726 f uhrt das am 9. Dezember 1 773 aufgestellte 
inventar der damaligen Kothener Hofkapelle an. Ein 
Violoncello vom Jahre 1731 ist in London in Privat- 
hesitz. 

Eyles, Charles. — Harpenden. 1910 

Er war urspriinglich Maler und hat als solcher seine 
Ausbildung in Paris genossen. Spater verlegte er sich 
auf den Geigenbau und fand bald Anerkennung in 
weiten Kreisen. 



r abbricatore. — Neapel 



Mehrere neapolitanische Lauten- und Mandolinen- 
macher fiihren zwischen 1770 — 1830 den Namen 
»Fabbricatore«. Ich glaube nicht, dafi dies der eigent- 
liche Familienname ist; wahrschemhch bezeichnete der 
Stammvater nur seinen Beruf damit, und die Sonne 
und Enkel behielten die Sitte bei, nachdem die Firma 
zu Ruf gekommen war. DaG die verschiedenen »Fabbri- 
caton« zusammengehoren, ist nach ihrer Arbeit, die 
vorzugsweise im Empirestil reich verziert ist, als zwei- 
fellos anzunehmen. Sie gehorten vielleicht einem Zweig 
der zahlreichen Familie Vinaccia an. 

Fabbricatore, Gennaro I u. II. — Neapel. 
1773. 1832 

Gennaro I war wahrscheinlich der Sohn, jedenfalls der 
Schiiler von Giov. Battista F. Er machte fast nur Lau- 
ten, Mandolinen und Gitarren, diese aber sind pracht- 
voll gearbeitet und kunstreich eingelegt. Er wohnte 
immer in der Strada S. Giacomo, und zwar 1773 — 1793 



im Haus Nr. 37, von 1802—1808 Nr. 26, von 1808 an 
wieder Nr. 37 und von 1816 an Nr. 42. Arbeiten vno 
ihm kommen haufig vor und smd in vielen Sammlun- 
gen zu finden, so eine Gitarre von 1810 bei C. Claudius 
in ^Copenhagen und zwei solche von 1820 und 1823 im 
Musikhistorischen Museum in Stockholm (Nr. 30, 194). 
Eine Gitarre in Lyraform mit einem geschnitzten 
Mannerkopf und einem Boden aus Wurzelahom be- 
sitzt GroGfiirst Nikolai Nikolajewitsch und J. H. Zim- 
mermann in St. Petersburg eine mit Ehenholz ein- 
gelegte sechssaitige Gitarre aus dem Jahre 1815. In 
seinen letzten Jahren machte er nur noch auf Bestellung 
Gitarren und Mandolinen, er scheint sich damals mehr 
dem Geigenbau zugewendet zu haben. Violinen von 
ihm kenne ich nicht, aber ein Violoncello vom Jahre 
1826 mit seinem geschriebenen Zettel besitzt Sekretar 
G. Endres in Fiirth. — Es gab iibrigens urn 1826 zwei 
Mitglieder der Familie mit dem Taufnamen Gennaro. 

Geigenzettel: Gennaro fabricatore Napoli A. 1805 
(gedruckt). — Gennaro fabricatore / Anno 1820 Napoli/ 
Strada S. Giacomo No 42 (gedruckt). — Abb. 220. 



Fabbricatore, Giovanni Battista. — Neapel. 
1780. 1811 

Trefflicher Lautenmacher, von dem ebcnfalls in vielen 
Museen bemerkenswerte Arbeiten aufbewahrt werden, 
so eine Mandure im Germanischen Museum in Niirn- 
berg, ein Mandorone im Museum des Pariser Kon- 
servatoriums (Nr. 1369), eine neapolitanische Mando- 
line (das Wort »Fabbricatore« fehlt hier) in der staatl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 752), 
ein gleiches Instrument im Gothenburger Museum, ein 
solches von 1782 im Stadtischen Museum zu Braun- 
schweig; auch bei der Auktion des Malers Fcrd. Wag- 
ner in Munchen kam eine Laute von ihm von 1782 zur 
Versteigerung. Eine Apollo- oder Lyragitarre von ihm 
aus dem Jahre 1805 besitzt die Sammlung der Gesell- 
schaft der Musikfreunde in Wien (Nr. 38). 

Geigenzettel: Gio Battista Fabricatore fecit / An. 1793 
in S. M. dell Ajuto N° 32 / Napoli (gedruckt). — 
Abb. 230. 

Fabbricatore, Pietro. — Neapel. 1780. 1799 
Der am wenigsten Bekannte der Familie; auch er 
machte fast nur Mandolinen und Gitarren. Eine Man- 
doline von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown 
in New York (Nr. 1065). 

Geigenzettel: Abb. 221. 

Fabbricatore, Vincenzo. — Neapel. 1770 
Wahrscheinlich der Vater von Giov. Battista, Gennaro 
und Pietro. Seine Arbeiten, hauptsachlich Mandolinen 
und Lauten, sind gewohnlich nicht so reich eingelegt 
wie die der jiingeren Mitglieder der Familie. 

Faber, Josef. — Augsburg. 1 588 

Ein Musikinstrumentenmacher, der 1588 ein nicht 
naher bezeichnetes Instrument ins Stipendium nach 
Tubingen lieferte. Er war wahrscheinlich ein Ver- 
wandter von Wolfgang Faber. 



128 



Faber Farotti 



Faber (Fabricius), Wolf (Wolfgang). — Mttn- 

chen. 1556. 1563 

Er war Organist und fertigle Musikinstrumente (Or- 
geln, Floten, Klavizimbeln, Lauten u. dgl.) an. Vgl. 
Westenrieders Beitrage III, 74 und Franz Trautmann, 
»Die Altmunchener Meister«, im I. Jahrgang des Jahr- 
huchs fur Miinchener Geschichte. 

Fabian, Julius. — Landeck. Glatz i. Schl. 
Geb. in Glatz oder Landeck 1826, f 29. Mai 
1894 in Glatz 

Er war gelernter Tischler und hat erst in reiferen 
Jahren, angeblich bei Vincenz Beck, den Geigenbau 
erlernt. Zunachst liefl er sich in Landeck nieder und 
iibersiedelte erst im Jahre 1862 nach Glatz. Er besaB 
viel Handgeschicklichkeit und war ein vielbeschaftigter 
Reparateur. Er hat einen Stimmsetzer fiir die Violine, 
der sich sehr bewahrt hat. erfunden und machte auch 
Versuche mit einem neuen Bafibalken. 



Fabris (Fabbris), Luigi. — Venedig. t nach 
1873 

Seine Violinen sind gute Durchschnittswaren, doch 
hat er auch einige vorziigliche Geigen und Violoncelli 
gebaut; auch sein roter Lack ist nicht schlecht. Beim 
Ausbessern alter Geigen legte er grofie Sorgfalt an den 
Tag. 

Geigenzettel: Luigi Fabris fecit./ Venezia, Anno 1838, 
Premiato con Medaglia d'argento / all* Esposizione di 
Treviso 1872 (gedruckt). — Luigi Fabris fecit , Venetia 
l'anno 1860 [in Umrahmung] (gedruckt). 

Facini, Fra Agostino. — Bologna. 1732. 1742 
Ein Monch aus dem Orden Johanns von Gott. Sein 
Geigen, die an Tononi erinnem, zeichnen sich durch 
gute Arbeit, reizvolle Form und schonen, gelben oder 
gelbroten Lack und saubere Einlagen aus. Die F-Locher 
sind nach Stradivari geschnitten, der Ton ist weich 
und edel. 

Geigenzettel: Fr. Augustinus Facini. Ord s . S. Joanis 
de Deo / Fecit Bononiae / 1733. (geschrieben). 

Farber s. Oskar Zimmer 
Fagnola, Annibale. — Turin. 1902 

Ein geschickter Geigenmacher, der ganz in der Art von 
Pressenda und Rocca arbeitet. Er verwendet einen 
roten Lack. In einer Violine mit ganzem Boden, nach 
Guarneri, die Rander der Schnecke schwarz gestrichen, 
fand sich sein Name (zweimal) mit Tinte geschrieben 
im lnnern der Decke. Er imitiert Pressenda so genau, 
dafi viele seiner Arbeiten als echte »Pressenda« im 
Handel sind. 

Geigenzettel: Annibale Fagnola fece Torino 1902 (ge- 
druckt) und Abb. 227. 

Faillita, Antonio. — ? 1761. 1791 

In englischen Geigenverzeichnissen findet sich wieder- 
holt dieser etwas fragwiirdige Name als der eines lta- 
lienischen Gcigenmachers. 



Falaise (Falaire?). — (Paris?) 

Franzosischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Er 
steht Pique nahe, ist gut in der Arbeit, verwendet 
schones Holz und baut nach Amati und Stradivari. 
Sein Lack ist von gelber Farbe und nur diinn aufge- 
tragen. Jacquot erwahnt einen 1774 — 1789 in Mire- 
court vorkommenden Joseph Fallaire. 

Falco, Paolo. — Cremona. 1750. 1752 

Seiner Arbeit nach kann er als ein Schuler der Bergonzi 
(vielleicht B. Bergonzis) gelten. 

Falisse, Auguste. — Briissel. 1912 

Ein talentvoller Geigenmacher, dessen Arbeit bei einem 
Vergleichsspiel mit alten Meistergeigen den ersten 
Preis erhielt. 

Falke, Wilhelm. — Hannover-Linden 

Ein Tischler, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigen- 
bau beschaftigt. 

Fallet, Alfred. — Dombresson. Geb. 1 1 . Mai 
1846 in Dombresson (Neuchatel, Schweiz) 
Nach einer fiinfjahrigen Lehrzeit, und nachdem er in 
verschiedenen fremden Werkstatten gearbeitet hatte, 
machte er sich 1891 in seiner Vaterstadt selbstandig 
als Geigenmacher und Kunsttischler, fertigte nach 
Stradivari Violinen, yioloncelli und Basse und verwen- 
dete Spiritus- und Ollack. Seine Geigen haben einen 
lauten Ton. Auf der Genfer Ausstellung 1896 erhielt 
er eine Bronzemedaille. 

Geigenzettel: Alfred Fallet / Dombresson-Neuchatel 
(Manchmal mit Datum) (gedruckt). 

Farinato, Paolo. — Venedig. 1695. 1725 

Seine Geigen haben manche Ahnlichkeit mit denen 
Serafino Santos. Er verwendet ein hiibsches Modell 
und einen gelblich-rotlichen Lack. Besonders gut sind 
seine Violen, in deren Umrissen er manchmal recht 
originell ist. 

Faron, Achilles. — ? 1701 

Vidal erwahnt ohne nahere Angaben einen Geigen- 
macher dieses Namens und nennt als Wohnort »Ratis- 
bonne«. In Regensburg sowohl als im Komgl. Kreis- 
archiv Amberg ist keine Spur zu finden, Mettenleiter 
erwahnt ihn nicht, und der Klang des Namens lafit 
auch auf keinen Deutschen schliefien. Vidal mufi 
schlecht gelesen haben. — Auch in Ratibor habe ich 
vergeblich nachgeforscht. 

Farotti, Celeste. — Mailand. Geb. 1864 

Durch Selbststudium erlernte er den Geigenbau und 
hat schon recht gute Instrumente gemacht. Sein ge- 
druckter Zettel zeigt auf der einen Seite das Mai- 
lander Wappen, auf der andern eine Blume und hat 
den folgenden Wortlaut. 

Geigenzettel: Farotti Celeste / da San Germano di 
Casale/Fece in Milano nell' anno 1901 / C. Farotti 
(handschr.) (gedruckt). 



Faruzi — Feilnreiter 



129 



Faruzi, Francesco. — Venedig. 1853 

Hauptsachlich mit dem Ausbessern alter Geigen be- 
schaftigt, hat er nur selten neue Instrumente gebaut. 

Fasanaro (Fasanari), Luigi, lebt in Neapel 
Fasani, Giovanni. — Brescia. Geb. um 1785, 

turn 1850 

Er stellte 1831 eine Violine nach Stradivari aus und 

machte auch alle anderen Bogemnstrumente. Seinem 

Zettel nach stammt er aus Cremona. 

Geigenzettel : Jo. Fasani Cremonensis / restauravit 

Brixias an. 1832 (gedruckt). 

Fassauer-Ferron, Gustav. — Chicago. 1912. 
1914 

Guter amerikanischer Musikinstrumentenmacher und 
Handler. 

FaBmann, Gustav. — Magdeburg. Geb. 
12. Nov. 1858 in Tagewerben, f 27. Dez. 
1893 

Er erwarb 1 883 das Geschaft von Bernhard Diinkel und 
war Geigen- und Bogenmacher. Seine Arbeit war hand- 
werksmaflig gut, verriet aber keine Kiinstlerschaft. 

FaBmann, Ludwig Ernst. — Magdeburg. 1 894 
Nach dem Tode seines Bruders Gustav F. iibernahm 
er dessen Geschaft, in welchem er jedoch den Schwer- 
punkt auf die Herstellung von Blechinstrumenten legte. 

Fattorini, Francesco. — Finale Emilia. 1854 
Ein Dilettant, der einige Kontrabasse gebaut hat. 

Fauger, Henri. — Cognac. 1900 

Ein Musikinstrumentenhandler, der auch eine Geigen- 
macherwerkstatt besitzt. 

Faure, Toussaint. — Lyon. 1555. 1564 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und diirfte 
daher auch Lauten und Violen gebaut ha ben, obwohl 
sich bis jetzt nichts Naheres uber ihn erfahren liefi. 

Faust, Georg. — Prag (Altstadt). 1588 

Ein Lautenmacher aus Biichel (Buhl) in Baden. Er 
wurde 1588 am Montag nach hl.Veit (15. Juni) Prager 
Burger. 

Faustino. — Lucca. Modena. 17. Jahrhundert 
Er wird in einem Gedicht von Angelini di Piere erwahnt : 
»Fracassate chitarre e violini 
Furono a Faustin natio Lucchese 
Ch'essere ripenti ea suo' confini 
Escito, e aver cambiato il suo paese.« 
ValdrighiNr. 1007.) 

Fautrouillot, Francois. — Mirecourt. 1751. 
t 1774 

Bisher nur urkundlich nachgewiesen. 
Favrot s. Fevrot 

v. Lutgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Fa ye. — Angouleme (Dep. Charente). 1895, 
fvor 1900 

»Luthier« vom Ende des 19. Jahrhunderts, dessen Ge- 
schaft die Witwe fortsetzte und dann dem Sohn iiber- 
gab. Jetzt heiOt die Firma »Vve Faye fils«. 

Febvre (Febbre) s. J. B. Lefebvre 

Fedeli, Giuseppe. — Foligno. 1 9. Jahrhundert 
Es gibt Geigen mit seinem Namen, doch scheint er sich 
fremder Mitarbeit ausgiebig bedient zu haben. 

Feierabend, Leo. — Engelberg (Obwalden). 

1848. 1855 

Ein braver Schweizer Geigenmacher, der hauptsachlich 
im Ausbessern alter Instrumente tiichtig war. 



Feiger 1 ) s. Syller 

Feilnreiter, Franz. — Wien. Geb. um 1785, 
f 17. April 1866 

Seine Geigen sind brav gearbeitet, vorziiglich gelangen 
ihm aber seine Kontrabasse, die er braun lackierte. Da 
ihm sein Lack wohl selbst nicht gefiel, liefi er seine 
besseren Geigen bei N. Sawitzki lackieren. Der Lack 
dieser Geigen ist gelblich und bedeutend schoner als 
der seiner Basse. Er verwendete auch F. F. als Brand- 
marke (Mr. 20). 

Geigenzettel : Franz Feilnreiter , Geigen- und Guitar- 
macher / in Wien / auf der Laimgrube N°. 180 (gedr.). 
— Gemacht von F. Feilnreiter/ Gefirnifit von N. Sa- 
witzki (gedruckt). — Abb. 203. 

Feilnreiter, Georg. — Wien. Geb. um 1820, 
t 25. Dez. 1878 

Braver Wiener Geigenmacher ohne Eigenart, dessen 
Violinen zu derb im Holz sind und daher wenig Ton 
haben. Dagegen hat er sehr gute Kontrabasse gebaut. 
Er war auch ein tuchtiger Musiker und als Bafigeiger 
Mitglied der Hofoper. Eine Geige von ihm besitzt das 
Stift Klosterneuburg. 

Feilnreiter, Johann. — Wien. Geb. um 1789, 
f 26. Okt. 1867 

Wahrscheinlich ein Bruder von Franz F. Geigen von 
ihm kommen selten vor und sind nicht hervorragend 
in der Arbeit. 

Feilnreiter, Leopold. — Wien. 1888. f '904 

Er war hauptsachlich Musiker und hat schwerlich das 
Geigenmachen regelrecht erlernt. Er wurde jedoch 
Nachfolger von Georg F., dessen Sohn er gewesen sein 
diirfte. Seine Geigenreparaturen waren stumperhaft, 
am brauchbarsten waren noch seine Kontragitarren. Er 
war in dem Wiener Vorort Penzing ansassig. 
Geigenzettel : Leopold Feilnreiter / Geigenmacher Pen- 
zing/ Postrase (sic) reparirt/ No. 100 ano. 1888 (geschr.). 



1 ) In einigen Werken kommt der Name Feiger vor, 
der durch schlechtes Lesen des Wortes »Geiger« entstan- 
den ist. 

9 



130 



Fekete — Fendt 



Fekete, Michael (Mihaty). — Budapest. 1915 
Ungarischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Feldt, Thomas. — Wien. 1676 

Am 30. Juni 1676 erlangte er als Lautenmacher das 
Wiener Biirgerrecht. Er ist moglicherweise ein Sohn 
von Magnus Feldtlen (Feldlen). 

Feldtle, Jorg. — Fiifien. 1650 

Er gait als tuchtiger Meister und wohnte in der »Vor- 
stadt«. Magnus Feldtlen diirfte sein Bruder gewesen 
sein. 

Feldtlen (Feldlen, Feldten, Felden), Magnus. — 

Wien. 1656 

Er war Kaiserlicher Hoflautenmacher. Die Gesellschaft 
der Musikfreunde in Wien besitzt von ihm eine Viola 
di Bordone (Baryton, Nr. 2), oben 6, unten 13 Saiten, 
die sie 1826 vom Stifte Herzogenburg als Geschenk er- 
halten hat. Valdrighi fiihrt diesen Meister mit der 
Jahreszahl 1722 auf. Wenn man nicht annehmen will, 
dafi er ein so hohes Alter erreicbt babe, dann miifite ein 
Lesefehler vorliegen. Andere lassen ibn dagegen scbon 
1550— 1556 gelebt baben. 

Geigenzettel: Magnus Feldlen Kais Hof Lauten- / 
und Geigenmacber in Wienn 1656 (gedruckt). 

Feldtmann, Christian. — Oldenburg i. Gr. 

1890 

Hofkapellmeister, »Erfinder« einer Geige mit mitklin- 

genden Saiten, die er Zimbalgeige nannte. 

Felipuci, Pier Ludovico. — Pesaro 
Er soil urn 1660 gelebt baben. 

Felszner, C. — ^Copenhagen. 1842 

Wabrscbeinlicb ein deutscber Musiker, der Geiger ge- 
flickt hat. 

Geigenzettel: Repariert von O. Felszner / ^Copenhagen. 
1842 (geschrieben). 

Fendler, Emil. — Czarnikau (Posen). 1918 
Ein Musiker, der aus Liebhaberei Geigen ausbessert 
und lackiert und sich darin eine gewisse Geschicklich- 
keit angeeignet hat. 

Fendt, Bernhard. — London. Geb. um 1775, 
angeblich in Innsbruck, f um 1832 in Lon- 
don, 57 Jahre alt 

Er war ein Neffe des Pariser Fendt und soil nach einer 
Uberlieferung in seiner Familie aus Schwaz in Tirol 
stammen, wo er auch den Geigenbau erlernt haben 
diirfte. Leider war es unmoglich, einen urkundhchen 
Beweis dafiir zu ermitteln. lch glaube nicht, dafi die 
Familie Fendt tirolischen Ursprungs ist, auch wenn 
sich cinzelne Mitglieder dort ansassig gemacht haben, 
wie /.. B. der begeisterte Musikfreund Abbe Fendt, der 
einst das wundervolle Guarnerivioloncello besessen hat, 
das jetzl dem Violoncellisten Bottermund gehort. Viel- 
leicht komrnt man unsercm Geigenmacher naher, wenn 



man beacbtet, dafi sich im Taufbuch zu Dinkelsbiihl 
in den Jahren 1657—1665 fiinf Tauflinge aus der Fa- 
milie Fendt finden, darunter am 2. April 1662 ein 
Bernhard Fendt, der der Grofivater des Geigenmachers 
gewesen sein konnte. Leider verschwindet der Name 
Fendt nach 1665 in alien Dinkelsbuhler Matrikeln. 
Fendt ging in jungen Jahren auf die Wanderschaft, und 
es ist nicht unmoglich, dafi er in ltalien, vielleicht auch 
in Cremona gearbeitet hat, was nicht viel sagen will, 
da die italienische Schule damals schon ganz in Verfall 
geraten war. Nach anderen soil er schon als sieben- 
jahriger Knabe zu seinem Oheim nach Paris gekommen 
sein und bei diesem gelemt haben. In den letzten Jah- 
ren des 18. Jahrhunderts kam er nach London und ar- 
beitete von 1798—1809 bei Th. Dodd. Hierauf war er 
fiir Betts beschaftigt, und die meisten seiner trefflicben 
Amati- oder Stradivarikopien tragen Betts Namen. 
Aufier Violinen usw. baute er auch sehr gute Basse. Er 
ist in der Aylesbury Street, Clerkenwell, gestorben und 
hinterliefi vier Sonne, die alle Geigenmacher waren. 

Fendt, Bernhard Simon (Simmon). — London. 
Geb. in London 1800, f 6. Marz 1852 
Altester Sohn und Schiiler von Bernhard F. in der Werk- 
statt von Betts. Nachdem er seit 1823 fiir die Nach- 
folger von Betts gearbeitet hatte, verband er sich mit 
George Purdy zu der Firma Purdy and Fendt. Er war 
uberaus fleifiig und gescbickt, aber nicht sonderlich 
sorgfaltig. Wenn er aber wollte, konnte er seine 
Meisterschaft beweisen ; namentlich gelangen ihm 
Kopien des grofien Amatimodells, und noch in seinem 
letzten Lebensjahre erhielt er auf der Lcndoner Aus- 
stellung 1851 fiir ein wundervolles Quartett nach Gu- 
arneri den ersten Preis. Seine Basse baute er nach 
G. da Salo, sonst aber war Stradivari sein Vorbild. Das 
Holz ist gut gewolbt und der Lack hellrot. Eine 1820 
gebaute Violine von ihm stellten W. E. Hill & Sons in 
der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. 

Fendt, Francis. — London, Liverpool. 1850 
1857 

Vierter Sohn von Bernhard F. Schiiler seines altesten 
Bruders Bernh. Sim. F. Er war kein besenders ge- 
schickter Geigenmacher, arbeitete eine Zeitlang fiir die 
Firma Purdy & Fendt und ging 1856 nach Liverpool, 
wo er in kiimmerlichen Verhaltnissen lebte. 

Fendt, Francois s. Fent 

Fendt, Jakob. — London. Geb. 1815, f 1849 
Dritter Sohn von Bernhard F. und Schiiler seines al- 
testen Bruders Bernh. F. Ein sehr talentvoller Geigen- 
macher, der Stradivari und Lnpot mit Erfolg zum Vor- 
bild nahm, leider aber schon fruhzeitig starb. Er ar- 
beitete viel fur Handler und hatte auch die Leiden- 
schaft, seinen Arbeiten kiinstlich das Aussehen hoheren 
Alters zu geben. 

Fendt, Martin. — London. Geb. 1812, f 1845 
Zweiter Sohn und Schiiler .von Bernhard F. Er ar- 
beitete fast ausschliefilich fiir Arthur Betts, so dafi man 
fast nichts von ihm kennt, doch war er nicht unge- 
schickt: sein Holz ist gut, der Lack hellbraun. 



Fendt 



13! 



Fendt, William. — London. Geb. 1833, f 1852 

Jungster (zweiter) Sohn von Bernhard Simon F. Schii- 
ler und Gehilfe seines Vaters. Da er sehr jung starb, 
hat er nur sehr wenige Instrumente, darunter aber gute 
Violen und Basse, gemacht. 

Geigenzettel : William Fendt, Jun. / London 18 . . (ge- 
druckt). 

Fenga, Luigi. — Catania (Sizihen). Geb. 
29. Sept. 1866 in Catania 

Er erhielt eine gelehrte Vorbildung, hielt sich fiinf Jahre 
in Paris, London, Rom und Neapel auf und begriindete 
dann eine Firma in seiner Vaterstadt. Er befaBte sich 
zucrst nur mit Gitarren und Mandolinen , seit 1900 
auch mit Geigen. Er erhielt in Rom 1899 eine goldene, 
in Paris 1900 eine silberne Medaille, scheint aber das 
Geschaft jetzt wieder aufgegeben zu hahen. 

Geigenzettel: Aluisius Phaenga Catanensis fecit 1900 / 
Luigi Tenga-Catania (Italia) (gcdruckt). 

Fenouillet, Michel. — Paris. 1717 

Eine sehr hiibsche Bauernleier triig diesen Namen. 

Fent, Francois. — Paris. 1765. 1791 

Ein wahrscheinlich aus Schwaz in Tirol eingewanderter 
Meister, dessen Name dort noch vor drei Jahrzehnten 
vorkam, der aber wahrscheinlich seine erste Lehrzeit 
bei einem Fussener Meister durchgemacht hat. Auf 
cinem handschriftlichen Zettel bekennt er sich aus- 
drucklich als Deutscher und gibt als seine Adresse 
»Montmartre pres de la rue du Mail« an. Spater wohnte 
er dann Cul-de-sac Saint Pierre. Er gilt als ciner der 
geschicktesten Pariser Geigenmacher seiner Zeit, der 
die Italiener und besonders Stradivari gut studiert hat 
und trefflich nachzuahmen verstand. Ausgezeichnete 
Arbeit, prachtvolles Holz, schoner, rotbrauner Lack, 
der jetzt freilich sehr nachgedunkelt hat und fast 
schwarz aussieht. Sehr schon sind auch seine Schnecken, 
nur die F-Locher ofter zu weit offen. Vidal macht 
darauf aufmerksam, da(5 gerade Fents Instrumente sehr 
stark vom Wurm angegriffen werden. Der Name wird 
oft Fendt geschrieben. Er selbst schrieb sich stcts Fent 
und lieB gewbhnlich die Jahreszahl fehlen. 

Geigenzettel : fait par fent, / M tre luthier Montmartre / 
pres de la rue du Mail a Paris / Deitscher. (geschrieben). 
— Abb, 218. 

Feofanow. — Kasan. 1900 

Strcichinstrumentenmacher der Gegenwart, den ein 
russischer Furst ausbilden lieB, der ihm auch einige 
wertvolle italienische Geigen zum Kopieren heh. Er 
besitz.t viel Handgeschicklichkeit und verwendet einen 
guten Lack. 

Ferati, Pietro. — Siena. 1754. 1764 

Die Geigen, die ich mit seinem Zettel sah, zeigten un- 
saubere Arbeit, gewohnliches (grobjahriges) Holz, 
einen dicken, truhbraunen Lack und breite Einlage. 
Der Ton entsprach dieser Ausfiihrung. 
Geigenzettel: Pietro Ferati / fecit Siena 1764 (gedr.). 



Ferenczy, Alexander (Sandor). — Debreczen. 
Wien. Geb. 14. Juli 1859 in Budapest 
Schiiler von Adolf Monnig. Als Gehilfe kam er zu 
Thomas Zach in Wien, bei dem er fiinf Jahre lang 
blieb. Hier schloB er erst seine Ausbildung ab, so daft 
er sich mit Recht als einen Schiiler Zachs betrachten 
kann. Er arbeitete auch bei G. Lembock, lieB sich 
hierauf in Debreczen als Meister nieder und blieb sechs 
Jahre dort; 1893 ging er zunachst nach Budapest und 
dann nach Wien, wo er seinen bleibenden Wohnsitz 
aufschlug. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, so 
im Jahre 1898 auf der Jubilaumsausstellung eine Me- 
daille und im Jahre 1907 auf der Theater- und Musik- 
ausstellung eine goldene Medaille usw. 

Ferenczy-Tomasowsky, Karl (auch Karl F.To- 
masowski). — Berlin. Rotterdam, Haag, 
Neuyork. Geb. 1863 in Budapest 
Schiiler von Zach und von W. J. Schunda in Budapest. 
Er hatte ein hubsches Quintett auf der Jubilaumsaus- 
stellung im Haag 1900 und erhielt schon auf der Millen- 
niumsausstellung in Budapest einen ersten Preis als 
Gehilfe. Urn 1889 soil er in Berlin gearbeitet haben, 
und nach allerlei Fahrlichkeiten kam er schlieftlich 
nach Neuyork. Vgl. De Wits Zeitschrift 1904, Nr. 10 
und 17. 

Feret.— Paris. 1708 

Wahrscheinlich aus Nancy stammend; er nennt sich 
einen Schiiler von Medard, den er nachgeahmt haben 
soil, gute Arbeit, brauner, leuchtender Lack. 
Geigenzettel: Fait par Feret / eleve de Medar, / annee 
1708 (geschrieben). 

Fergusson, William. — Edinburgh. 1815 

Vielleicht ein Schiiler von Perry. Er war einer der 
besseren schottischen Geigenmacher seiner Zeit. Spater 
lautete die Firma Fergusson & Son. — Ein Donald 
Ferguson arbeitete in Huntley, Aberdeenshire. 

Fernandez, Francisco 

Lebt als Saiteninstrumentenmacher in Rio de Janeiro. 

Ferrand, Eugene. — La Rochelle. Geb. in 
Marans 16. Aug. 1848 

Schiiler der Briider Rigondeau, bei denen er zwolf 
Jahre lernte, und deren Nachfolger er am 1. April 1874 
wurde. Er baut Klaviere, Orgeln und Geigen usw. und 
ist ein vorziiglicher Violoncellist. Im Jahre 1880 kaufte 
er auch das Instrumentengeschaft von Dureau. 

Ferraresi, Vincenzo. — San Felice (Modena). 
Geb. um 1793, f 1869 

Ein mittelmaBiger Geigenmacher, der sowohl Violinen 
als Violoncelli und Basse gemacht hat und auch Holz- 
blasinstrumente vcrfertigte. 

Ferrari, Agostino. — Budrio. 18. Jahrhundert 
Vidal fiihrt einen Geigenmacher dieses Namens ohne 
weitere Angaben an, aber weder in Domenico Goli- 
nellis »Storiche di Budrio« noch in anderen Werken 

9* 



132 



Ferrari — Fichtholdt 



findet man ihn. Auch die Kirchenmatrikeln von Budrio 
enthalten nicht einmal den Familiennamen Ferrari, so 
daB es mir ganz unmoglich war. iiber diesen Geigen- 
macher irgend etwas zu ermitteln. 

Ferrari, Alfonso. — Carpi (Modena). 1738 
Man kennt hauptsachlich Basse von ihm. Als Geigen- 
niacher war er schwerlich hervorragend. 

Ferrari, Carlo. — Siena. 1740 

Er stand zweifellos unter dem EinfluB der Cremoneser, 
wenn er auch nur als ein Meister dritten Ranges 
gelten darf. 

Ferrari (Ferraro), Gasparo. — Rom. 1731. 

1776 

Unter den Ferraris der Bedeutendste. Er war haupt- 
sachlich Lauten- und Mandolinenmacher. Seine Arbeit 
ist sehr hubsch; auch sein hellgelber Lack ist zu loben. 
Eine Mandore von 1744 besitzt Claudius in [Copen- 
hagen, eine romische Mandoline die Sammlung Snoeck 
und eine reich eingelegte groBe (Archi-)Laute von un- 
gewohnlicher Breite die staatl. Sammlung alter 
Musikinstrumente in Berlin. Eine kleine, zwolfsaitige 
Mandoline ist in Miinchen in Privatbesitz. Eine 1776 
gebaute Mandoline von ihm besitzt W. Heyers Musik- 
historisches Museum in Koln. 

Geigenzettel : Gasparo Ferraro Romano / fecit in Roma 
nel mesa di Maggio / dell Anno 1744 (gedruckt). — 
Gasparo Ferrari Romano / Roma A 1751 (gedruckt). 
— Gaspar Ferrari Romanus / fecit anno 1776 (gedr.). 

Ferrari, Giambattista. — Modena. 1 853. 1 883 
Erfinder der »Chitarra decacorda« (eine Gitarre mit 
zwei Halsen und zehn Saiten) und selbst ein Virtuose 
auf diesem Instrument. 

Ferrari, Giovanni. — 18. Jahrhundert 

Ein bescheidener Geigenmacher, von dem sich eine 
schmucklose Taschengeige in W. Heyers Musikhisto- 
rischen Museum befindet (No. 735). 

Ferrer, Antonius. — Neapel. 1481 

Ein Klosterbruder, der fur Ferdinand I. von Neapel 
verschiedene Musikinstrumente machte. Von ihm heiBt 
es in einer Urkunde: »A Frate Ant Ferrer, quale fa 
certi stromenti da sonar por lo S. R., graciosamenta 
adi 4 dieto bis.« 

Ferri, Prime. — Mirandola. 1848. 1851 

MittelmaBig in seinen Violinen und Violoncelli. Bei 
Valdrighi (1028) wird er aufgezahlt. 

Ferrier, William. — Dundee. Geb. 1849 in 
Old Scone, Perthshire 

Ein Photograph, der sich aus Liebhaberei dem Studium 
des Geigenbaus gewidmet hat. Er hat bisher iiber 30 
Violinen gemacht, von denen ihm viele nur als Ver- 
suche galten. Einige sind langer als ublich, andere zu 
diinn im Holz, alle aber von bemerkenswerter, schoner 
Arbeit. 

Geigenzettel: W. Ferrier ; Dundee / No . . . 18 . . (ge- 
druckt). 



F. E. S.(?). — Wermrichhausen. 1829 . 
Uber seinen vollen Namen und auch seinen Aufenlhalt 
gibt die Pfarrmatrikel keine Auskunft. Nach seinem 
Zettel war er ein »Scrinarius« (Schreiner). Er hat ver- 
schiedene Basse gebaut, die heute noch da und dort in 
Franken anzutreffen sind. Die Arbeit ist handwerks- 
maftig, der Lack sehr durftig. Da er den (gewolbten) 
Boden auch aus Fichtenholz machte, sind seine ln- 
strumente jetzt meistens sehr schadhaft. 
Geigenzettel : F E S. Srinario. Wermerichhausen / 1829 
(geschrieben). 

Feury (Ferry), Francois. — Paris. 1715. 1 762 
Schwiegersohn von Leclerc, geschworener Meister der 
Pariser Lautenmacherzunft fur 1752 und fur 1757. 
Seine Geigen haben kleines Patron, sind hubsch gebaut, 
haben schon geschnittene kleine F-Locher, zierliche 
Schnecke. Sein Lack ist rot und dick. Er machte auch 
Gitarren, Mandolinen und Basse. Eine zur Bauernleier 
umgebaute Gitarre aus der Sammlung Snoeck (Nr. 600) 
befindet sich in Berlin. Einen Baft besitzt A. Rogat. 
Geigenzettel: F. Feury rue des Fossez / S fc Germain 
de 1'Auxerrois / proche la rue de l'Arbre sec / A Paris 
17 . . (gedruckt). — F. Feury, rue de l'Arbre-Sec / vis- 
a-vis Saint Germain-l'Auxerrois / Paris 1753. 

Fevrot. — Lyon. 1779. 1813 

Die wenigen von ihm bekannten Geigen sind von hand- 
werksmaBiger Arbeit. Er scheint jedoch als Reparateur 
viel beschaftigt gewesen zu sein. Seine Zettel sind ge- 
schrieben. Eine Lyragitarre von ihm besitzt Baron 
de Lery. 
Geigenzettel : Abb. 21 1. 

Feyzeau. — Bordeaux. 1740. 1770 

Er arbeitete seine Geigen nach eineni kleinen, hubsch 
gewolbten Modell; einzelne davon sind recht gut ge- 
macht. Sein (Spiritus-)Lack ist meist von hellgelber 
Farbe, der sich bei einigen Instrumenten in graubraun 
verandert hat. AuBer Geigen machte er auch Violen, 
Quintone und Lyren, die ihn gleichfalls als gewandten 
Meister erkennen lassen. Besonders hubsch in der Form 
sind die F-Locher und die Schnecke. Die Sammlung 
Savoye in Paris besitzt ein Quinton (von 1 765) von ihm. 
Geigenzettel: Feyzeau / a Bordeaux / 1760 (gedruckt). 

Fichtel s. auch Fichtl 

Fichtel (Fichtl), Hans. — Fiissen. 1690 

Vielleicht der Sohn von Jakob F. Ein seinerzeit sehr 
angesehener Lautenmacher, der im vornehmsten 
(ersten) Stadtviertel wohnte. 

Fichtel (Fichtl), Jakob (?). — 1670 

Ei kann als das alteste bekannte Mitglied der Familie 
Fichtl betrachtet werden. Der Vorname war nicht 
sicherleserlich. Nach einer schmucklosen Laute zu ur- 
teilen, die seinen Namen trug„war er ein wenig hervor- 
ragender Lautenmacher. 

Fichtholdt s. Fichtold 



Fichtl, Alois Mathias — Fichtl, Martin Matthias II 



133 



Fichtl, Alois Mathias. — Mittenwald. Geb. 
1764. 1810 

In seiner Arbeit macht sich der Niedergang der 
Mittenwalder Schule bereits bemerkbar. Die Geigen 
sehen auBerlich noch gut aus, sind innen sorglos ge-. 
arbeitet und klingen deshalb unedel. 

Fichtl, Christoph. — Fiissen. Geb. um 1695, 

f 9.Dez. 1758 

Im Fiissener Umlageregister vom Jahre 1714 wird er 
als Lautenmacher (kinderlos) aufgefuhrt. 

Fichtl (Fichtel), Gottlieb. -Breslau. 1806. 1820 

Er diirfte der Mittenwalder Familie angehort haben. 
Man kennt einige nach Amati hiibsch kopierte Geigen 
von ihm. Sein Reparaturzettel findet sich in einer 
Laute, die angeblich C. Maria v. Weber gehort hat, 
und in einem Violoncello im Schlesischen Museum fur 
Kunstgewerbe und Altertiimer. 

Fichtl, Johann. — Wien. 1716. 1742 

In den Burger- und Steuerbuchern kommt er nicht vor; 
er war vielleicht der Vater oder der Bruder von Martin 
Matthias F. Eine Viola mit seinem Namen wurde mir 
1890 in Wien von einem Handler angeboten. 

Fichtl, Johann Ulrich. — Mittenwald. 1750. 

1769 

Einer der besten Mittenwalder, der das Amatimodell 
kannte und gclben Lack verwendete. Seine Geigen sind 
dick im Holz, und die Arbeit ist sehr gut. 
Geigenzettel: Abb. 225. 

Fichtl, Joseph. — Fiissen. Geb. um 1692, 

t 10.Marzl759 

In der Sterbematrikel wird er als 67jahriger »Testudi- 
narius« bezeichnet. Er ist jedenfalls identisch mit dem 
gleichnamigen Lautenmacher, der im Umlageregister 
von 1737 als kinderlos aufgefiihrt wird. Seine Witwe 
lebte noch im Jahre 1774. 

Fichtl, Joseph Anton. — ■ Mittenwald. Geb. 
12. Aug. 1758, f nach 1790 

Gute Mittenwalder Schule. Eine Viola von ihm, die er 
im Alter von 18 Jahren gemacht hat, besitzt das Stift 
St. Florian in Oberosterreich. 
Geigenzettel: Antonius Fichtl / 1776. (gedruckt). 

Fichtl, Leopold. — Mittenwald. 1756 

Klotz-Schule. Seine Geigen zeichnen sich durch leichte 
Ansprache und gleichmaBigen, einschmeichelnden Ton 
aus. 

Fichtl, Magnus (Mang) Anton. — Krems. 
Geb. 1748 (in Fiissen oder Mittenwald?), 
t 4. Dez. 1792 in Krems (an »Abzehrung«) 
Um 1770 kam er nach Krems, wo er sich niederliefi 
und am 1 2. Januar 1 779 Burger wurde. Am 3. Mai 1 784 
heiratete er Maria Anna, die Tochter des Tiscbler- 
meisters Stadler, und brachte es zu Wohlstand und An- 



sehen, so daB er im Jahre 1790 zum Stadtkammerer 
erwahlt wurde. Seiner Arbeit nach mu6 er aus Mitten- 
wald stammen. Er bevorzugte ein Stainermodell, ver- 
wendete ziemlich gutes Holz und einen rotlichen Lack. 
Eine gute Viola von ihm, aus einem Kloster in der Nahe 
von Krems stammend, besitzt Hofgeigenmacher Jaura 
in Wien. 
Geigenzettel: 'Abb. 216. 

Fichtl, Martin. — Mittenwald. 1768. 1770 
Seine Violinen klingen gut, wenn sie auch nicht immer 
mit wiinschenswerter Sorgfalt gemacht sind. 

Fichtl, Martinus Mathias I. —Wien. Geb. um 
1651 (in Fiissen?), f 23. Febr. 1707 in Wien 
Seine Violinen sind nach einem kleinen Stainermodell 
gebaut und im ganzen unansehnlich. Er verwendete 
gutes Fichtenholz, dagegen meistens nur ungeflammtes 
Ahornholz. Auch sein dunkelbrauner Lack ist arm und 
ohne Glanz. 
Geigenzettel: Abb. 212. 

Fichtl, Martin Matthias II. — Wien. Geb. um 
1682, f 1768 

Wahrscheinlich Sohn des Martin M. I., F., den er jedoch 
so wesentlich ubertraf, daB man annehmen kann, daB 
er bei einem besseren Meister gelernt hat. Er wohnte 
als Geigen- und Lautenmacher im Karntner Viertel, 
legte am 27. September 1724 den Biirgereid ab und 
kommt in den Steuerbuchern von 1749 (sie reichen 
nicht weiter zuriick) bis 1768 vor. Zuletzt scheint er 
wegen hohen Alters nicht mehr gearbeitet zu haben, 
denn es heifit in den Akten bei ihm »Gewerbe feiernd«. 
Dadurch erklart sich auch, daB in den Buchern der 
Wiener Geigenmacherzunft sein Todestag nicht ver- 
zeichnet wird. Er muB also in seinen letzten Lebens- 
jahren der Zunft nicht mehr angehort haben. Er soil 
seit 1706/07 in Wien ansassig gewesen sein, was die 
Vermutung, daB er ein Sohn des im Jahre 1707 ge- 
storbenen gleichnamigen Geigenmachers war, nur ver- 
starkt. Er arbeitete sehr sauber nach einem groBen 
Stainermodell, bevorzugt eine hohe Wolbung und ver- 
wendete nur sehr gutes, feinjahriges Fichtenholz, sowie 
schones, moglichst breitgeflammtes Spiegelahornholz, 
und nimmt die Zargen nach der Schwarte geschnitten. 
Der Lack ist von schoner sattroter Farbe auf goldigem 
Grund. Weniger gelungen erscheinen seine Schnecken. 
Es gibt auch Geigen von mittelhoher Wolbung mit 
gelbbraunem Lack von ihm. Im Ton sind seine Geigen 
sehr gut und erreichen daher auch gute Preise. DaB 
sie sehr selten geworden sind, ist dem Umstande zu- 
zuschreiben, daB sie in den letzten 20 Jahren massen- 
haft nach England und Amerika verkauft wurden, wo 
sie, mit Stainer- oder Albanizetteln versehen, weit 
besser bezahlt wurden als in Wien. Seine besten Ar- 
beiten tragen Jahreszahlen zwischen 1730 und 1750. 
Zwei sehr schtine Violinen von ihm besitzt Hofgeigen- 
macher W. Th. Jaura, zwei Violoncelli, die sehr selten 
vorkommen, von 1737 und 1746 das Schottenstift in 
Wien. Auf einigen Zetteln gibt er nur den einen Tauf- 
namen Martinus an. 

Geigenzettel : Martinus Fichtl / fecit Vienna? 1 739 (ge- 
druckt). — Abb. 215. 



34 



Fichtl — Ficker 



Fichtl, Mathias. —Augsburg. 1720 

Vielleicht ein Sohn von Philipp Jakob F. Da diescr aber 
erst 1696 geheiratct hat und schon urn 1701 gestorben 
ist, geht schon daraus hervor, dafi er nicht dessen 
Schiiler gewesen sein kann. Dagegen spricht auch 
die Arbeit von Mathias F., die diejenige von Phil.Jak.F. 
bedeutend iiberragt. Er verwendet ein hochgewolbtes 
Modell ohne Hohlkehle; nur den meist aus einem 
Stuck gearbeiteten Boden nimmt er ziemlich flach. Das 
Holz ist gut, Hals und Schnecke gewohnlich Birn- 
baum, die Schnecke sehr schon geschnitzt; auch der 
Lack ist gut und von rotbrauner, durchsichtiger Farbe. 
Der Ton ist ansprechend, hell und gleichmaOig. 
Geigenzettel : Mathias Fichtl / Lauten- / und Geigen- 
Macher in / Augspurg 1 720 (gedruckt). 

Fichtl Michael. — Fiissen. 1737. f 13. Marz 
1757 

Im Fiissener Umlageregister fiir 1737 wird er als 
Lautenmacher mit einem einjahrigen Sohnlein Mang 
Anton aufgezahlt. 

Fichtl, Philipp Jacob. — Augsburg. Geb. um 
1670 in Fiissen, f um 1701 
Nach dem Hochzeitsbuche stammt er aus Fiissen und 
heiratete am 2. Februar 1696 die Witwe des Augs- 
burger Lautenmachers Hans Georg Edlinger, die er 
jedoch schon 1701 wieder als Witwe hinterlafit. Als 
Geigenmacher war er nicht bedeutend; sein hochge- 
wolbtes Modell hat am Rand eine deutliche Hohlkehle, 
die Brust ist spitz, die F-Locher steil und Iang. Das 
Holz ist manchmal nicht schlecht, aber fast immer zu 
dick. Auch der Lack ist sprode und diinn. gewohnlich 
von gelbbrauner Farbe, der Ton armselig und roh. 
Eine Viola mit einem Lowenkopf am Wirbelkasten be- 
sitzt das ZisterzienserinnenklosterOberschonenfeld bei 
Augsburg. 

Geigenzettel: Philipp Jacob Fichtl / Lauten- und 
Geigen-Ma / cher in Augsburg 1698 (gedruckt). 

Fichtold, Christoph. — Fiissen. 1650. 1666 
Einer aus Lechbruck nach Fiissen gezogenen Famihe 
angehorend. Vielleicht der jiingere Bruder von Hans F. 
Er wohnte im zweiten Stadtviertel und betrieb auGer 
der Lautenmacherei auch einen Kornhandel. 

Fichtold, Hans d. A. — Fiissen. 1616. 1666 

Er wurde am Sonntag Latare 1616 als Meister in die 
Fiissener Lautenmacherzunft aufgenommen und war 
vielleicht der am 18. September 1598 geborene Sohn 
des Andreas Fichtold. Man kennt seinen Namen aus 
Barons »Untersuchung des Instruments der Lauten «; 
dort heiBt es (Seite 94): »Hannss Fichtholdt, wclcher 
noch Anno 1612 vortreffliche, auf Italianische Art ge- 
arbeitete Lauten gemacht, ist auch nicht zu iibergehen, 
an welchen Ort er aber wohnhafft gewesen, ist mir un- 
bewuBt. Seine Arbeit, welche klein-spanicht, ist bey 
denen Instrument Verstandigen in grossen Werthe.« 
— Die Jahreszahl hat Baron wohl zu fruh angesetzt, 
es sei denn, dafi der 1650 als sehr wohlhabend vor- 
kommende Fiissener Meister, der im vornehmsten 



(ersten) Vierlel der Stadt wohnle, einen gleichnamigen 
Vater gehabt oder daB Hans F. cm sehr hohes Alter cr- 
reicht hat. 

Fichtold, Hans d. J. — Fiissen. 1666. f vor 

. 1690 

Er war ein Sohri von Hans F. d. A. und gleichfalls ein 
geschatzter Lautenmacher. 

Fichtold, Hanns. — Ingolstadt. 1650 

In der Mitte des 17. Jahrhunderts soil ein Hanns 
Fichtold — vielleicht ein Bruder von Michel F. in 
Ingolstadt gelebt haben. Vielleicht aber hielt sich der 
Fiissener Meister um diese Zeit voriibergehend in In- 
golstadt auf. 

Fichtoldt, Michel. — Ingolstadt. 1650. 1651 

Leider lieB sich in der Ingolstadter Registratur nichts 
iiber ihn finden. Er war ein trefflicher Lautenmacher, 
von dem das Stadtische Museum in Braunschweig eine 
scheme Theorbe (Nr. 59) und die Konigl. Sammlung 
alter Musikinstrumente in Berlin eine Pandore von 
vollendeter Arbeit (Nr. 740) besitzt. 
Geigenzettel: Mich. Fichtoldt Burger und / Lauten- 
macher in Ingolstadt 1650 (gedruckt). — Michl Fich- 
toldt lauten / Macher in Ingolstat 1651 (geschrieben). 

Fichtold (Vichtelt), Sebastian. — Fiissen. 1606. 
1612 

Er war schon im Jahre 1606 »Fiirgesetzter« (Alter- 
mann) und kommt noch 1612 als Mitglied der Lauten- 
macherzunft vor. Seine Arbeit zeichnet sich durch 
Sauberkeit und reiche Verzierung aus. 

Fick, C. — Boitzenburg a. E. 1850. 1859 

Ein Musiker, der auch einige Geigen machte, die nicht 
unfleifiig gearbeitet sind und gut klingen, aber doch 
eine ungeiibte Hand verraten. 

Geigenzettel: C. Fick, Musicus fecit / Boitzenburg an 
der Elbe, op. 2 / 1850 (geschrieben). 

Ficker, August Wilhelm. — Markneukirchen. 
Geb. 23. Nov. 1855 

Schuler von Herrmann Dolling sen., Sohn des Gitarre- 
rnachers Heinr. Wilh. F. (f 8. November 1858). Von 
1872—1879 Gehilfe bei A. Riechers, griindete 1880 sein 
eigenes Geschaft in seiner Vaterstadt und verlegt sich 
besonders auf die Herstellung von Konzertviolinen und 
Violoncelli, bei denen er in neuerer Zeit auch Boden 
und Decke nach Dr. GroGmanns System abstimmt. Er 
arbeitet nach Stradivari und auch nach Amati und 
Guarneri und verwendet meist Ollack, teilweise jedoch 
auch Spirituslack. 

Geigenzettel: Wilhelm Ficker, / Fabrikation von 
Streichinstrumenten / Markneukirchen i/S. (gedruckt). 

Ficker, Carl Fnedrich (gen. Fickerhansel). — 
Markneukirchen. Geb. 13. Nov. 1783, 
f 7. Mai 1849 in Markneukirchen 

Sohn und Schuler von Johann Christian F. und dessen 
Nachfolger in der Werkstatt, Er war sehr tiichtig und 



Ficker, Call Moiitz — Fickei, JoIkiiiu Gcuig I. 



135 



wird als Lehrer von A. Riechcis bezeichnet, was jedoch 
nicht richtig zu sein scheint. Sein Sohn, der auch 
Geigenmacher wurde, machte ihm wenig Ehre. da- 
gegen mehr sein Schwiegersohn Carl Gottlob Pfretzsch- 
ner. 

Ficker, Carl Moritz. — Markneukirchen. Geb. 
20.Juni 1849 

Sohn von Carl Wilh. Aug. F. EIn geschickter, fleiOiger 
Meister. Da er aber viel fur den Handel gearbeilet hat, 
kommen Geigen mit scinem Namen selten vor. Er ist 
ubrigens ein Meister in der Kunst des Lackierens und 
ganz besonders geschickt in der Imitation alter Lackie- 
rungen. 

Ficker, Carl Richard. — Markneukirchen. 
Geb. 20. Nov. 1856 

Sohn von Carl Wilh. Aug. F., ein sehr fleiCiger und 
tiichtiger Geigenmacher, der den Beinamen seines 
GroRvaters »Fickerhansel« geerbt hat. 

Ficker, Carl Wilhelm August. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1. Aug. 1818, f 25. April 1868 

Sohn von Carl Friedrich F., Schiiler seines Schwagers 
Carl Gottlob Pfretzschner. Er war talentvoll ; da er sich 
aber dem Trunk ergab, ist er schliefilich herabgekom- 
men. Er gilt als der eigentliche Lehrer von A. Riechers. 
Dieser nannte seinen Lehrer allerdings »Hans Ficker«. 
Mit diesem Taufnamen gab es jedoch keinen Ficker in 
Markneukirchen. Die verschiedenen Johann F. konnen 
nicht in Betracht kommen. Am ehesten »FickerhanseK 

Ficker, Christian Samuel. — Markneukirchen. 
Geb. 4. April 1766, f 30.Marz 1819 
Ein weniger hervortretendes Mitglied der Famihe, 
immerhin aber noch ein geschickter Geigenmacher. 

Ficker, Friedrich Wilhelm. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1794, f 1873 

Sohn von Johann Gottlob F. und dessen Nachfolger. 
Die Geigen, die er urn 1830 — 1840 gebaut hat, sind 
seine besten. 

Ficker, Friedrich Wilhelm. — Erlbach. Geb. 
in Markneukirchen 31. Jan. 1821 
Er war zwar nicht Geigenmachers-, sondem Schuh- 
macherssohn, ist aber doch mit den iibngen Fickers 
verwandt. Er liefi sich in Erlbach nieder. 

Ficker, Georg Adam. — (Mark-)Neukirchen. 
Ende des 18. Jahrhunderts 
Ein Geigenmacher, von dem ich zwar Geigen (von ge- 
wohnlicher Arbeit) gesehen habe, den ich aber urkund- 
lich nicht nachweisen konnte. 

Ficker, Heinrich Wilhelm. — Markneukirchen. 
Geb. 1832, f 1858 

Sohn von Friedrich Wilhelm F. Er starb, ehe er die 
Hoffnungen, zu denen er berechtigte, erfiillen konnte. 



Ficker (Fucker), Johann Adam. — (Mark-) 
Neukirchcn. Geb. urn 1732. 1765 
Sohn und Schiiler von Lorenz F. Er wurde bereits am 
5. Oktober 1751 Meister und war ein tiichtiger Arbeiter. 

Ficker, Johann Christian I. — (Mark-)Neu- 
kirchen. 1700. 1722 

Er kam wahrscheinlich als Exulant nach Neukir- 
chen und wird in den Kirchenbiichern noch 1 720 und 
1722, allerdings ohne Angabe seines Berufs, erwahnt, 
diesen nennt dagegen sein Zettel schon 1700. Seine 
Arbeit ist sorgfaltig, Geigen von ihm kommen noch oft 
vor. 



Geigenzettel: Abb. 209. 

Ficker, Johann Christian II. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. urn 1735. 1780 
Zweiter Sohn und Schiiler von Johann Kaspar F. Er 
wurde am 21 . Mai 1 755 Meister und war auch ein tiich- 
tiger Kaufmann. Eine Violine von ihm besitzt u. a. 
C. Stoeber in Wiirzburg. Seinem Geschaftsgeiste ent- 
sprach es, auf seinen geschriebenen oder gedruckten 
Zetteln haufig Mitten wald und Cremona als Ursprungs- 
orte anzugeben, obwohl seine Arbeit weder tirolerisch 
noch gar cremonesisch aussah. Im Innern des Bodens 
f indet man haufig die Brandmarke Nr. 34 

4I»C*Fi 

Das Holz ist meist gut, die Wolbung hoch, der Lack 
braun. Der Ton seiner Geigen ist im allgemeinen recht 
gut. Er gebrauchte auch die Zettel seines Valers, oft 
ohne Jahreszahl. 

Geigenzettel : Johann Christian Ficker / probe Violin 
fecit Cremona (gedruckt). — Johann Christian Ficker/ 
Probe Violino in Cremona 1757 (geschrieben). 

Ficker, Johann Christian III. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 7. Marz 1758, f 1 . Nov. 1822 
Seine Geigen sind ziemlich hochgewolbt, wenn auch 
nicht iibermaBig. Die F-Locher sind etwas steif, da- 
gegen sieht die Schnecke mit ihren hiibschen, hervor- 
stehenden Ohren und weitspurigen Gangen besser aus. 
Der Rand ist gewohnlich rechf schmal. Auch er hat 
seine Arbeiten gerne aus Cremona oder Mittenwald 
datiert. 

Geigenzettel: Iohann Christian Ficker, Lauden ! und 
Geigenmacher in Neukirchen bey Adorf 1 809 (gedi .). 
— Iohann Christian Ficker , probe violino corr. Cre- 
mona (gedruckt). 

Ficker, Johann Georg I. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1732, f 25. Mai 1772 
Sohn und Schiiler von Hans Caspar F., ward am 
21. November 1752 Meister. Er starb, erst 39 Jahre 
7 Monate und 19 Tage alt. Nur die Geigen mit seinem 
Namen und den Jahreszahlen von 1752 — 1760 konnen 
ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden, diese aber 
sind leicht ansprechende, vojlklingende Instrumente. 



Ficker Fieglmiiller 



Ficker (Fucker), Johann Georg II. Geb. um 
1738. 1760 

Er war wahrscheinlich ein Meisterssohn und hat das 
Geigenmachen regelrecht erlernt. Bei der von Branden- 
hurg-Preu6en verlangten Rekrutierung von zehn sachsi- 
schen Regimentern wurde er ausgehoben. »Da er nun«, 
wie es im Zunftbuche heifit, »Gelegenheit gefunden, 
sich der Kgl. Preufi. und churfiirstl. Brandenburgi- 
schen Diensle zu entziehen und in sachsische Dienste 
zu treten«, bewarb er sich am 29. Mai 1760 um Auf- 
nahme in die Zunf t, und er wurde tatsachlich als Meister 
angenommen. Wofiir er »von gantz freyen Stiicken« 
ein halbes FaB Bier fiir »das Geigenmacher~Handwerk« 
stiftete. Arbeiten von ihm sind wegen der Gleichnamig- 
keit des gleichzeitig tatigen Johann Georg I. F. schwer 
nachzuweisen. 

Ficker, Johann Georg III. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 30. Marz 1761, f 14. Juni1801 
Sohn von Johann Georg I. F. Da er den Vater schon 
im elften Lebensjahre verlor, kann er schwerhch dessen 
Schiiler gewesen sein. Trotzdem benutzt er die gleichen 
Modelle wie dieser. 

Ficker, Johann Gottfried. - — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1754, f 7. Juli 1816, 62 J. 
6 M. 1 T. alt 

Er darf mit Johann Gottlob nicht verwechselt werden ; 
seine Arbeit ist weniger gefallig, auch das Holz in der 
Regel weniger schcn. 

Ficker, Johann Gottlob I. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1 744, f 30. Nov. 1832 
Sohn von Johann Caspar F., wurde am 13. Juni 1764 
Meister und gehort zu den besten Geigenmachern des 
Vogtlandes. Seine Arbeiten zeichnen sich durch gutes 
Holz, saubere Durchfiihrung und edlen Ton aus. Seine 
Violinen waren schon zu seinen Lebzeiten geschatzt; 
trotzdem fiihlte auch er sich veranlafit, wiederholt 
am seinen Zetteln bei Unkundigen den Schein zu 
erwecken, als hatte man es mit Cremoneser Geigen zu 
tun. Er tut dies in demselben sinnlosen Latein, das fiir 
vicle seiner Zeitgenossen und Vorganger typisch ist. 
Ein Beweis fiir die Giite seiner Geigen mag es sein, 
dafi lhn viele wirkhch fiir einen Cremoneser Meister 
hielten; noch Niederheitmann tat dies, wenn er auch 
zugibt, dafi die Geigen nur wenig der Cremoneser 
Schule entsprechen. Da er fleiftig war und 88 Jahre 
4 Monate und 5 Tage alt wurde, kommen seine Geigen 
noch haufig vor. Er gebrauchte oft eine, iibrigens auch 
von anderen Mitgliedern der Familie in ahnlicher Form 
verwendete Brandmarke (Nr. 39). Die Schreibweise 
seines Zettels ist sehr schwankend. 
Geigenzettcl : Iohann Gottlob Ficker prcbe Violino cor- 
Respont Romani Cremona 1788 (gedruckt). — Abb. 205. 

Ficker, Johann Gottlob II. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 6. Dez. 1778, f 26. Aug. 1827 
Sohn von Johann Gottlob I. F. Er arbeitete ganz in der 
Wcise seines Vaters und wird wohl auch stets nur unter 



diesem, der lhn ja iiberlebte, gewirkt haben. Es ist 
daher schwer, lhn vom Vater zu unterscheiden, es sei 
denn, daft man weniger gute Geigen, die echte Zettel 
und Brandmarke tragen, fiir seine Arbeit halt. 

Ficker, Johann Kaspar. — (Mark-)Neukirchen. 
Geb. um 1703, f nach 1767 

Nachdem er die Geigenmacherkunst regelrecht erlernt 
und eine Zeitlang als Geselle gearbeitet hatte, wurde er 
am 2. Januar 1 722 Meister, wobei man ihm das Meister- 
stiick erliefi. Er saB schon 1755 und noch 1766 und 
1 767 als Vormeister im Zunftrate. Ein tiichtiger Geigen- 
macher, der viel auf Reisen gewesen sein soil. 
Geigenzettel: Johann Caspar Ficker Vio- / hnmacher 
in Neukirchen / Ao. 1749 (gedruckt). 

Ficker, Lorenz. — (Mark-)Neukirchen. 1730 

Er wurde als tiichtiger Geigenmacher geriihmt, ist aber 
nach 1730 nicht mehr nachzuweisen. Arbeiten von ihm 
oder Zettel waren nicht aufzutreiben. 

Ficker, Paul Kurt. — Markneukirchen, Char- 
lottenburg-Berlin. Geb. 2. Febr. 1880 in 
Markneukirchen 

Sohn und Schiiler von Carl Moritz F. Als Gehilfe ar- 
beitete er von 1899—1901 bei Joh. Padewet in Karls- 
ruhe. Nachdem er seiner Militarpflicht geniigt hatte, 
machte er sich 1903 in Markneukirchen selbstandig, 
siedelte jedoch 1908 nach Charlottenburg iiber, um fiir 
die Firma Rob. Beyer tatig zu sein. Seit November 1910 
vereinigte er sich mit Fnedr. Freitag zu der Firma 
Freitag & Ficker in Berlin. Gut vorgeschult, hatte er 
als Gehilfe besonders Gelegenheit, sich im Neubau und 
in der Reparatur zu vervollkommnen. 

Fida, Anton. — Paris. 1809 

In einer gewohnlichen Geige von zweifelhaftem, wenig 
franzosischem Aussehen fand sich nachstehender Zet- 
tel, auf dem auch Anton (fiir Antoine) auffallen muB. 
Geigenzettel: Anton Fida / a Pans 1809 (gedruckt). 

Fiebig, Johann Carl. — Schweidnitz. Geb. in 
Guhrauum 1770, f um 1810 

Orgelbauer und Instrumentenmacher. Er erwarb 1802 
das sogenannte kleine Biirgerrecht in Schweidnitz und 
soil um 1810 verstorben sein; 1812 heiratete seine 
Witwe den Geigenmacher Koded. 

Fiedler, August Gottwald Friedrich. — Mark- 
neukirchen. Geb. in Untergattengrun bei 
Adorf2.April 1863 

FleiBiger Geigenmacher der Gegenwart. 

Fieglmiiller, Benedict. — ? 1755 

Ein siiddeutscher oder osterreichischef Meister, von 
dem eine »Pochette in Violinform« in der staatl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 913) 
aulbewahrt wird, die im zierlichen Schallkorper den 
kleinen Bogen und einen niedlichen, hemalten Facher 
beherbergt. 



Field — Fingland 



137 



Field, T.— 1815 

Englischer Geigenmacher aus dem ersten Viertel des 
19. Jahrhunderts. 

Fifo del Pagliaro. — Rolo (Modena). 1840 
Ein fleiBiger Meister von handwerksmafiiger Tiichtig- 
keit, der Geigen und Basse in groBer Zahl gemacht hat. 

Filano, Antonio. — Neapel. 1787 

Reich eingelegte Mandolinen tragen seinen Namen. 

Filano, Donato. — Neapel. 1763. 1783 

Es gibt nur sehr wenige Geigen von ihm, und diese 
sind unbedeutend; auch ihr brauner Lack ist nicht zu 
loben. Dagegen sind seine Mandolinen und Pandoren 
gut. Eine reich und geschmackvoll eingelegte neapoli- 
tanische Mandoline von ihm besitzt die staatl. Sammlung 
alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 750), eine ahn- 
liche C. Claudius in Kopenhagen, zwei die Sammlung 
Loup und eine das Musikhistorische Museum in Stock- 
holm. Eine sehr sorgfaltig gearbeitete, uberreich mit 
Schildpatt, Perlmutter und Elfenbein eingelegte Man- 
doline von ihm mit der Jahreszahl 1774 befindet sich 
in der Sammlung Fritz Wildhagen in Halensee bei 
Berlin. Eine aus der Sammlung des f Charles Gimbel 
stammende italienische Laute, mit Schildpatt und Perl- 
mutter eingelegt, besitzt das GroBherzoglich Badische 
Museum fiir Altertiimer in Karlsruhe mit einer fran- 
zosischen (!) Wohnungsangabe: ^Donatus Filano Fecit/ 
Anno Dni 1 773 / Av. Rue de la Sainte Claire«. Valdrighi 
schreibt den Namen Fileno. 

Geigenzettel: Donato Filano fecit alia rua / di s. Chiara 
A. D. 1782, Napoli (geschrieben). — Donatus Filano 
fecit anno D. 1770 / Neap, alia Rua de Tafetranari (ge- 
druckt). 

Filano, Giuseppe. — Neapel. 1785. 1797 
Ein Sohn von Donato F. und wohl auch dessen Schuler. 
Eine Gitarre von ihm befand sich in der SammlungLoup. 
Geigenzettel : Joseph Filano, Filius Donati fecit Neap. / 
Alia Rua di S. Chiara / Anno 1787 (gedruckt). 

Filano, Luigi. — Neapel. 1821. 1832 

Sohn oder Enkel von Donato F. Er hat wie dieser fast 
ausschlieBlich Gitarren und Mandolinen gemacht. 
Geigenzettel: Abb. 204. 

Filipp, Hans. — Markneukirchen. Geb. 1858 
in Schonbach i. B. 

Schuler von Johann Fischer in Schonbach. Er arbeitete 
als Gehilfe an verschiedenen Orten und liefi sich 1883 
in Markneukirchen nieder. Durch seine besondere 
Handfertigkeit, die er u. a. beim Bau von niedlichen 
Miniaturinstrumenten (Violoncello, Stockgeige usw.) 
bevvies, hat er sich einen Namen gemacht. Er erfand 
auch einen recht praktischenundsicheranzuwendenden 
Wirbel fiir Streichinstrumente. Da er fast ausschliefi- 
lich fiir Handler arbeitet, kommen nur wenig Instru- 
mente mit seinem Namen vor. 

Filippi, Filippo. — Rom 

Unbedeutender Musikinstrumentenmacher des 1 9. Jahr- 
hunderts. 



Filippo s. Orazio 

Ftllion, Georges-Charles. — StraBburg. Geb. 
in Seloncourt (Doubs, Frankreich) 19. Febr. 

1869 

Schiiler von Arnould in Mirecourt und Methfessel in 
Bern. Nachdem er ausgelernt hatte, arbeitete er noch in 
Mirecourt, vier Jahre in Paris und zwei Jahre bei Hill 
& Sons in London, als deren Schuler er sich haupt- 
sachlich betrachtet. Er kam hierauf am 1. Januar 1896 
nach StraBburg, wo er sich seitdem dauernd niederlieB, 
da dort seit langerer Zeit kein Geigenmacher mehr an- 
sassig war. Er hat eine tiichtige Schule durchgemacht, 
und seine Geigen zeichnen sich durch groBe Sorgfalt 
der Arbeit aus. Er kopiert hauptsachlich Stradivari, 
verwendet einen orangegelben Ollack und gilt als sehr 
talentvoll. 

Geigenzettel : No . . . G. Fillion Luthier / Strasbourg, 
annee 189 . . (gedruckt) und Abb. 214. 

Fincoli s. Vincoli 

Findiger, Arnold. — Leipzig. 1615 

Er war nur Reparateur und erlangte 1615 als Lauten- 
handler das Biirgerrecht in Leipzig. 

Findley, James. — Padanaram. Geb. 1815 auf 
der Farm Bromfield bei Brechin, f 1896 in 
Padanaram 

Ein schottischer Weber, der etwa 500 Geigen gemacht 
hat. Viele davon sind Kopien nach einer Jos. Guarnen- 
gelge, die ein Landsmann von ihm besaB, emige gehen 
in den Umrissen auf ein Stradivarimodell zuriick, und 
andere sind Nachahmungen einer <'Black Meg« ge- 
nannten alten Geige, die sich im Besitze eines Tanz- 
meisters in Forfar befand. Die F-Locher sind originell 
in der Form, die Einlage ziemlich breit, die Schnecken 
oft aus Birnbaumholz. Er verwendete einen diinnen 
Spirituslack von gelbbrauner Farbe, der sehr nachge- 
dunkelt hat. In der Wahl des Holzes war er sorglos 
und verarbeitete selbst alte Eisenbahnschwellcn, wenn 
er nichts anderes zur Hand hatte. Die Weberei betrieb 
er bis an sein Ende; auBerdem war er ein vorziiglicher 
Geiger. 

Geigenzettel: James Findley / Maker / Padanaram j 
I860 (gedruckt). 

Finer s. Fiscer 

Finger, Josef. — Briinn. 1806. f 1856 

Er wurde als lnstrumentenmacher 1806 bei der Tisch- 
lerzunft eingeschrieben und erlangte 1810 das Biirger- 
recht. Arbeiten von ihm lernte ich noch nicht kennen. 

Fingland, Samuel. — Glasgow. 1892 

Ein Liebhaber, der in den neunziger Jahren in Glasgow 
lebte und einige Violinen nach Stradivari und Guarneri 
gemacht hat. Er verwendete braunlichroten Ollack. 
Geigenzettel: Samuel Fingland / fecit 1892 No. 14 ge- 
schrieben). 



138 



Finke Fio 



Finke, Joseph. — Haindorf (Bohmen). 1844. 

1860 

Wenig bekannter, abcr tiichtiger Gclgenmacher, von 
dcm Prof. Sattler in Linz eine Violine besaB, die ebenso- 
gut klang, als sie schon in der Arbeit und im Holz war. 
Geigenzettel: Josef Finke / Heindoif bei Friedland / in 
Bohmen (gedruckt). — Joseph Finke / in Haindorf / 
anno I860 (gedruckt). 

Finoc(chio?), Bibbiano. — Bibbiano (Reggio 
Emilia). 17. Jahrhundert 

Die staatl. Samnilung alter Musikinstrumente in Ber- 
lin besitzt zwei Gitarren (Nr. 643 und 648) italienischer 
Herkunft, von denen die eine die Form einer Vihuela 
(spanische Gitarre) hat; beide sind reich eingelegt und 
am Griffbrett bemalt. Die erstere trug den Namen des 
Verfertigers: Bibbiano Finoc ... Da Bibbiano kein ge- 
brauchlicher Taufname ist, diirfte anzunehmen sein, 
daft der Verfertiger damit seine Heimat angedeutet hat. 

Finolli, Giuseppe Antonio. — Mailand. 1750. 
1755 

Mittelmafiig in der Arbeit; er hat nur wenig Geigen 

gemacht. 

Geigenzettel: Abb. 226. 

Finte. — Paris 

Dieser Name kommt manchmal in franzosischen Gei- 
gen vor, mit denen ein Falscher dem Klange nach den 
Namen Fent gemeint haben wird, wie auch A. Jacquot 
annimmt. 

Finz, Emmanuel. — Avignon. Geb. in Gi- 
braltar um 1820, f in Avignon 10. Dez. 
1866 

Selbstandig von ihm gebaute Geigen sind mir nicht 
vorgekommen. 
Geigenzettel; Repare par Finz / Avignon 1853 (gedr.)- 

Finze. — Carpentras. 1852 

Vielleicht mit E. Finz in Avignon identisch. 
Geigenzettel: Restaure par Finze: / = Carpentras. 
1852 (geschrieben). 

Fiorani, Vincenzo. — Pergola. 1855 

Seine Geigen sind gewohnliche Handwerksarbeit. Das 
Holz ist sorglos gewahlt und der Spirituslack sprodc 
und unschon. 

Fiori, Amtlcare. — Casinalbo. 19. Jahrhundert 
Vielleicht der Vatcr der Briider Fiori, vielleicht auch 
ein Sohn von einem der beiden. Valdrighi zahlt ihn 
auf (1046), doch gelang es mir nicht, eine Arbeit von 
ihm zu Gesicht zu bekommen. 

Fiori, Andrea (Antonio?). — Modena. Geb. 
um 1796, f vor 1870 

Von Hatise aus lngenieur, beschaftigte er sich aus Lieb- 
haberci mit dem Geigenbau und brachte es in Verbin- 



dung mit seinem Bruder darin zu groBer Geschicklich- 
keit. Er verwendete Spirituslack. 
Geigenzettel: Abb. 217. 

Fiori, Gaetano. — Modena. Geb. um 1798, 
turn 1873 

Bruder von Andrea F. Er lebte abwechselnd in Modena 
und in Casinalbo mit seinem Bruder, mit dem er ge- 
meinschaftlich arbeitete. 

Fiorillo, Giovanni. — Ferrara. 1780 

Mehrerc gute Violoncelli von ihm sind in letztcr Zeit 
aufgetaucht, und da manches in seiner Arbeit an 
deutsche Art erinnert — so sind z. B. seine F-Locher 
denen Stainers recht ahnlich — , halt man ihn fur einen 
Siidtiroler. Ich glaube aber, daft er als Geselle in Tirol 
oder Deutschland gearbeitet hat, denn das ltahenische 
in seinen Werken hat doch das Ubergewicht. Viorillo 
zu schreiben ist falsch. 

Fiorini, Alessandro (Losandro) und Antonio. — 
Bologna. 1671. 1720 

Wahrscheinlich der Stammvater der Familie (zu der 
wohl auch die Floreni gerechnet werden miissen). Auch 
sein Sohn Antonio soil Geigenmacher gewesen sein, 
doch gelang es mir bisher nicht, Arbeiten von ihnen 
nachzuweisen. Die Zettel heider teilt de Wit zum 
erstenmal mit. 

Geigenzettel: Antonius Fiorini Bononiae / fecit Anno 
1720 (gedruckt). 

Fiorini, Giuseppe. — Miinchen, Zurich. Geb. 
1861 in Bazzano 

Er kam mit seinen Eltern im Jahrc 1867 nach Bologna, 
erhielt eine gute Schulbildung und war von Ende 1876 
an Schiiler seines Vaters Raffaele F. Schon im Jahre 
1881 machte er sich selbstandig, und um seinem Vater, 
der hauptsachlich Violoncelli baute und Reparateur 
war, keine Konkurrenz zu machen, verlegte er sich auf 
den Bau von Violinen und den Handel mit alten 
Meisterwerken. Zu diesem Zwecke unternahm er 
groftere Reisen, die ihn wiederholt auch nach Deutsch- 
land fiihrten. Im Jaljre 1889 wurde er der Schwieger- 
sohn Andr. Riegers in Miinchen und leitete das Ge- 
schaft unter der Firma Rieger & Fiorini, die dann 
Mitte 1899 in »Giuseppe Fiorini« umgewandelt wurde. 
Auch jetzt ist der Bau neuer Violinen und der Handel 
mit alten Meistergeigen seine Hauptbeschaftigung. Er 
macht seine Violinen in alien Teilen selbst, und da sie 
vorziiglich gearbeitet sind und vortrefflich klingen, 
fehlt es ihm auch nicht an ehrenden Anerkennungen 
und Auszeichnungen aller Art. Seine Geigen sind, ohne 
Kopien zu sein, von ausgesprochen italienischem Cha- 
rakter und entsprechen der Schule, aus der er hervor- 
gegangen ist. Er ist als vielerfahrener, griindhcher 
Geigenkenner geschatzt und war Mitbegriinder und 
Vorstandsbeisitzer des Deutschen Geigenmacherver- 
bandes, sowie Obmann der Sachverstandigenkommis- 
sion fur die Beurteilung alter -Instrumente. Durch den 
Krieg wurde er im Mai 1915 veranlaBt seine Werkstatt 
nach Zurich zu verlegen. Er wurde da in der Kunst- 
welt sehr freundljch aufgenommen und hat sich fast 



"lonni — rise her 



139 



ausschliefilich dem Bau von ncuen Geigen zugewendet, 
womit er grofie Erfolge erzielt hat. Es gelang ihm 
auch, in letzter Zeit die kostbare Stradivarisammlung 
des Grafen Cozio di Salabue von der letzten Erbin, 
der Marchesa Paola della Valle del Pomaro in Turin, 
fur 100 000 Lire zu erwerben. Diese Sammlung enthalt 
bekanntlich aufier mehreren Violinen usw. hauptsach- 
lich Werkzeuge, Modelle, Handschriften, Vorschriften 
fiir die Grundierung, Lackrezepte usw., die in den 
Handen eines Geigenmachers von ganz besonderem 
Werte sind, 

Fiorini, Raffaele. — Bologna. Geb. in Pianoro 
1828, fin Bologna 1898 

Er kam mit seinen Eltern als Kind nach Bazzano, und 
da er schon damals in alien freien Stunden versuchte, 
Geigen zu machen, fuhrte man ihn zu dem Bruder des 
Geigenmachers Tadolini nach Modena, von dem er 
spater auch den ersten Unterricht erhielt. Er arbeitete 
rastlos und vervollkommnete sich immer mehr, so daft 
er bald in gutem Rufe stand. Im Jahre 1867 berief ihn 
der beruhmte Violin professor Carlo Verardi nach Bo- 
logna, und hier wurde er durch ausgezeichnete Arbeiten 
in weiten Kreisen als einer der besseren italienischen 
Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahr- 
hunderts bekannt. Er wurde hauptsachlich als Repara- 
teur beschaftigt und hat daher nur wenige neue Geigen 
gebaut, dagegen ungefahr 60 Violoncelli, die sehr ge- 
schatzt sind. Seine Erfindung einer Vorrichtung 
zur mechanischen Herstellung der Rinne fiir die Ein- 
iagen hat sich im Grofibetrieb sehr bewahrt und wird 
noch jetzt in Mirecourt angewendet. Er war ein hervor- 
ragender Kenner der alten, italienischen Schulen, wie 
wenige zu seiner Zeit. Als seine Schuler sind zu nennen 
sein einziger Sohn Giuseppe und Augusto Pollastn. 
Sein Nachfolger in Bologna ist Armando Monterumici. 

Firth. — ■ Manningham. 1877 

Vielleicht ein Sohn von G. F. in Leeds. Er bevorzugte 
ein breites Modell. 

Firth, G. — Leeds. 1836. 1844 

Schuler von William Boots sen., aber nur mittelmafiig 

in seiner Arbeit. 

Geigenzettel: G. Firth No 1 10 Briggate, / Leeds, 1836 

(gedruckt). 

Firth & Ball. — New York. 19. Jahrhundert 
Amerikanische Geigenmacherfirma, von der ich einen 
guten dreisaitigen BaB kennenlernte. 

Fiscer (Fitter), Bruder. — Mailand. 1 760. 1 764 
Vermutlich zwei Deutsche Namens Fischer, oder, wenn 
de Piccolellis, der Ficher liest, recht hat, vielleicht 
Mitglieder der vogtlandischen Familie Ficker '). Aufier 
dem Namen spricht auch die Arbeit fiir die deutsche 
Herkunft. Ihre Geigen sind recht gut; auch der rote 
oder rotgelbe Lack ist schon zu nennen. 
Geigenzettel: Giuseppe Carlo Fratelli Fiscer / Fabbri- 
catori di strumenti in Milano / Vicino alia balla 1764 
(gedruckt). 



: ) Andere wollen Fitter oder Finer lesen. 



Fiscer, Carlo Vincenzo. — Mailand. 1770 
Vermutlich einer der beiden Bruder Fiscer, der 1770 
mit der gleichen Adresse allein arbeitend vorkommt. 
Die Musikinstrumentensammlung des Bachhauses in 
Eisenach besitzt eine Bastardlaute (Nr. 2) und eine 
prachtvolle Pandurina von ihm. 

Geigenzettel : CarloVincenzo Fiscer/fabbricator d' lstru- 
menti / Alia Balla in Milano anno 1770 (gedruckt). 

Fischbach 

Mehrere Mitglieder dieser Familie sind in der eger- 
landischen Geigenindustrie tatig, so Johann Fischbach, 
geb. 1860, Schuler von Josef Sandner, in Durngrun 
bei Schonbach, der seit 1882 eine Kindergeigenfabrik 
und eine Gastwirtschaft betreibt; ein anderer Johann 
Fischbach lieB sich nach 1898 in Schonbach nieder. 

Fischer. — Brambach. 1910 
Guter Bogenmacher. 

Fischer. — Markneukirchen 

Als Geigenmacher aus dieser Familie sind bekannt: 

Fischer, Christian Gotthilf I. Geb. urn 1728 
Er scheint in (Mark-)Neukirchen gelernt zu haben und 
kam dann zu der »Miliz«. Obwohl er Soldat war, be- 
warb er sich im Jahre 1748 um die Aufnahme in die 
Zunft und brachte eine Bescheinigung seines Haupt- 
manns bei, da6 dieser nichts dagegen habe. Er wurde 
dann am 27. Mai als Meister aufgenommen. 

Fischer, Christian Gotthilf II. Geb. 1748, 
f 14. Marz 1771 

Er wurde am 2. November 1768 gleichzeitig mit 
G. A. Kefller Meister, starb aber schon in einem Alter 
von 22 Jahren, 4 Monaten und 14 Tagen. 

Fischer, Christian Gottlob. Geb. 2. Juli 1815, 
f 10. April 1895 
Sohn von Johann Christian F. 

Fischer, Heinrich Wilhelm. Geb. 13. Dez. 1857 
Fischer, Johann Adam. Geb. 1730, f 1. April 

1809 

Er wurde am 24. Mai 1752 Meister und gait als ge- 
schickt. Er scheint in Neukirchen gelernt zu haben und 
war dort auch Geigenmachergeselle, doch wird aus- 
driicklich bemerkt, dafi er nicht der Sohn eines der 
Zunft angehorenden Meisters war. Er erreichtc ein 
Alter von 78 Jahren 5 Monaten, weniger 14 Tage. 

Fischer, Johann Christian. Geb. 24. Sept. 

1763, t 21. Dez. 1838 

Zweitcr Sohn von Johann Adam F. 
Fischer, Johann Georg. Geb. 16. Sept. 1758, 
+ 4. Dez. 1821 

Altester Sohn von Johann Adam F. und dessen Nach- 
folger. 

Geigenzettel: Johann Georg Fischer / Violinmacher in 
Neukirchen. (geschneben). 



140 



Fischer, Johann Gottfried — Fischer, Joseph 



Fischer, Johann Gottfried. 
1770, f 15. Sept. 1825 



Jiingster Sohn von Johann Adam F. und der talent- 
vollste der Sohne. Er gebrauchte eine ahnlicbe Brand- 
marke wie Joh. Gottl. Ficker (Nr. 39). 



Geb. 15. Mar z Fischer, Christian. — Hamburg. 1797 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und wurde 
am 8. September 1 797 Burger. 



Miinchen 

> Jahr 1805 ein Geigenmacher Fischer in 



Fischer. — 

Es soil um 

Miinchen gelebt haben. Vermutlich war Josef F., der 
Regensburger Meister, vorijbergehend in Miinchen, 
denn um die angegebene Zeit fand ich nur einen 
Sanger dieses Namens in Miinchen; alle iibrigen 
Fischer hatten der Musik vollig fernstehende Berufe. 

Fischer. — Schonbach b. E. 

Aus dieser Familie gingen folgende Geigenmacher her- 
vor: 

Fischer, Anton I. Geb. um 1806, f 1880 

Er gehorte schon 1826 der Innung an. 

Fischer, Anton II (noch lebend) 

Fischer, Carl (noch lebend) 

Fischer, Johann (noch lebend) 

Fischer, Rudolf (wohnt in Watzkenreuth bei 
Schonbach) 

Fischer, Wenzl, gehorte schon 1826 der In- 
nung an 

Fischer, Wenzel (noch tatig) 

Fischer, Alois in Profinitz i. M. scheint auch 
aus Schonbach zu stammen 

Fischer, Andreas. — Znaim. 1855. 1861 

In einigen mittelmaBigen Geigen fand sich sein Zettel. 
Besser waren seme Gitarren. 
Geigenzettel: Abb. 223. 

Fischer, Anton.— Wien. Geb. 1 794, f 10. Aug. 
1879 

Am 20. April 1821 legte er seinen Biirgereid ab und 
hatte seine Werkstatt Stadt Nr. 369. 1m Jahre J 83 5 
wohnte er »Seitzergasse gegeniiber dem Kriegsgebaude«, 
spater »am Graben nahe der Apotheke, im zweiten 
Hofe«. Er gehorte zu jenen Meistern, die ihre Kunst 
unablassig studieren. Zu diesem Zwecke brachte er 
eine schone Sammlung alter Geigen zusammen, dar- 
unter war auch eine Viola von Duif fopruggar, die Kiese- 
wetter im Jahre 1842 gesehen und fur zweifellos echt 
gehalten hat. In der Nachahmung der italienischen 
Vorbilder war Fischer nicht sehr gliicklich, obwohl er 
sehr geschickt war und gutes Holz verwendete, dagegen 
gelang es ihm leicht, die Geigen William Forsters 
trefflich nachzuahmen. Eine Violine von ihm aus dem 
Jahre 1825 und eine Viola von 1842 besitzt dasSchotten- 
stift in Wien. 
Geigenzellel; Abb. 207. 



Fischer, Georg. — Wien. 1857 

Vielleicht ein Sohn von Anton F. Er scheint verhaltnis- 
mafiig jung gestorben zu sein und gehorte der Wiener 
Geigenmacherzunft nicht an. Ich kenne nur einen Re- 
paraturzettel von ihm. 

Fischer, Gottfried. — Wien. f um 1888 

Sohn von Anton F., den er jedoch in keiner Weise er- 
reichte. Er wohnte vor Gutermann in Mariahilf, Haupt- 
strafie Nr.68 und verlegte seine Werkstatt im Jahre 1868 
in die untere Braunerstrafie, 1882 gab er sein Geschaft 
auf und iibernahm in Hietzing bei Wien eine Spezerei- 
warenhandlung, die bald zugrunde ging. Er starb dann 
im Versorgungshaus. Er hat nicht viele neue Geigen 
gebaut, die seine Brandmarke G. F. am Halsplattchen 
tragenden Violinen diirften zumeist Arbeiten geschick- 
ter Gehilfen gewesen sein. 

Geigenzettel: Gottfried Fischer / Wien / Mariahilfer 
Hauptstrafie No 68 (lith.). Brandmarke Nr. 27. 

Fischer, Johann Georg. — Jena. S. Vischer 
Fischer, Joh. Sim. s. Vischer 

Fischer, Johann Ulrich. — Landshut. Miin- 
chen. 1720. 1728 

Tiichtiger deutscher Meister, der u. a. als einer der 
letzten noch haufig Nonnengeigen gebaut hat. Seine 
Violen und Gamben sind von vortrefflicher Arbeit, 
auch seine Violinen sind zu loben. Um 1728 siedelte 
er, wenn der Zettel einer Marinetrompete echt ist, nach 
Miinchen iiber, doch lafit sich diese Tatsache urkund- 
lich nicht belegen. Zwei Nonnengeigen von 1720 be- 
finden sich in der Sammlung des Historischen Kreis- 
vereins in Landshut i. B., eine solche von 1722 besitzt 
die Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in 
Wien, eine ebensolche von 1728 und eine Violine mit 
Lowenkopfchen W. Feyers musikhistorisches Museum 
in Koln. 

Geigenzettel: J. Fischer Landshut 1722 (gedruckt). 
— Joham Vlnch Fischer laud Vnd gaigmachr / in 
landshuet 1726 (geschrieben). 

Fischer, Joseph. — Regensburg. Geb. 1769, 
t 22.Juni 1834 

Er soil aus dem Allgau stammen und war vermutlich 
ein Schuler von J.Anton Gedler in Fiissen. Er kam 
1790 von Wien nach Regensburg, wo er als Nachfolger 
von Kofiler und Widhalm betrachtet werden kann. Er 
war ein hervorragender Meister und baute nach italieni- 
schen 1 * Modellen, hauptsachlich nach Stradivari, und 
besafi einen wundervollen, gelbbraunen Ollack. Er 
kopierte seine Vorbilder so vorziiglich, daB jetzt viele 
seiner lnstrumente als echt italienische verkauft wer- 
den, aufierdem war er ein vom In- und Auslande gleich 
stark in Anspruch genommener Reparateur. Er war der 



Fischer — Flagel 



141 



Lehrer der Bruder Engleder, seiner Neffen und von 
P. Schulz. Auf vielen seiner Zettel befindet sich in der 
Mitte ein Doppeladler mit Krone. 
Geigenzettel : Josef Fischer fecit a Ratis- / bona 1792 
(gedruckt). — Joseph Fischer, / Lauten und Geigen- 
macher / m Regensburg Anno 1826 (gedruckt). 

Fischer, Joseph. — Znaim. 1862. 1865 

Vielleicht der Sohn von Andreas F. Wenig bekannter 

Geigenmacher, der wohl hauptsachhch Fhckarbeiten 

ausfiihrte. 

Geigenzettel: Josef Fischer/ lnstrumentenmacher/ in/ 

Znaim / Nr. 132. 1862 (gedruckt, lith.). 

Fischer, Karl. — Bremen. 191 1 

Seine Violinen tragen seinen Namen als Brandmarke. 

Fischer, Philipp Jakob. — Wlirzburg. 1715 
Er soil ein Bruder des Landshuter Meisters Johann 
Ulr. F. gewesen und urspriinglich auch in Landshut 
ansassig gewesen sein. Bei de Piccolellis wird er nur als 
in Landshut ansassig erwahnt. Vermutlich war er der 
Vater des beriihmteren Zacharias F. 
Geigenzettel: Philipp Jacob Fischer, Lauten- / und 
Geigenmacher in Wirz- / burg. Fecit 1715 (gedruckt). 

Fischer, Zacharias. — Wiirzburg. Geb. 5. Nov. 
1730, t 27. Nov. 1812 

Er gehort zu den Geigenmachern, die, wenn auch eine 
Zeitlang uberschatzt, doch durch ihre Arbeit den guten 
Ruf, den sie besessen, auch heute noch bis zu einem 
gewissen Grade rechtfertigen. Am besten sind seine 
Geigen aus den Jahren 1770 — 1780, deren Ton, wenn 
auch nicht so edel wie der der von ihm nachgeahmten 
Amatischule, immerhin recht voll und kraftig ist. Er 
studierte seine Vorbilder unablassig und kam ihnen in 
der Sauberkeit der Arbeit sehr nahe, leider aber geriet 
er schliefilich auf Abwege. Im Jahre 1786 machte er 
bekannt, daB er ein Verfahren erfunden habe, welches 
es ihm ermogliche, seine neuen Geigen denen des 
Stradivari und Stainer gleichwertig zu machen. Dieses 
Verfahren bestand jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach 
nur darin, das Holz im Ofen auszutrocknen, d. h. zu 
backen, weshalb es begreiflich erscheint, dafl die 
Geigen aus seinen spateren Lebensjahren jetzt meist 
verdorben sind. Er gebrauchte verschiedene Zettel und 
machte auch Lauten und Gitarren usw. Wie viele an- 
dere, die um die Jahrhundertwende gelebt hahen, be- 
nutzte auch er im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts 
noch die Zettel, auf denen 17 . . fiir die Jahreszahl vor- 
gedruckt war. Er schrieb einfach iiber die 7 eine 8 usw. 
Auf der Abbildung seines Zettels hat die Photographie 
die ge'druckte Zahl 17 scharf, die daruber geschriebene 
8 aber so undeutlich wiedergegeben, dafi man, wenn 
man nicht genau priift, leicht 1708 statt 1808 lesen 
konnte, was sich aber schon dadurch verbietet, daft 
Z. Fischer erst 1730 geboren wurde. — Er war 1755 
schon Hofgeigenmacher und erwarb am 20. Dezember 
1787 das Biirgerrecht in Wiirzburg in der (jetzigen) 
Horleingasse Nr. 8 (fruher: IV. 78), wo er auch starb. 
Eine Violine von ihm mit der Nr. 37 vom Jahre 1799 



besitzt Carl Stoeber in Wiirzburg. Eine siebenchonge 
Laute von ihm aus dem Jahre 1755 befindet sich in 
W. Heyers musikhistorischem Museum in Koln. 
Geigenzettel : Abb. 208. 

Fischesser-Chollet, Leon. — Genf, Staufen i. B. 
Paris. Geb. 12. Okt. 1861 in Saint-Cloud 
(Frankreich) 

Er liefi sich 1 885 in Genf nieder, wo er Rue Leger Nr. 6 
wohnte. 1888 hieft seine Firma Reymond & Fischesser 
freres. 1900 verzog er nach Staufen in Baden. Um 1904 
war er auch in Miilhausen im Elsaft tatig. Um 1905 
siedelte er nach Paris iiber, wo er Faubourg Poissomere 
seine Werkstatt aufschlug. Fiir seine neuen Geigen er- 
hielt er in Genf eine silberne Medaille. Sein heson- 
deres Interesse wandte er der Erforschung des Cre- 
moneser Geigenlacks zu. 

Fiscier, Tobia. — Siena. 1710 

Wahrscheinlich deutscher Abstammung, vielleicht Va- 
ter der Bruder Fiscer in Mailand. Eine theorbierte 
Laute von ihm befindet sich in W. Heyers musik- 
historischem Museum in Koln (Nr. 502). 

Fisty s. Sisty 

Fitsche, Johann. — Linz a. D. Geb. 1 81 9, + in 
Linz30.Aug. 1893 

Er hatte im Hause Landstrafie Nr. 23, auch Nr. 34 und 
17 seine Werkstatt und war ein alter Junggeselle mit 
allerlei Schrullen und Eigentiimlichkeiten. Er fertigte 
viele billige Geigen an, mit denen er seinen Lebens- 
unterhalt verdienen mufite, aber er war ein sorgsamer 
Reparateur und hat auch einige sehr gute Instrumente 
gebaut, mit denen er beweisen wollte, was er konnte. 

Fitter s. Fiscer 

Fivaz, C. F. — London. 1899 

Er wohnte als Geigenmacher und Reparateur bis 1899 
Essex rd. Islington Green N und ist spater ohne Hinter- 
lassung der Adresse verzogen. 

Flac, Philipp. — Lyon. Geb. um 1533. 1572 

Wahrscheinlich ein Deutscher; er gehorte zur refor- 
mierten Gemeinde in Lyon und wird als Lautenmacher 
bezeichnet. 

Flagel, Johann Joachim. — Liibeck. Geb. 
1 1. Marz 1845 zu Hornstorf, f 3. Jan. 1918 

in Liibeck 

Schiiler des Instrumentenmachers Adler, mit dem er 
zuerst gemeinschaftlich sein Geschaft hatte. Tiichtiger 
Blechblasinstrumentenmacher und Orgelbauer, der 
auch Geigen reparierte. 

Flagel, Heinr. Herm. Ludw. Jul. Rud. — 
Liibeck. Geb. 17. Juli 1871 zu Liibeck 
Sohn, Schiiler und Nachfolger seines Vaters J. J. Flagel. 



142 



Flambeau - Flo 



Flambeau, Joseph. — Mirecourt. 1740 

Er war vielleieht der Vater und Lehrer des 1776 bis 
1789 vorkommenden Charles Flambeau. Arbeiten von 
ihnen kennt man nieht. 

Flambeau (Flambau), Pierre. — Paris. 1816 
Wahrscheinlich aus Mirecourt stammender, unbedeu- 
tender Geigenmacber. Er nannte sieb einen Schiiler 
Kolikers, bei dem er wohl als Geselle gearbeitet batte, 
und verwendete auBer seinem gesebriebenen Zettel 
aucb eine Brandmarke mit seinem Namen. 

Flather, 0. P. 

Wobnt als Geigenmacber in Boston. 

Flechter, Victor S„ war urn 1894 in Neuyork 



Hamburg, f vor 



ansassig 
Fleischer, Carl Conrad. 
1738 

Jiingerer Sobn von Hans Christ. F. 
Fleischer, Hans Christoph. • — Hamburg. 1 672. 
1688 

Vermutlicb der Scbwager Joacb. Tielkes, der eine 
Fleischer geheiratet hat. Er erwarb am 12. April 1672 
das Hamburger Biirgerrecht und kommt 1688 nocb vor. 
Als Beweis seiner Tuebtigkeit kann man die Tatsacbe 
betrachten, dafi ein so feiner Kenner, wie Selhof, einen 
KontrabaB von ihm besaB, der 1 759 im Haag versteigert 
wurde. Er hat iibrigensauchTasteninstrumentegebau^ 

Fleischer, Johann Christoph. — Hamburg. 
Geb. urn 1675, fnach 1732 
Alterer Sohn und wohl aueh Schiiler von Hans Christ. 
Fl. Er wurde am 13. Juni 1705 Hamburger Burger und 
verstand es, den Ruf, den sein Vater bereits besaB, noch 
zu erhohen, so daB der Name Fleischer neben Tielke 
in derGeschichte des deutscben Instrumentenbaus stets 
hervorgehoben werden muB. Er hatte nebst seinem 
Bruder 1708 schwere Kampfe mit der Tisehlerzunft 
auszufechten, die seine Arbeit als einen Eingriff in ihre 
Rechte betraehtete. Seine Lauten und Violen sind von 
seboner Arbeit, er hat jedoch wie sein Vater aucb 
Tasteninstrumente gebaut und erfand u. a. 1718 ein 
»Lautenclavean« und einen »Theorbenfliigel«. 

Fleming, Georg. — Danzig. 1650 

Eine Laute (Nr. 5517) im Sehlesischen Museum fur 
Kunstgewerbe und Altertum in Breslau tragt den ge- 
sehriebenen Zettel: »Georg Fleming In Dantzig Anno 
1650«. 

Fleming, James M. — London. 1902 

Verfasser einiger verdienstvoller Werke zur Geigen- 
geschichte und bewahrter Geigenkenner. Er erfand eine 
neue Geige, die statt des holzernen Resonanzbodens 
einen ziemlich groBen Aluminiumschalltrichter besitzt, 
in den durch ein Membran die dureh die Saiten- 
schwingungen hervorgerufenen Tone iibergeleitet und 
zu Gehor gebraeht werden. Die Klangfarbe des neuen 
Instruments soil recht eigenartig sein. 



Fleming, John. — Saltcoats. 1895 

Seine Geigen, die nach Stradivari gebaut und mit 01- 
lack iiberzogen sind, tragen keine Zettel, sondern nur 
einen Brandstempel mit seinem Namcn. 

Flette, Benoist. — Paris. 1745. 1763 

Er war gescbworner Meister der Pariser Lautenmaeher- 
zunft fur 1763. Geigen von ihin sind wenig bekannt 
und unbedeutend, nur seine Lauten und Gitarren wer- 
den gelobt. Sein Name wird von einigen Hette gelesen. 

Fleuri (Fleury), Jean Francois. — Paris. 1 783 

1785 

Weder iiber sein Leben nocb iiber seine Arbeit ist et- 
was Besonderes zu sagen. Er gebort zu den Meistern 
dritten Ranges und wird nur selten erwabnt. Er darf 
mit Benoit Fl. nicht verwechselt werden. 

Fleurot. — Val d'Ajol. 1 8. bis 1 9. Jahrhundert 
Bisher sind nur Scheitholte von ihm bekannt geworden. 
Fleurot v/ar vielleicht einer der letzten Lautenmacher, 
die dieses in den Vogesen beliebte zitberartige In- 
strument, das scbon Praetorius (1618) verachtlich ein 
»Lumpeninstrument« nannte, in groBerer Anzahl ge- 
baut hat. Seheitholtartige Epinettes, oder genauer 
»Epinettes de Vosges« von ihm besitzen das Museum 
des Konservatoriums in Briissel, die Berliner staatl. 
Sammlung und das Musikhistorische Museum von 
W. HeyerinKoln(Nr.412). 

Fleury, Benoit. — Paris. 1751. 1791 

Ein geschickter Lauten- und Geigenmacber, der bei 
seinen Genossen sehr angesehen war und zum ge- 
schwornen Meister fur das Jahr 1755 gewahlt wurde. 
Er wohnte, und zwar noch 1789, im Faubourg Saint 
Germain, rue des Boueheries. Eine BaBviola von 1755 
von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservato- 
riums. Das alteste bisher von ihm bekannte echte In- 
strument ist ein Alto von 1751 : es ist daher sicher ein 
Irrtum, wenn ihn Hart schon in das Jahr 1718 setzt. 
Er war ein geschickter Reparateur und aucb seine Sack- 
pfeifen (ein Modeinstrument jener Tage) und Leiern 
waren beruhmt. Eine Diskantviola (von 1764) befindet 
sieb in der Sammlung Galpin (Hatfield). 
Geigen zettel : Abb. 219. 

Flodstrdm, L. E. — Stockholm. 1897 

Ein Dilettant, der 1897 in Stockholm recht brav ge- 
arbeitete Geigen ausgestellt hat. 

Floreno, Fiorenzo. — Bologna. 18. Jahrh. 
In der Art des Guidante, mit dem er oft verwechselt 
wird. Vidal liest »Florinus«. (Vgl. aucb das bei Giovanni 
Floreno Gesagte.) Auch ein Antonio Fl. soil zur glei- 
chen Zeit vorkommen. 

Geigenzettel: Florentus Florenus / fecit Bononiae, an. 
17 . . (gedruckt). 

Floreno, Giovanni Guidante. — Bologna. 1 685. 

1730 

Ubcr diese Familie herrscbt viel Unklarheit, die da- 
durch noch vermehrl wird, daB schon in alten Zeiten 
die Zettel vielfach gefalscht, ibr Wortlaut miteinander 



Flori 



Fluvairt 



143 



Vermengt oder umgestellt wurde. Da auch die Geigen 
haufig gut nachgeahmt sind, ist es oft schwer, die echten 
von den unechten zu unterscheiden. Die besten Kenner 
haben sich jetzt dahin geeinigt, einen Vater und einen 
Sohn des Familiennamens Floreno Guidante anzuneh- 
men, andere halten dagegen das Wort Guidante fur den 
Familiennamen, wozu die Zettel in der Tat auch ver- 
fiihren. Die Entscheidung konnte, abgesehen von der 
archivalischen Forschung, nur getroffen werden, wenn 
man moglichst viele zweifellos echte Arbeiten gleich- 
zeitig miteinander zu vergleichen in der Lage ware. 
Die Geigen, die dem Vater zuzuschreiben waren, ver- 
raten die Schule Amatis, die Arbeit ist manchmal un- 
genau, die Hohlkehle des Bodens ist tiefer als die der 
Decke, die F-Locher sind nicht schwungvoll, die 
Schnecke plump, der bernsteinfarbige Lack und der 
Ton aber immer gut. Wenn man nicht annehmen will, 
daB er ein Alter von etwa 90 Jahren erreicht hat und 
Geigen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1750 
usw. fiir echt halt, so mu6 er auGer seinem Sonne 
Guidante noch einen gleichnamigen Nachkommen 
gehabt haben ; von dieseni wiirde die Geige im musik- 
historischen Museum von W. Heyer in Koln her- 
stammen. Auch nach riickwarts findet man unmog- 
liche Jahreszahlen angegeben, so wurde 1898 in Koln 
eine BaGlaute mit dem Zettel : »Joannes Florenus 1 590 
in Cremona « versteigert. Arbeiten von ihm finden sich 
in verschiedenen Sammlungen. Eine Laute in der 
Sammlung C. Claudius in Kopenhagen vermehrt durch 
ihre lnschrift noch die Ratsel, denn sie lautet »Joannes 
Florenus Guarneri fecit in Cremona 1590«. Eine sehr 
gute Violine mit seinem Zettel und der Jahreszahl 
1757 (!) besitzt Dr. med. A. Kubicki jun. in Olmiitz. 
Geigenzettel : Abb. 231. 

Floreno, Guidante. — Bologna. 1710. 1740 
Wenn das Wort Guidante ein Vorname sein kann und 
nicht etwa mit »unter der Leitung« iihersetzt werden 
muG 1 ), dann sind die Geigen, auf deren Zetteln der 
Taufname Joannes fehlt, als Arbeiten des Sohnes von 
Giovanni Fl. anzusehen. Dieser jiingere Floreno miiGte 
ein fleifiiger Meister gewesen sein, da ihm Geigen aller 
Art und Lauten zugeschrieben werden. Nach diesen 
hatte er sein eigenes, oft groGes Modell, das an deutsche 
Vorbilder erinnert, aber flache Wolbung, scharf hervor- 
stehende Ecken, schrage stehende )(, wodurch die un- 
tere Halfte desGeigenkorpers ungewohnlich breit wird, 
und oft sehr breite, am Boden, der meist aus einem 
Stuck ist, schmalere Einlage. Trefflicher, dick auf- 
getragener Lack von groGer Feinheit und leuchtender 
Farbe (meist rotbraun auf gelbem Grund). Eine BaG- 
geige (oder Violoncello) von 1711 befand sich in der 
Selhofschen Sammlung. Ein Viola d' amore von 1730 
befindet si:h in der Sammlung Savoye in Paris. 
Geigenzettel: Guidante Florenus / fecit Bononiae 17 . . 
(gedruckt, Pergament). — Florinus Guidantus Fecit / 
Bononiae Anno 1710 (gedruckt). 

Florentin, N. — ? Anfang des 19. Jahrh. 
Eine gute Violine von flachem Modell und Orangelack 
trug diesen Namen ohne Ort und Datum. C. C. Snoeck 



! ) Vgl. guidare un negozio ein Geschaft leiten. 



besaG eine Violine nach Chanots Modell mit der Brand- 
marke M. Florentin. Eine gleiche befindet sich bei 
C. Claudius in Kopenhagen, eine dritte besitzt Leon 
Pagnier in Haag. Diese ist von groGem Patron mit be- 
sonders breitem Unterteil. Sie tragt eine Brandmarke, 
die der des D. Nicolas aine in Mirecourt nachgeahmt 
erscheint, wie er auch den gleichen Werkstattnamen 
»a la ville de Cremone« gefuhrt hat. Der Lack ist sehr 
diinn aufgetragen, so daG die Geige nur gebeizt er- 
scheint. Sie klingt trotzdem recht gut und spricht sehr 
leicht an. 

Brandmarke: A la ville de Cremone N Florentin (drei- 
eckig angeordnet, in der Mitte in einem Kreis N F). 

Floriani (Fioriani), Pietro. — Riva. Geb. in 
Albola bei Riva am Gardasee, getauft am 
3.Junil787, f 17.Januarl870 
Sohn des Miillers Francesco Ant. F. Ein vielseitiger, 
erfindungsreicherMann, der urspriinglich dasTischler- 
handwerk erlernt hatte und schliefilich Mechaniker ge- 
worden war. Im Jahre 1829 konstruierte er das erste 
mechanisch bewegte Schiff auf dem Gardasee, dann 
fiir die Hauptkirche von Riva eine groGartige Be- 
leuchtungsmaschinerie als Aufbau iiber dem Hoch- 
altar. Da er als Kind sehr schwach auf den FiiGen war 
und auf alien Vieren kroch, bekam er den Spitznamen 
»Pero Gatt«, der ihm zeitlebens blieb. Seine Liebe zur 
Musik brachte ihn dazu, si:h auch als Geigenmacher zu 
versuchen und der Erfolg, den er damit erzielte, ver- 
anlaGte ihn jedenfalls, verschiedene Instrumente zu 
bauen. Man sieht diesen freilich an, daG er kein ge- 
lernter Geigenmacher war; er war sorglos in der Arbeit 
und hatte auch keinen guten Lack, denn sein Haupt- 
streben war es, einen guten Ton zu erzielen, was ihm 
in einigen Fallen auch gut gelang. Rittmeister Picht 
in Ulm, dem ich die naheren Angaben iiber Floriani 
verdanke, besitzt eine Violine und eine Viola von ihm, 
in anderem Besitz befinden sich noch zwei Vtoloncelli, 
drei Geigen und eine Viola. — Einen Aufsatz iiber 
Fl. brachte die Trentiner »Liberta« 1921 Nr. 186. 

Geigenzettel: Pietro Floriani fecce, a , Riva di Trento 
1858 (gedruckt). 

Flofimann, Georg. — Tolz. Geb. am 4. Dez. 
1 843 in Oberneuching bei Erding 
Schiiler von Georg Tiefenbrunner in Miinchen von 
1858—1865, arbeitete dann bei J. Hornsteiner in Passau 
und bei Georg Heidegger in Passau, dann wieder bei 
Tiefenbrunner und eroffnete am 17. Mai 1875 sein 
eigenes Geschaft in Tolz. AuGer Streichinstrumenten, 
die er nach Amati, Stradivari und Guarneri baut und 
mit Spiritus- und Ollack versieht, baut er auch Man- 
dolinen, Gitarren und hauptsachlich Zithern, an welch 
letzteren er mehrere Verbesserungen angebracht hat. 
Er besitzt Preise und Medaillen der Niirnberger Aus- 
stellung von 1882 und der Kolner von 1889 usw. 

Geigenzettel : Abb. 224. 

Fluvain, Edouard. — ? 

Guter franzosischer Geigenmacher der Gegenwart. 



144 



Foetisch Forster 



Foetisch, Edouard. — Lausanne. Geb. 2. Juni 
1869 in Lausanne 

Schiller von R. Hammig in Markneukirchen und 
P. Mockel in Berlin. Fiinf Jahre lang arbeitete er in 
Leipzig, Dresden, Frankfurt, Stuttgart, Wien und 
Mirecourt und machte sich 1890 selbstandig. Er baut 
nach Stradivari, indem er sowohl einzelne Geigen ge- 
treu imitiert, als nach den bekannten Modellen arbeitet. 
Er ist Teilhaber der Musikinstrumentenfirma Foetisch 
freres, die in Vevey eine Filiale besitzt, fur die be- 
sonders Penzel tatig ist. 

Geigenzettel: Edouard Foetisch, Luthier / a Lausanne 
An No . . . (gedruckt). 

Foinant, Claude und Leopold. — Mirecourt. 
1765 

Wahrscheinlich Briider. Arbeiten von ihnen kennt man 
bis jetzt nicht. 

Foltin. — Gleiwitz. 1910 

Fonclauze, Joseph (gen. »le Mayeux«). — Pans. 
Geb. in Luxeuil (Franche-Comte) 1800, 
t Paris-Montmartre 1864 

Einer der besten franzosischen Bogenmacher, der, 
nachdem er bei D. Peccatte in Mirecourt ausgebildet 
worden war, 1820 nach Paris ging und zuerst bei 
Fr. Lupot, dann bei Fr. Tourte und schliefilich zehn 
Jahre lang bei J. B. Vuillaume arbeitete. Gegen 1840 
machte er sich in der Rue Pagevin selbstandig und zog 
dann in seinen letzten Jahren auf den Montmartre. 
Die meisten seiner Bogen tragen seinen Namen als 
Brandmarke. 

Fontana, Giovanni. — Ferrara. 1568 

Ein Instrumentenmacher, den Valdrighi (4164) er- 
wahnt. 

Fontanelli, Giovanni Giuseppe. — Bologna. 

1733. 1773 

Hauptsachlich als Lautenmacher beruhint. Zwei Man- 
dolinen von ihm besitzt das Museum des Pariser Kon- 
servatoriums. Eine prachtige, reich mit Schildpatt, 
Ebenholz und Elfenbein eingelegte Laute befindet sich 
in der Sammlung Gautier in Nizza. 
Geigenzettel: Glow Giuseppe Fontanelli / fece in Bo- 
logna, l'anno 1 733 — ^ X bre (gedruckt). — Giovanni 
Giuseppe Fontanelli / Bolognese f. an. 1772 (gedruckt). 

Fontaubert, lebt als »Luthier« in Angouleme 
Fonvielle, Jean de. — ■ Mirecourt. 1605 

Einer der altesten von A. Jacquot ermittelten Geigen- 

macher Mirecourts. 

Foradori, Giovanni. — Verona, Bologna. 1 855. 
1860 

Ein Feintischler, der sehr schbn eingelegte Schranke 
und Tische verfertigte. Er verlegte sich nebenbei auch 
auf das Geigenmachen, wobei ihm zwar seine Hand- 
fertigkeit sehr zustatten kam, doch jedes Verstandnis 
fiir das eigentliche Wesen des Geigenhaus abging. 



Forcheville, Jean-Baptiste. — St.Omer (Frank- 
reich). 1673 

Bisher nur durch eine Pochette, die sich in der Samm- 
lung Snoeck (443) befand, bekannt geworden; diese 
aber laflt den SchluG zu, dafi er in seinem Fache recht 
tiichtig war. Leider war es mir nicht moglich, in den 
Archivalien in St. Omer etwas iiber ihn zu finden. 
Geigenzettel: Fait a St. Omer par / J. B te . Forcheville 
1 673 (gedruckt). 

Ford, Jacob. — London. 1780. 1790 

Wie die meisten seiner Zeitgenossen in England nahm 
er sich Stainer zum Vorbild. Er war nicht ungeschickt 
und verwendete einen guten Ollack. 

Fornarone, il. — ■ Bologna 

Ein bolognesischer Instrumentenmacher, dessen Name 
und Zeit nicht feststeht, dem Namen nach vielleicht 
der Sohn eines Backers. Valdrighi nennt ihn ohne 
nahere Angaben unter Nr. 3757. 

Forni, Stefano. — Pesaro. 1666 

Seine Geigen glichen in ihrem Aussehen den Werken 
der Brescianer, sind jedoch weder in bezug auf Arbeit, 
Holz und Lack, noch auf den Ton hervorragend. 
Geigenzettel: Stefano Forni Fece; In Pesaro. L'anno 
1666 (gedruckt). 

Forno, CHristoforo del. — Rom. 1608 

Ein Lautenmacher aus der via dei Liutan, der wohl 
eine grofiere Werkstatt besaB. Er wird in der Klage- 
sache des vlamischen Lautenmachers Giovanni di En- 
rico als »Maestro« und Besitzer einer »Bottega« in der 
via dei Leutan erwahnt. 

Forster (Foster, auch Forrester), John. — 
Brampton (Cumberland). Geb. urn 1688 zu 
Kirkandrews, t Okt. 1781 in Brampton 
Der Stammvater der berubmten Geigenmacherfamilie 
seines Namens. Er war eigentlich Spinnrad- und 
Biichsenmacher, aber in vielen Kiinsten beschlagen, 
und machte gelegentlich auch Geigen. Ein ihm zuge- 
schriebenes Instrument ist sehr oberflachlich durch- 
gefiihrt, hoch gewolbt und folgt einem Modell, das 
etwa in der Mitte zwischen dem des Stainer und dem 
der Amatischule liegt. 

Forster, Simon Andrew. — London. Geb. 
13. Mai 1781, |2. Febr. 1870 

Sohn von William 111 F. Erst Schuler seines Vaters 
und dann von Samuel Gilkes, der als Gehilfe bei seinem 
Vater arbeitete. Er kam seinem Vater und GroGvater 
zwar nicht gleich, war aber ein feiner Kenner und ist 
namentlich bekannt durch seine Mitarbeiterschaft an 
dem Buche »The history of the Violin by Sandys and 
S.A. Forster«(1864). 

Geigenzettel: (in billigen Geigen:) Forster, No . . . (ge- 
druckt). — S. A. Forster / Violin, Tenor and Violon- 
cello / Maker / No . . London (gedruckt). 



Forster — Francais 



145 



Forster, William I. — Brampton. Geb. um 
1713, f 4. Marz 1801 

Sohn von John F. Er nennt sich auf seinen Zetteln 
zwar ausdriicklich Geigenmacher, war aber gleich 
seinem Vater eigentlich Spinnraddrechsler und hat auch 
als Spielmann sein Brot verdient. Seine Geigen sind 
roh gearbeitet und haben schlechten Spintuslack, 
klingen aber meist gut. 

Geigenzettel: William Forster / Violin Maker / in 
Brampton (gedruckt). 

Forster, William II. (»01d Forster «). — Lon- 
don. Geb. 1739 in Brampton, f 14. Dez. 
1808 in London 

Sohn von William I F., dessen Schiiler er sowohl als 
Biichsenmacher wie als Geigenmacher und Musiker 
war. Mit etwa 20 Jahren kam er nach London und 
arbeitete zunachst gelegentlich fur Handler, bis er sich 
so viel erspart hatte, um seine eigene Werkstatt zu er- 
offnen. Er ist ein vorziiglicher Meister gewesen und 
unstreitig der bedeutendste aus seiner Familie. Er ahmte 
von 1762— 1772 Stainer und dann die Amati nach und 
besaB einen trefflichen Lack; wenn er auch den edlen 
Ton seiner Vorbilder nicht erreichte, so iibertraf er sie 
doch sehr oft in der Klangfulle. Die englischen Samm- 
ler und Musiker achten seine Arbeit der Stainerschen 
gleich, und namenthch seine Violen und Violoncelli 
erreichen hohe Preise. — Es gibt auch einige sehr gute 
Basse von ihm, die er mit Vorliebe violoncelloformig 
baute. Sein noch erhaltenes Tagebuch ist ein wertvolles 
Dokument zur Geschichte des Geigenbaus. Eine von 
ihm im Jahre 1800 gebaute Violine besitzen W. E. Hill 
& Sons. 

Geigenzettel: William Forster, / Violin Maker / in 
St. Martin's Lane London / 1779. (gedruckt). 

Forster, William III. (»young Forster«). — 
London. Geb. 7. Jan. 1764, f 24. Juli 1824 

Sohn und Schiiler von William II F. Er kam in Arbeit 
und Lack seinem Vater sehr nahe und stand in hohem 
Ansehen. Er heiratete im Jahre 1786 und hatte zwei 
Sonne, die beide Geigenmacher wurden. 

Geigenzettel: William Forster Junr / Violin, Violon- 
cello, Tenor & Bow-Maker/ 1809 also music No 43 / 
to their Royal Highness the / Prince of Wales and the 
Duke of Cumberland (gedruckt). 

Forster, William IV. — London. Geb. 14. Dez. 
1788 in London, f 8. Okt. 1824 in Chelten- 
ham 

Altester Sohn von William III F. Schiiler seines Vaters 
und seines Grofivaters. Er war hauptsachlich Repara- 
teur, arbeitete einige Zeit bei Th. Kennedy und hat 
hochstens 12 — 15 neue lnstrumente gebaut, von denen 
nur zwei oder drei Violinen und ein Violoncello als gute 
Arbeiten gelten konnen. Es kommen iibngens nicht 
selten gewohnliche Fabriksgeigen vor, in die er seinen 
Zettel geklebt hat. 

v. Liitgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Forstner. — Geigenmacherfamihe in Schon- 

bach b. E.: 
Forstner, Johann, ist als Halsschnitzer tatig 
Forstner, Martin, ebenso 
Forstner, Vincenz, war Geigenmacher und als 

solcher schon 1826 in der Innung 
Fortier. — Rouen. 1708 

Ein »Luthier«, von dem nur der Name dadurch be- 

kannt wurde, daB er von der Zunft verklagt wurde, er 

arbeite ohne Meisterbnef. 

Foucher, Teilhaber der 1866 gegriindeten 
Geigenmacherfirma Haynes, Foucher & Co. 
in London 

Fouquet s. Lecomte 

Fourier, G. — 1893 

Vermutlich ein Mirecourter, vielleicht nur ein Handler. 
Geigenzettel : Lutherieartistique / G.Fourier 1893 (ge- 
druckt). 

Fourneau. — Pans. Um 1780 

Wenig bekannter Geigenmacher, der zwar ganz brav 
zu arbeiten verstand, aber einen schlechten Lack ver- 
wendete. 

Fourner s. Nicolas 

Geigenzettel: Abb. 228, 229. 

Fox, Joseph. — Leeds. 1855. 1862 

Ein Maschinenbauer, der aus Liebhaberei Geigen 
machte und — abgesehen vom Lackieren — seine 
Geigen so gut zu machen verstand, wie irgendein zunft- 
gemafier Geigenmacher. 

Fracei, Pietro. — Pescia. 1816 

Wenig bekannter ltaliener, der nicht allzu sorgfaltig 
arbeitete, dessen Geigen aber immerhin wertvoll sind. 
Er bevorzugte ein schmales, an Jos. Guarnerius er- 
innerndes Modell und machte breite Einlagen und zier- 
liche Schnecken. Besonders schon ist sein goldorange- 
gelber Lack. Gottfr. Glaser in Wiesbaden besitzt eine 
Violine von ihm mit einem ausgesucht hubschen klein- 
geflammten Boden. 

F raiser, Giorgio. — Cremona. Geb. 1648. 1666 
Wahrscheinlich ein Tiroler, der 1666 in der Werkstatt 
N. Amatis arbeitete. 

Francais, Henri. — Paris. Geb. in Mirecourt 
26. Nov. 1861 

Schiiler von A. Darte, spater kam er zu Lullier in 
Boulogne-sur-Mer und 1880 zu Gand & Bernardel. 
Er arbeitete 22 Jahre lang bei der gleichen Firma und 
wurde am 1. Juli 1901 mit Caressa zusammen Nach- 
folger von Gustave Bernardel. Er arbeitet nach Lupot 
in den Traditionen der Werkstatt, erhielt schon 1897 
in Briissel eine goldene Mitarbeitermedaille und ist seit 
1911 Off icier de l'instruction publique. 

10 



146 



Francdidier — Franke 



Francdidier, Francois. — Mirecourt. 1774. 
1787 

Nur von A. Jacquot erwahnter Geigenmacher. 

Franciolini, Leopoldo. — Florenz (?). 1780 
In einem sehr schadhaften, oft geflickten Baft, fand 
sich auch der (Rep.)-Zettel : »Leop. Franciolini Fioren- 
tino 1 780« (geschrieben). Die Heimatsbezeichnung mufi 
nicht auch den Wohnort andeuten. Name, Schrift und 
Jahreszahl erschienen, nebenbei bemerkt, sehr ver- 
dachtig. 

Franck, Gottfried Hinrich Anton. — Ham- 
burg. 1785 

Ein Instrumentenmacher, der am 21. Januar 1785 
Burger von Hamburg wurde. 

Franck, Johann Andreas. — Klingenthal. 1 740. 
1765 

Sein Name kommt seit 1740 in den Innungsbiichern 
vor. Naheres iiber ihn weifi man jedoch nicht. 

Franck (?), Johann Michael. — Dresden. 1794 
Ein bisher nicht bekannter Dresdener Geigenmacher, 
von dem J. M. Tscherin in Leipzig eine gute, nach 
einem kleinen Amatimodell gebaute Violine besitzt. 
Die Arbeit ist sauber, der Lack gelbbraunlich. Der 
Name ist schwer leserhch (der Besitzer best »Framlr<'). 
Geigenzettel : Johann Michael Franck / Violinmacher 
Dresden 1 794 (geschrieben). 

Franck, Ludwig. ■ — ■ Liibeck. Geb. um 1700, 
f 9. April 1763 

Er erwarb am 16. Juni 1724 als Instrumentenmacher 
das Burgerrecht und wurde 1725 Organist am Dom. 
1729 heiratete er Cath. Dorothea Raggen. Sein Sohn 
Ludewig starb schon 1752. Aufier diesem besafi er nur 
eine Tochter; der Hamburger G. H. A. Franck war 
also nicht sein Sohn, wie man fruher glaubte. Er hat 
Lauten und Harfen repariert, scheint jedoch fast aus- 
schliefilich Klavier- und Orgelbau betrieben zu haben. 
Eine Arbeit von ihm, ein Klavier von 1 756, besitzt das 
Museum in Liibeck. 

Franck. — Gent. 1800. 1830 

Urspriinglich Bildhauer, hat er sich erst spater auf das 
Geigenmachen verlegt und war namentlich als Re- 
parateur gesucht. 

Geigenzettel : Raccommode par franck / rue De La 
Maison Dieu / paroise St. Sauveur N 5 / gand (ge- 
schrieben). 

Franco (Franchi), Stefano. — Florenz. 1686. 

1692 

Sohn des Caspar F. Ein Lautenmacher, der vermutlich 
Frank hiefl Eine kleine Oktavlaute (Pandurina) von 
ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln (Nr. 494). 



Francois, Jean. — Mirecourt. 1755. 1758 

Gewohnlicher Mirecourter Meister. Seine Violen ha- 
ben geschnitzte Wirbelkasten. Er bezeichnete seine 
Geigen gem als aus Paris stammend und verwendete 
eine Brandmarke mit seinem Namen. A. Jacquot konnte 
iiber ihn nichts in den Mirecourter Urkunden finden, 
dagegen fand er einen Francois Francois, der um 1774 
bis 1 787 lebte. 

Geigenzettel : Gian Francoit a / Mircour au Lorraine / 
Fai en 1758 (gedruckt). 

Francois, Maitre (»le luppetier«). — Mire- 
court. 1612 

Einer der altesten iiberlieferten Namen eines Mire- 
courter Geigenmachers. Wahrscheinlich hat man es da 
nur mit dem Taufnamen zu tun. Es miiflte demnach 
erst festgestellt werden, wie dieser Maitre Francois 
wirkhch hiefl. 

Frank, Eduard, lebte im 19. Jahrhundert in 

Zwota 
Frank, Joseph. — Linz a. D. 1795 

Vielleicht ein Bruder von Meinrad Fr. Er diirfte jung 
gestorben sein oder nur selten Geigen gemacht haben. 
Obwohl er sich »biirgerlicher Geigenmacher« nennt, 
konnte ich ihn bisher in den Biirgerlisten nicht finden. 
Geigenzettel: Joseph Frank, biirgerlicher / Geigen- 
macher in Linz 1795 (gedruckt). 

Frank, Meinrad. — Linz a. D. Geb. um 1 770. 
1832 

Wahrscheinlich Schuler und seit 16. Mai 1799 auch 
Nachfolger von Joh. Bapt. Havelka. Origineller, fleifii- 
ger Meister, von dem bessere Arbeiten noch haufig 
vorkommen. Er besafi ein eigentiimliches Modell mit 
tief eingebogenen )( und hoher Wolbung. Die Schnecke 
ist dtinn und eckig, der Lack gelbrot bis dunkelbraun, 
meist von wenig Glanz. Arbeit und Holz sind immer 
gut bei ihm. Bei Violen blieb er lange den alten Mo- 
dellen treu, die schlangenformigen Schallocher suchte 
er dagegen ofters zu andern. Eine hiibsche Viola 
d'amore aus dem Jahre 1801 von ihm besitzt das Mu- 
seum in Gothenburg. Er gebraucht eine Zeitlang die- 
selbe Vignette wie J. B. Havelka, in die er seinen Na- 
men mit Tinte schreibt. 
Geigenzettel: Abb. 210. 

Frank s. Grohmann 

Franke, Paul. — Niirnberg. Geb. 29. April 
1876 in Frankfurt a. O. 

Nachdem er von 1890—1894 bei Otto Seifert den 
Geigenbau regelrecht erlernt hatte, arbeitete er 15 Jahre 
lang als Gehilfe und hat sich 1909 in Niirnberg 
selbstandig gemacht. Er baut hauptsachlich nach einer 
vorziiglichen Stradivarigeige, die er in Berlin zu ko- 
pieren Gelegenheit hatte, und bevorzugt ein grofies 
Format und eine flache Wolbung, die jedoch nicht 
gleich vom Rande aus ansteigt. Er verarbeitet schones 
altes Holz, macht alle Teile eigenhandig und bereitet 



Frankland — Fredimaur 



147 



auch seinen rotlichgelben Ollack selbst. Seine Arbeit 
wird sehr gelobt. — Auch sein jungerer Bruder ist 
Geigenmacher geworden und war sein Schuler. 
Geigenzettel: Paul Franke, Geigenbauer / Niirnberg, 
gefertigt 1910 (gedruckt). 

Frankland. — London. 1785 

Er wohnte Robin Hood Court, Shoe Lane und war 
meist fur William Forster beschaftigt, ragte aber als 
Geigenmacher nicht hervor. 

Franz, Joachim. — Havelberg. Geb. 1748 
Im Havelberger Meldeamt ist iiber ihn nichts zu fin- 
den, doch soil um 1870 ein alter Mann namens Franz, 
der Instrumentenmacher gewesen ist, gestorben sein. 
Er wohnte zuletzt im Heinetterberg (Heinstterberg?). 
Seine Tochter war mit Stellmacher Kardetzki in Da- 
merow verheiratet 1 ). Er hieB Johann Jochen Franz und 
mufi wohl ein Sohn Joachim F.s gewesen sein. 

Franza, Giacomo. — Badia Polesine (Prov. 
Rovigo) 

Sein Zettel findet sich in einer unbeholfen gemach- 
ten Violine mit roh gearbeiteter Schnecke aus der 
Sammlung Pasini, jetzt im Besitz des Rittmeisters C. S. 
Picht in Ulm. 

Geigenzettel: Giacomo Franza/ Fabricatore Da violini/ 
in Badia polesine. 

Fratis (Pratis, Pradter), Stephan. — Prag. 1 674* 
1695 

Der Name kommt in so verschiedener Form vor, da8 
ich unsicher bin, ob ich diesen Stephan fur einen Ver- 
wandten von Leonhard Pradter oder von Georg Fra- 
tisch, der in Prag lebte und im Jahre 1752 zwei Wald- 
horner fiir die Lorettokirche machte, halten soil. Vgl. 
Pradter. 

Frauendorfer s. Kurz und Frauendorfer 
Frazier, J., lebt in Bristol als Geigenmacher 
und Geigenlackfabrikant 

Frebinet, Claude. — Mirecourt. 1660 

Bis jetzt der alteste bekannt gewordene Geigenmacher 
seiner Familie. 

Frebinet, Georges. — Mirecourt. Geb. 24. Fe- 
bruar 1874 

Schuler seines GroBvaters Deroux in Reims. Er ar- 
beitete bei Hel und bei Blanchard und entwickelte sich 
zu einem sehr tuchtigen Geigenmacher. 



Frebinet, Georges - Fran cois . 
1759. 1760 

Nur dem Namen nach bekannt. 



— Mirecourt. 



l ) Nicht zu finden. 



Frebinet, Jean-Baptiste I. — Mirecourt. 1688 
Ihm gehort wahrscheinlich der abgebildete Zettel, der 
richtig Frebinnet gelesen werden mufi, aber meistens 
irrig Frebrunet gelesen wurde. 
Geigenzettel: Abb. 222. 

Frebinet, Jean-Baptiste II. — Mirecourt. Geb. 

um 1718, f 1776 

Vielleicht ein Sohn von Jean Baptiste I. Er heiratete 
im Jahre 1745 und wird sich damals selbstandig ge- 
macht haben. Seine Arbeit ist recht gut und mit der von 
Pierray zu vergleichen. Er verwandte einen guten, gelb- 
braunen Ollack. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 
1760 besitzt das Konservatorium in Paris. Im Selhof- 
schen Versteigerungsverzeichnis (Haag 1 759) wird eine 
Geige von J. B. Frebine mit der Jahreszahl 1751 an- 
gefiihrt. Seine Zettel enthalten zumeist nur seinen 
Namen ohne Ort und Datum. Dafi er auch in Paris 
gearbeitet haben soil, wird zwar behauptet, aber wahr- 
scheinlich hat er seine Vaterstadt nur in seinen Ge- 
sellenjahren verlassen. 

Fredi, Fabio, C te . — Todi, Rom. Geb. 1845 in 
Todi, f 18.Januar 1894 in Rom 
Tuchtiger Geigenmacher und Musiker, der von 1875 
bis 1878 in Todi arbeitete und 1879 nach Rom uber- 
gesiedelt ist. 

Fredi, C te . Rodolfo. — Rom. Geb. 18.Juni 
1861 in Todi (Perugia) 

Sohn und Schuler von Fabio Fr. Er eroffnete am 
1. Januar 1885 seine eigene Werkstatt in Rom und 
baute bisher nach 10 verschiedenen Modellen, kam 
aber zuletzt auf das Stradivarimodell zuriick, das ihm 
jetzt zum Vorbild dient, ohne daB er dabei die Absicht 
hat, lediglich Kopien zu fertigen. Die fiir den Handel 
berechneten Geigen versieht er mit Spirituslack, die 
besseren dagegen mit Ollack. In der letzten Zeit be- 
schaftigt er sich jedoch mehr mit Orgeln und Klavieren 
usw. als mit Geigen. 

Geigenzettel: Rodolfo Fredi / fece in Roma anno 1901 
(gedruckt). 

Fredimaur, Joannes Baptista. — Florenz. 1 740. 

1750 

Weder die Form des Namens noch die Herkunft dieses 
Meisters kann als sicher angesehen werden, selbst die 
Zeit, wann er gelebt hat, mufite erst festgestellt werden. 
Nach Gallay-Brunis Inventaire besafl die Marquise de 
Thuisy eine Violine von »Fredimaure« aus dem Jahre 
175. (?) (S. 175). Die Geigenhandler Lyon & Healy 
bieten eine Violine von J. B. Fredrimaurr aus dem 
Jahre 1740 an, in Frankreich befindet sich dagegen 
eine Violine von guter Arbeit, langes, schmales Modell, 
hohe Wolbung, gro6e F-L6cher, breite Reifchen, gold- 
gelber Lack, schmale kleine Schnecke mit der Jahres- 
zahl 1643. Ich halte die Jahreszahl zwar fiir falsch ge- 
lesen, mufi sie aber doch erwahnen, da der Zettel im 
iibrigen echt zu sein scheint. 

Geigenzettel: Joannes Baptista Fredimaur eximius / 
ligneus faber, Florentie anno 1643 (gedruckt). 

10* 



148 



Freeman — Frichelet 



Freeman s. Hare 

Freese, Andres. — Bremen. 1727 

Der seit 1721—1763 in Bremen tatige, sehr geschickte 
Bildhauer Theophilus Freese 1 ) hatte nach den Zunft- 
akten einen Bruder, dessen Vorname leider nicht an- 
gegeben erscheint. Vermutlich war Andres Freese 
dieser Bruder und seiner Zeichens ebenfalls Holz-, 
Elfenbein- und Steinbildhauer. Er wird also nur aus 
Liebhaberei Geigen gemacht haben. Eine Taschengeige 
von ihm besitzt das Stadtische Museum in Braun- 
schweig. 

Geigenzettel : Andres FreeBe / Bremen d. 27. / Septemb. 
1 727 (gedruckt). 

Freiseisen. — Mittenwald. Anfangdes 19.Jahr- 
hunderts 

Da er ausschlieBlich fiir die »Verleger« arbeitete, ist 
sein Name unbekannt geblieben; daB er jedoch zu den 
besseren Geigenmachern seiner Heimat gehort haben 
muB, beweist eine sehr gute Violine mit seinem hand- 
schriftlichen Zettel, die ein Miinchener Hofmusiker 
besaB. 

Freitag, Friedrich. — Berlin 

Ein geschickter Geigenmacher, der zusammen mit Paul 
Kurt Ficker arbeitet. Ihre Firma heiBt »Freitag &. 
Ficker«. 

Frenot, Jean. — Mirecourt. 1750 (?). 1788 
Er gab in seinen Geigen, wie viele Mirecourter, Paris 
als Ursprungsort an, die hinzugefugte Jahreszahl 1750 
ist wahrscheinlich ebenso unrichtig, denn A. Jacquot 
weist nach, daB er erst 1781 geheiratet hat. 

Freund, F. — NeiBe. 1841 

1st mir nur durch seinen Reparaturzettel bekannt ge- 

worden. 

Geigenzettel: Reparirt von F. Freund in Neisse 1841 

(gedruckt). 

Frey. — Antwerpen 

C. C. Snoeck besaB eine von Maeterlinck in Gent be- 
malte Gitarre von ihm. 

Frey, Christoph. — Wiesensteig, Stuttgart. 

1582. f 30. August 1635 

Er stammte aus Ansbach und kam im Jahrel582 aus 
Wiesensteig nach Stuttgart, wo er mit Joh. Thanner 
die Musikinstrumentenwerkstatt der Hofkapelle (»La- 
boratorium«) begriindete. Er soil viel Geschicklichkeit 
bewiesen haben, namentlich als Pfeifenmacher und 
Orgelbauer, wird aber als »verdreht« bezeichnet und 
erregte durch seine »unzeitige« Heirat AnstoB. 

Frey (Frei), Hans. — Nurnberg. 1 450. f 2 1 . No v. 
1523 

Es ist eine unbewiesene, vielleicht unbeweisbare Uber- 
lieferung, daB Hans Frey einer der besten Lauten- und 



*) Eine Elfenbeinstatuette von ihm ist in der Elfenbein- 
sammlung des Museums zu Braunschweig. Vgl. Joh. 
Focke, Bremische Werkmeister aus alter Zeit. Bremen 1 890. 



Violenmacher seiner Zeit war. Als Beruf iibte er diese 
Kunst sicher nicht aus. Er war zugleich ein trefflicher 
Mechaniker, Physiker und Erfinder, kurz »ein kunst- 
reicher Mann, der in alien Dingen erfahren war.« »Fiir 
Musik hatte er Verstand, fiir einen guten Harfen- 
schlager war er beriihmH, wie Neudorffer von ihm be- 
richtet. Von seinem Leben ist nicht allzuviel Sicheres 
zu berichten. Er soil in seiner Jugend in Bologna ge- 
arbeitet haben und gehorte als der Letzte seines Stam- 
mes einer ehrbaren, wenn auch nicht ratsfahigen Fa- 
milie an. Er war mit der Patrizierstochter Anna Rum- 
lein (f 1521) verheiratet und wurde 1496 Genannter 
des groBeren Rats. Einen Teil seines Ruhms bei der 
Nachwelt verdankt er dem Umstande, daB Albrecht 
Durer sein Schwiegersohn war. Dieser schatzte ihn 
sehr hoch, und als er seinen Tod in der Hauschronik 
eintrug, bemerkte er, daB Hans Frey bei sechs Jahren 
krank war und ein Mann gewesen sei, »der auch in der 
Welt gleich unmoglich Widerwartigkeit erduldet hat«. 
In den Niirnberger Gerichtsbiichern (Abteilung lit— 
terarum) erscheint Hans Frey (Litter. 8, Bl. 228) 
als Zeuge; im Jahre 1484 (Bd. 3, Bl. 7) schlieBt er 
und sein Vetter Sebolt Frey einen Vertrag ab mit 
Hans Sendelbeck, dem Vormund des Hans Schiitten- 
samen, wegen Verzinsung und Abnutzung eines Hau- 
ses, gelegen an dem Hause des Schneiders Ulrich Kolb ; 
1501 am 28. Mai erscheint er als Besitzer eines Hauses 
auf dem Graben hinter dem deutschen Hofe (Litter. 1 7, 
Bl. 99); 1502 am 3. Februar als Zeuge, und in einer 
Urkunde vom Jahre 1504 (Litter. 20, Bl. 105) als Vor- 
mund der Clara Gartner. Nach seinem Tode fand sich 
ein Vermogen von 425 fl. bar und 600 fl. belegtes Ka- 
pital vor. Er liegt auf dem St. Johanniskirchhofe Nr. 649 
begraben. — Weiteres findet sich noch bei Lochner: 
Die Personennamen in Albrecht Diirers Briefen aus 
Venedig (:Niirnbg. 1870:), S. 12—19. In der Samm- 
lung alter Musikinstrumente des Kunsthist. Museums 
in Wien kann man zwei schon gearbeitete neun- und 
elfspanige Altlauten sehen mit dem geschriebenen 
Zettel: Hans Frei. 

Freyer & Co. — Meifien. 1901 
Erfinder einer Porzellanvioline. 

Freytag, A. — Landsberg a. W. 1855. 1860 

Seinerzeit gait er als recht tiichtiger Reparateur und 
soil auch schatzenswerte theoretische Kenntnisse ge- 
habt haben. Etwas Naheres iiber ihn zu ermitteln war 
nicht moglich, da die Melderegister in Landsberg a.W. 
nicht so weit zuriickreichen. 

Frez, Michael (Mihaly). — Budapest. 1915 
Geigenmacher. 

Frezza, Bartolomeo. — Brescia. 1624 

Bisher nur als Lautenmacher von Valdrighi (4493) er- 
wahnt. 

Frichelet. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der genannt'werden : 
Antoine, 1687, 1691, dessen Sohn 
Claude-Nicolas, geb. 1687 und 
Claude, der noch 1761 und 1762 vorkommt. 



Frlede — Fritz 



149 



Friede (Friedl?), Johann Karl 

Eine angeblich aus dem Jahre 1700 stammende Zither 
mit diesem Namen stellte A. F. Hill in der Londoner 
Music Loan Exhibition 1904 aus. 

Friedel, Heinrich August. — Berlin. Geb. 
1 1 . Okt. 1863 in Markneukirchen 
Schiiler von Gustav Otto. Nachdem er jahrelang bei 
hervorragenden Meistern als Gehilfe gearbeitet hatte, 
griindete er im Jahre 1889 sein Geschaft in Berlin und 
erwarb sich durch seine besondere Tiichtigkeit sehr 
bald einen grofien Kundenkreis. Seine neuen Geigen 
werden von ersten Kiinstlern gem gespielt und als 
Reparateur erfreut er sich eines wohlverdienten Rufs. 
Geigenzettel: H. A. Friedel / Berlin W. 18 . . (gedr.). 

Friedrich, Johann s. Gozel 

Friedrich, John. — New York. Geb. 26. Juni 
1858 in Kassel 

Schiiler von Joseph Schonger in Kassel, arbeitete von 
1875—1883 in Kassel, Stuttgart, Leipzig und in Berlin 
bei 0. Mockel; dann ging er nach Amerika, wo er in 
New York mit seinem Bruder William (f 1 . Mai 191 1) 
die Geigenmacherfirma John Friedrich & Bro. griin- 
dete. Nach dem Tode des Bruders trat dessen Sohn 
William J. Fr. in die Firma ein, deren Teilhaber schon 
seit 1893 Ernest N. Daring ist. Die Geigen sind gut 
und sauber gemacht und erhielten auf den Weltaus- 
stellungen in Chicago (1893) und Saint Louis (1904) 
die hochsten Preise. 
Geigenzettel : John Friedrich fecit New- York (gedr.). 

Friedstadt, Johann Christoph. — Kassel. Geb. 
1 694, f im April 1 775 im Alter von 8 1 Jahren 
und 14 Tagen 

Obwohl er »Hofinstrumentenmacher« war, lieB sich im 
Archiv in Kassel nichts uber ihn finden. Er war mog- 
licherweise ein Sohn des 1733 im Alter von 61 Jahren 
verstorbenen Hofmalers Johann Wilhelm Fr. und ein 
Bruder des Hofmusikers Joh. Heinr. Fr. (f 1782), des 
Stadt- und Turmmusikers Ernst Fr. (f 1 787) und des 
am 17. Februar 1762 im Alter von 57 Jahren zu Kassel 
verstorbenen herrschaftlichen Malers Johann Martin 
Friedstadt. — Seine Arbeit ist gut und reich verziert, 
eine Altviola von ihm befindet sich in der staatl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 872). 

Fritsch, Caspar. — Wildstein b. Eger. Geb. 
29. Jan. 1875, f (gefallen) 1916 
Schiiler von Ernst Reinh. Schmidt in Markneukirchen. 
Er arbeitete als Gehilfe in Markneukirchen und Schon- 
bach und machte sich 1899 selbstandig. Er baute 
Streichinstrumente und beschaftigte sich hauptsachlich 
mit der Wiederherstellung alter Geigen. 

Fritsche (Fritzsche), Johann Samuel. — Dres- 
den, Leipzig. 1780. 1810 

Er war ein Schiiler von Hunger und ein recht tiichtiger 
Geigenmacher, der die Cremoneser mit Geschick nach- 



ahmte. Auch sein bernsteinfarbiger Lack ist verhaltnis- 
maBig gut. Er verwendete verschiedene Zettel. 
Geigenzettel: Joh. Sam. Fritsche / Leipzig. 1794 (ge- 
druckt). — Johann Samuel Fritsche / Lauten- und In- 
strumentenmacher / fecit Dresde 17 . . (gedruckt). — 
Johann Samuel Fritsche / in Leipzig 17 . . (ge- 
druckt). 

Fritz. — Niirnberg. 1393. 1403 

Im Kreisarchiv Niirnberg findet sich ein »Lauten- 
macher Fritz* erwahnt. Fritz diirfte nur der Tauf- und 
nicht der Familienname gewesen sein. »Fritz Lauten- 
macher« wurde 1393 als Burger aufgenommen und bis 
1403 in den Losungslisten (Losung, d. i. direkte Steuer) 
aufgefiihrt. Er wohnte zuerst bei St. Martha und dann 
am Fischbach (in der heutigen KarolinenstraBe). Ein 
anderer Fritz, der der Wende vom 16. zum 17. Jahr- 
hundert angehort haben diirfte, wird in dem 1613 auf- 
gestellten Musikinstrumenteninventar des Landgrafen 
Moritz von Hessen (in Kassel) erwahnt, wo es heiBt: 
»25. eine Steinwerk-gelbe Viola di gamba So fritz von 
Niirnbergk gemacht, darunter Ein baB, drey Tenor undt 
zwey Soprani. « 

Fritz, Johann. — Innsbruck. Geb. 27. Dez. 
1783 zu Pfaffenhofen (Oberinntal), f n. 1825 
Er war ein Bauernsohn und erlernte das Tischlerhand- 
werk. In seinen freien Stunden beschaftigte er sich mit 
der Anfertigung von Harf en und Gitarren und reparierte 
Geigen. Er kam dann als Geselle zu dem Orgel- und 
Instrumentenbauer G. Grober, bei dem er seine Kennt- 
nisse vervollkommnete. Angeborenes Talent und Hand- 
geschicklichkeit kamen ihm zustatten, und im Jahre 
1816 erbat er beim Innsbrucker Magistrat die Zu- 
lassung als Musikinstrumentenmacher. Diese erhielt er 
aber erst, nachdem er durch Anfertigung einer in alien 
Teilen selbst gemachten Violine seine Tiichtigkeit 
erwiesen hatte. Den Geigenbau hat er zwar nicht 
regelrecht erlernt, sich aber jedenfalls von fach- 
kundiger Seite Rats erholt und sich gute Vorbilder 
verschafft. In seinen Geigen erkennt man noch die 
Traditionen der alten Tiroler Schule, in seinem Lack 
kommt er sogar den Italienern nahe, die Brust nimmt 
er breit und flach, der Boden ist mehr gewolbt als die 
Decke. Der Boden ist haufig nach der Schwarte ge- 
schnitten und besteht bei groOeren Geigen auch aus 
weniger schonem Holz (Apfel- oder Birnbaum). Die 
Schnecke ist hiibsch, die F-Locher erinnern an Stainer, 
sind aber bei den Bratschen zu klein. Der Ton ist 
meistens recht gut, wenn auch nicht groB. — Nach 
Dr. F. Waldners Forschungen, der ausfiihrliche An- 
gaben uber Johann Fritz bringt (Nachrichten uber 
Tiroler Lauten- und Geigenbauer, S. 46 ff.), heiratete 
er am 30. Marz 1818 die Gartnerstochter Crescentia 
Trenkwalder. Sein Todesjahr war nicht zu ermitteln. 
Die vorlaufig letzte Jahreszahl, die ich in einer Gitarre 
von ihm fand, war 1825, was nur beweist, daB er da- 
mals noch lebte. 

Geigenzettel: Johann Fritz / Geigen- und Chitar- 
macher / in Innsbruck. 1821 (gedruckt). — Johann / 
Fritz,' Instrumentenmacher/zu Innsbruck/ Anno! 825 
(geschrieben in einer Gitarre). 



150 



Fritzsche — Fucker 



Fritzsche, Johann Benjamin. — Dresden. 1802. 
1823 

Zweiter Sohn des 1804 verstorbenen Blasinstrumenten- 
machers Joh. Aug. Fr. Er wohnte im vaterlichen Hause 
in der Holzgasse Nr. 636 und wurde am 1 9. August 1 802 
Burger. Ein geschickter Meister, der bald zum Hof- 
instrumentenmacher ernannt wurde (anfangs noch 
»Churfiirstl.«, dann Konigl. Sachs.). Geigen von ihm 
kommen haufig vor, auch als Reparateur war er viel 
beschaftigt. Eine Mandoline von ihm aus dem Jahre 
1806 befindet sich in der Sammlung Seheurleer. 

Geigenzettel : Abb. 206. 

Fritzsche, Karl August.— Dresden. 1797. 1809 
Alterer Sohn von Joh. Aug. Fr. Erlernte bei seinem 
Vater die Holzblasinstrumentenmacherei und verlegte 
sich dann auch auf den Geigenbau. Er wohnte nach den 
AdreBbiichern von 1797 in der SchloBgasse Nr. 294, 
1 799 in der Pirnaischen Vorstadt Nr. 20 ; am 21 . August 
1803 wurde er Burger und wohnte damals Fischers- 
dorf Nr. 708. Er ist weniger bekannt geworden als sein 
Bruder und wahrscheinlich frtih gestorben. 

Froberg, Andreas. — Stockholm. 1762. 1770 

Ein bisher nur dem Namen nach bekannter schwedi- 
scher Geigenmacher, der im Jahre 1762 als solcher in 
Stockholm privilegiert wurde. 

Fromm, Franz. — Wien 

Begriindete 1886 in Wien sein Streichinstrumenten- 
geschaft. 

Fromm, Karl. — Wien. Geb. 1852 in Wien 

Begriindete im Jahre 1878 sein Musikinstrumenten- 
geschaft. Er ist ein vorzuglicher Zitherspieler und baut 
sehr gute und schon gearbeitete Zithern. In seiner 
Werkstatt werden auch Geigen hergestellt, bei denen 
er anfangs das Amati-, spater das Stradivanmodell be- 
vorzugte. Er war Juror gelegentlich der Wiener Musik- 
und Theaterausstellung und besitzt Preise der Chi- 
cagoer und Pariser Weltausstellung und von 20 anderen 
Ausstellungen, hat einen Tonregulator fiir Streich- 
instrumente (ahnlich dem von Stauffer) konstruiert 
und baut auch Konzertzithern mit freischwingenden 
Stegen und ohne Briicke (seine Erfindung). 

Geigenzettel: Carl Fromm, Geigenmacher/ Wien II, 
Taborstr.20. 1886 (gedruckt). 

Fronhofer, Georg. — Fiissen. 16. Jahrhundert 

In Raymund Fuggers Musikkammer (vom Jahre 1566) 
befand sich (Nr. 74) »Eine alte Gute Lauten von 
G. Fronhofer ; (Nr. 76) : Eine alte gute Lauten von 
Georg Fronhofer; (Nr. 80): Eine alte gute Lautsn von 
Georg Fronhofer*. Vgl. Stockbauer, Kunstbestrebun- 
gen unter Alb. V. u. Wilh. V. (:Wien 1874:), S. 83. 
Dasselbe Verzeichnis nennt auch einen Lautenmacher 
Hans Kronhofer. Ob hier nicht ein anderes Mitglied 
derselben Familie gemeint ist? In beiden Fallen fehlt 
die AngabedesWohnorts, doch gibtTrautmann Fiissen 
als Fronhofers Heimat an. 



Frosch, Andreas. — Miinchen (?) 

Ein Lauten- und Geigenmacher vom Ende des 1 7.Jahr~j 
hunderts. EinLautenbassettchenvon ihm befindet sich 
im Miinchener Nationalmuseum. 

Fryer, John Charles. — London, dann Leeds. 
1828. f 1840 

Erst Gehilfe und seit 1828 auch Kompagnon von Dear- 
love. Bei seinen Geigen fehlt gewohnlich die Hohlkehle. 

Fuchs, Franz. — Linz a. D. Geb. 30. Juh 1875 
in Linz 

Schuler von Ed. Heidegger, bei dem er als Gehilfe u. a. 
mehrere Bratschen nach dem Kleinmensursystem 
Dessauer anfertigte. Seine weitere Entwicklung wurde 
hauptsachlich von Prof.Sadtler beeinfluBt, der ihn seit 
1893 in die Ergebnisse seiner durch 50 Jahre fortge- 
setzten Forschungen iiber die Gesetze des Geigenbaues 
einweihte. In gemeinsamen, vielfaltigen Versuchen 
reifte das Konnen des jungen Geigenmachers, der seit 
dem Tode Prof. Sadtlers es auch verstanden hat, die 
auf wissenschaftlichem Wege gefundenen Richtlinien 
mit der kiinstlerischen, auBeren Erscheinung seiner 
Arbeiten in Einklang zu bringen. Er arbeitet nach 
einem eigenen, zwischen Stradivari und Guarnen 
liegenden, groBen Model! mit schlankem Wirbelkasten 
und schoner Schnecke, verwendet ausgezeichnetes Ton- 
holz und einen weichen, rotlichgelben Ollack. Er ar- 
beitet mit der groBten Genauigkeit und macht alles 
selbst, so daB er im Jahre hochstens vier Geigen fertig- 
stellt. Bei diesen sind die Starkeverhaltnisse des Holzes, 
die Wolbung und der Luftraum sorgfaltig berechnet. 
Den Bafibalken setzt er ungespannt ein. Der Ton seiner 
Geigen, Violen und Violoncelli ist sehr schon und groB. 
Geigenzettel : Geigenmacher / Franz Fuchs Linz a./d.D., 
Baujahr . . No . . 

Fuchs. — Schbnbach b. E. 

Als Geigenmacher waren oder sind in ihrer Heimat 
tatig : 

Fuchs, Andreas. + 1898 

Fuchs, Anton 

War 1826 bereits Meister und soil eine Zeitlang in 
Gorkau bei Komotau ansassig gewesen sein. 

Fuchs, Franz 

War 1826 bereits Meister und starb 1877. 

Fuchs, Josef 

Kommt schon 1802 und noch 1840 vor. Er war der 
beste Geigenmacher aus dieser Familie. Seine Geigen 
sind nach der Form gebaut, mit schoner Wolbung und 
zeigen rotlichen Spirituslack. Er gebrauchte verschie- 
dene Zettel. 

Geigenzettel: Joseph Fuchs, Geigen- / und Lauten- 
macher in / Schonbach 1 806 (gedruckt). — Joseph Fuchs 
Violinmacher / in Stadt Schonbach / bei Eger in Boh- 
men Anno 1840 (geschrieben). 

Flicker s. Ficker 



Furst — Fux 



151 



Furst, Georg. — Mittenwald. 1790. 1810 
Mittenwalder Durchschnittsarbeit ohne bemerkens- 
werte Eigenschaften. 

Geigenzettel : Georg Fiirst in Mittenwald an / der Iser 
1790(gedruckt). 

Furst, Johann I. — Mittenwald. Geb. 1822, 
f 1882 

Wahrscheinlich ein Sohn von Georg F. Seine Geigen 
konnen als Beispiel dafiir dienen, wie urn die Mitte des 
19. Jahrhunderts aus den Arbeiten der Mittenwalder 
das Personliche, das auch die Geigen der weniger ge- 
schickten, alteren Meister noch auszcichnet, allmahlich 
verschwindet. — Er verlegte sich auch spater mehr auf 
den Zitherbau. 

Furst, Johann II. — Mittenwald. 1919 

Er arbeitet mit seinen Sohnen und befafit sich mit der 
Herstellung von Violinen, Gitarren und Zithern. 

Furst, Thomas. — Mittenwald. Geb. 29. April 
1860 

Schiiler seines Vaters Johann F. Er baut hauptsachlich 
Zithern und Gitarren, aber auch Geigen nach alien 
alten Meistermodellen. 

Geigenzettel: Thomas Fiirst Saiten-Instru- / menten- 
macher, Mittenwald a. d. I. / Bayern 1893 (gedruckt). 



Montevideo (Uruguay). 



Furber, John. — - London. 1810, lebte noch 
1841 in Cow Cross, Smithfield 
Dritter Sohn von Matthew F. sen. und dessen Schiiler. 
Er ist der Bedeutendste aus der Familie und baute zahl- 
reiche gute Geigen, zu denen ihm das Amatimodell als 
Vorbild diente. Er arbeitete auch bei J. E. Betts und 
war als Reparateur hochgeschatzt. 
Geigenzettel: John Furber, Maker / 13 John's Row, 
top of Brick Lane, / Old St., Saint Luke 1813 (gedruckt). 



London. 1740. f um 



Fulquet, Annibal. 
1890. 1916 

Sohn und Schiiler von Sebastian F., dessen Nachfolger 
er 1890 wurde. Er arbeitete anfangs nach einem Modell, 
das er nach Nic. Amati, Stradivari und Guarneri zu- 
sammengestellt hatte. Seit dem Erscheinen von Hills 
Buch iiber Stradivari arbeitet er nur noch nach diesem 
Meister. Er verwendet schemes Holz und einen guten 
Lack; seine Violinen werden von Geigern sehr gelobt. 
Er gilt auch als geschickter Reparateur. 

Fulquet, Sebastian. — Montevideo. 1860. 1890 

Ein tuchtiger Mandolinen- und Gitarrenbauer, der aber 
auch als Geigenmacher Anerkennung gefunden hat. Er 
betrachtete J. B. Vuillaume als sein Vorbild und als 
seinen Meister. 

Furber, David. — London. 1750. 1760 

Der Stammvater dieser Geigenmacherfamihe, Geburts- 
und Todesjahr sind unbekannt. Er soli ein Schiiler 
John Johnsons gewesen sein und namentlich einige 
gute Basse gebaut haben. 

Furber, Henry John. — London. 1830, lebte 
noch 1865 

Sohn und Schiiler von John F., dessen Geschaft in der 
Grafton Street von ihm fortgesetzt wurde. Seine Arbeit 
ist lobenswert. 

Furber, James. — London. Geb. vor 1790 

Altester Sohn von Matthew F. sen. Nur als Reparateur 
hervorgetreten. 



Furber, Matthew I. 
1790 

Sohn von David F., dessen Schiiler er auch war. Er 
hatte drei Sonne, doch nur von den beiden jiingeren 
ist es bekannt, daB sie Geigenmacher waren; ob der 
alteste Sohn namens James die Kunst wirklich selb- 
standig ausgeiibt, ist nicht erwiesen. 

Furber, Matthew II. — London, f um 1830 
oder 1831 

Zweiter Sohn von Matth. I F. und dessen Schiiler. 

Furet, Francois. — Lyon. 1583 

Ein Instrumentenmacher, der nur dem Namen nach 
bekannt ist. 

Fux, Jakob. — Wien. Geb.um 1753, f 21 .Aug. 
1819 

Er ubernahm im Jahre 1787 Philipp Wurms Werkstatt 
im »Tiefen Graben Nr. 369« (die vorher Joh. Georg 
Huber innehatte) und legte am 28. Juni 1787 den 
Biirgereid ab. Er ist aus der Familie Fux der Unbedeu- 
tendste. Geigen von ihm kommen selten vor, sind nach 
einem breiten, flachen Modell gebaut und haben gelben 
oder roten Lack. 

Fux, Johann Jakob. — Wien. 1691 . 1705 

Vielleicht ein Sohn oder Bruder von Matthias F. Im 
Wiener Steuerbuch von 1692 herfit es: »Fux, Jakob, 
wohnhaft im Wiibmer (Wiedener) Viertl. 30. Juni: 
Jakob Fux, Lautenmacher ist vermog der hchl. Steyer 
Anschlags-Commissarien miindlicher Veranlassung, in 
Ansehung seiner Armuth mit der 1692er Steyer zu ver- 
schonen, soil aber im 1693jahrigen Steuer Anschlag 
eingebracht werden. « — Seine Geigen, die an das 
Stainermodell erinnern, sind sehr gut gearbeitet und 
gut im Holz, ohne im iibrigen hervorzuragen. 

Fux, Matthias. — Wien. 1672. 1700 

Ein besonders geschickter Geigen- und Lautenmacher, 
der vermutlich aus Fiissen stammte, wenn er nicht aus 
Hirtenfeld in Steiermark kam, wo 1660 der bedeutende 
Kontrapunktist Johann Joseph Fux (f 1741 als Hof- 
kapellmeister in Wien) geboren wurde. Er heiratete am 
19. Juni 1672 als »biirgerlicher Lautenmacher «, muB 
also vorher bereits das Biirgerrecht erworben haben. 
Er hat namentlich gute Violen und Lauten mit reichen 
Verzierungen usw. gebaut, ward Hoflautenmacher und 
verwendete sehr gutes Holz, fur den Boden meistens 
Augenahorn, und granatroten Lack. Er bevorzugte ein 



152 



Gabasse — Gartner 



groBeres Stalnermodell mit hoher Wolbung. Baron sagt 
von ihm in seiner »Untersuchung des Instruments der 
Lauten « (S. 96), nachdem er lhn als bertihmten Lauten- 
macher bezeichnet hat: »\Vas aber (Math. Fux) an- 
betrifft, so hat er ebenfalls gute Lauten und Violinen 
verfertigt, und hat vom Kayserlichen Hoffe dependirt.« 
Das Stift Osegg besitzt eine Lautengitarre von ihm aus 
dem Jahre 1692 (Kat. Nr. 29, rep. v. C. J. Helmer) und 
die Benediktinerabtei Kremsmiinster eine Laute, die er 
»zugerichtet« hat. 

Geigenzettel : Mathias Fux Romisch kayserl / Majestat 
Hof Lauttenmacher in Wien / zugencht. 1685 (gedr.) 
und Abb. 213. 



Oabasse s. Cabasse 

Gabrielli, Antonio. — Florenz. 1760 

Gute Arbeit und goldgelber Lack machen seine Geigen 

schatzenswert. 

Geigenzettel: Antonio Gabrielli fece / in Firenze 1760 

(gedruckt). 

Gabrielli, Bartolommeo. — Florenz. 1730 

Vielleicht der Bruder Christoforo G.s; seine Geigen 
erinnem an die Evangelistis. 

Gabrielli, Cristoforo. — Florenz. 1730 

Es ist mir mcht gelungen, eine echte Geige von ihm zu 
Gesicht zu bekommen, doch wird sein Name glaub- 
wiirdig iiberliefert. 

Gabrielli (Gabbrielli), Giovanni Battista. — 
Florenz. 1739. 1770 

Der bedeutendste Geigenmacher dieses Namens. Er 
erreicht zwar die Cremoneser nicht, ist aber doch einer 
der besten Florentiner seiner Zeit. Seine Arbeit ist ge- 
schmackvoll, das Holz gut, sein Lack meist von hell- 
gelber Farbe, durchsichtig, aber etwas hart. Die F- 
Locher erinnern ofters an Stainer, der Ton ist schon, 
manchmal aber etwas rauh. Er suchte augenscheinlich 
nach einem neuen Modell und machte eine Anzahl 
Geigen, die allzu rund gewolbt erscheinen. Am besten 
gelangen ihm Violen und Violoncelli. Aufier seinen 
Zetteln verwendete er auch eine Brandmarke 1. B. G. 
— Er gehort zu den Meistern, deren Name von Hand- 
lern gerne mifibraucht wurde, weshalb man auch den 
unglaubhchsten Entstellungen seines Namens begegnen 
kann (»GabbicelIis«, »Garbicelli« usw.). — Ich kenne 
nur geschriebene Zettel von ihm. Eine Geige von ihm 
aus dem Jahre 1745 besitzt W. Heyers Musikhistori- 
sches Museum in Koln. 

Geigenzettel : Gio Battista / Gabbrieli Firenze / Anno 
1762(geschrieben)undAbb.257und 298. Brandmarke 
Nr. 33. 

Gade, J. N. — {Copenhagen. 1839. 1850 

Bruder von Soren N. Gade. Er machte hauptsachlich 
Gitarren und nur wenige Geigen, zuletzt auch Klaviere 
und war ein geschickter Arbeiter. Eine Gitarre von ihm 
besitzt Claudius in Kopenhagen. Er arbeitete seit den 



vierziger Jahren mit seinem Bruder zusammen, die 
Firma hieB dann Brodrene (Gebriider) Gade. 
Geigenzettel: J N Gade. Instrumentmager / boende i 
Borgergade 197 Kjobenhavn (gedruckt). — Brodrene 
Gade / lnstrumentenmagere / Boendes i Borgergade 
N° 197 / Kjobenhavn 1846 (gedruckt in einem Oval). 

Gade, Soren Nielsen. — Kopenhagen. Geb. 
1790, t 1875 

Guter Geigenmacher, aber besonders als Gitarren- 
macher geschatzt. Er ist der Vater des bertihmten dani- 
schen Komponisten Niels W. Gade. 
Geigenzettel: S. N Gade, Kjobenhavn / 1830 (gedr.). 

Gandl, Franz. — Goisern. 1763 

Vielleicht ein Sohn von Franz Carl G. oder mit diesem 
identisch. Seine Geigen sindvon guter deutscher Arbeit, 
aber handwerksmafiig ausgefiihrt. 
Geigenzettel: Franciscus Gandl Geigen- / macher in 
Goisern 1763 (gedruckt). 

Gandl, Franz Carl. — Goisern. 1753 
Ahnlich wie Franz G. 

Geigenzettel: Franciscus Carolus Gandl, Geigenma- 
cher in Goysern, Anno 1753 (gedruckt). 

Gandl (Gandl), Johann. — Ramsau. 1734 

Er erscheint schon 1734, als Geigenmacher bezeichnet, 
in den Kirchenbuchern der Pfarrei Goisern, wohin die 
Ramsau eingepfarrt ist. Er ist jedenfalls als der Stamm- 
vater der Familie anzusehen. Seine Geigen sind sauber 
gemacht, ohne bemerkenswerte Eigenschaften. 

Gandl, Joh. Joseph. — Goisern. 1747. 1765 

Vielleicht ein Sohn von Joh. G. in der Ramsau. Val- 
drighi fiihrt ihn als »Bandl, Josef, in Oiffern« an. Seine 
Arbeit ist recht brav, das Holz oft zu loben, nur die 
Mensur ist meist unrichtig. 

Geigenzettel: Johann Gendl Geigenmacher / Ihn 
Goisern Anno 1747 (geschrieben). — Joannes Josephus 
Gandl, Lauten- / und Geigen-Macher in Goysern / 
Anno 1748 (gedruckt). 

Gandl, Michael. — Goisern. 1772. 1780 

Er wird in den Kirchenbuchern mehrfach erwahnt, 
auch haben sich noch Arbeiten von ihm erhalten, die, 
ohne hervorzuragen, recht gut im Tiroler Stil aus- 
gefiihrt sind. 

Geigenzettel : Michael Gandl, / Geigenmacher in Goy- 
sern 1772 (gedruckt). 

Gandl, Paul. — Ramsau. 1779 

Er wird in den Kirchenbuchern stets als Geigenmacher 
bezeichnet. Arbeiten von ihm sind mir noch nicht be- 
gegnet. 

Gartner, Eugen. — Stuttgart. Geb. in Stutt- 
gart 10. April 1864 

lm Herbst 1879 trat er bei A. Sprenger in die Lehre 
und war da bis 1886 tatig, arbeitete Anfang 1887 bis 
Ende 1888 als Gehilfe bei N. E. Simoutre in Basel und 



GaBler — Gagliano 



153 



ging dann in die deutsche Geigenbauschule zu Schune- 
mann nach Schwerin, wo er noch drei Jahre blieb und 
sich*besonders im Bau von Konzertgeigen ausbildete. 
Im Marz 1891 machte er sich in seiner Vaterstadt 
selbstandig, gewann bald einen Kundenkreis, wurde 
1896 zum Konigl. Hofgeigenbauer ernannt und erhielt 
im Januar 1906 den Titel eines Fiirstl. Hohenzollern- 
schen Hoflieferanten. Er ist ein sehr geschickter Kiinst- 
ler, der bis 1910 etwa 300 Geigen, Violen und Violon- 
celli gebaut hat. Er hat mehrfach Medaillen und Ehren- 
diplome erhalten und die verdiente Anerkennung 
seitens der erstenKunstler.da er sehr sorgfaltigarbeitet, 
schones, altes Holz nimmt und vorzugsweise Ollack an- 
wendet. Seine Einlagen bestehen aus echtem Ebenholz. 
Au6er seinem in Farbendruck hergestelltem Zettel 
benutzt er auch eine Brandmarke. Er macht jahrlich 
mehrfach groCere Reisen nach Italien usw., um wert- 
volle Instrumente zu erwerben, und besitzt ein grofies 
Lager alter Meisterinstrumente. Seine Verdienste wiir- 
digten viele Fachblatter und Musikzeitschriften und im 
Februar 191 1 erhielt er vom Konig von Wiirttemberg 
die goldene Medaille fur Kunst und Wissenschaft am 
Bande des Friedrichsordens. 

Geigenzettel: Abb. 254, 258, 259, 260. Brandmarke: 
Nr. 16. 

Gafiler, Andreas. — Mittenwald. 1750. 1753 
Einzelne seiner Geigen sind recht gut, das Modell ent- 
spricht der Mittenwalder Schule. 

Gafiler, Michael — Mittenwald. Geb. 22. Sept. 
1750 

Wahrscheinlich Andreas G.s Sohn. Er soil jung ge- 
storben sein und hat wohl nur wenig Geigen gemacht 

Gaetano s. Antoniaszi 

Gaffino, Giuseppe. — Paris. 1734. fvor!789 
Ein Italiener, wahrscheinlich aus Piemont, Schiiler und 
spater vielleicht Gesellschafter seines Pariser Lands- 
mannes Castagneri, wenn die Abkiirzung: »C t0 «. mit 
Consorto richtig gedeutet ist, und von 1766 — 1767 ge- 
schworener Meister der Lautenmacherzunft. Sein Ge- 
schaft, mit dem ein schwungvoller Instrumenten- und 
Saitenhandel verknijpft war und das das Schild »a la 
musette de Colin« fiihrte, wurde nach 1789 von der 
Witwe fortgesetzt. Seine Arbeit hat ganz den fran- 
zosischen Charakter, er verwandte blaGroten oder gel- 
ben Lack. Ein Alto von groGem Patron aus dem Jahre 
1748 ist im Cons, des Arts et Metiers in Paris. Seine 
Geschaftskarte, die als Einfassung die Umrisse eines 
Geigenbodens zeigt, lautete: »a la Musette de Colin. «/ 
»Joseph Gaffino, maitre et marchand Luthier a Pans 
rue des / Prouvaires, fait vend, achete et loue toutes 
sortes d'instruments de / musique, scavoir; violons, 
basses d'orchestre violoncellos, alto viola, / violes 
d'amour et toutes sortes de sa facon. II vend aussi vio- 
lons / et basses de Cremone, basses de viole d'Angleterre 
et de toutes / sortes d'auteurs etc. etc.« 
Geigenzettel: Gaffino C t0 di Castagnery / rue des 
Prouvaires, / Pariggi 1748 (gedruckt). — Gaffino C to di 
Castagnery / rue des Prouvaires. Pariggi 1 755 (gedr.) 
und Abb. 264. 



Gagliano, Alberto. — Neapel. 1877 

Wahrscheinlich ein Sohn von Raffaele G., dem seine 
Arbeit ahnlich ist. 

Gagliano, Alessandro. — Neapel. Geb. in 
Neapel um 1660, t 1725 

Jussupof f erzahlt eine romantische Geschichte von einem 
Duell, das der einer vornehmen Familie entsprossene 
Gagliano gehabt haben soil, und das ihn notigte, 
aus Neapel zu fliehen. Er sei dann nach Cremona ge- 
kommen und Schiiler von Stradivari geworden. Das 
Letztere behauptet G. selbst auf seinen Zetteln, es 
erscheint auch recht glaubwiirdig, dafi er, wie be- 
hauptet wird, 30 Jahre lang Stradivaris Gehilfe ge- 
wesen sein soil. Die altesten Instrumente von Alessan- 
dro sind allerdings erst von 1695 datiert; sie zeichnen 
sich gleich durch ausgesucht schones Holz und schone 
Arbeit aus. Die F-Locher sind groB und steil (Mensur 
meist 200 mm statt 195 mm), die Schnecke klein und 
manchmal nicht sehr sorgfaltig geschnitzt, der pracht- 
voll geflammte Boden meist aus einem Stuck. Der Lack 
ist wundervoll tiefrot oder orangefarben und leicht vom 
Cremoneser zu unterscheiden ; in der Form erinnern 
seine Geigen an die besten Arbeiten Carlo Bergonzis, 
wofiir sie auch oft verkauft werden. G. ist der Grunder 
der Neapolitanischen Schule und das Haupt der bis auf 
unsere Tage bestehenden Familie. Er hinterlieG zwei 
Sonne, die gleichfalls Geigenmacher wurden. 

Geigenzettel: Alessandro Gagliano Alumnus / Stradi- 
variUs fecit Neapoli anno 17 . . (gedruckt). — Alexandri 
Gagliano AlOmnus / StradiVariUs fecit Neapoli anno 
1701 (bei Vidal, gedruckt). — Alexander Gagliano 
Alumnus AntoniS / StradivariUs fecit anno 17.. (gedr.) 
und Abb. 266 und 283. 

Gagliano, Antonio I. — Neapel. Geb. um 
1728, fum 1795 

Dritter Sohn von Nicola und jiingerer Bruder Ferdi- 
nandos. Er verwandte roten Lack, machte den Boden 
einteilig und arbeitete fast nur mit Josef und mit 
Raphael G. zusammen. Der gemeinsame Zettel kommt 
noch mit Jahreszahlen bis 1807 vor. 

Geigenzettel : Joseph et Antonivs/Gagliani Filii Nico-/ 
laj et Nepotes Ja- / nuari F Neap. 1771 (gedruckt). — 
Joseph & Antonius Gagliano / fee. anno 1787 / In 
Platea dicta Cerriglio (gedruckt). 



Neapel. Geb. nach 



Gagliano, Antonio II. 
1790, f 27. Mai 1860 

Sohn von Giovanni und Enkel von Nicola G. Er arbeitete 
gemeinsam mit seinem Bruder Raffaele und benutzte 
auch nach dem Tode des Bruders die gemeinsame n 
Zettel, die seine Nachfolger allerdings auch noch weiter 
verwendeten. Er war nicht mehr hervorragend. Seine 
Wohnung war um 1826 »Sedile di Porto«, spater Via 
Ciriglio Nr. 75. 

Geigenzettel: Antonio Gagliano / Via Ciriglio N° 75 
Neap. / fecit Anno 1837 (gedruckt). 



154 



Gagliano, Garlo — Gagliano, Giovanni II 



Gagllano, Carlo. — Belluno 1732 

Wenig bekanntes Mitglied der Familie. Eine Arbeit 

rnit seinem Zettel findet sich im Rathaus zu Regens- 

burg. 

Geigenzettel : Carlo Gagliano / me fecit / Belluno anno 

1732(gedruckt). 

Gagliano, Ferdinando. — Neapel. Geb. 1724 

in Neapel, t 1781 

Altester Sohn von Nicola, den er zwar nicht immer 
erreicht, aber trotzdem noch ein sehr guter Meister. 
Seine Arbeit ist der von Alessandro G. ahnlich, er ahmt 
das letzte Stradivarimodell nach und verwendet einen 
guten, rotbraunen oder gelben Lack von warmer Farbe. 
Die Wolbung nimmt er flacher, das Patron aber breiter 
und die Zargen manchmal hoher als sein Vater, auch 
in der Wahl des Holzes ist er weniger sorgfaltig, dagegen 
sind seine meist kleinen Schnecken recht sauber durch- 
gefuhrt. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Er 
soil einen Sohn namens Giuseppe gehabt haben. Auch 
er brachte, ahnlich wie Giuseppe Guadagnini I, auf der 
Innenseite der Decke die Anfangsbuchstaben einer De- 
vise an. Herr E. Lowenfeld in Wien besitzt eine Violine 
von ihm, die auBer dem Zettel parallel zum BaBbalken 
die Buchstaben tragt: S. L. J. C. J (kann auch F oder S 
sein!) S. SS. S. f. Otto HiB in Briinn besitzt eine sehr 
schone, rotlichbraun lackierte Violine von ihm, die nach 
Stradivari gebaut ist und auf dem BaBbalken der Lange 
nach schwer leserliche Buchstaben mit Bleistift ge- 
schrieben zeigt, die der Besitzer in folgender Form 
entziffert: »T G V 0)( — S 1 8' S 1-70 M C S S 
S S S S 6 c S A«; auf der rechten oberen Backe 
sieht man: a(?) 

M— j— rj(?) 

A 
GFM 
SG. 
Die Buchstaben werden wohl einen frommen Spruch 
oder Vers bedeuten, wie solche Nicolaus Gagliano in 
seinen Arheiten anzubringen pflegte. Urn die Deutung 
zu ermoglichen, miiBte erst eine sichere Lesart vorliegen. 
Geigenzettel: Abb. 232. 

Gagliano, Gaetano. — Neapel. Geb. um 1770, 

t 1824 

Nach seiner eigenen Angabe ein Sohn von Giovanni G., 
dem er in der Arbeit nahe kommt. Seine Geigen sind 
ebenso sauber gearbeitet, als sie gut klingen. Er machte 
aber auch sehr gute Gitarren und Mandolinen, die so 
geschatzt waren, daB seine Nachfolger auch nach 
seinem Tode noch seine Zettel in Gitarren klebten. 
Geigenzettel: Caietanus Gagliano filius / Joannes (sic) 
Neapolis 1820 (gedruckt). 

Gagliano, Gennaro. — Neapel. Geb. um 1 700, 
fnach 1770 

Zweiter Sohn und Schiiler seines Vaters Alessandro G., 
dessen Einflufi in seiner Arbeit unverkennbar ist. Er 
ahmt das Stradivarimodell nach, nur nimmt er die 
Wolbung manchmal hoher und macht auch die F- 



Locher kiirzer, weiter und steiler als sein Vorbild. Er 
scheint eine Vorliebe fur kurze Ecken gehabt zu haben. 
Seine beste Zeit ist zwischen 1730 und 1750; da er 
jedoch nur selten Zettel eingeklebt hat und noch selte- 
ner die Jahreszahl ausfiillte, ist^das Alter seiner Geigen 
nicht immer leicht zu bestimmen, ja, man hat wegen 
des seltenen Vorkommens seiner Zettel gewiB mit Un- 
recht angenommen, daB er nur sehr wenig gearbeitet 
habe. Was man von ihm kennt, ist trefflich, schones 
Holz, prachtvoller orangegelber oder rotlicher Lack und 
herrlicher Ton. Eine aus dem Jahre 1758 stammende 
prachtvolle Violine von ihm besaB Ch. Mahillon. 
Gennaro G. kommt seinem Bruder Nicola G. voll- 
kommen gleich, iibertrifft ihn aber in der Zierlichkeit 
der Einlagen. Er gebrauchte verschiedene Zettel, auf 
denen fast stets der Wohnort in »Neap.« abgekiirzt er- 
scheint. Auf einigen soil er sich einen Schiiler Stradi- 
varis nennen. Eine genial, aber sehr liederlich gemachte 
Geige von ihm mit dickem, schonem dunkelroten Lack, 
leichtfertig ausgefiihrter Einlage, aber wundervoller 
Wolbung erwarb Konzertmeister Deecke in Karlsruhe 
von Siefert sen. Der Ton dieser Geige ist groBartig. 
Eine gleichfalls wundervoll klingende, dunkelrot 
lackierte Geige aus dem Jahre 1767 von Gennaro G. 
besitzt Hofsekretar Gerschey in Lissabon. 
Mafie einer Violine von 1750: Lange 35,5 cm, obere 
Breite 16,3 cm, mitllere Breite 1 1,3 cm, untere Breite 
20,1 cm; ob. Zargen 2,9 cm, unt. Zargen 2,9 cm, 
Schnecke 10,8 cm lang. 

Geigenzettel : Januarius Gallanus / fecit Neap. 1 760 (ge- 
druckt). — Gennaro Gagliano fecit Neap. 17 . . (gedr.). 
— Januarius Gag! ianusy Fecit Neapoli 1767 (?) (gedr.) 
und Abb. 284. 

Gagliano, Giovanni I. — Neapel. Geb. um 

1740, f 1806 

Er war der vierte Sohn von Nicola und folglich ein 
Enkel von Alessandro und nicht von Gennaro, was man 
nach seiner Angabe auf seinen Zetteln, wo er sich 
»Nepos Januari« bezeichnet, meinen konnte. Er war 
Gennaros Neffe und hat jedenfalls, wie auch seine 
Bruder, das italienische »Nipote« in das lateinische 
»Nepos« verwandelt. Da Nicola 1740 gestorben ist, 
muB Giovanni spatestens in diesem Jahre geboren sein. 
Er arbeitete in den Traditionen seines Hauses, war ein 
Schiiler 1 ) seines Oheims Gennaro und arbeitete wah- 
rend seiner Wanderzeit um 1760 auch in Venedig und 
scheint schlieBlich mit seinen Briidern die Werkstatt 
seines Oheims iibernommen zu haben, sonst ware nicht 
einzusehen, warum sie sich auf ihren Zetteln gerade 
auf diesen berufen. Giovanni ist iibrigens kein wiirdiger 
Nachfolger seiner Vorfahren. Er hat nicht allzuviel 
gemacht und das wenige meist oberflachlich und 
liederlich. 
Geigenzettel: Abb. 255. 

Gagliano, Giovanni II. — Neapel. Geb. 1800, 

t 1867 

Vielleicht ein Sohn von Giovanni I G. Nach F.S. Kand- 
lers Aufsatz iiber »Neapel ira Jahre 1826« (Caecilia, 

x ) Auf seinen altesten Zetteln liest man : Joannes Gagli- 
ano fecit sub disciplina Januaris Gagliani. Neapoli. 



155 



Zeitschr. f. d. mus. Welt, Bd. VI, Heft 24) lebte er 
damals und gehorte zu den besseren Geigenmachern, 
wenn auch seine Instrumente ohne bemerkenswerte 
Vorziige gewesen sein sollen. 

Gagliano, Gio. Battista. — Cremona. 1728 
Ein bisher unbekannter Sprosse der Familie Gagliano, 
und, wenn er wirklich gelebt hat, vielleicht ein jiingerer, 
friih verstorbener Bruder von Alessandro G., dessen 
Zettel bier auch in den Fehlern nachgeahmt erscheint. 
Grillet erwahnt ihn zuerst; ich habe nichts von ihm 
gesehen und halte den Zettel nicht fur einwandfrei. 
Geigenzettel: Abb. 240. 

Gagliano, Giuseppe. — Neapel. 1725. f 1 793 
Zweiter Sohn von Nicol. G. und Bruder von Ferdinan- 
do, Antonio und Giovanni. Er arbeitete ohne Sorgfalt 
nach den Modellen seines Vaters, aber er verstand sich 
gut auf den Ton, so da8 seine Geigen alle gut klingen. 
In seiner letzten Zeit arbeitete er mit seinem Bruder 
Antonio zusammen. Sein Lack ist der seiner Familie. 
Gut sind auch seine Violoncelli, meist 74,5 cm lang. 
Er gebrauchte sehr verschiedenartige Zettel. 
Geigenzettel: Giuseppe Gaglianus filius Nicolini fecit 
Neap. 17.. (gedruckt). — Joseph Gagliano filius / 
Nicolai et nepos ja- / nuarius fecit Nea- / poll 1793 
(sredruckt). — Joseph & Antonius Gagliano / Fee. Ann 
1 793 In Platea dicta Cerriglio (gedruckt) und Abb. 235 
und 256. 

Gagliano, Nicola I. — Neapel. Geb. um 1695 
(nach anderen schon 1670), f um 1740 
Altester Sohn Alessandros, aber ungleich talentvoller 
wie dieser. Er ahmte im allgemeinen die Stradivari- 
modelle nach, meist die der alteren Perioden des 
Meisters, und verarbeitete sehr schones Holz und gelb- 
braunen Lack. Die Decke liefi er gewohnlich sehr stark, 
den Boden machte er an den Seiten etwas schwacher. 
Der Lack ist leuchtend gelb, seiten rotbraun. Auch die 
Einlagen sind mit Sorgfalt und Geschmack ausgefiihrt. 
Eine sehr schone Geige von ihm aus dem Jahre 1730 
besitzt Konzertmeister Prof. J. M. Griin in Wien. Eine 
prachtig eingelegte Violine mit muschelformiger 
Schnecke und den urspriinglichen Wirbeln sowie dem 
echten Saitenhalter befindet sich in Stuttgart. In den 
meisten Geigen der Gagliani, die noch nicht gebffnet 
waren, findet man innen am Ansatz des Halses einen 
Zettel mit der lnschrift: »ln conceptione tua Virgo 
Maria lmmaculata fuisti, , Ora, pro nobis Patrem, cujus 
Filium Jesum de Sp.s. peperisti«. 
Geigenzettel : Abb. 285. 

Gagliano, Nicola 1 1. —Neapel. 1793. 1826 

Sohn und Schiiler von Giovanni G. und womoglich 

noch unbedeutender als dieser. Er wohnte in der Galata 

dell'Ospidaletto. 

Geigenzettel: Nicolaus Gagliano / Filius Joannis / 

Neapoli 1793 (gedruckt). 

Gagliano, Raffaele. — Neapel. Geb. um 1 790, 
f9. Dez. 1857 

Sohn von Giovanni. Arbeitete meist mit seinem Bruder 
Antonio zusammen ; brauner Lack, gewohnliche Arbeit , 



ziemlich breite F-Ldcher, aber manchmal doppelte 
Einlagen. Die oberste Zeile des hier abgebildeten 
Zettels mit den Worten »I Fratelli« erscheint in vielen 
Fallen weggeschnitten. Ein anderer Zettel enthalt in 
einem langovalen Kranz auBer den Namen der Bruder 
die Angabe »Quondam Giovanni «. 
Geigenzettel : Abb. 233. 

Gagliano, Vincenzo. — Neapel. 1870, f um 
1886 

Sohn von Raffaele, der die alte Firma fortfiihrte, aber 
eigentlich nur Saitenfabrikant war. Obwohl er nach 
ubereinstimmenden Mitteilungen unverheiratet und 
kinderlos starb, besteht das Geschaft unter der Firma; 
»Vincenzo Gagliano & Figlio« in Neapel welter. 

Gaibisso, Giovanni Battista. — Alassio. 1911 
Tiichtiger italienischer Geigenmacher der Gegenwart, 
der nach Stradivari arbeitet. Auf der Turiner Aus- 
stellung 1911 war er gut vertreten und erhielt eine 
goldene Medaille. 

Gaillard. — Mirecourt. 1830. 1856 

Der unbedeutendste Geigenmacher seiner Familie, 
dessen Taufname mir nicht bekannt geworden ist. Er 
war der Bruder von Jules G. und der Vater von 
Charles G. 

Gaillard, Charles. — Paris. 1850. 1881 

Er kam aus Mirecourt, wo er Schiiler seines Vaters war, 
nach Paris zu C. A. Gand, bei dem er Werkfuhrer 
wurde. Seine Arbeit ist der von Gand sehr ahnlich. 
Er hat wiederholt Geigen nach einem sehr kleinen 
Guarnerimodell gebaut. 
Geigenzettel: Abb. 280 und 297. 

Gaillard, L. — Mirecourt. Ende des 18., An- 
fang des 19. Jahrhunderts 

Eine interessante Zwillingsgeige mit dem Brandstempel 
»L. Gaillard « aus der Sammlung Snoeck (Nr. 564) 
befindet sich in Berlin. 
Geigenzettel: L. Gaillard (gedruckt). 

Gaillard-Lajoue, Jules. — Mirecourt. Geb. 
um 1820, turn 1870 

Oheim von Charles G. Erst Schiiler und dann Gehilfe 
von Gand. Im Jahre 1852 machte er sich selbstandig 
und erhielt bereits 1855 auf der Pariser Ausstellung 
eine Medaille. Seine Arbeit war sehr gut, obwohl er den 
Geigenbau fabrikmaBig betrieb, auch der Ton ist fast 
immer ansprechend, nur der Lack ist hart und sprcde. 

Gairaud, Louis. —Nantes. 1735, f nach 1770 
AuBer Geigen machte er auch Clavecins, seine Arbeit 
ist gut, wenn auch ohne bemerkenswerte Eigenschaften . 
Er war mit Margarete Destains verheiratet und kommt 
in den Kirchenbiichern von 1737 an vor, zuletzt als 
Pate am 25. Marz 1770. Vgl. Marquis de Granges de 
Surgeres: Les artistes nantois etc. (Nantes 1898) S. 231. 
Geigenzettel: Abb. 271. 



156 



Gaisenhofer — Gamble 



Gaisenhofer, Aloys. — Wien 

Ein Geigenmacher dieses Namens hat in Wien nie ge- 
lebt. Der abgebildete Zettel findet sich jedoch ofter in 
minderwertigen Geigen, die dann von Unkundigen fur 
Arbeiten Geissenhofs gehalten werden. 
Geigenzettel : Abb. 3 1 8. 

Gaissenhof s. Geissenhof 
Galbani, Pietro. — Florenz. 1640 

Sohn des Jacopo G. Das wenige, was man von ihm 

kennt, ist unbedeutend. 

Galbusera, Carlo Antonio. ~ Mailand. 1813. 

1833 

Er war k. k. Kriegskommissar in Mailand und wollte 
die Form der Geigen, ahnlich wie Chanot, dadurch 
verbessern, dafi er, was altere Meister, z. B. Guarneri 
u. a., auch schon getan haben, die Ecken weghefi und 
ihr eine der Gitarre sich nahernde Form gab. Da seine 
Geigen trotzdem gut klangen, und ein Quartett, das er 
gebaut hatte, mit Erfolg zu Gehor gebracht wurde, er- 
hielt er von mehreren grofien Orchestern Bestellungen 
und von der Mailander Akademie der Wissenschaften 
am 4. Oktober 1832 sogar eine silberne Medaille. Die 
Prophezeiungen seiner Verehrer (vgl. Allg. musikali- 
scheZeitung, Leipzig, 23. Dezember 1832 und 10. April 
1833 usw.), dafi er der Geige fur das ganze Jahrhundert 
eine neue Form gegeben haben diirfte, haben sich nicht 
erfullt. Besser haben sich seine Gitarren erhalten. Vgl. 
iiber ihn auch: Wilhelm Schneiders: »Historisch- 
technische Beschreibung der musikalischen Instru- 
mented (Neifie 1834.) 

Galdert, Friedrich. — Koburg. 1895 

Schillers Nachfolger. Beide betrieben urspriinglich nur 
ein Musikinstrumentengeschaft; erst mit dem Eintritt 
H. Biichels wurde eine Geigenbauwerkstatt damit ver- 
kniipft. 

Galeazzi, Eugenio. — Ascoli. 1849 

Sohn des Francesco G. Er hat wahrend des Winters 
fleifiig Geigen und Gitarren gebaut und betrieb im 
Sommer die Landwirtschaft. 

Galerzena. — ? 1790 

Ein piemontesischer Geigenmacher, der sich eines ge- 
wissen Rufes erfreute. 

Galieri, Filippo. — Neapel. 18. Jahrhundert 
Vielleicht ein Gaglianoschuler. Er verwandte gelben 
Lack und ein etwas gewolbtes Modell. 

Galieri, Giuseppe. — Padua, Piacenza(?). 1753 
Er nennt sich einen Schuler Nicola Amatis; wenn man 
nicht annehmen will, dafi er ein Alter von iiber 90 Jah- 
ren erreicht hat, konnte als sein Lehrer nur der D. Nic. 
Amati in Bologna gemeint sein. Seine Geige, in der der 
nachstehende Zettel zu finden ist, erinnert mehr 
an die Schule von Neapel als an die von Cremona. 
Die Arbeit ist mafiig, der Lack von gelber Farbe, die 
F-Locher stehen sehr schrag. 

Geigenzettel: Giuseppe Galieri, Paduensis, / placenti- 
nus Alumnus da Nicolai Amati / faciebat 1753 (gedr.). 



Gall, J., war im 19. Jahrhundert als Musik- 
instrumentenmacher in Wien ansassig 

Galland, Jean. — Paris. 1744. f vor 1761 

Er ist der erste, der das Amt eines geschworenen 
Meisters der Pariser Lautenmacherzunft bekleidete (ftir 
1 744). Arbeiten von ihm sind mir jedoch nicht bekannt- 
geworden. Er wohnte Rue St. Honore, wo seine Witwe 
von 1761 — 1779 das Geschaft noch fortfiihrte. Seine 
Tochter war seit etwa 1744 mit Robert Richard, einem 
sehr talentvollen Instrumentenmacher verheiratet, der 
als Orgelbauer usw. Ruf besafi und namentlich durch 
sein automatisches Quartett Aufsehen machte. 

Galland, Joh. — Bayreuth. 1888. 1893 

Er stellte auf der Miinchener Kunstgewerbeausstellung 
1888 drei Zithern und eine Violine aus, ist im Jahre 
1893 nach Leipzig-Reudnitz iibergesiedelt und diirfte 
dort gestorben sein. 

Galli, Domenico. — Parma. 1687. 1691 

Ausgezeichneter Holzbildhauer, Violoncellist und Ton- 
dichter des 17. Jahrhunderts, der eine Reihe von 
Streichmusikinstrumenten gebaut hat, die er mit 
meisterhaften Schnitzereien verzierte. Eine Violine und 
ein Violoncello mit den obenstehenden Jahreszahlen 
befinden sich im Albergo Arti zu Modena. 
Geigenzettel : Dominicus Gallus Parmensis / fecit Par- 
mae anno salutis 1691 (gedruckt). 

Gallingani. — Mancasale (Prov. Reggio). 
19. Jahrhundert 

Ein Musiker, der eine gewisse Geschicklichkeit im 
Ausbessern alter Geigen besafi und auch vereinzelt 
neue Violinen gebaut haben soil. 

Galram (Galran, Galrao), Joachim Joseph. — 
Lissabon. 1769. 1825 

Geschickt in seiner Arbeit, auch sein gelber Lack ist 
nicht libel. Konig Karl 1. von Portugal besafi ein Quar- 
tett von ihm. das sehr sauber und gut gearbeitet ist und 
auch durch edlen Ton hervorragt. 
Geigenzettel : Joachim Josef Galram / fecit Olesiponae 
1769 (gedruckt). 

Galtani, Rocco. — Florenz 

Er gehort noch dem 17. Jahrhundert an und hatte 
seinerzeit einen guten Ruf. Man kennt freilich nur 
wenig mehr von ihm als seinen Namen 1 ). 

Galvani, Giuseppe. — 1834 

Selten vorkommender italienischer Geigenmacher aus 
der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts. Eine Geige 
von ihm besafi J. Haberzettl in Drasswitz bei Karlsbad. 

Gamble, Ernest. — Leicester 1880 

Er hatte ein gutes Geigengeschaft, die Geigen, die 
seinen Zettel tragen, hat er jedoch nicht gemacht, 
sondern nur verkauft. 



*) Wenn G. Chouquet in seinem Bericht iiber die Aus- 
stellung 1878 einen »Galiani« erwahnt, meint er wohl, 
wenn nicht einen Gagliano — Rocco Galtani. 



Gamble — Gand 



157 



Gamble, J. -1785 

In einem guten Violoncello fand sich dieser Name. 

Gambon, A. — Maastricht (Holland). 1828. 
1858 

Seiner Arbeit nach gehort er der franzosischen Schule 
an. Seine Geigen sind aber in jeder Beziehung mittel- 
mafiig. C. C. Snoeck besa6 eine Violine von ihm aus 
dem Jahre 1828. Auf einem Reparaturzettel von 1858 
schreibt er seinen Namen deutlich lesbar »Gambom«. 
Es ist nicht zu entscheiden, ob er sich da verschrieben 
hat, oder ob er diese Schreibweise fur richtiger hielt. 
Geigenzettel: Racommode / par A. Gambon / Lutier / 
a Maestricht. (gedruckt). 

Gamboni. — Neapel. Geb. urn 1724, fn. 1814 
An seinen Geigen ist eigentlich nur das Holz gut, und 
dies verdankt man dem Umstande, dafi er im Besitz 
vonGeigenholz aus demNachlasse von AntoniusAmati 
war 1 ). 

Gand, A. E., lebt als »Luthier« in Laval (Dep. 
Mayenne) 

Gand, Charles- Adolphe. — Paris. Geb. in 
Paris ll.Dez. 1812, f 24. Jan. 1866 
Schuler seines Vaters, dessen Werkstatt er 1845 liber- 
nahm. Er hat nicht viele neue Geigen gebaut, die 
wenigen aber sind trefflich. Er wurde, wie sein Vater, 
Geigenmacher der Konigl. (spater Kaiserl.) Hofkapelle 
und des Konservatoriums und wurde 1862 zum Ritter 
der Ehrenlegion ernannt. Im Jahre 1855 trat sein 
Bruder Eugene in das Geschaft; die Firma lautete 
von da an bis 1866 »Gand freres« und stand nach wie 
vor in hochstem Ansehen. 

Geigenzettel: Adolphe Gand fils / a Paris 1832 (ge- 
schrieben) und Abb. 300. 

Gand, Charles -Francois (»Gand pere«). — 
Paris. Geb. in Versailles am 5. Aug. 1787, 
t 10. Mai 1845 in Paris 

Sohn von Michel G. Von 1807—1810 wiirdigerSchu- 
ler, spater der Ehemann der Pflegetochter und seit 1824 
auch Nachfolger Nic. Lupots. Nach seiner Lehrzeit 
war er kurze Zeit in Versailles ansassig 2 ) und ging dann 
nach Paris, wo er 1810 die Werkstatt und den Nachlaft 
Kolikers kaufte und zunachst in der Rue Croix des 
Petits Champs Nr. 5 und seit 1820 in derselben Strafie 
Nr. 24 seine Werkstatt aufschlug. Nach Lupots Tode 
ubernahm er 1824 auch dessen Werkstatt. Er war un- 
streitig der bedeutendste franzosische Geigenmacher 
seiner Zeit, uniibertroffen in der Sorgfalt und kiinst- 
lerischen Durchfiihrung seiner Arbeit. Seine Geigen 
sind herrlich im Ton und schon in ihrem rotbraunen, 
manchmal etwas dicken und nicht allzu durchsichtigen 



*) Bei der 1814 von ihm veranstalteten Auktion kaufte 
Gagliano solches Holz fur drei Violinen um 100 span. 
Piaster (liber 500 M.). 

2 ) Damals bezeichnete auch er sich auf seinen Zetteln, 
die vor 1816 zumeist geschrieben waren, als »Gand fils«. 



Lack. Ebenso trefflich war er als Reparateur. Seine In- 
strumente werden schon jetzt den alten italienischen 
als gleichwertig an die Seite gesetzt und teuer bezahlt. 
Das Museum des Pariser Konservatoriums besitzt ver- 
schiedene Arbeiten von ihm. Er hatte zwei Sonne. 
Geigenzettel: Ch. F. Gand eleve de Nicolas Lupot / 
successeur du sieur Koliker / rue Croix des Petits 
Champs 5 Paris 1810 (gedruckt) und Abb. 304— 306. 

Gand, Charles-Michel. — Versailles. Geb. um 
1748 in Mirecourt, f 1820 in Versailles 
Um 1780 liefi er sich in der Rue du Commerce Nr. 71, 
spater in der Rue de la Paroisse Nr. 32 nieder. Sein 
Firmenschild lautete: »Aux tendres Accords*. Uber 
seine Arbeiten ist nichts bekannt. Er ist der erste 
Geigenmacher in seiner Familie; doch waren seine 
Vorfahren bereits Geigenhandler. Er hatte zwei Sonne 
Charles Francois und Guillaume. 

Gand, Charles-Nicolas-Eugene. — Paris. Geb. 
in Paris am 5. Juni 1825, f 5. Febr. 1892 
Jiingerer Sohn und Schuler von Ch. Franc. G. Er ver- 
band sich 1855 mit seinem Bruder und 1866 nach 
dessen Tod mit den Briidern Bernardel. Die beiden 
beriihmten Hauser wurden dadurch zu einem vereinigt, 
ihre Werkstatten waren zuerst in der Rue Croix des 
Petits-Champs Nr. 21 und seit 1883 in der Passage 
Saulnier. Aus ihren Handen gingen nur treffliche In- 
strumente hervor, da sie auch in der Wahl ihrer Mit- 
arbeiter auGerordentlich vorsichtig waren. Eugene G. 
war auch ein tuchtiger Musiker und Off izier der Ehren- 
legion. Seine erste Violine tragt den Zettel: »Eugene 
Gand fils / a Paris 1842 No l.« 
Geigenzettel: Gand & Bernardel F res / Luthiers de la 
Musique de l'Empereur et du Conservatoire / No . . 
Paris 18 . . (gedruckt) und Abb. 301 und 302. Nach 
1886 d. h. nach dem Ausscheiden Ernest Bernardels: 
Abb. 303. 

Gand, Francesco. — Madrid. 1788 

Ein nach Spanien verschlagenes Mitglied der Mire- 
courter Familie. A. Jacquot kennt eine schone Arbeit 
(Alto) von ihm. Eine Viola tragt den Zetteh Echo p r 
Franc. Gand / En Madrid ano 1788 (geschrieben). 

Gand, Guillaume -Charles -Louis. — Ver- 
sailles. Geb. 22. Juli 1 792 in Paris, f 3 1 . Mai 
1858 in Versailles 

Zweiter Sohn von Charles-Michel G. Gilt mit Recht 
fur einen der besten Schuler Lupots. Nachdem er bei 
Lupot ausgebildet war. ubernahm er die Werkstatt 
seines Vaters; in seiner Arbeit setzte er Lupots Tradi- 
tionen fort und baute viele Geigen, die jetzt sehr ge- 
schatzt werden. 

Gand. — Amiens. 1803 

Er stammte wahrscheinlich aus Mirecourt und diirfte 
ein Bruder von Charles-Michel G. gewesen sein. 
Geigenzettel : Recoupe par Gand / luthier a Amiens / 
en 1803 (gedruckt). 



158 



Gand Carman 



Gand. — Toulouse. 1774 

A. Jacquot erwahnt eine Gitarre von ihm. 

Gandl s. Gandl 

Ganzer s. Kranzer 

Ganzerla, Luigi. — San Felice (Modena). Geb. 

um 1794, f 1861 

Arbeitete handwerksmafiig, seine Geigen sind fast 

wertlos. 

Garai, Janos (Johann). — Temesvar 

Ein Bias- und Streichinstrumentenmacher, der in den 
letzten Jahren des 19. Jahrhunderts in Temesvar an- 
sassig war. 

Garani, Michele Angelo. — Bologna. 1685. 

1720 

Nachahmer von Stradivarius. Seine Violen werden be- 
sonders gelobt wegen ihrer guten — aber ungleichen 
Arbeit und wegen ihres weichen Tons. 
Geigenzettel:. A. / Michael / Garanus / F. Bonon. (ge- 
druckt). 

Garani, Nicola. — Neapel. Um 1700 

Soil aus Bologna stammen und als Gehilfe bei den 
Gagliani gearbeitet haben. Dadurcb erklart sich auch 
die Ahnlichkeit seiner Arbeit mit der Gaglianischen. 
Er nimmt die Wolbung hoch und verwendet einen 
diinnen Lack. Der Ton seiner Geigen ist edel, wird 
aber durch das schlechte Holz sehr beeintrachtigt. 

Garbito, Antonio. — ? 1815 

Eine spanische Gitarre aus dem Besitze der Mrs. Cecil 
Bosanquet war im Jahre 1904 in der Londoner »Music 
Loan Exhibition « ausgestellt. 

Garceux, L. — Paris. 1809 

Man findet hier und da seinen Namen in Geigen, die 
er geflickt hat, auch sollen die Bauernrad-Weiberleiern, 
die auf der Decke L. G. und die Jahreszahl eingebrannt 
tragen, von ihm sein. Eine solche von 1797 hat 
eine Lang- und zwei Begleitsaiten, elf Tasten, flachen 
Boden und flache Decke und ist 700 mm lang und 
340 mm breit. 

Geigenzettel: Repare a Paris par / L. Garceux 1809 
(gedruckt). Brandmarke Nr. 53. 



Gardiner (Gardner), Pearson. — London. 1760 
Selten vorkommender englischer Geigenmacher, der 
im Stile von Duke arbeitete. Eine Violine von ihm be- 
sitzt J. T. Chapman. 

Gardner, C. — London. 1865 

In englischen Handlerverzeichnissen werden ofter Gei- 
gen von ihm angeboten. 

Garenghi, Giuseppe 

Lebte um 1857 als Geigenmacher in Brescia. 

Garganesi, Vito und Antonio. — Monopoli 
(Puglie). 1898 

Ihre Mandolinen erfreuen sich einer gewissen Be- 
liebtheit. 



Garcia, Juan. — Madrid 

Mandolinen- und Gitarrenmacher. 

Gardelli, Federico. — Neapel 

Von 1880 bis etwa 1900 besaB er ein mit einer Werk- 
statt verbundenes Musikinstrumentengeschaft. 

Garden, James. — Edinburgh. — Geb. in 
Edinburgh 1849 

Ein vorziiglicher Geiger, der aus Liebhaberei einige 
Geigen und Violen nach Stradivari gemacht hat. Er 
verwendet Whitplaws roten ^Amatilack*. 
Geigenzettel: Jas. Garden, Edin. 1887 (gedruckt). 



Gargnano. 

Aus einer wahrscheinlich in dem mitten in Zitronen- 
garten und Olivenhainen nahe bei Sal6 gelegenen statt- 
lichen Dorfe Gargnano am Gardasee betriebenen 
Geigenmacherwerkstatt gingen verschiedene Arbeiten 
hervor, in denen sich der hier wiedergegebene Zettel 
findet. Die Jahreszahl diirfte 1621 gelautet haben. Mir 
wurde ein recht gutes Violoncello von Brescianer Aus- 
sehen bekannt. In seinem verdachtigen Latein und 
seiner Orthographie wird der Zettel, den auch Hajdecki 
erwahnt, immerhin anfechtbar erscheinen, um so mehr, 
als G. Livi nachweisen konnte, daft weder in Brescia 
noch in Salo samt Umgebung je eine Familie Gargnano 
existiert habe. Da aber die Instrumente und der Zettel 
zweifellos alt sind, konnte man im besten Falle anneh- 
men, daG die Witwe Fior, die Schwiegertochter Gaspa- 
ros, sich nach Gargnano bei Salo zuriickgezogen und 
dort eine Werkstatt unterhalten hat; sie konnte sich ja 
in gewissem Sinne als Erbin Gasparos betrachten. 
Geigenzettel : Abb. 265. 

Gargo, Giovanni. — Forli. 1785 

Streichinstrumente hat er wohl nur ausnahmsweise ge- 
baut, doch kommen Lauten, Mandolinen und kleine 
Harfen von ihm mehrfach vor. 

Garini, Michelangelo. — ? 

Mittelmafiige italienische Geigen des 19. Jahrhunderts 
haben Zettel mit diesem wahrscheinlich erfundenen 
Namen, der wohl an »M. A. Garani« anklingen sollte. 

Garjev. — Kaluga 

Russischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Garman, Goran. — Stockholm. 1784. 1807 
Er war von 1784—1807 Geselle bei Peter Kraft, der 
ihm seine Werkstatt und alles, was dazu gehorte, unter 
der Bedingung vermachte, daB er Meister werde und 
Lars Mollenberg zum Teilhaber annehme. Um un- 
gehindert die beim Klavierbaunotigen Tischlerarbeiten 
ausfiihren und Tischlergesellen einstellen zu konnen, 
schloft er sich, wie vorher sein Meister, der Tischler- 
zunft an. 



159 



Garner, John. — London-Chelsea, f 1901 
Ein Liebhaber, der es durch Talent und Fleifl zu 
grofier Geschicklichkeit brachte und sich auch gut 
auf den Ton verstand. 

Garner, Joseph. — Broxbourne. 1828 

Einige gute Violinen tragen seinen Namen. Auch in 
Chelsea soil um 1849 ein H. Garner ansassig gewesen 
sein und nach Stradivari undGuarneri gearbeitethaben. 

Gamier, Adolphe. — Mirecourt. 1766. 1787 

Man weiB nur, daB er gelebt hat. 
Garter (Gartner), Michel. — Salzburg. 1510. 

1538 

Jedenfalls identisch mit Mich. Barttner (s. d.). Er wird 
im Salzburger Biirgerbuche als Lautenmacher aufge- 
fiihrt und kommt von 1511—1538 in den Urkunden 
des Archivs der k. k. Landesregierung in Salzburg vor. 
Von ihm bef inden sich zwei Lauten im Museum Caro- 
lino-Augusteum in Salzburg. 

Garter (Gartner), Veit. — Salzburg. 1510 
Nach dem Salzburger Biirgerbuch war er der Sohn 
Michel G.s und, ebenso wie dieser, Lautenmacher. 

Garzano, Giuseppe, lebt in Catania (Sizilien) 
Gaskin, wird als Name eines englischen Geigen- 

machers angegeben. 
Gaspan s. Caspan 
Gaspard, Leon. — Mirecourt 

Besitzer der Fabrikfirma »Gaspard fils« (L. Gaspard 

& Co.). 

Gast, Jorg. — Fiissen. 1606. 1612 

Als Mitglied der Lautenmacherinnung kommt er schon 
1606 vor und ist 1612 Unterzeichner einer Beschwerde 
gegen einen die Zunft schadigenden Holzhandel. 

Gast, Mang (Magnus). — Fiissen. 1621 

Er wurde am 26. Dezember 1621 als Meister in die 
Fiissener Lautenmacherzunft aufgenommen. 

Gastano, A. — Messina. 1890. 1896 

Er erhielt 1893 in Chicago fur eine Geige eine Aus- 
stellungsmedaille. 

Gattanani.— ? 1785. 1790 

Ein piemontesischer Geigenmacher von geringer Be- 
deutung soil so geheifien haben. Wahrscheinlich han- 
delt es sich um einen Catenari. 

Gattenari s. Catenari 
Gatti, Angelo. — Mailand 

ltalienischer Geigenmacher unserer Zeit. 

Gatti, Ernesto. — Nizza. 1886 

Seine Violinen sind nicht schlecht. Er stattet sie manch- 
mal recht hiibsch aus; den Wirbelkasten versieht er mit 
geschnitzten Kopfchen (Leopardenkopf u. dgl.)- 



Gatti, Giorgio. — Turin. 1899. 1911 
ltalienischer Geigenmacher der Gegenwart. 
Geigenzettel : Giorgio Gatti / fece in Torino Tanno 
. 1899(gedmckt). 

Gaudre, Nicolas. — Mirecourt. f 1784 

Bogenmacher. 
Gaulard, Joseph— Mirecourt. 1738. f 19. Mai z 

1779 

Nur urkundlich nachweisbar, wie auch der 1774 — 1789 
vorkommende Louis Gaulard. 

Gaulard. — Troyes. 1835 

Ein Mirecourter, der sich nicht iiber den Durchschnitt 
erhob. Besser als seine Geigen sind seine Bo gen ; ein 
solcher befindet sich in der Sammlung des Pariser 
Konservatoriums. 

Gauss, Jakob. — Cannstatt. 1618 

Ein Orgelmacher, der wohl wie die meisten seiner da- 
maligen Berufsgenossen auch allerlei Lauten gebaut 
hat. 

Gauthie (Gautie), Pierre. — Toulouse. Geb. 
in Fronton 1880 

Erst Schiiler seines Vaters, dann von P. Lorange und 
von Cunault. Auch in Mirecourt hat er ein Jahr lang 
gearbeitet. In Toulouse wurde er Nachfolger von 
Simonin. Er verlegte sich hauptsachlich auf Wieder- 
herstellungsarbeiten, besitzt aber bereits verschiedene 
Auszeichnungen. 

Gautier, hat eine Geigenmacherwerkstatt in 
Aix 

Gautrot aine & Co. — Paris. Gegr. 1827 

Bekannte Musikinstrumenten-Fabriksfirma, die haupt- 
sachlich Floten, aber auch Geigen herstellt. Die Firma 
lautet jetzt Couesnon & Cie Succrs. Gautrot aine & Cie. 

Gautrot. — Chateau Thierry. 1855. 1877 
Ein Mirecourter, der 1855 eine Fabrik begriindete, in 
der auch Geigen und Bogen hergestellt wurden. 

Gavelli, Giacomo. — Perugia. 1797 

Ein Geigenmacher, den Valdrighi (9175) erwahnt. 

Gavigny. — Paris. 1758 

Hel in Lille bekam eine Violine zur Wiederherstellung, 
deren Aussehen an die Klotzschule erinnerte und die 
den Zettel trug : fais par Moy Gavigny, / Maitre Luthier 
a / Paris 1758 (geschrieben). 

Gavinies, Francais. — Bordeaux. Paris. Geb. 
um 1700, f nach 1770 

Ein geschickter Meister, der, wenn er wollte, sehr gute 
Geigen machen konnte, haufig aber so minderwertige 
Ware herstellte, dafi bose Zungen von ihm behaupteten, 
er habe nur ein gutes Werk zustande gebracht, und das 
sei sein Sohn — der treffliche Geiger Pierre Gavinies — 
gewesen. Er folgte seinem Sohne 1741 nach Paris und 



160 



Gavoni — Geipel 



llefi sich in der Rue St. Thomas du Louvre nieder, wo 
er von der Lautenmacherzunft zum geschworenen 
Meister fiir 1762 erwahlt wurde. Seine guten Geigen 
sind aus schonem Holz gebaut, gut in der Form und 
im Lack. Statt der Schnecke verwendete er auch ge- 
s'chnitzte Kopfe, z. B. einen Konig David an einem 
Kontrabafi, den die Schule des Pariser Konservato- 
riums besitzt. DieserBafi hat einen trefflichen Ton und 
stammt aus dem Jahre 1757. Im Museum desselben 
Konservatoriums befinden sich noch mehrere Geigen 
und Violen von ihm. Ein Quinton von 1749 wird in 
Bruni-Gallays Inventaire (aus dem Besitz des Grafen 
Puysegur) erwahnt (S. 121). — Er ahmte gerne das 
grofie Stradivarimodell nach und versah seine Arbeiten 
auch mit einer Brandmarke. 
Geigenzettel : Abb. 236 und 312. 

Gavoni, Antonio. — Modena. 1777 

Violoncelli und Basse von ganz gewohnlicher, hand- 
werksmafiiger Arbeit von ihm kommen gelegentlich 
noch vor. 

Gavot. — Mirecourt 

Von dieser Familie nennt A. Jacquot: 
Nicolas I G. 1738; 
Nicolas II G. 1741. 1763; 
Nicolas 111 G. 1747. 1765. 

Gazzeri, Domenico. — Florenz. — 1682 

Sohn des Marco G. Ein alterer florentinischer Lauten- 
macher, den Valdrighi (1 196) erwahnt. 

Gazzola, Prosdocimo. — Crespano. Geb. 1 822, 

fnach 1884 

Hauptsachlich als Bafimacher und trefflicher Repara- 

teur bekannt. 

Geaye s. Jaye 

Gebhardt, J. C. — Hamburg 

Ein in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts lebender 
Meister, der zwar nur selten Geigen oder Violoncelli, 
dagegen sehr viele und gute Basse gebaut hat. 
Geigenzettel: J. C. Gebhardt / lnstrumentenmacher / 
in / Hamburg (gedruckt). 

Gedler (GidI), Johann Anton. ■ — Fiissen. 1 752. 

1800 

SchiAler von Maldoner oder S. Niggel, deren Modelle von 
ihm nachgeahmt wurden. Es ist wahrscheinlich, dafi 
auch in Fiissen schon eine Arbeitsteilung eintrat, und 
dafi es dort u. a. schon Halsschnitzer gab. So diirfte der- 
selbe Halsschnitzer, der fiir Fr. Ant. Stofi die Schnecken 
machte, auch fur Gedler gearbeitet haben. Die ubrige 
Arbeit ist recht gut, der Boden meist aus einem Stuck, 
die Wolbung noch hoher als bei Stainer, der rotgelbe 
Lack diinn aufgetragen und sprode. Gedler machte 
auch noch Geigen nach den im 17. Jahrhundert be- 
liebten Modellen, mit wellenformig ausgebogenen 
Zargen. Der Ton ist manchmal vorziiglich, oft aber 
auch schwach und naselnd. Eine Violine von ihm mit 
der Jahreszahl 1800 befindet sich auf dem Chore der 
St. Mang-Kirche in Fiissen. 
Geigenzettel: Abb. 277. 



Gedler, Joseph Benedict. — Fiissen. Geb. um 
1759, f 28. Marz 1830 

Sohn und Schiiler von J. Ant. G., den er nachahmte. 
Sein Lack ist jedoch heller, oft goldgelb oder weinrot, 
aber ebenfalls sprode. Die Arbeit ist gut und der Ton 
hell und leicht ansprechend. Er war der letzte Geigen- 
macher von einiger Bedeutung in Fiissen, wo sein An- 
denken bis auf den heutigen Tag fortlebt. 
Geigenzettel: Joseph Benedictus Gedler / in Fiifsen 
1 796 (gedruckt). — Joseph Benedikt Gedler in / Fiifsen 
1812 (gedruckt). 

Gedler, Norbert. — Wiirzburg. 1715. 1723 

Er wanderte aus Fiissen, wo schon 1504 ein aus Tann- 
heim stammender Konrad Gedler nachzuweisen ist, in 
Wiirzburg ein und wurde Hoflauten- und Geigen- 
macher des Bischofs von Wiirzburg. Er war sehr ge- 
schickt, scheint jedoch jung gestorben zu sein. Seine 
Arbeit wurde geschatzt, aber sein Name kam in der 
entstellten Form »Bedler« in die Geigenliteratur, da in 
einigen seiner handschriftlichen Zettel das G dem 
heute gebrauchlichen B ahnelt. De Piccolellis nennt 
ihn sogarBeSler. Das Museum des Pariser Konservato- 
riums besitzt eine sehr schone Viola di bordone, eine 
ebensolche von 1715 die Sammlung Keil in Lissabon 
(Nr. 256), eine Viola Dr. med. Hildenbrand in Duis- 
burg und Hauptlehrer Roman Dereth in Miltenberg 
ein sehr gutes (aus einer Kirche im Bistum Wiirzburg 
stammendes) Violoncello von ihm mit dem Zettel: 
Norbertus Gedler / Hochfiirstl. / Hof-Lauten- und 
Geigen- / Macher in Wiirtzburg / im / Jahr 1722. 

Gehring, Friedrich. — Basel. Geb. 1854 in 

Trutingen (Kanton Bern) 

Erlernte bei C. M. Ott in Basel den Klavierbau, ar- 
beitetevon 1881 — 1 882 in Paris, hielt sich dann von 1883 
an iiber sechs Jahre in Nordamerika auf, wo er sich 
1884 selbstandig machte, kehrte aber 1889 in die Hei- 
mat zuriick und eroffnete in Basel ein Geschaft, in 
welchem er den Klavierbau und den Bau von Streich- 
instrumenten mit neuartigem Resonanzkasten betreibt 
(auch Gitarren und Zithern). Geigen in der gebrauch- 
lichen Form macht er jedoch nicht. Sein Modell hat 
keine seitlichen Einbuchtungen; die Decke ist stark 
gewolbt und direkt mit dem Boden verbunden. Die 
Urteile iiber diese Erfindung gehen noch scharf aus- 
einander, doch lafit sich nicht leugnen, daft Gehring 
Instrumente von schoner Klangfiille gemacht hat. Er 
verwendet als Grund Spirituslack und als Decklack 
Kopal oder Bernsteinlack. 

Geigenzettel: Fritz Gehring / lnstrumentenmacher / 
Basel 18 . . / Pat. N° . . (gedruckt). 

Geiger, Fr. J., lebt in Sulzberg bei Kempten 

Geipel, Hermann. — Brambach i. S. Geb. 

1862 in Fleissen i. B. 

Schiiler von Ludw. Glaesel jun., war nach beendeter 
Lehrzeit fiinf Jahre als Gehilfe tatig und begriindete 
1884 in Brambach sein eigenes Geschaft, in welchem 
nach eigenem System lackierte Streichinstrumente her- 
gestellt werden, die hauptsachlich nach England gehen. 
Er ist der Schwager Aug. Ant. Reichels. 



Geipel — Geissenhof 



161 



Geipel. — Markneukirchen 

Von dieser Familie, deren Stammvater, aus dem Boh- 
mischen eingewandert, schon 1726 erscheint (ein Adam 
Geipel lebt noch in Fleissen), sind oder waren in der 
Markneukirchener Geigenindustrie tatig: 

Geipel, Carl Christian. Geb. I . Oktober 1863 
Geipel, Ernst Ferdinand. Geb. 26. Febr. 1866 
in Landwiist 

Geipel, J. Friedrich I. 1727 

Er war der Schiiler seines dem Vornamen nach nicht 
bekannten Vaters und wurde am 10. Januar 1727 als 
Meister in die Zunft aufgenommen, wobei er nur die 
ermafiigten Gebuhren als Sohn eines Meisters zu be- 
zahlen hatte. 

Geipel, J. Friedrich II. Geb. 10. Sept. 1809, 
f 18. Marz 1872 

Er war ursprunglich Tischler und wurde erst spater 
Geigenmacher. 

Geipel, Moritz. Geb. 12. November 1852 

Geipel, Reinhold Adolph. f 1910 

Geipel, Walter Edwin. — Homburg, Mann- 
heim. 1918. Geb. in Zwota 
Tiichtiger Geigenbaumeister. 

Geissenhof, Franz. — Wien. Geb. in Vilsl 754, 
f 2. Januar 1821 in Wien 

Er war ein Sohn des Pflegers und Urbarverwalters 
Joh. Mich. G. und kam als Gehilfe nach Wien, wo er 
Schiiler und seit 1781 Nachfolger von Joh. Gg. Thir 
wurde. Er legte am 29. Juli 1 780 den Biirgereid ab und 
wohnte SingerstraBe Nr. 922. Er war ein hervorragen- 
der Meister, der nach italienischen Vorbildern und be- 
sonders nach dem Stradivarimodell von 1716 arbeitete. 
In bezug auf die Arbeit kann er als der beste Wiener 
Meister bezeichnet werden. Leider ist der Ton seiner 
Geigen nicht sehr groB. In seiner Arbeit lassen sich 
vierPerioden unterscheiden. Die erste ist bis 1790 an- 
zusetzen ; in dieser Zeit haben seine Geigen einen sehr 
dunklen Lack und sehen wie die seines Lehrmeisters 
Thir aus. Die zweite Periode umfaBt die Zeit von 
1790 — 1800. Er bevorzugt jetzt ein flacheres Modell, 
der Lack, wenn auch noch dunkel, wird durchsichtiger, 
nur konnte er sich noch kein schones Ahornholz ver- 
schaffen. Die Boden sind daher nur wenig oder gar 
nicht gerlammt. In seiner dritten Periode von 1800 bis 
1810 erreicht er die voile Hohe seines Konnens, 
das Modell wird breiter, Wolbung, Einlagen und Ran- 
der sind von tadelloser Schonheit, der Lack wird braun- 
gelb, manchmal mehr oder weniger rotlich gemischt. 
In der vierten Periode von 1810 an nimmt er die Ren- 
der etwas massiger, seine Arbeit ist jetzt so vollendet, 
dafi sie von niemand mehr iibertroffen werden konnte. 
Der Lack wird von 1815 an immer heller und manch- 
mal sogar hellgelb. Leider pflegte er, wie viele andere 
Geigenmacher seiner Zeit, seine Geigen vor dem 
v. Liitge n d orf f , Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Lackieren mit Leimwasser zu tranken, um die Holz- 
flachen besser glatt zu erhalten. Der Lack wurde da- 
durch sehr empfindlich und kann namentlich durch 
Nasse leicht zerstort werden. In seiner Glanzzeit 
machte er die Schnecken ganz besonders schon, die 
Facetten treten rein und in vornehmster Linien- 
fuhrung hervor, wie sie kein zweiter Wiener Geigen- 
macher ausstechen konnte. Auch die F-Locher nach 
Stradivari sind von besonderer Feinheit und die unteren 
Zungen sehr elegant ausgehohlt. AuBer seinen Zetteln 
gebrauchte er am Boden, in der Nahe des Halsansatzes, 
ein F. G. als Brandmarke (Nr. 21 ) von einem schief ge- 
stellten Parallelogramm von Doppellinien umrahmt. 
Kommt die Brandmarke am Plattchen des Halsansatzes 
vor, dann fehlt die Umrahmung. Er scheint die Marke 
in den Lack eingebrannt zu haben, weshalb sie jetzt 
manchmal hell hervortritt oder verwischt erscheint. 
Geissenhof war auBerordentlich genau und gewissen- 
haft in der Arbeit, er arbeitete meistens allein, da er 
keinen Gehilfen finden konnte, der seinen strengen An- 
forderungen entsprach. Er lieB kein Stuck aus der 
Werkstatt, das nicht ganz einwandfrei war, und doch 
ist die Zahl der von ihm gebauten Instrumente ziem- 
lich groft, so daB man daraus leicht ersehen kann, wie 
fleiBig er war. In einzelnen wenigen Fallen arbeitete er 
wohl auf Bestellung auch nach den Modellen von 
Gaspar da Salo oder Maggini usw., aber mit weniger 
Erfolg. Seine Violen entsprechen seinen Violinen ; Vio- 
loncelli scheint er sehr selten gebaut zu haben, ich 
kenne nur drei davon und nur einen einzigen Kontra- 
baB. Er stand in hohem Ansehen und erhielt fur eine 
Violine die damals und fur Wien ziemlich hohe Summe 
von 60 fl. Schein. Der Verkaufswert seiner Geigen ist 
in den letzten Jahren auBerordentlich gestiegen. Von 
einem schon kastanienbraun lackierten Quartett, das im 
Jahre 1877 noch fur 100 fl. gekauft werden konnte, sind 
die beiden Violinen und die Viola einige Jahre vor dem 
Kriege fur 1600 K. verkauft worden. Heute zahlt man 
fur gut erhaltene Violinen geradezu fabelhafte Preise. 
Von den mir bekanntgewordenen Arbeiten erwahne 
ich der Kiirze halber nur die folgenden: Eine sehr 
schone Viola befand sich in der Wiener Musik- und 
Theaterausstellung. Das Stift Schotten in Wien besaB 
zwei Geigen von ihm aus den Jahren 1800 und 1809 1 ) 
und das Stift Klosterneuburg eine solche von 1810, 
Herr Edw. Speyer in Ridgehurst eine solche von 1804, 
eine Violine von 1 797 Steueroffizial Banauch in Auster- 
litz. Die letzte Arbeit von ihm (gelbbraun lackiert), die 
bei seinem Tode bis auf die Wirbellocher fertig war 2 ) 
besitzt A. Kottenbach in Wien. Eine Violine nach 
Gaspar da Salo besitzt Hofmusiker Franz Heinrich, 
zwei Violinen von 1786 und 1805, eine davon nach 
Maggini, Valentin Waller, in dessen Sammlung sich 
auch eine Viola von 1805 befindet. Ein Violoncello von 
1804 und eine goldgelbe Violine von 1817 besitzt Prof. 
Mayr, eine ebenso lackierte, prachtvolle Viola Dr. med. 



1 ) Im Inventar von 1868 werden die beiden Geigen 
noch aufgezahlt, in dem von 1887 nicht mehr, doch wird 
bemerkt, daB sie 1881 oder kurz darnach gestohlen worden 
seien. 

2 ) Sie war als Weihnachtsgeschenk fur den damaligen 
Schiiler (spateren Lehrer) WeiB bestellt, von dem sie der 
jetzige Besitzer erbte. 

11 



162 



Geissenhof — Gemunder 



Jos. Neubauer. Ferner besitzen: das Stift Admont erne 
hochgewolbte Violine von 1796, Dr. Zimmermann eine 
schokoladenbraune Viola von 1 784. 
Geigenzettel: Neu lackiert und Repariert / Franz 
Geifienhof Wien 1807 (geschrieben) und Abb. 241, 272, 
313 und 315 (Beispiel eines falschen Zettels.) 

Geissenhof, Josephus. — Wien. 1790 

Im Stift Klosterneuburg befindet sich eine Violine mit 
dem Namen »Josephus Geissenhof fecit Vienae Anno 
1790«. Ein Josephus G. ist urkundlich nicht nachzu- 
weisen, es ist daher anzunehmen, dafi der Zettel eine 
der schon bald nach Geissenhofs Tod zahlreich vor- 
kommenden Falschungen ist, wobei sich der Falscher 
dadurch zu decken suchte, dafi er den Vornamen oder 
die Schreibweise des Namens anderte. 

Geisser, Ernst. — St. Petersburg. Geb. 1854 

in Miinchen 

Schiiler von Franz Ramftler, bei dem er von 1866 bis 
1869 lernte. Er arbeitete dann bei Kriner in Stuttgart 
und bei Ludwig Otto, mit dem er nach St. Petersburg 
ubersiedelte. Von 1875—1878 diente er als Musiker 
beim Konigl. Leibregiment in Miinchen, ging dann 
zu Otto zuriick und machte sich 1881 selbstandig. Er 
arbeitet sehr sauber nach Stradivari, erhielt 1889 in 
Paris, 1893 in Chicago und 1896 in Antwerpen je eine 
silberne und auf der Petersburger Musikfachausstellung 
1907 die grofie goldene Medaille. Er ist Geigenbau- 
meister des Konservatoriums der Kaiserl. Musikgesell- 
schaft zu St. Petersburg und ein gewiegter Kenner, der 
jahrlich grofiere Reisen unternimmt, um Meister- 
instrumente zu sammeln. 

Geisser, Nikolaus. — St. Petersburg. Geb. 
1884 zu St. Petersburg 

Nach Absolvierung der deutschen St. Petrischule trat 
er bei seinem Vater Ernst G. in die Lehre und arbeitete 
dann bei L. Mougenot in Mirecourt und bei Silvestre 
und Maucotel in Paris. Seiner Militarpflicht leistete er 
von 1904 — 1905 in Lindau Geniige und wurde dann 
Teilhaber des vaterlichen Geschafts. Er baut Geigen 
und Violoncelli nach Stradivari und Guarneri und nach 
einem eigenen Modell und verwendet einen Ollack. 

Geissler, Ed. Fried. — Beuthen O.-Schl. 1890. 
t um 1898 

Er nannte sich Streichinstrumentenmacher, beschriinkte 
sich jedoch auf Fliclcarbeiten. 

Geitner (Geittner), Wilhelm. — Breslau. 1826. 
turn 1843 

Der beste Lauten- und Gitarrenmacher seiner Zeit in 
Schlesien. Er hat auchgelegentlich Geigen ausgebessert, 
schwerlich aber neue gebaut. Eine von ihm wieder- 
hergestellte Laute ist im Schlesischen Museum fur 
Kunstgewerbe und Alterttimer in Breslau zu finden. 

Gelmini, Geminiano. — Ferrara. 1508 

Ein alter Lautenmacher, den Valdrighi (4179) aufzahlt. 



Brescia. Geb. 1804, 



Gelmini, Giovanni, 
t 1864 

Nur als Erfinder von Vorrichtungen zur besseren Be- 
saitung von Gitarren und Zimbeln usw. sowie als Er- 
finder einer Gitarrenlaute erwahnenswert. 
Geigenzettel: Joannes Gelmini / Brescianus Inventor / 
Anno 1863 No 26 (geschrieben). 

Gemunder, August Martin Ludwig. — Neu- 
york. Geb. 22. Mar z 1814 zu Ingelfingen, 
t l.Sept. 1895 inNeuyork 
Schiiler seines Vaters Joh. Gg. G., arbeitete einige Jahre 
in verschiedenen deutschen Stadten als Gehilfe und 
begrundete 1839 seine eigene Werkstatt in Regensburg, 
ohne es dort zu etwas zu bringen. Er wanderte daher 
1846 nach Amerika aus und liefi sich zuerst in Spring- 
field (Mass.) nieder und ging 1860 nach Neuyork. Hier 
kam er bald zu grofiem Ansehen und gait bei vielen als 
der beste amerikanische Geigenmacher seiner Zeit. Er 
war ein geschickter, f reilich auch von sich selbst sehr 
eingenommener Kopist und arbeitete nach Stradivari, 
Guarneri und Maggini. Das Holz ist gut gewahlt, der 
Lack goldgelb bis dunkelrot. Die echt amerikanische 
Reklame, die er betrieb, hat seinem Ruf in Europa 
jedenfalls mehr geschadet als geniitzt. Er veroffent- 
lichte auch eine Selbstbiographie. 

Gemiinder, August & Sons. — Neuyork 

Geigenmacherfirma derGegenwart, deren Inhaber jetzt 
sind : August M. G. (geb. 4. Mai 1862 in Neuyork) und 
Rudolf G. (geb. 9. Februar 1865). Die Firma gibt seit 
1892 die Zeitschrift »The violin-world « heraus. 

Gemiinder, Georg. — Astoria, Boston, Neu- 
york. Geb. 1816 in Ingelfingen, f 15. Jan. 

1899 

Sohn von Joh. G., bei dem er auch gelernt hat. Spater 
kam er zu Vuillaume in Paris. 1849 wanderte er nach 
Amerika aus, verstand es, durch ausgezeichnete 
Arbeit verdiente Anerkennung zu finden. Auf der 
Wiener Weltausstellung 1873 hatte er eine Kopie nach 
Joseph Guarneri ausgestellt, die er »Kaisergeige«taufte 
und fur die er 10 000 Dollars verlangte. Wenn der Preis 
auch allzu hoch gegriffen war, so war die Geige doch 
so gut, dafi vielfach behauptet wurde, Gemunder habe 
eine echte alte Geige einfach mit seinem Namen ver- 
sehen. Auch er machte gem laute Reklame und ver- 
offentlichte 1883 gelegentlich der Weltausstellung in 
Amsterdam eine Broschiire »George Gemiinders Pro- 
gress in Violinmaking«. Er verstand sich sehr gut dar- 
auf, das alte Aussehen der Geigen, die er kopierte, nach- 
zuahmen. Weniger gliicklich war er manchmal in bezug 
auf die Tonschonheit. 

Gemiinder, Johann (Georg Heinnch). — 
Ingelfingen (Wurttemberg). Geb. 1782, 
f 1836 

Ein kleiner Geigenmacher, der (angeblich) viel fur das 
Fiirstl. Hohenlohesche Haus gearbeitet haben soil. 



Gen 



Gerle 



163 



Vater von August und Georg Gemiinder. Nach den 
Erzahlungen des ersteren scheint er jedoch ohne kiinst- 
lerisches Verstandnis gewesen zu sein. 

Genin, Joseph. — Mirecourt. 1778 

Er wird als »Joseph G. fils« in den Akten gefuhrt und 
war Bogenmacher. Es ist daher anzunehmen, dafi sein 
Vater dem gleichen Beruf angehorte. 

Gennaro s. Fabbricatore (auch Vinaccia) 

Genouel. — Laval (Dep. Mayenne). 1912 
Er bezeichnet sich als Luthier, doch habe ich keine 
Arbeiten von ihm kennengelernt. 

Genova, Giovanni Battista. — Turin. 1765 
Italienischer Geigenmacher, den ich nur durch eine 
gute, im Besitz von G. Winterling in Hamburg befind- 
liche Geige kennenlernte. 

Geigenzettel : Fecit Taurini Joannes / Baptista Genova 
1765 (gedruckt). 

Genovese, A. — Lille. 1885. 1910 
Ein Luthier, der nicht ungeschickt sein soil. 

Gentile, Michele. — Lucca. 1883 

Unbedeutender Geigenmacher aus dem letzten Dnttel 
des 19. Jahrhunderts. 

Gentner, J. — Dillingen. 1891 

Sein Reparaturzettel findet sich in Geigen. 

Georg, Hans. — (Mark-)Neukirchen. 1678. 
1682 

Er kommt zwar urkundlich als Geigenmacher vor, ist 
aber im Kirchenbuche nicht zu finden. Moglicherweise 
hat man es hier nur mit dem Taufnamen eines Meisters 
zu tun. 

Georgeot, Jean-Claude. — Mirecourt. 1 787 
In einer Geige von F. Breton stand auf der Innenseite 
der Decke mit Bleistift sein Name geschrieben. Er 
scheint also fur diesen Meister gearbeitet zu haben. 
Auch A. Jacquot nennt ihn. 

Georgi s. Giorgi 

Geraldi, Hieronymus s. Gerolamo Virchi 

Gerani (Garani), N. — Neapel. 1790. 1830 

Die Arbeit ist gewohnlich, aber gut, der Lack von 

gelber Farbe. 

Gerani. — Turin. 1750 

Eine sehr gute Geige mit diesem Namen wurde vor 
einigen Jahren in London fiir 30 £ ausgeboten. 

Gerani, Paolo. — Cremona. 1614 

Manche wollen den Namen »Gerans« lesen. Er gehort 
zu den unbekanntesten Cremonesern. 



Gerardin. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot nennt: 
Antoine G. 1745. 1748 
Denis G. 1789 
Joseph G. 1772. 1789. 

Gerardin. — Paris. 1772 

Ein Mirecourter, von dem C. Snoeck ein Alto von ge- 
wohnlicher Arbeit, ohne Einlagen besafi mit dem Zettel 
»Gerardin, maitre luthier / pres de la limite des italiens 
a Paris 1772«. Ein Geigenhandler, vielleicht auch 
Geigenmacher dieses Namens kommt in Pans noch 
1819 vor. 

Gerardin — Bourges. 1811 

Gute Arbeit in Mirecourter Stil, roter Lack. 

Gerberon, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1787 
Nur urkundlich nachweisbar. 

Gerlach, Johann Christian. — Hamburg. 1 744 
Man kennt bisher nur Klaviere von ihm. Er erwarb am 
24. Januar 1744 das Biirgerrecht als »lnstrumenten- 
macher«. 

Gerle (Gerla, Gerlein), Conrad. — Niirnberg. 
Bliihteum 1460, f 4.Dez. 1521 
Ein beriihmter Lautenmacher, dessen Lauten ausdriick- 
lich als »deutsche Lauten « beruhmt waren. Vgl. J. Neu- 
dorffers Nachrichten und den noch immer wertvollen 
Aufsatz von J. K. S. Kiefhaber in der Allg. Musik- 
Zeitung, Leipzig 1816, S. 309ff. In »Norischer Christen 
Freydhofe Gedachtniss usw.« Niirnberg 1682, Bd. 2, 
S. 2 ist bei Grabstein Nr. 1 1 (bei St. Rochus) rechts 
von der Tiir am Eingang die Inschnft seines Epitaphi- 
ums verzeichnet: »Anno 1521 an St. Barbara Abend 
starb der Erbar Mann Conrad Gerl Lautenmacher dem 
GOtt gnadig sey. Amen.« Er besafi ein Haus in der 
Breitengasse und hinterliefi nach seinem Tode eine 
Witwe Walburg und mehrere unmtindige Kinder. In 
den Gerichtsbuchern im Nurnberger stadtischen Ar- 
chiv (Abt. L. Literarum Bd. 27, Bl. 146) wird Konrad 
Gerlein Lautenmacher und seine Ehefrau Walburga 
genannt. Sie kauften von Anna Deichsler, Heinrich 
Deichslers Witwe, die Erbschaft ihres Hauses in der 
Kotgasse urn 50 fl. rh. Nach Bd. 30, Bl. 168 und Lib. 
Lit. kauften Konrad Gerlein und seine Frau Walburga 
im Jahre 1516 von Martin und Agnes Finsterer ein 
Haus in der Breitengasse um 130 0. 

Gerle, Georg. — Innsbruck. 1569, f um 1589 
Das wenige, was sich uber sein Leben ermitteln liefi, 
findet sich in D. Fr. Waldners Nachrichten iiber tiroli- 
sche Lauten- und Geigenbauer. Danach war G. Gerle 
im Jahre 1569 schon Kalkant und lnstrumentenmacher 
bei der Hofkapelle des Erzherzogs Ferdinand, und da 
er sich 1572 auf seine langjahrigen Dienste beruft, 
diirfte er schon in Prag bei der gleichen Kapelle an- 
gestellt gewesen sein. 1586 erlaflt der Erzherzog ein 
Befehlsausschreiben, dem Georg G. 40 fl. fiir zwei 
Werke »ehetunlichst« zu bezahlen. Eine Laute von ihm 
befindet sich in der Sammlung alter Musikimtrumente 
des kunsthistorischen Museums in Wien (A. 35), die 



164 



Gerle — Glvdii 



schon im alten Inventar von 1596 erwahnt wird. 
Diese Laute ist eirund; der Riicken besteht aus elf 
Elfenbeinrippen. Griff brett 240 mm lang, 40 — 54 mm 
breit, fiinf Doppelsaiten und eine einfache Saite; Lange 
des Korpus 450 mm, im Inneren die gedruckte Zettel- 
inschrift: »Georg Gerle Fiirstlicher Durchleuchtig- / 
kait Chalkandt zu Ynnsprugg«. 

Gerle, Hanns. — Niirnberg. Geb. um 1505, 

t 1599 

Sohn von Conrad Gerle. Beriihmter Lauten- und 
Geigenmacher, der auch als Lautenist, Geiger und 
Sanger sehr geschatzt war. Seine lnstrumente galten 
als die besten seiner Zeit und hatten noch im 17. Jahr- 
hundert eine, man kann sagen, europaische Beriihmt- 
heit. In Neudorffers Nachrichten wird er gewurdigt, 
1532 erscbien sein Portrat; im gleichen Jahre gab er 
heraus : »Musica Teutscb auf die Instrument der grofien 
und kleinen Geygen, auch Lauthen etc. durch Hans 
Gerle lutinist zu Nurenberg aussgangen« (2. Aufl. 1546 
»Musica u. Tabulatur aiiff die Instrumenten der kl. u. 
gr. Geygen etc^) 1 ). In einem Verzeichnis der Musik- 
instrumente des fiirstl. Hauses Este in Modena von 
1598 wird unter Nr. 18 ein »CembaIo del Gherla« er- 
wahnt. Bei Doppelmeyer heifit es von ihm (S. 291) 
»ein Geigenmacher, war sowohl in Geigen als Lauten 
von einer schonen Proportion, guten Resonanz und 
mancherlei Grofien zu machen, auf welchen beiden 
Instrumenten er auch gar fein spielte, zu seiner Zeit in 
einer guten Renommee«. 

Gerle, Melchior. — Innsbruck. 1589. 1605 
Sohn von Georg G. und seit 1589 als Kalkant und In- 
strumentenmacher sein Nachfolger in der erzherzog- 
lichen Hofkapelle, die aber nach dem Tode des Erz- 
herzogs im Jahre 1596 aufgelost wurde. Melchior G. 
blieb in Innsbruck, wo er schon 1591 Barbara Lutz 
geheiratet hatte. 1605 wurde ihm noch ein Sohn ge- 
boren und 1618 starb die »Ehewirtin des Lauten- und 
I nstrumentenmachers Melchior Gerl « bereits als Witwe. 
(Vgl. Dr. F. Waldners mehrfach angefuhrte Schrift 
S. 52.) — Arbciten von ihm sind mir nicht bekannt. 

Gerlein (Gerle), Hans. — Niirnberg. 1618 
Vermutlich ein Enkel Conrad Gerles. Er erscheint mit 
der ausdriicklichen Bezeichnung »Lautenmacher« in 
den Niirnberger Gerichtsbiichern (Liter. 130, Bl. 55) 
am 14. Juli 1618 als Besitzer eines Hauses in der Kot- 
(jctzt Brunnengasse) und Breitengasse, das vordem 
Conrad G. besessen hattc. 

Germain, Emile. — Paris. Geb. 24. Juli 1853 
in Paris. 1906 

Sohn von Joseph-Louis G. Zuerst lernte er (seit 1864) 
in Mirecourt und seit 1867 bei seinem Vater, dessen 
Geschaft er 1876 ubernahm. Bei dieser Gelegenheit 
verband er sich mit dem Lackerfinder 2 ) Dehommais, 

x ) Ein Exemplar besitzt die Staats-Bibliothek in Ber- 
lin. Vgl. auch : Beschreibung eines neu entdeckten Lauten- 
buchs von Hs. Gerle usw. Wien 1900. 

2 ) Sein Lack wurde im Inneren der Geigen aufgetragen. 
Auficrdem erfand er ein Verfahren, das Holz kiinstlich 
»alt« zu machen. 



einem Liebhaber, der jedoch 1882 aus der Firma wie- 
der austrat. Germain ist ein hervorragend geschickter 
Geigenmacher, der auch auf der Pariser Ausstellung 
1900 treffliche Arbeiten ausgestellt und die goldene 
Medaille erhalten hat. In 10 Jahren hat er an 500 Gei- 
gen gemacht. 
Geigenzettel : Abb. 243 und 294. 

Germain, Joseph-Louis. — Paris. Geb. 23. Juli 
1822 in Mirecourt, f 5. Juli 1870 
Er wurde in seinem Geburtsort ausgebildet, kam 1840 
nach Paris und trat bei Ch. F. Gand ein. Nach dessen 
Tod ging er zu J. B. Vuillaume und blieb hier bis 1850, 
um dann bei den Sohnen Gands bis 1862 zu arbeiten. 
Hierauf machte er sich in der Rue Saint Denis Nr. 364 
selbstandig und ging 1870 nach Mirecourt zunick, wo 
er dann am 5. Juli 1870 starb. Ein grofies Talent von 
aufierordentlicher Bescheidenheit. 
Geigenzettel : Joseph-Louis Germain / a Paris, Annee 
1868 (gedruckt) und Abb. 234 und 242. 

Germain, Louis. — Pans. 1756 

Vermutlich ein Mirecourter. C. C. Snoeck besafi eine 
Tenorgeige aus dem Jahre 1756 von ihm. 

Germane. — Mailand. 1906. 1907 

Seine Geigen sind in England nicht unbeliebt. 

Geroni (Gerani), Domenico. — Ostia. 1800. 
1820 

Da er nichts eigenartiges besafi, aber leidlich gut nach- 
ahmte, wurden seine Geigen gerne von Handlern mit 
beriihmteren Namen versehen, so dafi man heute nur 
selten etwas von ihm in die Hande bekommt. 
Geigenzettel : Domenico Geroni Ostiano / fecit Anno 
1817 (gedruckt). 

Gervais, T., lebt in Boston (Mass.). 
Gesu e Maria s. Tomaso Eberle 

Geycke, Joachim Wilhelm. — Hamburg 

Ein Instrumentenmacher, der am 27. Oktober 1797 das 
Biirgerrecht erwarb. 

Gherardi, Giacomo. — Bologna. 1677 

Einige Basse von ihm haben sich erhalten, jedoch in 
einem Zustand, dafi man ihn nicht danach beurteilen 
kann. 

Ghtrardi, Giovanni Battista. — Venedig. 1 791 
Vielleicht ein Nachkomme des Bolognesers G. Gherar- 
di. In seiner Arbeit recht unbedeutend. 
Geigenzettel : Joannes Bapta : Ghirardi / fecit anno 1 791 
Venetijs (geschrieben). 

Ghidini, Carlo. — Parma. 1746. 1773 
Ein wenig befahigter Nachahmer. 



Giacometti — Gilbert 



165 



Giacometti, Gianbattista (gen. »DelViolino«). — 
Rom. 1586 

Man kennt ihn wohl nur als Erbauer von Harfen (Dop- 
pelharfen), doch laBt sein Beiname mit einiger Sicher- 
heit darauf schlieGen, dafi er auch Geigen gemacht 
hat. 

Giacomo. — Chioggia. 1346 

Ein alter Lautenmacher, dessen Namen Valdrighi (3963) 
mitteilt. 

Giamberini. 

Von dieser Familie kommt 1 701 in Florenz ein Alessan- 
dro G. als Lautenmacher vor, der als Sohn eines 
Giovanni G. bezeichnet wird ; ferner von etwa 1 770 an 
ein Simone oder Simeone G., der auch gute Geigen 
gemacht hat. Sein Modell weist Einzelheiten auf, die 
mehr an die Tiroler als an eine italienische Schule er- 
innern. Der Lack ist goldgelb und von guter Be- 
schaffenheit, die Einlage ziemlich breit. Moglicher- 
weise sind beide Nachkommen des um 1550 erwahnten 
Giovanni Lodovico Giamberini in Ferrara. 

Gianni, Alessio. — Modena (Montagne). 1 793 
Man kennt einige wenige, leidlich gut klingende Geigen 
von ihm, die aber wenig ansprechend in ihrer Arbeit 
sind. 

Gianoli, Domenico. — ■ Mailand. 1731 

Ein Nachahmer der Cremoneser und als solcher nicht 
ungeschickt. 



Gianotti, Achille 

Lebte um 1872 in Sarzano und soil gute Reparaturen 
ausgefiihrt haben. 

Gibbs, James. — London. 1800. f um 1845 
Er arbeitete hauptsachlich fur J. Morrison, George 
Corsby und Samuel Gilkes, unter deren Namen daher 
auch die meisten seiner Arbeiten gehen. 

Gibertini, Antonio. — Parma, Genua. 1797* 
1850 

Seinerzeit erfreute er sich eines gewissen Ansehens, 
und selbst Paganini vertraute ihm seine Geigen zum 
Ausbessern an. Er ahmte die Guarneri mit Geschick 
nach und hatte einen dunkelroten, etwas dicken Lack, 
der noch immer recht gut genannt werden darf. Nach 
1833 war er in Genua ansassig. Er erfand einen Mecha- 
nismus, den er »zur Erhohung der Tonfulle« in den 
Geigen anbrachte, und der manche Ahnlichkeit mit der 
Sprengerschen Tonschraube hat. Sein Name wurde 
in weiteren Kreisen zuerst durch Francesco Antolinis 
Broschiire gegen Galbusera bekannt, da in dieser sein 
Loblied gesungen wurde. 

Geigenzettel : Restauro e corresse nell anno 1839 in 
Genova / Antonio Gibertini di Parma / Premiato piu 
volte in Milano con Medaglia etc. (gedruckt). — 
Antonio Gibertini / (Tier -Vignette) Parma 18 . . 
(gedruckt). 



Gibertoni, Giuseppe (gen. Paninino). — Mo- 
dena. 1829 

Ein Dilettant, der sich in allerlei »Kiinsten« versuchte, 
so als Feuerwerker, als Tischler und Geigenmacher — • 
uberall mit dem gleichen Mifierfolg. 

Gibl, Laurenz. — Prag. Anfang des 17. Jahr- 
hunderts 

Ein Lauten- und Geigenmacher, von dem nichts 
Naheres bekannt ist. 

Giboreau. — Liittich 

Giboreau, Auguste und Giboreau, Desire-Alphonse- 
Dieudonne (geb. 27. April 1866) leben als »Luthiers« 
in ihrer Vaterstadt. 

Gibson, Frank. — Boston. 1908. 1912 

Amerikanische Geigenmacherfirma der Gegenwart. 

Gidl s. Gedler 

Giehrl, Lorenz. — Amberg (Bayern). Geb. 
10. April 1813, f 2.Juni 1892 

Schiiler von Thumhart in Amberg. Nachdem er einige 
Jahre hindurch in verschiedenen Werkstatten gearbeitet 
hatte, machte er sich in Amberg als Geigenmacher und 
Musikinstrumentenhandler ansassig. Wahrend seiner 
vierzigjahrigen Tatigkeit hat er eine Anzahl von sehr 
sauber nach Amati gearbeiteten Geigen gemacht. Am 
Wirbelkasten brachte er gerne einen Lowenkopf an. 
Eine sehr gute Geige von ihm besitzt das Amberger 
Lehrerseminar. Seltener kommen Violen und Zithern 
von ihm vor. 

Geigenzettel: Lorenz Giehrl / Saiten-Instrumenten- 
macher in Amberg / 1865 (gedruckt). 

Gigli, Giulio Cesare. — Rom. 1721. 1762 
Wahrscheinlich ein Sohn oder Enkel des 1640 in Rom 
vorkommenden Zimbelmachers Giovanni Giglio. Wenn 
er im ganzen auch nicht zu den hervorragendsten 
Meistern gehorte, so machte er doch einige sehr gute 
Geigen nach Amati, die in ihrem rotgelben Lack und 
ihrer Arbeit fiir ihn sprechen. Besonders seine Violon- 
celli sind lobend hervorzuheben. Viele seiner Arbeiten 
sind jetzt unter »beriihmten« Namen im Handel. Das 
Musikhistorische Museum von W. Heyer in Koln be- 
sitzt eine violinformige Taschengeige (Violino piccolo) 
Nr. 757 von ihm, die nicht ohne Verdienst ist. 
Geigenzettel : Abb. 252. 

Gilbert, Jeffery James. — Peterborough. Geb. 
16. Aug. 1850 in New Rowney (Kent, Eng- 
land) ^ 

Einer alten, angesehenen kentischen Familie entstam- 
mend und ursprunglich fiir einen anderen Beruf be- 
stimmt, hatte er im Geigenbau keinen eigenthchen 
Lehrer. Wohl war sein Vater (geb. 1814)einbegeisterter 
Musikfreund, der als Dilettant einige gute Violoncelli 
machte, und von ihm erhielt er die ersten Unter- 
weisungen. Nachdem er sich einmal mit dem Geigen- 
bau beschaftigt hatte, verlegte er sich mit Feuereifer 



166 



Gilbert Gioffreda 



auf das Studium dieser Kunst und trat mit den besten 
Kennern und Kiinstlern in Verbindung; so mit Charles 
Reade, George Hart, Horace Petherick, Dr. John Day 
und George Withers, von denen er wertvolle Ratschlage 
erhielt. Er begann seine Studien 1873 in NewRomney 
und setzte sie dort bis 1 887 fort, in welch letzterem Jahre 
er nach Peterborough iibersiedelte. Er bildete sich ein 
eigenes Modell, das bis zu einem gewissen Grade von 
Stradivari beeinflufit erscheint, und das er, ohne sich 
selbst stets sklavisch nachzuahmen, im Laufe der Zeit 
immer mehr vervollkommnet hat. Seine Arbeit ist von 
lobenswerter Vollendung sowohl in bezug auf die 
Schonheit des Holzes und der Form, als auch in bezug 
auf den Ton. Sein Lack, der von hiibscher Leuchtkraft 
ist, zeigt entweder goldgelbe (hell und dunkel), braune 
oder tiefrote Farbe und ist das schlieBliche Ergebnis 
vieljahriger Versuche. Er hat an 200 Instrumente ge- 
macht,die alle ein individuelles, kiinstlerischesGeprage 
haben und von manchen Autontaten selbst den ita- 
lienischen als nahekommend an die Seite gestellt wer- 
den. Er besitzt viele Auszeichnungen ; eine ausfiihrliche 
Biographie von ihm veroffentlichte Rev. W. Meredith 
Morris in Nr. 121 (Mai 1900) der Zeitschrift »The 
Strad«. 

Geigenzettel : Jeffery J. Gilbert Peterborough / Fecit. 
Anno MDCCCC1V. (gedruckt). 

Gilbert, Nicolas-Louis. — Metz. 1701. 1706 

Ein geschickter Violenmacher, von dem 1878 in Paris 
eine hiibsche fiinfsaitige Viola (Pardessus de Viole) 
ausgestellt war. Das Museum des Brusseler Konserva- 
toriums besitzt eine gleiche Arbeit von ihm. 
Geigenzettel: Nicolas-Louis Gilbert / facteur d'instru- 
ments a Metz / 1701 (geschrieben). 

Gilbert, Simon. — Metz. 1730. 1789 

Vielleicht der Sohn von Nic. Louis G. Er war Mitglied 
des Domorchesters in Metz und ein fleifiiger Geigen- 
macher, der sehr sauber nach einem Amatimodell ar- 
beitete und einen besonders guten Lack verwendete. 
Ein Quinton (richtiger Pardessus de Viole) von 1744 
befand sich in der Sammlung Sax, ein ahnliches von 
1 749 besaB Loup, eine f unfsaitige Viola (Pardessus de 
Viola) findet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Koln, Nr. 788. Ein gleiches sehr hiibsch 
gearbeitetes Instrument von 1752 mit goldgelbem Lack 
und einem geschnitzten Frauenkopfchen mit Hut be- 
sitzt Fritz Wildhagen in Halensee. 
Geigenzettel: Abb. 274. 

Gilchrist, James. — Rothesay, Glasgow. Geb. 
in Rothesay 1832, f 1894 in Glasgow 
Er begann seine Laufbahn als Metallarbeiter und Me- 
chaniker und fertigte alle Arten der feinsten wissen- 
schaftlichen Instrumente an. Mit einem griindlichen 
Wissen verband er eine auBerordentliche Handgeschick- 
lichkeit, auBerdem besaB er eine prachtige Tenor- 
stimme und ein feines Gehor. Erst spat, urn 1880, 
wandte er sich dem Geigenbau zu, aber dann mit 
solchem Eifer und solcher Begeisterung, daB er es bald 
dahin brachte, daB ihm seine Verehrer den Namen des 
»schottischcn Stradivarius« gaben. Er verwendete aus- 
gezeichnetes Holz, berechnete die Starkenverhaltnisse 



von Decke und Boden nach seinen eigenen mathe- 
matischen Grundsatzen und stellte 50 Ausmessungen 
fest, um eine richtige und genaue Einteilung der Decke 
in bezug auf BaBbalken, Stimme und Steg zu erzielen. 
Er gab auf alle Kleinigkeiten acht und futterte sogar 
die Wirbellocher der Schnecke nach einem eigenen 
System. Er machte im ganzen 86 Violinen, Violen und 
Violoncelh und lieB keine fremde Hand an seine Arbeit 
kommen; sogar die Werkzeuge, mit denen er arbeitete, 
fertigte er sich selbst an, verbesserte die gebrauch- 
lichen und erfand neue dazu. Seine Geigen wurden 
schon zu seinen Lebzeiten hoch bewertet ; fur ein Quar- 
tett erhielt er 3000 M. Professor J. Bell Pettigrew, 
dem er auch die Modelle zu dessen Untersuchungen 
des Vogelflugs konstruiert hatte, besitzt eine Sammlung 
von Gilchristschen Geigen. Trotz alledem ist G. zu 
keinem Vermogen gekommen, und seine Frau pflegte 
zu sagen: »Machen kann er alles — nur kein Geld«, 
Er war ein durchaus origineller Mann und ein erfinde- 
rischer Kopf, wie man wenige kennt. 
Geigenzettel: James Gilchrist / Rothesay, 1881 (gedr.). 

Gilig s. Giihch 

Gilkes, Samuel. — - London. Geb. 1787 in 
Morton Pinkney (Northamptonshire), f Nov. 
1827 in London 

Schiiler von Charles Harris sen.; arbeitete bei Willi- 
am 111 Forster und eroffnete 1810 seine eigene Werk- 
statt. Er arbeitete im Stile von Harris nach dem Amati- 
modell recht sauber und verwendete einen guten Lack. 
Er wurde auch von Handlern viel beschaftigt. Seine 
Geigen und Violoncelli sind heute sehr gesucht. 
Geigenzettel: Gilkes / from Forster's / Violin and 
Violoncello Maker / 34, James Street Buckingham 
Gate / Westminster, (gedruckt) und Abb. 287. 

Gilkes, William. — London. Geb. 1811 in 
Tothill Fields, Grey Coat Str. (Westminster), 
f 1875 in London 

Sohn und Schiiler von Samuel G., dessen Nachfolger 
er wurde. Er verlegte die Werkstatt spater in die 
Dartmouth Street und machte viele Geigen nach ver- 
schiedenen Modellen. Er gehort zu den besten neueren 
Nachahmern Magginis und verstand es auch gut, den 
Lack zu imitieren. Im ganzen ist er aber weniger be- 
deutend als sein Vater. Am besten gelangen ihm Kon- 
trabasse. 

Gilmore, Richard. — Melbourne (Carlton). 

1880 

Ein australischer Musikinstrumentenmacher, der fur 
Geigen und einen Dudelsack auf der Ausstellung in 
Melbourne einen zweiten Preis erhielt. 

Gini lebt als Gesellschafter der Pirma Gini & 

Benvenuti in Pisa 
Gioffreda, B. — Turin. 1860 

Sein Name fand sich auf einem schlecht leserlichen 
Reparaturzettel. 



Giordanelli — Gisalberti 



167 



Giordanelli 

Ein Mandolinenmacher, der in Marseille ein Musik- 
instrumentengeschaft betreibt. 

Giordano, Alberto. — Cremona. 1725. 1740 
Er gehort zwar zu den weniger bekannten Nachahmern 
Stradivaris, doch hat er einige hiibsche Violoncelli und 
Taschengeigen gemacht. Sein Lack ist schon, von gelb- 
brauner oder rotlicher Farbe. 

Geigenzettel: Alto. Giordano fecit. / Cremonae 17.. 
(gedruckt). 

Giorgetti, Giovanni Antonio. — Barga. 1847 
Ein begabter, aber unbedeutender Geigenmacher; seine 
besten Arbeiten sind denen von Ventapane im Aus- 
sehen, in der Arbeit und im Lack sehr ahnlich. Im 
allgemeinen arbeitete er jedoch sehr ungenau und f Rich- 
tig. Auch sein Sohn wurde Geigenmacher (Valdrighi 
4200,4201). 

Giorgi, Nicola. —Turin. 1717. 1760 

Er gilt als ein Schiiler G. Cappas, seiner Arbeit nach 
kann man ihn eher einen Stradivannachahmer nennen, 
dem am besten Violen gelangen. Eine kleine Viola 
d'amore von feiner Arbeit tragt den Zettel: Nicolaus 
Giorgi faciebat / Taurini anno 17 . . (gedruckt). 
Geigenzettel: Abb. 246. 

Giovannetti, Leonardo. — Lucca. Geb. in 
Lucca um 1816, f 30. Nov. 1884 
Sohn von Lelio Luigi und Ernesta G. Er war Advokat, 
ein vielseitiger Gelehrter und Dilettant in alien mog- 
lichen Kiinsten. Als eifriger Musiker (tiichtiger Klavier- 
und Orgelspieler) kam er auch darauf, Musikinstru- 
mente zu bauen, und als es ihm gelang, einen vorziig- 
lichen Geigenlack herzustellen, machte er in den Jahren 
1855 — 1858 auch einige Violinen, die durch nichts 
verraten, daB sie Dilettantenarbeit sind. Noch groBere 
Erfolge hatte er erzielt, wenn er beim Geigenmachen 
geblieben ware, aber er verlegte sich dann darauf, kleine 
Orgeln zu konstruieren usw. ; er kam durch seine viel- 
fachen Liebhabereien schlieBlich um sein ganzes Ver- 
mogen und starb im bittersten Elend. Ein Schlaganfall 
machte seinem Leben ein Ende, und es ist nur zu be- 
dauern, daB er seine »Geheimnisse« mit ins Grab nahm. 

Giovannini, Giorgio. — Rom. 161 1 

Ein Lautenmacher, den man bei Valdrighi (3779) auf- 
gezahlt findet. 

Giquelier, Chnstoforo. — Pans. 1712 

Lauten- und Geigenmacher, von dem das Pariser Kon- 
servatorium eine fiinfsaitige Viola di batarda besitzt 
(Nr. 153). 

Giraniani. — Livorno. 1730 

Vidal und Niederheitmann erwahnen ein gutes In- 
strument mit gelbem Lack und einem geschricbenen 
Zettel von 1730 mit diesem Namen, der wohl »Grag- 
nani« hatte gelesen werden mussen. 



Girardin, Paulus. — ? 1751 

In einer Geige von kleinem Patron wollen einige diesen 
Namen gelesen haben. Das Wort Cremona, das auf 
dem Zettel noch zu entziffern ist, diirfte eine Firma- 
bezeichnung sein, nicht aber den Ursprungsort an- 
geben. 

Girgitto s. Gusetto 

Girod, Claude. — 18. Jahrhundert 

Er wird gewohnlich als Geigenmacher bezeichnet, doch 
weiB ich nur, daB der 1 791 verstorbene Graf von Maille- 
bois eine Drehle'er (vielle) von ihm besaB. 

Girolamo, Antonio. — »Cremona« 

Aus dem miBverstandenen Zettel der Briider Antonio 
und Girolamo Amati haben findige Handler einen 
neuen Geigenmacher entstehen lassen, den sie in das 
Jahr 1790 setzten und mit dessen Zettel sie sehr 
zweifelhafte Geigen wertvoller erscheinen lassen woll- 
ten. 

Giron, Claude. — Troyes. Geb. 1 . Marz 1762, 
f 19. Mai 1832 

Er arbeitete (nach Kinskys Ermittlungen) seit 1. Sept. 
1788 mitVillaume bei Claude Aubert, dessen Geschaft 
beide im Jahre 1791 {ibemahmeri, wobei sie die Firma 
in Villaume et Giron anderten. Giron scheint auch 
einzelne Geigen allein gemacht zu haben. Wenigstens 
gibt es Instrumente, die einen Zettel nur mit seinem 
Namen tragen, der Name Villaume ist einfach weg- 
geschnitten, der Plural »Luthiers« aber geblieben, was 
A. Jacquot zu der irrigen Annahme verleitete, es habe 
zwei (Briider) Giron gegeben. 
Geigenzettel: Abb. 237. 

Giroux. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der 1 788 ein Jacques G. 
und ungefahr gleichzeitig ein Joseph G. nachzuweisen 
ist. 

Girvan, Thomas. — Edinburgh. Geb. 30. Dez. 
1847 in Dalkeith 

Er war lange Militarmusiker und spielt auBer Blech- 
instrumenten auch die Geige. Durch Honeymans 
Schriften kam er darauf, sich im Geigenmachen zu 
versuchen, und hat seitdem aus Liebhaberei etwa zwei 
Dutzend Violinen gemacht nach dem Stradivarimodell. 
Geigenzettel: Thomas Girvan / Edinburgh / 1869 (ge- 
schrieben). 

Gisalberti, Andrea. — Parma, Bozzolo. 1716. 
1730 

Er nennt sich selbst einen Cremoneser, doch scheint er 
aus Rimini zu stammen. Es ist ungewiB, ob er bei 
Mariani in Pesaro oder bei Maggini gelernt hat, jeden- 
falls hat er von beiden manches angenommen, ohne 
dabei den EinfluB Gasparo da Salos zu verleugnen. 
Viele seiner Geigen verraten die Hand eines echten 
Kiinstlers, doch scheint er im Alter nachgelassen zu 
haben, oder sein Zettel ist durch Mifibrauch in zwar 
alte, aber gewohnliche Geigen gekommen. Andere, 



168 



Gisalberti — Glasel 



die seinem Stil sehr nahe kommen, tragen den Namen 
»Santo Ballerini«, was Horace Petherick veranlafite, 
wahrscheinlich zu machen, dafi dieser Name ein Pseu- 
donym Gisalbertis war. Wichtiger aber ist Horace 
Pethericks Nachweis, dafi Gisalberti der Lehrer Guar- 
neris del Gesii war, was er durch Geigenzettel dieses 
Grofimeisters aus den Jahren 1706 und 1714 belegen 
konnte, auf denen sich dieser ausdrikklich einen Schii- 
ler Gisalbertis nennt. Diese Bezugnahme auf den Leh- 
rer beweist aber auch, daB Gisalberti seinerzeit in be- 
sonderem Ansehen gestanden haben mufi. Geigen, die 
ihm einwandfrei zugeschrieben werden konnen, sind 
immer sehr gut und haben einen reichen edlen Ton. 
Wahrscheinlich gehort er auch zu den Meistern, denen 
die besten Arbeiten durch das Einkleben von Zetteln 
mit im Handel gangbareren Namen genommen worden 
sind. 

Geigenzettel : Andreas Gisalberti / Cremonensis / fecit 
Bozsolo 1716 (geschrieben) und Abb. 249 und 250. 

Gisalberti, Giulio Cesare. — Bologna. 1588 
Ein Lautenmacher, dessen Name bei Valdrighi (4204) 
genannt wird. 

Gitter, Andreas. — Augsburg. Um 1800 

Ein bekannter Musikalienhandler, der auch mit Musik- 
instrumenten handelte, in die er einen Zettel mit seiner 
Firma klebte. Eine aus seinem Geschaft stammende 
alte Schlagzither besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museum in Koln. 

Giudici, Virgilio. — Porto Alegre 

Brasilianischer Mandolinen- und Gitarrenmacher der 
Gegenwart. 

Giulani (Giuliani). — Cremona, Saluzzo. 1 660 

Schiiler von Nicola Amati, den er recht brav nach- 
zuahmen verstand. Seine Violen sind besonders gut, 
ebenso ein Kontrabafi, der in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum in Koln zu sehen ist. 

Giuliani, Alfonso 

Nur als Mandolinenmacher zu erwahnen. 

Giuseppe, Carlo s. Isep 
Giusino s. Berti 

Giusti, Giovanni Battista. — Lucca. 1682. 
1693 

Als Lautenmacher nicht hervorragend, dagegen zeigen 
seine Cembali durchweg schone Arbeit. 
Geigenzettel: Joannes Baptista Giusti, / Lucensis fa- 
ciebat anno 1693 (gedruckt). 

Gladstone, Robert. — Newcastle onTyne. 1871 

Englischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 
19. Jahrhunderts. 

Geigenzettel: Robert Gladstone / Newcastle on Tyne / 
Dec. 28th. 1871 (geschrieben). 

Glasel: — Markneukirchen 

Line weitverzweigte Familie. Als Geigenmacher waren 
oder sind tatig: 



Glasel, August.— f 14.0ktober 1900 in New- 
York 

Glasel, Carl Wilhelm. — Geb. 8. Aug. 1770, 
f 30. Jan. 1855 

Seine Geigen sind gut, der Lack dunkelbraun, das Holz 
oft schoner, als bei vielen seiner vogtlander Zeitgenossen . 
Auf alteren Zetteln gibt er auch »Tyrol« oder gar »Tier- 
hier« (sic) als Ursprungsland an. 
Geigenzettel: Abb. 320. 

Glasel, Ernst. — Geb. 1849 

Schiiler seines Vaters Joh. Ludw. Gl. 1873 iibernahm 
er das vaterliche Geschaft (Firma Glasel & Mossner). 
Er verwendet einen von ihm zusammengesetzten so- 
genannten Levantiner Lack und erfand einen Bogen 
»zum Selbstbehaaren«. 
Geigenzettel: Abb. 310. 

Glasel, Friedrich August 

Lebte im 18. Jahrhundert und soil aus Adorf stammen. 
Er war Geigen- und Gitarrenmacher. Seine Arbeiten 
tragen gewohnlich die Brandmarke F. A. G. Das Mo- 
dell ist ahnlich wie das der Familie Hopf, hat aber doch 
einige Unterscheidungsmerkmale. Brandmarke Nr. 19. 

Glasel, G. - Geb. 1720, f 1782 

Urgrofivater von Heinr. Hermann Gl. 

Glasel, Gottlob August. — Geb. 28. Dez. 1872 

in Adorf 
Glasel, Heinrich. — Geb. 1757, f 1837 

Sohn und Schiiler von G. Glasel. 

Glasel, Heinrich Adolf. — Geb. 10. Jan. 1866 

Schiiler seines Vaters Heinr. Hermann Gl. und der 
Markneukirchener Fachschule. Als Gehilfe arbeitete 
er 1884 in Rostock, dann bei Adam, Mockel sen. und 
Riechers in Berlin, machte sich 1886 in Berlin selb- 
standig und iibernahm auf Wunsch seiner Eltern 1891 
die vaterliche Saitenfabrik. Er baut jetzt nur noch in 
seinen Mufiestunden Geigen, die jedoch nicht in den 
Handel kommen. Diese sind nach Stradivari- oder dem 
alten Glaselmodell gemacht und haben Spiritus- oder 
Ollack. Der Zettel ist handschriftlich auf Pergament. 

Glasel, Heinrich Hermann. — Geb. 10. Jan. 
1838 

Sohn und Schiiler von Karl Gl. Er machte seinerzeit 
u. a. viele Streichmelodions und verlegte sich schliefi- 
lich auf die Saitenfabrikation. 

Glasel, Heinrich Ludwig 

Streichinstrumentenfabrikant, Mitinhaber der im Jahre 
1917 errichteten Firma L. Glasel und Sohn. 

Glasel, Immanuel 1. — Markneukirchen. Geb. 
22. Marz 1819, f 1881 

Sohn von Carl Wilhelm Glasel. Durch unermudhchen 
Fleifi und angeborenes Talentjbrachte er es zu be- 



Glasel 



Gla 



169 



merkenswerter Meisterschaft. Er war auch musikalisch 
gebildet, was seiner Arbeit sehr zum Vorteil gereichte. 
In den Jahren 1850 und 1861 erhielt er in Leipzig und 
Berlin silberne Ausstellungsmedaillen. Sein Nachfolger 
ward sein Sohn Oscar. 

Glasel, Immanuel II. — Markneukirchen. 
Geb. 27. Jan. 1878 

Sohn von Oscar Gl. und jetzt Mitinhaber der geschatz- 
ten Firma »Oscar Glasel «. 

Glasel, Johann Ludwig (»Ludwlg Glaesel 
sen.*). — Geb. urn 1815, f nach 1890 
Er wurde 1838 Meister und war hauptsachlich Bafi- 
macher. 

Glasel, Karl. — Geb. 1810, f 1850 

Glasel, Konrad, lebt als Geigenmacher in 

Briissel 
Glasel, Ludwig (»Ludwig Glaesel jr.«). — Geb. 
1842 

Enkel von Carl Wilhelm Gl., Schiiler seines Vaters. 
Von 1863 — 1865 arbeitete er als Gebilfe bei Grimm in 
Berlin, bei dem er seine Ausbildung in kiinstlerischer 
RicKtung abschlieBen konnte. Im Jahre 1867 machte 
er sich in Markneukirchen selbstandig und arbeitete 
zunachst wie die meisten Markneukirchener fiir die 
dortigen Handelshauser. Im Jahre 1882 begriindete 
er mit Herwig ein eigenes Musikinstrumentengeschaft, 
das ihm ermoglichte, seine Geigen unter eigener Firma 
auf den Markt zu bringen. Von 1890 an fiihrt er 
die Firma Ludwig Glaesel jr. Er gehort zu den besten 
Markneukirchener Meistern, arbeitet sehr sauber 
nach Stradivari und fertigt besonders getreue Kopien 
der Geige Joachims an. Er verwendet gutes altes 
Holz und besitzt auch einen leuchtenden, schonen 01- 
lack. Auch seine Wiederherstellungen alter Geigen sind 
lobenswert. Er ist u. a. der Verfasser mehrerer sehr 
lesenswerter Broschuren, wie z. B. »Deutsch-Cremona, 
oder die Entstehung der vogtlandischen Musikinstru- 
mentenindustrie usw.« und »Der Internationale Geigen- 
schwindel und die Errungenschaften im Geigenbau des 
19. Jahrhunderts«. Seit 1900 gebraucht er den Zettel: 
Ludwig Glaesel jr. / Deutsch-Cremona anno 1 9 (gedr.). 

Glasel, Ludwig. — Charlottenburg b. Berlin. 
Geb. 1872 in Markneukirchen 
Schiiler seines Vaters Ludw. Gl. jun. Mit 18 Jahren 
kam er in das C. Grimmsche Geschaft zu Siebert nach 
Berlin und mufite dort ganz selbstandig alle vor- 
kommenden Arbeiten ausfiihren. Im Jahre 1899 er- 
offnete er in Charlottenburg seine eigene Werkstatt und 
erf reut sich allgemeiner Anerkennung. Er fiihrt haupt- 
sachlich Reparaturen aus, macht aber auch neue Geigen 
und verfertigt quintenreine Saiten. 

Glasel, Moritz (genannt Wiener). — f 1917 
Sohn von Carl Aug. Gl. Er war ein gewiegter Kenner 
und besaft das bedeutendste Lager alter Geigen in 



Markneukirchen. Sein Geschaft ging auf seinen Schwie- 
gersohn Reinhold Voigt iiber, der es in gleicher Weise, 
wie der Begriinder, unter der alten Firma weiterfiihrt. 

Glasel, Oscar. — Markneukirchen. Geb. 
18. Okt. 1850 

Sohn und Schiiler von Immanuel I Gl. Er leitete be- 
reits seit 1871 das von seinem Vater 1850 begriindete 
Geschaft, das er 1881 ubernahm und unter seinem 
eigenen Namen (Oscar Glasel) fortfuhrt und auszudeh- 
nen verstand. AuBer dem Bau von besseren Streich- 
instrumenten und der Herstellung von Violin- und 
Violoncellobogen betreibt er auch einen Handel mit 
Blasinstrumenten aller Art. 

Glasel, Otto, lebt als Geigenmacher in Sieben- 
brunn i. S. 

Glaszel, Andreas (eigentlich Glassl). — Ham- 
burg. Geb. urn 1873 in Watzkenreuth bei 
FleiBen 

Schiiler von Maschauer, kam als Gehilfe zu G. Winter- 
ling nach Hamburg, wo er vier Jahre tatig war, ging 
dann zu Horst nach Altona und machte sich im Jahre 
1901 in Hamburg selbstandig. 

Geigenzettel : Andreas Glafiel, Geigenmacher / Ham- 
burg / 1. Dez. 1904 Reparirt. (gedruckt). 

Glandenberg, Heinrich Wilhelm. — Leipzig. 
1740 

Arbeiten von ihm kenne ich nicht; P. de Wit veroffent- 
licht seinen Zettel : Heinr. Wilh. Glandenberg / in 
Leipzig 1 740 (gedruckt). 

Glass, Arthur. — Erlbach. Geb. 1 881 , f 5. Febr. 

1905 

Schiiler von Edm. Tauscher. Wahrend der Erfiiltung 
seiner Militarpflicht erkrankte er und starb kaum 
24 Jahre alt. 

Glass, Carl Friedrich (August I.). — Klingen- 
thal. 1791 

Seine Geigen, die im Wert denen der Familie Hopf 
gleich stehen, unterscheiden sich durch hohere Wol- 
bung von diesen, doch hat er in seiner ersten Zeit, ver- 
mutlich nach seiner auswarts verbrachten Gesellenzeit, 
auch ein Stradivarimodell aus dritter Hand nachge- 
ahmt. 

Glass (Claass), Christian. — Klingenthal. 1 740. 
1742 
Soweit bis jetzt bekannt, der Stammvater der Familie. 

Glass, Christian August. — Brunndobra. 1814 
Er arbeitete im vogtlander Stil, war aber nicht unge- 
schickt. 

Glass, Christian Fried. — Klingenthal. 1815 
Sohn und Schiiler von Christian Gl. Er war der 
Schwiegersohn eines Bergmanns, der sich 1 799 auf das 



170 



Gla 



Bogenmachen verlegte und in Klingenthal die ersten 
Bogen machte. Glass wurde sein Schiiler und vervoll- 
kommnete sich dann spater noch, so da6 er als der 
BegriinderderBogenmacherei in Klingenthal angesehen 
werden kann. Brandmarke: Chr. F. Glass. 

Glass, Friedrich August II. — Klingenthal 

1840. 1855 

Wahrscheinlich ein Sohn von C. Friedr. August Gl. 
Ein geschickter Geigenbauer, der in London fur seine 
Arbeiten die goldene Medaille erhielt. Geigen von ihm 
werden u. a. im Griinen Gewolbe in Dresden auf- 
bewahrt. Er gehort mit zu den Meistern, die im 
1 9. Jahrhundert dem Ruhm der vogtlandischen Geigen- 
macher neuen Glanz verliehen. Er starb in Unter- 
sachsenberg bei Klingenthal. 

Geigenzettel: Friedr. Aug. Glass, verfertigt / nach 
Jacobus Stainer in Absam / prope Oenipontum 18 . . 
(gedruckt). 

Glass, F. A. — Altona. Geb. 1866 in Klingen- 
thal, f 1906 

Sohn und Schiiler von Joh. Traugott Gl. Nachdem er 
ausgelernt hatte, arbeitete er bei seinem altesten Bruder 
Franz Johann Gl. in Leipzig und dann noch in anderen 
Werkstatten und machte sich 1892 in Altona selb- 
standig. Seine neuen Geigen sind sorgfaltig gemacht, 
die Wolbung ist maBig hoch und verlauft von der 
hochsten Stelle unter dem Steg allmahlich zu der 
flachen Hohlkehle hin. Die Starkenverhaltnisse der 
Decke und auch des Bodens hatte er genau berechnet. 
Sein Ollack war in kraftigen Farben, von gelb oder rot 
bis zum dunkelsten Braun gehalten. Fur billigere 
Geigen verwendete er auch Spirituslack. Seine Werk- 
statt ging nach seinem Tode auf A. Paul Konig iiber. 

Glass, Franz Johann. — Leipzig. Geb. 1847 
zu Brunndobra bei Klingenthal 
Schiiler seines Vaters Joh. Traugott Gl. Von 1866 bis 
1870 arbeitete er bei Ludwig Otto in Koln und kam 
dann als Leiter in die »Straton«-Geigenfabrik in Gohlis. 
1878 machte er sich in Gohlis selbstandig und zog 
spater nach Leipzig; 1897 erhielt er in Leipzig eine 
silberne Medaille und wurde 1901 zum Hof geigen - 
macher des Herzogs von Anhalt ernannt. Er baut nach 
Stradivari und verwendet einen Ollack eigener Zu- 
sammensetzung; auch errand er neue Geigenwirbel und 
einen Bogen zum Selbstbespannen. 
Geigenzettel : Johann Glass / Geigenmacher in Leipzig 
(gedruckt). 

Glass, Heinrich. — Brunndobra. Geb. in 
Untersachsenberg um 1 8 1 8, f 1 893 in Brunn- 
dobra 

Sohn und Schiiler von Friedrich Aug. II Gl. Er ar- 
heitete nach den Modellen seines Vaters und gait als 
tiichtiger Meister. 

Glass, Hermann 

Er bcgriindete 1890 sein Gcschaft als Geigenmacher in 
Wernitzgriin. 



Glie 



Glass, Johann Christoph. — Klingenthal. 1 780 
Einer der weniger bekannten Geigenmacher seines 
Namens. 

Glass, Johann Traugott. — Untersachsenberg, 
Klingenthal. Geb. 10. Juni 1819 in Unter- 
sachsenberg, f 10. Okt. 1895 in Klingenthal 
Vielleicht der begabteste Geigenmacher aus seiner Fa- 
milie. Er arbeitete nach einem eigenen Modell, und die 
echten »Glassgeigen« waren eine Zeitlang so beliebt 
wie echte »Hopf geigen «. Er arbeitete sehr sauber und 
erzielte einen sehr guten Ton. Er hat viele billige 
Violinen gebaut, einzelne aber werden seinem Namen 
dauernd Ehre machen. Auch seine Sonne Johann und 
F. A. sind Geigenmacher geworden. 

Glass, R., arbeitet als Geigenmacher in Sieben- 
brunn 

Glassl, Hermann. — Munchen. Geb. 26. Mai 
1889 in Asch i.B. 

Er erlernte von 1903—1907 in Hamburg bei seinem 
Oheim Andreas Glassel den Geigenbau, kam dann als 
Gehilfe zu Ziist nach Zurich, ging drei Jahre spater zu 
Vrint nach London und dann zu Wittmann nach Wien, 
dem er seine letzte Ausbildung verdankt. Er machte 
sich 1912 in Munchen selbstandig und arbeitet sehr 
sauber nach eigenen Modellen, sowie nach den besten 
alten Meistern; auch als sorgsamer Reparateur wird er 
allgemein geschatzt. 

Geigenzettel : Hermann Glassl / Nr. 63 Munchen, anno 
1919 (gedruckt). 

Glassl, Karl, lebt in Schonbach b. E. 

Glenday, James. — Padanaram. 1865 

Schiiler von James Findlay und, wie sein Lehrer, seines 
Zeichens ein Weber. Er hat etwa zwei Dutzend Vio- 
linen gemacht, die aber nur von unbeholfener Arbeit 
sind. 

Glenister, William. — London. Geb. 16. Mai 
1850inChendes 

Ein Liebhaber, der es zu bemerkenswerter Geschick- 
lichkeit gebracht hat. Interessant sind auch seine Ver- 
suche, ein neues Modell zu finden. Seine Biographie 
veroffentlichte Meredith-Morris in »The Strad« 1900, 
Nr. 124. 

Geigenzettel: Wm Glenister / 23 Beak Str. / 1898 
London (geschrieben). 

Glier 1 ). — Markneukirchen 

Dieser Familie gehorten oder gehoren die folgenden 
Geigenmacher an : 

Glier, August sen. Lebte noch 1 890 
Glier, August Hermann (Bafimacher),f 18. Okt. 
1898 in Zwickau 



x ) lm 18. Jahrhundert wird der Name auch Glur oder 
Gluer geschrieben. 



Gller — Gobetti 



171 



Glier, Carl Wilhelm. — Geb. 7. Aug. 1767, 

f 30. Okt. 1834 
Glier, Johann. — Geb. nach 1812, f urn 1895 

Er ging in jungen Jahren nach RuBland und Polen und 
liefi sich dann in Warschau nieder, wo er sowohl Geigen 
als Blasinstrumente fabriksmafiig herstellte. Er beschaf- 
tigte ungefahr 24 Arbeiter. 

Glier, Johann Adam I.— Geb. 1693, f 31 .Nov. 
1777 im Alter von 84 Jahren 4 Monaten und 
27 Tagen 

Er wurde im November 1723 Meister, war Burger und 
verkaufte seine Geigen im Umherziehen, wobei ihn 
sein Sohn begleitete. Er brachte es damit zu einigem 
Vermogen und saft 1768 — 1772 im Zunftrate. 

Glier, Johann Adam 11. — Geb. 3. Sept. 1725, 
f 17. Sept. 1774 

Zweiter Sohn von Johann Adam I Gl. Da er viel mit 
seinem Vater auf Reisen war, bewarb er sich erst im 
Alter von 35 Jahren urn die Aufnahme in die Zunft, 
wahrend es sonst iiblich war, dan dies schon im 20. 
oder 22. Lebensjahr geschah. Am 2. Dezember 1760 
wurde er Meister, starb aber noch vor seinem Vater. 

Glier, Johann Friedrich. — Geb. um 1730 
Er war keines Meisters Sohn und mufite daher die voile 
Gebuhr (31 Taler) erlegen, als er am 24. Mai 1752 
gieichzeitig mit seinem Vetter Joh. Gg. Gl. als Meister 
in die Zunft aufgenommen wurde. 
Geigenzettel : Johann Friedrich Glier, / erfunden von 
Jacob Steiner in / Apsam, probe oenipundum. (gedr.). 

Glier (Gliier), Johann Georg I. — Geb. 1733, 
t3.Juni 1809 

Wahrscheinlich Sohn und Schiiler von Johann Adam 
F. Gl. Er wurde am 24. Mai 1752 als Meister in die 
Zunft aufgenommen und bei dieser Gelegenheit aus- 
driicklich als Meisterssohn bezeichnet. Er erreichte ein 
Alter von 76 Jahren 4 Monaten und 2 Tagen. 

Glier, Johann Georg II. — Geb. 25. Nov. 1762, 
f 5.Febr. 1845 ~ 

Sohn von Joh. Gottlob Gl. Ein sehr fleifiiger Geigen- 
macher, der bis in sein hohes Alter tatig war und neben 
vielen gewohnlichen Geigen auch einige recht gute 
gemacht hat. 

Geigenzettel: Iohann Georg Glier / in Neukirchen im 
Voigtlande / 1812. (gedruckt). 

Glier, Johann Georg III. — Geb. 23. Marz 
1763, f nach 1810 

Sohn und Schiiler von Joh. Georg I Gl. Er war viel 
auf Reisen und soil auch in der Fremde gestorben sein. 

Glier, Johann Gottlieb (Gottlob). — Geb. 1732, 
f 1799 

Er war unter den Geigenmachern aus seiner Famihe 
im 18. Jahrhundert der beste und hat auch viele andere 



Neukirchener Meister beschaftigt. Seine Geigen sind 
recht gut und sauber im vogtlander Stil ausgefiihrt. 
Er starb 67 Jahre 7 Monate und 12 Tage alt. 
Geigenzettel : Iohann Gottlieb Glier , Fabrique in Neu- 
kirchen bey / Adorf im Voigtlande. (gedruckt). 

Glier, 0. R. — Geb. 1857 

Schiiler von Herm. Dolling sen. Als Gehilfe arbeitete 
er drei Jahre bei J. J. Held und begriindete 1880 sein 
eigenes Geschaft. Er erfand eine Schofivioline zur Be- 
gleitung des Zitherspiels und ist ein tiichtiger Meister. 

Glier, Robert. — Cincinnati. 1885 

Ein Markneukirchener, der sich in Amerika niederliefi. 
Bekannt sind seine Versuche, Geigendecken aus dem 
Holze der Balsamfichte anzufertigen, wozu er von 
Konzertmeister Schradieck veranlafit wurde. 

Glier, Wilhelm. — f vor 1900 

Bruder von Johann Gl., dem er nach Warschau folgte. 
Er gait in RuBland und Polen als geschickter Geigen- 
macher und hatte daher viel zu tun. Sein Sohn Adolf 
soil sich mehr auf den Handel verlegt haben. 

Glier s. auch Klier 

Glinton, R. — Cork. 1895. 1905 

Ein Liebhaber, dem einige gute Geigen gelungen sind. 

Gloag, John. — Galston. Geb. 1853 

Seine Geigen sind nach dem Stradivarimodell gebaut. 

Gloss, Friedrich. — Wien. Geb. in Wien 

9. Mai 1882,gefallen5.Mai 1915 in Przemysl 

Schiiler von Carl Zach und Ig. Bucher, ein geschickter 
Geigenmacher, der seit 1908 bei Hofgeigenmacher 
W. Th. Jaura arbeitete. 

Gluer s. Glier 

Gobetti, Francesco. — Venedig. 1690. 1732 
Nach seiner Arbeit gehort er zur Cremoneser Schule, 
viele machen ihn sogar zu einem personhchen Schiiler 
Stradivaris. Er ist nachst Montagnano und Serafino 
Santo der bedeutendsteVenezianer Geigenmacher. Als 
seine Arbeitszeit wird gewohnlich der Zeitraum von 
1690 — 1725 angegeben; ich halte die Zahlen fur un- 
genau, da mir Geigen mit einem vor dem 18. Jahr- 
hundert liegenden Datum von Gobetti nie vorgekom- 
men sind; im Stifte St. Florian in Oberosterreich be- 
findet sich allerdings eine Viohne von ihm, auf der 
die Jahreszahl 1761 zu lesen ist, — wenn die 6 nicht 
etwa als gelesen werden mufl. — Seine Geigen, von 
breitem, flachgewolbtem Patron, erinnern an friihe 
Arbeiten Stradivaris und halten zwischen dem Stradi- 
vari- und Amatimodell die Mitte, doch wufite er da- 
bei seinen Violinen durchaus den Stempel seiner 
Eigenart aufzudriicken. Er verwandte sehr schones 
Holz und war sorgfaltig in der Arheit; seine F-Locher 
sind denen Ruggeris ahnlich; weniger gelungen ist ihm 
der Schwung der Schnecke. Sein Lack, der urspriing- 
Iich ganz rot gewesen sein mufi, erscheint jetzt von 



172 



Gobit — Gozel 



klarer, blafiroter Farbe. Eine besonders schone Geige 

von ihm befand sich in der Sammlung Wilmotte in 

Antwerpen. 

Geigenzettel : Franciscus Gobettus / Venetijs Fecit 

Anno 17,. (gedruckt). — Francesco Gobetti / in Ve- 

nezia 17(0)1 (gedruckt) und Abb. 276. 

Gobit s. Gobetti 

Goebler, Johann Caspar. — Breslau. 1 8. Jahr- 

hundert 

Vielleicbt ein Schiiler von Rauch, docb sind seine 

Geigen weniger hoch gewolbt. Sein Lack ist rotlich- 

braun und dunkel. 

Goepfart, Karl. — Potsdam. 1914. Geb. 
3. Marz 1859 in Monchenholgen i.Th. 
Ein Kapellmeister und geschatzter Tondichter, der sich 
aus Liebhaberei mit dem Geigenbau und besonders 
mit dem Lackieren beschaftigt. Seine »Altgrund- und 
Weichlack-Streichinstrumente« werden u. a. von dem 
Prof. Otto Becker-Trio gespielt und wurden auf der 
Delegiertenversammlung der deutschen Musiker in 
Weimar sebr gelobt. 

Goerlich, Joh. — NeiBe. 1851. 1859 

1st mir nur durch Reparaturzettel bekannt geworden. 
Geigenzettel: Repar. v. Joh. Goerlich in Neifie. / 185 1 
(lithographiert). 

Gothel, Chnstoph. — Borstendorf. 1725 
Er scheint in Borstendorf weder geboren noch ge- 
storben zu sein, war aber dort ein geschatzter Geigen- 
macher. 

Gothel, Gottfried I. — Borstendorf. Geb. 
30. Nov. 1716, f 16. Jan. 1781 

Seine Violen und Gamben sind nicht schlecht, wenn 
auch im Holz und im Lack nicht besonders gut. Da 
er seine Arbeiten selten datierte, sind sie von denen 
seines gleichnamigen Sohnes schwer auseinanderzu- 
halten. 

Geigenzettel: Gottfried Gothel,/ In Borstendorff (ge- 
druckt). 

Gothel, Gottfried II. — Borstendorf. Geb. 
1733. 1755 

Sein Modell geht auf Stainer zuriick, ist aber nicht 
schon, der Lack glanzlos und das Holz nicht sorgfaltig 
gewahlt, der Ton aber manchmal nicht schlecht. 
Geigenzettel: Gottfried Goethel Violinmacher / in 
Porstendorf Anno 1 755 (gedruckt). 

Goethel, Johann Christian. — Borstendorf. 
Geb. 7. Juli 1728, f nach 1750 
Bruder von Gottfried I G. und angeblich auch dessen 
Schiiler. 

Goethel, Johann Christoph. — Borstendorf. 
Geb. I.Febr. 1743, t 3. Okt. 1775 

Sohn von Gottfried I G. und dessen Mitarbeiter, doch 
gibt es Geigen, die seinen Namen tragen. 



Goethel, Johann Georg. — Borstendorf. Geb. 
23. Okt. 1725, t 6. April 1793 

Er war der Sohn eines Christoph G., der wahrschein- 
lich auch schon Geigenmacher war. 

Gotz, Albert. — Markneukirchen. 1896 
Guter Geigenmacher unserer Zeit. 

Gotz, C. A. jun. — Wernitzgrun. 1880. 1906 
Im Jahre 1880 begriindete Firma, die mit alien Musik- 
instrumenten Handel treibt und auch eine Saiten- 
spinnerei hat. 

Goetz (Gotz), Johann. — Wien. 1819. 1827 
Er wohnte Stadt Nr. 62 und legte am 2. April 1819 den 
Biirgereid als »Geigen- und Lautenmacher« ab. 

Gotz, Johann Michael I. — (Mark)Neu- 
kirchen. 1730. f 27. Okt. 1778 

Er war eigentlich Tischler und betrieb das Geigen- 
machen nur nebenbei. 

Gotz, Johann Michael II. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1735, f 14. Marz 1813 

Sohn von Joh. Mich. I G. und, wie dieser, gelernter 
Tischler. Er scheint aber auch eine gute Schule als 
Geigenmacher durchgemacht zu haben und war jeden- 
falls geschickter als viele seiner Zeitgenossen irn Vogt- 
lande. Sein Holz ist gut gewahlt, nur etwas zu diinn 
ausgearbeitet. Decke und Balken sind fast immer aus 
einern Stuck. Seinen Zettel klebte er gewohnlich im 
Innern der Zargen an. 

Geigenzettel: Johann Michael Gotz, Lauten / und Vio- 
linmacher in Neukirchen / im Voigtlande (gedruckt). 

Gotz (Joh. Michael III ?). — (Mark) Neu- 
kirchen. 1820 

Sohn von Joh. Michael II G. Da er im Jahre 1820 auf 
Crasselts Chronik subsknbierte, mufi er damals noch 
gelebt haben. 

Gotz, Josef, lebt als Geigenmacher in Stein- 
grub b. E. 

Gotz, Ludvvig, lebt in Fleissen 

Gozel (Gbtzel), Johann Conrad. — Wernitz- 
grun. Geb. urn 1700. 1761 
Vielleicht ein Sohn von Johann Gottfried G. Er wird 
als Geigenmachermeister und Inwohner von Wernitz- 
grun schon 1746 und 1747 erwahnt. Wann er in die 
Neukirchener Zunft aufgenommen wurde, geht aus 
dem Zunftbuch nicht hervor, bei der Aufnahme seines 
jiingsten Sohnes wird er jedoch ausdriicklich als Mit- 
rneister bezeichnet. 

Gozel (Gotz), Johann Friedrich. — 1715. 1718 

Jiingster Sohn und Schiiler von Johann Gottfried G. 
Da er schon, bevor er m die Zunft aufgenommen war, 
»eine Zeitlang gemeistert«, wurde er in Strafe ge- 
nommen, die aber, als er am 5. Juli 1715 wirklich 



Goldt 



173 



Meister wurde, gnadig ausfiel, und »da er ein sehr 
armer Mann« war, wurde ihm Ratenzahlung bewilligt. 
Das Zunftbuch bemerkt, daB er seine Schuldigkeit 
getan, wodurch sein Biirge Conrad Adam Schonfelder 
der Biirgschaft ledig wurde. Er soil viel auf Reisen 
gewesen sein. 

Gozel (Gotzel), Johann Georg. — Geb. in 
Wernitzgriin nach 1 730, f ? 
Jiingster Sohn des Joh. (Hans) Conr. G. Er wurde am 
14. Mai 1761 in die Neukirchener Zunft als Meister 
aufgenommen. 

Gozel (Gotzel, Gotz), Johann Gottfried. — 
(Mark-)Neukirchen. 1677. f vor 1710 
Der Stammvater der Familie, der aus Graslitz nach 
Neukirchen iibersiedelte und unter den Griindem der 
dortigen Zunft als »Johann Gotfriedt« angefiihrt wird. 
Es scheint also, daB die volkstiimliche Form des 
Namens Gottfried (Gotz, Gotzel) allmahlich zum Fa- 
miliennamen geworden ist. Die Familie machte sich 
dann in Wernitzgriin seBhaft. 

Gozel (Gotzel), Johann Wilhelm. — Wernitz- 
griin. Geb. urn 1725 

Sohn und wohl auch Schuler von Johann Conrad G. 
Er wurde am 26. Mai 1747 von der Neukirchener Zunft 
als Meister aufgenommen und erlegte hierfur die fur 
Meistersohne iibliche Gebuhr, obwohl nicht nachzu- 
weisen ist, daB sein Vater als Meister in die Zunft ein- 
geschrieben war. 

Gotzl, Josef Christof , Iebte um 1 900 als Geigen- 

macher in Wien 
Goffredsen s. Gotfredsen 
Gofriller, Antonio. — Venedig. 1730 

Er wird zwar mehrfach erwahnt, doch gelang es mir 

nicht, irgendein Instrument von ihm zu erfragen. 

Geigenzettel : Antonio Gofriller / fece in Venezia 1 730 

(gedruckt). 

Gofriller, Francesco. — Venedig, Udine. 1 960. 
1740 

Bruder von Matteo G. Da er hauptsachlich als Mit- 
arbeiter seines Bruders tatig war, sind selbstandig aus- 
gefuhrte Geigen von ihm sehr selten, die wenigen aber 
sehr gut und gelbbraun lackiert. 

Gofriller (Goffriler, auch Gafriller), Matteo. — 
Venedig. 1690. 1742 

Wahrscheinlich ein Tiroler aus Lajen, der wohl schon 
in seiner Heimat gelernt hat, weshalb seine altesten 
Geigen in der Wolbung auch mehr an die Tiroler als 
an die italienische Schule erinnem. Er scheint bei Carlo 
Bergonzi, vielleicht auch bei Stradivari selbst gearbeitet 
zu haben; beiden kommt er sehr nahe. Seine Arbeit ist 
musterhaft, in der Wahl des Holzes ist er sorgfaltig, 
der Boden ist meist nach der Schwarte geschnitten, 
bei den Violoncelli aus schon geflammtem Ahorn-, 



seltener aus Pappelholz. Die F-Locher sind gut, die 
Schnecke tief und schwungvoll gestochen. Besonders 
schon ist sein roter Lack. Der Ton ist sehr edel, 
namentlich sind seine Violoncelli Meisterwerke ersten 
Ranges, und es erscheint glaubwtirdig, daB viele davon 
als »echte Carlo Bergonzi « in den Handel gebracht 
wurden. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daB 
M. Gofriller leider nicht so beriihmt ist, als er es zu 
sein verdiente. Werke von ihm sind in verschiedenen 
Sammlungen, so u. a. eine Gamba von 1709 und eine 
Geige 1742 in W. Heyers Musikhistorischem Museum 
in Koln. Eine sehr schone Viohne von ihm mit der 
Jahreszahl 1732 besitzt Albert Berr in Bohmischbruck. 
In seiner ersten Zeit fiihrte er das Ladenschild »A11 
insegna di Cremona*. 

Geigenzettel: Mattheus Goffriler faciebat / Venetijs 
anno 1735 (gedruckt) und Abb. 282 und 292. 

Goldt, Jacob Heinrich. — Hamburg. Geb. um 
1700, f 1775 

Sohn von Samuel G. Er diirfte bei seinem Vater ge- 
lernt haben und ging dann nach Hamburg, wo er wahr- 
scheinlich bei Tielke arbeitete, an dessen Art seine 
Arbeiten erinnem. Er gehorte zu den besten Ham- 
burger Lauten- und Geigenmachern; merkwiirdiger- 
weise ist im Hamburger Archiv nichts iiber lhn zu fin- 
den. Er scheint das Biirgerrecht nicht erworben zu 
haben. Verheiratet war er mit Dorothea Elisabeth Hon- 
stede aus Liibeck. Eine Laute und eine Archilaute von 
ihm mit den wahrscheinlich falsch gelesenen Jahres- 
zahlen 1700 und 1712 waren in South Kensington aus- 
gestellt. Eine Geige aus dem Jahre 1754 fiihrt der 
Selhofsche Auktionskatalog auf. Eine Laute mit vier 
einzelnen und vier doppelten Saiten besitzt das Musik- 
historische Museum in Stockholm (Nr. 87). 
Geigenzettel : Jacobus H. Goldt fecit 1 742 (gedruckt) 
und Abb. 244. 

Goldt, Jacob Samuel. — Verden. 1770 

Sohn und wohl auch Schuler von Jacob Heinrich G. 
Von ihm weiB ich nur, daB er in jungen Jahren als 
Geigen- und Lautenmacher nach Verden zog und dort 
mit Louise Dorothea, der Tochter des hannoverschen 
Oberleutnants David Friedrich Briickmann, verheiratet 
war. 

Goldt, Lukas. - Liibeck. 1673. 1695 

Von ihm ist nur bekannt, daB er aus Hamburg stammte, 
in der AgidienstraBe wohnte und von 1673 — 1681 sechs 
Kinder taufen lieB. Besonders gut scheint es ihm nicht 
ergangen zu sein, denn im Wettegerichtsprotokoll vom 
3. Mai 1695 liest man, daB »Lucas Goldt, ein Lauten- 
und Violenmacher, wegen Schneider-Bbhnhaserei« ver- 
klagt worden war. Er hatte zwei Sonne, die wohl beide 
seine Schuler waren, wenn auch der altere, Johann 
Christoph (f 1707) lediglich als Musiker erwahnt wird. 

Goldt, Samuel. — Liibeck. Geb. 1673 (ge- 
tauft am 2. Okt. d. J.), f 28. oder 29. April 
1740 

Sohn und Schuler von Lukas Goldt. Ein tiichtiger 
Lautenmacher, von dem sich eine Mandora (halbbirn- 



174 



Goll — Gorrieri 



formige Laute) von 1719 im Liibecker Museum be- 
findet, vermutlich dasselbe Instrument, das 1879 von 
Conr. Ebenhusen in der Liibecker Burg ausgestellt war. 
Von ihm weiB man nur, daB er am 6. Oktober 1698 
Burger wurde und sich im gleichen Jahre mit Elisabeth 
Wiese verheiratete. Er wohnte damals im Hause seines 
Vaters in der AgidienstraBe und lieB bis 1712 auBer 
einem Sohn noch vier Tochter in der St. Agidienkirche 
taufen. Er scheint in zweiter Ehe mit Elisabeth Kum- 
merfeldt verheiratet gewesen zu sein. Eine von ihm 
reparierte Laute befindet sich in der Kunst- und Alter- 
tumersammlung auf der Feste Koburg. Eine sechs- 
saitige Tenorviola di Gamba von 1723 mit einem mit 
Schildpatt belegten Griffbrett und einem Frauenkopf 
am Wirbelkasten besitzt C. Claudius in Kopen- 
hagen. 

Geigenzettel : Samuel Goldt in Liibeck / 1720 aufs neu 
zugericht (geschrieben). — Samuel Goldt in Liibeck / 
fecit 1723(gedruckt). 

Goll, Karl. — Brunn. Geb. 30. Okt. 1876 in 

Wien 

Schiiler von V. Pathan, arbeitete als Gehilfe in Prag 

und Wien und kam 1903 nach Brunn, wo er die Werk- 

statt Jakob Kliments ubernahm. Er arbeitet nach 

Stradivari und verwendet einen Spirituslack, haupt- 

sachlich beschaftigt er sich jedoch mit Wiederhei- 

stellungen. 

Geigenzettel: Karl Goll / Musik-lnstrumenten-Er- 

zeugung/ Briinn, Schwertgasse 6. / Anno 19 . . (gedr.). 

Goltberg (Goldberg, Gollberg), Johann. — 
Danzig. 1726. 1759 

Beriihmter Lautenmacher des 18. Jahrhunderts, iiber 
den indessen nichts Naheres zu ermitteln war. Im 
Jahre 1 726 erwarb ein Johann Goldberg aus Ohra das 
Biirgerrecht in Danzig. Sein Beruf ist nicht naher an- 
gegeben, sondern er wird, da er wohl keiner Zunft 
angehorte, kurzweg als »Arbeitsmann« bezeichnet. Da 
sich nun kein anderer Johann Goldberg in Danzig nach- 
weisen lafit, und da die altesten Arbeiten von ihm die 
Jahreszahl 1726 tragen, liegt es nahe, anzunehmen, daB 
der »Arbeitsmann« unser Lautenmacher war. Violinen 
von ihm sind mir nicht bekannt geworden, dagegen 
einige gute Violen und Violoncelli. Der Boden ist ge- 
wohnlich flach, die Decke wenig gewolbt (ein Violon- 
cello 1 05 cm lang). Eine Tenorgeige aus dem Jahre 1 742 
bewahrt das Gewerbemuseum in Markneukirchen, eine 
kleine Laute von 1733 mit rotem Hals Fr. Wildhagen 
in Halensee, eine schon eingelegte lautenformige Gi- 
tarre (von 1 747) W. Heyers Musikhistorisches Museum 
in Koln, ferner sind Arbeiten von ihm in den Museen 
zu Stockholm und Kopenhagen und im Bachhaus zu 
Eisenach. 

Geigenzettel: Abb. 308. 

Gomann, Christian. — Znaim. 1831 

Sein Name findet sich in Geigen, er war aber Klavier- 
macher und hat die Geigen hochstens geflickt, schwer- 
llch aber selbst gemacht. 



Gomier, Nicolas. — Mirecourt. 1747. 1755 

Ein Geigenmacher, dessen gleichzeitig vorkommender 
Bruder Jean G. im gleichen Beruf tatig war. 

Gompaerts, Willem. — Antwerpen. 1560 
Er war wahrscheinhch ein naher Verwandter der Fa- 
milie Riickers und soli auBer Tasteninstrumenten auch 
Harfen und Lauten gemacht haben. 

Gomulski (Gamolinski, Gamolawski), Sa- 
muel. — Posen. 1870 

Der Name ist schwer leserlich. Der Trager dieses 
Namens soil ein Tischler gewesen sein, der bei einem 
Orgelbauer gearbeitet hatte und dann neue Geigen 
machte und alte verdarb, die er obendrein blutrot 
lackierte. Eine Geige mit seinem Zettel besitzt Post- 
sekretar Wronicki in Posen. 

Gondolo, Giorgio, lebte noch 1884 als Geigen- 
macher in Turin 

Gonnet, Pierre-Jean. — Paris. 1775. 1785 
Er wohnte Rue du Temple und gehorte zu den un- 
bedeutendsten Vertretern der Pariser Schule. 

Gontershausen, v. s. Welcker 
Gonzales, Francisco. — Madrid. 1867 

Er gilt als der beste spanische Gitarrenmacher des 
19. Jahrhunderts. Eine Gitarre von ihm befindet sich 
im Museum des Pariser Konservatoriums. 

Goram, Carl Gottlieb. — Klingenthal. 1788 
Wird in den Innungsbiichern als Geigenmachermeister 
aufgefuhrt. 

Goram, Christian Friedrich. — Untersachsen- 
berg b. Klingenthal. 1829 

Wahrscheinlich ein Sohn von Carl Gottlieb G. Er war 
Geigenmachermeister und wurde durch einen Zufall 
Griinder der einst bliihenden Holzkammindustrie 
Klingenthals. 

Gordon, Hugh. — Belfast, f 1854 

Ein nordirischer Geigenmacher, dessen gleichnamiger 
Sohn noch urn 1910 in Belfast im gleichen Beruf e 
tatig war. 

Gori, Pietro. — Rimini. 1820 

Seine Geigen haben ein unedles Aussehen, wenig Ton 
und sproden Lack. 

Gorrie, James. — Glasgow. 1895 

Wahrscheinlich ein Dilettant, der in den neunziger 

Jahren in Glasgow lebte und einige Geigen nach Guar- 

neri gemacht hat. Er verwendete Whitelaws gelben und 

roten Ollack. 

Geigenzettel: James Gorrie, / Glasgow. / 189 .. . (ge- 

druckt). 

Gorrieri, Antonio. — Padua. 1802 

Ein kleiner Geigenmacher, der nichts Bemerkenswertes 
geschaffen hat. 



Goss — Gould 



175 



Goss, Philipp. — Plymouth. 1879 

Seine Violinen sind brauchbare Orchesterinstrumente. 

Goss, W. S. 

Ein amerikanischer Geigenmacber, der in Lyon lebt. 

Gosselin, Jean. — Paris. 1814. 1830 

Der Vater der beiden zu ihrer Zeit beriibmten Tanze- 
rinnen. Ein verdienstvoller Dilettant, mit Koliker eng 
befreundet und von diesem unterwiesen. Er machte 
sowohl Geigen als Violoncelli nach Stradivari, die in 
gewisser Beziehung geschatzt sind und jetzt recht gute 
Preise erreichen. Seine Arbeit ist sorgfaltig, der 
Lack von roter und gelber Farbe und gut. Das eigen- 
artig gesprenkelte Abornholz, das er mit Vorliebe ver- 
wendete, gibt seinen Instrumenten ein personliches 
Geprage. 
Geigenzettel: Abb. 291. 

Gosset, Nicolas. — Reims. 1752. 1780 

A. Jacquot kennt Arbeiten von ihm, die er sowohl in 
ihrer Durchfuhrung als in der Form und dem Lack 
lobt. Bekannt wurde dieser Geigenbauer iibrigens 
durch allerlei Erfindungen an Instrumenten. lm Jahre 
1769 legten er und der Orgelbauer Turpin der Aka- 
demie der Wissenschaften eine Erfindung vor, die 
das Greifen der halben Tone erleichtern sollte. In 
einem guten Violoncello vom Jahre 1752 nennt er sich 
Nicolas G. junior. Ob sein Vater sich schon als Geigen- 
macher betatigt hat, ist nicht bekannt. 

Gotfredsen (Godfredsen, Goffredson), Jes- 
per. — Kopenhagen. 1751. 1766 
Er bekam im Jahre 1751 seinen Gewerbeschein als 
Geigenmacher. Seine Geigen zeigen deutsche Modelle ; 
in der Wahl des Holzes ist er nicht immer sorgfaltig, 
dagegen ist seine Arbeit durchwegs gut. Das Instru- 
mentenmuseum in Kopenhagen besitzt eine schone 
Taschengeige von ihm. Eine Tenorviola von 1752 be- 
findet sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). 
Geigenzettel: Jesper Gotfredsen, Fiolinmager / i 
Kiobenhavn. 1 766 (gedruckt). 

Goth, Franz. — Meerane i. S. 1880. f April 
1901 

Er liefi sich 1880 in Meerane als Geigenmacher nieder 
und verband mit seinem Geschafte einen Musik- 
instrumenten- und Klavierhandel. 

Goth. — Schonbach b. E. 

Als Geigenmacher sind zu erwahnen : 

Goth, Peter. — f 1898 

Goth, Wenzel, hatte seine Werkstatt in der 

Pfarrgasse und f 1909 
Gottardi, Antonio. — Treviso. 1878 

Mittelmafliger Geigenmacher aus der zweiten Halfte 

des 19. Jahrhunderts. 

Gottfried, Joh. s. Gozel 



Gottfried, Otto. — Leipzig. 1645 

Ein Lauten- und wahrscheinlich auch Geigenmacher 
aus »Bissing«, der 1645 das Leipziger Biirgerrecht 
erwarb. 

Gottfried, Wenzel, hatte seine Werkstatt (im 
19. Jahrhundert) in Prefiburg (Langegasse 
Nr.6) 

Gotti, Emiliano. — Ancona. 1770 

Wahrscheinlich ein Siidtiroler, der sich in Italien 
niedergelassen hat. Seine Arbeit steht der Stainers und 
noch mehr der Albans naher als einer der italienischen 
Schulen. Er nimmt die Wolbung sehr hoch und macht 
tiefe Hohlkehlen am Rande. Die F-Loher sind auf- 
fallend klein, der gelbbraune Lack ist mager. Dagegen 
ist das Holz, namentlich des Bodens, sehr schon, die 
Ecken sind klein und zierlich, ebenso die in hiibschem 
Schwung geschnittene Schnecke. Eine Viola von ihm 
besitzt Stofiel in Kbln. 
Geigenzettel: /Emilian Gotti, Ancona/ 1770 (gedr.). 

Gottmannshausen, Hans. — Erfurt. 1670 

Ein liichtiger Meister, den noch 1738 Johann Ch. Eisel 
in seinem »Musicus arTO<)idaxTog« neben Tielke, 
Hoffmann u. a. als geschatzten Gambenmacher preist. 
Eine Viola da Gamba von ihm besitzt die Konigl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 823). 
Gute Arbeit, die Schallocher nahern sich bereits der 
Form des F. 

Gotze s. Botze 

Goudot, F. — Mirecourt. 19. Jahrhundert 
Sein Werkstatteilhaber war Mangin. Ihre Geigen haben 
meistens eine doppelte Einlage, sind sauber gearbeitet 
und tragen den Brandstempel : F.*. X X Goudot et 
Mangin: A Mirecourt. 

Gough, John. — Leeds. 1820 

Er arbeitete eine Zeitlang fur M. W. Dearlove und ist 
unbedeutend. 

Gough, Walter. — London. 1810. f urn 1830 
Gehbrt er auch nicht zu den bedeutendsten englischen 
Geigenmachern, so ist doch seine Arbeit nicht iibel, 
das Modell gut und der Lack von gelbroter Farbe. 

Gould, John Alfred. — Boston (Amerika). 
Geb. 1 1. Marz 1860 in Windermere (Graf- 
schaft Westmoreland in England) 
Er erlernte in Liverpool bei Oliver & Davies den 
Klavierbau,- dabei verlegte er sich friihzeitig auf die 
Geigenmacherei und wurde von dem Geigenhandler 
Archer als Reparateur beschaftigt. 1883 wanderte er 
nach Kanada aus und konnte bereits 1884 eine Anzahl 
selbstgefertigter Geigen ausstellen. 1885 zog er nach 
Boston, arbeitete bei O. Weemann uber zwei Jahre 
lang und eroffnete 1889 seine eigene Werkstatt. Seine 
beiden Sonne sind seine Mitarbeiter. Er verarbeitet 
amerikanisches Holz, hat ein eigenes Modell und einen 
guten glanzvollen und durchsichtigen Ollack. 



176 



Colliding Grain 



Goulding. - London. 1790. 1800 

Es kommen in England noch viele Geigen von sehr 
verschiedenem Werte vor, die oben auf der AuBen- 
seite des Bodens den Namen »Goulding« eingebrannt 
tragen. Er selbst hat keine einzige dieser Geigen ge- 
macht, sondern sie nur in seinem gut gehenden Musik- 
geschaft verkauft. Die billigeren Instrumente bezog 
er aus Mittenwald oder Mirecourt, bessere lieB er von 
guten englischen Geigenmachern anfertigen. Sein 
Nachfolger war Keith, der sich noch mit anderen 
Kaufleuten verband und Filialen in verschiedenen 
Stadtteilen Londons errichtete. 

Gouvernari, Antonio. — Cremona. 1600. 1601 

Wenn die Geigen mit diesem Namen als Werke eines 
Cremonesers vom Anfange des 1 7. Jahrhunderts ange- 
sehen wiirden, konnte man ihn zu den besseren Geigen- 
mucher seiner Zeit rechnen. Abgesehen aber von der 
verdachtigen Schreibweise desNamens mit OU kommen 
Jahreszahlen von 1600—1715 vor. Nach den Geigen 
selbst zu urteilen, konnen sie kaum im 1 7. oder 1 8. Jahr- 
hundert entstanden sein. lrgendein geschickter Imi- 
tator diirfte seine Arbeiten mit diesem wahrscheinlich 
erfundenen Namen versehen haben, urn sie leichter 
anzubringen. Die sogenannten Gouvernarigeigen sind 
nach einem langlichen Modell mit mittelhoher Wol- 
bung gebaut, der Lack ist diinn und olivengelb. Die 
F-Locher erinnern an Nic. Amati, sind aber langer und 
schwungvoller. Die scharfkantige Schnecke ist meistens 
recht gut. 

Geigenzettel: Antonius Gouvernari / Cremonensis 
Faciebat Anno 16.. (gedruckt). 

Graban, Paul. — Gardelegen. 1861 

Er arbeitete nach italienischen Modellen, verstand sich 
auf den Ton und verwendete einen dunkelgelben Lack. 
Auch liebte er es, seinen Geigen ein altes Aussehen zu 
geben. 

Grabensee, T. K. (nach anderen: T. G., auch 
J. A.). — Dusseldorf. 1818. 1861 
Es war mir unmoglich, etwas iiber einen Geigenmacher 
dieses Namens zu ermitteln, obwohl er in verschiedenen 
Schriften erwahnt wird. — lch bin daher geneigt, den 
Namen fiir apokryph zu halten. Er ist vielleicht durch 
MiBverstandnis eines Zettels von Tacke, der in der 
GrabenstraBe in Dusseldorf wohnte, entstanden. So- 
wohl Tacke als der sogenannte Grabensee sind nur 
durch Reparaturzettel bekannt. 

Gracio, Joao Pedro, ein portugiesischer Man- 
dolinenmacher, der (1895) in Lissabon lebte 

Grado, Gaetano da. — Neapel 

In einigen Gitarren findet sich sein Name ohne Jahres- 
zahl. 

Grabner 

Eine Familie in GroBbreitenbach, von der sich mehrere 
Mitglieder im Nebenberuf mit der Geigenmacherei 
beschaftigten. 



Gratz, Hans. — Breslau. 1645 

Sein Name findet sich in einem Handwerkerverzeichnis 
des Breslauer Stadtarchivs (Nr. H, 41, 8), wo er als 
Meister der Tischlerinnung eingetragen ist. Da die 
Breslauer Geigenmacher unziinftig und auch nicht ver- 
pflichtet waren, sich einer lnnung anzuschlieBen, ist 
wohl anzunehmen, daB er trotz seiner Geschicklich- 
keit im Lautenmachen sein Brot als Tischler suchen 
muBte. Eine Laute von ihm, deren Hals mit Elfenbein- 
arabesken eingelegt ist, besitzt seit 1908 das Schlesische 
Museum fiir Kunstgewerbe und Altertiimer. Vgl. 
Schles. Vorzeit in Bild u. Schr. Neue Folge. (Jahrb. 
des Schles. Mus. f. K. u. A., Bd. V. Breslau 1909, 
S. 257.) 

Gragnani, Antonio. — Livorno. 1741, soil 
1800 noch gelebt haben 

Kein groBer Meister, aber doch der beste aus seiner 
Familie. Seine Arbeiten zeichnen sich mehr durch 
ihren weichen, guten Ton als durch schone Ausfiihrung 
aus. Sein goldgelber, oft nachgedunkelter Lack ist da- 
gegen recht gut. Sein Modell ist groB, die Zargen 
hoch und der Ton meistens voll und tragend. Er ver- 
wendete gedruckte und geschriebene Zettel, auf den 
gedruckten findet sich neben dem Wortlaut oft noch 
eine Erdkugel und ein Kreuz, aufierdem findet man 
auch noch die Buchstaben A.G als Brandmarke auf der 
unteren Zarge unter dem Saitenhalterzapfchen und 
auBen auf der Decke iiber dem oberen Klotz. Eine fiinf- 
saitige Viola von ihm war im South Kens. Museum 
1872 ausgestellt. Eine Violine und eine Viola von ihm 
(von 1791) befinden sich in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum in Koln. 
Geigenzettel: Abb. 245. Brandmarke Nr. 2. 

Gragnani, Gennaro. — Livorno. 1730 

Vielleicht der Vater Antonios. In seinen Violen wendet 
er oft noch altertiimliche Formen an. Um 1743 soil 
auch ein Jacopo Gragnani vorgekommen sein. 

Geigenzettel : Januarus Gragnani fee. / Lib. Anno 17.. 
(gedruckt). 

Gragnani, Onorato. — Livorno. 1785. 1799 
Sohn von Antonio G., den er, ohne besondere Be- 
gabung, nachahmte. 

Geigenzettel : Onorato Gragnani / Figlio d'Antonio / 
Fatto in Livorno il 1799 (gedruckt). 

Grah, Ernst. — Merscheid bei Solingen. 1921 
Einer von den Vielen, die in den letzten Jahren das 
»Problem des altitalienischen Geigenbaus« gelost haben. 

Graill s. Craile 

Grain, Ernst. — Grunbergi. Schl. 1874. f um 
1895 

Ein Schuhmacher, der als Pfuscher Geigenreparaturen 
ausfuhrte. Da er seine Geigen haufig mit Reparatur- 
zetteln versah, muB er hier erwahnt werden. 



Gramino 



177 



Gramino (?). — Mailand. 1722. 1724 

Unten ist ein 1722 vorkommender Gramino Grancino 
nach einem geschmbenen Zettel erwahnt. Dr. Borne- 
mann in Eisenach sah eine Geige mit dem schon ge- 
druckten Zettel aus dem gleichen Jahre: »Gravi Gra- 
mino in Contrada / larga di Milano I722«. Erscheint 
mir auch der Vorname ebenso seltsam wie der Zuname 
fragwiirdig, so muB ich doch die Moglichkeit zugeben, 
daB ein Geigenmacher Gramino gelebt haben konnte, 
urn so mehr, als H. Nicolai vom Wiesbadener Kur- 
orchester eine Violine besitzt, die den gedruckten 
Zettel: »Giovanni Gramino Milano 1724«tragt. Hier 
ist der Taufname nicht mehr sonderbar. Ich vermute 
aber doch nach wie vor, daB der oder die Verfertiger 
Grancino gemeint haben, als sie Gramino schneben 
oder drucken lieBen. 

Gramulo (Gramola). — 17. Jahrhundert 

Dieser Name wird von wenig glaubwiirdiger Seite als 
der des Lieblingsgeigenmachers Tartinis iiberliefert. 
Es liegt wahrscheinlich eine Namensentstellung vor, 
bei der es freilich schwer ist, zu erraten, wer eigentlich 
gemeint ist. Aus derselben Quelle scheint auch 
E. T. A. Hoffmann geschopft zu haben, der in der Er- 
zahlung »Der Schiiler Tartinis« (Serapionsbriider 111) 
diesen Schiiler sagen laBt: »Es ist ein wahrhafter Gra- 
nuelo, und gegen den alten Meister ist sein Schiiler, 
Euer Stradivari, nur ein Lump. Tartini mochte auf 
keinen andern Geigen spielen, als auf Granuelos«. — 
Der Name wird in der Form Hoffmanns auch nicht 
greifbarer, trotzdem er hier bis zum Lehrer Stradivaris 
emporgeriickt ist. 

Grancino, Andrea. — Mailand. 1646 

Wahrscheinlich der Vater Paolos; Grillet veroffentlicht 
zuerst seinen Zettel, der in einer recht gewohnlichen 
Geige gefunden wurde. 
Geigenzettel: Abb. 281. 

Grancino, Francesco. — Mailand. 1690. f 1746 
Jiingerer Sohn von Giovanni Gr. Er erreichte zwar 
ebensowenig wie sein Bruder Giov. Batt. (II), mit dem 
er zusammen arbeitete, die voile kunstlerische Hohe, 
hat aber doch recht gute Instrumente gemacht. Meist 
ist das Holz sehr gewohnlich, das Modell nach Amati 
und der Lack, wenn auch manchmal noch von klarer, 
gelblicher Farbe, nicht besonders, der Ton dagegen 
fast durchgangig edel und weich. 
Geigenzettel: Francesco Grancino Figlio , Giovanni 
fecit Mediolani 17.. (gedruckt). 

Grancino, Giovanni I. — (Mailand?). 1645. 

1682 

Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie Gr. 
Wahrscheinlich ein Bruder Andreas, der, einem Zettel 
nach zu urteilen, in Cremona gelernt hat, seiner Arbeit 
nach aber eher an die alttiroler Schule als an Amati 
erinnert. Sein Ladenschild lautete: »al segno, delle due 
corone«, wahrend die iibngen Grancini nur »della 
corona« haben. Eine Geige von ihm besitzt Holm 
Viertel in Aachen. 

Geigenzettel: Giovan Grancino / Di Cremona 1682 
(gedruckt). 

v. Ltitgendorff, Geigren- und Lautenmacher. Bd. II. 



Grancino, Giovanni II. — Mailand. Geb. urn 
1675, f nach 1737 

Zweiter Sohn und Schiiler des Paolo G. Als Geigen- 
macher ist er einer der besten unter den Mailandern 
und seineni Bruder durchaus ahnlich und ebenburtig, 
ja er nimmt gewohnlich noch schoneres Holz. Die 
Wolbung ist weniger hoch, aber breiter als bei Paolo, 
der Lack von gelber oder braungelber Farbe. Er scheint 
eine Vorliebe fiir kleinere Modelle gehabt zu haben. 
Anfangs arbeitete er mit seinem Bruder gemeinschaft- 
lich. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1737 befindet 
sich in der Fiirstl. Lobkowitzschen Sammlung auf 
SchloB Raudnitz. Ein ihm zugeschriebenes Violoncello 
aus dem Jahre 1702 (Korpuslange 74,5) besitzt Alfr. 
Keil in Lissabon und eine Viola d'amore von 1696 die 
Sammlung Galpin (Hatfield). Eine gute und schon 
durchgefiihrte Violine mit besonders schoner Schnecke 
besitzt Bildhauer Heinrich Wirsing in Solln bei 
Miinchen. 

Geigenzettel: Gio. Grancino al Segno della Corona / 
in contrada larga di Milano fece 1699 (gedruckt). — 
Fratelli Grancini in Contrada larga di Milano al Segno 
della , Corona 16 . . (gedruckt) und Abb. 299. 

Grancino, Giovanni Battista I. — Mailand, 
Ferrara. 1690. 1710 

Nach seiner eigenen Angabe Sohn des Paolo, den er in 
der Holzwahl ubertrifft. Das Modell ist flacher, der 
Lack tiefgelb oder orangerot, der Ton groB und 
kraftig. Anfangs scheint er sich in Ferrara nieder- 
gelassen zu haben, kehrte aber spater doch nach Mai- 
land zuriick. Fiir seine besten Arbeiten werden jetzt 
gute Pre:se erzielt. 

Geigenzettel : Giov. Bapt. Grancino, Filius/ Paoli, fecit 
in Ferrara 16 . . (gedruckt) und Abb. 288. 

Grancino, Gio. Battista II. — Mailand. 1697. 
1705 

Alterer Sohn von Giovanni I. Er arbeitete meist mit 
seinem Bruder Francesco Gr. zusammen. Beide setzten 
das vaterliche Geschaft fort. Am besten gelangen ihnen 
Violoncelli und Basse. Ihre Arbeit ist wenig sorgfaltig 
und ihr Lack jetzt ziemlich nachgedunkelt. 
Geigenzettel: Gio. Battista & Francesco fra. Grancini/ 
In contrada larga di Milano 17 (gedruckt) und Abb. 286. 

Grancino, Giovanni Batt. III. — Mantua. 
1727. (?) 

Vielleicht ein Sohn von Gio. B. II Gr., wenn er iiber- 
haupt gelebt hat. Eine Geige mit seinem Namen zeigte 
ein langgestrecktes Modell, war hochgewolbt und 
kastanienbraun lackiert. Die Einlagen waren breit und 
liederlich in der Ausfiihrung, auch die F-Locher un- 
schon und wenig italienisch. Dagegen war die massige, 
flach gestochene Schnecke recht hiibsch und onginell 
(die rechte Seite war flacher gehalten als die linke). 

Grancino, Gramino. — Mailand. 1 722 

Pfarrer M. Miiller in Oberlahnstein besitzt eine zwei- 
fellos italienische Violine mit einem geschriebenen 
Zettel, wohei er den Taufnamen Gramino liest. Der 

12 



178 



Grancino — Graseck 



Ton ist aufierordentlich edel und gesangreich, die 
Wolbung von mittlerer Hohe, der Lack auf dem Boden 
gelb, auf der Decke gelbbraunlich, die Schnecke 
schwungvoll mit breiter Stirne. Dieses Mitglied der 
Familie, das die gleiche Adresse angibt,_ wiefast alle 
iibrigen, den Namen aber mit z schreibt, ist sonst 
nicht bekannt. 

Geigenzettel : Gramino Granzino in / contrada Larga di 
Milano / 1 722 (geschrieben). 

Grancino, Paolo. — Mailand. 1665. 1692 
Aus Nicola Amatis Schule hervorgegangen, die er sein 
Leben lang nicht verleugnete. Von der sklavischen 
Nachahmung seines Meisters befreite er sich erst sehr 
spat, weshalb sicher eine grofie Zahl seiner besten 
Arbeiten von Handlern mit Amatizetteln versehen 
worden ist. An der originellen langeren Schnecke kann 
seine Arbeit iibrigens leicht erkannt werden. Sein Holz 
ist nicht immer schon, manchmal nimmt er zu Boden 
und Zargen nur Pappelholz, dagegen ist sein gelber 
Lack recht gut. In seinen Bratschen ubertrifft er Amati 
fast immer. Arbeiten von ihm besitzt W. Heyers Musik- 
historisches Museum in Koln. 

Grandadam, Francois. — Mirecourt. 1770. 
t 2. Mai 1785 

Geigenmacher, Groftvater von Jean-Dominique Gr. 
Grandadam, Jean-Dominique. — Mirecourt. 

1795. f 1864 

Sehr guter Bogenmacher, Vater von Adam (s. d.). 

Grand-Gerard, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 
1771. 1820 

Seine Arbeit ist etwa mit der D. Hopfs gleichwertig. 
Das Holz ist mittelmaBig und der glanzlose Lack von 
gelber oder brauner Farbe. Am Boden fehlt oft der 
Halsansatz. Er bezeichnete seine Geigen nur durch 
Aufdrucken eines Brandstempels mit seinem Namen 
ohne Datum. Auf der Wiener Musikausstellung befand 
sich eine Geige von ihm mit der Abbildung einer Kirche 
auf der Auflenseite des Bodens. Im Katalog (S. 16) 
wird die Geige fur englische Arbeit (!) ausgegeben. 
Brandmarke: Nr. 30. 

Grandi, Luigi. — Pisa. 1874 

Italienischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 
19. Jahrhunderts. 

Grandini, Geronimo. — Mirecourt 

Dem Namen nach miiftte man auf einen Italiener 
schliefien, wahrscheinlicher aber hieft er richtig Gran- 
din oder ahnlich und hat den Namen nur italienisiert, 
um seine Geigen verkauflicher zu machen. 

Grandjon. — Amsterdam. 1847. 1850 

Ein Geigenmacher aus Mirecourt, Schwager von L. Ber- 
nardel, dessen Geschaft er auf Betreiben der Witwe 
1847 tibernahm, aber nicht auf der fruheren Hohe 
halten konnte. 



Grandjon, Francois. — Mirecourt 

Der von A. Jacquot nachgewiesene Stammvater der 
Familie. 

Grandjon, J. (»Grandjon fils«). — Mirecourt. 

1862. 1868 

AltererSohn von Prosper-GerardGr. und dessen Nach- 
folger, iibertraf aber seinen Vater und besafi verschie- 
dene Medaillen. 

Grandjon, Jules. — Mirecourt. Geb. 1855 
Sohn von Prosper* Gerard Gr.Bevor er seine Fabrik in 
Mirecourt griindete, arbeitete er langere Zeit in Paris 
und hielt auch spater dort noch eine Niederlage. Er 
machte verschiedene Versuche und Erfindungen, so 
eine Geige, deren Hals abgeschraubt werden kann usw., 
und entschied sich zuletzt fur ein groBes Modell, das 
auch in seiner Fabrik hauptsachlich zur Anwendung 
kommt. Vorzugsweise verwendet er hellroten Lack. 
Geigenzettel: Abb. 295. 

Grandjon, L. — Mirecourt. 1830. 1840 
Er bevorzugte ein flaches Modell und einen orange- 
farbenen Lack. 

Grandjon, Prosper-Gerard (Grandjon pere). — 
Mirecourt. 1820. 1862 

Er war schon der Sohn eines Geigenmachers und besao 
zwar eine gewisse Geschicklichkeit, arbeitete aber sehr 
handwerksmafiig. 

Granser (Granzer, Grauser) s. Kranzer 

Granuelo s. Gramulo 

Grappello, Giovanni Marco. — Ferrara. 1566 
Ein Instrumentenmacher, der mehrfach erwahnt wird. 
Von ihm ist wahrscheinlich die sechssaitige Viola da 
Gamba im Museum des Mailander Konservatoriums 
mit dem Zettel: »Ioannes marcus«. Sie ist sehr sauber 
ausgefiihrt, ohne Ecken, 108 cm lang, und hat dunkel- 
gelben Lack. 

Graseck, Gustav. — Miinchen. Geb. 12. Juli 

1881 in Neuenstein (O.-A. Ohringen, Wurt- 

temberg) 

Erst Schuler von Friedr. Kochendorffer in Stuttgart, 
dann von Albert Gotz in Markneukirchen ; seine eigent- 
liche Ausbildung fand er jedoch erst bei W. A. KeBler 
in Frankfurt, bei dem er mehrere Jahre lang als Ge- 
hilfe arbeitete. Hierauf kam er zu Fiorini nach Miin- 
chen und machte sich dort am 1. Oktober 1910 selb- 
standig und mufite von 1 9 1 4 — 1 9 1 8 ins Feld. Er arbeitet 
vorzugsweise nach Stradivari und Guarneri und hat 
einen sehr guten Ollack, der die Schonheit des sorgfaltig 
gewahlten Holzes gut zur Geltung kommen lafit. Er 
vermeidet mit Recht grundsatzlich die Nachahmung 
des alten Aussehens seiner Vorbilder und lafit keine 
fremde Hand an seine neuen Geigen. Da er jedoch als 
ausgezeichneter Reparateur mit Auf tragen uberhauf t ist, 
kommt er nur selten zum Neubau. Friiher verwendete 
er gedruckte Zettel, in neuerer Zeit aber nur mehr 
geschriebene. 



Grater — Gretschel 



179 



Grater, Thomas 

Begriindete 1874 seine noch bestehende Werkstatt in 
Birmingham. 

Gratiani, Giuseppe. — ■ Genua. 1762 

Grillet veroffentlicht nur folgenden Zettel von diesem 
sonst unbekannten Geigenmacher. 
Geigenzettel: Abb. 238. 

Grau, L. — Erfurt. 1846 

Nur als Gitarren- und Zithermacher bekannt. Eine so- 
genannte »Thuringer Volkszither« von ihm befindet 
sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum inKoln. 
Geigenzettel: L. Grau / in / Erfurt 1846 (gedruckt). 

Graubner, Adam Gottlieb. — Klingenthal. 

1786 

Wahrscheinlich ein fremder Geigenmacher, der sich in 
Klingenthal eingeheiratet hatte. 

Grauweels (Grouwels), Jan (Hans). — Ant- 

werpen 

Wurde 1579 Meister. Er ist bisher nur als Clavecin- 
macher bekannt geworden und war der Sohn eines 
Meisters. Ein Clavecin von ihm befand sich in der 
Sammlung Snoeck. Da die Moglichkeit, daft er auch 
andere Musikinstrumente, Lauten und Harfen usw. 
gemacht hat, nicht ausgeschlossen ist, sei er hier er- 
wahnt. Von einem Lodovicus Grovvelus besitzt das 
S. Kens. Mus. ein Virginal von 1600. 
Geigenzettel : Johannes Gravwells fecit Antwerpiae (ge- 
druckt). 

Gray, F., lebte im 19. Jahrhundert in St. Louis 

(Miss.) 
Gray, J. — Fochabers (Banffshire, Schottland). 

1870 

Unbedeutender Geigenmacher aus der zweiten Halfte 

des 19. Jahrhunderts. 

Gregori, Luigi. — Bologna. 1793. 1808 
Als Geigenmacher nur ein Handwerker. 
Geigenzettel: Luigi Gregori fece in Bologna / Anno 
1808 (gedruckt). 

Gregson, Robert. — Blackburn. Geb. 3. Juni 
1871 in Blackburn 

Er studierte acht Jahre lang das Violinspiel und hatte 
das Holzschnitzen erlernt; so kam er darauf, sich auch 
im Geigenmachen zu versuchen. Von 1894 — 1895 war 
er in Montreal in Kanada ansassig und lieB sich 1898 
in seiner Vaterstadt als Geigenreparateur nieder. Im 
Jahre 1898 machte er seine erste Viola und hat seitdem 
liber 100 neue Geigen (nach dem Stradivarimodell) ge- 
macht. Alles an seinen Geigen ist eigene Arbeit, er 
beschaftigt keinerlei Gehilfen und stent sowohl als 
Geigenmacher und Reparateur wie als Handler in 
gutem Ansehen. 

Geigenzettel: »Arte et Lahore. « / Robert Gregson, / 
Blackburn. / Anno 1913 (gedruckt). 



Greiff, Andres. — Prag. 1602 

Ein Lautenmacher, der in der Altstadt arbeitete und 
wahrscheinlich aus Fussen eingewandert war. 

Greiff (Greif), Georg I. — Fussen. 15 . . 
Vielleicht ein Sohn des im Jahre 1517 aus Faulenbach 
in Fussen eingewanderten Martin Greiff. Eine Arbeit 
von ihm besitzt das Darmstadter Museum (Nr. 493). 
Geigenzettel: Georgius Greif. A Fies / sen. Me fecit 
15 . . (gedruckt). 

Greiff, Georg II (Jerg). — ■ Fussen. Geb, 
27. Okt. 1599 

Sohn und wohl auch Schiiler von Georg I Gr. Er wurde 
am 21. September 1631 als Meister in die Fiissener 
Lautenmacherzunft aufgenommen. 

Greiff, Hans (Johann). — Fussen. 1606. 1622 
Wahrscheinlich ein Sohn von Magnus oder Georg Gr. 
Im Jahre 1612 gehorte er zu den Lautenmachern, die 
sich uber einen ihre Zunft schadigenden Holzhandel 
beschwerten. Vidal erwahnt einen Johann Greffts, 
gemeint kann doch nur Greiff sein. 

Greiff, Laurentius. — Ingolstadt. 1600 

Wahrscheinlich ein Sohn von Magnus G. und wohl 
auch ein alterer Verwandter von M. Fichtoldt, der 
gleichfalls aus Fussen kommend, sich spater in Ingol- 
stadt niedergelassen hat. Eine winkelhalsige Laute aus 
dem Jahre 1600 von ihm besitzt R. Leibbrand in 
Berlin. 

Geigenzettel: Laurentius Greiff/ me fecit/ Ingolstadij, 
Anno 1600 (gedruckt). 

Greiff (Greif), Lukas (Laux). — ■ Fussen. 1611. 
1612 

Er wurde am 26. Dezember 1611 in die Zunft als 
Meister aufgenommen, nachdem er schon am 27. April 
1609 Anna Pfennig geheiratet hatte. Im Jahre 1612 
wird er als Mitglied der Lautenmacherzunft genannt. 

Greiff, Magnus (Mang I). — Fussen. 1550 
Im Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Musik- 
kammer (vom Jahre 1566) wird unter Nr. 67 aufgezahlt : 
»Eine grosse Lauten von Flader mit schwarzen Filetlen 
von Mang Greif zu Fefsen.« Vgl. Stockbauer, Kunst- 
bestr. unter Alb. V. u. Wilh. V., S. 83. Trautmann 
nennt ihn wohl nur irrtiimiich Martin Greif. 

Greiff, Mang 11. — Fussen. 1606. f 1620 
Er war vermutlich ein Sohn des Mang I und wird 1606 
als Mitglied der Lautenmacherzunft genannt. 

Grefiel, Joseph. — Mirecourt. 1781 
Nur von A. Jacquot erwahnter Geigenmacher. 

Gretschel. — Arbeitete die 1869 erschienene 
neue Auflage von Wettengels Lehrbuch um 

12* 



180 



Grevy Grinager 



Grevy, Francois. — Paris. Um 1870 

Wahrscheinlich nur ein Handler; seine Geigen sehen 
wie Mirecourter Fabrikate aus, cinzelne, offenbar fiir 
Ausstellungen angefertigte Violinen ausgenommen, die 
reich mit Farbholzornamenten eingelegt sind, aber 
wenig Tonschonheit besitzen. 
Geigenzettel: Francois Grevy / Paris (gedruckt). 

Grienberger (Griinberger), Joseph. — Urfahr- 
Linz a. D. Geb. um 1800, f um 1865 
Er hatte in Urfahr Nr. 195 eine Werkstatt und war 
recht geschickt. Er ahmte das Stradivarimodell nach 
und verwandte einen dunkelbraunen Lack. Holz und 
Arbeit sind gut, ebenso der Klang. 
Geigenzettel: Josephus Grienberger fecit / Urfahr — 
Linz anno 1842 (gedruckt). 

Grieser, Martin. — Dresden. 1790 

Vielleicht aus Fiissen stammend, wie Mathias Griesser, 
dessen Sohn er jedoch nicht gewesen sein diirfte, da 
dieser dem Anscheine nach kinderlos geblieben ist. 
Ein Lautenmacher des 18. Jahrhunderts, der auch Gi- 
tarren und Geigen gebaut hat, hauptsachlich aber als 
Reparateur heschaftigt war. 

Griesser, Mathias. — Innsbruck. Geb. in 
Fiissen nach 1700, f am 3. Marz 1784 
Ein geschickter Meister, der wohl in Fiissen gelernt 
hat und 1726 bereits in Innsbruck ansassig war, wo er 
(nach Dr. F. Waldners Forschungen) am 20. August 
Anna Moreller von Imst heiratete. Sein Modell war 
zwar nicht besonders schon, Ton und Lack seiner 
Geigen sind aber meistens recht gut. Das Instrumen- 
tenmuseum des Liceo filarmonico in Bologna besitzt 
eine interessante Viola d'amore von lhm. Im Ferdi- 
nandeum in Innsbruck befindet sich eine Gitarrelaute 
vom Jahre 1747, auch das Stift in Hall besafl von ihm 
eine Violine, die in dem bei Aufhebung des Stifts (1 783) 
angelegten lnventar (Cod. 31 des Statthaltereiarchivs 
in Innsbruck) auf 54 Kronen bewertet wurde. (Ferd. 
Zeitschr. 1885, S. 275). Eine gute Viola von 1727 stcllte 
W. E. Hill im jahre 1904 in der Londoner Music Loan 
Exhibition aus, wobei er irrtiimlich den Vomamen 
Martin angab. 

Geigenzettel: Mathias Griesser, Lauden und Geigen- 
macher in Insprugg ann. 1727 (gedruckt). 

Grilli, Giuseppe. — Arezzo. 1742. 1743 

Seine Geigen verraten keine kunstgeiibte Hand. Gnllet 
druckt seinen Zettel von 1743 ab mit dem dort befind- 
hchen Zusatz: Nr. 3. 
Geigenzettel: Josephus Grilli , Aretii 1742 (gedruckt) 

Grillon. — Mirecourt. 1880. 1895 

Tuchtiger Geigenmacher, der jedoch nicht selbstandig 
aufgetreten ist. 

Gnmaldi, Carlo. — Messina. 1681 

Er gilt als Schiiler von Albani, was seine Arbeiten in 
gewisser Beziehung zu betatigen scheinen. 

Gnmaldi, O., lebt in Catania 



Grimes. — Sherborne. 19. Jahrhundert 
Englischer Geigenmacher von wenig Ruf. 

Grimm, Adam Friedrich. — Klingenthal. 1 784 

In den Meisterlisten kommt er 1 784 vor. Seine Arbeit 
ist sehr gewohnlich. Konzertmeister H. Schatz in Vevey 
besitzt eine Violine von ihm im echten Vogtlander Stil, 
ohne Einlage, Boden aus einem Stuck. Auch im Ton 
ziemlich wertlos. 

Geigenzettel : Adam Friedrich Grimm Violin Macher 
Klingenthal (geschrieben). 

Grimm, Carl Constantin Louis. — Berlin. 
Geb. 17. Febr. 1821 in Berlin 
Sohn, Schuler und zum Teil Nachfolger von K. Grimm, 
da er Teilhaber der Firma mit seinem Schwager Hell- 
mig wurde. Den Geigenbau hat er jedoch in der Folge 
nicht betrieben; er wurde 1844 als erster Harfenist bei 
der Konigl. Kapelle angestellt und gait als Kiinstler in 
seinem Fache. 

Grimm, Heinnch. — Magdeburg. 1630 

Ein Lautenmacher, der auch Monochorde gemacht hat. 

Grimm, Karl. — Berlin. Geb. 1 794, f 1 6. Juni 
1855 in Berlin 

Er eroffnete 1825 seine Werkstatt und war jedenfalls 
einer der allerbesten Berliner Geigenmacher. Er ver- 
arbeitete nur das schonste und beste Holz und war 
sorgfaltig in der Ausfuhrung und im Lack. Obwohl er 
sehr fleifiig arbeitete, machte er im Jahr hochstens 
30 Geigen. Seine Kopien nach Stradivari sind tau- 
schend ahnlich und das Entziicken der Kenner. Auch 
seine Harfen waren geschatzt. Ebenso schon sind seine 
Violoncelli. Er war eine echte Kiinstlernatur und 
machte fortwahrend interessante Versuche. Er war auch 
musikalisch gebildet und soil u. a. ein Virtuose auf der 
Trompete gewesen sein. Im Jahre 1853 erhielt er den 
Titel eines Konigl. Hofinstrumentenmachers. Seine 
Werkstatt iibernahm sein Werkfiihrer und Schwieger- 
sohn C. Hellmig. 

Grimm (Grim), Karl. — Saaz. Geb. in Grofi- 
Tschernitz bei Saaz 1811, +8. Sept. 1877 in 
Saaz 

Als Sohn eines Bauern kam er zu einem Musiker, der 
auch Geigen machte, in die Lehre. Nachdem er eine 
Zeitlang gewandert hatte, lieft er sich um 1842 in Saaz 
als Geigenmacher und Musiker nieder, wurde 1846 
Burger und verheiratete sich mit Maria Anna Stein 
aus Schonhof. Seine Tochter Sidonia wurde Schau- 
spielerin. Seine Geigen sind zwar wenig elegant in der 
Form, klingen aber manchmal gut. 
Geigenzettel: Karl Grim / in Saatz 1841 (gedruckt). — 
Karl Grimm Instrumentenmacher in Saaz. (gedr.). 

Grinager, Lars P. — Brandbo (Hadeland, Nor- 
wegen). 1886. 1889 

Erhielt in Paris 1886 eine goldene, in Christiania 1887 
eine bronzene Medaille, in Barcelona 1888 eine ehren- 
volle Erwahnung fiir seine Violinen. 



Griscri Grosset 



181 



Griseri, Filippo. — Florenz. 1650 

Seine Geigen haben manches, was an die deutsche 
Schule erinnert, so dafi die Meinung aufkommen 
konnte, da6 er ein Deutscher gewesen sei und vielleicht 
zur Familie Grieser (Griesser) aus Fiissen gehort habe. 

Grivel, V. — Grenoble. 1867 

Er beschaftigte sich eingehend mit dem Studium des 
altitalienischen Geigenlacks und gab auch eine Schrift 
daruber heraus. 

Griwalski, Franz. — Posen. 1743 

Einer der besten polmschen Geigen- und Lauten- 
macher seiner Zeit. August Zimmermann in St. Peters- 
burg besitzt von ihm eine kunstvoll ausgefiihrte Viola 
d'amore mit hellbraunem Lack von italienischem Cha- 
rakter. Am Wirbelkasten befindet sich der Kopf der 
Justitia (Frauenkopf mit Diadem und verbundenen 
Augen). 

Geigenzettel: AMDCB . M . V 1 ) 1743 D 30 X bris / 
Franciszek Griwalski w Poznamu. (gedruckt). 

Grob, Andreas Joseph. — Straubing. Geb. 
26. April 1826 in Straubing, f daselbst 
4. April 1909 

Schiiler von Jacob Schmidbauer in Regensburg. Als 
Gehilfe arbeitete er in Miinchen und Passau usw. und 
kehrte dann In die Heimat zuriick, wo er der Nachfolger 
Melzls wurde, dessen Geschaft er kaufte. Er machte 
sowohl alle Arten von Streichinstrumenten als auch 
Gitarren, Mandolinen und Zithern. 

Grobert. — Mirecourt. Geb. um 1794, f 1869 
Ein geschickter Gitarrenmacher, von dem noch manche 
Arbeiten in Sammlungen aufbewahrt werden, so im 
Museum des Pariser Konservatoriums eine Gitarre, die 
ehemals Paganini und Berlioz besessen haben. 

Groblicz, Martin I (Marcin). — Krakau. 1 601 . 
1609 

Einer der namhaftesten polnischen Geigenmacher. Am 
besten sind seine Violoncelli. Arbeiten von ihm waren 
auf der Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. 
Kolarczkowski 2 ) erwahnt eine in Krakauer Privatbesitz 
noch vorhandene Viola da Gamba mit dem Zettel: 
Na chwale Boza ukonczyl / Marcin Groblicz roku 
panskiego 1602 (Zur Ehre Gottes voltendet von Martin 
Groblicz im Jahre des Herrn 1602.) 

Groblicz, Martin 1 1. — Warschau. 1710. 1750 

Vielleicht ein Enkel des Krakauer Meisters. In der 
Arbeit ist er ihm gleichstehend, verwendet gutes Holz 
und arbeitet nach verschiedenen Modeller meistens 
aber nach Stainer. Er machte hubsche Einlagen und 
schnitzte Lowenkopfchen am Wirbelkasten. Seiner 
Arbeit nach kann man lhn allenfalls der deutschen 



x ) Die Buchstaben konnten mit: »Ave Maria Domini 
Christi Beata Mater Virgo« zu deuten sein. 

2 ) In seiner 1888 erschienenen Schrift uber Kunst und 
Gewerbe im alten Polen, S. 221. Dasselbe Instrument 
scheint auch schon A. Grabowski gekannt zu haben. 



Schule zuzahlen, nur darf man ihn nicht als »artifice 
tedesco« bezeichnen, wie es de Piccolelhs tut. Seinen 
Ruhm in Deutschland verdankt er vornehmlich dem 
Lob, das ihm Kapellmeister Lohlein ! ) in Danzig 
(f 1 782) erteilte. Eine Geige von ihm besitzt das Kon- 
servatorium in Warschau. (Abgebildet in Polinskis 
Geschichte der potn. Musik.) 

Geigenzettel: Marcin Groblicz z Warszawie 1710 (ge- 
schrieben). 

Grober, Georg. — Innsbruck. 1816 
Er war Orgel- und Musikinstrumentenbauer. 

Groh, Heinrich Moritz. — Geb. 3. Febr. 1869 
in Erlbach, lebt als Geigenmacher in Mark- 
neukirchen 

Grohmann, C. A. G. (gen. Franck). — Bay- 
reuth. 1799 

1st nur als Reparateur bekannt geworden. Eine Ab- 
bildung seines Reparaturzettels findet sich in G. Kins- 
kys Katalog von W. Heyers Musikhistorischem Mu- 
seum in Koln, Bd. II, S. 623. 

Groll, Math. — Msran. 1800 

In der Arbeit mit den Halleiner Geigenmachern ziem- 
lich gleichwertig. Er scheint iibrigens nur voruber- 
gehend in Meran ansassig gewesen zu sein, wodurch 
es sich erklart, daft weder im dortigen Archiv noch in 
den Geburts- und Sterbematrikeln etwas iiber ihn zu 
finden ist. 

Gronau, Joh. Benjamin. — Danzig. 1 794. 1 798 
Ein Geigenmacher, von dem bisher nur Reparaturen 
bekannt geworden sind. 

Geigenzettel: Joh. Benj. Gronau , Geigenmacher in 
Danzig / Reparirt 1794 (gedruckt) und Abb. 319. 

Grosjean, John Frederick. — London. 1837. 
1840 
Er war Harfenmacher, baute aber auch Harfengitarren. 

Grosselet. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, aus der A. Jacquot die 
Folgenden aufzahlt : 
JeanG. 1758. 1770 

Jean-Francois 1 G., geb. 4. Jul! 1727, + 1759, Sohn 
des Joseph 1 G. 

Jean-Francois II G., geb. 5. November 1749, lebte 
noch 1776, Sohn von Jean Francois I. 
Joseph I G. 1727, der Stammvater der Familie. 
Joseph II G„ geb. vor 1740, lebte noch 1789. Er 
gebrauchte eine Brandmarke mit seinem Namen. 
Jacquot kennt Geigen von ihm, die er lobt. 

Grosset, Paul-Francois. — Paris. 1744. 1765 
Schiiler von Claude Pierray. In Arbeit und Modell 
ungleich und mittelmaBig, am besten ist noch sein 
gelber oder brauner Spirituslack. Die Wolbung nimmt 

1 ) Lohlein gab 1774 eine heute noch wertvolle An- 
weisung zum Violinspielen heraus. 



182 



Grossi — Gschwenter 



er gewohnlich ziemlich hoch. Er wohnte in der Rue de 
la Verrerie und hatte den Schild »Au Dieu Apollon«. 
Da er nicht viele Geigen gemacht hat, kommen sie auch 
ziemlich selten vor, doch waren solche aus den Jahren 
1758 und 1759 aus dem Besitze E. Mennessons im 
Jahre 1895 auf der retrospektiven Ausstellung in Reims 
ausgestellt. 

Geigenzettel: P. F. Grosset. Au dieu Apollon. / rue de 
la Verrerie, a Paris 1757. (geschrieben). 

Grossi, Giuseppe. — Bologna. 1803. 1804 
Seine Arbeiten lassen nur noch wenig merken, dafi sie 
in ltalien entstanden sind. 
Geigenzettel : Giuseppe Grossi / Bologne / 1804. (gedr.) 

Grossi, Gualterio de. — Neapel 
Mandolinenmacher. 

Grofimann, Dr. Max. — Fried richsfelde bei 

Berlin 

Es ist durchaus wahrscheinlich, dafi die alten Meister 
des Geigenbaues iiber die physikalischen Gesetze besser 
unterrichtet waren, als man gemeiniglich glaubt, und 
dafi die schliefilich von ihnen festgestellte Form der 
Geige eine Folge wissenschaftlicher Erwagungen war. 
Dafi wissenschaftliche Ergebnisse in fruheren Zeiten 
haufig als Geheimnis von den wenigen Wissenden ge- 
hutet wurden, kann auch nicht bestritten werden, und 
so darf man den ein Jahrhundert alten Glauben, dafi 
die Cremoneser ein Geheimnis besessen und mit ins 
Grab genommen haben, nicht ohne weiteres von der 
Hand weisen. Ist es doch trotz aller Versuche der besten 
Geigenmacher des 19. Jahrhunderts keinem gelungen, 
Stradivari oder Guarneri auch nur zu erreichen, ge- 
schweige denn, sie zu iibertreffen. Das zu vermutende 
Geheimnis zu liiften, haben sich bereits zahlreiche 
Geigenmacher und Physiker bemiiht, und zu einem 
interessanten Ergebnis ist Sanitatsrat Dr. Grofimann 
gekommen, das dieser in einer kleinen Schnft unter 
dem Titel: »Es gibt doch ein Geheimnis der alten 
italienischen Geigenbauer« (Berlin 1898) veroffent- 
lichte, und das in der Forderung besteht, dafi Boden 
und Decke in einem einfachen Schwingungsverhaltnis 
zueinander stehen miissen. Dieses Verhaltnis fand er 
in der hoheren reinen Quarte oder Quinte. Bei an- 
nahernd gleicher Starke stehen die Eigentone von 
Fichten- und Ahornholz in diesem Verhaltnis, woraus 
sich die Wahl gerade dieser Holzsorten zum Geigenbau 
erklaren liefie. Dr. Grofimann fiihrte seine Theorie 
noch weiter aus in einem Aufsatz der Berliner Mus.- 
Instr.-Ztg. vom 16. Juli (1897/98) Nr. 41, der auch 
als Sonderdruck erschienen ist, sowie in einigen 
weiteren Aufsatzen. Auf seine Ideen gingen verschie- 
dcnc Geigenmacher mit bestem Erfolge ein. In jiingster 
Zeit ist eine Gesellschaft unter der Firma »Neu- 
Cremona« zusammengetreten, urn Dr. Grofimanns 
Theorie praktisch auszubeuten. 

Grou. — Paris. 1752 

Er fertigte hauptsachlich Bauernleiern an und scheint 
friih gestorben zu sein. In der Sammlung Arngoni in 
Mailand waren zwei Arbeiten von ihm. 

Grovvelus, s. Grauweels 



Gruber, Franz Xaver. 1832 

Auf seinem Zettel gibt die schlecht leserliche Orts- 
bezeichnung ein Ratsel auf. 

Geigenzettel: Fr. Xaver Gruber/ Geigen Verfertiger / 
in Vollmann (vielleicht Mettmann, Rheinprov. ?) / 
1832 (geschrieben). 

Grunberger, L. — Linz a. D. 1864 

Wahrscheinlich ein Verwandter des J.Grienberger, der 
in dem der Stadt Linz gegeniiherliegenden Urfahr seine 
Werkstatt hatte. Er scheint sich Guarneri zum Vorbild 
genommen zu haben, verwendete einen gelblichen Lack 
mit rotlicher Schattierung und gab seinen Geigen gerne 
ein altes Aussehen. Die Arbeit ist ziemlich gut, nur die 
Schnecken lassen zu wiinschen iibrig. 

Griindler, Johann. — Budapest. Geb. 1839 in 
Szabadka 

Ein talentvoller Schiiler seines Oheims Hackhofer und 
von Franz Tischenant, lebte bis 1863 als Geigenmacher 
in Budapest und wurde dann Beamter. 

Griinwald s. Drafiegg 

Grulli, Pietro. — Cremona. 1870. f 1898 

Wenn ein Geigenmacher in Cremona lebt, fordert er 
unwillkurlich zum Vergleich seiner Arbeiten mit den 
besten klassischen Meisterwerken heraus. Es will daher 
schon etwas heifien, wenn man sagt, dafi Grullis Geigen 
ihrem Ursprungsorte keine Schande machten. 

Grumet, Alphonse-Joseph.—- Paris. Geb. 1857 

Er begrundete 1892 ein Saiteninslrumentengeschaft 
und lafit auch nach eigenen Modellen durch einen bei 
ihm angestellten Mirecourter Geigenmacher lnstru- 
mente herstellen, die seinen Namen tragen. 
Geigenzettel: A. Grumet, Luthier / a Paris (geschr.). 

Gschiel, Andreas Johann. — Budapest. Zweite 
Halfte des 18. Jahrhunderts 

Einer der besten Budapester Geigenmacher seiner Zeit, 

der in seinen Violinen an die Art von Math. Thir er- 

innert, wenn er ihm auch nicht gleichkommt. Arbeit 

und Holz sind gut, nur der Lack ist etwas arm und 

dunkel. 

Geigenzettel: Abb. 316. 

Gschiel (Gschiell), Joseph Michael. — Buda- 
pest. 1807 

Nach Dr. J. Geyers Meinung vielleicht ein Sohn des 
Andreas Joh. Gsch., den er jedoch wesenthch iiber- 
troffen haben soil. 

Gschwenter, H. Joseph. — Innsbruck. Geb. 
26Juni 1 838 zu Mais i.Vintschgau, f 1 1 . Dez. 
1894 in Innsbruck 

Er hat in Mittenwald gelernt und kam vor 1859 nach 
Innsbruck. Er hat nur wenige neue Geigen gemacht, 
hauptsachlich beschaftigte er sich mit Ausbesserungen 
und dem Bau von Zithern und Gitarren. Nach Dr. Fr. 



Guadagnini, Antonio — ■ Guadagnini, Giambattista II. 



183 



Waldner erhielt er 1873 in Wien, wo er ein Quartett 
ausgestelit hatte, fiir eine Bratsche die goldene Me- 
daille. Er verlegte sich zuletzt ganz auf den Instru- 
menten- und Musikalienhandel. Sein Nachfolger Carl 
Gschwenter setzte das Geschaft nur als Kaufmann fort. 

Guadagnini, Antonio. — Turin. Geb. 1831, 
f 1881 

Sohn von Gaetano 1 1 und Enkel von Carlo G. Tuchtiger 
und sauberer Nachahmer alter Meister; Reparateur und 
standiger Lieferant der Musiklyzeen in Turin und 
Pesaro, ein ungemein fleiBiger Geigenmacher. Auch 
seine beiden Sonne Francesco und Giuseppe sind 
Geigenmacher geworden. 
Geigenzettel: Abb. 251. 

Guadagnini, Carlo. — Turin. 1780. 1839 

Sohn von Gaetano I. Er machte hauptsachlich Gitarren 
und beschaftigte sich nur als Reparateur mit Geigen. 
Er hinterlieB drei Sonne, Gaetano, Giuseppe und 
Felice, die Geigenmacher wurden. 

Guadagnini, Felice I. — Turin. 1834. 1835 

Er bezeichnet sich als »Nepos Joan. Bapt.« und wird 
haufig mit Felice II. verwechselt. Seine Geigen sind 
flachgewolbt und nach dem von seiner Familie be- 
vorzugten Modell gebaut. 

Guadagnini, Felice II. — Turin. Geb. um 1830 

Sohn von Carlo G. und wohl auch dessen Schiiler. Er 
iibertraf jedoch seinen Vater, seine Violinen haben 
grofien Ton und sind sauber gearbeitet, auch die 
kraftiggehaltene Schnecke ist tadellos, nur der Lack — 
oft von rotbrauner oder gelbbrauner Farbe — lafit zu 
wiinschen iibrig. Bessere Arbeiten von ihm werden 
schon jetzt recht gut bezahlt. 

Guadagnini, Francesco. — Turin. 1889. 1910 

Sohn und wohl auch Schiiler von Antonio G. Gegen- 
wartig der einzige Nachkomme der beriihmten Familie 
in Turin. Ein gebildeter und geschickter Meister, der 
nach den Modellen seines Urururgrofivaters Giam- 
battista II G. arbeitet. Von seinem Lack behauptet er, 
dafi dieser noch immer derselbe sei, den sein Vorfahr 
angewendet habe, nur fehlten ihm zunachst naturgemafi 
jene Vorziige, die allein das Alter verleihen konnen. 
Tatsachlich hat sein Lack (von leuchtend roter Farbe) 
viele Kennzeichen des altitalienischen Lacks. Bis jetzt 
arbeitet er ohne Gehilfen, er hat wohl drei Sonne, von 
denen ist der alteste aber erst etwa siebzehn Jahre alt. 
Seine Werkstatt befindet sich in der Via Santa Teresa 15.. 
Die Begriindung seines Hauses verlegt er in das Jahr 
1690, was freilich nicht ganz stimmen diirfte. — Eine 
sehr gute Violine von ihm von tadelloser Arbeit und 
grofiem und doch sehr siifiem Ton besitzt Ingenieur 
Hermann Keil in Cothen i. A. — Ein gleichnamiger 
Guadagnini soil gieichfalls in Turin tatig gewesen sein 
und sich 1889 ins Privatleben zuriickgezogen haben. 
Geigenzettel : Francesco Guadagnini fu Antonio / fece 
in Torino anno 1910 F. G. / T. 

Guadagnini, Gaetano I. — Turin. 1775. 1831 
Sohn von Giov. Batt. II. Seine Geigen sind sehr gut 
gearbeitet, haben schones Holz und gelbbraunen Lack 



und klingen vorziiglich. lm Handel wurden Violinen von 
ihm schon vor dem Kriege mit 3000 M. bewertet. Eine 
schone Violine von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein 
(Steiermark). Er hat jedoch nur wenig neue Geigen ge- 
macht und verlegte sich zuletzt fast ausschliefilich auf 
die Gitarrenmacherei. 

Geigenzettel: Gaetano Guadagnini / J. B. Guadagnini 
Filius / Taurini fecit 1775 (gedruckt). 

Guadagnini, Gaetano II. — Turin. 1335. 1852 

Altester Sohn von Carlo G. ; wenig bedeutender Geigen- 
macher, der aber trotzdem einzelne recht gute Violinen 
gemacht haben soil. 
Geigenzettel : Abb. 268. 

Guadagnini, Giambattista I. — Mailand, 
Parma. Geb. in Piacenza um 1685, f n. 1770 
Er gilt als Bruder von Lorenzo G., mit dem er anfangs 
in Piacenza gearbeitet haben soil. Hierauf ging er fiir 
langere Zeit nach Parma, wo er in herzogliche Dienste 
trat. Von 1750 an war er in Mailand tatig. Er war sehr 
fleifiig, seine Geigen halten den Vergleich mit den Ar- 
beiten Lorenzos recht gut aus und iibertreffen die von 
dessen Sohn Giambattista. Mit dem letzteren wird er oft 
verwechselt. Er ahmte sowohl Stradivari als auch Amati 
nach und verwendete einen schonen, goldigen Lack. 
Auch im Ton sind seine Geigen meist gut. Auf seinen 
Zetteln findet sich stets ein Hinweis auf seinen Geburts- 
ort, sei es, dafi er sich darauf ausdriicklich als »Placen- 
tinus« bezeichnet oder dafi er unter die Initialen seines 
Namens im Kreise das P anbrachte, auch wenn er sich 
— wohl aus Geschaftsrucksichten — »Cremonensis« 
nannte. Dadurch ist er von Giambattista II, der in Cre- 
mona geboren war, leicht zu unterscheiden. Eine Geige 
von ihm aus Mailand, mit der Jahreszahl 1750, besitzt 
Prof. Gust. Hollander in Berlin. Besonders schon ist 
das Violoncello in der Sammlung Th. Hammerle in 
Wien. Jul. Heinr. Zimmermann in Leipzig besitzt eine 
kleine Geige mit rotbraunem Lack und dem neben- 
stehenden Zettel. Eine prachtvolle Violine (Mailand 
1753) besitzt Dr. Thommen in Wien, eine andere Abt 
Sales Bauer in Rein (Steiermark) und ein prachtiges 
Konzertinstrument Stefi Geyer. 

Geigenzettel: Questo corretto e fatto al Convento da 
me / Giam Battista Guadagnini Piacentino / in Milano. 
(Jahreszahl unleserlich.). — Abb. 239 und 296. 

Guadagnini, Giambattista II. — Piacenza, 
Turin. Geb. 1711 in Cremona, f 18. Sept. 
1 786 in Turin 

Sohn von Lorenzo G. und wie sein Vater wahrscheinlich 
Schiiler von Stradivari. Er war seinem Vater in jeder 
Beziehung ebenbiirtig und baute wie dieser ziemhch ge- 
nau nach Stradivaris Modellen, nur die Schnecke, die er 
massig liebt, gelingt ihm weniger gut, auch die F-Locher 
sind bei ihm ein wenig geandert. Er bevorzugt das 
flache Modell, verwendet ausgezeichnetes Holz — 
Boden meist zweiteilig — und goldgelben, iiberaus 
feurigen und durchsichtigen Lack, der aber bei aller 
Schonheit doch nicht dem von Lorenzo G. an Giite 
gleichkommt, da er meistens etwas hart und wenig 
elastisch ist. Auch an Tonschonheit steht Giamb. 11. oft 



184 



Guadagnlni, Giovanni A. — Guadagnini, Lorenzo II. 



hinter Lorenzo zurlick, denn Violinen von ihm, die 
einen wirklich hervorragend schonen Ton haben, 
kommen ziemlich selten vor, dagegen findet man 
haufiger Geigen, die aufierlich ganz wundervoll aus- 
sehen, im Ton aber weniger halten, als sie versprechen. 
Die besten Arbeiten von ihm stammen aus dem letzten 
Drittel seines Lebens und geben Turin als Wohnort an. 
Seine Geigen sind hochgeschatzt und haben schon 
vor dem Kriege Preise bis zu 14 000 M. erreicht, eine 
Summe. die jetzt mehr als vervierfacht wird. Nach dem 
Tode seines Vaters ubernahm er dessen Werkstatt und 
ging spater nach Turin, wo er starb. Dafi er auch in 
Brescia gearbeitet habc, wie behauptet wird, lafit sich 
durch nichts beweisen. 
Geigenzettel: Abb. 289 ! ). 

Guadagnini, Giovanni Antonio. — Turin. 1750 

Er wird zuerst von Grillet erwahnt, der seinen Zettel in 
einer Geige fand, die durchaus einer solchen von 
Lorenzo gleichwertig war. Auch dieser Guadagnini 
nennt sich einen Schuler von Stradivari und war wohl 
ein Bruder Lorenzos und der erste aus der Familie, der 
nach Turin ging. 
Geigenzettel: Abb. 263. 

Guadagnini, Giuseppe (?) — Brescia (?). 1697 

Josef Muller in Schonbach besitzt eine italienische 
Geige, deren Umrisse und Wolbung bis zu einem ge- 
wissen Grade dem Brescianer Stil entsprechen. Die 
Violine ist zweifellos die Arbeit eines tiichtigen Meisters, 
der Ton soil wundervoll sein, der rotbraune Lack ist 
gut. Sie miBt im Corpus 357 mm, untere Breite 209, 
obere Breite 170, Brustweite 109 mm, und hat starke 
Rander, doppelte Einlage und schwungvolle F-Locher. 
Der Boden ist von glattem Ahornholz, die Zargen sind 
hoch und die Schnecke ist grofi und schon. Die Geige 
tragt den Zettel: (Giuseppe) Guadagnini / fecit Brescia 
1697 (gedruckt). Dem Charakter der Schrift nach 
konnte der Zettel aus der Zeit stammen; auffallig ist 
nur, dafi der Taufname in Klammern steht, und dafi bei 
einem Zettel in italienischer Sprache das lateinische 
»Fecit« (statt fece) vorkommt, abgesehen davon, dafi 
die Brescianer damals fast immer ganz lateinische Zettel 
(»fecit Bnxi£«usw.) gebraucht haben. Ein Giuseppe G., 
der schon 1 697 auf der Hohe seiner Kunst stand, ist mir 
bisher nicht bekannt geworden; dafi die Familie in 
Brescia ansassig war, gelang mir auch nicht nachzu- 
weisen. Weder im Stadtarchiv zu Brescia noch in den 
Schriften von Cav. Livi und von Prof. Don Angelo 
Berenzi kommt der Name Guadagnini vor. Auch 
Valdrighi kennt keinen Brescianer Guadagnini. Merk- 
wiirdig ist es immerhin, dafi der Name Guadagnini auf 
Zetteln so oft in Verbindung mit Brescia vorkommt, so 
hat u, a. Wild in Eger eine Violine von einem Marco G. 
aus Brescia 1713, und auch ein Giambattista G. gibt 
Brescia als Wohnort an. Da die Guadagnini ofter den 
Wohnort gewechselt haben, ware die Moglichkeit nicht 
ausgeschlossen, dafi einzelne Mitglieder zeitweilig auch 
nach Brescia kamen. Solange aber keine urkundlichen 
Beweise vorliegen, wird man den Brescianer Guadagnini 
berechtigtes Mifitrauen entgegenbringen. 



] ) Auf manchen Zetteln findet sich unter den lnitialen 
noch ein T. 



Guadagnini, Giuseppe I, genannt »Soldato«. — 
Mailand, Como, Parma, Pavia. Geb. 1736, 
+ nach 1805 

Zweiter Sohn von Giambattista I G., dessen Schuler er 
wohl gewesen sein diirfte. Er nennt sich einen Cremo- 
neser; ob er in Cremona geboren ist oder vielleicht doit 
gelernt hat, ist un bekannt. Er baute nach Stradivari und 
Guarneri. Flaches breites Modell, gute Arbeit, weniger 
gelingt ihm der Ton; 1760 befand er sich in Parma, 
1 763 wohnte er in Como in der Contrada di Porta, 1 790 
in Pavia. Zuletzt kam er ganz herunter. Seine besten 
Arbeiten erreichen immerhin gute Preise. Er liebte 
auch doppelte Einlagen und aufier seinen Zetteln 
findet man neben dem Balken noch die Buchstaben : 
»S. J. F. (?) SS. S. GG. F. P.« Eine gute Violine von 
ihm besitzt das Kolner Konservatorium der Musik. 
Geigenzettel: Josef Guadagnini Cremonensis / fecit 
Papiae anno 1790 (gedruckt). — Giuseppe Guadagnini 
fil. / Joannes Baptista Parmae 1768. (gedruckt). — 
Giuseppe Guadagnini / figlio di Giov. Battista (ge- 
druckt) und Abb. 279. 

Guadagnini, Giuseppe II. — Rom, Turin. 

1884. 1900 

Zweiter Sohn von Carlo G. Er macht Geigen und 
Violoncelli nach den alten Modellen seiner Familie. 

Guadagnini, Giuseppe III. — Turin. 1890. 
1900 
Sohn von Antonio G., Geigenmacher der Gegenwart. 

Guadagnini, Lorenzo I. — Cremona, Piacenza. 
Geb. um 1695 (?) in Piacenza (?), lebte noch 
1760 und soil in Mailand gestorben sein 

Schuler von Stradivari, bei dem er lange arbeitete. Er 
kehrte nach 1730 in seine Vaterstadt zuriick. In seiner 
Arbeit strebt er mit Gliick seinem Lehrer nach und ge- 
brauchte ein ziemlich kleines Patron von schoner 
mittlerer Wolbung. Das Holz ist sehr schon, die Aus- 
fiihrung musterhaft, die Umrifilinien schwungvoll. Die 
F-Locher sind bald nach Guarneri, bald nach Stradi- 
vari geschnitten. Charakteristisch fur ihn ist die 
Schnecke, die allerdings nicht so schon ist, als die 
seines Lehrers Stradivari. Sein goldroter Lack ist 
wundervoll und wird von keinem Guadagnini aufier 
von Giambattista an Feuer ubertroffen. Es soil auch 
Geigen von ihm geben, die ahnlich wic die von Maggini 
doppelte Einlagen haben. Er wurde lange den Amatis 
als gleichwertig geachtet, doch steigen die Preise fur 
seine Violinen wegen ihres bestrickenden Tons jetzt 
fortwahrend. Dafi er auch in Mailand gearbeitet haben 
soil, wird zwar behauptet, scheint aber auf einer Ver- 
wechslung zu beruhen. 

Geigenzettel: Laurentius Guadagnini Cremonae / 
Alumnus Stradivari fecit Anno Domini 17 . . (gedruckt) 
und Abb. 267. 

Guadagnini, Lorenzo II. — Turin. 1790 
Sohn und wohl auch Schuler von Giambattista II. G. 
Da sich Lorenzo I. auf einigen seiner Zettel »Pater« 



Gualzatta Guarneri 



185 



nermt, hielt man Lorenzo II, bisher fur dessen Sohn. 
Durch einen jetzt zutage gekommenen Zettel in einer 
wundervollen Vioiine im Besitze von Max Sternau in 
Weimar ist er als Enkel Lorenzos I. festzustellen. Da er 
in seiner Arbeit seinem GroBvater sehr nahekommt, 
sind sicher viele seiner Geigen diesem mit »ver- 
besserter« Jahreszahl zugeschrieben worden, wodurch 
sich ihr seltenes Vorkommen sehr einfach erklart. Er 
verwendete einen sehr hellen, goldgelben Lack und 
zeichnete sich auch durch hiibsch geschnitzte Schnecken 
aus. 

Geigenzettel : Lorenzo Guadagnini figlio di Giovanni 
Battista / fecit in Turino an. 1790 (gedruckt). 

Gualzatta, Benedetto. — Rom. 1716. 1726 
Ein Lautenmacher, der nicht ungeschickt war. Ein aus 
einem reichverzlerten Kiirbis gemachtes Lauteninstru- 

. ment («Cavaco«) von ihm besitzt die Sammlung Crosby 
Brown in New York (Nr. 144). 

Guardelli, Fratelli, lebten im 19. Jahrhundert 
in Rom 

Guarini, Gerolamo 

Ein Geigenmacher dieses Namens wird von Magius zu 
den Meistern allerersten Ranges gezahlt, hat aber nie 
existiert und wird wohl nur durch eine Vermengung 
eines Amatitaufnamens mit dem schlecht gemerkten 
Namen der Guarneri entstanden sein. 

Guarini, Joseph 1 ) s. Mennesson 

Guarino, Battista. — Ferrara. 1445 

Ein ausgezeichneter Lautenist, den Valdrighi unter dem 
Namen »Petrobono« aufzahlte. Ob er ihn mit Recht den 
Lautenmachern anreihte, kann ich weder bestreiten 
noch belegen. Der richtige Familienname geht aber aus 
einer Stelle im Codex 62 der Biblioteca Comunale in 
Ferrara hervor, wo es heifit : . . . »Baptista Guarinus ad 
Petrum Bonum chitarristam rarissimum . . .« 

Guarino, Michele. — Foggia. 1854 
Er scheint nur Reparateur gewesen zu sein. 
Geigenzettel : Michele Guarino / Accomodo in Foggia 
1854 (geschrieben). 

Guarmandi, Filippo. — Bologna. 1795 
Ein Geigen- und Lautenmacher ohne Ruf. 
Geigenzettel: Philippus Guarmandi Bonomensis/ Fecit 
Anno 1795. (gedruckt). 

Guarneri, Andrea. — Cremona. Geb. um 1 626, 
f7.Dez. 1698 

Sohn des Bartolommeo und der Stammvater der be- 
riihmten Cremoneser Geigenmacherfamilie. In fast 
alien Urkunden wird der Name allerdings Guarnieri 
geschrieben, auf den Zetteln der einzelnen.Mitglieder 
der Familie findet man aber stets die Schreibart Guar- 
nerius vorgezogen. Andrea war einer der ersten Schiiler 



Nicola Amatis und kommt bereits 1641 in den Akten 
der Pfarrei St. Faustino und Giovita mit der Bemerkung 
vor, daB er ein Mitbewohner des Hauses Amati und 
15 Jahre alt sei. Es lafit darauf schlieBen, daB Amati ihn 
besonders schatzte, da er ihn zum Zeugen bei seiner Ver- 
mahlung mit Lucrezia Pagliari genommen hat (23. Mai 
1645). Wenige Jahre spater, am 31.Dezember 1652, 
heiratete er selbst Anna Maria Orcelli (f 13. Jan. 1695), 
aus welcher Ehe sieben Kinder, vier Tochter und drei 
Sonne, hervorgingen. Andreas Geigen sind groBer als 
die seines Lehrers, wenn er sich auch anfangs genau an 
dessen Modelle gehalten hat. Spater nahm er die Wol- 
bung flacher, veranderte die F-Locher und erfand seine 
eigene ziemlich tiefgestochene Schnecke. Sein Lack ist 
verschieden, gewohnlich orangefarben und oft etwas zu 
dick aufgetragen. Der Ton ist recht gut; am besten 
sind seine Violoncelli, die er, wie fast alle Cremoneser, 
in zwei GroBen machte. AuBer vollen Geigen fertigte er 
auch »halbe« an ; eine solche aus dem Jahre 1644 besitzt 
die Kgl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. — 
Zwei von seinen Sohnen sind gleichfalls Geigenmacher 
geworden. Arbeiten, die er nicht selbst gemacht hat, die 
aber in seiner Werkstatt hergestellt wurden, tragen den 
Zettel : Sub disciplina Andree Guarnerij in eius / of f icina 
sub titulo S. teresie, Cremone 16 . . (gedruckt). Eine 
schone Vioiine von ihm besaB Prof. Arno Hilf, eine 
andere von 1675 hat Direktor Kail Henrici in Basel, ein 
wunderbares Violoncello vom Jahre 1695, eines der 
schonsten, das je in Cremona gebaut wurde, besitzt der 
Violoncellist Hans Bottermund 1 ), (siehe Bd. l,Tafel 79). 
Geigenzettel: Abb. 307. 

Guarneri, Antonio. — Cremona 

Gian Battista G. hatte wohl einen Sohn namens Giu- 
seppe Antonio, der aber schon in seinem Geburtsjahre 
1683 gestorben ist. Einen anderen Antonio Guarneri 
hat es aber iiberhaupt nicht gegeben. Wenn daher ein 
Antonio G. angefuhrt wird, der 1678 »sub titulo 
Theresiae« gearbeitet haben soil, so beruht dies im 
giinstigsten Falle auf einer Verwechslung mit Andrea. 

Guarneri, Caterina. — Cremona 

Wenn es mehr als eine Sage ist, daB auch ein Catarina 
G. Geigen gemacht hat, die als eine Schiilerin der 
Briider Giuseppe und Pietro G. bezeichnet wird, dann 
konnte nur Pietro G.s Ehefrau Catarina Sussagni (geb. 
um 1658) damit gemeint sein, da die Tochter seines 
jiingeren Bruders Giuseppe G. (Josephus G.), Anna 
Caterina, geb. 19. Marz 1697, schon im Jahre 1698 ver- 
storben ist. Geigen, die von einer Caterina G. her- 
riihren, sind mir zwar nie bekannt geworden, aber cs 
ware immerhin moglich, dafi Caterina, wenn sie ihren 
Mann uberlebt haben sollte, das Geschaft fortgesetzl 
hat. 

Guarneri, Joannes Florenus (?). — Cremona. 
1590 

Claudius in Kopenhagen besitzt eine hubsche Laute, 
als deren Verfertiger ein Joannes Florenus Guarneri 



x ) Was Broadhouse und Miss Stainer iiber »Guarini« *) Vorbesitzer war der Dresdener Hofmusiker Boek- 
sagen, beruht auf einem lrrtum, der Name ist nur ein mann. Die Geschichte dieses schbnen Instruments laBt 
Pseudonym. sich iibrigens durch mehr als 100 Jahre zuruckverfolgen. 



186 



Guameri, Giuseppe — Guarneri, Giuseppe Gian Battista 



erscheint. Es liegt nahe, diesen Namen als eine willkiir- 
liche Verbindung der beiden Namen »Florenus Gui- 
dante« und »Guarneri« zu halten. Sollte der Zettel aber 
echt sein, konnte er vielleicht dazu dienen, Licht iiber 
das auf dem Namen Floreno Guidante noch ruhende 
Dunkel zu verbreiten. 

Guarneri, Giuseppe, genannt »del Gesu«. — 
Cremona. Geb. 16. Okt. 1687 1 ), f nach 1742 
Der grofite Meister aus der Familie der Guarneri und 
einer der groBten Geigenmacher iiberhaupt. Er war der 
Sohn des Gian Battista G. und der Angiola Maria, geb. 
Locadelli. Gian Battistas Vater war Bernardo G„ ein 
Vetter von Andrea G. Daft Gius. ein SchiilerStradivaris 
gewesen, wie friiher behauptet wurde, war von vorn- 
herein unwahrscheinlich. Durch Horace Petherick ist 
die Frage nach dem Lehrmeister Giuseppe Guarneris 
recht glaubwiirdig beantwortet, denn er konnte zwei 
Zettel in Jugendarbeiten des Meisters von 1706 und 
1714 veroffentlichen, auf denen sich dieser einen 
Schiiler des Andreas Gisalberti nennt. Auch stil- 
kritisch verdient diese Angabe vollen Glauben, wenn 
auch Giuseppe sehr bald seinen eigenen Weg ging und 
vollkommen unabhangig von seinen Vorgangern wurde. 
Er ist ein genialer Kiinstler, dessen Werke denen Stra- 
divaris ebenbiirtig sind und diesen jetzt mit Recht sogar 
manchmal vorgezogen werden. Da er auf seinen Geigen 
das eucharistische Zeichen 1HS mit dem Kreuz dariiber 
— das u. a. als die griechischen Anfangsbuchstaben des 
Namens Jesu gedeutet wird — anbrachte, erhielt er 
den Beinamen »del Gesu« 2 ). Uber seinen Lebenslauf 
ist wenig bekannt; die Sage, daB er im Gefangnis ge- 
storben sei, ist wohi nur darauf zuruckzufiihren, daB 
tatsachlich ein Verbrecher Namens Guarneri am An- 
fange des 18. Jahrhunderts eingekerkert wurde, dieser 
aber hatte den Vornamen Giacomo. Gius. G. wechselte 
seine Modelle haufig, lieB das Holz in der Brust sehr 
stark und wahlte fur die Mitte die engeren Jahresringe. 
Bei geteiltem Boden lieB er die Flammen manchmal 
auch abwarts laufen und bevorzugte breitgeflammtes 
(tigerfellartiges) Ahornholz. Man unterscheidet bei ihm 
drei Perioden. In der ersten wechselt er das Patron 
haufig, ebenso die Form der F-Locher; die Arbeit ist 
manchmal fliichtig, aber der Ton immer sehr schon. 
Seine eigentliche klassische Periode ist die zweite. Jetzt 
halt er sein gefundenes Modell fester, die Form ist voll- 
endet schon, die Arbeit tadellos, das Holz prachtvoll 
und der Lack durchscheinend mit einem goldigen 
Schimmer. In seiner dritten Periode scheint er einem 
neuen Ziel nachgejagt zu haben, er arbeitete hastiger 
und weniger sorgfaltig, und die Geigen aus dieser Zeit 
werden, an die Sage von seiner Einkerkerung an- 
schliefiend, im Handel »Gefangnisgeigen« genannt. 
Man kennt Violinen, Violen und Taschengeigen, aber 
keine Violoncelli von ihm. Sein Name war durch mehr 
als 70 Jahre fast in Vergessenheit geraten, da erhielt 



a ) Giuseppe hatte einen alteren, am 8. Juni 1683 ge- 
borenen Bruder, namens Giuseppe Antonio, der wenige 
Monate nach seiner Geburt starb. 

2 ) Andere deuten die Buchstaben mit »In Hoc Signo« 
(vinces), und wieder andere, wie Dr. E. Pochmann in 
Linz, lesen noch anderes heraus. 



1820, Paganini von dem franzosischen Kaufmanne 
Livron in Livorno eine Geige von ihm aus dem Jahre 
1 743 zum Geschenk. Paganini spielte fortan nur mehr 
auf dieser Geige, und durch seine Kunst wurde der 
Name Guarneri »mit einem Schlage« wieder beriihmt. 
Diese Geige befindet sich jetzt als ein Vermachtnis des 
Kiinstlers an seine Vaterstadt unter einem Glassturze 
im Museum zu Genua. Zwei schone Geigen von ihm 
besitzt Th. Hammerle in Wien, eine von 1730 W. Tol- 
stopjatow in St. Petersburg, andere Kathleen Parlow, 
Dr. Welti in Bern, Architekt E. Heman in Basel, Prof. 
F. Berber, Dr. Hallgarten und Baron von Zwehl in 
Miinchen 1 ). — Die Geschichte der Familie der Guar- 
neri einigermafien klargestellt zu haben, ist ein be- 
sonderes Verdienst de Piccolellis, der eine ganze Reihe 
bisher unbekannter Urkunden beigebracht hat. 
Geigenzettel : Joseph Guarnerius / Alumnus Andreae 
Gisalberti / fecit Cremona, 1 706 (gedruckt) und Abb. 
247, 248 und 269. 

Guarneri, Giuseppe Gian Battista (»Joseph 

Guarnerius«). — Cremona. Geb. 22. Nov. 

1666, f wahrscheinlich nach 1738 

Jiingster Sohn von Andrea, dessen Schiiler und Nach- 
folger er war, den er aber weit iibertroffen hat. 1690 
vermahlte er sich mit Barbara Franchi (f 1738), aus 
welcher Ehe sechs Kinder hervorgingen, drei Tochter 
und drei Sonne, von denen nur einer, Pietro, Geigen- 
bauer wurde. Seine Geigen zeigen sehr verschiedene 
Modelle. Am besten charakterisiert man sie damit, daB 
man sagt, sie stellen den Ubergang von Amati und 
Andrea G. zu G. del Gesu dar. Seine Arbeit ist auBerst 
sorgfaltig. Das Modell ist klein, in der Brust ziemlich 
schmal und gehort ihm ganz allein an. Charakteristisch 
sind die langen Biigel, die seinen Geigen fast das Aus- 
sehen der Patrons »allonge« von Stradivari verleihen. 
Sein (wie auch del Gesus) Deckenholz zeigt nach auBen 
zu breitere Jahresringe, die nach der Mitte zu enger 
werden. Das Bodenholz ist auch bei ihm oft tigerfell- 
artig, breit geflammt (wie bei G. del Gesu). Die Stel- 
lung der F-Locher wechselt manchmal bei seinen 
Geigen, was nur darauf schlieBen laBt, daB er damit 
Versuche anstellte und bestimmte Ziele verfolgte. 
Kommen neben unvergleichlich schon ausgefiihrten 
Geigen auch solche vor, die die Sorgfalt da und dort 
vermissen lassen, so findet das bei ihm, wie bei 
tausend andern Geigenmachern, die naheliegende Be- 
grtindung, daB die Besteller billigere Geigen verlangt 
hatten. Der wundervolle Lack ist goldgelb oder hell- 
braun und manchmal in jenem eigentiimlichen Zu- 
stande, den Kenner und Geigenmacher gerne als »zer- 
ronnen« bezeichnen. Man findet dies bekanntlich auch 
bei dem Lack von C. Bergonzi und D. Montagnana. 
Erscheint dieser »zerronnene« Lack auch auf den ersten 
Anblick rauh oder gar undurchsichtig, so gewinnt er 
doch, sobald man das Licht in anderer Richtung darauf 
fallen laBt, das ganze Feuer und die Durchsichtigkeit 
der glatten Stellen. Gerade der zerronnene Lack ist 
unnachahmlich, und selbst so" geschickte Nachahmer 



l ) Eine moglichst vollstandige Liste der erhaltenen 
Arbeiten dieses Meisters ware recht wiinschenswert^ 



Giilich 



187 



wie Lupot, Vuillaume oder Fr. Coussin in Neuf- 
chateau haben sich vergeblich bemtiht, durch plotz- 
liches Trocknenlassen einer diinnen Lackschicht und 
schroffe Temperaturwechsel feine Risse zu erzeugen, 
die dann nochmals iiberfimifit wurden. Von weitem 
sehen solche Lackierungen wohl wie »zerronnen« aus, 
in der Nahe betrachtet erkennt man aber leicht das 
regelmafiige Gitter, das dem Gemaldefreund als 
Craquelure bei auf Holz gemalten Bildem hinlanglich 
bekannt ist und das mit dem zerronnenen Lack niemals 
identisch ist. Joseph G. ist nachst G. del Gesii der beste 
Meister aus seiner Familie, und wenn jemand, so war er 
(wie auch Hart meint) der Lehrer seines grofieren 
Vetters. Eine schone Geige von ihm besitzt Th. Ham- 
merle in Wien, andere Sir Robert Berwick und Konzert- 
meister Anton Huber in Miinchen, ein prachtvolles 
Violoncello von 1732 Prof. Georg Wille in Dresden. 
Geigenzettel : Abb. 293. 

Guarneri, Pietro (I) Giovanni. — Cremona, 
Mantua. Geb. 18. Febr. 1655 in Cremona, 
f nach 1728 

Erstgeborener Sohn von Andrea G., bei dem er bis 1680 
blieb.nachdem er sich schon 1677 mitCaterinaSussagni 
verheiratet hatte. Spater lieft er sich in Mantua nieder 
und kam nur noch einmal im Jahre 1698 nach Cremona 
zuriick, wahrscheinlich veranlafit durch die schwere, 
mit dem Tode endigende Krankheit seines Vaters. In 
dieser Zeit arbeitete er fiir seinen Bruder Giuseppe. 
Dafi er zuletzt in Venedig ansassig gewesen und dort 
ganz heruntergekommen sein soil, beruht wohl auf einer 
Verwechslung mit seinem Neffen Pietro (II). Man 
wollte ihn friiher fiir einen Amatischiiler halten, doch 
hat er wahrscheinlich bei seinem Vater gelernt. Er war 
ein sehr begabter Geigenmacher, aber ein etwas un- 
ruhiger Geist, was ihn verhindert haben mag, voll aus- 
zureifen. In der Form weichen seine Geigen bedeutend 
von denen seines Vaters und Bruders ab, ja er machte 
sogar Versuche, neue Formen zu finden, wofiir eine 
noch erhaltene Altviola von 1698 spricht, bei der er die 
Ecken weggelassen hat, also dasselbe tat, was spater u. a. 
Chanot getan hat, der eine ganz neue Erfindung damit 
gemacht zu haben glaubte. Sonst ist sein Modell sehr 
schon und grofi, die F-Locher sind breit und rund und 
halten die Mitte zwischen Amati und Stradivari, 
wahrend die )( mehr an Nic. Amati erinnern; die 
Schnecke ist breit und hat einen originellen Zug, und 
die Einlagen sind sehr schon. Die Wolbung nahm er 
bei breiter Brust ein wenig zu hoch, weshalb auch der 
Ton seiner Geigen, so edel er an sich genannt werden 
mufi, oft nicht allzu grofi ist. Das Holz ist in der Regel 
sehr schon und der blafirote oder braungelbe Lack vor- 
trefflich. Seine Arbeit ist manchmal barock und nicht 
immer sehr genau, und wenn dies bei ihm die Schonheit 
des Tons nicht beeintrachtigt, so scheinen die recht zu 
haben, die behaupten, daG es doch ein Geheimms der 
Cremoneser gab, von dem eben der Ton abhangig war. 
Eine aus Venedig(?) datierte Violine von ihm befand 
sich nach der Mitteilung des Geigenmachers Meth- 
fessel in Wien in Privatbesitz. Eine tadellos erhaltene 
halbe Violine von ihm aus dem Jahre 1696 besitzt 
Heinrich Doevenspech in Diisseldorf. — Eine schone 
Violine von ihm aus dem Nachlasse ihres Vaters, des 



trefflichen Malers Prof. Gussow, besitzt Frau Prof. 
Dr. v. Fritze in Berlin 1 ). 

Geigenzettel : Revisto e coretto da me Pietro Guarneri / 
Cremonese in Mantova 1697. (gedruckt) und Abb. 278. 

Guarneri, Pietro (I I).— Venedig. Geb. 14. April 
1695 in Cremona, f nach 1760 in Venedig 
Sohn von Giuseppe (»Joseph«) G. und Schiiler seines 
Vaters. In seinen reiferen Jahren schloB er sich mehr an 
seinen Oheim Pietro an und machte recht hubsche 
Geigen nach dessen Modellen, weshalb man ihre Ar- 
beiten leicht verwechselt. In seinen letzten Jahren soil 
es ihm sehr schlecht gegangen sein. Sichere Arbeiten 
von ihm beweisen, dafi er seinem Namen alle Ehre 
machte. Universitatsprof. Dr. Disselhorst in Halle a. S. 
besitzt eine prachtige Violine von ihm aus dem Jahre 
1751, groBes flaches Modell mit charakteristischen 
grofien F-Lochern und leuchtendem braunen Lack. 
Das Deckenholz konnte schoner sein, die Arbeit aber 
ist tadellos, und im Tone kommt die Violine den 
besten Cremonesern gleich. Auch die Schnecke ist 
grofi und schwungvoll in den Linien. — Auch der Kgl. 
Opernsanger Gustaf Sjoberg in Stockholm hat eine sehr 
gute Violine von 1719 von ihm. Ein dritter Pietro G. 
soil 1720—1750 in Mantua gelebt haben. 
Geigenzettel : Abb. 253 und 270. 

Guarneri, Ubaldo. — Cremona. 1683 

Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie G., das 
Valdrighi (Nr. 4218) aufzahlt. Er vermutet in Ub. G. 
einen Sohn Andreas. 

Gudi, Hieronimo. — Cremona. 1726. 1727 
Ein Meister von hervorragenden Fahigkeiten, der jung 
gestorben sein mufi, da er sonst bekannter ware. Vidal 
macht auf eine herrliche Viola d'amore von ihm auf- 
merksam, die sich in der Sammlung Gautier in Nizza 
befindet: prachtvolles Holz, meisterhafte Arbeit, gold- 
gelber Lack, edler Ton, Frauenkopfchen am Wirbel- 
kasten. Eine schone Geige von ihm besitzt das Cister- 
zienserinnenkloster Oberschonenfeld bei Augsburg. 
Auch Kammermusiker W. F. Borsche in Hannover be- 
safi eine gute Violine von ihm (mit einer leider er- 
neuerten Schnecke). 

Geigenzettel: Hieronimo Gudi da Cremona 1727 (ge- 
druckt). 

Guedon, Jacques Antoine. — Paris. 1755. 1783 
Er wohnte erst Rue de la Tissanderie (1775,77), spater 
Rue Barillerie (1779/83) und gehort nicht zu den her- 
vorragenden Meistern. 

Giilich, Johann.— Mannheim. 1794. f 27.Marz 
1837 

Sohn von Math. G. und sein Nachfolger. Er diente zu- 
erst in der k. k. Armee, und als er im Jahre 1794 nach 
Mannheim zurikkkehrte, sollte er zum pfalzischen 
Militar eingezogen werden. Intendant v. Dalberg 

*) In der Reihe der Manner, die sich ernsthaft mit der 
Erforschung des altitalienischen Geigenlacks beschaftigt 
haben, nimmt Prof. Gussow einen hervorragenden Platz 
ein, und mehrere der besten Arbeiten von Riechers tragen 
Gussowschen Geigenlack. 



Giilich 



machte dagegen geltend, dafi Johann G. wegen »merk- 
lichen Leibesschadens« zum Kriegsdienst untauglich 
sei, und fur den alten Vater den Dienst als Kalkant 
(Orchesterdiener) versehen miisse. Im Jahre 1800 iiber- 
nahm er die vaterliche Werkstatt und im Jahre 1801 
wurde er als Kalkant mit 200 fl. Gehalt fest angestellt. 
Von da an geriet er oft in einen Widerstreit zwischen 
seinem eigentlichen Berufe und seinem Amte, da er 
dem einen nur nachkommen konnte, wenn er das andere 
vernachlassigte. Seine Stelle scheint er dann schon vor 
1817 aufgegeben zu haben, aber er brachte es trotz 
allem FleifJe zu keinem Vermogen und besaG aufier 
seinem auf 350 Gulden geschatzten Hause, das er mit 
dem Gelde seiner 1806 verstorbenen ersten Frau ge- 
kauft hatte, keine irdischen Guter. Eine aus dem 
Theaterorchester stammende Geige von ihm besitzt 
das Altertumsmuseum in Mannheim. Das Theater- 
orchester besafi noch 1820 fiinf Violinen von ihm aus 
den Jahren 1804 — 181 l.zwei von 1812 und ein im Jahre 
1804 von ihm verkleinertes Violoncello (von Rauch). 
Geigenzettel : Johann Giillich, Lauten- und / Geigen- 
macher Mannheim 180. (gedruckt). 

Giilich (Gylig), Mathias. — Mannheim. Geb. 
um 1714, f im August 1803 

Er wird zuerst im kurpf. Hofkalender 1763 als Lauten- 
macher und kurpfalzbayrischer Hof-Lauten- und 
Geigenmacher (Instrumentenmacher) erwahnt, und 
diente seit 1 774 bei der Hofmusik und der franzosischen 
Komodie als »Kalkant«, wofiir er seit 1779 ein Gehalt 
von 150 fl. bezog, dabei aber die Saiten hefern und die 
Instrumente ausbessern mufite. Er selbst unterschreibt 
ein Gesuch von 1782 mit Matthaus Gilig, auf seinen 
Zetteln nennt er sich Mathias Giilich, in Urkunden 
erscheint auch Gylig, und der bayrische Hofkalender 
von 1798 macht gar Gygli daraus. Dafi er mit der 
bayrischen Hofmusik nach Miinchen iibergesiedelt ist, 
erscheint unwahrscheinlich. Die Ubersiedlung fand 
1778 statt, wahrend sich Giilich nachweisbar dauernd 
in Mannheim befand. Alt geworden und vom Schlage 
getroffen, geriet er in Diirftigkeit und fand dann im 
Mannheimer Borromausspital seit 1800 eine letzte Zu- 
flucht. Sein Sohn iibernahm damals die Werkstatt. — 
In den Sammlungen des Mannheimer Altertumsvereins 
befindet sich eine 1776 von ihm reparierte Viola da 
Gamba mit seinem Zettel. Eine Violine von 1779 und 
eine Altviola von 1776 besafi nach den Theaterakten 
des Mannheimer Stadtarchivs (»Verzeichnis der am 
15. Nov. 1820 dem Kalkanten Karl Mann ubergebenen 
Orchesterinstrumente«) das Mannheimer Theater. 
Geigenzettel: Mathias Giilich Lauden- und Geigen 
macher in Mannheim 17 . . (gedruckt). 

Guenet. — Bourg. 1850 

Ein Uhrmacher, der einige Drehleiern (Viellen) ge- 
macht hat. 

Giinther, Franz. — Halle, Potsdam, Berlin, 
Zurich, Tiengen. Geb. 13. Oktober 1857 in 
Radegast (Anhalt-Cothen) 

Sohn von Georg G. Im Jahre 1871 kam er zu Ludw. 
Bausch nach Leipzig in die Lehre und lernte nach dem 



Tode seines Meisters bei seinem Vater ans; von 1878 
bis 1880 arbeitete er bei seinem Bruder in Magdeburg, 
dann bis 1886 in Halle, wo er sich auch nach dem Tode 
seines Vaters selbstandig machte und bis Ende Sep- 
tember 1893 blieb. Am 1 . Oktober 1893 siedelte er nach 
Potsdam iiber und iibernahm 1894 das Grimmsche Ge- 
schaft in Berlin, das er bis 1901 fortfuhrte. Seine 
Geigen sind nach Stradivari gemacht, der Rand nach 
Vuillaume (also nicht abgerundet). Bis 1898 verwendete 
er Spirituslack, seitdem Lasurolfarben aus Tuben und 
als letzten Uberzug Schellack. Decke und Boden 
stimmte er nach eigenem System ab. Auf der Berliner 
Musikausstellung 1898 erhielt er fur seine Geigen und 
Bogen die goldene Medaille. Seine Zettel sind meistens 
handschriftlich. Um den altitalienischen Geigenlack zu 
erforschen, ging er auf Prof. J. Joachims Rat nach 
Mailand und hielt sich dann langere Zeit in Zurich auf. 
Die Kriegsereignisse fiihrten ihn in die Heimat zuriick 
und verschlugen ihn zuletzt nach Tiengen an der 
Schweizer Grenze, als er diese nicht mehr iiber- 
schreiten durfte. Er ist iiberzeugt, die Arbeitsweise der 
alten Cremoneser vollkomrnen erforscht zu haben und 
legt auf den Lack ein Hauptgewicht. 

Geigenzettel: Verfertigt von Franz Giinther, / Berlin, 
d (gedruckt). 



• Radegast, Halle a. S. 1853, 



Giinther, Georg. - 
t 1886 

Schiiler von L. Bausch in Leipzig. Im Jahre 1853 
machte er sich selbstandig und siedelte 1865 nach Halle 
iiber. Solide Arbeit, langliches Patron, dunkelbrauner 
Lack. Die Wolbung zeigt stellenweise einen hartlinigen 
Verlauf. Der Ton ist gut, tragt aber nicht geniigend, 
dagegen wird G. noch heute nachgeriihmt, dafi er bei 
Wiederherstellungsarbeiten verstand, den Ton wirklich 
zu verbessern. 

Giinther, Gustav. — Magdeburg, Mainz. Geb. 
1853 in Halle a. S. 

Schiiler von L. Bausch. Er erhielt auch eine um- 
fassende musikalische Ausbildung und spielt alle 
Streichinstrumente, was ihm als Geigenmacher sehr zu- 
statten kommt. Wahrend seiner Militarzeit diente er als 
Hoboist. 1879 liefi er sich in Magdeburg nieder und 
iibernahm dann 1881 die Werkstatt von A. Milch in 
Mainz. Er hat nur wenig neue Geigen gemacht, diese 
sind kraftig im Holz, nach Stradivari, und haben 01- 
und Spirituslack. Seit 1895 hat er den Neubau fast ganz 
aufgegeben, dagegen reist er jahrlich ein- bis zweimal 
nach Italien, um alte Geigen einzukaufen, die er dann 
recht gut wieder herstellt. An Stelle des Zettels ver- 
wendet er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. 
Sein Sohn und Schiiler Georg G., geb. 1893 in Mainz, 
ist gleichfalls ein tiichtiger Geigenmacher geworden 
und im vaterlichen Geschaft tatig. 

Giinther, H., lebt (1895) in Dresden 
Guerin, Alexandre Sauveur. — Marseille. Geb. 
20. Aug. 1834inHyeres 

Schiiler und Nachfolger von Edm. Daniel. Er hat sich 
fast ausschliefilich auf den Handel verlegt. 



Guerin Gutter 



189 



Guerin, Marius. — Marseille. Geb. 1871 

Schiiler von Darte in Mirecourt, arbeitete dann bei 
Gand & Bemardel und ist jetzt Teilhaber des vater- 
lichen Geschafts, in welchem er jedoch nur wenig Ge- 
legenheit hat, seinen eigentlichen Beruf auszuuben. 

Guerra, E. — Turin. 1911 

Italienischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der 
Turiner Ausstellung vertreten war. Er arbeitet nach 
verschiedenen Modellen und wendet einen roten 
Lack an. 

Guerra, Giacomo. — Modena. 1810 

Er beschaftigte sich nur aus Liebhaberei mit dem 
Geigenmachen, trieb aber ernsthafte Studien und hat 
einige recht gute Geigen gemacht, die kastanienbraun 
lackiert sind. Auch auf anderen Gebieten machte er 
allerlei hubsche Erfindungen. 

Guerra, Jose Maria, lebte um 1837 und 1839 

als Lautenmacher in Cadix 
Guerrero, Juan. — Malaga. Mitte des 18. Jahr- 

hunderts 

Ein besserer Lautenmacher, von dem sich eine spa- 

nische Gitarre aus der Sammlung Snoeck (Nr. 345) 

in Berlin befindet. 

Geigenzettel : Juan Guerrero me fecit en Malaga / en 

el anno de 175 . . (gedruckt). 

Guerrini, Giuseppe. — Siena. 1813 

Er war Geigenmacher und gait als sorgfaltiger Arbeiter. 

Guersan, Louis. — Paris. Geb. um 1713, f um 

1781 

Er ist der einzige aus seiner Familie, die angebllch 
mehrere Geigenmacher zahlte, der einen gewissen 
Ruhm erlangte. Erst Schiiler von CI. Pierray, wurde er 
spater auch dessen Nachfolger. Er war jedenfalls ein 
Meister von seltener Handgeschicklichkeit, der alles zu 
machen verstand, was das Auge befriedigte, Zedern- 
holz zu den Verzierungen verwandte und hubsche 
Schnecken und Kopfchen schnitzte ; nur in bezug auf den 
Ton bleiben seine Arbeiten hinter alien Erwartungen 
zuriick. Diese Tatsache war ihm zweifellos selbst be- 
kannt, denn er machte zeitlebens V.ersuche, die Wol- 
bung, das Starkeverhaltnis von Boden und Decke zu 
andern, ohne zu einem giinstigeren Ergebnis zu 
kommen. Bis zu einem gewissen Grade mag auch sein 
harter, trockener Lack, der leicht abspringt, den Ton 
verschlechtert haben: — es war dies ein SpiritusUck, 
dessen Einfuhrung in den franzosischen Geigenbau 
ihm geradezu zugeschrieben wird. Am besten gelangen 
ihm seine Violen. Er fand im Leben alle denkbare An- 
erkennung, war geschworener Zunftmeister fur 1748 
usw. und zahlte Hoch und Nieder zu seinen Kunden. 
Seine Arbeit wurde nachgeahmt, so daB er auch als 
Haupt einer Schule gelten kann. Er wohnte nachst der 
Comedie Francaise in der Rue des Fosses St. Germain. 
Arbeiten von ihm besitzt das Museum des Pariser Kon- 
servatoriums, Snoeck eine Geige von 1734 und eine 
Bratsche von 1752 Getzt in Berlin), Claudius in Kopen- 



hagen ein Diskant-Quinton, eine sechssaitige Diskant- 
Viola W. Heyers musikhistonsches Museum in Koln, 
eine andere W. E. Hill & Sons, ein Quinton die Samm- 
lung Savoye, das Gothenburger Museum ein Quinton 
von 1763, auch in anderen Museen ist er meist gut ver- 
treten. Sein Schwiegersohn Antoine Saint-Paul wurde 
sein Nachfolger. 
Geigenzettel: Abb. 261, 273, 275, 290. 

Giirtler s. Guttler 

Giitler s. Guttler 

Gutter. — Markneukirchen 

Aus dieser Familie gingen als Geigenmacher hervor: 

Giitter, August Moritz. — Geb. 12. Nov. 1857 
Gutter, Carl August I. — Geb. 23. Nov. 1801 , 

f 25.0kt. 1874 
Gutter, Carl August II. — Geb. 22. Dez. 1802, 

t 7. April 1862 
Gutter, Carl August III. — Geb. 26. Juni 1 823 
Gutter, Carl Friedrich. — Geb. 28. Febr. 1 756, 

f 26. Jan. 1830 

Sohn von Georg Adam G. Er wohnte zuletzt in Wohl- 

hausen und war nicht ungeschickt. 

Geigenzettel: Carl Friedrich Gutter , Violinmacher 

1780. (gedruckt). 

Gutter, Carl Gottlob. — Geb. 28. Juli 1797, 

t 15. Jan. 1865 
Gutter, Carl Hans. — Geb. 26. Juni 1872 
Gutter, Christian August. — f 1900 

Erfinder der Akkordzither. 

Giitter, Christian Wilhelm, Sohn von Carl 
Friedrich G. — Geb. 28. Mai 1786, soil in 
Wohlhausen gestorben sein 

Gutter, Ernst Ludwig. — Geb. 28. Juli 1867 

Gutter, Friedrich Wilhelm. — Geb. 20. April 
1862 

Gutter, Georg Adam I. — Geb. 1705, f 1757 

Sohn und Schiiler von Johann G. Er wurde am 7. Juli 
1743 als Meister in die Zunft aufgenommen und hat bis 
dahin wohl bei seinem Vater als Geselle gearbeitet. 
Wenn er im Zunftbuch der »jungste Sohn des Vor- 
meisters« genannt wird, so muB dies ein lrrtum des 
Schreibers sein, da nach den Kirchenbuchern Georg 
Adam der alteste Sohn war. 

Geigenzettel: Georg Adam Gutter Neukirchen 1749. 
(gedruckt). 

Giitter, Georg Adam II. — Geb. 1726, 
f 26. Sept. 1811 im Alter von 85 Jahren 
3 Monaten und 5 Tagen 

Sein Sohn war: 



190 



Gutter Gufle 



Gutter, Georg Adam III. — Geb. 6. Juni 1761, 
f I.Febr. 1829 

Von ihm gibt es Geigen, die aus den neunziger Jahren 
des 1 8. Jahrhunderts stammen und Wien als Ursprungs- 
ort nennen. Es gelang mir nicht, irgend etwas iiber seine 
dortige Anwesenheit festzustellen. Es ist daher wahr- 
scheinlich, daft er, wie andere Vogtlander Prag oder 
Cremona usw., Wien angegeben hat, ohne je dort ge- 
wesen zu sein. Sein Lack war dunkelbraun, die Arbeit 
gewohnlich, Schnecke und F-Locher unschon. Er ver- 
wendete auch die Brandmarke -;}; G. i\c A^G $£, die 
vielleicht schon sein Vater gebraucht hatte. (Nr. 23.) 
Geigenzettel: Georg Adam Gutter / Violinmacher in 
Wien. ]791.(gedruckt). 

Gutter, Gustav Anton. — Geb. 30. Febr. 1856, 

f 8. Mai 1896 

Giitter, Heinrich, ist seit 1896 in Breslau an- 
sassig 

Gutter, Johann. — Geb. um 1690, f nach 1751 
Er wurde am 28. Dezember 1712 Meister, nachdem 
ihm auf Fiirsprache des Landesherm die Wanderjahre 
erlassen waren. Er gait als tiichtiger Geigenmacher und 
war mindestens von 1743 — 1751 Vormeister der Neu- 
kirchener Zunft. Sein Sohn war: 

Giitter, Johann Adam. — Geb. um 1726, f um 
1760 

Sohn von Joh. G. Er diente lange bei der Miliz und be- 
warb sich ziemlich gleichzeitig mit dem wohl beim 
gleichen Regiment dienenden Chr. Gotthilf Fischer um 
die Aufnahme in die Zunft. In Anbetracht seines Sol- 
datenstandes wurde ihm die Gebiihr fur einen Meisters- 
sohn auf die Halfte ermaftigt und er am 5. Juni als 
Meister aufgenommen, nachdem sein Hauptmann sern 
Einverstandnis ausgesprochen hatte. 

Giitter, Johann Georg I. — Geb. 6. Jan. 1759, 
f25.Marz 1829 

Sohn von Georg Adam 1 1 . G. Einer der besten Geigen- 
macher aus seiner Familie. Er soil um 1799 auch in 
Erfurt gearbeitet haben. 
Geigenzettel: Abb. 317. 

Giitter, Johann Georg II. — Geb. 24. Febr. 
1781, f 12. Juni 1820 

Sohn von Carl Friedrich G. 
Giitter, Johann Gottlob. — Geb. 18. Juli 1766, 
t 26. Jan. 1845 

Geigenzettel: Johann Gottlob Guetler / Violinmacher 
in Neukirchen bey / Adorf im Voigtlande 1797. (ge- 
druckt). 

Glitter, Johann Heinrich. — Geb. 20. Okt. 
1800, fin Amerika 

Einer der Begriinder des vogtlandischen Exports nach 
Amerika. 



Gutter, Moritz. — Geb. 1857 

Er arbeitete bei Bausch in Leipzig, Entzoe und Diehl, 
ging nach Warschau und von da nach London. Auf der 
Heimreise starb er 1883 in Oberhausen a. Rh. 

Gutter, Richard Moritz. — Geb. 1 6. Febr. 1 840 
Er ging in jungen Jahren nach Amerika und starb in 
New York. 

Gutter, Wilhelm Ernst. — Geb. 1 840, f 7. Marz 
1897 

War hauptsachlich Bogenmacher. 

Giitter, Julius. — Philadelphia. Geb. 30. Sept. 
1872 in Mark neukirchen 

Sohn des Stegfabrikanten Adolph G., Schiiler seines 
Schwagers Wilh. Ernst Martin, arbeitete dann bei 
J. Glass in Leipzig und Holm Viertel in Aachen und 
ging, 20 Jahre alt, nach Amerika, wo er zunachst bei 
Albin Voigt in Philadelphia tatig war und sich dann 
1893 selbstandig machte. Seine angeborene Begabung, 
seine gute Schule und sein FleiG liefien ihn schnell zu 
einem trefflichen Meister heranreifen. Besonderes Ge- 
schick entwickelte er im Verbessern des Tons alter 
Geigen. Er arbeitet nach Stradivari und verwendet 
einen sehr guten Ollack von rothcher oder hellbrauner 
Farbe. Seine aus bestem alten Holz gebauten Geigen 
tragen als Brandmarke seinen Namen. 

Guttler (Cutler), Franz X. — Wien. Geb. 1857 

Schiiler von C. Schmidt in Wien, bei dem er von seinem 
dreizehnten bis zu seinem neunzehnten Jahre blieb. Er 
arbeitete dann als Gehilfe bei verschiedenen Geigen- 
machern und liefi sich nach Beendigung seiner Militar- 
zeit 1889 in Wien nieder, wo er seine eigene Werkstatt 
eroffnete. Er ist namentlich ein sehr guter, fleifiiger 
Reparateur. 

Guttler (Giirtler), Johann Michael. — Breslau. 
1709 

Ein wahrscheinlich aus Fiissen stammender Meister. 
Baron sagt von ihm: »Die Bresslauer Lautten sind auch 
nicht zu verachten und hat daselbst . . . Joh. Mich. 
Guttler aber meist auf einen starken Thon gesehen«. 
In der furstlich Lobkowitzschen Sammlung auf SchloB 
Raudnitz befindet sich eine schlecht erhaltene Laute 
von ihm mit dem Zettel: Johann Michael Guttler / 
Lauten- und Geigenmacher / in Breslau anno 1 709 (ge- 
druckt). 

Gufler, Rochus. — Brixen a. E. 1679 

Wie Dr. Fr. Waldner in seinen Nachrichten iiber 
tirolische Lauten- und Geigenmacher, S. 54, mitteilt, 
besitzt Advokat Dr. Jos. Hell in Glurns eine Viola mit 
groftemTon von eigenartiger Klangfarbe. Die F-Locher 
stehen nahe beisammen, die Arbeit ist nicht sehr kunst- 
voll. 

Geigenzettel: Rochus Gufler / zu Brixen an, 1679. 
(geschrieben auf Pergament). 



Guggemos — Gusnasco 



191 



Guggemos, Markus. — Fiissen. 1759. 1791 
Seine Geigen sind hochgewblbt und halten zwischen 
Stainer und M. Alban die Mitte. Das Holz ist gut, bei 
den Decken gewohnlich weitjahrig, der Lack dunkel- 
braun, mager und glanzlos. Der Ton bei gut erhaltenen 
Instrumenten recht gut. 
Geigenzettel : Abb. 262. 

Guglielmi, Gio. Battista. — Cremona. 1747 
Einer der kleineren Cremoneser Meister. Seine Geigen 
kommen selten vor und sind ziemlich sorglos nach 
Amati gemacht. 

Guibourg. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot die 
folgenden Namen aufzahlt : 
Henry G. — 1744. 1775 
Joseph I G.- 1744. 1763 
Joseph II G. — 1766 
Joseph III G.— 1744. 1775 

Remy I G. — Bruder von Joseph I. + 19. Marz 1779 
Remy II. — Geb. I4.Nov. 1763. 

Guidantus, Antonio 

Niederheitmann u. a. erwahnen einen Antonio Gui- 
dante; es ist dies wohl ein erfundener Name, der ein 
Mitglied der Familie Florenus (»Guidante FIorenus«) 
fingiert. 

Guidantus s. Florenus 
Guide, Joseph. — Mirecourt. 1763. 1770 
Nur dem Namen nach bekannt. 

Guillami, Joannes. (Vater und Sohn.) — Bar- 
celona. 1742. 1760 

Scheme Arbeit nach Stradivari, meist hohe Wolbung, 
roter, etwas harter Ollack. Der Vater erinnerte in der 
Arbeit an die Gaglianischule. Auffallend sind die 
Schnecken mit dickem, nicht geschweiftem Wirbel- 
kasten. Es soil iibrigens drei Geigen- und Lauten- 
macher dieses Namens gegeben haben, die von 1680 
bis 1780 arbeiteten. 

Geigenzettel : Joannes Guillami me fecit / en Barcelonae 
1742(gedruckt). 

Guillani, Sanctus? — Rom. 1710 

Von einem Geigenmacher wurde mir die nachstehende 

Abschrift eines Zettels mitgeteilt. Sollte es nicht richtig 

Santagiuliana heiflen? 

Geigenzettel: Sanctus Guillani / fecit Rom 1710 (ge- 

druckt). 

Guillaume, Francois. — Paris. 1783. 1789 
Er war nur Harfenmacher, hat jedoch auch einige 
Gitarren gemacht. Eine solche besaft die Marquise de 
Marbeuf (vgl. Brunis Inventaire). Er wohnte erst Rue 
de l'Universite und dann Rue de Beaune. 

Guillemin, Felix I. — Mirecourt. f 1743 

Man kennt bis jetzt nur seinen Namen. Dasselbe ist der 
Fall bei seinem Sohne Felix II, der 1745—1748 nach- 
weisbar ist. 



Guinobaldi. — Nizza. 1900 
Mandolinenmacher. 

Guinot. — Mirecourt 

Den Forschungen A. Jacquots verdankt man die 
Namen folgender Mitglieder dieser Familie: 

Claude-Nicolas G. f 1 784, Bogenmacher, Vater des 

1 772 vorkommenden Bogenmachers Jean G. 

Joseph I. — 1761. 1768. Geigenmacher. 

Joseph II G.— 1764. 1774. 

Guinot, Nicolas. — Paris. 19. Jahrhundert 
Schwager von Nicolaus Maire. Seine Arbeit ist nicht 
ubel, nur der braune Lack etwas zu dunkel. Am besten 
gelangen ihm seine Violoncelli. 

Guntzer, Max. — Stuttgart. Urn 1600 

Ein Musikinstrumentenmacher, der wahrscheinlich 
auch Lauten gebaut hat. Bekannt ist nur, daB er dem 
jungen Herzog Achilles Friedrich von Wurttemberg ein 
Clavichordium Iieferte. 

Gurski, Anton. — Kiew. Geb. nach 1830, 
f 1909 in Kiew 

Ein Autodidakt, der keine Gelegenheit hatte, wirklich 
gute Geigen kennenzulernen. Seine Arbeiten waren 
daher recht mangelhaft. Er hat nur sehr wenige neue 
Geigen gemacht. 

Gusetto, Nicolo. — Cremona. 1785. 1828 
Aus Florenz stammend. Seine Arbeit erinnert fast mehr 
an deutsche als an italienische Vorbilder. Die Ecken 
sehr hervorstehend, sehr breite (nicht besonders ge- 
schickt gemachte) Einlage, Decke ungleichmafiiges 
Holz mit engen und weiten Jahren, Wolbung nicht 
sonderlich schon, hohe Zargen, oben und unten 32 mm 
hoch, schmale Reifchen, Boden sehr wenig geflammtes 
Ahornholz mit vielen Spiegeln. Eigenartige hubsche 
Schnecke mit kiihn durchlaufendem Mittelpunkt. Die 
Seiten ziemlich flach, sehr gewohnliche F-Locher, 
brauner Spirituslack. Eine hochgewolbte, in schwung- 
vollem Umrifi sauber gearbeitete Violine von auffallend 
kurzem Korper mit kurzen F-Lochem, tief ausge- 
stochener elliptischer Schnecke und rotgelbem Lack 
befindet sich in der Sammlung K. Friedrich in Posen. 
Der Besitzer liest den Namen allerdings Nicol. Gir- 
gitto. Es kommen Zettel mit sehr friihen Jahreszahlen 
vor, bis 1728, die wahrscheinlich dadurch entstanden 
sind, daG die Zahl 7 der vorgedruckten Jahrhundertzahl 
mit einer 8 uberschrieben war, was spater von Handlern 
beseitigt oder auch von Gusetto selbst iibersehen 
wurde. 

Geigenzettel: (?) Nicolaus Gusetto Fiorentinus, / Mu- 
sicus Instrumentalis/ a Cremona. Ao. 1785 (gedruckt). 
Nicol : Gusetto Fiorentino / Fabbricante di violini, Cre- 
monae (geschrieben) und Abb. 311. 

Gusnasco, Lorenzo. — Pavia, Venedig. 1500 
Ein sehr angesehener Musikinstrumentenmacher, den 
u. a. Alessandro Luzio in »I1 lusso d'Isabelle d'Este 
(Nuova Antologia 1896, Heft 147, 148, 149), ferner in 
»La Coltura d' Isabella d'Este« (Giornale storico della 
litteratura ital. 32 — 40 u. 42) erwahnt. Er verkehrte als 



192 



Gutermann Gutke 



Gleichgeschatzter mit den besten Ktinstlcrn, und so 
konnte er am 13. Marz 1500 an Isabella von Mantua 
schreiben, dafi ihm Leonardo da Vinci ihr wundervoll 
gemachtes Bildnis gezeigt habe. Das Ausfiihrlichste 
iibcr ihn findet sich in Carlo dell Acquas »Lorenzo 
Gusnasco e i Lingiardi da Pavia, Mailand 1 886 «. 

Gutermann, Wilhelm Theodor. — Wien. Geb. 
22. Aug. 1828 in Miinchen, f 8. Juni 1900 in 

Admont 

Die Heimat seiner Familie war Biberach, woher auch 
Sophie Laroche, geb. Gutermann, die Freundin Wie- 
lands, stammte. Er lernte bei Engleder, arbeitete dann 
bei Tieffenbrunner und diirfte bei diesem auch das 
Zithermachen griindlich erlernt haben. Nachdem er bei 
der Witwe Stecher in Salzburg tatig gewesen, wanderte 
er welter und kam bis Prag und Budapest. In Wien 
fand er zuerst bei Anton Kiendl als Zithermacher Be- 
schaftigung und kam dann zu Anton Hofmann, bei dem 
er von 1851 — 1866 blieb und fur den er auch noch 
arbeitete, nachdem er sich bereits selbstandig gemacht 
hatte. In seine Anfangszeit fallt seine Verbindung mit 
Dr. Liharzik, der ein neues Modell berechnet hatte. 
Da Dr. Liharzik aber schon friihzeitig starb, diirfte es 
nur wenige Geigen nach seinem Modell geben. Diese 
tragen beim Knopfchen die Brandmarke: K. K. (osterr. 
Adler) Priv. / Liharzik. Die Liharzik-Geigen hat G. 
ganz eigenhandig gemacht; viele Geigen mit Hofmanns 
Zettel sind seine Arbeit, wahrend die Geigen, Violen 
und Violoncelli, die spater aus seiner Werkstatt hervor- 
gingen, unter der Mitarbeit seiner Gehilfen, zu denen 
Bartek, Szepessy, Sandner, Herm. Voigt, Jaura u. a. 
gehorten, entstanden sind. Seine Arbeit war von pein- 
lichster Sauberkeit; er war sehr geschickt im Lackieren 
und bevorzugte einen durchsichtigen, feurigroten Lack. 
FiireineGeigeerhielt er durchschnittlich 60 fl., fur em 
Violoncell 100 fl. Er war ein streng rechtlicher, auf- 
richtiger Mann, der niemand zu Liebe je von seiner 
Uberzeugung abwich. Bei alten Instrumenten legte er 
mehr Gewicht auf die tadellose Erhaltung und die 
Schonheit als auf den Ton; verdorbene Instrumente 
hielt er nicht der Miihe einer Wiederherstellung wert 
und hatte dabei gewiB sehr oft nicht unrecht. Im Jahre 
1 887 war er stellvertretender Genossenschaftsvorsteher. 
Seit 1898 krankelte er, bis ihn der Tod zwei Jahre 
spater erloste. — W. Th. Jaura war sein einziger Schuler. 
Geigenzettel: Abb. 309. 

Guterrez, Manuel, lebte um 1832 als Lauten- 
macher in Sevilla 

Guth, August. — Breslau. Antwerpen. Geb. 
10. Januar 1840 in Pilsnitz bei Breslau, f 16. 
September 1912 in Hoboken bei Antwerpen 
Schuler von Ludwig Bausch. Als Sohn eines Ober- 
forsters hatte er schon als Kind Gelegenheit, sich eine 
gute Holzkenntnis anzueignen. Als sein Vater einmal 
eine Jahrmarktsgeige heimbrachte, erwachte in ihm die 
Liebe zur Musik, und er ruhte nicht eher, als bis er 
nach diesem Vorbild sich selbst eine spielbare Geige 
angefertigt hatte. Er war damals 12 Jahre alt und sein 
Vater erblickte darin eine besondere Begabung fur die 



Tischlerei und gab ihn spater auch wirklich zu einem 
Tischler in die Lehre. Da er sich nebenbei zu einem 
guten Geiger entwickelt hatte und als solcher vielfach 
in Anspruch genommen wurde, lernte er viele Musiker 
kennen, diebessere Instrumente hatten alser; er begann 
wieder Geigen zu machen, und nachdem er ausgelernt 
hatte, sattelte er um und ging nach Leipzig zu Bausch, 
der ihn nun regelrecht ausbildete. Als Gehilfe kam er 
dann zu Grimm nach Berlin und machte sich noch in 
jungen Jahren in Breslau selbstandig, wo er bis 1888 
blieb und dann nach Antwerpen ubersiedelte. Ein guter 
Ruf ging ihm voraus und er hatte seinen Wohnungs- 
wechsel nie zu bereuen, denn er fand reichliche Aner- 
kennung. Er arbeitete ungemein gewissenhaft nach den 
besten alten Meistern, hauptsachlich nach Stradivari, 
und verwendete einen selbstbereiteten Spintuslack, 
dem er den Vorzug vor jedem Ollack gab. Auf der Ant- 
werpener Weltausstellung 1894 war er durch ein Quar- 
tett sehr gut vertreten. Eine hiibsche Violine nach 
Maggini besitzt das Antwerpener Konservatorium. Am 
Wirbelkasten brachte er gerne Lowenkopfchen an. 
Aufier seinem Zettel gebrauchte er auch eine Brand- 
marke mit A. G. und einer Lyra dariiber. Auf seinen 
Zetteln war auch sein Bildnis angebracht. 
Geigenzettel: August Guth me fecit / Antverpiae 
anno .... (gedruckt). 

Guth, Paul. — Antwerpen. Geb. 14. Juni 1881 
in Wilhelmshaven 

Sohn und Schuler von August G. Obwohl er von 
friihester Kindheit an nur Geigenmacher werden 
wollte, glaubte sein Vater, dafi er noch mehr Talent 
zum Geiger habe. Er lieB ihm eine griindliche musi- 
kalische Ausbildung zuteil werden, und sandte ihn nach 
Dortmund, wo sein Bruder als Musiker lebte, schliefi- 
lich gab er aber doch nach, und nahm ihn in seine 
Werkstatt. Hier hatte er nun reichliche Gelegenheit, 
kostbare Meisterwerke kennenzulernen und sein an- 
geborenes Talent zu entfalten. Er war eben 19 Jahre alt, 
als ihn das Ungliick traf, bei einer Lebensrettung sein 
rechtes Bein zu verlieren. Wohl erhielt er fur seinen 
Mut und seine Selbstaufopferung eine hohe Ordens- 
auszeichnung, aber er war ein Jahr lang an das Kranken- 
lager gefesselt. Wieder hergestellt ging er mit ver- 
doppeltem Eifer an die Arbeit und war der treueste Mit- 
arbeiter seines Vaters. Nach dessen Tod machte er sich 
selbstandig und hat seitdem viele Geigen von Grund 
auf und in alien Teilen eigenhandig gemacht. Er erfreut 
sich des besten Rufs und seine Instrumente kommen 
schnell in feste Hande. Er arbeitet nach alten Meistern 
und nach eigenen Modellen und gebraucht, wis sein 
Vater, einen Spirituslack von dunkelgoldgelber Farbe. 
Auch als sorgfaltigerReparateurwirder viel beschaftigt. 
Eine schone Violine von ihm besitzt E. J. Duintjer lzn. 
in Veendam. — Aufier seinem Zettel mit seinem Bildnis 
gebraucht er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. 
Geigenzettel : (Bildnis) Paul Guth, Filius Augusti / me 
fecit Antverpiae Anno 19 . . (gedruckt). 

Gutke, A. — Umea. Trelleborg (Schweden). 
1897. 1900 

Beschaftigt sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen 
und stellte in Stockholm gut gelungene Geigen aus. 



Guthn 



Hadl 



193 



Guthmann, Friedrich Wilhelm. — Klingen- 
thal. 1823. 1824 

Wenig bekannter Vogtlander Geigenmacher. 
Geigenzettel: Mstr. Friedr. Wilh. Guthmann / in 
Klingenthal 1824. (gedruckt). 

Gutmann, F. W. — Blasewitz. 1847 

Vielleicht ein Sohn des Klingenthaler Meisters F. W. 
Guthmann. Da die Einwohnermeldebiicher in Blase- 
witz nur bis zum Jahre 1863 zuriickreichen, war mchts 
Naheres iiber ihn zu ermitteln. 

Geigenzettel; F. W. Gutmann / Geigenmacher / in 
Blasewitz Dresden / 1847 (geschrieben). 

Guyot. — Mirecourt. 1747. 1761 

Er wird als Geigenmacher in den Urkunden erwahnt. 

Gygot, Antoine. — Briissel. 1801 

Man kennt bisher nur eine Geige von ihm, die ubrigens 
schone Arbeit und schmale F-Locher zeigt und in 
mancher Hinsicht an die Schule der Medard erinnert. 
Geigenzettel: Antonius Gygot / Bruxelles fecit / 1801 
(gedruckt). 

Gylig (Gygli) s. Giilich 

Haas, Leopold. — Weitra. 18. Jahrhundert 
Den alteren Wiener Meistern nahestehend. Eine kleine 
achtzehnsaitige Mandoline von ihm besafi das Stift 
Herzogenburg, das diese 1826 der Sammlung der Ge- 
sellschaft der Musikfreunde in Wien schenkte. Der 
Handschrift auf seinem Zettel nach konnte man ihn 
vielleicht noch in das 17. Jahrhundert setzen, die Arbeit 
aber sieht wesentlich jiinger aus. 

Geigenzettel: Leopold Haas Lauthen und / Gaige- 
macher in Waitra / n(achst?) Zwettl 17 . . .(?) (ge- 
schrieben). 

Haas. — Lissabon. 1810 

Prof. Dr. E. V. Wagner besafi eine gute Geige von ihm. 
Haas war vermutlich ein Deutscher und dtirfte mit dem 
im Anfang des 19. Jahrhunderts in Lissabon ansassigen 
Prazisionsmechaniker Pedro Haas identisch sein. 

Haase, Ferdinand. — Magdeburg, Ballenstedt, 
Dessau. Geb. 25. Aug. 1814 in Schauen, 
t 1892 

Da er sich schon als Kind mit dem Geigenspiel be- 
schaftigte, kam er zu einem Musiker, der auch alte 
Geigen ausbesserte, in die Lehre. Spater wurde er 
Militarmusiker in Magdeburg und trat unter Richard 
Wagner in die dortige Theaterkapelle als Flotist ein. 
Unter Dr. Georges, einem Schiiler Savarts, studierte er 
die Gesetze der Akustik und wandte sich schliefilich 
ganzdem Geigenmachen zu. Im Jahre 1853 begriindete 
er in Magdeburg eine Instrumentenhandlung, die er bis 
1866 fortfuhrte und dann aufgab, um ausschliefilich als 
Geigenmacher tatig zu sein; damals verarbeitete er 
fieilich meistens vogtlandische Schachteln. 1877 iiber- 
gab er seine Werkstatt an Rautmann und zog nach 
v. Liitg-endorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II. 



Ballenstedt am Harz. Als er zum herzogl. dessauischen 
Hofinstrumentenmacher ernannt wurde, zog er nach 
Dessau, hat aber auch dort nur Schachteln verarbeitet, 
die er so stark ausschabte, dafi z. B. der Boden stellen- 
weise diinn wie Papier wurde. Seine Geigen ver- 
loren infolgedessen schon in kurzer Zeit ihren Ton 
vollig und schreien nur noch. Er scheint auBerdem die 
Decken gebacken zu haben. Mehrere Geigen von ihm 
besitzt die Dessauer Hofkapelle. Biographie und Bild 
von ihm findet sich in De Wits Zeitschrift B. V. 
(I I.April 1884). 

Habermehl, Erasmus. — Prag. 1610 

Er war seit 1610 Kaiserlicher Instrumentarius am 
Prager Hofe und wohl der angesehenste unter den da- 
maligen Instrumentenmachern in Bohmen. 

Habits, Anton. — Budapest. Geb. 1861 in 
Gyor-Szent-Marton 

Ein Geigenmacher, der sich jetzt hauptsachhch auf die 
Herstellung des Cymbals verlegt hat. 

Habits, Johann. — Raab, Stuhlweifienburg. 
Geb. 1820 

Nach Dr. Joseph Geyer 1st er der einzige ungarische 
Geigenmacher, der sich das Klotzmodell zum Vorbild 
nahm. 

Geigenzettel: Habits Janos / Hangszermiivesz Feher- 
varott 1857 (gedruckt). 

Hackenbroich, Peter v. — Leipzig. 1590 

Ein Lautenmacher, der 1590 das Biirgerrecht in Leipzig 
erwarb. 

Hackhofer, Anton. — Budapest. Um 1830 
Es soil gute Gitarren mit seinem Namen geben. Er war 
t vielleicht ein Verwandter von Franz H., bei dem er ge- 
lernt haben konnte. Selbstandig ist er aber schwerlich 
geworden, und Dr. Geyer bezweifelt iiberhaupt, daB 
es einen Anton H. gegeben habe. 

Hackhofer, Franz. — Budapest. Geb. 1786, 

t 1839 

Er kam aus der Wiener Schule, die er auch nie ver- 

leugnete. Besser als seine gewohnlich schwarz lackierten 

Geigen sind seine Gitarren. 

Geigenzettel: Franz Hackhofer / in Pesth, anno 1832 

(gedruckt). 

Hackl, Joseph. — Regensburg 

Ein in Mettenleiters »Musikgeschichte der Stadt 
Regensburg« genannter Geigenmacher, der jedenfalls 
durch einen Lesefehler aus Jos. Hadl (s. d.) entstanden 
ist. 

Hadl (Hadl), Johann. — Regensburg. 1689. 
1717 

In den Urkunden erscheint sein Name entstellt, auch 
als Hartl oder Hackel, er selbst schrieb sich immer 
Hadl. Seine Geigen sind ziemlich hoch gewolbt, er- 
innern an das Stainermodell ; die Schnecke hat ein 

13 



194 



Hadl - Makkerl 



deutsches Aussehen und ist dabei sehr schwungvoll, 
dasselbe gilt von den F-Lochern. Der Lack ist fett und 
von schoner gelber Farbe. AuBer Violinen und Violon- 
celli machte er auch gute Liebesgeigen. 
Geigenzettel : Johann Hadl / Lauten- und Geigen- / 
macher in Regenspurg 1712 (gedruckt). 

Hadl, Joseph. — Regensburg. 1 700. f 27. Nov. 
1729 

Sohn oder Bruder von Johann H. Er wird als Geigen- 
macher und »Hemauer Spielmann« bezeichnet. In der 
Arbeit ist er Johann H. ziemlich nahestehend. 

Handl, Mich. — Mittenwald. 1732 

Nach den geschriebenen Zetteln ist der Name nicht ein- 
wandfrei zu lesen, man kann oft ebensowohl Schandl 
als Gandl lesen, doch scheint Handl die nchtige Lesart 
zu sein. Die Geigen mit seinem Zettel zeigen das Klotz- 
modell. 

Haensel, Johann Anton. — Rochsberg. 1801. 
1811 

Hart gibt als seinen Wohnort Leipzig an, nach anderen 
lebte er auch eine Zeitlang in Berlin. Er ist eigentlich 
nur noch durch seinen Aufsatz in der Allg. musika- 
lischen Zeitung, Leipzig 1811, S. 82 bekannt, in 
welchem er u. a. iiber eine von ihm 1801 erfundene 
Geige, deren Ober- und Unterbacken ungefahr gleich 
waren, berichtet. Diesen Aufsatz unterzeichnet er als 
»Kammermusikus des jiingeren Grafen Schonburg«. 

Hartl, Hans. — Regensburg. 1689 

Ein Geigenmacher, der in Mettenleiters Musik- 
geschichte der Stadt Regensburg erwahnt wird und 
vielleicht mit Johann Hadl identisch ist. 

Haussler, Christian. — Krakau. 1830. 1871 

Aus Adorf (Vogtland) stammend, wanderte er 1831 
nach Krakau aus, wo er bis 1871 tatig war. In seiner 
Arbeit verleugnete er nie seine Herkunft. Sein 1850 
geborener Neffe und Schuler wurde sein Nachfolger. 

Haussler, Gustav. — Krakau. Geb. in Liibben 
(Niederlausitz) 1850 

Schiller seines Oheims Christian H., ubemahm 1871 
das Geschaft seines Lehrers und machte neue Geigen 
nach Stradivari. Er wendet Spirituslack an, ist aber 
hauptsachlich Reparateur und erfand Federzwingen 
(fur Geigenmacher), mittels welcher ein gleichmaBiger 
Druck beim Zuleimen der Geigen erreicht wird. Er 
erhielt 1887 in Krakau die bronzene und 1894 in Lem- 
berg die goldene Medaille. 
Geigenzettel : Gustav HauBler in Krakau (gedruckt). 

Haff, Joseph Anton sen. — Augsburg. 1810. 
1866 

FleiBiger Geigenmacher, der nach dem ganz flachen 
Stradivaripatron arbeitete. Die Decke zeigt meist 
ziemlich weitjahriges, schwammiges Fichtenholz, zum 
Boden nahm er Ahorn (aus einem Stuck). Die Schnecke 



ist gewohnlich rccht schwungvoll, der Lack braun. Der 
Ton ist von verschiedener Gute, oft etwas naselnd. 
Spiritus- oder Ollack. 

Geigenzettel: Joseph Anton Haff / Geigenmacher in 
Augsburg / anno 1838 (gedruckt). 

Haff, Joseph Anton jun. — Augsburg. 1860. 
t 1 902 in Stuttgart 

Sohn von Joseph Anton sen. Er ist um 1875 von Augs- 
burg fortgezogen und lebte 1895 noch am Bodensee. 
Talentvoller Nachahmer der italienischen Meister, 
erhielt 1873 die Verdienstmedaille fin* ein Streich- 
quartett und eine Geige nach Amati von trefflicher 
Arbeit und schonem Ton. Im Jahre 1894 siedelte er von 
Miinchen nach Senftenau bei Lindau iiber und ist 
spater nach Stuttgart gezogen, wo er auch starb. 
Geigenzettel: Abb. 353. 

Haghens, Cornelius. — Antwerpen. 1627. 
t um 1 642 
Er gehorte der Lukasgilde als Clavecinmacher an. 

Haghens, Simon. — Antwerpen. 1642. 1644 
Er wird als Sohn eines Meisters (Cornelis Haghens?) 
bezeichnet und wurde 1642 in die Lukasgilde aufge- 
nommen. 

Hagspiel, Oscar. — Dresden. Geb. 2. Mai 
1852 in Dresden, f Jan. 1901 
Urspriinglich zum Musiker bestimmt, muBte er die 
Klavierfabrik seines Vaters iibernehmen und beschaf- 
tigte sich in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts 
auch mit der Herstellung von Streichinstrumenten 
eigener Erfindung. Diese hatten einen gitarreahnlichen 
Korper mit gepreBter (nicht ausgestochener oder ge- 
hobelter) Decke ohne F-Locher, dagegen mit sechs 
runden Schallochern in den Zargen. Ein derartiges 
Violoncell besitzt die staatl. Sammlung alter Musik- 
instrumente in Berlin. 

Hahn, John & Co. 

Eine in Buffalo bestehende Geigenfirma. 

Haid, Georg. — Wien. 1903. 1910 

Schiiler von J. J. Bucher, hauptsachlich Zithermacher, 
befaBt sich jedoch auch mit der Wiederherstellung alter 
Geigen. 

Hakkert, Jacob Wolfgang. — Rotterdam. Geb. 
29. Aug. 1891 in Rotterdam 
Aus einer Familie stammend, die seit langen Jahren im 
Musikinstrumentenhandel tatig war, wurde er friih- 
zeitig veranlaBt, sich dem Geigenbau zu widmen und 
lernte vom 3. Juli 1906 bis 15. April 1908 bei Marius 
Didier in Mirecourt. Er ging dann zu Louis Otto nach 
Diisseldorf, wo er bis zum 15. April 1909 blieb. Den 
groBten EinfluB auf ihn hatte nach seiner Angabe Josef 
Lulsdorf inKoln.beidemerbis 15. Mai 1910 tatig war. 
Er macht seine Geigen nach italienischen Vorbildern 
und hat bereits 1909 auf der Rotterdamer Musikfach- 



Halasz Ha mm 



195 



ausstellung eine Medaille erhalten. Ai 

machte er sich selbstandig. 

Geigenzettel: Jaques W. Hakkert / me fecit Rotterdam 

Anno 19 — (gedruckt). 



Halasz (Fischer), Joseph 

Ein Schonbacher, der um 1860 in Ungarn tatig war und 
seinen Namen magyarisiert haben soil. 

Hall, William H. — Oldham. 1905 

Er baut nach Cremoneser Modellen und soil nicht unge- 
schickt sein. 

Hallas, Joseph. — Brunn. f 2. Juli 1844 

Scheint hauptsachlich Gitarren gemacht zu haben. Er 
erlangte im Jahre 1844 das Biirgerrecht und starb schon 
kurze Zeit darauf. 



August 1910 Bamberger, Ferdinand. — Prefiburg. f 1891 
Sohn und Nachfolger von Jos. Hamberger I und 
diesem in der Arbeit ahnlich. Er fiihrte das vaterhche 
Geschaft mit der hochbetagten Mutter fort. 
Geigenzettel: Abb. 349. 



Geigenzettel : Joseph Hallas, Instrumenten- 
Briinn. Ao. 1843 (gedruckt). 



acher i 



Hallberg, C. G. — Hultsfred (Schweden). 1823 

Von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen eine 
schwedische Bauernvioline. Am Wirbelkasten befindet 
sich ein Drachenkopf, auf der Brust sind vier Paare 
tanzender Bauern aufgemalt. 

Haller,G.Albin.— Erlbachi.S. Geb. 16. Marz 
1868 zu Hermsgriin b. Markneukirchen 
Schiiler von Christian Schaller und der Fachschule in 
Markneukirchen. Er arbeitet nach italienischen Mo- 
dellen und erzeugt solide Mittelware von groBer Billig- 
keit. Sein Lack ist rot, rotgelb oder kastanienbraun. Er 
imitiert das alte Aussehen der Geigen recht gut und 
klebt Zettel mit den Namen der Modelle ein. 

Haman, Valentine. —Millwood (Ind.,N.-Am.) 

Geb. 20. Marz 1831 in Columbiana County, 

Ohio 

Entstammt einer aus Deutschland unter Washington 
eingewanderten Musikerfamilie. Von Hause aus Kunst- 
tischler und Mechaniker, begann er mit 22 Jahren 
Geigen zu reparieren, dann versuchte er sich im Neu- 
bau und brachte es durch FleiB dahin, bald Erfolge zu 
erzielen. Er arbeitet nach dem Stradivarimodell; die 
Decke macht er 1 / s Zoll, an den Ecken Vi« Zoll dick, 
den Boden etwas starker, den Bafibalken 8 Zoll lang, 
3 /, hoch und 3 / lfi dick. Das Gewicht seiner Geigen be- 
tragt samt den Saiten etwa 420 g. Er verwendet mit 
Benzin geklarten Orangeschellack durch in Alkohol ge- 
lostes Drachenblut gefarbt. Zettel klebt er nur selten 
ein. ZurTonveredlung bringt er auf dem Boden seiner 
Geigen noch einen Resonanzbalken an, dem er die 
Fahigkeit zuschreibt, neue Instrumente wie alte klingen 
zu machen. 
Geigenzettel: V. Haman, / Millwood, / Ind. (gedr.). 

Hamann, Carl. — Posen. 1860. 1880 

Seinerzeit der geschickteste Geigenreparateur'in Posen. 
Er verstand sich auf alle Musikinstrumente und war 
aufierdem ein guter Violoncellist. Ein von ihm gebautes 
Violoncello ist noch in Posen in Privatbesitz. 
Geigenzettel: Carolus Hamann refecit / Posnaniae, 
Anno 1872 (gedruckt). 



Hamberger, Joseph I. — Prefiburg. Geb. in 
Wien 1808, f 16. April 1864 
Ein sehr tiichtiger Meister, der Wiener Schule nahe- 
stehend, aus der er wohl hervorgegangen ist. Er erwarb 
am 26. Oktober 1830 das PreGburger Biirgerrecht 
(Grillet versetzt ihn nach St. Petersburg!). Er baute 
nach Stradivari und verwendete braunen Lack. 
Geigenzettel : Joseph Hamberger / Guitarre- u. Geigen- 
macher / in PreBburg, 1846. (gedruckt) und Abb. 341. 

Hamberger, Joseph II. — Wien. Geb. in Prefi- 
burg um 1850, t 1904 

Sohn von Jos. Hamberger in Prefiburg, Schiiler von 
Hofmann, bei dem er 1865 in die Lehre trat und dessen 
Geschaft er 1873 ubernahm. Die von ihm gebauten 
Geigen sind in den meisten Fallen nur mittelmafiig. Er 
war k. k. Hofgeigenmacher und Lieferant der Hofoper. 
Nach seinem Tode fiihrte die Witwe das Geschaft fort, 
das jetzt auf Alfred C. Coletti iibergegangen ist. Eine 
Geige von ihm ist im Besitze des Prefiburger Domchors. 
Geigenzettel: Abb. 339. 

Hambleton, Joseph. — Salford. 1854 

Ist mir nur durch ein gutes Violoncello bekannt ge- 
worden. 

Hamig, Moritz. — Dresden, Kotzschenbroda. 
1890. t 1908 

Er war bis etwa 1892 in Dresden ansassig und hat nur 
wenige Geigen gemacht. 

Hamilton, William. — Uddingston. 1880. 

1896 ■* 

Er stammt aus Glasgow und ist Ingenieur. Aus Lieb- 

haberei macht er Geigen nach einem eigenen Modell, 

aber auch nach Stradivari, Guarneri und Gaspar da 

Salo. Er gebraucht Whitelaws Bernsteinlack. 

Geigenzettel: William Hamilton / Uddingston. 1896. 

(geschrieben). 

Hamm, Andreas. — Klingenthal. 1702. 1732 
Vermutlich der Grofivater von Johann Andreas H., 
vielleicht auch dessen Lehrmeister. Er soil recht ge- 
schickt gewesen sein und gilt als der Stammvater der 
Famihe. 



Hamm, Christ. Gottfried. ■ - (Mark)Neu- 
kirchen. Geb. 10. Nov. 1774, f 29. Aug. 
1834 

Sohn von Johann Gottfr. H. und diesem in der Arbeit 
sehr ahnlich. 
Geigenzettel: Abb. 359. 

13* 



196 



Hamm Hammig 



Hamm, Johann Andreas. — Klingenthal, 
(Mark) Neukirchen. Geb. in Klingenthal 
1703, f 9. Mai 1764 

Sohn des »Gerichtsgeschworenen« unci Schneiders 
Andree H. in Klingenthal. Am 31. Juli 1724 wurde er 
von der Neukirchcner Zunft als Meister an gen o mm en, 
dagegen wehrten sich aber die Klingenthaler Geigen- 
macher, so dafi er sich drei Tage spater in der Liste 
wieder streichen lassen mufite. Er siedelte im darauf- 
folgenden Jahre nach Neukirchen iiber und ward dort 
am 24. Juli 1 725 wieder als Meister angenommen und 
Burger. Er stand in einem gewissen Ansehen und starb 
60 Jahre 5 Monate und 26 Tage alt. 

Hamm, Johann Gottfried. — (Mark) Neu- 
kirchen. Geb. 1744, f 6. Okt. 1817, 73 Jahre 
7 Monate 1 1 Tage alt 

Einer der besten vogtlandischen Geigenmacher seiner 
Zeit. Schon am 13. Juni 1764 wurde er Meister und 
war so sorgfaltig in seiner Arbeit, dafi man ihn lange 
Zeit — veranlafit durch den Umstand, dafi er gerne 
Rom oder Cremona als Ursprungsort angab ■ — der 
italienischen Schule zuzahlte, so wenig sein Modell 
und sein Lack auch dazu berechtigten. Bei vielen 
Geigen und Violen scheint ihm ein breites Stainersches 
Modell vorgeschwebt zu haben, auch die Einlagen 
machte er zierlicher als die meisten Neukirchner 
Meister, oft brachte er einen Elfenbeinrand an. Er ver- 
wandte verschiedene Zettel und verwendete auch die 
Brandmarke: * I * * G * *H*. Geigen von ihm 
kommen noch oft vor. Eine solche besitzt Carl Stoeber 
in Wiirzburg. 

Geigenzettel: Johann Gottfried Hamm / Instrumenten- 
Macher / Stadt Neukirchen bey Adorf / im Voigtlande 
Fecit Ao 18 . . (gedruckt) und Abb. 343. 
Brandmarke Nr. 40. 

Hamm, Heinrich Moritz. — Markneukirchen. 
Geb. 29. Sept. 1850 

Er ist zwar gelernier Geigenmacher, verlegte sich aber 
hauptsachlich auf den Bau von Zithern. 

Hamm, Karl Friedrich. — (Mark-) Neu- 
kirchen. Geb. 26.Dez. 1733, f 26. Sept. 
1761 

Sohn von Johann Andr. H. Er wurde am 25. Nov. 1751 
Meister. Ebenso gewandt als Geigenmacher wie als Ge- 
schaftsmann. Er brachte es bald zu einigem Wohlstand 
und war schon in jungen Jahren ein angesehener Burger. 
Seine beste Zeit fallt in die Jahre 1757 — 1760. 

Hamma, F. — Ulm a. D. 1872. 1882 

Eine 1872 begrundete Fabriksfirma, die 1880 etwa 
20 Arbeiter beschaftigte. 

Hamma & Co. — Stuttgart 

Bedeutende im Jahre 1864 von Fridolin Hamma (geb. 
1818, f 1892) begrundete Geigenhandlung, deren ln- 
haber seit 40 Jahren Emil Hamma (geb. 1855) ist. Er 



gilt infolge seiner grofien Erfahrung und seines 
sicheren Blickes als einer der gewiegtesten Kenner und 
hat in seinen Sohnen Fridolin, Emil und Alexander 
vortreffliche Mitarbeiter. Die von der Firma heraus- 
gegebenen Kataloge haben bleibenden Wert und die 
von ihr ausgestellten Echtheitszeugnisse galten bei 
Sammlern und Liebhabern als unanfechtbar. 

Hamma, Alfred. — Stuttgart, geb. 1891, ge- 
f alien auf dem Felde der Ehre, im Juni 1917 

Sohn und Mitarbeiter von Emil Hamma. Ein reich be- 
gabter, hoffnungsvoller Geigenmacher. An seine Stelle 
sind seine Briider Emil und Alexander in die Firma ein- 
getreten. 

Hamma, Fridolin. — Stuttgart 

Sohn von Emil H. und dessen Mitarbeiter. Ein treff- 
licher Geigenbauer, der besonders als Reparateur einen 
grofien Ruf geniefit und auch als feinsinniger Kenner 
geschatzt wird. 

Hammerl. — Schonbach b. E. 
Als Geigenmacher sind zu erwahnen : 

Hammerl, Ignaz, gehorte schon 1826 der 
Innung als Meister an 

Hammerl, Josef. — f nach 1898 

Hammerl, Karl, ist noch tatig 

Hammig, Albertus Robert. — Markneukir- 
chen, Hamburg, Neu-Schonefeld, Leipzig. 
Geb. 10. Mai 1849 

Sohn und Schiiler von Wilhelm Aug. H. Als Gehilfe 
arbeitete er bei seinem Bruder in Leipzig und bei 
Bausch jun. bis zu seiner Militarzeit. Er machte den 
Feldzug 1870/71 mit, ging hierauf zu Schmidt nach 
Wien und arbeitete dann in Markneukirchen und 
Hamburg selbstandig. Im Jahre 1896 verlegte er seinen 
Wohnsitz nach Leipzig und trat als Meister bei der 
Firma Jul. H. Zimmermann in Stellung, wo er sich 
noch befindet. Er arbeitet sehr sauber und verwendet 
einen vorzuglichen transparenten Lack von tiefroter 
Farbe. 

Geigenzettel: A.Robert Hammig / Streich Instru- 
mentenmacher / Hamburg Anno 1879 (gedruckt). 

Hammig, Carl Heinrich. — Dresden. Geb. 
1877 

Sohn von Gustav Adolph H. Ein sehr talentvoller 
Meister. 

Hammig, Friedrich. — Wien. 1801 

Er liefi sich in Wien als »musikalischer Instrumenten- 
fabrikant« nieder und handelte mil vogtlandischen 
Geigen, hat aber selbst wohl nur Blechinstrumente 
hergestellt. So war er auch der erste Deutsche, der 
Cinellen (tiirkische Becken)- machte, fur deren Her- 
stellung er in Osterreich ein »Privilegium privativum« 
erhielt, was er auch im Intelligenzblatt der Allg. musi- 
kal. Zeitung im Juli 1801 anzeigte. 



Hammig Hansen 



197 



Hammig, Georg. — Markneukirchen. 1815. 

1820 

Braver Vogtlander Geigenmacher. Er schelnt seinen 
Zettel nur selten eingeklebt zu haben. 

Hammig, Gustav Adolph. — Dresden-A. 1 890. 

1901 

Von Hause aus BaBmacher, verlegte er sich erst spater 
auf den Bau von Violinen und Violoncelli und wurde 
Kgl. sachs. Hofinstrumentenmacher und beeideter 
Sachverstandiger fiir Saiteninstrumente. Sein Lack ist 
an sich nicht schlecht, doch soil er ihn gerne auch auf 
alten Geigen auftragen, die dadurch nicht gewinnen 
konnen. 

Hammig, Hermann. — Berlin. 1899 

Altester Sohn und Schuler von W. H. Hammig in 
Leipzig. Leiter des Berliner Zweiggeschafts der Firma 
W. H. Hammig in Leipzig. 

Hammig, Johann Christian. — (Mark)Neu- 
kirchen. Geb. 1732, f 27. Jan. 1816 
Sohn und Schuler von Johann Georg H. Er war gut 
musikalisch vorgebildet und auch kaufmannisch tiichtig. 
Am 22. Febr. 1751 wurde er Meister, doch machte er 
schon als Knabe recht gute Geigen. In seiner ersten Zeit 
verwendete er nur geschriebene Zettel, spater gedruckte 
und auch den Brandstempel : yfc I. ■& C. --K H. ■&- 
Seine Sohne fiihrten das Geschaft fort undverwendeten 
auch nach seinem Tode Zettel mit der Firma: Johann 
Hammig et Sohne. 

Geigenzettel: Joh. Christian Hamig / Music. Instr. 
1756 (geschrieben) und Abb. 351. 
Brandmarke Nr. 35. 

Hammig, Johann Georg. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1702, f 26. Dez. 1754 im 
Alter von 52 Jahren 4 Monaten 
Auch als »derAltere« bezeichnet. Er wurde im November 
1725 Meister und war ein geschickter Geigenmacher. 
Eine grofie Viola von ihm besaB Sprenger in Stuttgart. 

Hammig, Moritz. — Markneukirchen. 1861 
Vielleicht mit dem spater in Dresden ansassigen Moritz 
Hammig identisch. Eine recht hubsch gearbeitete 
Kindervioline von ihm besitzt Musikdirektor Otto 
Eckenbrecht in Radeberg. 

Hammig, Wilhelm August. — (Mark-)Neu- 
kirchen. 1837. 1865 

Sohn von J. C. Hammig und Enkel von Georg H. 
Seine Geigen und Violoncelli zeigen gute Vogtlander 
Arbeit. 

Geigenzettel : Wilh. Aug. Hammig / Violin- und Cello 
Fabrikant / in / Neukirchen / bei Adorf / 1846 (gedr.). 

Hammig, Wilhelm Hermann. — Leipzig. Geb. 
25. Marz 1838 in Markneukirchen 
Sohn und Schuler von Wilh. Aug. H. Arbeitete bei 
Grimm in Berlin, machte sich 1863 in Markneu- 



kirchen selhstandig und iibersiedelte 1875 nach Leipzig. 
Er ist unter den jetzt lebenden Mitgliedern seiner 
Familie der beste Geigenmacher. Seine Arbeit ist sehr 
gediegen; daB seine neuen Geigen auch neu klingen, 
wird ihnen wohl nicht mit Un recht als Vorzug nach- 
geriihmt, sie konnen durch Alter und Ausspielen nur 
besser werden, wahrend neue lnstrumente, denen 
kiinstlich die Klangfarbe alter lnstrumente beigebracht 
wird, diese spater vielleicht verlieren. Er besitzt 
mehrere goldene Medaillen und seit 1894 ein Zweig- 
geschaft in Berlin. Prof. Robert Hausmann in Berlin 
besaB ein von ihm i. J. 1903 gebautes, vorziigliches 
Violoncello, ein ebensolches Dr. med. H. Lang in 
Wiesbaden. 

Geigenzettel: W. H. Hammig / Leipzig 1888 (gedruckt) 
Dariiber eingebrannt: W. H. Hammig. 

Hampe, W. — Amsterdam. 1842. fvorl882 

Von Geburt ein Deutscher. Guter Geigenmacher, der 

den Hoftitel besaG. Sein Geschaft wurde von seiner 

Witwe und seinem Sohne fortgesetzt. 

Geigenzettel : Repareret W. Hampe / Amsterdam. 1845 

(geschrieben). 

Handenberg, Wilhelm. — Leipzig. 1723 

Eine Geige von ihm von mittelmaBiger Arbeit f lei durch 
ihre flache Wolbung auf. Da er auBerdem seinen Vor- 
namen auf seinem Zettel italienioch angibt, konnte man 
vermuten, daB er als Geselle in Italien gearbeitet und 
dort die flache Wolbung kennen gelernt hat. 
Geigenzettel. Guglielmo Handenberg / fecit Lipsise 
1723. (gedruckt). 

Handley, Henry. — Worcester. Geb. 1839 
Er arbeitet nach dem Guarnerimodell und verwendet 
Whitelaws Geigenlack. 

Hansch (Handsch), Gustav. — Graz, Odessa. 
t um 1905 in Odessa 

Sohn von Heinrich Hansch, Schuler der Mittenwalder 
Geigenmacherschule, der er Ehre machte. Auch er war 
wie sein Vater als tiichtiger Meister geschatzt. Er lieB 
sich iiberreden, nach RuBland auszuwandern,. wo er 
aber bald starb. 



Gra 



1844. 



Hansch (Handsch), Heinrich. 
1900 

Er hatte seine Werkstatt in der Neutorgasse, war ein 
. tiichtiger Meister, der Guarneri mit Geschick nach- 
ahmte, und fiir seine Leistungen als Geigenmacher die 
silberne Staatsmedaille erhielt. 

Hansen, Amund. — Frederikshald. 1 784. 1 799 
Norwegischer Geigen- und Lautenmacher des 18. Jahr- 
hunderts, der hauptsachlich Zitherinstrumente gebaut 
hat. Zwei norwegische Zithern von ihm besitzt Claudius 
in Kopenhagen, eine solche das Musikhistorische 
Museum in Stockholm, eine Chorzither von 1799 besaB 
Hammer in Stockholm. 

Geigenzettel: Amund Hansen, Friedrichshald 1784 
(gedruckt). 



198 



Hansen Hardie 



Hansen, Berner. — Haugesten. 1787 

Norwegischer Instrumentenmacher, von dem sich eine 
Zither mit sechs einzelnen und drei doppelten Stahl- 
saiten im Musikhistorischen Museum in Stockholm 
befindet. 

Hansen, F. W. — Randers. 1860. f urn 1880 
Ein tiichtiger Geigcnmacher, dessen Arbeiten in Dane- 
mark in hohem Ansehen stehen. Er war ein stiller, be- 
scheidener Kiinstler, der in seiner kleinen Heimatstadt 
sitzen blieb und zufrieden war, wenn er nur das No- 
tigste zum Leben verdiente. 

Hansen, H. C. — Kopenhagen. 1855 

Ein braver danischer Geigenmacher, der leider nur 
selten schones Holz besafi, weshalb seine Arbeiten oft 
nicht so gut aussehen, wie sie khngen. 
Geigenzettel: Forfardigt af lnstrumentmager / H. C. 
Hansen i Kjobenhavn / 1855. (gedruckt). 

Hansen, J. Rummelhoff. — Chnstiania. Geb. 
11. Marz 1877 in Christiania, f das. 1918 

Nachdem er erst in einer Instrumentenhandlung ge- 
lernt hatte, ging er zu A. C. Kleven und vollendete seine 
Ausbildung von 1905—1908 bei Oswald Mockel in 
Berlin. Schon 1907 bekam er ein Mitarbeiterdiplom. 
lm Jahre 1908 ging er zu Hjorth nach Kopenhagen und 
kehrte im darauffolgenden Jabre in seine Vaterstadt 
zuriick, wo er sich selbstandig machte. Er fand nament- 
heb als ausgezeicbneter Reparateur reichliche Aner- 
kennung, doch waren auch seine neuen Geigen in jeder 
Beziebung sehr lobenswert. Auf der Jubilaumsaus- 
stellung 1914 in Kopenhagen erhielt er die goldene 
Medaille. Ein tiickisches Leberleiden machte seinem 
Leben ein vorzeitiges Ende. Sein Nachfolger ist Hell- 
muth Ellersieck. 

Hansen, Niels.— 1921 

Ein danischer Bildhauer, der auch zu den vielen gehort, 
die das »Geheimnis Stradivaris« gefunden zu haben 
glauben. 

Harbour, Jakob. — London. 1764 

Von ihm kenne ich zwar nur eine mittelmafiige, halbe 
Viohne, ziemhch hoch gewolbt, ohne Einlage, mit 
dunkelbraunem Lack, doch soil er sehr gute Violen ge- 
baut haben. 

Harbour (Harbur), W. — London. 1785. 1786 
Vielleicht ein Sohn von Jakob H. und wie dieser ein 
mittelmafiiger, wenig bekannter Geigenmacher, der 

1785 in Duke Street Lmcolns — Inn Fields wohnte und 

1786 nach Southampton Buildings, Holborn, iiber- 
siedelte. 

Hardie, Alexander. — Maxwelltown. Geb. um 

1776 (in Stonehouse?), f in Maxwelltown 

um 1855 

Ein geschickter Kunstdrechsler, der auch recht gute 
Geigen gemacht hat. 



Hardie, James I. — Edinburgh. 1830. 1855 
Obwohl sein Verwandtschaftsverhaltnis zu den ubrigen 
Geigenmachern seines Namens nicht feststeht, scheint 
er doch ein Schiiler von Matthew oder Thomas H. ge- 
wesen zu sein. Er war urspriinglich Modelltischler und 
brachte daher, als er anfing, Geigen zu machen, eine 
grofie Handfertigkeit mit. Seine Violinen sind meist 
nach Stradivari gebaut. 

Geigenzettel: James Hardie Fecit / Edinburgh 1839. 
(geschrieben). 

Hardie, James II. — Edinburgh. Geb. in 

Aguhadley (Ellon) l.Jan. 1836 
Enkel von Peter H. und seit seinem neunten Jahre 
dessen Schiiler. Ein tiichtiger Geigenmacher, der 
iiber 4000 Geigen gemacht hat. Am iiebsten ahmt er 
Maggini nach, verwendet schones altes Holz, Bern- 
steinlack, und ist vielfach ausgezeichnet worden. Die 
Firma lautet jetzt Jas. Hardie & Sons, doch hat er alle 
Geigen allein gemacht. 

Geigenzettel: James Hardie & Son, / Makers / 117 
Nicolson Street / Edinburgh 1890 (gedruckt). — Made 
by James Hardie & Sons ; Violin Makers / Edinburgh 
18 . . (gedruckt). 

Hardie, Matthew. — Edinburgh. Geb. 1 755 in 

Edinburgh, f 30. Aug. 1826 

Einer der bedeutendsten schottischen Geigenmacher, 
den man auch gern den schottischen Stradivari nennt. 
Er war vermutlich von Hause aus Kunsttischler oder 
Modelleur und diirfte ein Schiiler von John Blair ge- 
wesen sein, der spater mit ihm arbeitete. Er scheint eine 
echte Arbeit von Stradivari gekannt zu haben, die er 
fortan nachahmte. Wenn Hart sagt, daB er Amati ko- 
piert hat, so scheint dies auf einem Irrtum zu beruhen. 
Von den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts an 
arbeitete er mit seinem Sohne Thomas. Obwohl er sehr 
fleiBig war, kam er in seinem Alter doch in Vermogens- 
verfall; er soil einige seiner besten Geigen im Schuld- 
gefangnis gemacht haben und starb schliefilich im 
Armenhause. Seme Geigen sind sorgfaltig gemacht und 
klingen gut, nur der dunn aufgetragene Spirituslack von 
gelbbrauner Farbe ist unscheinbar. Wenn Vidal von 
ihm kurz sagt: »lutherie ordinaire«, so tut er ihm offen- 
bar unrecht. H. war auch ein trefflicher Lehrer, wie die 
grofie Zahl seiner tiichtigen Schiiler beweist. 
Geigenzettel: Made by / Mat. Hardie & Son / Edin- 
burgh, (gedruckt). — Matthew Hardie / Edinburgh 
1809. (gedruckt) und Abb. 324. 

Hardie, Peter. — Dunkeld. Geb. 1775, f Nov. 

1863 in Dunkeld 

Er war der Sohn eines Regimentsarztes und studierte in 
Edinburgh, wo er durch seinen Vetter Matthew Hardie 
darauf gebracht wurde, sich dem Geigenmachen zu 
widmen. Er wurde Schiiler seines Vetters und haupt- 
sachlich Willie Blairs. Er hat viele Violinen und Violon- 
celli gemacht, seine Arbeit ist der von Matthew H. sehr 
ahnlich, nur ist die Wolbung bei ihm viel hoher und die 
Durchfiihrung weniger sorgfeltig. Die Schnecken er- 
innern an die von Ruddiman. Hardie war ein vorziig- 
licher Geiger und hat auch komponieit. Er gebrauchte 
statt der Zettel nur eine Brandmarke: P. Hardie. 



Hardic Harnisch 



199 



Hardie, Thomas. — Edinburgh. Geb. 1804, 
t 19. Jan. 1856 

Sohn und Schiiler von Matthew H., dessen Modell er 
beibehielt, den er aber in der Durchfiihrung und im 
Lack oft iibertrifTt; lelder trocknete er das Holz im 
Backofen, so dafi seine Geigen, die neu recht gut 
klangen, jetzt wenig Ton haben. Er war sehr talentvoll, 
ergab sich aber dem Trunk und sein Tod war die Folge 
eines Sturzes iiber die Treppe seines Hauses, als er 
wieder betrunken war. 

Geigenzettel : Thomas Hardie Fecit, / Edinburgh, Anno 
1845 (gedruckt). — Repaired by Thomas Hardie / 
Castlehill, Edinburgh 1856 (gedruckt). 

Hardy s. Haxby 

Hare, John. — London. Anfang des 18. Jahrh. 

Viele halten John und Joseph Hare fur eine und die- 
selbe Person, was aber bei der auffalligen Verschieden- 
heit der Arbeit nicht angangig ist. John ist entschieden 
der altere. Er wohnte im gleichen Hause wie spater 
Joseph, aber er arbeitete noch nach emem hochge- 
wolbten Modell. Seine Arbeit ist rob, die Einlage unge- 
schickt gemacht und der Lack armselig. 
Geigenzettel : lohn Hare at y 2 Viol & Flute, near ful 
Royal Exchange / in Cornhill London, (gedruckt). 

Hare, Joseph. — London (Cornhill). 1720. 
1726 

Von ihm sind bisher nur wenige Geigen bekannt. Er ist 
jedoch nach Sandys & Forster der erste Englander, der 
ein f laches Modell anwendete; auch sein Lack von 
leuchtender roter Farbe ist vorziiglich. Er war jeden- 
falls ein besonders begabter Mann, der seinerzeit nur 
nicht durchdrang, da in England lange das Stainer- 
modell allein in Ansehen stand. Er soil eine Zeitlang mit 
Freeman zusammen gearbeitet haben. 
Geigenzettel : Joseph Hare at y e Viole & Flute / near the 
Royal Exchange / in Cornhill London / 1 726 (gedruckt) 

Harford, Patrik (Patritius). — Rom. 1742 

Ein Irlander oder Englander, der sich in Rom der 
italienischen Schule anschloB. Schone Form, blafi- 
brauner Lack. 

Hargreaves, William. — Manchester. 1889 
Wahrscheinlich ein Liebhaber, der, wie eine Violine 
beweist, die er im Jahre 1889 mit der Nummer 21 ver- 
sah, eine gewisse Geschicklichkeit erlangt hat. 

Harham. — London. 1765. 1785 

Wenig bekannter englischer Geigenmacher des 18Jahr- 
hunderts. 



gehorte zur Familie Heringer und diirfte bald nach 
seiner am 26. Januar 1676 erfolgten EheschlieBung ge- 
storben sein. 

Harkendorf, Hans. — Flensburg. 1652 

Eine schone Altgambe von ihm besitzt W. Heyers 
Musikhistorisches Museum in Koln (Nr. 803). Weder 
im Flensburger Archiv, noch in den Flensburger 
Kirchenbiichern findet sich irgendein Eintrag mit 
seinem Namen. 

Harley. — London. 1805 

Eine englische Zither mit Klaviatur, die der danischen 
Erbprinzessin gehort haben soil, besitzt Claudius in 
Kopenhagen. Er soil auch Lauten gemacht haben. 
Geigenzettel: Harley maker. / Wych street. London 
1805 (gedruckt). 

Harloff, W. — Bergen. 19. Jahrhundert 

Ein von ihm verfertigtes Psalmodicon (Monochord) 
befindet sich in der Sammlung Crosby Brown in New 
York (Nr. 981). 

Harlot, Francois. — Mirecourt. 1757. 1772 
Unter den Bogenmachern seiner Heimat einer der 
altesten, deren Namen iiberliefert sind. 

Harmand (Harmond), Nicolas. — Mirecourt. 
1755. 1789 

Er legte am 19. Februar 1772 den Schvvur als Meister 
der Mirecourter Lautenmacherzunft ab und war einer 
der besseren Geigenmacher seiner Zeit, jedenfalls 
der beste aus seiner Familie. Er bevorzugte ein kleines 
Modell, seine Arbeit ist gut, er verwandte gutes Holz 
und rotlichen Lack. Seine Geigen haben einen weichen 
Ton. Seine Werkstatt nannte er »Au Roi David«, was 
auch auf seinem Brandstempel steht, den er gewohnlich 
am Boden unter dem Halse anzubrmgen pflegte. Von 
Mitgliedem seiner Familie werden noch genannt sein 
Bruder 

Jean H. 1766, ferner 

Joseph H. 1780. 1789 

Louis H. 1784. 1789 und 

Philipp H., der schon 1719 und noch 1 727 vorkommt. 

Harmand. — Mirecourt. 1830—1870 

Vielleicht ein Enkel von Nicolas H. Besonders als 
Bogenmacher geschatzt. 



Hannger (Haringer), Hans. — Wien. 
1676 



1675. 



Harnisch, Hermann, 
in Gera 

Sohn von J. Gottlieb 



-Darmstadt. Geb. 1859 



Er soil als Lautenmacher im Dezember 1675 das Wiener 
Biirgerrecht erlangt haben. Obwohl Lauten und Geigen 
von ihm vorkommen, konnte ich Urkundliches iiber ihn 
nicht beibringen. Er stammte jedenfalls aus Fiissen und 



von J. Liottlieb H. und dessen sowie Otto 
Bauschs Schiiler, arbeitete von 1881 — 1885 in Reval, 
wo er auch als Musiker tatig war, wurde 1885 Hof- 
musiker in Darmstadt und ubernahm das Geschaft von 
F. Diehl. Im Jahre 1895 wurde er zum grofiherzogl. 
Hofinstrumentenmacher ernannt. Er beschaftigt sich 
hauptsachlich mit Reparaturen ; die wenigen von ihm 
gemachten Instrumente haben Spirituslack und tragen 
folgenden Zettel : Hermann Harnisch, / Hofinstrumen- 
tenmacher, / Darmstadt 18 (gedruckt). 



200 



Harnisch Hartung 



Harnisch, Johann Gottlieb. — Gera. Geb. 1827 
in Scheubengrobsdorf b. Gera (Reufij. L.) 

Schuler von L. Bausch und von dessen Sohn Louis B. 
in Leipzig, war von 1853 — 1857 in verschiedenen Orten 
tatig und machte sich 1857 zu Gera selbstandig. Be- 
schaftigt sich mit Neubau (und Reparatur) nach 
italienischen Vorbildern, wobei er seine Erfindung, 
mit verschieden altem Holz zu decken, zur Anwendung 
bringt; auch Form und Lage des Balkens, sowie der 
Stimme behandelt er nach eigenen Grundsatzen und 
wendet gewohnlich Spirituslack an. Er ist seit Jahren 
Hofinstrumentenmacher. 

Geigenzettel : J. G. Harnisch / Instrumentenmacher in 
Gera / Reparirt Marz 1864. (geschrieben). 

Harp, Johann. — Kopenhagen. 1730 

Ein wenig bekannter danischer Geigenbauer, von dem 
die Sammlung Savoye in Paris eine Bratsche bewahrt. 
Vielleicht ist dieser Harp ein Verwandter jenes Konigs- 
berger Gregorius, dessen Famihenname »Karg« ge- 
lesen wird, bei dem aber auch die Lesart Harp zu- 
lassig ist. 

Harras, ein thunngischer Geigenmacher, der in 
Olze bei Grofibreitenbach lebt 

Harras, Adolf. — Masserberg (Thiir.). 1893. 
1901 

Wenn er auch in der Rcgel billige Geigen herstellt, so 
versteht er es doch ganz gut, die Italiener oder Stainer 
nachzuahmen. 1898 erhielt er fur seine Geigen in Erfurt 
die bronzene Medaille. 

Harris (Harrys), Charles I. — Oxford, London. 
1780. 1800 

Ein Geigenmacher, der von seinen Bewunderern der 
»enghsche Lupot« genannt wurde. Pearce sagt von lhm : 
»His instruments are among the finest of the English. « 
Er kopierte Stradivari und Amati und gebrauchte einen 
prachtvollen rotlichen Lack, klebte aber nur selten 
Zettel ein. Besonders gelangen ihm seine Violoncelli. 
Er wohnte Cannon Street Road, Ratchffe Highway, eine 
Zeitlang arbeitete Gilkes bei ihm. So tuchtig er auch 
war, scheint es ihm doch nicht besonders gut ge- 
gangen zu sein, da er, urn leben zu konnen, eine Stelle 
als Hafenzollbeamter annehmen mufite. 

Harris, Charles II. — Oxford, London. 1818. 
1830 

Altester Sohn, Schuler seines Vaters Charles I H. und 
als solcher Mitschiiler von Samuel Gilkes. Er wohnte 
erst in Oxford (Alderbury) und ging dann nach London. 
Von ihm ist wenig bekannt, da er viel fur John Hart 
arbeitete. Seine Geigen sind lm ganzen gut, er liebte ein 
langes Modell, schmale Zargen und gelben Lack. Seine 
Zettel sind zumeist geschrieben. Eine Violine von ihm 
aus dem Jahre 1820 besitzt T. W. Taphouse. 

Harris, J. E. — Gates head-on-Tyne. 1910 
Geschickter englischer Geigenbauer der Gegenwart, 
der auch besondere Sorgfalt auf das Lackieren ver- 
wendct. 



Hart, George I. — London. Geb. 1839, 

f 25. April 1891 

Sohn von J. Th. Hart. Er war als trefflicher Geiger 
Schuler von Sainton, und wurde der Geschaftsnach- 
folger seines Vaters. Er machte selbst zwar keine Instru- 
mente, doch war er einer der besten Kenner und hat 
zwei wert voile Biicher herausgegeben : »The violin, its 
famous Makers and their imitators« (London 1875 und 
1887) und »The violin and its music« (1881), von denen 
man allerdings sagt, daB sie zum guten Teil von Charles 
Reade, dem trefflichen Novellisten und Geigenlieb- 
haber, geschrieben worden seien. Mit seinem Sonne zu- 
sammen erdffnete er in seinen letzten Lebensjahren eine 
eigene Geigenmacherwerkstatt. 

Geigenzettel : Hart & Son / — Makers — / 28 Wardour 
Street / 18 London 90 / No 170 (gedruckt). 

Hart, George II. — London. Geb. in London- 
Warwick 4. Jan. 1860 

Sohn von George I H. Nachdem er in Paris seine Aus- 
bildung als Geigenmacher abgeschlossen hatte, trat er 
in das Geschaft seines Vaters ein und fugte diesem eine 
eigene Werkstatt hinzu. Die Firma lautete von da an 
»Hart & Son« und lautet noch so. G. 11 Hart gilt als 
tiichtiger Meister, dessen Spezialitat die getreue Kopie 
italienischer Geigen ist. 
Geigenzettel: Abb. 365, 366, 371. 

Hart, John Thomas. — London. Geb. 1 7. Dez. 
1805, f I.Jan. 1874 

Er trat im Mai 1820 in die Lehre bei Samuel Gilkes und 
entwickelte sich bald zu einem tikhtigen Meister, so 
daO er schon 1825 seine eigene Werkstatt eroffnen 
konnte. Er hat zwar nicht viele neue Geigen gebaut, 
diese aber diirfen als gute Amatikopien gelten. Be- 
deutender war er jedoch als Kenner italienischer Geigen 
und als trefflicher Reparateur. Mit Tarisio stand er in 
lebhafter Geschaftsverbindung. 

Geigenzettel: John Hart / maker. / 14. Princefi Street, 
Leicester Square / London anno 18 . . (gedruckt). 

Hartan 1 ), Carl. — Koln. 1874. 1875 

Beschaftigte sich viel mit Wiederherstellungen, die je- 
doch, da er Autodidakt war, nicht fachmannisch durch- 
gefiihrt sind. 

Geigenzettel: Carl Hartan / Jnstrumentenmacher / 
Coin 1875 (gedruckt). 

Hartung (Harton), Michael. — Padua. 1602. 
1624 

Zweifellos deutschen Ursprungs und zwar wahrschein- 
lich aus Fiissen eingewandert, wo der Name Hartung 
heimisch ist und wo man ihn auch auf einer aus der 
Mitte des 16. Jahrhunderts stammenden runden Holz- 
tafel mit 104 Geschlechternamen im stadtischen Mu- 
seum zu Fiissen verzeichnet fmdet. Michael Hartung 
suchte allerdings seinen Namen.den Walschen dadurch 



1 ) Der Name wird irrtiimlich auch als»Hartung« an- 
gefiihrt. 



Ha 



Haut 



201 



mundgerechter zu machen, daB er sich Harton statt 
Hartung schrieb. Baron sagt von ihm: »Michael Har- 
tung Anno 1624 zu Padua. Dieser Hartung hat noch 
bey deni gantz jiingeren Leonhard Tieffenbrucker, 
welcher auch gar feine Arbeit gemacht, welche fast mit 
der Vendelino Tieffenbruckers ubereinkommt, zu 
Venedig gelernet.« — Eine Laute und eine Theorbe von 
ihm sind im germanischen Museum zu Niirnberg (44). 
Geigenzettel : Padove Michielle (Hart)on (gedruckt). — 
MfH / In Padova / Michielle Harton 160(2?) (gedr.). 

Harvie, Robert, ein geschickter Dilettant, der 
1848 in Berwick-on-Tweed lebte 

Haslwanter, Johann. — Mlinchen. Geb. 
II.Febr. 1824 zu Krinn b. Mittenwald, 
t 4. Sept. 1884 in Munchen 
Pflegesohn und Schiiler von Ignaz Simon. Er be- 
griindete 1851 seine noch hestehende Firma und ver- 
legte sich fast ausschliefilich auf die Herstellung von 
Zithern. Eine Mandolinenzither von ihm besitzt W. 
Heyers Musikhistorisches Museum in Koln. Sein Sohn 
Johann Otto H. ist sein Nachfolger. 

Hass, Hieronymus Albrecht. — Hamburg. 
1743. 1785 

Vater und Sohn J. A. Hass (Hasse). Dafi sie auch 
Lauten u. dgl. gebaut haben, ist wahrscheinlich, doch 
waren sie nur als Klaviermacher beriihmt. Ein im 
Rokokostil reichverziertes Klavizimbel mit zwei 
Manualen und vielen Registern besitzt das Kopen- 
hagener musikhistonsche Museum. 

Hassert (Hasert), J.C. — Eisenach(?). 1728 

Der Stammvater der Familie. Auf dem Zettel seines 
Sohnes Johann Georg, der mir vorlag, war sein Wohn- 
ort unleserlich. Eine von ihm im Jahre 1728 gebaute 
Violine fiihrt das 1773 aufgestellte lnventar der da- 
maligen Cothener Hofkapelle auf. Hier werden die 
Vornamen J. C. angegeben, leider aber nicht der Wohn- 
ort. Diesen nennt jedoch J. Ph. Eisel in seinem 1738 
erschienenen Musicus avTodidaxroc, indem er unter 
den besten Gamben diejenigen »Haserts aus Eisenach « 
hervorhebt. 

Hassert (Hasert), Johann Christian. — Rudol- 
stadt. Geb. I.Mai 1759 zu Rudolstadt, 
t daselbst 3. Mai 1823 

Sohn des Johann Georg Christian H. (»Fiirstl. Musi- 
cal. -Hoff- und Feldtrompeters«). Auch er ward fiirstl. 
Hoftrompeter und war einer der bekanntesten Geigen- 
macher seiner Zeit. Er ahmte die hohe Wolbung 
Stainers nach und verarbeitete gutes Holz, doch haben 
seine Geigen nur einen kleinen, spitzen Ton. 

Hassert (Hasert), Johannes Georg Christian. — 
Eisenach, Rudolstadt. 1746. 1775 
Er lebte urspriinglich in Eisenach und kam spatcr als 
Hoftrompeter nach Rudolstadt. Er war ein tiichtiger 
Meister, der nach italienischen Vorbildern arbeitete. 
Im Selhofschen Versteigcrungsverzeichnis (1759) 



kommt eine Geige von ihm mit der jedenfalls falsch ge- 
lesenen Jahreszahl 1716 (es wird 1746 heifien sollen) 
vor. Otto halt ihn fiir einen Bruder von Joh. Christ. H., 
und nach Ottos Vorgang wird er in vielen Buchern auch 
jetzt noch dafiir ausgegeben. Auf einem leider verletzten 
geschriebenen Zettel liest man: . . . . aserti filius / 
.... (unleserlich) / Johann Georgius Hasertius / Rudol- 
stadtensis Anno 1750. Eine Tenorviole von ihm vom 
Jahre 1753 besitzt C. van Raalte. 
Geigenzettel: Hassert / Eisenach 1772. (gedruckt). — 
(+ J- H. im Kreis, Johannes Hasert Isenacensis, / 
Faciebat Anno 1775 (gedruckt). 

Haudek, Carl. — Wien. Geb. in Wien 21 . Okt. 

1862, f 14. Juli 1919 

Schiiler von C. H. Voigt. Als Gehilfe kam er zu Lem- 
bock, wurde Geschaftsfiihrer und 1892 durch Kauf 
Nachfolger der Firma G. Lembock. Er besaB mehrere 
Ausstellungsmedaillen und war Mitglied der Aus- 
stellungskommission fiir Paris 1900, Kommerzialrat der 
niederosterreichischen Handels- und Gewerbekammer 
und seit 1910 auch handelsgerichtlich beeideter Schatz- 
meister. Von ihm sind einige sehr gute Geigen und 
Violoncelli bekannt, auch war er ein vielbeschaftigter 
Reparateur. 
Geigenzettel: Abb. 331. 

Haughton, C., australischer Gitarren- und 
Banjomacher, der 1888 in Melbourne (Carl- 
ton) lebte 

Hauser, Antoni. — Reutte a. Lech. Geb. 1726, 
f 5. Marz 1806 in Reutte (nach Dr. Waldner) 
Zur Vilser Schule gehorig. Ein kleines Violoncello von 
ihm besitzt das Ferdinandeum in Innsbruck. 
Geigenzettel : Antoni Hauser Lauten- / macher i. Reuti. 
A. 1794. (geschrieben). 

Hausleib (Hauslieb). Lorenz. — Niirnberg. 

1598 

Er war Biirger von Niirnberg und wurde vom Kur- 
fiirsten Friedrich IV. von der Pfalz laut einer Urkunde 
vom 3. Juli 1598 in Dienst als Instrumentenmacher 
und Stimmer genommen. Er muBte nach Erfordern, 
mindestens aber zweimal jahrlich, im kurfiirst- 
lichen Hoflager erscheincn, urn alle Instrumente — 
auch die Orgeln — instand zu setzen, wofiir er 50 fl. 
Gehalt bezog. Seine Bestallung ist eingetragen im 
Pfalzer Kopialbuch 860 (GroBherzogl. Bad. Geh. 
Landesarchiv). 

Hauszer, Gustav. — Budapest, Zombor, Nagy- 
varad (Grofiwardein). 1888 
Ein Blasinstrumentenmacher, der sich auch hier und da 
mit Geigen beschaftigt. 

Haut, Gottfried. — Lodz. 1840 

Seiner Arbeit nach ein Dilettant ohne Fahigkeiten. 
Statt der Einlagen malte er grobe Linien an den Rand, 
die Schnecken schnitzte er flach und sehr unsauber. 
Geigenzettel: Gottfr. Haut / Lodz 1840 (geschrieben) 



202 



Hautstont Heap 



Hautstont, Charles. — Brussel. Geb. 1863 
Schuler von N. J. Vuillaume. Er ist ein tiichtiger 
Geigenmacher und Kenner alter Geigen und war 
wiederholt fiir das Museum des Brusseler Konser- 
vatoriums beschaftigt. 

Havas, Stephan (lstvan). — Budapest. Geb. 

1872 

Schuler von J. Bruckner, auch als Bogenmacher ge- 

schatzt. 

Geigenzettel : Havas lstvan / mi'ihangszerkeszito / 

Budapest / Ulloi ut 16 B. (gedruckt). 

Havelka, Johann Baptist. — Linz a. D. 1741. 

turn 1799 

Er erlangte 1761, vielleicht als Nachfolger von Blasius 
Weigert, die Geigenmacher-Gerechtigkeit und das 
Biirgerrecht in Linz. Seine alteste Arbeit tragt die 
Jahreszahl 1756 und war in der Wiener Musi k- und 
Theaterausstellung zu sehen. Er gebrauchte auf semen 
Zetteln bald nur den Taufnamen Johann (Joannes), 
zuletzt ausschliefilich Johann Baptist. Seine Arbeit 
ist sorgfaltig und stent zwischen der Wiener und Prager 
Schule; demNamen nach muft er ein geborener Bohme 
gewesen sein 1 ). 1m Jahre 1799 wurde Meinrad Frank 
sein Nachfolger, er diirfte daher anfangs 1799 gestorben 
sein. Eine gute Violine von ihm von 1783 besitzt das 
Stift St. Florian in Oberosterreich, eine andere, gleich- 
falls sehr sauber gearbeitete Violine aus dem Jahre 1 795 
besafi Ch. Mahillon in Brussel, eine Viertelvioline (von 
1766) die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 
Geigenzettel: Abb. 322 und 346. 

Havelka, Simon Johannes. — Linz a. D. 1 763. 

1774 

Vermutlich ein Bruder von Johann Bapt. H. und in 
seiner sorgfaltigen, sauberen Arbeit diesem ahnlich. 
Eine Violine, eine Viola und ein Violoncello von ihm 
aus den Jahren 1763, 1766 und 1774 besitzt das Stift 
St. Florian in Oberosterreich. 

Geigenzettel: Simon Joannes Havelka / fecit Lincii, 
1763 (gedruckt). 

Havemann, Carl Friedrich. — Klingenthal. 
1750. 1785 

Sohn von David Christ. H. und, wie dieser, auch musi- 
kalisch gebildet. 

Havemann, David Christian. — Klingenthal. 
1722. 1730 

Seinem Zettel nach war er schon 1722 Organist; als 
Meister erscheint er in den Innungsbiichern jedoch 
erst 1730. 

Geigenzettel: David Christian Havemann / Organist 
und Violinmacher in / Klingenthal 1722 (gedruckt). 



') Auf manchen seiner Zellel findet sich dasselbe Em- 
blem wie bei Hulinzky. 



Havemann, Friedrich Wilhelm. — Klingen- 
thal. 1761 

Sohn von Carl Friedr. H. — Der unbekannteste der 
Familie. 

Hawes, William. — Northampton. 1912 

Er gilt als guter Reparateur und soli als Tonverbesserer 
Erfolge erzielt haben. 

Hawkes & Son. — London 

Eine 1855 begriindete Musikinstrumentenhandlung, 
die seit 1890 in ihrer Werkstatt auch drei Geigenmacher 
mit dem Neubau von Violinen beschaftigt, die als 
»Konzert-Violinen« usw. in den Handel kommen. 

Hawkins, J.J. — London? 1800 

Erfinder einer Geige ohne Zargen und Boden, auf die 
er 1800 in England ein Patent nahm. 

Hawliczek (Havlicek), Friedrich. — Wien. 
fum 1906 

Er begriindete 1878 sein Geschaft und war der Nach- 
folger von Fr. Charwath. Er soil hauptsachlich in 
Schonbach vorgearbeitete Geigen fertig gemacht und 
kleine Reparaturen ausgefuhrt haben. Sein Geschaft 
wird von seinem Neffen fortgefiihrt. 

Hawraneck, Otto. — Markneukirchen. Geb. 

16. Mai 1866 

Ein Geigenmacher bohmischer Abstammung, der fiir 
den Handel arbeitete und selbst Handel trieb, aber 
schon vor 1900 von Markneukirchen fortgezogen ist. 

Haxby (Hardy?), Thomas. — York. 1770 

Ein wenig bekannter Meister, von dem auf der Lon- 
doner Music Loan Exhibition 1904 eine Zither aus dem 
Besitze von A. F. Hill ausgestellt war. 

Haynes, Jacob. — London. 1746 

Er baute nach dem Stainermodell und nach Barret, hat 
aber nichts Hervorragendes geschaffen. 

Haynes, W. S. — London. 1854. 1902 

Englische Geigenfirma der Gegenwart (Haynes & Co., 
Lim.) 1 ), GroBhandlung mit Musikinstrumenten. Die 
Firma stellt Geigen zu verschiedenen Preisen her und 
gibt ihnen besondere Namen, so: »Bienfait«, »Hidalgo«, 
>^E1 Tesoro«, »Stradella«, »RuggielIi«, »Anton Kessel«, 
»Herm. Schlosser«, »Vosgien«, »Carrodus« und 
»Haynes« usw. 

Heap, John Knowles. — Leeds. 1851 

Stellte 1851 ein Violoncello aus, das nach einem an- 
geblich auf mechanischer und mathematischer Basis 
ruhenden, ganz neuen Prinzipe gebaut war, und das 
nach seiner Behauptung auch nicht einen mangelhaften 
Ton in seiner ganzen Skala hatte. 



] ) Friiher: Haynes, Foucher & Co. 



Heaps Heberlein 



203 



Heaps, Alfred Walter. — Sidney, N. S. W. 
Geb. 1854 

Er gilt in Australien als guter Geigenmacher und soil 
auch einen schonen Ollack verarbeiten. 

Heath, S. F., lebte im 19. Jahrhundert in Bir- 
mingham 
Heaton, William. — Gomersal. Geb. 1827. 

1899 

Englischer Geigenmacher. der urspriinglich wie sein 
Vater und GroBvater Kunsttischler war. Schon in 
seinem 15. Jahre versuchte er ein Violoncello zu bauen, 
aber erst um 1872 machte er den Geigenbau zu seinem 
Berufe, und da er mit Geschick und groBer Sorgfalt 
arbeitete und sich als feiner Holzkenner bewahrte, fand 
er bald die Anerkennung musikverstandiger Leute. 
Seine Geigen sind in den Umrissen nach Stradivari, in 
der Wolbung nach Maggini gebaut. 
Geigenzettel : William Heaton / Maker. / Hill, Top, 
Gomersal / Nr. . . . Leeds (gedruckt). 

Heber, Carl Wilhelm. — (Mark)Neukirchen. 
Geb. um 1712. 1740 

Er ward am 20. Marz 1734 Meister und arbeitete nach 
den iiblichen Vogtlander Modellen. Er Iiebte eine flache 
Wolbung und niedrige Zargen. Auf seinen Zetteln fehlt 
entweder der Wohnort, oder es ist Absam (Absom) da- 
fur angegeben. In einer seiner Geigen fand Aug. Diehl 
einen zweiten Zettel mit den Versen : 

Viel falsches nachgemacht 

Sich da und dort schleicht ein, 

Drum sieh mein Petschaft an 

Willst nicht betrogen seyn. 
Geigenzettel: Carl Wilhelm Heber / Lauten & Violin- 
macher fecit 17 . . (gedruckt). — Carl Wilhelm Heber. 
setv (sic) / Iacobs Stainer in Absam prope / Oenipun- 
tum Ao 1758 (gedruckt). 

Heber. — Stettin. Um 1860 

Ein Stettiner Theatermusiker, der sich mit dem Geigen- 
bau beschaftigte und einige neue Geigen gemacht 
haben soil. 

Heberl (Heberle) s. Tomaso Eberle 
Heberlein, Albert August jun. — Mark- 

neukirchen 1921 

Geigenbaumeister, dessen Viohnen und Violoncelh 

gelobt werden. 

Heberlein, Albert Theodor. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1880 

Zweiter Sohn und Schiller von Heinrich Th. H. jun. 
Ein ttichtiger Geigenmacher, der im vaterlichen Ge- 
schafte tatig ist. 

Heberlein, Carl August. — Markneukirchen. 
Geb. 9.Juli 1805, f 21. Marz 1879 

Schuler seines Vaters Johann Gottlob H. und dann des 
Dresdener Hofinstrumentenmachers Aug. Fntzsche. 



Er begnindete 1835 sein heute noch unter der Firma 
seines Sohnes Heinrich Th. H. jun. fortbestehendes 
Geschaft und machte auBer Geigen auch vorzugliche 
Gitarren und Lauten, verlegte aber sich in den letzten 
Jahren ausschliefilich auf das Geigenmachen. 

Heberlein, Chr. August (gen. »Spohr«). — 
Markneukirchen. Geb. 1814, f 1894 
Er war »BaBmacher« von Beruf und hat daher wohl nur 
sehr wenige Violinen aus Liebhaberei gemacht; es 
erklart sich dadurch auch, daB diese keinen eigenthchen 
Kunstwert haben. Seinen Beinamen verdankt er dem 
Umstande, daB er einen Kinnteller erfunden hatte, den 
er »Spohr« benannte. Die Markneukirchener nannten 
ihn von da an selbst kurzweg den »Spohr«. 

Heberlein, Christoph. — (Mark)Neukirchen. 
Geb. 1690, f 1761 

Er klebte selten einen Zettel in seine Geigen, die nur 
gute Durchschnittswaren genannt werden konnen. Er 
starb im Alter von 71 Jahren, weniger 1 Monat und 
5 Tage. 

Heberlein, Ernst Heinrich. — Markneukirchen 

Geb. 26.Juli 1814, f lO.Juli 1894 

Sohn und Schuler von Joh. Gottlob H. In seiner Jugend 
baute er einige Geigen, spater verlegte er sich jedoch 
ganzauf das Gi.arrenmachen und erlangte dann einen 
gewissen Ruf. Nach einer Privatmitteilung soil er auch 
den Beinamen »Spohr« gefuhrt haben (oder nur er?), 
»da er lange Zeit der einzige Violoncellospieler in Mark- 
neukirchen war*. (Die Begriindung des Beinamens 
erscheint mir dadurch allerdings nicht sehr stichhaltig.) 

Heberlein, Ernst Julius. — Markneukirchen. 
Geb. 22.Dez. 1865 

Er gilt als geschickt, ist aber noch wenig hervorgetreten. 

Heberlein, Fritz. — Markneukirchen 

Er bestand im Jahre 1920 die Meisterprufung als 
Geigenmacher. 

Heberlein, H. — Kbnigsberg. 1895 

Ein Markneukirchener, der einige Zeit in Konigsberg 
ansassig war, nicht zu verwechseln mit dem Violoncello- 
virluosen Hermann Heberlein, der jetzt in Amerika lebt. 

Heberlein, Heinrich Richard. — Markneu- 
kirchen. Geb. 31. Marz 1847 
Er war BaBmacher. 

Heberlein, Heinrich Theodor jun. — Mark- 
neukirchen. Geb. 5. Nov. 1843, t 1910 

Schuler seines Vaters Carl August H., ging von 1861 
bis 1863 zu Riechers und machte sich 1863 in seinem 
Geburtsorte selbstandig. Er gehorte zu den besten 
Geigenmachern Markneukirchens seiner Zeit und be- 
zeichnete seine von ihm selbst gemachten Instrumente 
im Gegensatz zu vielen vogtlandischen Berufsgenossen, 
die die »Zettel nach dem Modell einkleben«, stets mit 
seinem Namen. Schon 1873 wurden seine Arbeiten 



204 



Heberh 



Heesom 



denen des Franzosen Thibouville gleichgestellt. Er 
imitierte die alten Meister, sowohl was Sauberkeit der 
Arbeit als auch was den Ton anbelangt. Er besaB sieben 
erste Ausstellungspreise und den Albrechtsorden. Er 
hielt auf die Ehre seiner Kunst und hat auch als Lehrer 
der Fachschule fur Instrumentenbau verdienstvoll ge- 
wirkt. Sein Geschaft wird von seinen Sohnen fort- 
gesetzt. 
Geigenzettel : Abb. 337 und 345. 

Heberlein, Johann Gottlob. — Markneu- 
kirchen. Geb. H.August 1782, f 2. Mai 
1856 

Schiiler von Joh. Gottlob Schonfelder. Da er selbst ein 
tuchtiger Geiger war, arbeitete er mit Eifer darauf hin, 
einen guten Ton zu erzielen, und machte auch manchen 
interessanten Versuch. So stfllte er 1813 mit Hilfe des 
Blasinstrumentenmachers Diirrschmidt eine Geige aus 
Messing her usw. 

Geigenzettel: Johann Gottlob Heberlein / Violin 
macher et Musicus / in Neukirchen 1816 (gedruckt). — 
Johann Gottlob Heberlein / Geigenmacher und Musi- 
cus in Neukirchen (gedruckt) und Abb. 355. 

Heberlein, Julius. — Markneukirchen 

Lebt als Streichinstrumentenmacher in seinem Hei- 
matsorte. 



Markneukirchen. Geb. 



Heberlein, Paul. 
15. Mai 1872 

Er lernte bei seinem Vater Heinrich Th. H. jun., war 
dann durch drei Jahre der letzte Schiiler von August 
Riechers in Berlin und hat nach dessen Tode auch das 
Geschaft bis zur Auflosung desselben gefuhrt. Er ist ein 
tuchtiger Meister und im vaterlichen Geschaft tatig. 

Heberlein, Reichard. — Markneukirchen. Geb. 
1871, f 1895 

Er war kurze Zeit in der Geigenmacherlehre, wurde 
aber Kaufmann. 

Heberlein, Richard. — Niirnberg. Geb. 1862 
in Markneukirchen 

Schiiler von Adolph Hammig, bei dem er von 1876 an 
drei Jahre lernte. Er arbeitete darauf bei Gustav Roth 
und Albin Vogt und spater bei Liebich in Breslau. 
Nach Beendigung seiner Militarzeit kam er zu Ludwig 
Glaesel und Heinrich Theod. Heberlein. Von da ging 
er nach Berlin, nach Rufiland und war Werkfiihrer bei 
Altrichter in Frankfurt a. 0. Zuletzt kam er nach Niirn- 
berg, richtete das Weidingersche Geschaft ein und blieb 
fiinf Jahre da. 1894 eroffnete er seine eigene Werkstatt 
und machte sich einen Namen als tuchtiger Geigen- 
macher. 

Hec, Giovanni. — Rom. 1606 

Ein <n Rom ansassiger vlamischer Lautenmacher, der 
1606 als Zeuge urkundlich erwahnt wird. Er war viel- 
leicht der Eigentumer der unter der Firma »a la Trinita« 
bestehenden und schon 1590 in Rom erwahnten Lauten- 



macherwerkstatt und diirfte richtig Hecke (van Hecke 
oder Eecke geheiBen haben; wahrscheinlich ist er 
identisch mit Giovanni Ecchio. — Ein Van Hecke 
(Vaneck) wird noch 1 773 als Erfinder einer zwolfsaitigen 
Gitarre genannt. 

Hecha. — Cadix 

Ein Mandolinenmacher, der urn die Mitte des 19. Jahr- 
hunderts in Cadix lebte, soil diesen vielleicht falsch 
ubermittelten Namen gefuhrt haben. 

Heck, August, hat sich als Geigenmacher in 

Baltimore niedergelassen 
Heckel, Friedr. August. — Markneukirchen. 

Geb. ll.Febr. 1840 in Adorf 

Er war eine Zeitlang in Markneukirchen ansassig und 
hauptsachlich fur Handler tatig, scheint aber inzwischen 
gestorben oder wieder verzogen zu sein. 

Heckel, Heinrich Wilhelm. — Markneukirchen 
Geb. 13. Nov. 1856, f26.Dez. 1894 

Die wenigen Geigen, die seinen Zettel tragen, sind in 
der Hauptsache zusammengesetzt aus den einzelnen 
Bestandteilen, die von Facharbeitern hergestellt wurden . 

Heckel, Rudolf. — Dresden. Geb. 1857 in 
Markneukirchen 

Schiiler von Ludwig Glasel. Nach beendigter Lehrzeit 
kam er zu Adolf Paulus (Firma